Psychische und soziale Aspekte am Beispiel Rückenschmerz

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1 Sport bei Gelenkbeschwerden Psychische und soziale Aspekte am Beispiel Rückenschmerz S. Krakor Sportklinik Hellersen, Abt. Sportmedizin Rückenschmerz 1

2 Risiko für Rückenschmerzen Verletzungen und Erkrankungen der Wirbelsäule Degenerative Veränderungen Bewegungsmangel Überlastungen einseitige Belastungen Stress, Angst, Sorgen, hoher Entscheidungsdruck Gute Fitness kann vorbeugend gegen Rückenschmerzen wirken. u.a. Hakala 2002, Barnekow-Bergkvist 1998 Akuter Rückenschmerz Meist tritt rasch eine gute Besserung ein. Innerhalb eines Monats wieder arbeitsfähig Die Besserung tritt in der Regel am deutlichsten innerhalb einen Monat ein, innerhalb von 3 Monaten ist eine Besserung noch die Regel später tritt eher selten eine Besserung ein. Auch die Patienten die innerhalb von 1-3 Monaten eine Besserung erfahren, haben meist noch leichte anhaltende Beschwerden für 3-12 Monate. Ein Rezidiv innerhalb von 12 Monaten ist häufig. Aktivitäten in den ersten Tagen ggf. vermeiden Stufenlagerung, leichte Mobilisierung möglich Pengel

3 Chronischer Rückenschmerz Mehrere Studien belegen, dass weniger die Veränderungen an der Wirbelsäule als vielmehr psychosoziale Faktoren ein bedeutendes Risiko für die Chronifizierung von Rückenschmerzen darstellen: Depressionen Angsterkrankungen Medikamentenmissbrauch chronischem Stress Unzufriedenheit mit der Arbeit niedriges Selbstwertgefühl Deyo 1988, Burton & Tillotson 1991, Burton et al 1995, Klenerman et al 1995, Gatchel et al 1995, Anderson 1999 Ursachen für Rückenschmerz 3

4 Schmerzdiagnose Die regelmäßig erwähnte `somatische Fixierung von Patienten auf ihre Schmerzen ist häufig auch das Ergebnis von Befunden, die erhoben und mitgeteilt wurden, ohne dass ein Zusammenhang mit dem tatsächlichen Befinden nachvollziehbar ist oder die Bedeutung erklärt wird. Nilges / Gerbershagen 1994 Sport ist gesund!? Sport bei Rückenschmerzen? 4

5 Sport gegen Rückenschmerz Sporttherapie Konzeption Therapieansatz: Mensch als Ganzes Gesundheit im Allgemeinen Ziel: Verbesserung der Lebensqualität emotionale Ebene (psychosoziale Dimension) rationale Ebene (pädagogische Dimension) funktionale Ebene (funktionelle Dimension) 5

6 Theorie / Konzeption Funktionale Ebene - motorisch - Bewegungsmöglichkeiten verbessern (qualitativ, quantitativ) Belastbarkeit erhöhen/ erhalten Beschwerden reduzieren Alltags- und Freizeitaktivitäten anpassen Mobilität ~ Lebensqualität Theorie / Konzeption Rationale Ebene - kognitiv - Grundkenntnisse vermitteln - Anatomie / Pathologie - Training / Dosierung Zusammenhänge aufzeigen - Fehl- und Überlastungen Verhaltensweise überprüfen - Hilfe zur Selbsthilfe 6

7 Theorie / Konzeption Emotionale Ebene - affektiv und psychosozial - Angst und Vertrauen Freude und Spaß Erfolgserlebnisse Erfahrungsaustausch Bekanntenkreis Gesundheit? 7

8 Gesundheit Definition von Gesundheit der WHO vom : Gesundheit ist ein Zustand völligen körperlichen, seelischen und sozialen Wohlbefindens und nicht nur das Freisein von Krankheit und Gebrechen. Bedeutung von Gesundheit Grundproblem Gesundheitliche Aspekte werden im allgemeinen erst dann persönlich wahrgenommen, wenn man krank ist. Bös

