Ökonomische Aspekte der Schadensminderung

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1 Forum für Suchtfragen 2016 Schadensminderung ein Ansatz mit Zukunft Ökonomische Aspekte der Schadensminderung Simon Wieser, Prof. Dr. oec. publ. Winterthurer Institut für Gesundheitsökonomie Zürcher Hochschule für Angewandte Wissenschaften Basel, 10. November

2 Wie gross sind die gesellschaftlichen Kosten der en in der Schweiz? Welche en sollen wir berücksichtigen? Was ist eine? Was ist «normaler» Konsum? Wie gross ist Zahl der Sucherkrankten? Nach Schweregrad! Was sind die Gesundheitsfolgen und andere kostenrelevante Folgen der en? Welche Kostenarten sollen wir berücksichtigen? Gibt es schon Studien zum Umfang dieser Kosten? In diesem Beitrag möchte ich 1. Einen konzeptionellen Rahmen für die Kosten der en erstellen. 2. Verschieden Kostenarten einführen. 3. Aufzeigen, wie sich einige dieser Kosten messen lassen. 2

3 Welcher Anteil der Konsumenten hat eine? Konsum ist nicht immer gleich Sucht moderater Konsum kann gesundheitsfördernd sein (Alkohol, Medikamente, Internet) Konsumenten der Suchtmittel Alkohol Tabak illegale Drogen Medikamente Geldspiel Internet Anteil mit Sucht im Fokus des BAG Personen mit Ess-/Mager-Sucht Sex-Sucht Arbeits-Sucht Kauf-Sucht 3

4 en haben vielseitige Kostenfolgen en verursachen Kosten, die auch bei anderen psychischen Krankheiten entstehen. gesundheitsökonomische Kostenkategorien Konsumenten der Suchtmittel Anteil mit Sucht Personen mit 4

5 en haben vielseitige Kostenfolgen 1. Besonderheit en: sind oft bedeutender als die gesundheitsökonomische Kostenkategorien Welche sind das??? Konsumenten der Suchtmittel Anteil mit Sucht Personen mit und -verletzungen attributable fraction Tabak Krebs kardiovaskuläre Erkrankungen Alkohol Krebs Zirrhose Unfälle Zeigt, für welchen Anteil der Krankheitsprävalenz die verantwortlich ist. 5

6 en haben vielseitige Kostenfolgen 2. Besonderheit en: Suchterkrankte verursachen Gesundheitsschäden bei Dritten. gesundheitsökonomische Kostenkategorien und -verletzungen und -verletzungen attributable fraction attributable fraction Konsumenten der Suchtmittel Anteil mit Sucht Personen mit Anzahl der Geschädigten Personen, die von Suchterkrankten geschädigt werden (Dritte, Angehörige) Tabak Passivrauchen Alkohol Unfälle illegale Drogen Unfälle 6

7 Wie gross sind die gesellschaftlichen Kosten der en in der Schweiz? und -verletzungen attributable fraction und -verletzungen attributable fraction Konsumenten der Suchtmittel Anteil mit Sucht Personen mit Anzahl der Geschädigten Personen, die von Suchterkrankten geschädigt werden (Dritte, Angehörige) Strafverfolgung (Polizei, Justiz) wegen illegalem Konsum, Beschaffungskriminalität und Schäden an Dritten unter Suchtmitteleinfluss 3. Besonderheit en: Kosten der Strafverfolgung 7

8 Gesamtkosten = Kosten der Gesundheitsfolgen + übrige Kosten Kosten der Gesundheitsfolgen und -verletzungen attributable fraction und -verletzungen attributable fraction Konsumenten der Suchtmittel Anteil mit Sucht Personen mit Anzahl der Geschädigten Personen, die von Suchterkrankten geschädigt werden (Dritte, Angehörige) Suchtmittel/ Genussmittel Strafverfolgung (Polizei, Justiz) wegen illegalem Konsum, Beschaffungskriminalität und Schäden an Dritten unter Suchtmitteleinfluss materielle Schäden übrige Kosten 8

9 Kostenkategorien in gesundheitsökonomischen Evaluationen Einsatz der Ressourcen anderer Personen um die betroffene Person zu behandeln Kostenkategorie 1 von Krankheit betroffene Person Kostenkategorie 2 Kostenkategorie 3 medizinische Kosten nicht-medizinische Kosten mit Geld gemessen Verlust Arbeitsfähigkeit und Einkommen mit Geld gemessen Verlust Lebensjahre und Lebensqualität mit DALYs oder QALYs gemessen * DALY: Disability Adjusted Life Years QALY: Quality Adjusted Life Years 9

