Checkliste für Berichterstatter der Hochschulleitung der UBT in Berufungskommissionen, um eine Gleichstellung von Frauen und Männern zu gewährleisten

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1 Checkliste für Berichterstatter der Hochschulleitung der UBT in Berufungskommissionen, um eine Gleichstellung von Frauen und Männern zu gewährleisten Laut Art. 4 Abs.1 Satz 1 BayHSchG ist es Aufgabe der Hochschulen, die tatsächliche Durchsetzung der Gleichberechtigung von Frauen und Männern zu fördern und diese als Leitprinzip zu berücksichtigen sowie auf die Beseitigung bestehender Nachteile hinzuwirken. Die Frauenbeauftragten unterstützen sie bei dieser Aufgabe (Art. 4 Abs. 2 Satz 1 BayHSchG). Wichtigstes Ziel der Frauenförderung an der Universität Bayreuth ist die Erhöhung des Anteils von Wissenschaftlerinnen auf allen Qualifikations- und Beschäftigungsstufen, auf denen sie unterrepräsentiert sind, insbesondere bei den Professuren. Der Berichterstatter der Hochschulleitung erhält ein Mandat von der Hochschulleitung die Durchsetzung der Gleichstellung von Frauen und Männern sicherzustellen. Besetzung von Berufungskommissionen Es gilt in Berufungskommissionen Art. 41 des Bayerischen Hochschulgesetzes: Art. 41 Verfahrensregelungen (1) 1 Entscheidungen in Personalangelegenheiten erfolgen in geheimer Abstimmung, soweit nicht das Gremium einstimmig eine offene Abstimmung beschließt. 2 Im Übrigen trifft die Hochschule Verfahrensregelungen für ihre Gremien in der Grundordnung, in der insbesondere die Ladung, die Beschlussfähigkeit und das Zustandekommen von Beschlüssen zu regeln sind. 3 Nähere Regelungen können die Hochschulleitung, der Senat und der Hochschulrat durch eine Geschäftsordnung treffen. (2) 1 Für Mitglieder von Gremien gelten die Art. 20 und 21 des Bayerischen Verwaltungsverfahrensgesetzes (BayVwVfG) auch für Beratungen und Abstimmungen, die nicht in einem Verwaltungs-verfahren erfolgen. 2 Die Mitwirkung eines nach Satz 1 sowie Art. 20 BayVwVfG ausgeschlossenen Mitglieds hat die Ungültigkeit des Beschlusses zur Folge, wenn die Mitwirkung für das Ergebnis entscheidend war. Die Frauenbeauftragte der Fakultät ist an allen Vorgängen im Zusammenhang mit der Besetzung von Professuren zu beteiligen. Dies gilt für die Verabschiedung von Auswahlkriterien, die Formulierung der Stellenausschreibung sowie das eigentliche Auswahlverfahren. Neben der jeweiligen nach Art. 18 Abs. 4 Satz 2 BayHSchPG stimmberechtigten Fakultätsfrauenbeauftragten soll jeder Berufungskommission mindestens eine weitere stimmberechtigte Professorin oder Habilitierte angehören. Wenn keine Professorin/Habilitierte aus dem gleichen oder benachbarten Fachgebiet der zu besetzenden Stelle zur Verfügung steht, wird empfohlen, auf Fachwissenschaftlerinnen anderer Universitäten/anderer Fakultäten zurückzugreifen. Es besteht die Möglichkeit, externe Mitglieder mittels Videokonferenz zuzuschalten. Informationen dazu und Hilfestellung sind im Rechenzentrum erhältlich. Die Kommission muss über Gender in Berufungsverfahren und über den Frauenförderplan (FFP) informiert werden. Ein Auszug der wichtigsten Punkte des FFP wird an die Mitglieder der Berufungskommission verteilt.

2 Proaktive Kandidatinnensuche Stand In den meisten Fächern bewerben sich sehr viel mehr Männer als Frauen auf Professuren. Die Vorsitzenden der Berufungskommissionen sollen daher bei Berufungsverfahren bereits im Vorfeld sowie nach erfolgter Ausschreibung gezielte Bemühungen unternehmen, um geeignete Kandidatinnen zu gewinnen. Dabei werden sie von den Frauenbeauftragten unterstützt. So sollen die Stellenausschreibungen z.b. mit Hilfe der Wissenschaftlerinnen- Datenbanken FemConsult: Femdat: German Scholars Organization: Österreich habilitierte Frauen: weitergeleitet und auf diese Weise potentielle Kandidatinnen direkt angesprochen werden. Die entsprechenden Aktivitäten sollen im Rahmen des Listenvorschlags durch die Berufungskommission dokumentiert werden. Um die Zahl der Berufungen von Frauen auf Professuren zu steigern, müssen Bewerberinnen eine Chance erhalten, sich der Fakultät vorstellen zu können. Daher erhalten Frauenbeauftragte in den Berufungskommissionen das Recht, qualifizierte Kandidatinnen aus den eingegangenen Bewerbungen vorzuschlagen, die zum Vortrag eingeladen werden. Im Konfliktfall entscheidet die Hochschulleitung zeitnah über den Vorschlag der Frauenbeauftragten. Beurteilungskriterien Bei der Eignungsbeurteilung von Wissenschaftlerinnen werden die spezifischen Biographien von Frauen berücksichtigt. Unterbrechungen in der Erwerbstätigkeit, Reduzierungen der Arbeitszeit oder Verzögerungen beim Abschluss einzelner Ausbildungsgänge aufgrund der Betreuung von Kindern oder pflegebedürftigen Angehörigen dürfen Bewerber/innen nicht zum Nachteil gereichen. Dies gilt insbesondere im Bezug auf die Quantität fachlicher Leistung (z.b. Anzahl der Publikationen). Vgl. Leitfaden zum konstruktiven Umgang zwischen Wissenschaftlern und Wissenschaftlerinnen der Arbeitsgruppe Förderung von Wissenschaftlerinnen der Max-Planck- Gesellschaft, Auszug aus Kap. III: Die Zuschreibung von Eigenschaften wird aus beobachtetem Verhalten abgeleitet, aber darüber hinausgehen auch Stereotype in die Personenbeurteilung ein. Bei gleichem Sozialverhalten kann eine Person als schwierig oder aber als durchsetzungsstark gelten. Bei einem vergleichbaren Publikationsprofil können Wissenschaftler als fleißig, als kreativ oder als intelligent bezeichnet werden. Um diese "Eigenschaftsfalle" zu vermeiden, sollten bei der Bewertung von Wissenschaftlern und Wissenschaftlerinnen nicht Eigenschaften (fleißig aber phantasielos, intelligent und kreativ, beliebt, anerkannt), sondern Leistungskriterien (viel publiziert, aber immer zum gleichen Thema, sehr originelle Beiträge in renommierten Zeitschriften, hat mit anderen Wissenschaftlern zusammen publiziert, hat Rufe oder Preise erhalten und wurde zu zentralen Vorträgen eingeladen) herangezogen werden. Man sollte sich immer vergegenwärtigen, dass sich zukünftiges Verhalten besser aus vergangenem Verhalten vorhersagen lässt als aus weniger präzisen Eigenschaften. Von Frauen, die sich bisher erfolgreich in der Wissenschaft behauptet haben, kann erwartet werden, dass sie bei zukünftigen Füh-

