Entwicklung einer mobilen webbasierten Anwendung mit Oracle9i Lite Web-to-Go

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1 Thema Autor Entwicklung einer mobilen webbasierten Anwendung mit Oracle9i Lite Web-to-Go Christian Antognini Art der Information Produktübersicht (Mai 2002) Quelle Trivadis Technology Center Einleitung Immer mehr Unternehmen müssen ihren Angestellten umfassenden Zugriff auf die Unternehmensdatenbanken ermöglichen, auch wenn diese nicht direkt mit dem Firmennetzwerk verbunden sind. In vielen Fällen kann ein Virtual Private Network über eine DFÜ- oder schnurlose Verbindung ein solches Problem lösen. Leider funktioniert dies nicht, wenn: die benötigte Netzwerkbandbreite nicht verfügbar oder zu teuer ist, weder eine DFÜ- noch eine schnurlose Verbindung überall und jederzeit garantiert werden kann. Zudem sind die Daten manchmal zum großen Teil schreibgeschützt, sodass eine Remote- Verbindung keine effektive oder effiziente Zugriffsmethode darstellt. Daher besteht tatsächlich Bedarf für eine Anwendung für Benutzer, die nicht mit dem Firmennetzwerk verbunden sind. Natürlich führen solche Anwendungen zu einer weiteren Reihe von Problemen, die gelöst werden müssen! Hauptsächlich treten folgende Problemen auf: Da die Benutzer offline arbeiten, müssen die Daten repliziert werden. Die Replikation schreibgeschützter Daten ist an sich kein Problem, aber wenn die Daten von den Benutzern auch noch geändert werden müssen, nimmt die Komplexität zu. Die Benutzer sollten für die Arbeit online und offline die gleiche Anwendung verwenden können. Bitte beachten Sie, dass es hier nicht um technische Probleme bei der Entwicklung einer solchen Anwendung geht, sondern um den zusätzlichen Zeit- und Kostenaufwand für die Entwickler. Verteilung und Verwaltung der Anwendung müssen zentralisiert sein. Um diese Probleme erfolgreich zu meistern, empfiehlt Oracle Oracle9i Lite. In diesem Artikel werden die wichtigsten Funktionen des Produkts erläutert, und es wird eine mögliche Architektur aufgezeigt, die auf einer Komponente des Produkts basiert. Oracle9i Lite Oracle9i Lite ist nicht nur eine schlanke Datenbankimplementierung (small footprint), sondern auch ein abgeschlossenes System für die Erstellung von mobilen Anwendungen, die auf Oracle-Datenbanken basieren. Es kann für die Entwicklung von Fat Clients und von Thin Clients (z.b. webbasierten Anwendungen) verwendet werden. Wie schon in der Überschrift dieses Artikels deutlich wird, interessieren wir uns für Letzteres. Daher beschäftigen wir uns nur mit den Funktionen von Web-to-Go, d.h. der Komponente von Oracle9i Lite, die diese Art der Anwendungsentwicklung ermöglicht. Was ist Web-to-Go? Web-to-Go ist ein System, mit dessen Hilfe Entwickler webbasierte Anwendungen erstellen können, die entweder online (d.h. über das Firmennetzwerk oder das Internet) oder offline

