Kommunikation - Gespräch - Beratung in der Sozialen Arbeit. Block 1 Videolecture

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1 Hochschule für Soziale Arbeit FHNW Modul BA 111 Grundlagen der Kommunikation, Gesprächsführung und Beratung Kommunikation - Gespräch - Beratung in der Sozialen Arbeit 1 Frau Baum holt ihren Sohn Richard ins Wochenende ab... 2 Soziale Arbeit und kommunikatives Handeln - eine Übersicht 3 Professionelle Kommunikation, wenn Frau Baum Richard abholt? 4 Literatur Dr. rer. soc. Wolfgang Widulle Institut für Beratung, Coaching und Sozialmanagement Block 1 Videolecture

2 Richard und seine Mutter Richard ist der 13-jährige Sohn von Herrn und Frau Baum. Die Eltern haben sich nach der Totgeburt des vier Jahre jüngeren Bruders getrennt. Frau Baum lebt in einer neuen Partnerschaft und hat mit ihrem neuen Partner eine fünfjährige gemeinsame Tochter. Richard lebt auf Grund aggressiver Durchbrüche, die sich vor allem gegen seine Mutter richten, seit zwei Jahren in der stationären Wohngruppe X. in A. Er besucht seine Mutter regelmäßig am Wochenende und ist auch ab und an bei seinem leiblichen Vater. Richard möchte wieder bei seiner Mutter leben; die platzierende Behörde unterstützt seinen Wunsch. Sie hat der Mutter vorab einen sozialpädagogischen Familienhelfer mit einer Beratungsausbildung zur Seite gestellt und der Familie darüber hinaus nahegelegt, Familienberatung in Anspruch zu nehmen. Auch mit der Wohngruppe findet ein reger Austausch und regelmässige formelle Elterngespräche wie auch informelle Übergabegespräche und Telefonate, vor allem mit Frau Baum, statt.

3 Frau Baum kommt am Freitag, um Richard ins Wochenende abzuholen Frau Baum kommt auf die Wohngruppe, zur Türe herein, begrüsst Sie und beginnt zu erzählen. Ich hoffe also das Wochenende geht gut, wissen Sie, ich fühl mich einfach schlecht. Richard war so oft aggressiv an den Wochenenden, das halt ich kaum mehr aus und macht mir auch Angst... und jeder sagt was anderes, ob Richard jetzt heimkommen soll oder nicht, mein Mann findet das und meine Eltern dies, und wie die Wochenenden ablaufen sollen und überhaupt: Ich hab das Gefühl, alles falsch zu machen... Dann redet sie in einem Schwall weiter, will sich spürbar erleichtern und Sorgen loswerden.

