Bauer: Aktuelle Entwickl. an den österr. Bibliotheken 1. Aktuelle Entwicklungen an den österreichischen Bibliotheken

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1 Bauer: Aktuelle Entwickl. an den österr. Bibliotheken 1 AR 2944 Aktuelle Entwicklungen an den österreichischen Bibliotheken von Bruno Bauer Im vorliegenden Beitrag wird über aktuelle Projekte und Trends im österreichischen Bibliothekswesen im Jahr 2013 berichtet. Vorgestellt werden Verbundprojekte und Kooperationsprojekte österreichischer Bibliotheken, aktuelle Projekte der Österreichischen Nationalbibliothek und des Forums Universitätsbibliotheken Österreichs. Angesprochen werden auch Themen wie Open Access, NS- Provenienzforschung, Tagungen und Publikationen der Vereinigung Österreichischer Bibliothekarinnen und Bibliothekare sowie Bibliotheks- und Informationspolitik in Österreich. Schlüsselwörter: Österreich; Bibliothekswesen; Entwicklung Current developments in Austrian Libraries in 2013 By Bruno Bauer The present contribution relates about current projects and trends in Austrian librarianship in Network projects and cooperation projects are presented as well as important projects of the Austrian National Library and of the Council of Austrian University Libraries. Themes such as Open Access, provenance research of Nazilooted property, conferences and publications of the Austrian Association of Librarians and library and information policy in Austria are mentioned. Keywords: Austria; librarianship; development 1 Der folgende Beitrag bietet einen Überblick über Projekte und Initiativen, die 2013 das österreichische Bibliothekswesen geprägt haben. Der Autor ist Leiter der Universitätsbibliothek der Medizinischen Universität Wien, der größten medizinischen Fachbibliothek in Österreich, Vorsitzender des Forums Universitätsbibliotheken Österreichs (ubifo) und Mitglied der AG Strategische Planung im Österreichischen Bibliothekenverbund, des Open Access Network Österreich (OANA), des Komitees 069 Bibliotheks-, Archiv-, Dokumentations- Informationswesen und optische Speichersysteme" am Österreichischen Normungsinstitut, von Bibliotheken Archive Museen (BAM) Österreich sowie des Präsidiums der Vereinigung Österreichischer Bibliothekarinnen und Bibliothekare (VÖB).

2 Bauer: Aktuelle Entwickl. an den österr. Bibliotheken 2 1 Österreichischer Bibliothekenverbund Kooperationsprojekte Dominierendes Thema im Österreichischen Bibliothekenverbund waren im Jahr 2013 die Vorbereitungen 2 sowie der Start des Vergabeverfahrens für ein neues Bibliotheksverbundsystem, an dem sich neun Universitätsbibliotheken, eine Fachhochschulbibliothek, die Österreichische Nationalbibliothek, der Verbund für Bildung und Kultur, die Bibliothek der Arbeiterkammer Wien sowie die Österreichische Bibliothekenverbund und Service GmbH (OBVSG) beteiligen. 3 Das Konzept für Visual Library, die als ein neuer Dienst der OBVSG im konsortialen Umfeld angeboten wird, wurde 2013 finalisiert; Visual Library ist ein Softwareprodukt der Firmen Semantics und Walter Nagel. Zwei Verbundbibliotheken sind der Kooperation bereits beigetreten. Während die Universitäts- und Landesbibliothek Tirol mit der Implementierung des Moduls Retrodigitalisierung gestartet ist, entschied sich die Universitätsbibliothek Graz dafür, mit dem Modul Hochschulschriften und Open Access-Publikationen zu beginnen. 4 Die bevorstehende Ablösung des derzeit im Einsatz befindlichen Bibliothekssystems Aleph 500 war auch ein wichtiges Thema des bereits 9. Verbundtages, der am 15. Mai 2013 an der Fachhochschule Sankt Pölten 2 Auf die Plätze, fertig, los. Bekanntmachung zur Ausschreibung Aleph-Nachfolge veröffentlicht. In: OBV SG Newsletter. Aktuelles aus dem Österreichischen Bibliothekenverbund (OBV) 1/2013, S Jedes Ende ist auch ein neuer Anfang. Die Ablöse des Bibliothekssystems wird konkret. In: OBV SG Newsletter. Aktuelles aus dem Österreichischen Bibliothekenverbund (OBV) 2/2013, S Einmal Digitalisierung, bitte. Der neue Dienst Visual Library. In: OBV SG Newsletter. Aktuelles aus dem Österreichischen Bibliothekenverbund (OBV) 2/2013, S. 3