2 verwendet werden können. Daher sind die wichtigsten Funktionen von Web-to-Go die folgenden: die Replikation und Synchronisation der Daten, die von Offline-Clients verwendet werden, die Entwicklung einer einzigen Anwendung, die online oder offline ausgeführt werden kann, eine zentrale Verwaltung der Anwendung (d.h. die Verwaltung der Software selbst, der Daten und der Benutzer). Die Anwendungen von Web-to-Go basieren auf standardmäßigen J2EE-Komponenten wie Servlets und JSPs. Zurzeit ist das Produkt für Windows 32, Windows CE/Pocket PC, Palm OS und EPOC erhältlich. In diesem Artikel wird allerdings nur die Windows 32-Version behandelt. Drei-Schichten-Umgebung von Web-to-Go Client Mobile Server Database Server Browser HTTP / HTTPS HTTP Oracle9i Server Mobile Client Web Server JDBC Local Data Store Oracle9i Lite Apache Server Web-to-Go module Standalone Web-to-Go Oracle Net Central Data Store Mobile Server Repository Client Arbeitet der Benutzer online, wird nur der Webbrowser benötigt, d.h. jeder Aufruf wird an den mobilen Server gesendet. Arbeitet der Benutzer offline, wird der Webserver des mobilen Client für die Ausführung der Anwendungskomponenten verwendet, die auf die lokale Datenbank zugreifen. Für jeden Benutzer, der auf einem spezifischen Client arbeitet, wird eine lokale Datenbank erstellt. Mobiler Server Dieser führt die von den Online-Benutzern benötigten Anwendungskomponenten aus und bietet nahtlose Synchronisation zwischen den Oracle Lite-Datenbanken der Clients und dem Oracle Server. Er kann als Modul in einen Apache Server integriert oder als Standalone- Server gestartet werden. Datenbankserver Die Datenquelle für den mobilen Server und die Anwendungsdaten müssen sich in derselben Oracle-Datenbank befinden. Die Datenquelle für den mobilen Server enthält die Eigenschaften und die Anwendungskomponenten. Hinweis: Oracle8, Oracle8i und Oracle9i werden auf dem Datenbankserver unterstützt (bitte beachten Sie, dass Oracle9i erst ab Oracle9i Lite unterstützt wird).

3 Lite-Datenbank Die Lite-Datenbank wird für die Datenspeicherung auf dem Client verwendet, wenn der Benutzer offline arbeitet. Natürlich sollte das in dieser Datenbank installierte Schema mit dem im Datenbankserver der Firma installierten Schema kompatibel sein. Daher unterstützt es die wichtigsten Objekte, die innerhalb der Oracle Server-Datenbank verwendet werden können, z.b.: Tabellen mit Constraints, Indizes und Triggern Views Sequenzen Synonyme in Java gespeicherte Funktionen und Prozeduren Benutzer Bitte beachten Sie, dass in PL/SQL gespeicherte Funktionen, Prozeduren und Packages nicht unterstützt werden! Selbstverständlich stehen verschiedene Tools für die Verwaltung der Datenbank zur Verfügung. Die wichtigsten sind die folgenden: CREATEDB erstellt die Datenbank MSQL Befehlszeilen-Schnittstelle für die Datenbankverbindung OLLOAD Befehlszeilen-Tool zum Laden von Daten aus einer externen Datei in eine Tabelle oder zum Extrahieren von Daten aus einer Tabelle in eine externe Datei Bitte beachten Sie, dass Oracle Net (früher Net8 und SQL*Net) nicht für die Datenbankverbindung verwendet werden kann. Stattdessen steht eine ODBC-Schnittstelle zur Verfügung. Erstellung von Anwendungen für Web-to-Go Anwendungen für Web-to-Go entsprechen den Webstandards. Daher bestehen sie aus statischen Objekten wie HTML/GIF/JPEG-Dateien und dynamischen Objekten wie Servlets, JSPs, JavaBeans und Applets. Die Komponenten der Anwendung können mit jeder beliebigen Java-IDE entwickelt und auf Fehler getestet werden. Für die Verwendung der Funktionen von Web-to-Go bzw. für die Vereinfachung der Entwicklung (z.b. HTML-Code aus Datenbanktabellen generieren) stehen einige Java-Packages bereit. Der Entwickler muss diese Packages nicht verwenden; es können auch standardmäßige Java- Komponenten oder andere Bibliotheken verwendet werden. Das Herstellen einer Verbindung zur Datenbank ist allerdings etwas anderes. Da die Anwendungen beide Datenbanken offen verwenden müssen, ist die Herstellung einer standardmäßigen Verbindung nicht möglich. Im folgenden Code wird gezeigt, wie in einem Servlet eine Verbindung hergestellt werden kann: import oracle.lite.web.servlet.orahttpservletrequest; import java.sql.connection; public class MyServlet extends HttpServlet { public void doget(httpservletrequest request,

