Naturschutzgebiet Nr "Staffelberg"

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1 Regierung von Oberfranken Naturschutzgebiet Nr "Staffelberg" Gutachten gekürzte Fassung weitere Informationen: RD Dr. Johannes Merkel Tel.: Gutachten über die Schutzwürdigkeit des geplanten Naturschutzgebietes "Staffelberg" Lage und Geologie Der 539 m hohe Staffelberg liegt im nördlichsten Teil der Frankenalb etwa 2 km südöstlich Staffelstein auf der linken Seite des Maintales. Geologisch reicht er vom Opalinuston (Dogger a ) bis zum Frankendolomit (Malm dd). Das geplante Schutzgebiet umfaßt die Verebnung der Ornatentonterrasse (Dogger? -? ), den Steilanstieg des Unteren Mergel- und Werkkalkes, die Verebnung des Oberen Mergelkalkes, die Verebnung des Oberen Mergelkalkes (Malm? ) und dann den erneuten Steilanstieg zum Gipfelbereich aus Frankendolomit (Malm dd). Vegetation Während außerhalb der Schutzgebietsgrenze auf der Ornatentonterrasse Wiesen mit einzelnen Hecken vorherrschen, wird innerhalb des Schutzgebietes Dogger - fast ausschließlich von Frühlingsgeophyten-Wäldern (Aceri-Faxinetum in Allium ursinum -, Corydalis cava - und in Leucojum vernum - Ausbildung) eingenommen. In der Baumschicht dominieren hier Esche Bergulme Bergahorn Spitzahorn Fraxinus excelsior, Ulmus glabra, Acer pseudoplatanus und Acer platanoides. Die Strauchschicht ist meist gut entwickelt. Vor allem Haselstrauch Eingriffeliger Weißdorn Roter Hartriegel Corylus avellana, Crataegus monogyna und Cornus sanguinea sind häufig vertreten. Die Krautschicht ist besonders im Frühjahr optimal entwickelt. Vor allem der Bärlauch Allium ursinum kommt meist faziesbildend vor. In Bereichen, wo Malmgeröll dem Ton beigemengt ist, tritt anstelle des Bärlauches der Märzenbecher Leucojum vernum. An weiteren Frühlingsgeophyten sind zu nennen: Hohler Lerchensporn Corydalis cava, - 1 -

2 Moschuskraut Waldgoldstern Gelbes Windröschen Adoxa moschatellina, Gagea lutea und Anemone ranunculoides. Daneben fällt das reiche Vorkommen von Wolfseisenhut Türkenbund Aconitum vulparia und Lilium martagon auf. Außerdem sind noch zahlreiche Fagetalia-Ordnungscharakterarten stetig und zum Teil zahlreich vertreten: Goldnessel Waldbingelkraut Einblütiges Perlgras Dunkles Lungenkraut Frühlingsplatterbse Gefleckte und nichtgefleckte Kleinart des Aronstabes Vielblütige Weißwurz Haselwurz Ährige Teufelskralle Wolliger Hahnenfuß Waldziest Lamium galeobdolon, Mercurialis perennis, Melica uniflora, Pulmonaria obscura, Lathyrus vernus, Arum maculatum ssp. maculatum und ssp. immaculatum, Polygonatum multiflorum, Asarum europaeum, Phyteuma spicatum, Ranunculus lanuginosus und Stachys sylvatica. lm Südteil des geplanten Schutzgebietes findet sich auf einem waldfreien Teil der Ornatentonterrasse ein Kalkflachmoor (Caricetum davallianae). Dieser Davallseggensumpf zeichnet sich durch ein reiches Vorkommen von Echter Sumpfwurz Breitblattrigem Wollgras Mückenhändelwurz. Blaugrüner Segge Hirsensegge Epipactis palustris; ca. 800 Exempl. und Eriophorum latifolium; z.t. Faziesbildend, sowie von Gymnadenia conopsea, Carex flacca und Carex panicea aus. Daneben kommen hier vor: Pfeifengras Rasenschmiele Blutweiderich Roßminze Wasserdost Sumpfschachtelhalm Blaugrüne Binse Weidenblättriger Alant Gew. Gilbweiderich Waldsimse Blutwurz Molinia caerulea, Deschampsia cespitosa, Lythrum salicaria, Mentha longifolia, Eupatorium cannabinum, Equisetum palustre, Juncus inflexus, Inula salicaria, Lysimachia vulgaris, Scirpus sylvestris und Potentilla erecta Daneben findet sich hier Gehölzsukzession ein mit Salweide Schwarzerle Esche Haselstrauch Espe Salix caprea, Alnus glutinosa, Fraxinus excelsior, Corylus avellana und Populus tremula. Der auf die Ornatentonterrasse folgende Steilanstieg des Malm- + wird fast ausschließlich von Lindensteilhangwäldern (Aceri-Tilietum) eingenommen. Hier dominiert in der Baumschicht die Sommerlinde (Tilia platyphyllos) ; - 2 -

