Messung des BIP mit dem Produktionsansatz. Marktwert: Die Bewertung zu deren Marktpreisen erlaubt die Addition ungleicher Buchungsposten

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1 Messung des BIP mit dem Produktionsansatz Das BIP (Bruttoinlandprodukt) besteht aus dem neu innerhalb einer Nation und während einem fixen Zeitraum produzierten Marktwert der Endgüter und dienstleistungen. Marktwert: Die Bewertung zu deren Marktpreisen erlaubt die Addition ungleicher Buchungsposten Problem 1: Erfasst keine nicht vom Markt bestimmte Aktivitäten wie die Führung eines Haushalts, den Wert der Umweltqualität und den Abbau von Ressourcen Problem 2: Die Schattenwirtschaft Leistungen des Staats (welche nicht auf Märkten verkauft werden) werden zu ihren Produktionskosten bewertet 1

2 Neu produziert : berücksichtigt nur Güter & DL, die in einer bestimmten Periode hergestellt wurden und ignoriert somit solche aus früheren Produktion (Vorräte) Endgüter und Dienstleistungen Zwischengüter und dienstleistungen werden nicht erfasst: Diese werden zur Herstellung anderer Güter und DL in derselben Periode aufgebraucht Aufaddieren der Wertschöpfung funktioniert daher gut, da dabei automatisch um die Zwischengüter bereinigt wird Obwohl Kapitalgüter zur Produktion anderer Güter gebraucht werden gelten diese als Endgüter, da sie in ihrer Herstellungsperiode nicht vollständig aufgebraucht werden. 2

3 Das BIP der Schweiz: die Zahlen Quelle: Homepage BFS 3

4 Wertschöpfung nach Branchen in der Schweiz Quelle: Seco 4

5 Der Verwendungsansatz zur Messung des BIP Erfasst die totalen inländischen Ausgaben für Endgüter und Dienstleistungen innerhalb einer spezifischen Periode. Vier Hauptkategorien der Ausgaben: Konsum (C), Investitionen (I), Staatskonsum von Gütern und Dienstleistungen (G) sowie Nettoexporte (NX) Y = C + I + G + NX (1) Gegeben NX= X M, können wir (1) umformen: Y+M = C + I + G + X (2) Gesamtangebot = Gesamtnachfrage 5

6 Konsum: Ausgaben der inländischen Haushalte für Endgüter und Dienstleistungen (inklusive solcher, die im Ausland hergestellt wurden) Rund 60% des CH BIP 3 Kategorien Gebrauchsgüter Verbrauchsgüter Dienstleistungen C 6

7 Staatskonsum von Gütern und Dienstleistungen: Konsumausgaben des Staates für Güter und Dienstleistungen G Rund 11% des CH BIP in 2013, gestiegen von 9.5% in 1980 Bund, Kantone und Gemeinden Nicht alle Staatsausgaben bestehen aus Käufen von Gütern und Dienstleistungen Ein Teil sind Zahlungen die nicht im Austausch für Güter und Dienstleistungen getätigt werden Dies sind zum einen Transfers, inklusive Sozialabgaben, Unterstützungs und Arbeitslosenzahlungen Zum Anderen Zinszahlungen auf Staatsschulden Ein weiterer Teil sind Staatsausgaben für Kapitalgüter die in den Kapitalstock des Landes fliessen, wie bspw. Autobahnen, Flughäfen, Wasserversorgung, etc. Diese Ausgaben sind jedoch Teil von I. I 7

8 Ausrüstungsinvestitionen: Ausgaben für neue Kapitalgüter I Rund 11% des CH BIP Investitionen der Firmen in: Ausrüstungen Software Bauinvestitionen Rund 9% des CH BIP Wohnungsbau (Investitionen der Haushalte): Ausgaben für den Bau von Häusern und Wohnungen Investitionen der Unternehmen: Büros, Produktionsanlagen, Öffentliche Investitionen in Infrastruktur wie Strassen, Brücken, Eisenbahnlinien, Tunnels, I Makroökonomie - Uni Basel 8

