Dr. Wilma Schönauer-Schneider Das Monitoring des Sprachverstehens (MSV) Frag nach!

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1 Dr. Wilma Schönauer-Schneider Das Monitoring des Frag nach! Heilbronn,

2 sstudie von Dollaghan & Kaston (1986): 1. Effektives Zuhören Erkennen von und Reagieren auf Äußerungen (Monitoring des Sprachverstehens): 2. mit unzureichenden akustischen Gegebenheiten 3. mit unzulänglichem Inhalt 4. mit zu großer Komplexität

3 Ergebnisse der Dollaghan & Kaston Studie (1986) 4 Kinder (5;10 8;2 J.) Sitzungen 2-3mal pro Woche für 20 Minuten (Aus: Dollaghan/Kaston 1986, 268)

4 Agenda / Erkennen

5 Monitoring des Sprachverstehens comprehension monitoring : to detect and react to messages which have not been understood (Johnson 2000, 2) Monitoring des : Erkennen von Missverständnissen durch die Beurteilung einer gehörten Äußerung und den Vergleich mit möglichen Bezugspunkten und Alternativen Gegebenenfalls nötige Reaktion auf missverstandene oder mehrdeutige Inhalte

6 Monitoring des Sprachverstehens Sprachverstehenskontrolle (SVK) Schmitz & Diem 2007 active listening (Aktives Zuhören) u.a. Johnson 2005 pragmatic comprehension (pragmatisches Verstehen) vs. linguistic comprehension

7 Sprachverstehen als 2-stufiger Prozess wahrnehmen (auditive Verarbeitung) Monitoring des zuordnen (linguistische Analyse) primär vergleichen, beurteilen überprüfen antworten/ nachfragen (Feedback) sekundär, exekutiv (MSV) Nach Markman (1981)

8 Hohe Bedeutung als Klärungsstrategie für alltägliche Kommunikation Ziehen von Schlussfolgerungen (SES-Kinder!) Nachfragen bzw. Feedback geben Strategie für kommunikativen und schulischen Erfolg: Überprüfen, ob richtig gehört Kompensation bei Abschalten, anderen Aktivitäten Kompensation sprachlicher Defizite Schriftsprache (Textverstehen)

9 Studien zum MSV bei SES-Kindern fragen weniger nach als Kontrollgruppen reagieren häufiger nur nonverbal erkennen nicht bzw. sind sich nicht bewusst, dass sie etwas nicht verstehen Eher Strategie des Ratens bzw. (z.t. passiven) Abwartens Erkennen in Geschichten weniger Inkonsistenzen als Kinder mit vergleichbarem rezeptiven Wortschatz (u. a. Donahue et al. 1980, Dollaghan 1987, Hargrove et al. 1988, Skarakis-Doyle & Mullin 1990)

10 Entwicklung bei kleinen Kindern Fähigkeit des Nachfragens bereits mit 18 Mo. (Pea 1982) 3-4-Jährige: grundlegende MSV-Fähigkeiten (v.a. nonverbal, Nein-Sagen, unspezifische verbale Reaktionen, jedoch meist ohne Erkennen des Grundes) Bei 5-jährigen: weitere Zunahme nonverbaler Signale und verbaler Klärung Von allgemeinen Nachfragen zum spezifischen Mit 6 Jahren: verlässliches MSV bei Anweisungen (u. a. Patterson et al. 1981, Revelle et al. 1985, Sodian 1986; Schmitz & Diem 2007)

11 MSV beim Textverstehen (Entdecken von Erwartungsverletzungen) (v.a. Skarakis-Doyle, Dempsey) Voraussetzung: mentale Repräsentation von Geschichten (Aufbau von Erwartungen) Bereits 2-Jährige: Monieren/verwunderter Blick bei Inkonsistenzen in bekannten Geschichten Monate: entstehendes MSV bei bekannten Geschichten, Anstieg v.a. mit 36 Monaten Entdecken von Inkonsistenzen in einfachen Texten: mit 4 Jahren meistens, mit 6 Jahren zuverlässig

12 Mögliche Ursachen Mangelnde Aufmerksamkeit/ Passivität Kommunikatives Umfeld Pragmatisches Defizit Geringes MSV Rezeptive Sprachstörung