3 rungsaufgaben nicht mehr Fehler machen, als auch Männer dies typischerweise tun. Unter Stress und Zeitdruck fließen nachweislich eher Stereotype in die Personenbeurteilung ein. Dies benachteiligt Wissenschaftlerinnen. Wichtige Entscheidungen sollten unter entspannten Bedingungen gefällt werden. Im Übrigen sind bei der Beurteilung der Wissenschaftler und Wissenschaftlerinnen Geschlechtsstereotype und Eigenschaftsbeschreibungen zu vermeiden und ausschließlich Leistungskriterien heranzuziehen. Gutachten im Berufungsverfahren Bei Berufungen soll darauf hingewirkt werden, dass vermehrt Gutachten von Frauen erstellt werden und dass in Gutachten über Wissenschaftlerinnen die spezifischen Biographien von Frauen berücksichtigt werden. Mögliche Beziehungen zwischen Gutachtenden und Bewerberinnen müssen offengelegt werden. Die Gutachter/innen müssen über alle Auswahlkriterien, Genderkriterien und den Frauenförderplan schriftlich informiert werden. Berufungsliste In den Berufungsvorschlägen sind aus statistischen Gründen stets die Gesamtzahl der Bewerbungen und davon die Zahl der Bewerbungen von Frauen festzuhalten. Falls Frauen, die sich beworben haben und zu Vorstellungsvorträgen eingeladen worden sind, nicht in die Berufungsliste aufgenommen werden, so muss die Berufungskommission eine nicht kompromittierende Begründung für die Nichtberücksichtigung abgeben. Beschlussfassung über den Berufungsvorschlag und Berufung Bei der Beschlussfassung soll die Einhaltung der Gleichstellungsvorgaben überprüft werden. Ein Sondervotum der Frauenbeauftragten muss berücksichtigt werden und in der Hochschulleitung und ggf. im Senat diskutiert werden.

4 Checkliste zur Umsetzung des Gleichstellungsauftrages für Berichterstatter der Hochschulleitung in Berufungskommissionen Verfahrensstufe Gleichstellungsbeitrag Kommentar des Berichterstatters der Hochschulleitung OK Im Vorfeld Die Berufungskommission soll über Zielvereinbarungen der Universität, die Genderkriterien betreffen und über entsprechende Kriterien im Frauenförderplan informiert werden; der Berichterstatter der Hochschulleitung stellt die Durchsetzung der Gleichstellung von Frauen und Männern sicher. Beteiligung der Frauenbeauftragten bei Verabschiedung der Auswahlkriterien, Stellenausschreibung, Auswahlverfahren Aktive Kandidatinnensuche im Vorfeld (ggf. mit Hilfe von Datenbanken) und Dokumentation der Aktivitäten im Listenvorschlag Vorschlagsrecht der Frauenbeauftragten für qualifizierte Kandidatinnen Besetzung der BK Die Berufungskommission ist additiv zur Frauenbeauftragten mit mindestens einer Professorin, Habilitierten, ggf. aus anderer Fakultät zu besetzen. Ggf. sind Videokonferenzen anzuregen

5 Verfahrensstufe Gleichstellungsbeitrag Kommentar des Berichterstatters der Hochschulleitung OK Verfahren Beurteilungskriterien und Auswahl Gutachten geheime Abstimmung bei Personalangelegenheiten (soweit nicht einstimmig eine offene Abstimmung beschlossen wird) Berücksichtigung spezifischer Biographien Vermeidung von Geschlechtsstereotypen und Eigenschaftsbeschreibungen besondere Berücksichtigung von Gutachterinnen Information der GutachterInnen über Auswahlund Genderkriterien, Frauenförderplan der Universität Dokumentation der Anzahl der Bewerberinnen; Berufungsvorschlag Begründung für Nichtberücksichtigung von Frauen Überprüfung ob die Gleichstellungsvorgaben eingehalten wurden Berücksichtigung eines Sondervotums der Frauenbeauftragten

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