4 Als Disziplin und Profession hat sie einen Gegenstand Soziale Probleme von Individuen in sozialen Systemen Sozialen Systeme mit Individuen und eine Aufgabe Beschreibung, Erklärung und Lösung + Entschärfung sozialer Probleme durch Hilfeprozesse zur Unterstützung von 1. prekären materiellen Lebenslagen 2. Erziehung und Bildung in riskanten Lebenssituationen und -welten 3. zeitweilig/dauerhaft eingeschränkter Bewältigung von Alltagsaufgaben unter den Bedingungen folgender Strukturmerkmale professionellen Handelns Mehrfachmandate Subjektive Wirklichkeitskonstruktionen Technologiedefizit Nichtstandardisierbarkeit der Hilfen Koproduktion und Dialog Allzuständigkeit Fehlende Monopolisierung Alltagsnahe Kompetenzdurchsetzung Soziale Arbeit und kommunikatives Handeln - eine Übersicht und verfügt über eine Wissens- und Handlungsstruktur Metatheorie z.b. Philosophie, Erkenntnistheorie, Wissenschaftstheorie Objekttheorien z.b. Psychologie, Soziologie, Pädagogik, Ökonomie analysiert und beeinflusst Soziale Problem und soziale Systeme Allg. Handlungstheorie Prinzipien professionellen Handelns Rationales Handeln Systematisches Problemlösen Spezielle Handlungstheorien = Methoden für spez. Problemkonstellationen z.b. zur Veränderung von Sichtweisen und Fähigkeiten: Beratung und Training strukturieren methodische Einwirkung auf Soziale Wirklichkeit kulturell sozial psychisch biologisch ist die Basis für ein ebenenreiches Geschehen phys.-chemisch dazu ist erforderlich Methodisches Handeln Fallarbeit und Hilfeplanung als kognitives Problemlösen KIGB als sozialkommunikatives Problemlösen Kommunikation und Interaktion als soziales Handeln zur Verständigung mit und Beeinflussung von Menschen, Gruppen,... Viele Kontexte, Felder, Settings, Medien und Formen Gesprächsführung Kooperativ-kommunikatives Problemlösen in formellen Gesprächen in Hilfe- oder Organisationsprozessen Sprache als Medium Viele Felder, Settings, Rollen, Gegenstände Professionelle Beratung Spezifisch strukturierter, auf Klientenanliegen zentrierter Interaktionsprozess: Problem-, prozess-, ressourcen-, bewältigungs- und lösungsorientiert Ziele: Wissen, Erkennen, Entscheiden, Handeln, Teilhabe Kommunikation: Ebenen und -formen Gesellschaft/Öffentlichkeit Massenkommunikation direkt oder medienvermittelt Institution interpersonale Kommunikation direkt oder medienvermittelt Nahraum: Gruppe, Familie, Team interpersonale Kommunikation Dyade interpersonale Kommunikation direkt und medienvermittelt Person intrapersonale Kommunikation Kommunikation im Prozess professionellen Handelns Hilfeprozess Betreuung Begleitung Beratung Ablösungs- phase Arbeitsphase Abklärungsphase Gesprächsprozess als zielorientierter Prozess Themenklärung Themenbearbeitung Einstieg Abschluss Der Kommunikationsprozess Situation Reaktion Information senden + zugleich empfangen Organisationsprozess Team + Institution interprofessionell Folgen für kommunikatives Handeln Professionelles Handeln: IMMER kommunikativ Professionelle Kommunikation: zielorientiertes Handeln Kontextorientierung: Verstehen geht nur aus dem Kontext Personorientierung - subjektives Erleben von Klienten ernstnehmen und zu verstehen suchen Systemorientierung Man ist NIE nur zu zweit! Menschen - verfolgen Ziele - nehmen wahr - verarbeiten - reagieren - erhalten Feedback Prozessorientierung Klienten sind immer Teil einer sozialen Situation, sind in Entwicklung, in Übergängen, teils in Krisen

5 Wenn Sie s gut gemacht haben mit Frau Baum haben Sie vielleicht folgendes getan... Sie sind aus dem Alltagsgespräch aus- und in Beratung eingestiegen durch... Klärung von zur Verfügung stehender Zeit, Raum und Rahmen Herstellung der Rollenbeziehung Berater ratsuchende Person Übergangssätze vom Rahmen Alltag zum Rahmen Beratung verbale Markierung der Rolle Berater Mitteilung des Anliegens durch die Klientin Einleitungssätze mit +/- deutlicher Markierung des Beratungsbeginns Wechsel von der Alltags- zur reflektierenden Kommunikation Bestätigung des Klienten im Kommunikationsmodus (reflexive Komm.) Strukturverantwortung für den Verlauf des Gesprächs beim Berater Hollstein/Brinkmann 2016

6 Lesehinweise Widulle, Wolfgang (2012). Gesprächsführung in der Sozialen Arbeit. Wiesbaden: Springer VS. Einleitung S lesen. Röhner, Jessica & Schütz, Astrid (2012). Psychologie der Kommunikation. Wiesbaden: Springer VS. Überblick über das Buch verschaffen. Literatur zur Vertiefung Bräutigam, Barbara/ Müller, Matthias (2014). Die Sehnsucht einen Pudding an die Wand zu nageln : vom Ertragen und dem produktiven Umgang mit Diffusität und Unsicherheit im Kontext niedrigschwelliger Beratung. Hollstein-Brinkmann, Heino (2016). Beratung zwischen Tür und Angel: Professionalisierung von Beratung in offenen Settings. Aufl. Wiesbaden: Springer VS. Obrecht, Werner (2006). Interprofessionelle Kooperation als professionelle Methode. In: Schmocker, Beat (Hg.). Liebe, Macht und Erkenntnis. Luzern: interact. S Staub-Bernasconi, Silvia (2007). Soziale Arbeit als Handlungswissenschaft: Systemtheoretische Grundlagen und professionelle Praxis - Ein Lehrbuch. Bern: Haupt UTB. Stimmer, Franz & Weinhardt, Marc (2010). Fokussierte Beratung in der Sozialen Arbeit. München: Ernst Reinhardt.

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