9 Rolle der Lagerveränderung ΔL als Teil von I. Lagerbestände bestehen aus unverkauften Fertigerzeugnissen, Gütern in Produktion sowie Rohmaterialien Lagerinvestitionen, dh. Veränderungen der Lagerbestände gelten ebenfalls als Endgüter... und statistische Unterschiede Wenn nicht anders spezifiziert: ΔL=0 9

10 Aussenhandel Exporte: Inländische Güter und Dienstleistungen, die vom Ausland gekauft werden Importe: Ausländische Güter und Dienstleistungen, die von Bewohnern im Inland gekauft werden Importe werden vom BIP subtrahiert, da sie im Ausland produziert werden und bereits in Konsum, Investitionen und Staatsausgaben enthalten sind Die relative Bedeutung der jeweiligen Güter und Dienstleistungen variiert von Land zu Land. Für die Schweiz sind die Exporte von Dienstleistungen von grosser Relevanz 10

11 Schweizer Warenexporte in der Krise 11

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13 13

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17 Der Einkommensansatz zur Messung des BIP Addiert das durch die Produktion generierte Einkommen auf (inkl. Gewinne und Steuerzahlungen an den Staat) Entschädigungen an Angestellte (inkl. Begünstigungen) und Selbstständig erwerbende Unternehmensgewinne und Mieteinkommen (Wohnungen, Parkplätze, ) Steuern auf Produktion und Importen Transferzahlungen Abschreibungen (der Wert des abgenutzten Kapitals innerhalb einer Periode) BIP + Netto Faktoreinkommen aus dem Ausland = BNE 17

18 18

19 Wird das BIP korrekt gemessen? Quelle: Intermediate Macro - Uni Basel 19

20 Was heisst das für die gegenwärtigen Sanierungsmassnahmen in Italien, Griechenland,? Intermediate Macro - Uni Basel 20

21 Mehr BIP = höherer Wohlstand? Intermediate Macro - Uni Basel 21

22 3.3 Der Kreislauf, 3 Märkte und einige Identitäten Y = C + S p Y = C + I S p = I Konsum [C] Gütermarkt [C] Haushalte Ersparnisse [S p = Y - C] Finanzmarkt Investitionen[I] Firmen Einkommen Markt für Produktionsfaktoren Löhne, Zinsen, Dividenden, einbehaltene Gewinne [Y] 22

23 Einführung eines (verschuldeten) öffentlichen Sektors Y = C + G + I I = Y C G S p = Y C (T Tr-Int) S p I = (G + Tr + Int) - T Konsum [C] Gütermarkt [C + G] Haushalte Steuern [T] Transfers & Zinsen [Tr + Int] Ausgaben [G] Staat Budgetdefizit Firmen Einkommen [Y] Ersparnisse [S p = (Y + Tr + Int - T) - C] Finanzmarkt Markt für Produktionsfaktoren Investitionen [I] Löhne, Zinsen, Dividenden, einbehaltene Gewinne [Y] 23

24 Einführung des externen Sektors Konsum [C] Gütermarkt Totaler Umsatz [C + G + X - M] Haushalte Steuern [T] Ausgaben [G] Staat Importe [M] Rest der Welt Exporte [X] Firmen Transfers & Zinsen [Tr+Int] Budgetdefizit Kapitalimporte Kapitalexporte Ersparnisse [S p = (Y + Tr + Int - T) - C] Einkommen Einkommen [Y [Y = C + G I] + I + X - M] Finanzmarkt Markt für Produktionsfaktoren Investitionen [I] Löhne, Zinsen, Dividenden, einbehaltene Gewinne [Y] 24

25 Volkswirtschaftliche Gesamtrechnung: Einige Identitäten Y = C + G + I + X M i1: BIP YD = Y + Tr + Int T i2: Verfügbares Einkommen S p = YD C i3: Private Ersparnisse S p = Y + Tr + Int T C mit i2 und i3 S p = G + I + X M + Tr + Int T für Y i1 einsetzen S p = I (T G Tr Int) + (X M) Budgetsaldo (Budgetdefizit) Etragsbilanz 25

