Lösungshinweise zur Einsendearbeit 1 zum Kurs 41520, Banken und Börsen, WS 2008/2009 1

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1 Lösungshinweise zur Einsendearbeit 1 zum Kurs 41520, Banken und Börsen, WS 2008/ Lösungshinweise zur Einsendearbeit 1: WS 2008/2009 Banken und Börsen, Kurs Rahmenbedingungen des börsenmäßigen Wertpapierhandels in Deutschland a) Nennen und erläutern Sie zunächst allgemein die Transaktionskosten senkenden Funktionen von Wertpapierbörsen! 50 Punkte (16 P.) Wertpapierbörsen bewirken als umfangreich organisierte Sekundärmärkte eine Senkung der Transaktionskosten für den Handel in börslich notierten Wertpapieren und damit aus Anlegersicht eine Erhöhung der mit einer Anlageform zu erzielenden Rendite. Im Einzelnen handelt es sich hierbei um die Reduktion folgender Transaktionskosten: (1) Verringerung der Kosten des Transaktionsservices. Durch Konzentration des Handels wird die Suche nach dem Kontrahenten mit dem günstigsten Angebot vereinfacht und zugleich die Chance erhöht, mit hoher Wahrscheinlichkeit ein Geschäft abschließen zu können. Die Festlegung von Usancen für den Abschluss von Geschäften unter den Handelspartnern trägt darüber hinaus dazu bei, die für die Marktbeobachtung, Partnersuche und Abschluss erforderliche Zeit zu verringern, wobei insbesondere der Standardisierung der Kaufverträge eine wesentliche Bedeutung zukommt. Mit der Standardisierung der Bonitätsanforderungen an die zum Börsenhandel zugelassenen Händler schließlich entfallen individuelle Bonitätsprüfungen durch die Auftraggeber. Alle genannten Aspekte bewirken eine Homogenisierung von Angebot und Nachfrage. Daneben geht auch von der Auswahl eines zeitsparenden Handelsverfahrens Einfluss auf die Höhe der Kosten des Transktionsservices aus. (2) Reduktion der Kosten zur Sicherung gegen Transaktionsrisiken. Anleger können anlässlich der Abwicklung von Transaktionen in Wertpapier der Gefahr von Vermögensnachteilen ausgesetzt sein: Entweder besteht die Gefahr von Fehlentscheidungen aufgrund von Informationsoder von Realisationsrisiken. Während Informationsrisiken aufgrund falscher, unvollständiger oder fehlender Informationen entstehen, resultieren Realisationsrisiken aus Komplikationen im Zusammenhang mit der Ver-

2 Lösungshinweise zur Einsendearbeit 1 zum Kurs 41520, Banken und Börsen, WS 2008/ wirklichung der Transaktionsentscheidung eines Anlegers. Wertpapierbörsen beeinflussen Informationsrisiken positiv, indem sie die Qualifikation der Börsenteilnehmer überprüfen und Emittenten bestimmte Informationspflichten auferlegen, Realisationsrisiken werden dadurch begrenzt, dass eine laufende Kursberichterstattung erfolgt und der Börsenhandel kontinuierlich überwacht wird. Daneben gehen von der Ausgestaltung des Handelsverfahrens wesentliche Effekte auf die Existenz und den Umfang von Realisationsrisiken aus. Im Ergebnis muss der Anleger aufgrund dieser Maßnahmen keine eigenen Kosten verursachenden Sicherungsmaßnahmen durchführen und reduziert damit seine Transaktionskosten. (3) Reduktion der Kosten des sofortigen Abschlusses. Diese Kostenkategorie betrifft nur Anleger, die nicht bereit sind, auf einen passenden Gegenauftrag zum Marktpreis zu warten, und lässt sich quantifizieren durch die Differenz zwischen Abschlusspreis und aktuellem Marktgleichgewichtskurs. Die Höhe dieser Kosten wird zum einen durch die Ausgestaltung des Handelsverfahrens bestimmt und kann seitens der Wertpapierbörse zum anderen durch die Einräumung von Kreditlinien für die Marktteilnehmer oder die Bestimmung von Obergrenzen für die Kosten des sofortigen Abschlusses beeinflusst werden. (4) Reduktion der transaktionsbedingten Informations- und Entscheidungskosten. Wertpapierbörsen stellen Anlegern Informationen über die ihnen zur Verfügung stehenden Handlungsalternativen zur Verfügung sowie über die Faktoren, die die Ergebnisse einzelner Handlungsalternativen beeinflussen. Hierzu dienen neben der laufenden Kursberichterstattung, die für Emittenten bestehende einmalige, laufende und Ad-hoc-Publizitätspflicht sowie die Veröffentlichung eines Börsenprospektes. b) Erläutern Sie vor diesem Hintergrund die wesentlichen Aktivitäten der Deutschen Börse AG zur Gestaltung des Aktien-Kassamarktes durch Bildung von Marktsegmenten, durch Gestaltung des Preisfindungsprozesses und durch das Handels- bzw. Informationssystem. (15 P.)

