20. Thüringer Bioenergietag

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1 20. Thüringer Bioenergietag Rahmenbedingungen für Kurzumtriebsplantagen Wilm Dühring Foto: Bärwolff, TLL Referatsleiter, TMLFUN 1

2 Kurzumtriebsplantagen (KUP) = schnellwachsende Gehölze auf landwirtschaftlichen Flächen am häufigsten in Deutschland für KUP verwendet: Pappel oder Weide einmalige Pflanzung (bei Pappel und Weide durch Stecklinge) mehrmalige Ernte (Stockausschlag) Ernteintervalle (Umtriebszeiten, Rotationen) üblicherweise zwischen 3 und 10 Jahren (bis 20 Jahre möglich) Gesamtstandzeit sollte aus wirtschaftlicher Sicht mindestens 5 Rotationen umfassen Erzeugung von Hackschnitzeln zur energetischen Verwertung, bei langen Umtriebszeiten auch stoffliche Nutzung möglich (Papier, Zellstoff, Paletten) 2

3 Anbaufläche Nawaro Deutschland 2013 Foto: Bärwolff, TLL 3

4 KUP Anbaufläche in Deutschland Baden-Württemberg Bayern Brandenburg, Berlin Hessen Mecklenburg-Vorpommern Niedersachsen, HB Nordrhein-Westfalen Rheinlandpfalz Saarland Sachsen Sachsen-Anhalt Schleswig-Holstein, HH Thüringen Gesamt: Daten: FNR (auf Grundlage der Angaben der Mitglieder der Bund-Länder-Arbeitsgruppe Nachwachsende Rohstoffe, INVEKOS) 4

5 Hemmnisse für die Etablierung von KUP rechtliche Einschränkungen (z. B. Baumartenauswahl, angrenzende Gewässer, aktuelle Bodennutzungsart) hohe Etablierungskosten unsichere Ertragserwartung kostenintensive Ernten keine jährlichen Einnahmen von der Fläche noch ungenügend etablierte Vermarktungsketten unflexible Teilnahme am Marktgeschehen Kompensation durch Förderung (AFP) war bisher bereits teilweise möglich durch hohes Mindestinvestitionsvolumen von wurde diese Möglichkeit kaum genutzt 5

6 Chancen für die Landwirtschaft Anlage auch auf Grenzstandorten möglich allgemein steigende Preise für Energie und Rohstoffe Absatzchancen Bereitstellung von holzartiger Biomasse oder Wärmeenergie ist auch durch kleinere Unternehmen umsetzbar Verringerung des Pflanzenschutzeinsatzes und Verbesserung der physikalischen und biologischen Eigenschaften der Böden (Wasser )Erosionsschutz vor allem in Siedlungs und Straßennähe Erhöhung der Biodiversität (Flora und Fauna) extensive Bewirtschaftung von technologisch schwer zu bewirtschaftenden Schlägen (weit entfernt, ungünstiger Flächenzuschnitt) Winterarbeit für angestellte Landwirte Erweiterung des Einkommensportfolios 6

7 Rechtlicher Rubrik Rahmen Häufig gestellte Fragen Kann eine KUP zu Wald werden? Änderung des Bundeswaldgesetzes (BWaldG) 2011: KUP mit Umtriebszeit von max. 20 Jahren ist kein Wald Gilt eine KUP als Landschaftselement? Nein, da Landschaftselemente nicht landwirtschaftlich genutzt werden (dürfen), KUP aber als Dauerkultur (DK) landwirtschaftlich genutzt wird. Kann eine KUP auf Grünland angebaut werden? Theoretisch ja, aber: Die Anlage einer KUP auf Grünland gilt als Flächenumbruch, der Status ändert sich damit von DGL zu DK, d. h., das Dauergrünlanderhaltungsgebot ist zu beachten! Bei einem Bestand von bis zu 50 Bäumen/ha bleibt der Grünlandstatus erhalten (dies ist dann allerdings keine KUP). 7