26 Erweiterung: Netto Faktoreinkommen und BNE BIP = Innerhalb einer Nation produzierter Output BNE (Bruttonationaleinkommen, früher Bruttosozialprodukt) = der von sich in inländischem Besitz befindenden Produktionsfaktoren produzierte Output BIP = BNE NFP NFP = Netto Faktoreinkommen (net factor payments) = Faktorentschädigungen aus dem Ausland an Produktionsfaktoren in inländischem Besitz minus Faktorentschädigungen aus dem Inland an Produktionsfaktoren in ausländischem Besitz Korrekte Ertragsbilanz (current account): CA = X M + NFP 26

27 27

28 Erweiterung der bereits bekannten Folie BNE = Y + NFP = C + G + I + X M + NFP i1.1: BNE YD = Y + NFP + Tr + Int T i2.1: Verfügbares Einkommen S p = YD C i3: Private Ersparnisse S p = Y + NFP + Tr + Int T C i2.1 in die i3 S p = G + I + X M + NFP + Tr + Int T für (Y + NFP) i1.1 einsetzen S p = I (T G Tr Int) + (X M + NFP) Private Ersparnisse Budgetsaldo (Budgetdefizit) Ertragsbilanz! 28

29 Nationale Ersparnisse und Sparüberschuss S p = I (T G Tr Int) + (X M + NFP) (T G Tr Int) = S g De facto können die öffentlichen Ersparnisse (S g ) <, = oder > 0 sein. S p + (T G Tr Int) = I + (X M + NFP) S p + S g = I + (X M + NFP) S I = (X M + NFP) Nationaler Sparüberschuss Ertragsbilanz! 29

30 Handelsbilanz: Grenzüberschreitenden Verkehr von Gütern. Dienstleistungsbilanz: Grenzüberschreitenden Verkehr von Dienstleistungen Netto Arbeitseinkommen Netto Kapitaleinkommen Übertragungen Grenzüberschreitenden Transfers wie z.b. Entwicklungshilfe = Ertragsbilanz Für die Schweiz besonders von Bedeutung sind die sog. Kapitaldienstleistungen, also die Zinszahlungen, die aufgrund von Investitionen von Inländern im Ausland anfallen. 30

31 Kapitalverkehrsbilanz: Die Bilanz, welche die Veränderungen der grenzüberschreitenden Forderungen (Investitionen) umfasst. Ertragsbilanz + Kapitalverkehrsbilanz = Zahlungsbilanz Die Zahlungsbilanz weist definitionsgemäss einen Saldo von Null auf. 31

32 Twin deficit Länder: nicht nur ein Problem der Staatsfinanzen Ertragsbilanz und Wettbewerbsfähigkeit S p = I (T G Tr Int) + (X M + NFP) CA Was beeinflusst die Nachfrage nach X und M? Problem Lösung Nominaler Wechselkurs Verkaufspreise Abwertung? Reduktion der Produktionskosten? Erhöhung der Produktivität? Innovation Produkt Bessere Qualität? Innovation Nominallöhne, Lohnnebenkosten, Arbeitsstunden, 32

33 Quelle: Goldman Sachs, Intermediate Macro - Uni Basel 33

34 3.4 Messung von Preisen Preisindizes Ein Preisindex misst das durchschnittliche Niveau der Preise für eine Reihe von Gütern und Dienstleistungen, relativ zu den Preisen eines spezifischen Basisjahres Konsumentenpreisindex (KPI,LIK) Monatlicher Index von Konsumgüterpreisen; weist im Basisjahr einen Durchschnitt von 100 auf Basiert auf einem Warenkorb im Ausgaben Basisjahr 34

35 Struktur des LIK Warenkorbes 35

36 Bewegen sich alle Preise zeitgleich?.24 Verteilung der Inflationsraten im LIK (218 Indexpositionen) Density CPIINF JAN 09 (0.1% yoy) CPIINF JAN 08 (2.4% yoy) Verteilung der yoy Preisveränderungen der 218 Komponenten des LIK (Daten Januar). 36