13 Überprüfung (v.a. 70/80er Jahre): unterschiedliche Methoden Bildauswahl Manipulation von Gegenständen (Bauklötze, Spielzeugautos durch Modelldorf) Verständlichkeitsbeurteilung (Spielanleitung, Aufsatz)

14 Monitoring des Sprachverstehens: akustisch Grund für Miss-/ Nichtverstehen Instruktion störendes Geräusch ( Buch zu) störendes Geräusch (Niesen) Mehrdeutigkeit: mehrere Alternativen unbekannter Wortschatz Setze das Mädchen auf die Rutsche. Setze den Jungen auf (Niesen) Setze das Mädchen in den Sandkasten (4 Mädchen) Setze den Jungen in die Botanik.

15 Übung: MSV Auswertung: Grund falsche/ keine Reaktion Falsche Reaktion mit Äußerung Instruktion Nonverbale Reaktion Allgemeine Frage/ Aussage Spezifische Frage/ Aussage Geräusch Setzen den Jungen auf [hatschi] Wortschatz Setze den Jungen in die Botanik!

16 Weitere diagnostische Möglichkeit ASVK: Analyse kindlicher Sprachverstehenskontrollprozesse (Petra Schmitz 2012) an 37 sprachlich unauffälligen Kindern normiert Altersgruppe: 3;6 4;11 Jahre kommunikativ sinnvolle Rahmenhandlung: Kind hilft Pirat bei Aufträgen für Königin

17 Mögliche Beobachtungsbausteine 3 Reaktionen auf Missverstehen Keine /Falsche Reaktion Nonverbale Reaktion Allgemeine Frage Spezifische Frage akustisch Unzulänglicher Inhalt Wortschatz Komplexität

18 Mögliche Beobachtungsbausteine z.b. Die Hexe kauft einen Besen (Ottfried Preußler): 1) Zuhörverhalten 2) Fragen zum Geschichtenverstehen: Was möchte die kleine Hexe kaufen? Welche Besen hat Herr Pfefferkorn? Warum will die kleine Hexe einen Besen mit einem längeren Stiel kaufen?

19 Mögliche Beobachtungsbausteine 3) MSV: Ausmalbilder mit Anweisungen: (Müller 2009) Male den Kürbis gelb an (zu schnell) Male den Hut orange an (mehrdeutig) Male die Schrumpe blau an (Pseudowort)

20 MSV auf Textebene (u.a. Skarakis-Doyle et al. 2008) Splish Splash Story (Übersetzung nach Skarakis-Doyle/Dempsey 2008 von Schulze 2010) Ich kann noch nicht baden! Adaption aus dem Englischen: Manuela Schulze Illustrationen: Kathrin Petrich

21 MSV auf Textebene (u.a. Skarakis-Doyle et al. 2008) Überprüfung des Textverstehens durch 3 Aufgaben: Begleitete Nacherzählung (joint retell tast) Verständnisfragen zur Geschichte (traditionell) Entdecken von Erwartungsverletzungen (expectancy violation detection task): MSV Studie zu 2 ½ - 4-Jährigen: gemeinsames Bilderbuchbetrachten als Simulation einer natürlichen Eltern-Kind-Interaktion -Fragen + MSV scheinen für Kinder ab 3 Jahren reliabel und valide für die des Textverstehens zu sein

22 Also greift Mama zum Wasserhahn und dreht das kalte Wasser auf, bis das Wasser schön warm ist. Aus: Schulze (2010): MSV im Kindergartenalter Unveröffentlichte Zulassungsarbeit LMU München

23 sbausteine nach Johnson (2000) Baustein I: GUT ZUHÖREN Baustein II: NACHFRAGEN IST WICHTIG/ TOLL (Fragekultur) Baustein III: RATEN - WISSEN Gut Mit- /Nachdenken Baustein IV: IDENTIFIZIEREN der Ursachen für Missverstehen und KLÄRUNGSSTRATEGIEN

24 MSV Training des Monitoring des Konversation Konzeptebene Handlungsebene Textebene Zuhören/ Zuhörverhalten Denken/ Nichtwissen (Raten) -Wissen (spezifische) Nachfragen (spezifische) Nachfragen B1+B2 B3 B4 B5

