1. Oracle VM Server SPARC. 2. Ausgangslage. 3. Konzept

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1 Komplexe Netzwerk Setups mit der Solaris Virtualisierungslösung Oracle VM Server SPARC Roman Gächter Principal Consultant September 2013

2 In diesem Artikel wird an einem Beispiel aus der Praxis gezeigt wie das Netzwerk in einer virtualisierten Solaris Umgebung - Oracle VM Server SPARC in Kombination mit Solaris Zonen - konfiguriert wurde. Dabei wurden die Technologien Solaris, LDOM, VLAN, Link Aggregation 802.3ad / Trunking, Cisco Trunking ISL/802.1Q, Solaris IPMP und exclusive IP von Solaris Zonen eingesetzt. 1. Oracle VM Server SPARC Vom Namen her kann die Virtualisierungs-Lösung Oracle VM Server SPARC leicht mit dem Produkt Oracle VM Server X86 verwechselt werden. Es handelt sich dabei um zwei verschiedene Technologien, den Unterschied macht das letzte Wort aus. Oracle VM Server X86 ist das Produkt für die Intel X86 Hardware und baut auf der XEN Technologie auf. In diesem Artikel wird VM Server SPARC thematisiert, welches auch unter dem Namen LDOM Logical Domains bekannt ist und nur auf SPARC HW verfügbar ist. 2. Ausgangslage Oftmals wird man vor vollendete Tatsachen gestellt und muss aus den bestehenden Möglichkeiten das Beste herausholen. Im vorliegenden Fall war die HW bereits gekauft und konfiguriert. Im Rahmen eines In-Sourcing Projektes wurde eine Bankenapplikation auf neuer SPARC HW in den firmeneigenen Rechenzentren aufgesetzt. Um die HW Kosten tief zu halten entschied man sich für die Lösung Oracle VM Server SPARC. Es war notwendig mehrere Umgebungen Produktion, Entwicklung und Abnahme aufzubauen. Zudem musste die HW redundant über zwei Rechenzentren verteilt bereitgestellt werden. Es wurden zwei SPARC T4-2 Boxen gekauft und verteilt auf zwei autonome Rechenzentren installiert. 3. Konzept Pro Umgebung wurde jeweils eine Guest LDOM aufgesetzt. Die einzelnen Systeme der Applikation wurden als Solaris Zonen in der Guest LDOM konfiguriert. Die gesamte Installation der Zonen liegt auf dem SAN. Im Desaster Fall können die Zonen in das andere Rechenzentrum verschoben werden. Info-Tel Datum Seite 2 / 8

3 4. Knacknuss Netzwerk Es standen insgesamt 8 x 1 GB Ethernet Ports zur Verfügung. Die Frage war nun: Wie lege ich das Netzwerk aus, damit 1 Primary Domain, 3 Guest Domains und 15 Zonen verteilt auf drei Umgebungen redundant und mit optimalem Durchsatz angeschlossen werden können? Es musste ein Netzwerkkonzept ausgearbeitet werden, welches die folgenden Vorgaben erfüllt: Verwendung der bestehenden T4-2 HW, bestückt mit 2 Quad Port NIC s also 8 x 1 GB Ports Neben der Primary Domain müssen noch 3 weitere Domains betrieben werden Pro Umgebung sind 5 Solaris Zonen installiert o Die einzelnen Zonen innerhalb der Umgebungen sind durch Firewalls zu separieren, weil für mehrere Mandaten ausgelegt Die SPARC HW ist direkt an Cisco Core Switches Trunking Ports angeschlossen o Die virtuellen Switches und Vnets der LDOM s müssen mit VLAN s konfiguriert werden Die Netzwerkperformance ist für die produktive Umgebung kritisch Das Netzwerk-Konzept muss auf Ausfallsicherheit ausgelegt sein 4.1 Proof of Concept Die beiden von Solaris unterstützten Technologien um Netzwerkinterfaces zu bündeln sind IPMP (IP Multipath) und Link Aggregation. Die beiden Technologien bieten Features an, welche sich zum Teil überschneiden, sind jedoch auf unterschiedlichen Netzwerk Schichten des OSI-Modells implementiert. Link Aggregation in der MAC Schicht, IPMP in der IP Schicht. Es war schnell klar, dass in dieser virtualisierten Umgebung eine Gruppierung von NIC s notwendig war. Link Aggregation 802.3ad hat folgende Vorteile: Implementiert auf dem MAC-Layer Erhöhte Bandbreite durch Bündelung mehrere NIC s Automatisches Failover / Failback von Links des Aggregats Load Balancing o Verteilung des Inbound und Outbound Traffics gemäss der gewählten Policy Redundanz möglich Wie diese Technologie mit Cisco Trunking zusammenspielt haben wir anhand eines POC überprüft POC Variante I Bei der Variante I haben wir ein Aggregate über je ein Port des e1000g- und igb-nic gebildet und an zwei Switche angeschlossen. Im LDOM haben wir einen virtuellen Switch und zwei virtuelle Netzwerke konfiguriert und diese den Solaris Zonen exclusiv zur Verfügung gestellt. Die Zonen mussten zwingend in unterschiedlichen VLAN s betrieben werden. (Trennung der Systeme / logischen Netzwerke). Die Idee dieser Konfiguration war: Wir haben eine redundante Netzwerk Infrastruktur. Ob nun ein Switch, ein NIC oder ein einzelner NIC Port ausfällt das Netz bleibt verfügbar natürlich mit reduzierter Bandbreite. Info-Tel Datum Seite 3 / 8

