Joh. 2, Predigt am 2. Sonntag nach Epiphanias, in Landau

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1 Joh. 2, Predigt am 2. Sonntag nach Epiphanias, in Landau Gnade sei mit euch und Friede von Gott, unserem Vater und dem Herrn Jesus Christus. Amen. Im Mittelpunkt der Predigt steht die Hochzeit zu Kana, die heutige Lesung des Evangeliums. (Gesangbuch: S. 70; Nr. 015) Der Herr segne sein heiliges Wort an uns allen. Amen. 1 In China bekam Ministerpräsidentin Dreyer eine Flasche Moselwein - so, liebe Gemeinde, war gestern in der Rheinpfalz zu lesen. Die armen staatlichen Protokollbeamten, die dafür verantwortlich waren! Ich jedenfalls habe mich köstlich über sie amüsiert: Einer Frau aus Trier an der Mosel im fernen China ausgerechnet Moselwein zu schenken da muss man schon einen besonderen Humor haben. Oder aber überhaupt keine Idee! Obwohl: Wer hat nicht schon mal vor einer Einladung gestanden und nach einem passenden Geschenk gesucht? Schließlich sagt die Wahl seines Mitbringsels eine Menge aus über den Schenkenden und darüber, was er von dem Beschenkten hält! Wenn ich da an unsere Hochzeit vor fast 40 Jahren denke: manch grauselige Stück war darunter! Gerade gut genug für den nächsten Polterabend! Heute hat man es da etwas leichter. Man schaut nach unter beliebte Geschenke im Internet und schon findet man Beliebtes und Ausgefallenes für jeden Anlass. Ganz so schwer hatte man es zur Zeit Jesu nicht. Denn ein sehr beliebtes Hochzeitsgeschenk war na, ratet mal: Wein! So habe ich es jedenfalls gelesen in den Erklärungen meiner Bibel. Also: man hat wohl auch zu jener Hochzeit zu Kana einfach Wein mitgebracht, in Schläuchen und Krügen so den Vorrat des Bräutigams ergänzt. Denn schließlich will man eine Hochzeit fröhlich und ausgiebig feiern, und das möglichst eine Woche lang!

2 2 Wenigstens hin und wieder mal ein bisschen den Himmel auf Erden spüren, in einem Leben, wo es den meisten wohl kaum nach Feiern zumute ist. Bei dieser Feier in Kana aber reicht es nicht weit mit der irdischen Vorfreude auf den Himmel: Der Wein geht aus! Das aber wirft ein schlechtes Licht sowohl auf den Bräutigam und seine Familie wie auch auf die Gäste: Der eine hat vielleicht zu knapp kalkuliert! Und die anderen sind zu geizig. Oder sie alle können sich einfach nicht mehr leisten. Bei den meisten Leuten damals reicht es nämlich nur sehr knapp zum Überleben! Wenn überhaupt. Wie dem auch sei: In jedem Fall ist das, was sie haben, nicht genug. Nicht mal für die Vorahnung vom Himmel können sie aus eigener Kraft genug aufbringen. Und für den wirklichen Himmel auf Erden reicht es schon gar nicht. Nicht mal, wenn die Gäste mehr mitgebracht hätten! Und wenn sie als Hochzeitsgeschenk alles mitgebracht hätten, was sie geerntet und gekeltert haben auch dann würde die Mutter Jesu zu ihm sagen (müssen): Sie haben keinen Wein mehr. Was wir Menschen aufbringen können, liebe Gemeinde, reicht in keinem Fall aus, um den Himmel auf Erden zu schaffen! Und für den Himmel Gottes reicht es schon gar nicht! Das kann nur derjenige bringen, der selbst aus dem Himmel kommt und den Himmel mitbringt: Jesus. Seine Mutter weiß das. Oder sie ahnt das wenigstens. Denn sie hat nun schon über dreißig Jahre lang die Worte der Engel aus der Weihnachtsgeschichte in ihrem Herzen bewegt: Euch ist heute der Heiland geboren, welcher ist Christus, der Herr... 1 Und seit zwanzig Jahren sind ihr die Worte ihres gerade mal Zwölfjährigen im Ohr, der gesagt hatte: Wisst ihr nicht, dass ich sein muss in dem, was meines Vaters ist? 2 Sie ahnt wohl, dass die Zeit reif ist für mehr: Sie haben keinen Wein mehr. Du musst jetzt dafür sorgen, dass genug 'Wein' da ist, Freude und 1 Lk. 2,11 und 19 2 Lk. 2,49 und 51

