Welcher Unterschied macht einen Unterschied oder: Wozu überhaupt Kategorien- Bildung?

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1 Welcher Unterschied macht einen Unterschied oder: Wozu überhaupt Kategorien- Bildung? IMST-Symposium Gender- und diversitätskompetenter Unterricht , Klagenfurt Mag. a Claudia Schneider

2 Die Theorie bestimmt, was wir beobachten können Praxis beruht auf Theorie im Sinne bestimmter Annahmen über Sachverhalte und Zusammenhänge explizite Theorien & implizite oder Alltagstheorien Organisationskulturansatz (Schein 1984): Grundüberzeugungen als Grundlage für unser individuelles Denken und Handeln von Organisationskulturen als kollektiven Denkund Handlungsmustern von Programmen und Maßnahmen zur Realisierung von Chancengleichheit

3 Geschlechtliche Dingdeutungen im Werkunterricht Sutterlüti 2010, 98

4 ...warum uns das sex/gender-system nicht weiterhilft sex dekonstruieren! Sex meint nicht das biologische Geschlecht, sondern die Geburtsklassifikation aufgrund sozial vereinbarter biologischer Kriterien. Gender beschreibt das intersubjektive, situationsabhängige Verhalten und Handeln aufgrund der normativen Vorgaben, die für eine der beiden zur Verfügung stehenden Geschlechterkategorien als angemessen gelten. (Sutterlüti 2010) Doing gender: Geschlecht bzw. Geschlechtszugehörigkeit nicht als Eigenschaft oder Merkmal von Individuen, sondern als soziale Prozesse, in denen Geschlecht als sozial folgenreiche Unterscheidung hervorgebracht und reproduziert wird. (Gildemeister 2004, 133)

5 Von der Provokation für das Alltagsdenken (Gildemeister 2004, 133)... zur produktiven Nutzung als Analyseinstrument! Methode der Befremdung : (Amann/ Hirschauer 1997) analysiert das Unterscheiden als Ausgangspunkt eines Prozesses und den Unterschied als dessen Folge (Gildemeister/ Robert 2008)

6 Schule als Lern- und Erfahrungsort die Infrastruktur des doing gender: institutioneller Rahmen Angebot Alltagsweltliches vs. theoriefundiertes Genderwissen kulturelle Ressourcen als Darstellungs- und Zuschreibungsmedium Auf dem heimlichen Lehrplan: Geschlechterdifferenz! Kernelemente des jeweiligen Konstruktionsmodus

7 Mädchenwelten - Jungenwelten Jungenwelten, Mädchenwelten

8 ... Kinderwelten?!

9 Was wir von Kindern lernen können... Mir würde eine Welt ohne diese deutliche Rollenverteilung gut gefallen. Dass Du einen Jungen mit einer schönen Handtasche siehst und nicht sofort denkst: Was für ein Homo, meine Güte. Oder dass Du bei Zweifeln an der Geschlechtszugehörigkeit von jemandem nicht unbedingt eine Antwort verlangst. Scheinbar suchen wir, ich auch, nach einer Klarheit, einer Normalität. Normal bedeutet dann: Wie die meisten Menschen sind. Ich persönlich möchte mein Leben vielseitig gestalten (Jelle, 14 Jahre) (In: Gemert 2009)

10 Was wir von Kindern lernen können... Annie van Gemert; jongens-en-meisjes/

11 Annie van Gemert; jongens-en-meisjes/

12 Diversity / Management Diversity Management ist eine Strategie zur Wahrnehmung, Förderung und Nutzung von Unterschieden in einem Unternehmen oder einer Organisation. Im Diversity Management wird Vielfalt nicht als Problem, sondern primär als Ressource und Normalität betrachtet. Diversity Management rückt die Wirkung von Unterschieden in den Vordergrund.

13 Wieviel Vielfalt gibt es? Welcher Unterschied macht einen Unterschied?... diejenigen Unterschiede zwischen Menschen, die ihre Akzeptanz und Anerkennung, ihre Arbeitsleistung, ihre Zufriedenheit und ihre Entwicklung und Fortschritte in einer Organisation betreffen (Hays-Thomas 2004, 12). Anerkennung und ihr Gegenteil Missachtung und Beschämung sind für das Gelingen oder Misslingen von Sozialisations- und Bildungsprozessen ausschlaggebend. Auf der Ebene pädagogischen Handelns bildet die Vermittlung einer von Selbstachtung und Anerkennung geprägten Haltung einen Kern der Pädagogik der Vielfalt (Prengel 2007, S. 54f.).