37 Bewegen sich alle Preise zeitgleich? 37

38 Konzept der Kerninflation Grundidee: Die zugrundeliegende Inflationsdynamik von individuellen Preisschocks isolieren. Variante 1: immer dieselben Güterkategorien ausschliessen. Beispiele Wie? Variante 2: Statistischer Ansatz Beispiele Wie? 38

39 Beispiele Schweizer Kerninflationsmasse 39

40 Beispiele Schweizer Kerninflationsmasse TM = trimmed mean 40

41 Andere wichtige Preisindizes Produzentenpreisindex Importpreisindex BIP Deflator Immobilienpreisindizes 41

42 Wieso können andere Preisindizes wichtig sein? Quelle: Daniel Kaufmann, Do producer and import prices lead consumer prices?, SNB, mimeo, March

43 TBOX 1 Korrelationen, leads und lags Zwei grundlegende statistische Eigenschaften einer jeden Zeitreihe sind deren Mittelwert und Median Mittelwert: x x1 x2... xt 1 T T Median: Manchmal ist der Mittelwert der Daten irreführend, da die Datenverteilung alles andere als symmetrisch ist. Der Median ist der Wert der zentralen Beobachtung des sample: 50% der Beobachtungen liegen links, 50% rechts davon. Berechnung: Sortieren der Daten nach Grösse und Betrachtung der zentralen Beobachtung. Wenn die Anzahl der Beobachtungen gerade ist, wird der Median aus dem Mittelwert der beiden zentralen Beobachtungen gebildet. Der Median beschränkt die Auswirkungen der Ausreisser (outlier) T t 1 x t Makroökonomie - Uni Basel 43

44 Mittelwert und Median Jährliche Haushaltseinkommen im Dorf K (20 Haushalte) 1 15' ' ' ' ' ' ' ' ' ' ' ' ' ' ' ' ' ' ' '200'000 Median: Mittelwert: CHF Ausreisser Makroökonomie - Uni Basel 44

45 Masse der Streuung 40 Misst die Abweichung der Beobachtungen vom Mittelwert des sample Var: 96 StdAbw: Mittelwert= StdAbw: 0.97 Var: Makroökonomie - Uni Basel 45

46 Varianz: Misst die Abweichung der Beobachtungen von ihrem Mittelwert. Eine einfache Addition würde immer Null ergeben. Daher wird die Varianz als Summe der quadrierten Differenzen zum Mittelwert, dividiert durch T 1 berechnet. Die entsprechende Masseinheit sind Prozente. 2 x 1 T T 1 t 1 ( x t x) 2 Var( a x) 0 Var( x) Var( c * x) c 2 * Var( x) Makroökonomie - Uni Basel 46

47 Der Standardabweichung liegt hingegen dieselbe Masseinheit wie die der Variable X zugrunde x 2 2 x 2 1 T ( x T 1 t 1 t x) 2 Zusammenhangsmasse zeigen uns, wie Änderungen in 2 Variablen miteinander zusammenhängen Kovarianz: Cov( y, x) 1 T x y ( yt y)( xt x, T 1 ) t 1 Makroökonomie - Uni Basel 47

48 Korrelationskoeffizient Cov( y, x) Corr( y, x) x, y x y x y, x y Liegt immer zwischen 1 und 1 Leads und lags Simultane Korrelation: Corr(x t,y t ) Kreuzkorrelation: Corr(x t,y t i ) z.b.: vorauslaufende Indikatoren (leading indicators) für das BIP Makroökonomie - Uni Basel 48

49 Anwendung: Output gap, Zinsen und Inflation M Libor Headline inflation Intermediate Macro - Uni Basel 49

50 Intermediate Macro - Uni Basel 50

51 Intermediate Macro - Uni Basel 51

52 Intermediate Macro - Uni Basel 52

53 Intermediate Macro - Uni Basel 53

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