3 Bauer: Aktuelle Entwickl. an den österr. Bibliotheken 3 stattgefunden hat; 5 weiters standen die Vorbereitungen für den Umstieg auf RDA 6 sowie die Problematik von Linked Data 7 auf der Agenda. Neuer Standort Für den Österreichischen Bibliothekenverbund war das Highlight des Jahres 2013 der Besuch von Bundesminister Karlheinz Töchterle 8 im Rahmen des Tages der Offenen Tür der Österreichischen Bibliothekenverbund und Service GmbH (OBVSG) am neuen Standort im Nitsch-Haus art&garden im 2. Wiener Gemeindebezirk, an dem die zwei bisher dislozierten Standorte zusammengeführt werden konnten; der Minister nahm in seiner Funktion als Eigentümervertreter die feierliche Eröffnung der neuen Räumlichkeiten der OBVSG vor. Österreichischer Hochschulplan Erfüllt hat sich 2013 der anlässlich einer Begegnung von Bibliothekaren mit Bundesminister Töchterle im Jahr 2012 entstandene Wunsch des Österreichische Bibliothekenverbundes, eine Verankerung im österreichischen Hochschulplan zu finden. 9 Ziel des Hochschulplans ist die 5 Treffpunkt Bibliotheken: Verbundtag 2013 in Sankt Pölten. In: In: OBV SG Newsletter. Aktuelles aus dem Österreichischen Bibliothekenverbund (OBV) 2/2013, S Verena Schaffner: RDA Regelwerksentwicklung für das 21. Jahrhundert. In: Mitteilungen der Vereinigung Österreichischer Bibliothekarinnen und Bibliothekare 66 (2013), Nr. 3/4, S Patrick Danowski, Doron Goldfarb, Verena Schaffner und Wolfram Seidler: Linked (Open) Data Bibliographische Daten im Semantic Web. Bericht der AG Linked Data an die Verbundvollversammlung (16. Mai 2013). In: Mitteilungen der Vereinigung Österreichischer Bibliothekarinnen und Bibliothekare 66 (2013), Nr. 3/4, S Wolfgang Hamedinger: Wissenschaftsminister Karlheinz Töchterle eröffnet Tag der Offenen Tür am neuen Standort der Österreichischen Bibliothekenverbund und Service GmbH (OBVSG) (Wien, ). In: Mitteilungen der Vereinigung Österreichischer Bibliothekarinnen und Bibliothekare 66 (2013), Nr. 3/4, S Bruno Bauer und Peter Klien: Wenn man die Geschichte aller Wissenschaften und des Wissens überhaupt betrachtet, war die Bibliothek immer ein zentraler Ort. Interview mit Bundesminister O. Univ.-Prof. Dr. Karlheinz Töchterle. In: Mitteilungen

4 Bauer: Aktuelle Entwickl. an den österr. Bibliotheken 4 Weiterentwicklung und Stärkung der internationalen Sichtbarkeit des österreichischen Hochschulraums und die Sicherstellung höchster Qualität in Lehre und Forschung. Neben der Hochschulkonferenz, dem zentralen Steuerungsgremium, ist im Hochschulplan auch die wissenschaftsbezogene Öffentlichkeit verankert wurde der Österreichische Bibliothekenverbund in die Liste der wissenschaftsbezogenen Öffentlichkeit aufgenommen; er reiht sich in die Liste zwischen Österreichische Akademie der Wissenschaften und Österreichische Privatuniversitätenkonferenz ein Kooperation E-Medien Österreich Weil die aktuell gültigen Dreijahreslizenzen für die großen Verlage eine Laufzeit bis Ende 2014 haben, standen 2013 nur kleinere Produkte auf der Agenda der Kooperation E-Medien Österreich (KEMÖ). Eine wichtige zusätzliche Rolle wurde mit der Übernahme der Koordination der Initiative SCOAP 3 (Sponsoring Consortium for Open Access Publishing in Particle Physics) für die österreichischen Partner durch die Kooperation E- Medien Österreich bzw. die Österreichische Bibliotheken und Service GmbH übernommen. Österreich gehört somit zu jenen 17 Ländern, die SCOAP 3 vom Start weg unterstützen. SCOAP 3 ist ein auf Initiative des CERN entstandenes weltweites Konsortium von nationalen und internationalen Forschungsförderorganisationen der Hochenergiephysik, Forschungszentren der Hochenergiephysik und führenden nationalen und internationalen Bibliotheken und Bibliothekskonsortien. Nach langjährigen Verhandlungen gelang es, zehn Fachzeitschriften der Hochenergiephysik in ein Open Access-Geschäftsmodell umzuwandeln; die betreffenden der Vereinigung Österreichischer Bibliothekarinnen und Bibliothekare 65 (2012), Nr. 3/4, S Peter Klien: Die Österreichische Bibliothekenverbund und Service GmbH (OBVSG): Ausgewählte Neuigkeiten. In: Mitteilungen der Vereinigung Österreichischer Bibliothekarinnen und Bibliothekare 66 (2013), Nr. 2, S

5 Bauer: Aktuelle Entwickl. an den österr. Bibliotheken 5 Fachzeitschriften sind seit 1. Januar 2014 als Open Access-Zeitschriften zugänglich Österreichische Nationalbibliothek Austrian Books Online 2010 wurde von der Österreichischen Nationalbibliothek für ein geplantes Massendigitalisierungsprojekt als bisher größte Public Private Partnership in Österreich eine Kooperation mit Google bekannt gegeben, die dem Ziel dient, den gesamten urheberrechtsfreien Buchbestand der Nationalbibliothek zu digitalisieren. Insgesamt sollen ca Bücher von Beginn des 16. bis zur zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts bzw. insgesamt mehr als 200 Millionen Seiten digitalisiert und online kostenfrei im Volltext zugänglich gemacht werden. Während die Österreichische Nationalbibliothek die Kosten für die Bereitstellung der kompletten Metadaten, die Logistik für die gedruckten Bücher sowie die Aufbereitung der Digitalisate für eine umfassende Volltextrecherche zu tragen hat, finanziert Google die anfallenden Digitalisierungskosten inklusive OCR. Wesentlich für die Partnerschaft der Nationalbibliothek mit Google sind die Nichtausschließlichkeit, sodass sie jederzeit denselben Bestand mit anderen Partnern digitalisieren kann, sowie die Zugänglichkeit über zusätzliche Plattformen und Portale, sodass die Inhalte nicht nur über die Digitale Bibliothek der Nationalbibliothek angeboten werden können, sondern auch über Europeana und die Suchmaschine des österreichischen Bibliothekenverbundes. Mit der operativen Projektphase wurde 2011 begonnen, Ende 2012 standen bereits Bände aus dem historischen Buchbestand der Nationalbibliothek in digitalisierter Form über Google 11 SCOAP3 to start on 1 January 2014! CERN Press Release, Online im Internet:

6 Bauer: Aktuelle Entwickl. an den österr. Bibliotheken 6 Bücher zur Verfügung, seit 2013 werden die Inhalte auch über QuickSearch, die Suchmaschine der Österreichischen Nationalbibliothek, angeboten. 12 AustriaN Newspapers Online (ANNO) Wichtige Innovationen konnten 2013 bei AustriaN Newspapers Online (ANNO) präsentiert werden, einem Projekt zur Digitalisierung von österreichischen Zeitungen und Zeitschriften, das mittlerweile seit zehn Jahren von der Österreichischen Nationalbibliothek betrieben wird. Die Titelliste, die laufend erweitert wird, umfasst derzeit Zeitungsausgaben von 1568 bis Für ausgewählte Zeitungen, die im Rahmen von ANNO digitalisiert worden sind, wurde eine Volltextsuche entwickelt. Recherchiert werden kann derzeit in den Volltexten von ca Zeitungsausgaben zwischen 1700 und 1875 bzw. in insgesamt ca. 2 Millionen Seiten. Die Startseite bietet eine tabellarische Übersicht über die verfügbaren Jahrgänge der im Volltext durchsuchbaren Zeitungen. Die meisten Zugriffe weisen derzeit die digitalisierten Seiten des 29. Juni 1914, dem Tag des Attentates von Sarajewo, auf. Der Digitale Lesesaal der Österreichischen Nationalbibliothek ermöglicht eine bestandsübergreifende Suche in den Volltexten digitalisierter Werke aus Austrian Books online, ANNO und Europeana Newspapers. Staatsgäste im Prunksaal Auch 2013 war der Prunksaal der Österreichischen Nationalbibliothek wieder attraktives Ziel für prominente Staatsgäste. Am 6. Februar 2013 wurden dem slowenischen Staatspräsidenten Borut Pahor wertvolle, in slowenischer Sprache verfasste Werke präsentiert, darunter das erste in slowenischer Sprache gedruckte Buch, Catechismus In der Windischenn Sprach Max Kaiser und Stefan Majewski: Austrian Books Online: Die Public Private Partnership der Österreichischen Nationalbibliothek mit Google. In: Bibliothek Forschung und Praxis 37 (2013), Nr. 2, S Slowenisches Präsidentenpaar besucht Österreichische Nationalbibliothek. Pressemeldung der Österreichischen Nationalbibliothek, Online im Internet:

7 Bauer: Aktuelle Entwickl. an den österr. Bibliotheken 7 Großherzog Henri von Luxemburg konnte am 16. April 2013 die Wenzelsbibel besichtigen, die um 1400 von König Wenzel von Böhmen, der aus dem Hause Luxemburg stammte, in Auftrag gegeben worden war. 14 Am 24. April 2013 besuchte Letsie III., König von Lesotho, den Prunksaal der Österreichischen Nationalbibliothek; ihm wurde eine Lutherbibel aus dem Jahr 1545 gezeigt, die vom Reformator noch selbst redigiert worden war und die mit handkolorierten Holzschnitten aus der Werkstatt von Lucas Cranach dem Älteren ausgestattet ist. 15 Buchpatenschaften Bundespräsident Dr. Heinz Fischer übernahm im November 2013 die 7.000ste Buchpatenschaft der Österreichischen Nationalbibliothek und wählte hierfür eine wertvolle Homer-Ausgabe aus dem Jahr Mit Ex- Gouverneur Arnold Schwarzenegger (Karte des US-Bundesstaates Kalifornien aus dem 17. Jahrhundert) 17 und Bundesminister Karlheinz Töchterle (mittelalterliche Prachthandschrift mit den Reden Ciceros) 18 konnten 2013 weitere prominente Buchpaten gewonnen werden. 14 Großherzogspaar von Luxemburg besichtigt Österreichische Nationalbibliothek. Pressemeldung der Österreichischen Nationalbibliothek, Online im Internet: 15 Letsie III., König von Lesotho, besichtigt Österreichische Nationalbibliothek. Pressemeldung der Österreichischen Nationalbibliothek, Online im Internet: 16 Bundespräsident Fischer übernimmt 7.000ste Buchpatenschaft der Österreichischen Nationalbibliothek. Pressemeldung der Österreichischen Nationalbibliothek, Online im Internet: 17 Arnold Schwarzenegger übernimmt Buchpatenschaft. Pressemeldung der Österreichischen Nationalbibliothek, Online im Internet: 18 Bundesminister Töchterle übernimmt Buchpatenschaft der Österreichischen Nationalbibliothek. Pressemeldung der Österreichischen Nationalbibliothek, Online im Internet:

8 Bauer: Aktuelle Entwickl. an den österr. Bibliotheken erfolgte die Aufnahme der Goldenen Bulle" in die Liste des UNESCO- Weltdokumentenerbes Forum Universitätsbibliotheken Österreichs Open Access Report Vom Forum Universitätsbibliotheken Österreichs (ubifo), einem Kooperationsgremium der Leiter der Universitätsbibliotheken der 21 öffentlichen Universitäten sowie der Österreichischen Nationalbibliothek, konnte 2013 der Report Open Access Bestandsaufnahme an den österreichischen Universitäten 20 vorgelegt werden, der von einer Arbeitsgruppe erstellt worden war. Basis dieser Studie war eine Online- Umfrage, die 2012 an allen öffentlichen Universitäten in Österreich durchgeführt worden ist. In den Ergebnissen der Untersuchung wurde deutlich, dass Open Access zum Zeitpunkt der Bestandserhebung an den österreichischen Universitäten, abgesehen von der Universität Wien, nur wenig verankert war. Universitätsbibliotheken im Fokus Am 7. November 2013 wurde im Rahmen einer Buchpräsentation, die im neuen Library & Learning Center der Wirtschaftsuniversität Wien stattgefunden hat, der in der Schriftenreihe der Vereinigung Österreichischer Bibliothekarinnen und Bibliothekare erschienene Band 19 Goldene Bulle" in die Liste des UNESCO-Weltdokumentenerbes aufgenommen. Pressemeldung der Österreichischen Nationalbibliothek, Online im Internet: 20 Bruno Bauer, Christian Gumpenberger, Ingrid Haas, Michael Katzmayr, Eva Ramminger und Doris Reinitzer: Open Access Bestandsaufnahme an österreichischen Universitäten: Ergebnisse einer Umfrage im Auftrag des Forums Universitätsbibliotheken Österreichs (ubifo). In: Mitteilungen der Vereinigung Österreichischer Bibliothekarinnen und Bibliothekare 66 (2013), Nr. 3/4, S