4 Leider hat diese Konfiguration im einen Fehlerfall (Ausfall eines Core Switches) nicht funktioniert. Durch den simulierten Ausfall eines der Switche hat jeweils eine der Zonen die Netzverbindung verloren. Erst nach dem gratuitous arp Paket der Zone, welches bei Solaris in einem Intervall von 5 Minuten gesendet wird, wurde der Link Status down des Vnets erkannt. Das gratuitos arp Package hat unter anderem den Effekt, dass arp caches im Netzwerk aktualisiert werden. Die Protokolle Link Aggregation 802.3ad und Cisco Trunking sind in dieser Konfiguration nicht kompatibel. Die notwendigen VLAN und Link Informationen wurden zwischen den verschiedenen Protokollen nicht korrekt ausgetauscht. Da die notwendigen Konfigurationsänderungen im Netzwerkbereich nicht vorgenommen werden konnten mussten wir eine andere Lösung suchen. Info-Tel Datum Seite 4 / 8

5 4.1.2 POC Variante II Bei der Variante II haben wir zwei Aggregate verwendet. Die Aggregate sind nicht mehr Switch übergreifend. Im LDOM haben wir nun zwei virtuelle Switche und vier virtuelle Netzwerke konfiguriert. Das neue Element hier ist das IPMP von Solaris (IP Multipath). Die Vnets der Zonen sind auf zwei Aggregate respektive zwei Cisco Switche verteilt. Die Idee dieser Konfiguration auch hier ist: Wir haben eine redundante Netzwerk Infrastruktur. Ob nun ein Switch, ein NIC oder ein einzelner NIC Port ausfällt das Netz bleibt verfügbar natürlich mit reduzierter Bandbreite. Info-Tel Datum Seite 5 / 8

6 Mit dieser Konfiguration wurde dank IPMP eine funktionierende Redundanz erreicht. Auch der Ausfall eines Switches wird korrekt detektiert und IPMP verwendet nur noch das Vnet mit Link Status up. Wichtig ist hier, dass in der LDOM Konfiguration für die Vnet s das Property link_state auf physical gesetzt wird, sonst klappt es nicht. 4.2 Netzwerk Übersicht Die folgende Graphik zeigt nun schematisch die Übersicht des Netzwerks mit allen Aggregaten und LDOM sowie symbolisch jeweils zwei Zonen pro LDOM. Info-Tel Datum Seite 6 / 8

