Umgang mit sterbenden Patienten

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1 Wahlfach Psychosomatische Medizin und Psychotherapie: Sommersemester 2012 Umgang mit sterbenden Patienten Dipl.-Psych. A. Boese, Psychologische Psychotherapeutin Dr. med. Chr. Kleiber

2 2

3 Drei Eckpfeiler des Gesprächs Was, weiß der Pat.? Vorerfahrungen? Hat er sich informiert? Wie steht es um allgemeine, soziale & emotionale Intelligenz? Wie leicht/schwer fällt es ihm die Konsequenzen der Diagnose zu begreifen? Diagnose Infaust / zu Invalidität führend? Was weiß ich über diese Krankheit? Prognose? Therapie? Behandlungsziel? (kurativ/palliativ) Patient Vertrauen Arzt 3

4 Vorbereitung auf das Gespräch Sich seinen Gefühlen bewusst zu sein, ermöglicht sie abzuschätzen & zu beeinflussen Das heißt, sich Fragen zu stellen: Fühle ich mich unsicher, wie ich das Gespräch anfangen, führen und beenden soll? Fühle ich mich der Sache gewachsen? Habe ich Schuldgefühle, weil ich z. B. diagnostische Maßnahmen erst spät eingeleitet habe? Fürchte ich mich vor möglichen Gefühlen? Fürchte ich das Vertrauen des Pat. zu verlieren?... Positive wie negative Erwartungen wahrzunehmen, ermöglicht sie zu steuern 4

5 Vorbereitung auf das Gespräch Eigenen Zustand wahrnehmen Wie ist meine Stimmung, bin ich müde vom Dienst, bin ich unsicher, weil ich mich nicht vorbereiten konnte,? Eigene blinde Flecken erkennen Dabei sind folgende Fragen hilfreich Bin ich hin und wieder überredend/ überrollend in meiner Argumentation? Brauche ich manchmal Kommunikationsstrategien, um mich selbst zu schützen? Wirke ich mitunter arrogant auf meine Umgebung?... Die blinden Flecken kommen besonders zum Tragen, wenn wir uns unsicher, unwohl & gestresst fühlen, was bei schwierigen Gesprächen häufig der Fall ist. 5

6 Mentales Händewaschen Vor dem Gespräch Ruhe in sich einkehren lassen, gerade dann, wenn Stress und Hektik bestehen Kurze Besinnung, um den Kopf frei zu bekommen (z.b. Richtige Diagnose? Richtiger Patient?) Auch jeder Chirurg wäscht sich die Hände vor einer OP, egal wie viel Zeitrückstand besteht Das schwere Gespräch von E. Bucka- Lassen,

7 Es gibt viele Ziele, drei wichtige sind,. dass der Pat. die Botschaft versteht, ohne dass er den Mut verliert dass die eigene Glaubwürdigkeit bewahrt wird dass es gelingt, dem Pat. zu vermitteln, dass er in seiner Not nicht alleine gelassen wird! 7

8 Beispielvideo 8

9 Sterbebegleitung - Typische Themen Angst vor Schmerzen Intensivmedizin Alleinsein Bedürfnis nach sinnstiftender Narration Beziehungsklärung Sorge um die Weiterlebenden 9

10 Sterbebegleitung - Typische Probleme Tod ist unvermeidlich Sterbemythen, richtig sterben müssen Belastung der Angehörigen / Mitpatienten (Ziel z.b. Schuldentlastung) Aushalten von Ohnmachtsgefühlen Notwendigkeit hoher Authentizität und Flexibilität 10

11 Do s (nach Noyon & Heidenreich) Dem Pat. bei Verlusterfahrungen mit Mitgefühl begegnen und mehr Mensch als Behandler sein Die religiöse bzw. philosophische Haltung des Klienten explorieren Dabei unterstützen evtl. seelsorgerische Hilfe in Anspruch zu nehmen Den Pat. zur engagierten Auseinandersetzung mit diesem Thema motivieren Den Pat. bei der Entwicklung einer tragfähigen Perspektive helfen 11

12 Belastungen im Umgang mit Schwerstkranken (nach Schüßler 1993) Ständige Konfrontation mit schwerstem Leiden Primat der Technik über die Gefühlsarbeit Kontaktbehinderungen Abwehrvorgänge von Patienten und Behandlern Überprotektion vs. Autonomiewünsche Hierarchische Konflikte Oft fehlende Erfolgserlebnisse / Todesfälle 12

13 Charakteristische Hinweise auf ein Burnout- Syndrom (Bermejo I, Muthny F. PPmP 1993;43:110-20) Distanzierungsbedürfnis gegenüber Problemen der Patienten und tägl. Elend Schwindendes Engagement Selbstzweifel und Kompetenzprobleme Ohnmachtsgefühle / Resignation Unvermögen, nach der Arbeit abzuschalten Reizbarkeit, Nervosität, Aggressivität, Zynismus, Depressivität Psychosomatische Reaktionen 13

14 Hilfen im Umgang mit Schwerstkranken Teamkonferenzen Abschiedsrituale Einzel- / Teamsupervision Intervision (z.b. Balintgruppenarbeit) Selbsterfahrung 14

15 zur Erinnerung. Auch mit der besten Gesprächsführung wird aus einer schlechten keine gute Nachricht! Bei der Gesprächsführung individuelle und situative Aspekte berücksichtigen & anpassen! Es gibt Möglichkeiten zum erlernen/verbessern kommunikativer Kompetenzen! Das kann dazu beitragen, dass Sie beruflich zufriedener und weniger gestresst sind. 15

16 Literatur zum Thema A. Schweickhardt & K. Fritsche: Kursbuch ärztliche Kommunikation, Dt. Ärzte-Verlag, 2007 E. Bucka- Lassen: Das schwere Gespräch, Dt. Ärzte-Verlag, 2005 U. Koch, K. Lang, A. Mehnert, C. Schmeling- Kludas: Die Begleitung schwer kranker & sterbender Menschen, Schattauer 2006 A. Noyon, T. Heidenreich: Schwierige Situationen in Therapie & Beratung, BeltzPVU

17 Unterrichtsevaluation 17

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