Verhalten beim Vorstellungsgespräch - ein Leitfaden

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1 Verhalten beim Vorstellungsgespräch - ein Leitfaden Aufgrund langjähriger Erfahrung in der Rekrutierung, sowohl in der Linie, als auch als Recruiter und unzähligen oft erst im nachhinein lustigen Episoden, wie auch immer wieder gestellten Fragen von Bewerbern und Bewerberinnen, haben wir uns entschlossen einen kleinen Leitfaden zur Vorbereitung auf ein im besten Fall erfolgreiches Vorstellungsgespräch zusammen zu stellen. Ja, es ist alter Wein in neuen Schläuchen. Und Sie werden das alles schon wissen. Daher lesen Sie es und belustigen Sie sich darüber, dass die Inputs alle aus realen Situationen entliehen sind. Sollte doch das eine oder andere klarer werden, so haben sicherlich alle Seiten gewonnen. Und noch eine Bitte vor dem Lesen: Stossen Sie sich nicht allzu arg an den ungeschminkten Formulierungen, sie sind oft notwendig und unumgänglich. Das zeigt die Realität. Also nicht Ihre oder unsere, aber eben diejenige der anderen. Vorbereitung ist die halbe Miete Wo befindet sich der Interviewort? Bestenfalls gehen Sie ein paar Tage vor dem Termin vor Ort, damit Sie später wirklich wissen, wohin Sie müssen. Aber gehen Sie keinesfalls rein (einfach um mal «hallo» zu sagen oder weshalb auch immer)! Was tut die Firma? Es gibt wirklich nichts peinlicheres (nicht mal einen Termin völlig zu vergessen) als, wenn Sie gefragt werden, wie Sie das Kerngeschäft Ihres (hoffentlich) künftigen Arbeitgebers beurteilen und Sie keine oder nur eine fragmentale Ahnung davon haben. Wer ist Ihr Gegenüber? Auf Firmenwebsites, Xing, Linkedin, Facebook und Co. lassen sich heute mit wenig Aufwand wichtige und interessante Informationen über Ihren Gesprächspartner herausfinden, die Sie ggf. in einem Gespräch verwerten können. Was wollen Sie im Gespräch herausfinden, was sind Ihre Ziele? Notieren Sie sich diese im Vorfeld, nehmen Sie diese mit und stellen Sie diese Fragen im Gespräch. Schlafen Sie in der Nacht vor dem Gespräch genug und lassen Sie den Alkohol sein (beeinflusst die Schlafqualität negativ). Verzichten Sie vor dem Gespräch auf ein allzu schweres Menü (ansonsten wird Ihre Konzentration darunter leiden) und verzichten Sie schon am Vortag auf Speisen mit kreativen Verdauungsauswirkungen (Knoblauch, Kebab, rohe Zwiebeln... Sie wissen schon). Seien Sie um Himmelswillen pünktlich. Wenn wir Schweizer einem Stereotyp Rechnung tragen sollten, dann diesem. Übrigens, eine halbe Stunde zu früh, hat nichts mit Pünktlichkeit zu tun. Es ist unanständig und wirkt verzweifelt. Seien Sie eine bis fünf Minuten vor dem Termin da. Wenn Sie es aus irgendeinem Grund nicht pünktlich schaffen (Stau, Geburt, Beinbruch, Zug verpasst, verschlafen), rufen Sie (frühzeitig) an. Das ist professionell. Zu spät kommen und sich dafür entschuldigen nicht. Und noch etwas: Stellen Sie sicher, dass auf Ihrem Facebook Account die Bilder, auf denen Sie nicht mehr ganz nüchtern oder nicht mehr ganz angezogen sind (auch wenn Sie noch so ästhetisch geraten sind), - wenn überhaupt - nur Ihren Freunden (und nicht der ganzen Welt) zugänglich sind.