9 Gesundheitsmodelle Pathogenese Entweder man ist krank oder gesund! Salutogenese Man ist mehr oder weniger krank und gesund! Gesundheits-Krankheits Krankheits-KontinuumKontinuum Gesundheitsmodelle Was macht krank? Pathogenese Krankheitsentstehung und -behandlung Was hält gesund? Salutogenese Gesundheitserhaltende Faktoren und ihre Förderung 9

10 Psycho-soziale Faktoren... sind neben körperlichen Faktoren von besonderer Bedeutung für die Gesundheit. Überzeugung, daß die eigene Existenz sinnvoll ist Positives Selbstwertgefühl Überzeugung, künftigen Lebenssituationen gewachsen zu sein Belastende Lebensereignisse eher als Herausforderung und nicht als Bedrohung empfinden, Optimismus statt Pessimismus Sozialer Rückhalt wirkt dabei unterstützend. vgl. auch Scheier / Carver 1984 Salutogenese-Modell Vereinfachtes Salutogenese-Modell nach Antonovsky (1979, 1987) 10

11 Stressoren akute und chronische Erkrankungen eingeschränkte Leistungsfähigkeit, Behinderungen Risikofaktoren (z.b. Bluthochdruck, Übergewicht, Stress, Rauchen, Bewegungsmangel) negative Lebenseinstellung fehlende soziale Unterstützung Schutzfaktoren Leistungsfähigkeit (Fitness) gesunde Lebensweisen (z.b. Bewegung, Ernährung) soziale Einbindung und Unterstützung Wissen über Gesundheit positives Selbstwertgefühl, Selbstüberzeugung positive Lebenseinstellung 11

12 Gesundheit und Sport vgl. Bös u.a Sekundäre Risiko- faktoren 1. Ordn. Sekundäre Risiko- faktoren 2. Ordn. Sekundäre Risiko- faktoren 3. Ordn. Primäre Risiko- faktoren 1. Ordn. Primäre Risiko- faktoren 2. Ordn. Primäre Risiko- faktoren 3. Ordn. Psycho-soziale Dimensionen Belastungen durch soziales Umfeld Emotionale Reaktion auf belast. Lebenssituat. Risikopersönlichkeit, Umgang m.belastungen Risikoverhalten, hormonale Prozesse Stoffwechsel- veränderungen Pathologische Veränderungen Krankheitsereignis Beruf, soziales Umfeld, sozialer Wandel,... Unzufriedenheit, Angst, Aggression, Sorgen,... allg. Risiko-Verhalten, chron.. Stressreaktionen Rauchen, Bew.-mangel erhöhtes Adrenalin,... Erhöhter Blutdruck, Blutfette, -zucker,... Gefäßverengung Arteriosklerose,... Herzinfarkt 12

13 Psycho-soziale soziale Effekte > Stresswahrnehmung nimmt mit steigendem Fitnesslevel signifikant ab (Tucker 1990) > Sportliche Aktivität führt zu besserem Selbstwertgefühl (Sonstroem 1984) > Sport, vor allem im Verein, ermöglicht die Einbindung in ein soziales Umfeld Sport- und Bewegungstherapie Effekiv zur Vorbeugung und Behandlung von chronischen Rückenschmerzen (Vuori 2001) Reduziert Schmerz und Arbeitsfehltage und verbessert Funktionalität (Hayden 2005, van Tulder 2000) Multimodale Ansätze erweisen sich als erfolgreicher (Schonstein 2003, Söllner 1997, Seeger 2001) Sporttherapie ebenso erfolgreich wie klassische physikalisch-rehabilitative Therapie (hoch signifikante Verbesserung hinsichtlich funktioneller Tests (Schober, Ott und Matthiaß) und Schmerz. Patienten der Gruppe Sporttherapie zeigten signifikant bessere Ergebnisse bei den Variablen Depressivität und Ängstlichkeit. (Steinau 1999) 13

14 Sport gegen Rückenschmerz Bewegungsmangel entgegenwirken (viel und vielseitig bewegen) keine unnötige Angst vor Bewegung schüren Eigenverantwortlichkeit fördern Freude, Freunde und... im Sport "Wir sollten allmählich daran denken, dass Patienten nicht nur eine Wirbelsäule sondern auch einen Kopf haben; und wir sollten anfangen, unseren eigenen zu gebrauchen... (Nachemson, 1991) 14

15 Gesundheit für Ihre Aufmerksamkeit! Weitere Infos unter: 15

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