3 Lösungshinweise zur Einsendearbeit 1 zum Kurs 41520, Banken und Börsen, WS 2008/ (1) Marktsegmentierung Die verschiedenen Segmente unterscheiden sich nach der Art der Zulassungsvoraussetzungen, den laufenden Publizitätsanforderungen, der Art des laufenden Handels und der Kursermittlung und der Überwachung des Börsenhandels. Laut Börsengesetz vorgesehene Marktsegmente für den Handel in Aktien sind der Regulierte Markt ( 33 BörsG) und der Freiverkehr ( 48 BörsG). Kennzeichen des Regulierten Marktes sind strenge Zulassungsvoraussetzungen, weitreichende Informationen über die Geschäftsentwicklung des Unternehmens, ein besonders kontrolliertes Kursermittlungsverfahren sowie ein großes Handelsvolumen. Neben den in der Börsenordnung vorgesehenen Segmenten nimmt die Deutsche Börse AG eine weitere Segmentierung in die Bereiche General Standard und Prime Standard vor. Deren inhaltliche Ausgestaltung ist in der Börsenordnung geregelt. Die strengeren Anforderungen an die Emittenten stellt der Prime Standard (z.b. Abgabe von Quartalsberichten). (2) Handelsformen und Kursbildung Zum verbindlichen Abschluss von Verkaufs- und Kaufvereinbarungen können folgende grundsätzlich miteinander kombinierbaren Ausgestaltungsvarianten unterschieden werden: Nach Art der Kursbildung in Ermittlung von Einzel- oder Gesamtkursen, nach der Art der Handelspartner in einfache Händler und Market Maker sowie nach dem Handelsweg in direkten Kontakt der Partner miteinander oder durch Zwischenschaltung von Börsenmaklern. Der deutsche Börsenhandel kennt sowohl den Handel zu fortlaufenden Kursen als auch das Verfahren der Einheitskursfeststellung. Zunehmend stärkere Bedeutung haben darüber hinaus in den letzten Jahren Market Maker erlangt. (3) Informations- und Handelssystem Zur Verbesserung des Transaktionsservices und zur Reduktion der damit verbundenen Kosten verfügt die Deutsche Börse zusätzlich zum Parketthandel über ein vollelektronisches Handels- und Informationssystem (XETRA). Hierbei handelt es sich nicht um ein zusätzliches Marktsegment, sondern lediglich um eine zusätzliche Handelsmöglichkeit. Hinsichtlich des Preisfeststellungsverfahrens kommt hierbei eine Kombination aus fortlaufendem Handel und Handel zum Einheitskurs zum Einsatz. Zusätzlich zu den Market Makern agieren in XETRA Betreuer, die auf elektronische Anfrage hin verpflichtet sind, Geld-Brief-Spannen zu stellen. Daneben herrscht vollständige Transparenz des Orderbuches.

4 Lösungshinweise zur Einsendearbeit 1 zum Kurs 41520, Banken und Börsen, WS 2008/ c) Wertpapierbörsen in Deutschland unterliegen einer staatlichen Beaufsichtigung. Erläutern Sie die wesentlichen Maßnahmen, indem sie insbesondere auf die hierbei verfolgten Ziele und die wesentlichen gesetzlichen Grundlagen eingehen. (19 P.) Wertpapierbörsen in Deutschland unterliegen einer staatlichen Beaufsichtigung aufgrund von drei Gesetzen: Börsengesetz Das Börsengesetz regelt zum Ersten die Organisation der Wertpapierbörsen. Innerhalb des durch das Börsengesetz vorgegebenen aktienrechtlichen Modells verfügen Börsen über Autonomie hinsichtlich der Ausgestaltung ihrer Geschäftsabläufe. Zwingend vorgeschriebene Organe sind der Börsenrat, die Börsengeschäftsführung, der Sanktionsausschuss und die Zulassungsstelle für Wertpapiere. Daneben können weitere Ausschüsse bestellt werden. (5 P.) Zum Zweiten finden sich im Börsengesetz zwingende Vorschriften zur Ausgestaltung des Wertpapierhandels, insbesondere zur Feststellung des Börsenpreises, und über die Rechte und Pflichten der Makler. Ziel beider Maßnahmen ist der Schutz der Wertpapieranleger. Gesetz über Wertpapierprospekte (WpPG) Dieses Gesetz regelt die Verpflichtung zur Veröffentlichung eines Verkaufsprospektes bei Beantragung der Zulassung oder bei einem öffentlichen Angebot. Wertpapiere im Sinne dieses Gesetzes sind Eigen- und Fremdfinanzierungstitel sowie ausgewählte derivative Titel. Gesetz über den Wertpapierhandel (WpHG) 1. Regelungsbereich: Insiderüberwachung. Um die Funktionsfähigkeit der Börsen und den Schutz der Wertpapieranleger zu gewährleisten, werden Insiderpapiere, Insider und verbotene Insidergeschäfte definiert. Für die Emittenten besteht die Pflicht, Insiderverzeichnisse zu führen. (4 P.) (10 P.) 2. Rechts- und Marktaufsicht über die Börsen durch die BaFin. Ziel bildet die Überwachung der Transaktionen, um insbesondere den Insiderhandel aufdecken zu können. Die BaFin kann die Marktaufsicht an die auf Landesebene agierenden Börsenaufsichtsbehörden übertragen.

5 Lösungshinweise zur Einsendearbeit 1 zum Kurs 41520, Banken und Börsen, WS 2008/ Verbot von Marktmanipulation. Anleger sollen durch das Verbot unrichtiger Angaben und manipulativer Geschäfte davor geschützt werden, zu einer fehlerhaften Anlageentscheidung zu gelangen. 4. Publizitätspflichten. Bedeutende Stimmrechtsveränderungen müssen dem Emittenten durch den Meldepflichtigen mitgeteilt werden, der diese an das Unternehmensregister und die BaFin weiterzuleiten hat. 5. Verhaltensregeln für Wertpapierdienstleistungsunternehmen. Wertpapierdienstleistungsunternehmen sollen davon abgehalten werden, bestimmte Kunden nicht zu begünstigen. Hierzu werden bestimmte Organisationspflichten und Wohlverhaltenspflichten kodifiziert.

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