4 } { } HttpServletResponse response) throws ServletException, IOException Connection connection = ((OraHttpServletRequest) request). getuserprofile().getconnection(); Bitte beachten Sie, dass die Verbindung selbst eine standardmäßige JDBC-Verbindung ist. Daher sind dies die einzigen Web-to-Go-spezifischen Codezeilen. Verteilung Für die Verteilung muss das Tool WTGPACK verwendet werden (selbstverständlich im Lieferumfang des Entwicklungskits enthalten). Grundsätzlich dient dieses Tool zur Angabe, welche Komponenten Teil der Anwendung sind und welche Objekte zwischen den Datenbanken repliziert werden müssen. Während der Verteilung wird die Datenquelle für den mobilen Server nicht verwendet. Stattdessen erstellt WTGPACK eine XML-Konfigurationsdatei. Aus demselben Grund ist ein für die Entwicklung gedachter Web-to-Go Standalone-Server verfügbar, der die XML- Konfigurationsdatei liest. Natürlich ist es zu jedem Zeitpunkt möglich, die Komponenten in die Datenquelle des mobilen Servers zu verteilen und sie über den standardmäßigen Web-to-Go-Server zu testen. Installation des Client Für die Installation des mobilen Client für Web-to-Go muss ein kleines Setup-Programm (113 KB) vom mobilen Server heruntergeladen werden. Dieses Programm lädt automatisch die notwendige Software herunter und führt deren Installation durch. Bitte beachten Sie, dass diese Installation sehr kompakt ist. Tatsächlich genügen weniger als 5 MB für den Webserver des mobilen Client und die Datenbank-Engine. Wenn ein Benutzer dann zum ersten Mal die Verbindung von einem spezifischen mobilen Client aus herstellt, wird die Anwendung heruntergeladen und die Daten werden synchronisiert. Datensynchronisation Ganz wichtig zu beachten ist hier, dass nicht die standardmäßige Oracle-Replikation verwendet wird! Stattdessen verwendet Web-to-Go ein Modell, das dem Publish/Subscribe ähnelt. Während der Datensynchronisation lädt der mobile Client Datenänderungen in die IN- Warteschlangen der Oracle Server-Datenbank herauf. Auf dem Datenbank-Server wendet ein Hintergrundprozess (MGP: kombinierte Nachrichtenerzeugung und -verarbeitung) die ausstehenden Transaktionen von den IN-Warteschlangen der Oracle-Datenbank an. Der MGP ist auch für die Erzeugung neuer Daten-Updates für die mobilen Clients verantwortlich. Diese Updates werden in den OUT-Warteschlangen gespeichert, auf die der mobile Client während der Synchronisation zugreift. Bitte beachten Sie, dass Änderungen in die IN-Warteschlange heraufgeladen und Updates von der OUT-Warteschlange heruntergeladen werden können, auch wenn der MGP nicht aktiv ist.

5 Die Belastung für das Netzwerk während der Datensynchronisation ist gering. Ein Update von 1000 Zeilen in einer Tabelle auf dem Server (ca. 100 KB Rohdaten) erzeugt z.b. 120 KB Datenverkehr zwischen Client und Server. Daher sollte die Synchronisation kleiner Datenmengen problemlos möglich sein, auch wenn der Client über ein 56K-Modem mit dem Internet verbunden ist. Leider sind nur zwei Methoden für die Konfliktlösung verfügbar entweder gewinnt der Client, oder es gewinnt der Server. Daher müssen für spezifische Konfliktlösungen Trigger auf dem Server implementiert werden. Verwaltung Die Verwaltung wird über das Steuerzentrum des mobilen Servers ausgeführt, einer Web- Oberfläche, über die der Administrator folgende Aufgaben ausführen kann: Administration des mobilen Servers selbst (Starten/Beenden des MGP, Anzeigen aktiver Sitzungen, usw.), Verwaltung der Benutzer und ihrer Zugriffsrechte, Verwaltung der Anwendungen (Änderung der Anwendungseigenschaften, Anhalten/erneutes Starten einer Anwendung, usw.), Planung der Datensynchronisation für bestimmte mobile Clients. Zusammenfassung Da standardmäßige J2EE-Komponenten verwendet werden, die Verwaltung von Web-to-Go und die Installation des Client einfach ist, die Verteilung weitreichend, die Qualität der Datensynchronisation und die gesamte Leistung hoch ist, sollten Sie dieses Produkt bei der Entwicklung einer mobilen, webbasierten Anwendung in Betracht ziehen. Christian Antognini Trivadis AG Tel.: Kanalstrasse 5 Fax: Glattbrugg Internet:

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