25 Baustein I: Gut Zuhören

26 Baustein I: Gut Zuhören (Gruppe/Klasse) Kontrastieren von schlechtem und gutem Zuhören, z.b. Aufstehen vom Stuhl Aus dem Fenster/ in die Luft schauen Dazwischen reden Rückfrage: Wie hörst du gut zu? Visualisierung mit Hilfe von Piktogrammen

27 Baustein II: Fragen ist toll! (Haltung/Beratung) Lob, spezifische Verstärkung v.a. durch Eltern-/ Erzieheraufklärung Das ist richtig - gut mitgedacht Das ist gutes Sitzen Da hast du genau nachgefragt

28 Baustein III: Konzeptebene: Wissen Nichtwissen (Gruppe/Klasse)

29 Baustein III: Konzeptebene: Wissen Nichtwissen Erarbeitung des Konzepts Raten / Nichtwissen, z.b. mit Schachtel, die ungewohnte Dinge enthält Sicherung mit Piktogrammen Übung mit Rätseln: Weißt du oder rätst du? Wenn du etwas nicht weißt, was kannst du tun?

30 Baustein III: Konzeptebene: Wissen Nichtwissen Sicherung über Ratebücher: Was macht der Elefant mit seinem Rüssel? (Reichenstetter/Siegers 2009) Rate mal, was das ist (van Genechten 2011)

31 Baustein IV: Training in Kleingruppen (2-4 Kinder), auch einzeln möglich Ca. 6 Sitzungen Methoden: Modellieren, Feedback Verstärken, spezifisch Loben Metasprachliches Reflektieren Einsatz von Piktogrammen Übung Peer-learning

32 Baustein IV: 1) Akustische Unzulänglichkeiten Telefonspiele mit Rauschen/zu leisem Ton Anweisungsspiele Wichtig: geringe lexikalische und syntaktische Anforderungen Noch mal Hachul/Schönauer- Schneider 2012, 171

33 Baustein IV: 2) Inhaltliche Unzulänglichkeiten Welchen? Welche? Welches?

34 Baustein IV: 3) Komplexität Was xy?

35 Baustein IV: 3) Komplexität: Kombination mit semantisch-lexikalischer Therapie: Strategien zum Erwerb neuer Wörter Nachfragen und Begriffsklärung nachfragende Handpuppe oder Figur Einsatz von Requisiten: Fragehut Fragende Charaktere aus bekannte Geschichten Was xy?

36 Baustein IV: Weitere Spielideen: Bilderbücher (v.a. Quatschbilderbücher, Wimmelbilderbücher, magnetische Bilderbücher), Playmobil/Lego/Duplo bzw. andere Figuren Autoteppich, Puppenküche, Kaufladen Smarties

37 Baustein IV: Spielideen für ältere Kinder: Spiele mit Anweisungen (u.a. Rategarten) Pläne (Stadt, U-Bahn, Tierpark ) Anleitungen (Basteln, Essen, Kochen) Spiele mit den Piktogrammen

38 Ergebnisse der Johnson Studie (2000) (Aus: Johnson 2000, 13)

39 Effektivität als klassenbasiertes Förderkonzept mit curricularen Inhalten: Lernzuwachs (Prä-/Posttest) Dziallas 2010, 92 Dziallas/ Schönauer -Schneider 2012

40 Textverstehen: Vermittlung von Strategien: Fragen stellen (v.a. sich selbst Fragen) Erwartungen aufbauen: Vermutungen anstellen/ Hypothesen formulieren (Aktivieren von Vorwissen; was könnte weiter passieren?) Überprüfen, ob das Verstandene Sinn ergibt und Klärungsstrategien Zusammenfassen Visualisieren

41 MSV auf Textebene: Erkennen von Erwartungsverletzungen Wortebene: unbekannte Wörter Inhaltsebene: Falsche/unpassende Inhalte Was xy?

42 MSV auf Textebene: Erkennen von Erwartungsverletzungen Vorwissen Thema Wald aktivieren: Tiere im Wald Feinde der Maus Futter der Tiere Körperteile der Tiere Erwartungen generieren Wovon handelt die Geschichte? Was könnte passieren? Wie könnte es weitergehen? Scheffler & Donaldson (1999): Der Grüffelo

43 auf Textebene: Kombination mit Sachaufgaben In der Klasse 3b sind heute nur 24 Kinder. 5 Kinder haben blaue Hosen an. Wie viele Kinder fehlen heute? Susi hat 15 im Geldbeutel. Sie bekommt von Mama noch 5 dazu. Welche Farbe hat ihr Geldbeutel?

