Ich und sensibel? Höchstens auf Salz

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2 18 Salz das weiße Gold? Salz und Blutdruck Schon seit langem ist die Kochsalzzufuhr immer wieder in der Diskussion nicht zuletzt aufgrund der engen Verbindung zum Blutdruck. Es ist zwar wissenschaftlich belegt, dass die Salzzufuhr allein keinen Bluthochdruck auslösen kann, jedoch erhöht übermäßiger Salzkonsum, wie ihn insbesondere jüngere Menschen und vor allem Männer betreiben, die Wahrscheinlichkeit, eine Hypertonie zu entwickeln. Kochsalz kann also bei entsprechender genetischer Disposition (Veranlagung) neben vielen anderen Ernährungsfaktoren für die Entwicklung eines Bluthochdrucks mitverantwortlich sein. Neben dem Einfluss auf die Entstehung ist eine überhöhte Salz- oder Natriumzufuhr auch in Bezug auf die Behandlung eines bestehenden Bluthochdrucks von Bedeutung. Ich und sensibel? Höchstens auf Salz Es werden kochsalzempfindliche (sensitive oder sensible) und kochsalzunempfindliche (nicht-sensitive) Menschen unterschieden. Das heißt: Nicht alle Menschen reagieren gleichermaßen empfindlich auf Natrium bzw. Kochsalz. Das Ausmaß der Blutdrucksteigerung der beiden Gruppen ist individuell unterschiedlich hoch. Vor allem bei empfindlichen Personen kann eine hohe Salzzufuhr negative Folgen für die Gesundheit haben. Auch die Blutdrucksenkung durch Beschränkung der Kochsalzaufnahme ist bei salzempfindlichen Hochdruckkranken deutlicher als bei salzunempfindlichen. Trotz allem spielt eine

3 Salz: Freund oder Feind? 19 kochsalz- oder natriumreduzierte Ernährungsweise bei jeder Bluthochdruckbehandlung eine entscheidende Rolle. Rund % der Bevölkerung und 50 % der Hochdruckkranken sind kochsalzempfindlich. Da man nicht weiß, wer zu den»sensiblen«und den»nicht-sensiblen«menschen gehört, und da fast alle Hochdruckpatienten auf eine Salzrestriktion mit einem deutlichen Blutdruckabfall reagieren, sollten Hypertoniker grundsätzlich nicht mehr als 5 bis 6 Gramm Salz täglich aufnehmen. Bei dieser Menge spricht man von einer normalen und ausreichenden Salzzufuhr, die keine negativen Auswirkungen hat. Neben der Natriumchloridzufuhr scheint darüber hinaus das Verhältnis der Natrium- zur Kaliumzufuhr für die Höhe des Blutdrucks von Bedeutung zu sein. Eine ausreichende Kaliumaufnahme bei gleichzeitiger Natriumeinschränkung trägt im Allgemeinen zur Verminderung des Bluthochdrucks bei. Hypertonie: Zu viel Druck in den Blutgefäßen Der Blutdruck wird mit zwei Zahlen ermittelt: Dem systolischen Wert (auch Systole, oberer Wert) und dem diastolischen Wert (Diastole, unterer Blutdruckwert). Der Druck wird dabei in der Einheit mmhg angegeben (ausgesprochen: Millimeter Quecksilbersäule; mm = Millimeter, Hg steht für Quecksilber). Die erstgenannte größere Zahl, die Systole, gibt den höchsten Blutdruckwert an, der erreicht wird, wenn

4 20 Salz das weiße Gold? der Herzmuskel das Blut in die Arterien (Gefäße, die vom Herzen wegführen) pumpt. Der zweite kleinere Wert, die Diastole, verdeutlicht den Druck in den Blutgefäßen in der Ruhephase, also zwischen den Herzschlägen. Anhand dieser beiden Werte wird der Blutdruck klassifiziert sowie Bluthochdruck (Hypertonie) diagnostiziert (siehe Tabelle). Von Hypertonie (Bluthochdruck) spricht man, wenn ein ständig erhöhter arterieller Blutdruck von systolisch über 140 mmhg und diastolisch über 90 mmhg bei völliger (sprich körperlicher und seelischer) Ruhe vorliegt. Ein einzelner erhöhter Blutdruckwert macht noch keinen Bluthochdruck. Fast alle Menschen reagieren Einteilung des Blutdrucks (nach WHO): Systolischer Wert Diastolischer Wert Optimal < 120 < 80 Normal < 130 < 85 Hochnormal Bluthochdruck (mild) Bluthochdruck (mäßig) Bluthochdruck (schwer) > 180 > 110 Isolierter systolischer Bluthochdruck > 140 < 90

5 Salz: Freund oder Feind? 21 ab und zu, vor allem in Stresssituationen wie einem Arztbesuch, mit erhöhten Blutdruckwerten. Um einen Bluthochdruck zu diagnostizieren, ist es erforderlich, mehrfach den Blutdruck zu erheben und das unter normalen Bedingungen. Erst wenn nach dreimaliger Messung zu mindestens zwei verschiedenen Zeitpunkten ein zu hoher Blutdruck gemessen worden ist, spricht man von Hypertonie. Genauer sind jedoch Langzeitmessungen über 24 Stunden. Dabei wird dem Patienten ein Blutdruckmessgerät umgehängt, das einen Tag lang regelmäßig automatisch den Blutdruck misst und die erhobenen Werte speichert. Beim Arzt (insbesondere beim Internisten, im Idealfall ein Nephrologe) werden die Ergebnisse anschließend ausgewertet. Ein bisschen Fachchinesisch für Interessierte Minutenvolumenhochdruck: Das Herzminutenvolumen ist erhöht, was vor allem den systolischen Blutdruck in die Höhe treibt. Aus einem Minutenvolumenhochdruck entwickelt sich später ein Widerstandshochdruck. Widerstandshochdruck: Die peripheren Widerstandsgefäße sind vermehrt angespannt, was hauptsächlich den diastolischen Blutdruck erhöht.

6 22 Salz das weiße Gold? Ursachen der Hypertonie Man unterscheidet verschiedene Hypertoniearten, die unterschiedliche Ursachen haben. Der sekundäre Blut hochdruck wird durch andere Grunderkrankungen hervorgerufen (beispielsweise Erkrankungen der Nieren oder der Schilddrüse) und kann durch eine Ernährungstherapie nicht so leicht behandelt werden, weshalb diese Form hier eher kurz abgehandelt wird. Formen und Ursachen eines sekundären Bluthochdrucks: Renaler Bluthochdruck: beruht auf einer Erkrankung der Nieren Endokriner Bluthochdruck: beruht auf hormonellen Erkrankungen, beispielsweise Überfunktion der Schilddrüse Medikamente: beispielsweise die Antibaby-Pille Ernährung: beispielsweise durch zu viel Lakritze oder Alkohol Kardiovaskuläre Erkrankungen: wie beispielsweise Aortensklerose Schwangerschaft Neurogen bedingter Bluthochdruck: beispielsweise bei Hirntumoren Der primäre, essentielle Bluthochdruck macht etwa 80 bis 90 Prozent aller Fälle aus. Als Ursachen werden insbesondere genetische Veranlagung, psychosoziale Faktoren und Lebensstilfaktoren (beispielsweise Ernährung, Bewegung oder auch Stress) diskutiert man spricht hier von einem multifaktoriellen Krankheitsbild.

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