3 außerdem sind stetig vertreten Bergulme Bergahorn Spitzahorn Esche Ulmus glabra Acer pseudoplatanus Acer platanoides und Fraxinus excelsior. Kraut - und Strauc hschicht sind entsprechend dem stark bewegten Boden nur sehr schwach entwickelt. Neben Christophskraut Wolfseisenhut Actaea spicata und Aconitum vulparia seien noch erwähnt: Eveu Duftende Schlüsselblume Mauerlattich Goldnessel Hedera helix Primula veris Mycelis muralis und Lamium galeobdolon. Im Westen und Süden des Schutzgebietes, dort wo das Gelände durch Hangrutsche und Verwitterung des Malm + flacher ansteigt, aber auch im Malm finden sich Eichen- Hainbuchenwälder, die zum Teil einen forstlich bedingten höheren Kiefernanteil aufweisen. Langfristig würde sich hier ohne menschlichen Einfluß sicherlich ein Buchenwald entwickeln, zur Zeit herrschen in der Krautschicht aber die Carpinion-Verbandscharakterarten: Waldlabkraut Große Sternmiere Goldhahnenfuß Waldknäuelgras Galium sylvaticum, Stellaria holostea, Ranunculus auricomus und Dactylis polygama. Daneben sind eine Vielzahl Fagetalia-Ordnungscharakterarten und Querco-Fagetea- Klassencharakterarten reichlich vertreten: u.a. Goldnessel Dunkles Lungenkraut Einblütiges Perlgras Türkenbund Haselwurz Nesselblättrige Glockenblume Buschwindröschen Efeu Wunderveilchen Lamium galeobdolon, Pulmonaria obscura, Melica uniflora, Lilium martagon, Asarum europaeum, Campanula trachelium, Anemone nemorosa, Hedera helix, Viola mirabilis. Während die Böden des Malm außerhalb des Schutzgebietes meist relativ intensiv landwirtschaftlich genutzt werden, ist im Westteil ein feingegliedertes Heckengebiet erhalten geblieben, wobei die schmalen Streifen zwischen den Hecken durch extensiv bewirtschaftete Glatthafer- Salbei-Wiesen eingenommen werden. Am Südabfall des Staffelberges finden sich auf Malm bzw. auf Malmgeröll wärmeliebende Eichen(busch)wälder in Sukzession. In der Baum- bzw. Strauchschicht sind hier neben der Stieleiche die Waldbirne der Rote Hartriegel der Haselstrauch Quercus robur, Pyrus pyraster, Cornus sanguinea und Corylus avellana hervorzuheben. Als Differentialarten der wärmeliebenden Eichenwälder sind zu nennen Purpurroter Steinsame Aufrechter Ziest Kammwachtelweizen Lithospermum purpurocaeruleum, Stachys recta, Melampyrum cristatum, - 3 -