44 Literaturhinweise: Dziallas, D. & Schönauer-Schneider, W. (2012): Frag doch nach! Sind en zum Monitoring des Sprachverstehens bei sprachentwicklungsgestörten Kindern effektiv? L.O.G.O.S. interdisziplinär 20, 4, Hachul, C. & Schönauer-Schneider, W. (2012): Sprachverstehen im Kindesalter. München: Elsevier Reber, K. & Schönauer-Schneider, W. (2011, 2. Aufl.): Bausteine sprachheilpädagogischen Unterrichts. München: Ernst Reinhardt Dr. Wilma Schönauer-Schneider 44

45 Weitere Literaturhinweise: Dollaghan, C. & Kaston, N. (1986): A Comprehension Monitoring Program for Language-Impaired Children. Journal of Speech and Hearing Disorders, 51, Dollaghan, C. (1986): Comprehension monitoring in normal and language-impaired children. Topics in Language Disorders 7, 2, Dziallas, D. (2010): MSV & Peer Learning: Eine empirische Vergleichsuntersuchung zur Effektivität eines klassenbasierten Förderkonzeptes. Unveröffentl. Zulassungsarbeit, LMU München Heel, M./Janda, S. (2011): von Sprachverständnis im Vorschulalter. Explorative Untersuchung zum Textverständnis. Unveröffentlichte Masterarbeit an der LMU München Johnson, M. (2000): Promoting Understanding of the Spoken Word through Active Listening. Paper presented at the Conference of the National Association of Professionals Concerned with Language Impairment in Children (NAPLIC), University of Warwick, 8-9 April Johnson, M. ( ): Functional Language in the Classroom [and at Home]. A Handbook for Children with Communication Difficulties. Clinical Communication Materials. Manchester Metropolitan University: Unveröffentlichtes Manuskript. Johnson, M. (2007): Getting the message across. Unveröffentlichte Seminarunterlagen aus einem Workshop in Broadstairs am Markman, E. (1981): Comprehension Monitoring. In: DICKSON, W. P. (Hrsg.): Children s Oral Communication Skills (61-84). New York/ London/ Toronto/ Sydney/ San Francisco: Academic Press Dr. Wilma Schönauer-Schneider 45

46 Revelle, G., Wellman, H.M., Karabenick, J. D. (1985): Comprehension Monitoring in Preschool Children. Child Development Schmitz, P. & Diem, A. (2007): Sprachverstehenskontrolle Ein wichtiger Ansatzpunkt in der Therapie von Sprachverstehensstörungen. Forum Logopädie 21, 5, Schmitz, P. (2012): Analyse kindlicher Sprachverstehensprozesse (ASVK): Idstein: Schulz-Kirchner Verlag Schönauer-Schneider, W. (2008): Monitoring des, comprehension monitoring Welche Bedeutung hat es für Kinder mit rezeptiven Sprachstörungen? Die Sprachheilarbeit 53, Schulze, M. (2010): Monitoring des Sprachverstehens im Kindergartenalter Untersuchungen zum MSV auf Textebene bei Kindern mit und ohne spezifische Sprachentwicklungsstörungen. Unveröffentlichte Zulassungsarbeit: LMU München Sodian, B. (1988): Das Nicht-Bemerken von Inkonsistenzen in Texten: Ein metakognitives Defizit jüngerer Kinder? Zeitschrift für Entwicklungspsychologie und Pädagogische Psychologie. Band XX, Heft 1, Skarakis-Doyle, E. & Mullin, K. (1990): Comprehension Monitoring in Language-Disordered Children: A Preliminary Investigation of Cognitive and Linguistic Factors. Journal of Speech and Hearing Disorders 55, Skarakis-Doyle, E./Dempsey, L./Lee, C. (2008): Identifying Language Comprehension Impairment in Preschool Children. Language, Speech and Hearing Services in Schools, 39, Dr. Wilma Schönauer-Schneider 46

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