Logische Dokumentenstruktur mit SGML und XML

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1 Logische Dokumentenstruktur mit SGML und XML ein Referat von Oliver Lichte 15. Mai Standard Generalized Markup Language 1.1 Standard Generalized Markup Language SGML GML Ende der sechziger Jahre von IBM entwickelt. Anwendungsunabhängiges Format zum Austausch von Daten. Weiterentwicklung zu SGML als ISO-Standard 8879 veröffentlicht. Juli 1988 Standard erweitert. 1.2 SGML Dokumentenbestandteile SGML- Dokument Dokumenttypdefinition SGML- Deklaration Dokumenten- instanz 1

2 2 Document Type Definition 2.1 Dokumenttypdefinition DTD Elementtypdefinition <!ELEMENT...> Dokumentstruktur als Grammatik definiert. Beschreibung mittels regulärer Ausdrücke. Attributlistendefinition <!ATTLIST...> Definition von Attributlisten zu den Elementtypen. Entitäten <!ENTITY...> Ersetzungsmechanismus vergleichbar mit Makros. 2.2 DTD Elementtypdefinition <!ELEMENT Bezeichner(gruppe) Verkürzung Beschreibung> Bezeichner(gruppe): Name oder Liste von Namen in Klammern. Verkürzung: Anfangs-/Endmarken müssen angegeben werden o Endmarke kann wegfallen o Anfangsmarke kann wegfallen o o Beide Marken können wegfallen Beschreibung: Beschreibung der Struktur des Elements. Vergleichbar mit rechter Seite von Grammatikregeln. 2.3 DTD Elementtypdefinition vereinfachte Syntax <!ELEMENT Typname A > Der Ausdruck A ist ein regulärer Ausdruck mit folgender Syntax, wobei B, B 1,..., B n wieder reguläre Ausdrücke sind: (B 1,..., B n) Liste mit fester Reihenfolge (B 1 &... & B n) Liste mit beliebiger Reihenfolge (B 1... B n) Alternative Bestandteile B? Optionaler Bestandteil B + Nicht-leere Liste B Eventuell leere Liste Name vom Benutzer definierter Typname #PCDATA Text ohne Marken (also ohne logische Struktur) 2.4 DTD Elementtypdefinition nichtreguläre Ausdrücke Können nicht geschachtelt werden! EMPTY 2

3 ANY hat keinen Inhalt Inhalt meist über Attributlisten definiert hat beliebigen Inhalt darf im Gegensatz zu #PCDATA auch Marken (Tags) enthalten 2.5 DTD Attributlistendefinition Daten über die Daten (Metadaten) einführen. Zum Beispiel: Verweise im Text durch Zuordnung symbolischer Namen zu Dokumentteilen. Verweisobjekte werden verbunden mit o.g. Dokumentteilen über den symbolischen Namen. Dateieinbindungen werden über (symbolischen) Namen mit Datei verbunden werden. 2.6 DTD Attributlistendefinition Syntax <!ATTLIST Typname A 1 W 1 V 1... A n W n V n > Dabei bedeutet: A Attributwerte W Wertebereich V Vorbelegungswerte 2.7 DTD Attributlistendefinition Wertebereich CDATA ID IDREF ENTITY NUMBER NUMBERS NAME NAMES Beliebige Zeichenfolge. Unterschied zwischen CDATA und NA- ME ist, dass NAME lexikalisch gesehen ein SGML-Name ist. Eindeutiger Name (für Verweisziel) Benutzung von ID in Verweisen Name von externen Objekten (z.b. Datei) Zahl (syntaktisch als Folge von Ziffern) Liste von Zahlen String Liste von Strings 2.8 DTD Attributlistendefinition Vorbelegungswerte Default-Wert in Anführungszeichen gesetzt z.b. 0. #REQUIRED Wert muß im Element angegeben werden. #IMPLIED Wert kann angegeben werden. Wird kein Wert angegeben, so wird ein Default-Wert vom System vorgegeben. 3

4 2.9 DTD Entitäten Parameter-Entitäten <!ENTITY % name ersetzungszeichenfolge > Abkürzende Schreibweise nur in DTD s erlaubt. (schlechtes) Beispiel: <!ENTITY % pcdata (#PCDATA) > <!ELEMENT title %pcdata> Interne Entitäten <!ENTITY name ersetzungszeichenfolge > Werden benutzt wie Makros. Können im Text an beliebigen Stellen benutzt werden. Werden mit & eingeleitet und enden mit ; Häufige Anwendung: Beschreibung von Sonderzeichen wie ä für,,ä Dokumenttypdefinition des HTML-Tags <UL> {...} <!ENTITY % attrs "%coreattrs; %i18n; %events;"> {...} <!-- Unordered Lists (UL) bullet styles --> <!ENTITY % ULStyle "(disc square circle)"> <!ELEMENT UL - - (LI)+ -- unordered list --> <!ATTLIST UL %attrs; -- %coreattrs, %i18n, %events - - type %ULStyle; #IMPLIED -- bullet style -- compact (compact) #IMPLIED -- reduced interitem spacing -- > {...} <!ENTITY % LIStyle "CDATA" -- constrained to: "(%ULStyle; %OLStyle;)" - -> <!ELEMENT LI - O (%flow;)* -- list item --> <!ATTLIST LI %attrs; -- %coreattrs, %i18n, %events - - type %LIStyle; #IMPLIED -- list item style -- value NUMBER #IMPLIED -- reset sequence number - - > 4