9 Bauer: Aktuelle Entwickl. an den österr. Bibliotheken 9 Universitätsbibliotheken im Fokus 21 vorgestellt. 22 In dieser Publikation werden erstmals Aufgaben und Perspektiven der Universitätsbibliotheken in Österreich umfassend behandelt. Die 43 Beiträge, verfasst von 50 Autorinnen und Autoren, gliedern sich in fünf Abschnitte. Drei Beiträgen über Organisation und Aufgaben des Forums Universitätsbibliotheken Österreichs folgen elf Beiträge, in denen die Rolle der Universitätsbibliotheken für Forschung und Lehre, ihre Rolle als öffentliche Bibliotheken und ihre Rolle als Bewahrerinnen historischer Bestände thematisiert wird. Weitere Beiträge behandeln die gemeinsame Archivierung von gedruckten Beständen, Bibliotheksbau, Urheberrecht, kooperatives Arbeiten an den Universitäten, Bibliotheksautomatisation sowie das Angebot an elektronischen Medien der österreichischen Universitätsbibliotheken. In den letzten Jahren haben die Rolle der Bibliotheken als Teaching Libraries sowie die bibliothekarische Ausbildung an Bedeutung gewonnen; auch diesen Themen sind eigene Beiträge gewidmet. In einem dritten Abschnitt werden in fünf Beiträgen neue Rollen für Universitätsbibliotheken angesprochen. Deren Bandbreite reicht von der Zuordnung von Universitätsarchiven bzw. Universitätsverlagen an die jeweiligen Universitätsbibliotheken über die immer wichtiger werdenden Themenfelder Open Access und Bibliometrie bis zu den in den letzten Jahren immer wichtiger werdenden Thema NS-Provenienzforschung und Restitution an den Universitätsbibliotheken. Im vierten Abschnitt wird die Rolle der Universitätsbibliotheken aus der Perspektive von vier wichtigen Kooperationspartnern Ministerium, Bibliothekenverbund, Kooperation E- Medien Österreich, Österreichische Nationalbibliothek thematisiert. Der fünfte Abschnitt bringt Bibliotheksporträts der 20 Universitätsbibliotheken 21 Bruno Bauer, Christian Gumpenberger und Robert Schiller: Universitätsbibliotheken im Fokus Aufgaben und Perspektiven der Universitätsbibliotheken an öffentlichen Universitäten in Österreich. Graz Feldkirch. Neugebauer, 2013 (Schriften der Vereinigung Österreichischer Bibliothekarinnen und Bibliothekare 13). 22 Universitätsbibliotheken im Fokus Aufgaben und Perspektiven der Universitätsbibliotheken an öffentlichen Universitäten in Österreich. Buchpräsentation am 7. November 2013 im Learning and Library Center der Wirtschaftsuniversität Wien. In: Mitteilungen der Vereinigung Österreichischer Bibliothekarinnen und Bibliothekare 66 (2013), Nr. 3/4, S

10 Bauer: Aktuelle Entwickl. an den österr. Bibliotheken 10 der öffentlichen Universitäten in Österreich, in denen jeweils die Besonderheiten der einzelnen Bibliotheken vorgestellt werden. Hochschulraumstrukturmittel-Projekte Das Forum fungierte auch als Drehscheibe für die Planung von zwei Projekten, die im Rahmen der vom Bundesministerium für Wissenschaft und Forschung ausgeschriebenen Hochschulraumstrukturmittel vorbereitet und eingereicht werden konnten. Von den insgesamt zur Verfügung gestellten Hochschulraumstrukturmitteln (Stichwort Hochschul-Milliarde) in Höhe von 63 Millionen Euro entfallen 48 Millionen auf Lehre und Forschung bzw. Entwicklung und Erschließung der Künste, 15 Millionen auf Kooperationen im Bereich der Verwaltung. Antragsberechtigt für die Ausschreibung waren die öffentlichen Universitäten, wobei eine Voraussetzung für die Vergabe der Projektmittel, die als Anschubfinanzierung definiert wurden, die Beteiligung von mindestens einer weiteren Institution aus den Bereichen, Wissenschaft, 23 Hochschulen, Kunst und Kultur oder der Wirtschaft war. Von 33 Projektanträgen im Bereich der Verwaltung wurden vom Ministerium 22 bewilligt, darunter die beiden Bibliotheksprojekte, für die jeweils die Universität Wien als Trägerin fungiert. 24 Am Projekt Entwicklung und Umsetzung eines Beschaffungsprozesses für österreichische Universitätsbibliotheken, das dem Ziel dient, Vorarbeiten für Ausschreibungsverfahren insbesondere für die Erstellung der Leistungsverzeichnisse für die Produktgruppen Print-Bücher, Print- Zeitschriften, E-Journals, E-Books, Datenbanklizenzen unter juristischer Begleitung gemeinschaftlich zu erarbeiten und damit Wissen an jeder 23 Bundesministerium für Wissenschaft und Forschung: Kooperationsausschreibung Online im Internet: https://hrsm-koop2013.bmwf.gv.at/ 24 Hochschulraum-Strukturmittel - Karlheinz Töchterle: 15 Millionen Euro für nachhaltige Kooperationen im Bereich Verwaltung. Wien: Bundesministerium für Wissenschaft und Forschung, Online im Internet:

11 Bauer: Aktuelle Entwickl. an den österr. Bibliotheken 11 Institution nachhaltig aufzubauen und zu vertiefen, beteiligen sich 16 Universitätsbibliotheken. Am Projekt E-Infrastructures Austria, das den koordinierten Aufbau eines österreichischen Netzwerks zur Einrichtung und Weiterentwicklung gemeinsamer E-Infrastructures durch Bündelung von Ressourcen und vorhandenem Wissen und den Aufbau bzw. die Weiterentwicklung von Publikationsservern und Datenrepositorien für Forschungsressourcen und Daten aus der forschungsgeleiteten Lehre zum Ziel hat, beteiligen sich 20 öffentliche Universitäten, das IST Austria, die Österreichische Akademie der Wissenschaften, die Arbeiterkammer Wien, die Österreichische Bibliothekenverbund und Service GmbH sowie die Österreichische Nationalbibliothek. Das Projekt gliedert sich in drei Teilprojekte: finanzielle und organisatorische Unterstützung von Einrichtungen, die Dokumentenserver und Publikationsdienste anbieten möchten; Austausch von Know-how und Aufbau einer Infrastruktur zur Archivierung von Forschungsdaten; Kompetenztransfer und Synergieeffekte durch Teilnahme am Wissensnetzwerk E-Infrastructures Austria. 5 Open Access Open Access Impulse 2013 Während in der oben angeführten Studie des Forums Universitätsbibliotheken Österreichs über Open Access für den Zeitraum bis 2012 noch wenige Aktivitäten an den österreichischen Hochschulen, abgesehen von der Universität Wien, festzustellen waren, wurde 2013 diesbezüglich einiges bewegt. Open Access findet sich in den Leistungsvereinbarungen vieler österreichischer Forschungseinrichtungen für die Laufzeit 2013 bis 2015 mit dem Bundesministerium für Wissenschaft und Forschung Katharina Rohsmann und Martin Baumgartner: Open Access in den Leistungsvereinbarungen österreichischer Forschungseinrichtungen. FFG, Online im Internet:

12 Bauer: Aktuelle Entwickl. an den österr. Bibliotheken 12 Ein wichtiger Impuls für Open Access Aktivitäten an vielen Institutionen wurde vom Ministerium mit der Förderung des Hochschulraumstrukturmittel-Projektes E-Infrastructures Austria gesetzt, in dem institutionelle Repositorien sowie Forschungsdaten thematisiert werden. Während der dreijährigen Förderzeit soll eine Infrastruktur geschaffen werden, um Open Access in der österreichischen Forschungslandschaft nachhaltig zu verankern. Nachdem Institutionen, wie der FWF oder die Akademie der Wissenschaften bereits früher Open Access Policies verabschiedet hatten, hat das Rektorat der Universität Graz am 5. September 2013 als erste österreichische Hochschule eine Open Access Policy beschlossen. 26 Dieser Top-down-Initiative vorangegangen war eine Fragebogenaktion an alle Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler der Universität Graz sowie die Durchführung von 25 ausführlichen Interviews. 27 Open Access Network Austria In Ergänzung zu den konkreten Open Access-Projekten und Maßnahmen einzelner Institutionen hat das 2012 gegründete Open Access Network Austria (OANA) ein Netzwerk, bestehend aus Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern, Vertreterinnen und Vertretern von Forschungsförderinstitutionen, der Rektorate und der Universitätsbibliotheken, etabliert, in dem strategische Maßnahmen erörtert werden, die lokal und national gesetzt werden können. 28 Am 22. Oktober 2013 exakt 10 Jahr nach der Berliner Erklärung hat OANA im Rahmen der Open Access Week eine sehr gut besuchte Informationsveranstaltung im Palais Harrach in Wien organisiert, in der die 26 Open Access Policy der Karl Franzens Universität Graz. In: Mitteilungen der Vereinigung Österreichischer Bibliothekarinnen und Bibliothekare 66 (2013), Nr. 3/4, S Lisa Schilhan: Open Access an der Karl-Franzens-Universität Graz: von einer topdown Initiative zu einer bottom-up Policy. In: Mitteilungen der Vereinigung Österreichischer Bibliothekarinnen und Bibliothekare 66 (2013), Nr. 3/4, S Bruno Bauer: Konstituierung von OANA (Open Access Netzwerk Austria) am In: Mitteilungen der Vereinigung Österreichischer Bibliothekarinnen und Bibliothekare 66 (2013), Nr. 2, S

13 Bauer: Aktuelle Entwickl. an den österr. Bibliotheken 13 Themenfelder internationale Open Access-Trends, Open Access Policies sowie institutionelle Repositorien vorgestellt und diskutiert worden sind sollen Arbeitsgruppen eingerichtet werden, die sich den Themenfeldern Open Access Policy, Finanzierung von Open Access, rechtliche und politische Rahmenbedingungen, Publikationsmodelle sowie Einbindung von Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern widmen. Die große Stärke des Open Access Network Austria liegt in seiner Konzeption als Plattform, die Personen aus Wissenschaft und Forschung, Politik und Forschungsförderungsgesellschaften sowie Universitäten und Bibliotheken für einen regelmäßigen Informationsaustausch zusammenführt. 6 Einzelaktivitäten von Bibliotheken Auch 2013 wurden von einzelnen Bibliotheken neben den kooperativ betriebenen Innovationsprojekten wichtige Akzente gesetzt und zukunftsweisende Initiativen gestartet. Universitätsbibliothek der Wirtschaftsuniversität Wien Am 4. Oktober 2013 wurde das neue Library & Learning Center, das den Mittelpunkt des ca m 2 großen Areals der neuen, für Studierende und Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern konzipierten Wirtschaftsuniversität Wien bildet, nach vierjähriger Bauzeit der Spatenstich war im Oktober 2009 erfolgt von Bundespräsident Heinz Fischer, Wissenschaftsminister Karlheinz Töchterle und EU-Kommissar Johannes Hahn feierlich eröffnet. Besonders markant an dem von Zaha Haid Architects, Hamburg, geplanten und von einer gemeinsamen Gesellschaft von Wirtschaftsuniversität Wien und Bundesimmobiliengesellschaft erbauten Gebäudes, das eine Nutzfläche von ca m 2 aufweist (davon m 2 öffentlich zugängliche Freifläche), ist das weit auskragende Dach. Das äußere Erscheinungsbild des Gebäudes ist durch einen schwarzen, öffentlichen und einen weißen, nicht- 29 Bruno Bauer: 10 Jahre nach der Berliner Erklärung: 1. Informationsveranstaltung des Open Access Network Austria (OANA) im Rahmen der Open Access Week (Wien, ). In: Mitteilungen der Vereinigung Österreichischer Bibliothekarinnen und Bibliothekare 66 (2013), Nr. 3/4, S

