Plank, WS 03/04, EinfLing, M&S 4b 1 Morphologische Analyse:

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1 Plank, WS 03/04, EinfLing, M&S 4b 1 Morphologische Analyse: Segmentieren in Morphe (gegebenenfalls) Zusammenfassen von Morphen als Realisierungen eines Morphems Erfassen von Allomorphie-Beziehungen (Art der bedingten Alternation, Art der Bedingung) Klassifizieren von Morphemen Arten von Morphemen: nach Status frei, lexikalisch oder gebunden, grammatisch =Stamm, Wurzel =Affix o.a. Exponent LEXEM GRAMMEM nach Bedeutung Personen, Dinge, Handlungen, Eigenschaften usw. (allgemeines Kriterium: Zeitstabilität?) nach Stellung speziell Affixe: näher beim Stamm oder ferner vom Stamm vgl. un-de-cipher-abil-ity, re-place-ment-s anti-dis-establish-ment-ar-ian-ism (alles hier nur eine Frage der Reihenfolge?) vor, hinter, im, um den Stamm (Präfix, Suffix, Infix, Circumfix) sonst noch was? 1

2 Plank, WS 03/04, EinfLing, M&S 4b 2 ja, nach den Kombinationsmöglichkeiten: womit sich ein Morphem verbindet; von welcher Art die resultierende Kombination ist z.b. im Englischen, siehe obige Beispiele de- -able un- -ity tritt vor ein Nomen und bildet daraus ein Verb, z.b. de-throne, de-rail tritt hinter ein Verb und bildet daraus ein Adjektiv, z.b. eat-able, perish-able tritt vor ein Adjektiv und bildet daraus ein Adjektiv, z.b. un-wise, un-able tritt hinter ein Adjektiv und bildet daraus ein Nomen, z.b. stupid-ity, impossibil-ity Stimmt das alles? Oder ist die Kombinatorik manchmal vielfältiger? (Nachprüfen, etwa mittels eines Wörterbuchs oder eines Handbuchs der engl. Wortbildung) Man bestimme ebenso die Kombinatorik der anderen Affixe oben. Und übrigens: Was heisst es zu sagen, etwas ist ein Nomen, Verb, Adjektiv? Woran erkennt man, zu welcher Wortart ein Wort gehört? Fragen, die einfach zu beantworten sind, aber auch wieder nicht. 2

3 Plank, WS 03/04, EinfLing, M&S 4b 3 Was folgt daraus für die Struktur der Morphem- Kombinationen (=Wörter, im morphologischen Sinn)? Besteht sie nur darin, dass Morpheme aufeinander folgen? Oder gibt es noch eine andere wichtige strukturelle Beziehung neben der der linearen Abfolge? ja, die Beziehung UNMITTELBARER TEIL SEIN VON (oder: ENGER ZUSAMMENGEHÖREN MIT) 3

4 Plank, WS 03/04, EinfLing, M&S 4b 4 Zur Illustration: Was sind die letzlichen (morphologischen) Teile von undecipherability? die Morpheme un-, de-, cipher, -able, -ity, in dieser Reihenfolge Was sind die unmittelbaren Teile (nach Ausweis der beschränkten Kombinationsmöglichkeiten der jeweiligen Teile) des Nomens undecipherability? das Adjektiv undecipherable und -ity (A\N) des Adjektivs undecipherable? un- (A/A) und das Adjektiv decipherable des Adjektivs decipherable? das Verb decipher und -able (V\A) des Verbs decipher? de- (V/N) und das Nomen cipher anders ausgedrückt: [ [ un- [ [ de- [ cipher N ] V ] -able A ] A ] -ity N ] (wobei die eckigen Klammern markieren, was jeweils zusammengehört; eine andere, aber gleichwertige Darstellungsform dafür sind Konstituentenstrukturbäume) 4

5 Plank, WS 03/04, EinfLing, M&S 4b 5 Morphem-Kombinationen (zumindest die hier betrachteteten) haben also neben einer linearen auch eine hierarchische Struktur (unmittelbare Konstituenten). Gleiches gilt für Wort-Kombinationen (zumindest in vielen, wenn nicht allen Sprachen): in einem Satz gehören manche Wörter enger zusammen als andere; sie bilden Phrasen. In Die Würfel sind gefallen bildet die eine Phrase mit Würfel, sind eine andere Phrase mit gefallen, aber nicht Würfel mit sind, trotz ihrer unmittelbaren Nachbarschaft. 5

6 Plank, WS 03/04, EinfLing, M&S 4b 6 Man vergleiche die Annahmen über die innere Struktur der Silbe, einer rein lautlichen Einheit, die ihrerseits auch aus Teilen besteht, letztlich den Segmenten (oder Phonemen), wenn nicht sogar den Merkmalen. Die einfachste Annahme zur Silbenstruktur wäre, dass sie darin besteht, dass die letzlichen Bestandteile aufeinanderfolgen und in sonst gar nichts. z.b. /k œ t/ Unsere Annahme war aber komplexer. Es gibt unmittelbare Teile der Silbe, Ansatz und Reim, die ihrerseits selbst wieder aus Teilen bestehen, der Reim aus Nukleus und Coda also: [k [œ t]] oder: σ Ansatz Reim Nukleus Coda K V K k œ t Dahinter steht die empirische Annahme, dass manche Teile enger zusammengehören als andere: /œ/ und /t/ enger als /k/ und /œ/ 6

7 Plank, WS 03/04, EinfLing, M&S 4b 7 Was ist bei der Silbe Evidenz für eine solche hierarchische Struktur? z.b. Bestimmung des Silbengewichts (nur Reim), Reime, Versprecher Bei den komplexen Wörtern oben, wie undecipherability, war die Evidenz die beschränkte Kombinatorik der Morpheme. Aber es gibt noch andere Evidenz; z.b. die Konstruktion der Gesamtbedeutung aus den Bedeutungen der Teile. Nachprüfen! 7

8 Plank, WS 03/04, EinfLing, M&S 4b 8 Aufgabe Man zerlege den folgenden englischen Satz (hier in seine silbischen Bestandteile zerlegt, mit Kennzeichnung der Betonung durch Buchstabengröße) in seine letztlichen morphemischen Bestandteile: the.un.de.ci.phe.ra.bi.li.ty.of.the.third.and.fifth. SEN.tence.SEEMS.UN.de.NI.able Antwortvorschlag: th e un de cipher abil ity of th e thir d and fif th sentence seem s un deni able Welche Arten von Morphemen haben wir hier? Wo gibt s Allomorphie? Welche Morpheme gehören enger zusammen als andere? (M.a.W.: Was ist die unmittelbare Konstituentenstruktur?) 8

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