2 Der Tag der Wahrheit «you never get a second chance to make a first impression» Es klingt wohl absurd, aber die Realität zwingt einem diesen Punkt in unfehlbarer Deutlichkeit zu akzentuieren: Körperpflege ist KEINE Gesinnungs- oder Meinungsfrage sie ist ein Muss, und stellt die Grundlage für jedes respektbasierte Gespräch dar: Duschen Sie am Morgen vor dem Gespräch im Hochsommer, bei 30 C evtl. auch direkt vor dem Gespräch, sollte dies logistisch irgendwie machbar sein. Benutzen Sie ein Deo. Und zwar eines, das funktioniert. Gehen Sie zurückhaltend mit Parfüms um. Eine eigene, positive Duftmarke ist durchaus erwünscht, aber übertreiben Sie es bitte nicht. Auch sollten Sie zu aufdringliche Düfte meiden (ein schönes Negativbeispiel hierzu ist das leider recht populäre Angel von Herrn Mugler, das in geschlossenen Räumen ähnliche Reaktionen wie Tränengas auslöst). Rasieren Sie sich. Ein gepflegter Bart ist übrigens genau das: gepflegt. Dies gilt auch für Damen, die gerne einen Rock, wo die Beine oder ein Oberteil, wo die Achseln sichtbar werden (könnten), tragen - selbst wenn Sie Ihre (Köper-)Haarpracht ästhetisch finden (was Ihr gutes Recht bleibt), stehen die Chancen hoch, dass Sie damit Ihr Gegenüber wenig begeistern. Putzen Sie sich die Zähne (wenn Sie das nicht sowieso schon automatisch/regelmässig tun, wäre nun der richtige Zeitpunkt, um damit anzufangen). Wenn Sie naturbedingt Probleme mit schlechtem Atem haben, nehmen Sie doch eine Schachtel Tic Tac oder besser noch Fisherman s Friend mit (keine Kaugummis). Schlechter Atem mag auch über Tischentfernung Ohnmachtsgefühle auslösen. Seien Sie sich selbst und wahren Sie den Respekt zum Gegenüber Haben Sie sich schon mal einen Konfirmanden an seiner Konfirmationsfeier gesehen? Verkrampft, in übergrossem Anzug und mit Atemnot kämpfend, wegen dem viel zu engen Kragen. So ergeht es auch dem einen oder anderen Bewerber. Das muss nicht sein. Wenn Sie sich in einem Industrieunternehmen als IT- Supporter bewerben, macht es ebenso wenig Sinn im Anzug zu erscheinen, wie wenn Sie sich als Empfangsdame in einem 5-Sternehotel im Mini und Netzstrümpfen präsentieren. «Angemessen» lautet die Zauberformel. Schauen Sie sich die Firmenwebsite an, sind dort alle im Anzug abgebildet? Oder eher im T-Shirt? Beachten Sie Branchenusanzen. Wenn Sie sich bei einer Bank bewerben, gehen Sie im Anzug bzw. Deuxpiece Punkt. Schon bei Versicherungen kann das anders aussehen, und wenn Sie bei einer NGO im Anzug auftauchen, kann das sogar kontraproduktiv sein. Ziehen Sie Kleider an in denen Sie sich wohl fühlen und die (wirklich) Ihrer Grösse entsprechen. Don t Overdress. Stellen Sie sich vor Sie selbst möchten jemanden einstellen und führen in einer solchen Situation ein Vorstellungsgespräch. Möchten Sie einen Bewerber gegenüber haben, der Ihnen das Gefühl vermittelt, Sie selber seien schlecht angezogen? Versuchen Sie daher möglichst auf

3 Augenhöhe aufzutreten. «Underdressing» ist übrigens ähnlich ratsam, da man sich selbst so in eine «Schwächeposition» bringt, was auch wenig ist sachdienlich ist. Vermeiden Sie sichtbare überteuerte Labels, wenn Sie sich nicht in einer Modeboutique bewerben, kann das irgendwo zwischen überheblich und peinlich wirken. Und bei völligem Unwissen? Wenn es wirklich nicht möglich ist, nur im Ansatz herauszufinden, was nun adäquat ist, halten Sie sich an Folgendes: für Damen: Rock (sollte min. Knielänge haben) oder stilvolle, dunkle Jeans oder Stoffhose dunkle Schuhe mit dezentem Absatz einfarbiges Oberteil mit massvoll akzentuiertem Ausschnitt (Sie gehen nicht an ein Date) Elegante Jacke (je nach Temperatur) Schmuck ist in Ordnung, aber denken Sie auch hier daran: weniger ist mehr. Es sei denn Sie sind in der Hiphop-Szene auf Jobsuche. Dort ist mehr mehr. Immer. Make-up stilvolles, dezentes Make-Up unterstreicht jedes Damengesicht. Vergessen Sie dabei nicht, Sie sind ein Mensch und kein Buntspecht oder Ara in der Brunftzeit. Für Herren: Stilvolle, dunkle Jeans oder Stoffhose weisses Hemd (jeder Mann sollte mindestens ein Hemd besitzen. Übrigens, wenn Sie nicht Postbote oder Kondukteur werden wollen, ist ein Kurzarmhemd ein No-Go. dann doch lieber im Polo-Shirt). dunkles Jackett dunkle Halbschuhe (Leder) Schmuck: Uhr und Ehering immer. Alles andere ist Geschmacksache. Ohrringe und Piercings sind ein Thema, wo sich die Geister scheiden. Gleiches gilt für Siegel- und Wappenringe. Kettchen am Handgelenk (oder besser noch auf der Brust) dürfen Sie gerne am Wochenende in Ihrem Cabrio spazieren fahren. Falls Sie sich doch für einen Anzug entschieden (vermeiden Sie dabei synthetische Stoffe!) und eine Krawatte tragen, ist der oberste Hemdknopf zu. Wenn Sie keine Krawatte tragen, ist der oberste Hemdknopf (und nur der, ja, ganz ganz sich nur der) offen. Für alle gilt: tragen Sie den Gürtel und die Schuhe in derselben Farbe tragen Sie (Vorsicht, dies ist eine Wiederholung, aber es ist wichtig) Kleider in Ihrer effektiven Grösse und nicht in Ihrer Wunschgrösse Im Zweifelsfall (wenn dies möglich ist) tragen Sie Ihre Tätowierungen nicht sichtbar.