10 Kostenkategorie 1: Direkte Gesamtkosten nach Ursachen (2011) Gesamte Gesundheitskosten von 64.6 Mrd. CHF nach Ursachen für die Inanspruchnahme (2011) Direkte Kosten der Behandlung ohne Berücksichtigung der Folge-Erkrankungen CHF Mrd. % Anteil totale Kosten NCDs = nichtübertragbare Krankheiten Quelle: Wieser et al. (2015) Publikationen 10

11 Kostenkategorie 2: Wie sie entstehen 1. frühzeitiger Tod verlorene Wertschöpfung bis zur Pensionierung Bruttolohn alters- und geschlechtsspezifische Erwerbsquote 2. Invalidität (ganz oder teilweise) höher als IV-Rente, da IV nur teil des Einkommensverlusts kompensiert 3. Reduktion des Arbeitspensums wenn Person aus gesundheitlichen Gründen Pensum reduziert 4. Absentismus = vorübergehende Abwesenheit vom Arbeitsplatz Reduktion der Arbeitszeit geringerer Beitrag zu Produktion 5. Präsentismus = geringere Produktivität am Arbeitsplatz Reduktion der Arbeitsleistung geringerer Beitrag zu Produktion 11

12 Kostenkategorie 2: Relevant aber selten gemessen Die sind hoch relevant für en, da Betroffene of jung sind und damit am Anfang ihres (möglichen) Erwerbslebens. Oft werden nur die einfach messbaren Formen gemessen etwa durch Absentismus und frühzeitigen Tod. Wenn diese Kosten gemessen werden, stellen sie oft den überwiegenden Teil der monetären Kosten dar. 12

13 Kostenkategorie 3: Verlorene Lebensjahre und Lebensqualität Disability Adjusted Life Years (DALYs) als Massstab volle Gesundheit Lebensqualität Mögliche Lebensjahre in voller Gesundheit tot Geburt Tatsächliche Lebensjahre und Gesundheit Maximale durchschnittliche Lebenserwartung 100 Jahre volle Gesundheit tot Geburt Infektionskrankheit disability weight Verletzung bei Unfall Dauer des Gesundheitszustands Alkoholsucht DALYs = verlorene Lebensjahre + verlorene Lebensqualität Herzschwäche Tod YLL years of life lost Maximale durchschnittliche Lebenserwartung 13

14 Kostenkategorie 3: Verlorene Lebensjahre und qualität Beispiele DALY-Gewichte für unterschiedliche Gesundheitszustände Besonders hohe Gewichte für en und psychische Erkrankungen. Quelle: Salomon et al. (2015) 14

15 Kostenkategorie 3: Verlorene Lebensjahre und qualität Beispiele DALYs Schweiz insgesamt und DALYs en (level 2) blau = nichtübertragbare Krankheiten orange = andere Krankheiten dunkel / hell = Zunahme / Abnahme zwischen 1990 und 2015 grün = Verletzungen psychische Leiden haben 11.05% der Krankheitslast Quelle: 15

16 Kostenkategorie 3: Verlorene Lebensjahre und qualität Beispiele DALYs Schweiz insgesamt und DALYs en (level 3) blau = nichtübertragbare Krankheiten orange = andere Krankheiten grün = Verletzungen dunkel = direkt oder indirekt durch en verursacht Quelle: 16

17 Studie «Alkoholbedingte Kosten in der Schweiz» für das Jahr 2010 Etwa 1% der Gesundheitskosten Millionen Franken Anteil (%) Direkte Kosten % Gesundheitswesen % Strafverfolgung 251 6% 3'360 80% aus Mortalität 1'393 33% aus Morbidität % Direkte Produktivitätsverluste 1'175 28% Total 4' % überwiegen verlorene Lebensjahre und Lebensqualität hier nicht berücksichtigt Quelle: Fischer B, Telser H, et al (2015) https://www.newsd.admin.ch/newsd/message/attachments/34153.pdf 17

18 Prävention und Schadensminderung Eine bessere Kenntnis der Kosten der en könnte wesentlich zur Entwicklung von kostenwirksamen Strategien zur Prävention und Schadensminderung beitragen. Kosten der Gesundheitsfolgen Prävention Schadensminderung und -verletzungen und -verletzungen attributable fraction Schadensminderung attributable fraction Konsumenten der Suchtmittel Anteil mit Sucht Personen mit Anzahl der Geschädigten Personen, die von Suchterkrankten geschädigt werden (Dritte, Angehörige) Schadensminderung Suchtmittel/ Genussmittel Strafverfolgung (Polizei, Justiz) wegen illegalem Konsum, Beschaffungskriminalität und Schäden an Dritten unter Suchtmitteleinfluss materielle Schäden übrige Kosten 18

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