Auswahl der Bewerber. Eine Auswahl im beiderseitigen Interesse. Eignung und Anforderung sollen sich entsprechen. Persönliches Eignungsprofil

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1 Auswahl der Bewerber Mit der Bewerberauswahl wollen Sie die Richtige oder den Richtigen für Ihr Ausbildungsangebot herausfinden. Das geschieht in gegenseitigem Interesse, denn eine falsche Berufswahl ist eine Fehlinvestition für den Auszubildenden wie für den Ausbildungsbetrieb. Der Bewerber soll nicht nur für den angestrebten Beruf geeignet sein, sondern auch zu Ihrem Betrieb passen. Eine Auswahl im beiderseitigen Interesse Eignung und Anforderung sollen sich entsprechen Jeder Mensch hat bestimmte Interessen, Fähigkeiten, Eigenschaften, körperliche und gesundheitliche Merkmale, die unter dem Gesichtspunkt der Bewerberauswahl ein bestimmtes persönliches Eignungsprofil ergeben. Persönliches Eignungsprofil 823

2 Berufliches Anforderungsprofil Jeder Beruf hat seine eigenen, speziellen Anforderungen. Manche persönlichen Eigenschaften und Begabungen eines Bewerbers können für den einen Beruf besonders wichtig sein, bei einem anderen Beruf aber nur eine untergeordnete Rolle spielen. Dazu Beispiele aus verschiedenen Berufsbereichen. Die einschlägigen Richtlinien der zentralen Fachverbände geben Hinweise auf spezielle berufliche Eignungsanforderungen, wie zum Beispiel körperliche und geistige Fähigkeiten, Hand- und Fingerfertigkeit oder Sinn für Formgebung und Farbgestaltung. Nach einer Befragung betrieblicher Experten hat das Institut für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung der Bundesanstalt für Arbeit charakteristische Anforderungsprofile zu allen wichtigen Facharbeiter- und Angestelltenberufen erstellt*). Diese Anforderungsprofile zeigen, welche Bedeutung einzelne Qualifikationsmerkmale für den jeweiligen Beruf haben. 824

3 *) Materialien aus der Arbeitsmarkt- und Berufsforschung des Instituts für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung der Bundesanstalt für Arbeit, Nr /

4 Bei der Bewerberauswahl geht es darum, das Eignungsprofil des Bewerbers mit dem beruflichen Anforderungsprofil zu vergleichen. Quelle: Freytag u.a.: Der Ausbilder im Betrieb. Verlag D+V Paul Dietrichs, Kassel, 13. Auflage 1984 Die richtige Auswahl Je mehr Übereinstimmung zwischen Eignungsprofil und beruflichen Anforderungen besteht, umso besser passen Person und Beruf zusammen. Aber setzen Sie die Messlatte nicht zu hoch an: Angehende Auszubildende sind schließlich noch keine Fachleute. Oft zeigen sich erst im Verlauf der Ausbildung Leistungsvermögen und Begabungen, die man beim Studium der Bewerbungsunterlagen oder bei der persönlichen Vorstellung nicht vermuten würde. Manche Interessen, Fähigkeiten oder bestimmte Eigenschaften sind vielleicht nur ansatzweise erkennbar und müssen erst ausgeprägt werden. Die richtige Auswahl können Sie nur treffen, wenn Sie sich ein möglichst genaues und umfassendes Bild Ihrer Bewerber machen. Die wichtigsten Entscheidungshilfen dazu sollen im nächsten Abschnitt vorgestellt werden. 826

5 Bewerbungsunterlagen Das Bewerbungsschreiben vermittelt mit seiner äußeren Form und nach der inhaltlichen Aussage einen ersten Eindruck. Es kann zum Beispiel eine Begründung für den Berufswunsch, für die Wahl des Ausbildungsbetriebes oder Hinweise auf persönliche Interessen enthalten. Der Lebenslauf zumeist in tabellarischer Form verfasst und mit einem Foto ergänzt hat naturgemäß bei jugendlichen Bewerbern weniger Aussagewert. Er enthält neben den persönlichen und familiären Daten Angaben zur Schulausbildung und vielleicht weitere Informationen zu besonderen Kenntnissen oder Hobbies. Zeugnisse und Schulnoten können nie völlig objektiv sein und sind bei verschiedenen Bewerbern nur bedingt miteinander vergleichbar. Sie geben aber Hinweise, in welchen Bereichen Interessen und Fähigkeiten liegen. Prüfen Sie die eingereichten Unterlagen auf Inhalt und Aussagekraft, weniger auf Form und Vollständigkeit Setzen Sie dabei die Maßstäbe Ihrer Vorauswahl nicht zu eng an erst der persönliche Kontakt verschafft einen genaueren Eindruck Laden Sie die in Frage kommenden Bewerber zu einem Vorstellungsgespräch ein, am besten schriftlich mit einem entsprechenden Terminvorschlag Bitte denken Sie auch daran, nicht (mehr) benötigte Unterlagen wieder zurückzusenden Bewerbungsschreiben Lebenslauf Zeugnisse Über den beruflichen Erfolg entscheiden vor allem Leistungsvermögen, Lernbereitschaft, Einsatzfreude und praktische Begabung. Aus den Schulnoten allein lässt sich das nicht ableiten. 827