8 Rechtlicher Rubrik Rahmen Häufig gestellte Fragen Ist eine KUP ein Eingriff im Sinne des BNatSchG? Nein, da mit der KUP eine landwirtschaftliche Bodennutzung stattfindet. Landwirtschaftliche Bodennutzung ist kein Eingriff im Sinne des BNatSchG. Ist vor der Anlage von KUP eine Umweltverträglichkeitsprüfung erforderlich? Nein, Umweltverträglichkeitsprüfungen müssen gemäß BWaldG bei Erstaufforstungen ab 50 ha durchgeführt werden. KUP fallen nicht in den Geltungsbereich des BWaldG. 8

9 Rechtlicher Rahmen Häufig gestellte Fragen Rubrik Sind Regelungen des Nachbarschaftsrechtes zu beachten? Ja, es gelten bundeslandspezifische Regelungen, in TH das ThürNRG, 44,46: Abstand von 6 Metern wenn Nachbargrundstücke landwirtschaftlich genutzt werden (bei Pappeln 8 Meter) Keine Abstandsauflagen: an den Grenzen zu öffentlichen Grünflächen und Gewässern für Anpflanzungen zum Schutz von erosions- oder rutschgefährdeten Böschungen oder steilen Hängen für Anpflanzungen gegenüber Grundstücken außerhalb geschlossener Baugebiete, die geringwertiges Weideland (Hutung) oder Heide sind oder die landwirtschaftlich oder gartenbaulich nicht genutzt werden, nicht bebaut sind und auch nicht als Hofraum dienen ansonsten generell 4 Meter zu Nachbargrundstücken Aber: ThürNRG 2 (1) regelt: Die 3 bis 52 dieses Gesetzes gelten nur, soweit die Beteiligten nichts anderes vereinbaren. 9

10 Rechtlicher Rubrik Rahmen Wasserhaushaltsgesetz WHG 38 - Gewässerrandstreifen:.. (2) Der Gewässerrandstreifen bemisst sich ab der Linie des Mittelwasserstandes, bei Gewässern mit ausgeprägter Böschungsoberkante ab der Böschungsoberkante. (3) Der Gewässerrandstreifen ist im Außenbereich fünf Meter breit. (4) Im Gewässerrandstreifen ist verboten: 1. die Umwandlung von Grünland in Ackerland, 2. das Entfernen von standortgerechten Bäumen und Sträuchern, ausgenommen die Entnahme im Rahmen einer ordnungsgemäßen Forstwirtschaft, sowie das Neuanpflanzen von nicht standortgerechten Bäumen und Sträuchern Hürde für KUP am Gewässer, obwohl Chancen für Umsetzung von Zielen im Rahmen der WRRL, im Zweifelsfall Gespräch mit der Wasserbehörde suchen 10

11 Rechtlicher Rahmen Flächenbeihilfe Betriebsprämien Beihilfefähigkeit ist gegeben, da KUP als Dauerkultur eingestuft sind, der Flächenstatus damit Acker bleibt Voraussetzungen: Beachtung der zugelassenen Arten und maximalen Umtriebszeit Mindestgröße einer landwirtschaftlichen Parzelle 0,3 ha beihilfefähige Fläche des Betriebes muss mehr als 1 ha betragen 11

12 Rechtlicher Rahmen - Flächenbeihilfe Liste zugelassener Baumarten BLE-Bekanntmachung Nr. 05/10/31 vom 12. Mai 2010 BLE Bekanntmachung Nr. 05/10/31 vom 12. Mai 2010 BLE-Bekanntmachung Nr. 15/10/31 vom 17. Dezember 2010 Keine Begrenzung der Gesamtstandzeit 12