4 Was sind absolute «No-Go s» beim Vorstellungsgespräch Diese Auflistung wäre und ist sicherlich eine unendliche Geschichte. Wir werden daher primär auf die Faktoren eingehen, die realitätsnah geschehen. Schlecht reden über den ehemaligen Arbeitgeber (wenn unklar weshalb, googlen Sie mal «Integrität»). Schleimen oder Bestechen. In der Regel geht das in die Hose. Mitleid erregen es ist wie bei einem Date, niemand will einen Trostpreis. Bedruckte T-Shirts aller Art (nein, auch als IT-Crack interessiert Ihre Affinität zu AC/DC und Iron Maiden niemanden auch wenn die Musik schon ziemlich toll ist). Politisches. Egal was. Lassen Sie es. Wirklich. Religion. Dito. Sexistische Bemerkungen. Ja, auch die lustigen sollten Sie lieber sein lassen. Rassistische Bemerkungen. Dito. Weisse (Turn-)Schuhe. Kopfhörer. Ernsthaft, es gibt solche Leute. Mittendrin statt nur dabei Begrüssen Sie Ihren Gesprächspartner mit einem aufrichtigen Händedruck (also dem Mittelweg zwischen Trümmerbruch und totem Fisch in der Hand). Setzen Sie sich erst, nachdem Ihr Gesprächspartner sich hingesetzt hat. Seien Sie im Gespräch aufmerksam und machen Sie sich Notizen, wenn sinnvoll (Stichworte, kein wortwörtliches Protokoll). Lassen Sie (goldene Regel!) Ihren Gesprächspartner ausreden (es sei denn, er lässt Sie wirklich nie zu Worte kommen). Wer fragt, führt. Stellen Sie intelligente Fragen, die Sie beschäftigen. Und ja, es gibt dumme Fragen. z.b. alles, was auf der Firmenwebsite ersichtlich ist. Seien Sie ehrlich. Immer. Alles andere beisst Sie früher oder später in den Hintern. Karma. Bleiben Sie ruhig. Es geht selten um Leben oder Tod. Und wenn, dann nützt es auch nichts, wenn Sie sich darüber wahnsinnig machen. Ihre Hände gehören nicht unter den Tisch weiss der Geier, was sie dort unten tun. Schauen Sie Ihrem Gegenüber in die Augen, aber auch hier übertreiben Sie nicht - Sie sind nicht Humphrey Bogart. Blickkontakt hat nichts mit pausenlosem Fixieren zu tun. Sie müssen sich auch nicht darauf konzentrieren, möglichst lange nicht zu blinzeln. Lassen Sie Persönliches zu. Wir sind alles Menschen. Das Beste, was Ihnen in einem Gespräch passieren kann, ist, dass beide aufrichtig lachen. Forcieren Sie es aber nicht (bitte keine Witze erzählen, ausser Sie werden explizit dazu aufgefordert).

5 Nach dem Spiel ist vor dem Spiel Vergewissern Sie sich, dass, wenn das Vorstellungsgespräch beendet ist, beide Parteien wissen, wie es weiter geht. Wer meldet sich wann, wie und so weiter. In jedem Fall, ob Sie den Job wollen oder nicht, beweist es Anstand, wenn Sie sich innert 48 Stunden nach dem Gespräch per (oder Brief/Karte, wenn das Ihr Stil ist), aber nicht per Telefon (es sei denn, Sie haben das so vereinbart) melden. Sagen Sie danke für die Zeit und die investierte Energie. Auch wenn das Gespräch himmeltraurig war und Ihr Gesprächspartner ausschliesslich aus negativ behafteten Adjektiven bestand: danken Sie dafür. Erstens beweist es Stil und Anstand, zweitens können Sie tatsächlich aus jedem, auch oder gerade einem schlechten Gespräch, etwas lernen. Und dafür ist ein Dankeschön nicht zu viel verlangt. Wenn Sie es nicht lassen können, dürfen Sie hier durchaus auch Kritik anbringen, fragen Sie sich einfach, was es Ihnen aus opportunistischer Sicht bringt. Unterstreichen Sie Ihre Absicht. Wenn Sie den Job wirklich wollen, dann ist ein reiner Dank, wohl oft etwas wenig. Streichen Sie die wichtigsten Argumente heraus. Weshalb sind Sie von der Stelle so begeistert? Was möchten Sie im Unternehmen in dieser Position bewegen? Was ist Ihnen an den Menschen besonders (positiv) aufgefallen? Welchen Mehrwert hat das Unternehmen durch Sie in dieser Position? Viel Erfolg Nun sollten die grössten Fallstricke mal umgangen sein. Abgesehen von Murphy, Schicksal, dem öffentlichen Verkehr oder einem Erdbeben kann nun (fast) nichts mehr schief gehen. Wir wünschen Ihnen für Ihre Zukunft viel Erfolg und sind für sämtliche Dienstleistungen im Human Ressource Kontext und der Personalvermittlung von Fach- und Führungskräften, mit Fokus auf ICT und Ingenieurswesen weiterhin jederzeit zu Ihren Diensten.

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