5 3 Hypertext Markup Language 3.1 HTML eine Dokumenteninstanz HTML-Dokument kann als SGML-Instanz gesehen werden. Spezielle DTD oft angegeben im HTML-Kopf: <!DOCTYPE HTML PUBLIC -//W3C// DTD HTML 3.2 Final//EN > Bedeutet das HTML 3.2 mittels eines bestimmten Mechanismus aus einer öffentlichen DTD geladen wird. 3.2 DTD Einfügen in das Dokument Am häufigsten gebraucht <!DOCTYPE docname PUBLIC public identifier > <!DOCTYPE docname SYSTEM filename > <!DOCTYPE docname [ dtd-def... ]> 4 SGML-Deklaration 4.1 SGML Deklaration <!SGML...> Hier können verschieden Einstellungen gemacht werden Z.B. die Begrenzer < und > können verändert werden Vorsicht! Dokument wird unleserlich Gehen nicht weiter auf Deklaration ein 5 extensible Markup Language 5.1 XML Dokumentenbestandteile XML- Dokument XML- Deklaration Dokumenttypdefinition Dokumenten- instanz 5

6 5.2 XML Vereinfachtes SGML Keine DTD notwendig. XML-Deklaration kann wegfallen. Beispiel: <?xml version= 1?> Unterscheidung zwischen Validierbarkeit und Wohlgeformtheit Minimierbarkeit nicht möglich. Beispiel: <person> Oliver Lichte In SGML unter Umständen möglich; in XML nicht erlaubt. Die schließende Marke </person> fehlt. Weitere Unterschiede siehe Lobin, Henning (1998): Informationsmodellierung in XML und SGML. Berlin, Heidelberg, New York: Springer. S XML Validierbar und wohlgeformt Ein SGML-Dokument heißt validierbar, wenn es korrekt im Bezug auf die Dokumenttypdefinition ist. Ein XML-Dokument heißt wohlgeformt, wenn es einer Baumstruktur entspricht, die nicht mehrdeutig und korrekt annotiert (geklammert) ist. Validierbarkeit ist stärker als Wohlgeformtheit. Wohlgeformte Dokumente können bezüglich einer DTD falsch sein. 6

7 6 Zukünftiges 6.1 XML Was bringt die Zukunft Bisheriges XML 1.0 Konflikte in der Namensgebung bei Einbettung von externen XML-Dokumenten keine Hyperlink-Unterstützung geringe Möglichkeit der Typisierung keine Restriktionen mit wenig Aufwand DTD kein XML-Dokument keine Formatierung im Dokument getrennte und DTD Dokumenteninstanz Lösungsansätze XML Namespace XLink/XPointer XML-Schema XSL/T (Extensible Stylesheet Language / Transformations) TREX (Tree Regular Expressions for XML) RELAX (Regular Language description for XML) 7 Beispiele 7.1 Muster Seminar: Titel: Dokumentenverarbeitung Seminarleiter: Joern Clausen Referent: Oliver Lichte Thema: Logische Dokumentenstruktur mit SGML und XML Teilnehmer: 1. Karl-Heinz Mustermann Erste Versuche <Seminar> Titel: Dokumentenverarbeitung Seminarleiter: Jörn Clausen Referent: Oliver Lichte Thema: Logische Dokumentenstruktur mit SGML und XML Teilnehmer: 1. Karl-Heinz Mustermann </Seminar> 7

8 7.3 Geht vielleicht noch feiner <Seminar> <Titel> Dokumentenverarbeitung </Titel> <Leiter> Jörn Clausen </Leiter> <Referent> Oliver Lichte </Referent> Thema: Logische Dokumentenstruktur mit SGML und XML <Teilnehmer> 1. Karl-Heinz Mustermann <Teilnehmer> </Seminar> 7.4 Korrekt aber vielleicht noch vereinfachen <Seminar> <Leiter> <Person sex="maennlich"> Jörn Clausen </Leiter> </Person> <Referent Thema="Logische Dokumentenstruktur mit SGML und XML"> <Person sex="maennlich"> Oliver Lichte </Person> </Referent> <Teilnehmer nummer="1"> <Person sex="weiblich">... </Person> <Teilnehmer nummer="2"> <Person sex="maennlich"> &kh; Mustermann </Person> </Seminar> 8

9 7.5 Fertig <Seminar> <Leiter> <Person sex="maennlich"> Jörn Clausen </Leiter> <Referent Thema="Logische Dokumentenstruktur mit SGML und XML"> <Person sex="maennlich"> Oliver Lichte </Referent> <Teilnehmer nummer="1"> <Person sex="weiblich">... <Teilnehmer nummer="2"> <Person sex="maennlich"> &kh; Mustermann </Seminar> 7.6 Passende DTD <!DOCTYPE Seminar [ <!ELEMENT Seminar - - (Leiter, Referent?, Teilnehmer+)> <!ELEMENT Leiter - - (Person)> <!ELEMENT Referent - - (Person)> <!ATTLIST Referent Thema CDATA #REQUIRED> <!ELEMENT Teilnehmer - - (person*)> <!ATTLIST Teilnehmer nummer NUMBER #REQUIRED> <!ENTITY % sexatt "weiblich maennlich"> <!ENTITY ouml CDATA "ö"> <!ELEMENT Person - o (#PCDATA)> <!ATTLIST Person sex (%sexatt) #REQUIRED geboren NUMBERS #IMPLIED telefon CDATA #IMPLIED> <!ENTITY kh "Karl-Heinz"> ]> 9

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