13 Rechtlicher Rahmen EEG, Biomasse-Verordnung Holz aus KUP wird zwar hauptsächlich zur Wärmeerzeugung genutzt, aber bei Verstromung und Einspeisung nach EEG gilt: BiomasseV, Anlage 2 zu 2a Absatz 1 und 2 Einsatzstoffvergütungsklasse I : Holz aus KUP mit Ausnahme von Nummer 18 der Anlage 3. Als KUP gelten Anpflanzungen mehrjähriger Gehölzkulturen mit einer Umtriebszeit von mindestens drei und höchstens 20 Jahren auf landwirtschaftlichen Flächen, die allein oder im Rahmen einer agroforstlichen Nutzung der Energieholzgewinnung dienen, und die nicht Wald im Sinne des Bundeswaldgesetzes sind, einschließlich Rinde. Die Grundvergütung gemäß EEG erhöht sich um 6 ct/kwh bei Anlagen 500 kw 5 ct/kwh bei Anlagen 750 kw 4 ct/kwh bei Anlagen 5 MW Foto: Bärwolff, TLL Foto: Bärwolff, TLL 13

14 Rechtlicher Rahmen EEG, Biomasse-Verordnung BiomasseV, Anlage 3 zu 2a Absatz 1 und 2 Einsatzstoffvergütungsklasse II : Foto: Bärwolff, TLL Holz aus KUP im Sinne von Nummer 22 Satz 2 der Anlage 2, sofern die KUP nicht auf Grünlandflächen (mit oder ohne Grünlandumbruch), in Naturschutzgebieten, in Natura 2000-Gebieten oder in Nationalparks angepflanzt wurden und sofern keine zusammenhängende Fläche von mehr als 10 ha in Anspruch genommen wurde, einschließlich Rinde. Die Grundvergütung gemäß EEG erhöht sich um 8 ct/kwh bei Anlagen 5 MW 14

15 Förderung von KUP Bisher: Beihilfefähigkeit besteht (unter Beachtung von CC-Grundsätzen, Artenspektrum, max. Umtriebszeit) bleibt! ggf. höhere Vergütung über das EEG (4-8 ct/kwh je nach Einsatzstoffklasse) bleibt für Anlagen nach EEG 2012, EEG 2014??? Bundeslandspezifisch Förderung der Anlage von KUP, über Agrarinvestitionsförderprogramm (AFP) oder Investitionsförderung (GAK) oder landeseigene Programme, meist hohes Mindestinvestitionsvolumen Thüringen bisher: Förderung möglich über das AFP, Mindestinvestitionsvolumen , Zuschuss max. 25% der förderfähigen Kosten, geringe Resonanz Neugestaltung des Förderprogramms diese Programme laufen spätestens mit Ende der aktuellen Förderperiode aus 15

16 Förderung von KUP Ausblick: TH plant, die Anlage von KUP im Rahmen der Förderung der Diversifizierung zu unterstützen die Zuwendungsvoraussetzungen sollen sich dabei an den Vorgaben der GAK orientieren: Flächenobergrenze je Antragsteller 10 ha Mindestbaumzahl Bäume/ha Mindeststandzeit 12 Jahre Zuschuss max /ha bzw. 40 % der zuwendungsfähigen Kosten Mindestinvestitionsvolumen befristet bis

17 Gemeinsame Agrarpolitik und ELER VO (EU) Nr. 1307/2013 vom , Art. 46 Flächennutzung im Umweltinteresse (sog. greening 5 % der Ackerfläche für Betriebe > 15 ha); diese Maßnahmen können durch die Mitgliedstaaten angemeldet werden: Stilllegung Terrassen Landschaftselemente auch an beihilfefähige Flächen angrenzende Elemente Pufferstreifen - auch wenn Dauergrünland Agroforstflächen Streifen beihilfefähiger Flächen entlang von Waldrändern KUP ohne Dünger und/oder PSM Aufforstungsflächen Flächen mit Zwischenfruchtanbau oder eingesäter Grünbedeckung Flächen mit stickstofffixierenden Pflanzen KUP als Ökologische Vorrangfläche im Rahmen des greening? 17

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