14 Intersektionalität schulweg/images/koehlergasse-2-gr.jpg

15 Welche Dimensionen oder Dimensionsbündel bedeuten in einer konkreten Situation Bevorzugung, Benachteiligung oder mehr oder weniger Einfluss?... im schulischen Kontext? Welche Probleme, aber auch Möglichkeiten und Ressourcen ergeben sich aus den verschiedenen Zugehörigkeiten zu verschiedenen Kontexten? Definitionsmacht Definition von Norm und Abweichung Anpassungsleistungen?

16 Strukturelle Ebene Welche (unbewussten) Vorstellungen von Normalität wirken sich in welcher Weise auf die Strukturen und Abläufe in meiner Organisation aus? Sind diese im Hinblick auf derzeitige und zukünftige Organisationsziele angemessen, hinderlich oder förderlich? Wo ergibt sich Bedarf nach Veränderung?

17 gerechte Schule: Gerechtigkeit = Anerkennung + Umverteilung (Fraser 2001)

18 Herzlichen Dank für Ihre Aufmerksamkeit! Mag. a Claudia Schneider

19 Literatur Amann, Klaus/ Hirschauer, Stefan (1997): Die Befremdung der eigenen Kultur. Ein Programm. In: dies.: Die Befremdung der eigenen Kultur. Zur ethnographischen Herausforderung soziologischer Empirie. Frankfurt/M.: Suhrkamp, 7-52 Fraser, Nancy (2001) Die halbierte Gerechtigkeit. Frankfurt/M.: Suhrkamp Gemert, Annie van (2009): Jongens en meisjes. Text von Marijke Libert. Ef & Ef (Übersetzung Kathrin Delhougne) Gildemeister, Regine/ Robert, Günther (2008): Geschlechterdifferenzierungen in lebenszeitlicher Perspektive. Interaktion Institution Biografie. Wiesbaden: VS Verlag für Sozialwissenschaften Gildemeister, Regine (2004): Doing Gender: Soziale Praktiken der Geschlechterunterscheidung. In: Becker, Ruth/ Kortendiek, Beate: Handbuch Frauen- und Geschlechterforschung. Frankfurt/Main: Verlag für Sozialwissenschaften, Handbuch intersektionale Gewaltprävention. 2011; handbuch_intersektionalitaet.pdf Hays-Thomas, Rosemary (2004): The Contemporary Focus on Managing Diversity. In: Stockdale, Margaret S./ Crosby, Faye J. (Eds.): The psychology and management of workplace diversity. Wiley-Blackwell, 3-30 Kessler, Suzanne J./ McKenna, Wendy (1978/2001): Gender. An ethnomethodological approach. Chicago: University Press

20 PeerThink. Ein Handbuch für intersektionale Gewaltprävention mit Peers. Daphne II Projekt; 2009; _manual_deutsch_sb.pdf Prengel, Annedore (2007): Diversity Education Grundlagen und Probleme der Pädagogik der Vielfalt. In: Krell, Gertraude/ Riedmüller, Barbara/ Sieben, Barbara/ Vinz, Dagmar (Hg.): Diversity Studies: Grundlagen und disziplinäre Ansätze. Frankfurt a.m./ New York: Campus, S Queerformat (Hg.) (2011): Wie Sie sexuelle und geschlechtliche Vielfalt in Ihrer Schule unterstützen können. Teil 1: Eine Checkliste: Nachgefragt Wie vielfältig ist Ihre Schule? _Infoblaetter_Web_A4.pdf Schneider, Claudia (2013): Genderkompetenz: Vom alltagsweltlichen Geschlechterwissen zur theoriegeleiteten Professionalität. In: Ernstson, Sven/ Meyer, Christine (Hg.): Praxis geschlechtersensibler und interkultureller Bildung. Wiesbaden: Springer VS Verlag, Schein, Edgar H. (1984) Coming to a New Awareness of Organizational Culture. In: Sloan Management Rewiew, 25.Jg., Winter, 3-16 Sutterlüti, Evelyn (2010): Gender am Werk. Herstellungs- und Reproduktionsmechanismen von Geschlecht in den Unterrichtsfächern Technisches und Textiles Werken. DA, Universität für Angewandte Kunst Wien. West, Candace / Zimmerman, Don H. (1987): Doing Gender. In: Gender & Society, 1987/1,

Welcher Unterschied macht einen Unterschied? Lernen in und von der Vielfalt.

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