14 Bauer: Aktuelle Entwickl. an den österr. Bibliotheken 14 öffentlichen Baukörper geprägt. Betreten wird die Bibliothek, die über Studienarbeitsplätze verfügt, über das Forum und den öffentlichen Eingangsbereich, die als Teil des außenliegenden Platzes gesehen werden; die Bibliothek selbst erstreckt sich über acht Ebenen. 30 Der interessierten Bibliotheks-Community wurde das neue Library & Learning Center, das rund 90 Millionen Euro gekostet hat, in Vorträgen und Führungen im Rahmen eines Open Day am 7. November 2013 vorgestellt. 31 Die neue Wirtschaftsuniversität, im Übrigen die größte in Europa, und insbesondere ihr markantes Library & Learning Center haben auch ein großes mediales Echo gefunden. So schreibt die Neue Zürcher Zeitung, dass Library & Learning Center habe die Dimensionen einer futuristischen Kathedrale 32, der Standard von Zaha Hadids futuristischem Bibliothekskristall 33, die Kleine Zeitung, dass das Library & Learning Center im Inneren wie ein Raumschiff aussehe 34, die Kronen Zeitung, dass mit dem Library & Learning Center als Herzstück der neuen Wirtschaftsuniversität Lehre und Forschung ins Zentrum gestellt wurden Klaus Ulrich Werner: Neubau des Library & Learning Center (LC) an der Wirtschaftsuniversität Wien. In: ABI-Technik 33 (2013), Nr. 4, S Open Day Universitätsbibliothek vom WUtv, Videochannel der WU.- Online im Internet: opendaybib 32 Patrizia Grzonka: Im Wiener Prater wird im Oktober die neue Wirtschaftsuniversität Wien, eines der grössten Bauprojekte der Donaumetropole, offiziell eröffnet werden. In: Neue Zürcher Zeitung, Online im Internet: Wojciech Czaja: Die Welt ist ein Campus. In: derstandard.at, Online im Internet: 34 Norbert Swoboda: Tempel der Wirtschaft. In: Kleine Zeitung, Online im Internet: 35 Neuer Wirtschaftsuni-Campus in Wien eröffnet. In: krone.at, Online im Internet: Campus_in_Wien_eroeffnet-Stadt_in_der_Stadt-Story

15 Bauer: Aktuelle Entwickl. an den österr. Bibliotheken 15 und die Studentenvertretung sieht die Wirtschaftsuniversität mit dem neuen Campus zu einem Leuchtturm in der österreichischen Universitätslandschaft aufsteigen. 36 Universitätsbibliothek der Medizinischen Universität Wien Mit Jahreswechsel 2012/2013 hat die Universitätsbibliothek der Medizinischen Universität Wien als erste österreichische Hochschulbibliothek sämtliche von ihr bezogenen Zeitschriften von Print & Electronic auf e-only umstellt. Die Entscheidung für diesen radikalen Schritt wurde vom Rektorat der Medizinischen Universität Wien auf Basis eines von der Universitätsbibliothek erstellten Positionspapiers, in dem die strategischen Ziele sowie die zu setzenden Maßnahmen dargestellt worden waren, getroffen. Wesentliche Kriterien für die Umstellung waren Einsparungspotentiale im Bereich der finanziellen Mittel sowie bei Raum und Personal sowie eine attraktive Lösung für die Langzeitarchivierung, die durch die Teilnahme am Portico-Konsortium realisiert werden konnte. 37 Mit der Fokussierung auf e-only wurde bei den Zeitschriften jene Entscheidung getroffen, die bei den Fachbibliografien bereits 1999 mit der Stornierung der für die Medizin bedeutendsten gedruckten Fachbibliografien Index Medicus und Excerpta Medica zugunsten der bibliografischen Datenbanken Medline und Embase gefallen ist. 38 Oberösterreichische Landesbibliothek 36 Campus: WU auch inhaltlich neu. In: Online im Internet: 37 Bruno Bauer, Helmut Dollfuß und Daniel Formanek: Universitätsbibliothek der Medizinischen Universität Wien goes e-only: Umstellung des Zeitschriftenbezugs von p+e auf e-only ab 1. Januar In: GMS Medizin Bibliothek Information 13 (2013), Nr. 3, Doc Bruno Bauer: Medizinbibliotheken als Treiber von Innovationen für die Digitale Bibliothek: Metamorphose von wissenschaftlichen Bibliotheken am Beispiel der Universitätsbibliothek der Medizinischen Universität Wien. In: GMS Medizin Bibliothek Information 13 (2013), Nr. 1/2, Doc14.