4 Hirschhaarstrang Blutstorchenschnabel Peucedanum cervaria, Geranium sanguineum. Daneben kommen eine ganze Reihe weiterer wärmeliebender Arten vor: Straußblütige Wucherblume Pfirsichblättrige Glockenblume Breitblättriges Laserkraut Gelbe Sommerwurz Wohlriechender Schöterich Zypressenwolfsmilch Rauhes Veilchen Großer Ehrenpreis Schwalbenwurz Wunderveilchen Chrysanthemum corymbosum, Campanula persicifolia, Laserpitium latifolium, Orobanche lutea Erysimum odoratum, Euphorbia cyparissias, Viola hirta, Veronica teucrium, Vincetoxicum hirundinaria und Viola mirabilis. Die Felsspaltengesellschaften und Felsgrasheiden (AspIenio-Cystopteridetum, Poa badensis - Allietum montani und Diantho-Festucetum pallentis) des Dolomitgipfels beherbergen eine ganze Reihe seltener bis extrem seltener Arten; unter anderem kommen hier vor: Badisches Rispengras Steife Rauke Kleine Wiesenraute Bleicher Lerchensporn Turmkresse Blauschwingel Berglauch Roßlauch Blaugras Duftender Schöterich Schwarzstieliger Streifenfarn Mauerrautenfarn Zerbrechlicher Blasenfarn Hügelmeister Scharfer Mauerpfeffer Weißer Mauerpfeffer Dreifingersteinbrech Traubengamander Arzneithymian Poa badensis Sisymbrium strictissimum Cardaminopsis arenosa Corydalis ochroleuca Arabis turrita Festuca pallens Allium montanum Allium oleraceum Sesleria varia Erysimum odoratum AspIenium trichomanes Asplenium ruta-muraria Cystopteris fragilis Asperula cynanchica Sedum acre Sedum album Saxifraga tridactylitis Teucrium botrys Thymus pulegioides Hierzu kommen auf der Hochfläche noch kleinere Bereiche von Trockenrasen (Pulsatillo - Caricetum humilis) mit Erdsegge Küchenschelle Furchenschwingel Österreichischer Lein Carex humilis Pulsatilla vulgaris Festuca sulcata Linum austriacum und Halbtrockenrasen mit Gefranster Enzian Gentianella ciliata Deutscher Enzian. Gentianella germanica Silberdistel Carlina acaulis Golddistel Carlina vulgaris Aufrechte Trespe Bromus erectus Blaugrüne Segge Carex flacca Skabiosenblättrige Flockenblume Centaurea scabiosa Karthäuser Nelke Dianthus carthusianorum Zypressenwolfsmilch Echtes Labkraut Pyramidenkammschmiele Hornklee Euphorbia cyparissias Galium verum Koeleria.pyramidata Lotus corniculatus - 4 -

5 Sichelklee Kriechender Hauhechel Labkrautsommerwurz Gelbe Sommerwurz Kleiner Klappertopf Kleiner Wiesenknopf Medicago falcata Ononis repens caryophyllacea Orobanche lutea Rhinanthus minor Sanguisorba minor Hier sei noch darauf hingewiesen, daß es sich bei der von Gauckler, 1957 beschriebenen und auf Nordbayern beschränkten Berglauchflur mit Badner Rispengras (Poo badensis Allietum montani) am Staffelberg um das einzige belege Vorkommen dieser auch sonst äußerst seltenen Pflanzengesellschaft in Oberfranken handelt. Fa u n a Faunistische Erhebungen wurden im Rahmen dieser Untersuchung nicht gemacht. Es seien hier nur einige seltenere Arten aufgeführt, die bei der Kartierung beobachtet wurden (RL 2a, 2b = nach der Roten Liste bedrohter Tiere in Bayern als gefährdet eingestufte Arten): Die aufgeführten Arten sind alle nach der Bundesartenschutzverordnung geschützt. Z u s a m m e n f a s s e n d e B e u r t e i l u n g Bedingt durch seine exponierte Lage trägt der Staffelberg eine sehr artenreiche und vielgestaltige Vegetation, die äußerst schutzwürdig ist. Dies gilt vor allem für die Felsflora und hierbei besonders für die Berglauchflur mit Badischem Rispengras (Poo badensis Allietum montani), die hier ihr einziges oberfränkisches Vorkommen besitzt. Auch die Halbtrocken- und Trockenrasen, sowie die Gebüsche und Säume und der angrenzende wärmeliebende Eichenwald sind optimal entwickelt. Von den vielen pflanzlichen Kostbarkeiten des Staffelberggipfels seien hier nur einige beispielhaft erwähnt: Ihr einziges Vorkommen in Oberfranken besitzen hier das Badische Rispengras Poa badensis und der eingebürgerte Bleiche Lerchensporn Corydalis ochroleuca Weitere in Oberfranken sehr seltene Arten sind Sandkresse Kleine Wiesenraute Steife Rauke Brandknabenkraut Purpurroter Steinsame Purpurknabenkraut Cardaminopsis arenosa Thalictrum minus Sisymbrium strictissimum Orchis ustulata Lithospermum purpurocaeruleum Orchis purpurea Besonders artenreich und gut entwickelt sind auch die Frühlingsgeophyten- und Lindensteilhangwälder auf der Ornatentonterrasse und dem Malm und ß - Steilanstieg. Als Besonderheiten. seien hier genannt das Massenvorkommen von Bärlauch Allium ursinum und. das zahlreiche Vorkommen der Frühlingsknotenblume Leucojum vernum Schließlich sei nochmals auf ein kleines Kalkflachmoor im Ornatenton am Südabhang des Staffelberges hingewiesen in dem sich ein Massenbestand der in Oberfranken äußerst seltenen - 5 -