7 Die Aggregate aggr 1 und aggr 3 sind am ersten Core-Switch, aggr 2 und aggr 4 am zweiten angeschlossen. Die Vnet s sind über IPMP immer so aufgesetzt, dass sie sich über zwei verschiedene Aggregate und Core-Switches erstrecken. Die produktive Umgebung hat die Bandbreite von 4 x 1 Gbps zur Verfügung. Die Umgebungen Entwicklung und Abnahme teilen sich den Rest. In dieser Konfiguration müssen die virtuellen Switches im Hypervisor in der Lage sein mehrere VLAN s zu managen. 4.3 Konfigurations-Beispiele Die folgenden Beispiele zeigen wie die oben beschriebene Konfiguration erstellt werden kann. Sie gelten für Oracle VM Server SPARC 3.0 und Solaris Konfiguration Link Aggregation 802.3ad Wir haben verschiedene load balancing policies getestet und uns am Schluss für L2 entschieden. Mit L2 wird das outbound device gemäss der MAC Adressen in den Paketen selektiert. Das link aggregation control protocol (LACP) wurde nicht konfiguriert (Off Mode), was dem Solaris Default entspricht. Das folgende Beispiel zeigt, wie auf der Primary Domain ein solches Aggregat mit dem dladm Command erzeugt werden kann: dladm create-aggr -d nxge0 -d igb0 1 dladm modify-aggr -P L Netzwerk-Konfiguration im Hypervisor Das folgende Beispiel zeigt wie zwei virtuelle Switches auf den vorher erstellten Aggregaten erzeugt werden, welche die VLAN s 100, 200, 300 und 400 managen können. Mit dem vid Property bestimmen wir, dass der Switch das VLAN-Tagging für die entsprechenden VLAN s durchführen soll. Es ist von Vorteil die Mac Adressen selber eindeutig zu vergeben. Der Logical Domain Manager ist zwar in der Lage MAC Adressen automatisch zu vergeben, er kennt jedoch nicht die Adressen weiterer LDOM s auf anderer HW. ldm add-vsw mac-addr=00:14:4f:fc:00:00 vid=100,200,300,400 net-dev=aggr1 primary-aggr1 primary ldm add-vsw mac-addr=00:14:4f:fc:00:01 vid=100,200,300,400 net-dev=aggr2 primary-aggr2 primary Nun erstellen wir für die eben erzeugten Switches Vnet s, welche dann für die IPMP Konfiguration verwendet werden können. Mit dem pvid Property bestimmen wir zu welchem VLAN das Vnet gehören soll. Wichtig ist hier das Property linkprop=phys-state. Das wird gebraucht, damit der Link Status der physischen Netzwerk Devices an die virtuellen durchgereicht werden kann. IPMP kann nur dann funktionieren, wenn ein physischer Link Fehler an die virtuellen Devices weiter gegeben wird. ldm add-vnet mac-addr=00:14:4f:fc:00:03 linkprop=phys-state pvid=100 excl_rose_1 primary-aggr1 prodldom ldm add-vnet mac-addr=00:14:4f:fc:00:04 linkprop=phys-state pvid=100 excl_rose_2 primary-aggr2 prodldom ldm add-vnet mac-addr=00:14:4f:fc:00:05 linkprop=phys-state pvid=200 excl_tulpe_1 primary-aggr1 prodldom ldm add-vnet mac-addr=00:14:4f:fc:00:06 linkprop=phys-state pvid=200 excl_tulpe_2 primary-aggr2 prodldom Link based IPMP Das folgende Beispiel zeigt wie IPMP mit link-based failure detection und active active mode für die Interfaces vnet3 und vnet4 konfiguriert werden kann. Der verwendete Hostname ist tulpe und der Name der IPMP-Gruppe pz1. Info-Tel Datum Seite 7 / 8

8 Erstes NIC File /etc/hostname.vnet3: tulpe netmask + broadcast + group pz1 up Zweites NIC File /etc/hostname.vnet4: group pz1 up 5. Fazit In einer virtuellen Umgebung kommt man kaum darum herum, Netzwerk NIC s zu bündeln. In diesem Beispiel wird aufgezeigt, wie die Technologien Link Aggregation und IPMP kombiniert werden können. In Zusammenarbeit mit den Kollegen vom Netzwerkteam haben wir mit der oben beschriebenen Konfiguration eine gute Lösung gefunden. Unsere Systeme sind Redundant und mit optimaler Performance am Netzwerk angeschlossen. Auch im Fall von Wartungen im Netzwerkbereich können die Systeme ohne Unterbruch weiter betrieben werden. Weil wir Load Balancing implementiert haben zeigten unsere Messungen eine optimale Verteilung der Netzwerk Last über die Netzwerk Ports. Auch der Durchsatz entsprach den Erwartungen. Es lohnt sich, im Vorfeld genug Zeit zu investieren und ein gutes Netzwerk Design auszuarbeiten. Wichtig sind auch ausführliche Tests von möglichen Varianten. Viel Erfolg beim Einsatz von Trivadis-Know-how wünscht Ihnen Roman Gächter Trivadis AG Europastrasse 5 Tel: +41-(0) CH-8152 Glattbrugg Fax: +41-(0) Internet: Mail: Literatur und Links Info-Tel Datum Seite 8 / 8

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