16 Bauer: Aktuelle Entwickl. an den österr. Bibliotheken 16 Die Oberösterreichische Landesbibliothek, deren Erweiterungsbau 2009 in Betrieb genommen worden ist 39, startete nach einer zweijährigen Vorbereitungsphase 2011 ein Projekt zur Digitalisierung von landeskundlicher Literatur, Rara und Handschriften auf Basis des Open Source-Produktes GOOBI. Ein integrierter Workflow wurde für die einzelnen Schritte der Digitalisierung entwickelt von der Übernahme der bibliographischen Daten über Scannen, Qualitätskontrolle, OCR- Volltexterkennung, Struktur- und Metadatenbearbeitung, URN-Generierung bis zu Präsentation und Archivierung hat die Digitale Landesbibliothek Oberösterreich den Vollbetrieb aufgenommen. Das neue Angebot verzeichnet bereits täglich bis Seitenaufrufe. 40 Wienbibliothek Im Jänner 2011 wurden von der Wienbibliothek im Rathaus erstmals digitalisierte Wiener Adressbücher von 1859 bis 1942 ( Lehmann ) online angeboten. Aufgrund des überaus guten Nutzung dieses neuen Angebotes, das Adressbuchseiten umfasste (mit mehr als täglichen Nutzungen in der Startphase) wurde die Digitale Bibliothek der Wienbibliothek kontinuierlich weiterentwickelt. Dem Lehmann folgte die Digitalisierung 200 weiterer ausgewählter Adressbücher und Bezirks- und Reiseführer, aber auch Maßnahmen zur inhaltlichen Erschließung wurden gesetzt, um die Digitale Bibliothek attraktiver zu machen. Insgesamt wurden mehr als Einträge für den Lehmann vorgenommen, weil jede zehnte Seite des Lehmann intellektuell inhaltlich erschlossen wurde. Als weiterer Schwerpunkt für die Digitale Bibliothek wird die sukzessive Digitalisierung der wertvollen Bestände der Handschriften- und Musikhandschriftensammlung der Wienbibliothek betrieben. Werke von Exponenten der Wiener Musikgeschichte, wie Johann Strauss Vater und 39 Christian Enichlmayr und Rudolf Lindpointner: Passt wie der Schlüssel zum Schloss. Der Erweiterungsbau der Oberösterreichischen Landesbibliothek, Linz. In: Bibliothek Forschung und Praxis 37 (2013), Nr. 3, S Gregor Neuböck: Oberösterreichische Landesbibliothek: Neues Leben für alte Bücher oder wie man ein Digitalisierungsprojekt auf Schiene bringt! In: Mitteilungen der Vereinigung Österreichischer Bibliothekarinnen und Bibliothekare 66 (2013), Nr. 1, S

17 Bauer: Aktuelle Entwickl. an den österr. Bibliotheken 17 Sohn, Franz Schubert und Hugo Wolf wurden bereits digitalisiert, folgen sollen die Nachlässe von Franz Grillparzer, Ferdinand Raimund und Johann Nestroy. 41 Bibliothek der Arbeiterkammer Wien Seit 1984 hat der 1933 geborene Sozialphilosoph, Politikwissenschaftler und Historiker Norbert Leser, der zwischen 1971 und 2011 an den Universitäten Salzburg bzw. Wien als Universitätsprofessor tätig gewesen ist, mehr als Bücher und Sonderdrucke aus seiner Privatbibliothek der Bibliothek der Arbeiterkammer Wien als Spende übergeben, weil er sich dieser Bibliothek, an der er seine Habilitationsschrift verfasst hat, sehr verbunden fühlt. Die Besonderheit dieses Bestandes, der in einem eigenen Leser-Katalog erschlossen ist, sind zahlreiche Bücher mit eigenhändigen Widmungen der Autorinnen und Autoren an Norbert Leser, darunter Ernst Bloch, Max Horkheimer, Hans Kelsen, Friedrich Heer, Hilde Spiel, Ernst Jandl, Thomas Bernhard, Erwin Ringel, Harald Leupold-Löwenthal, Christian Broda, Günther Nenning und Heinz Fischer NS-Provenienzforschung und Bibliotheksgeschichte NS-Provenienzforschung Auch 2013 wurden von den wissenschaftlichen Bibliotheken in Österreich zahlreiche NS-Provenienzforschungsprojekte erfolgreich weiter betrieben. An der Universitätsbibliothek Graz konnten im Rahmen des seit September 2011 laufenden NS-Provenienzforschungsprojektes Bücher an die Rechtsnachfolger von Enteignungsopfern restituiert werden, darunter auch eine zehnbändige Werksausgabe des Lyrikers Richard Dehmel ( ), 41 Anita Eichinger: Wien Digital Digitalisierung an der Wienbibliothek im Rathaus. In: Mitteilungen der Vereinigung Österreichischer Bibliothekarinnen und Bibliothekare 66 (2013), Nr. 2, S Madeleine Wolensky: Leser, Nutznießer und Spender in der AK-Bibliothek Wien. Festgabe zum 80. Geburtstag von Norbert Leser. In: Mitteilungen der Vereinigung Österreichischer Bibliothekarinnen und Bibliothekare 66 (2013), Nr. 3/4, S

18 Bauer: Aktuelle Entwickl. an den österr. Bibliotheken 18 die über das Münchener Antiquariat Die Bücherstube am Siegestor Horst Stobbe erworben worden ist und in der sich Exlibris der rechtmäßigen Vorbesitzer Martin ( ) und Gabriele Rosenthal ( ) befinden. 43 An der Medizinischen Universität Wien wurden 2011 und 2012 drei Restitutionen durchgeführt, die die Bibliothek Sassenbach sowie die Privatbibliotheken von Raoul Fernand Jellinek-Mercedes ( ) und Alfred Arnstein ( ) betroffen haben. 44 Anfang 2013 wurden von der Universitätsbibliothek Wien 72 Bücher, die als Raubgut aus dem Eigentum Guido Adlers ( ), des Gründers und ersten Ordinarius des Instituts für Musikwissenschaft der Universität Wien, identifiziert worden waren, an den Erben restituiert. Aus diesem Anlass fand am 14. Mai 2013 das Symposium Guido Adlers Erbe statt. 45 Im Rahmen der Buchautopsie wurden an der Universitätsbibliothek Wien Bände überprüft; Bände wurden als bedenkliche Erwerbungen klassifiziert. Bisher wurden 106 Falldossiers angelegt und in zwölf Fällen kam es bereits zu Restitutionen Birgit Scholz und Markus Helmut Lenhart: Und hat mir große Freude gemacht, wenn auch der Anlass sehr traurig war. Wege und Irrwege zur Restitution einer Richard Dehmel-Werkausgabe aus der Bibliothek Martin und Gabriele Rosenthal. In: Mitteilungen der Vereinigung Österreichischer Bibliothekarinnen und Bibliothekare 66 (2013), Nr. 2, S Bruno Bauer und Walter Mentzel: NS-Provenienzforschung an der Medizinischen Universität Wien 2011 und Restitution von Büchern der Bibliothek Sassenbach sowie den Privatbibliotheken von Raoul Fernand Jellinek-Mercedes und Alfred Arnstein. In: Mitteilungen der Vereinigung Österreichischer Bibliothekarinnen und Bibliothekare 66 (2013), Nr. 3/4, S Benedikt Lodes: Guido Adlers Erbe Symposion anlässlich der Rückgabe geraubter Werke durch die Universitätsbibliothek Wien (Wien, ). In: Mitteilungen der Vereinigung Österreichischer Bibliothekarinnen und Bibliothekare 66 (2013), Nr. 3/4, S Thomas Trenkler: Universität Wien stellt sich ihrer NS-Vergangenheit. In: derstandard.at, Online im Internet:

19 Bauer: Aktuelle Entwickl. an den österr. Bibliotheken 19 Bibliotheksgeschichte 2013 ist in den Mitteilungen des Österreichischen Staatsarchivs ein Sammelband mit historischen Fallstudien zu Verwaltung und Bibliotheken erschienen. Die Publikation beinhaltet Beiträge eines Workshops, der im Februar 2011 zum Thema Wissenschaftliche Bibliotheken im Umbruch 1938/45 an der Universität Wien durchgeführt worden ist. Dargestellt wird die historische Entwicklung, inbesondere während der Umbruchjahre 1933, 1938 und 1945, an der Österreichischen Nationalbibliothek sowie der Vorgängerinstitutionen der heutigen Universitätsbibliotheken der Universität Wien, der Universität Graz, der Medizinischen Universität Wien, der Universität Innsbruck, der Universität Salzburg, der Technischen Universität Wien, der Universität für Bodenkultur, der Wirtschaftsuniversität und der Universität für Musik und darstellende Kunst Wien, der Wienbibliothek im Rathaus, der Steiermärkischen Landesbibliothek und der Oberösterreichischen Landesbibliothek; weiters beinhaltet der Sammelband auch Beiträge zur Geschichte der Parlamentsbibliothek, der Administrativen Bibliothek des Bundes, der Bibliothek der Wiener Arbeiterkammer, der Bibliothek und Kunstblättersammlung des Museums für angewandte Kunst sowie der Bibliothek der Anthropologischen Abteilung des Naturhistorischen Museums Wien BID-Ausbildung Der interuniversitäre Universitätslehrgang Library and Information Studies MSc wird an vier österreichischen Universitäten angeboten. Im Studienjahr 2012/13 absolvierten insgesamt 77 Personen den zweisemestrigen Grundlehrgang (Universität Wien 23, Nationalbibliothek Vergangenheit 47 Gertrude Enderle-Burcel, Alexandra Neubauer-Czettl und Edith Stumpf-Fischer (Hrsg.): Brüche und Kontinuitäten Fallstudien zu Verwaltung und Bibliotheken. Innsbruck: Studienverlag, 2013 (Mitteilungen des Österreichischen Staatsarchivs, Sonderband 12).

20 Bauer: Aktuelle Entwickl. an den österr. Bibliotheken 20 19, Universität Graz 20, Universität Innsbruck 25), 16 Personen den nur an der Universität Wien gemeinsam mit der Österreichischen Nationalbibliothek angebotenen zweisemestrigen Aufbaulehrgang. Zwischen 2004 und 2013 haben insgesamt 396 Lehrgangsteilnehmerinnen und teilnehmer den Grundlehrgang als akademische Bibliotheks- und Informationsexpertinnen und experten erfolgreich absolviert; im selben Zeitraum wurde der Aufbaulehrgang von insgesamt 150 Studierenden mit dem Master of Science in Library and Information Studies abgeschlossen. 48 Während im Aufbaulehrgang u.a. auch eine Master Thesis zu verfassen ist, beinhaltet das Curriculum für den Grundlehrgang eine praxisbezogene Projektarbeit, die in Teams zu erstellen ist. Exemplarisch für letztere sind zwei Projektarbeiten des Jahres 2013 zu nennen, in denen das Thema Kataloganreicherung behandelt wird und deren Ergebnisse auch publiziert worden sind. Am Beispiel der privaten Nachlassbibliothek des Germanistikprofessors Wendelin Schmidt-Dengler wird dargestellt, wie Widmungen und Beilagen zu einzelnen Exemplaren im Online-Katalog angezeigt werden können. 49 Ebenfalls Besonderheiten zu einzelnen Exemplaren, wie frühere Signaturen, handschriftliche Besitzvermerke und stempel wurden in einer Projektarbeit bearbeitet, die an der Fachbereichsbibliothek Osteuropäische Geschichte und Slawistik erstellt worden ist. Exemplarisch wurden die 48 Monika Schneider: Bibliothekarische Ausbildung in Österreich. In: Bruno Bauer, Christian Gumpenberger und Robert Schiller: Universitätsbibliotheken im Fokus Aufgaben und Perspektiven der Universitätsbibliotheken an öffentlichen Universitäten in Österreich. Graz Feldkirch:Neugebauer, 2013 (Schriften der Vereinigung Österreichischer Bibliothekarinnen und Bibliothekare 13), S Beate Fechter, Karoline Gattringer und Marion Wendt: Kataloganreicherung auf Exemplarebene oder Exemplaranreicherung auf Katalogebene? Mit der Bibliothek Wendelin Schmidt-Dengler - auf dem Weg zum Katalog 2.0. In: Mitteilungen der Vereinigung Österreichischer Bibliothekarinnen und Bibliothekare 66 (2013), Nr. 3/4, S

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