3 3 Lebensfülle! Sei endlich der Heiland, der du sein sollst! Zeig, dass du der Christus bist, der Messias! Zeig ihnen, dass du der HERR bist! Und mach damit ihm, deinem wahren Vater, alle Ehre! Doch da erhält sie von ihrem Sohn eine herbe Abfuhr: Was geht s dich an, Frau, was ich tue? Halt dich da raus, Frau! Und das als erwachsener Mann zu seiner alten Mutter! Wenn also Jesus seine Mutter so heftig anfährt, dann nicht aus einer schlechten Laune heraus, sondern weil es ums Eingemachte geht: Meine Stunde ist noch nicht gekommen. Die Stunde für das Himmelreich auf Erden ist noch nicht gekommen! Die Zeit ist noch nicht reif dafür. Und du hast darüber nicht zu bestimmen, auch wenn du meine Mutter bist! Meine Stunde - das ist für Jesus die Stunde seines Todes. Das ist aber zugleich die Stunde, in der er sagen wird: Es ist vollbracht 3 Und es ist die Stunde, in der er zeigen wird, wer er wirklich ist: Gott, der Herr über Leben und Tod, der Auferstandene, der alle Sünde und Schuld besiegt. Nein, diese Stunde ist noch nicht da. Obwohl: Angedeutet ist sie schon. Und zwar in dem, wie der Evangelist Johannes dieses Evangelium einleitet: Und am dritten Tage war eine Hochzeit in Kana in Galiläa. Am dritten Tage - das kennen wir. Am dritten Tage auferstanden von den Toten. Das ist kein Zufall. Mit der Formulierung am dritten Tag erinnert uns Johannes gleich zu Beginn seines Evangeliums an den anderen dritten Tag, den Tag der Auferstehung Jesu Christi von den Toten. Dieses Wunder ist ein Zeichen, das erste Zeichen, das auf Ostern hindeutet, auf die Herrlichkeit Jesu. Und es ist zugleich ein Zeichen, das von Ostern her verstanden werden will: Das ist das erste Zeichen, das Jesus tat, geschehen in Kana in Galiläa, und er offenbarte seine Herrlichkeit. Und seine Jünger glaubten an ihn. 3 Joh. 19,30

4 4 Die Zeit des Heils ist angebrochen, wo Jesus seine Zeichen setzt. Die Jünger haben verstanden, dass Jesus seine Herrlichkeit offenbart. Sein Wunder ist weit mehr als nur ein beeindruckender Trick, mit dem Jesus eine Hochzeitsparty rettet. Sein Wunder ist ein Zeichen, ein Hinweis auf die Herrlichkeit Gottes: Da, wo wir mit unserem Latein am Ende sind, wo es einfach nicht reicht zu einem Leben in Fülle, da, wo der Himmel auf Erden nur all zu jäh in der Katastrophe endet, da tritt Jesus, Gott selbst auf den Plan. Da macht er aus Wasser Wein, aus einem verfallenden Leichnam einen lebendigen Menschen, aus einem Sünder einen Gerechten, der ewig mit ihm das Fest des Lebens feiert. Darin offenbart Jesus Gottes Herrlichkeit. Und weil die Jünger das verstehen, darum glauben sie an ihn. So heißt es am Ende des Evangeliums vom heutigen Sonntag. Maria aber glaubt schon vorher. Sie zieht sich nicht beleidigt zurück in den Schmollwinkel, sondern sie spricht zu den Dienern: Was er euch sagt, das tut. Auch das ist Glaube: Er holt sich vermeintlich eine Abfuhr von Gott und glaubt dennoch! Dieser Glaube lässt nicht locker. Denn er weiß, was nötig ist: Was er euch sagt, das tut. Das ist der Glaube, der vom dritten Tag her denkt und glaubt, von seiner Auferstehung her. Von da her, dass dem nichts unmöglich ist, der den Tod besiegt hat. Das ist der Glaube, der sich auch beim Abendmahl an dieses Wort der Maria erinnert: Was er euch sagt, das tut. Denn was er sagt, das geschieht! Und zwar weil er es gesagt hat. ER, der Allmächtige: Nehmet, esset; das ist mein Leib.... Trinket alle daraus; das ist mein Blut des Bundes, das vergossen wird für viele zur Vergebung der Sünden. 4 Solches tut zu meinem Gedächtnis. 5 4 Mth. 26,26f Kor. 11,24 u.25

5 5 In Kana war es nur schlichtes Wasser. Doch die Diener haben auf sein Wort hin den Mut, es dem Speisemeister zu bringen nur, weil er es gesagt hat. Und dann ist es viel mehr als es zunächst scheint! Und im Abendmahl haben wir den Mut, einfaches Brot und schlichten Wein zu jenen zu bringen, die auch nicht mehr sehen und schmecken als Brot und Wein. Und dann ist darin doch unendlich mehr als es zunächst scheint. Also: Was er euch sagt, das tut. Jesus spricht zu ihnen: Füllt die Wasserkrüge mit Wasser! Und sie füllten sie bis obenan. Und er spricht zu ihnen: Schöpft nun und bringt's dem Speisemeister! Und sie brachten's ihm. Es handelt sich dabei um sechs steinerne Wasserkrüge für die Reinigung nach jüdischer Sitte. Die waren anscheinend leer. Sonst hätte der Auftrag Jesu ja keinen Sinn gehabt, diese zu füllen. Wieder so ein versteckter Hinweis des Evangelisten wie beim dritten Tag : die jüdische Sitte - gemeint ist das jüdische Gesetz, die Vorschriften des Alten Bundes, sie sind leer geworden. Sie werden neu gefüllt mit dem, was Jesus sagt. Jesus nimmt ihren alten Inhalt und macht etwas ganz Neues daraus. Und das ist unerschöpflich. Und genau darum geht es, liebe Gemeinde: dass wir uns von der unausschöpflichen Fülle Jesu beschenken lassen! Und mit ihm das Fest des Lebens feiern. Dazu sind wir eingeladen. Darum ist es nicht die Frage: Was für ein Geschenk sollen wir mitbringen? Was sollen wir für ihn tun? Sondern: Nehmen, was er uns schenkt. Und: Weitergeben. Das wirkt. Weil er darin wirkt. Also: Was er euch sagt, das tut. Amen. Und der Friede Gottes, der höher ist als alle Vernunft, bewahre unsere Herzen und Sinne in Christus Jesus. Amen.

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