6 Vorstellungsgespräch Im Vorstellungsgespräch sollten alle Fragen geklärt werden, die für den späteren beruflichen Einsatz des neuen Mitarbeiters wichtig sind. Dazu zählen auch die besonderen Umstände, die die Arbeit mit sich bringt, wie beispielsweise Anforderungen an das körperliche Leistungsvermögen. Der persönliche Eindruck Ziel des Vorstellungsgespräches ist es, gemeinsam mit dem Bewerber herauszufinden, ob man für eine erfolgreiche Ausbildung zueinander passt. Beide Seiten wollen schließlich, dass die Ausbildung ein Erfolg wird. Um den zeitlichen Aufwand für das Vorstellungsgespräch in Grenzen zu halten und trotzdem eine hohe Aussagekraft zu erzielen, empfiehlt es sich, den Ablauf vorher zu planen. Die Durchsicht der betreffenden Bewerbungsunterlagen vor dem Gespräch erleichtert die Vorüberlegungen zum Gesprächsablauf und zu den Fragen, die Sie stellen wollen. Und so könnte ein Vorstellungsgespräch verlaufen: Begrüßung und einleitende Worte Fragen zur Bewerbung und zur Betriebswahl Fragen zur Schule Persönlicher und familiärer Hintergrund Informationen über den Betrieb Informationen über den Ausbildungsplatz und seine Anforderungen Fragen des Bewerbers Abschluss des Gesprächs und Verabschiedung Erster Eindruck und Gesprächsführung Oft ist der berühmte erste Eindruck bereits entscheidend für Sympathie oder Antipathie. Gesichtsausdruck, Blickkontakt, Körperhaltung oder Sprechweise zum Beispiel lassen einiges über Persönlichkeit und Verfassung des Gesprächspartners erkennen. Bleiben Sie in Ihrer Gesprächsführung aber möglichst unabhängig vom ersten Eindruck. Verwenden Sie eher kurze Fragen, die so gestellt sind, dass sie nicht nur mit Ja oder Nein zu beantworten sind aber erwecken Sie nicht gerade den Eindruck eines Verhörs. Und denken Sie daran, dass auch Ihr Gegenüber Fragen stellen möchte. 828

7 Auswahl der Bewerber Typische Fragen bei einem Vorstellungsgespräch sind beispielsweise: Warum gerade dieser Ausbildungsberuf Welcher Beruf käme sonst noch in Frage Warum hältst du dich für diesen Beruf geeignet Welche Vorstellungen hast du von diesem Beruf Warum hast du dich gerade bei dieser Firma beworben Welche Schulfächer waren besonders sympathisch Was unternimmst du in deiner Freizeit Wie würdest du zu deinem Arbeitsplatz kommen Typische Fragen von Bewerbern sind zum Beispiel: Wieviele Auszubildende hat die Firma Findet der Berufsschulunterricht in Teilzeit oder in Blockform statt Wie lange dauert die Probezeit/die gesamte Ausbildung Wie ist die Arbeitszeit geregelt Wie hoch ist die Ausbildungsvergütung Wieviel Urlaub steht mir zu Ist nach der Ausbildung eine Weiterbeschäftigung möglich Welche späteren Möglichkeiten zur Weiterbildung gibt es 829

8 Probezeit Probezeit als Praktische Eignungskontrolle Angenommen, Sie haben Ihre Auswahlentscheidung getroffen und der Berufsausbildungsvertrag ist abgeschlossen. Jetzt bietet die Probezeit als praktische Eignungskontrolle für beide Seiten noch die Möglichkeit, über einen längeren Zeitraum hinweg festzustellen, ob es die richtige Entscheidung war. Dabei wird der Ausbildende sorgfältig prüfen, ob der Auszubildende die fachlichen Fähigkeiten und persönlichen Voraussetzungen für den Beruf und den Betrieb besitzt. Der Auszubildende kann jetzt feststellen, ob er die richtige Berufs- und Betriebswahl getroffen hat. Das Berufsausbildungsverhältnis beginnt mit der Probezeit Die Probezeit muss mindestens einen Monat und darf höchstens drei Monate betragen Während der Probezeit kann das Berufsausbildungsverhältnis jederzeit sowohl vom Ausbildenden wie vom Auszubildenden ohne Angabe von Gründen und ohne Einhalten einer Frist schriftlich gekündigt werden 830

9 Der Ausbildungsvertrag Für die Berufsbildung wird vom Jugendlichen (ggf. unter Einbeziehung des gesetzlichen Vertreters) und vom Ausbildenden (dem Ausbildungsbetrieb) ein privatrechtlicher Vertrag geschlossen. Ein Ausbildungsvertrag kann während der Probezeit ohne Einhalten einer Kündigungsfrist gekündigt werden, nach der Probezeit nur aus wichtigem Grunde oder wenn der Auszubildende die Ausbildung aufgeben oder sich für eine andere Berufstätigkeit ausbilden lassen will. Quelle: Schaubilder zur Berufsbildung Fakten, Strukturen, Entwicklungen; BiBB, Bonn 831

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