6 und des befindet. Echten. Stendelwurz Breitblättrigen Wollgrases Epipactis palustris Eriophorum latifolium Die Flora des Staffelberggipfels zeichnet sich nicht nur durch ihren hohen Artenreichtum sondern vor allem auch durch das Vorkommen einer Vielzahl sehr seltener und zum Teil stark gefährdeter Arten aus. Insgesamt wurden bei der Kartierung 58 in Bayern bzw. in Oberfranken gefährdete Pflanzenarten festgestellt. Davon sind laut "Roter Liste bedrohter Farn- und Blütenpflanzen in Bayern" 3 starke gefährdete Arten (RL 1) 11 gefährdete Arten (RL 2) 20 attraktive Arten (RL 3) Betrachtet man die Verhältnisse in Oberfranken bzw. im Naturraum Nördliche Frankenalb {'Liste seltener und bedrohter Farn- und Blütenpflanzen in Oberfranken"), so ist die Zahl der bedrohten Arten noch weit höher, obwohl die Kategorie "attraktive Arten" unberücksichtigt bleibt: 17 stark gefährdete Arten (Ofr. 1) 29 gefährdete Arten (Ofr. 2) Hier nun eine Auflistung der aufgefundenen bedrohten Gefäßpflanzen: Aconitum vulparia RL 3 Ajuga chamaepitys RL 2 0fr. 1 Allium montanum Ofr. 2 Anagallis foemina RL 1 Ofr. 1 Anemone: sylvestris RL 3 Ofr. 2 Antennaria dioica Ofr. 2 Anthericum ramosum Ofr. 2 Aquilegia vulgaris RL 3 Arabis turrita RL 2 Ofr. 2 Arum maculatum in. Oberfranken ssp. maculatum sehrseltene Kleinart Aster amellus Ofr. 2 Astragalus cicer Ofr. 2 Botrychium lunaria RL 2 Ofr. 2 Cardaminopsis arenosa Ofr. 1 Carex humilis Ofr. 2 Carlina acaulis RL 3 Ofr. 2 Centaurea cyanus RL 2 Ofr. 2 Cephalanthera damasonium RL 3 Conringia orientalis RL 2 Ofr. 1 Convallaria majalis RL 3 Corydalis ochroleuca Ofr. 1 Daphne mezereum RL 3 Epipactis atrorubens RL 3 Ofr. 2 Epipactis helleborine RL 3 Epipactis palustris RL 3 Ofr. 1 Eriophorum latifolium Ofr. 1 Euphorbia platyphyllos Ofr. Gentiana cruciata RL 3 Ofr. 1 Gentianella germanica RL 3 Geranium sanguineum Ofr. 2 Gymnadenia conopsea RL 3 Ofr. 2 lnula salicina RL 2 Juniperus communis RL 3 Leucojum vernum RL 2 Ofr. 1 Lilium martagon RL 3 Ofr. 2 Linum austriacum RL 2 Listera ovata RL 3 Lithospermum arvense Ofr

7 Lithospermum purpurocaeruleum Ofr. 1 Melampyrum arvense Melampyrum cristatum Ofr. 2 Neottia nidus -avis RL 3 Ophrys insectifera RL 3 Ofr. 2 Orchis militaris RL 3 Ofr. 2 Orchis purpurea RL 2 Ofr. 1 Orchis ustulata RL 2 Ofr. 1 Orobanche caryophyllacea Ofr. 1 Orobanche Lutea Ofr. 2 Peucedanum cervaria Ofr. 2 Poa badenis RL 2 Ofr. 1 Pulsatilla vulgaris RL 3 Ofr. 2 Sedum album Ofr. 2 Seseli annuum Ofr. 2 Sisymbrium strictissimum Ofr. 1 Stachys annua RL 2 Ofr. 2 Thalictrum minus Ofr. 1 Vicia dumetorum Ofr. 2 Vicia pisiformis Ofr. 2 Nachtrag: Geranium rotundifolium RL 1 Ofr. 1 Auch die Tierwelt des Staffelberges ist sehr artenreich und enthält eine Vielzahl gefährdeter Arten. Wegen der zum Teil extrem seltenen und gefährdeten Vegetation, sowie Tier- und Pflanzenwelt sollte der Gipfel des Staffelberges unbedingt als Naturschutzgebiet ausgewiesen werden. Bayreuth, den Regierung von Oberfranken I.A. Dr. Merkel Regierungsrat - 7 -

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