Bibelteilen in sieben Schritten

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1 Bibelteilen in sieben Schritten Mein Wort kehrt nicht leer zu mir zurück, sondern bewirkt, was ich will, und erreicht all das, wozu ich es ausgesandt habe. (Jes 55,11) Gottes Wort willkommen heißen Hören Schweigen Beten Im Alltag Antwort geben: Wie die Basisgemeinden in Lateinamerika aus der Heiligen Schrift leben Wenn zwei oder drei in Seinem Namen zusammen sind, dann ist es das Wort Gottes, das sie zusammenführt, das ihr Zusammensein eröffnet und das ihr Mittelpunkt bleibt. So jedenfalls in den Basisgemeinden in Lateinamerika. Aus dem gemeinsamen Bibellesen sind die meisten entstanden, mit einer Bibelstelle beginnen sie ihre Versammlungen und bis zu deren Ende liegt das Buch der Bücher in der Mitte des Kreises, oft zusammen mit einem Kreuz, Blumen oder einer brennenden Kerze. Denn es steht geschrieben: Dein Wort ist meinem Fuß eine Leuchte, ein Licht für meine Pfade. (Ps 119,105)

2 Bibelteilen Bibel 33 Die Heilige Schrift ist die Mitte. Ihre Weisheit, ihre Ermutigung, ihren Trost empfangen alle in der Runde, und zwar dadurch, dass die Frauen und Männer der Basisgemeinden deren Weisheit, Ermutigung und Trost miteinander teilen. Indem sie Gottes Wort teilen, teilen sie sich selbst (mit): ihr Glück und ihre Sorgen und ihre Hoffnungen oft in sehr persönlicher, vertrauensvoller Weise. Die Heilige Schrift ist die Quelle der Glaubenskraft, aus der die Armen in Lateinamerika ihren mühsamen Alltag bestehen. Deshalb begrüßen sie, bevor sie daraus lesen, Gottes Wort wie den besten Freund. Es gebührt sich, dem besten Freund, dem Wort Gottes, das Wort zu überlassen und alle Aufmerksamkeit zu schenken. Es wäre höchst unpassend, es zuzuquatschen. Die rechte Haltung ist die des Hörens: hören aufnehmen in sich wirken lassen. Nicht gleich zuschütten mit all dem, was einem so durch den Kopf geht. Stattdessen: einfach hören. Keine leichte Kunst. Ein Weg dahin ist das Schweigen. Das Hören führt ins Beten. Leitura orante, betendes Lesen, nennen es die Basisgemeinden in Brasilien. Zweimal habe ich die Bibel durchgelesen, sagte mir mit hörbarem Stolz ein Lehrer in Haiti, und zweimal durchgebetet. Das war noch besser. Das Hören, das Schweigen, das Beten öffnen den Raum, um sich über Gottes Wort auszutauschen. Die Leitfrage lautet nicht: Was bedeutet das an sich? (das zu beantworten, ist Aufgabe der Exegeten), sondern: Was bedeutet das für mich? Mag sein, dass mancher Bibelwissenschaftler die Stirn runzeln würde, wenn er hörte, wie eine Basisgemeinde die Bibel auslegt, manchmal auch schief. Vor allem aber wäre er beeindruckt, wie souverän die Christen in Lateinamerika die Bibel lesen. Denn Gottes Wort lässt sich nicht durch ein Hin und Her über die richtige Deutung neutralisieren. Wer sich nicht am Zweifel aufhält, ob er alles richtig verstanden hat, dem schafft Gottes Wort erschreckend-erhellende Klarheit. (Was nicht bedeutet, dass die Basisgemeinden die von Adveniat geförderten Bibelschulen nicht zu schätzen wissen, im Gegenteil: nämlich als existenzielle, nicht intellektuelle Erfahrung.) Was bedeutet das für mich? In meinem Handeln? Für mein Lebenszeugnis? Die Antwort gibt nicht an erster Stelle der Verstand. Die eigentliche Antwort gibt das Leben. Die Hinreise des Eintauchens in Gottes Wort und Willen mündet in die Rückreise in den Alltag. Wenn die Christen nach der Versammlung ihrer Basisgemeinden hinausgehen in ihren Alltag, vollenden sich ihr Hören, ihr Schweigen und ihr Beten darin, wie sie auf das Reich Gottes hin leben. Autor: Michael Huhn

3 34 Bibel Bibelteilen 1. Gottes Wort einladen Wir machen uns bewusst: Gott ist in unserer Mitte. Dann sprechen wir ein Gebet, z. B.: Guter Gott, in deinem Wort kommst du jetzt in unsere Mitte. Bereite unser Herz für die Begegnung mit deiner Frohen Botschaft; bereite unser Ohr und unseren Mund, damit deine Botschaft in unserem Gespräch Frucht bringt. Amen. 2. Gottes Wort hören Eine/r aus der Runde liest den ausgewählten Schrifttext vor.

4 Bibelteilen Bibel Gottes Wort beschweigen In einer gemeinsamen Zeit der Stille beschweigen wir Gottes Wort mit unserer Aufmerksamkeit. So schärfen wir die Aufnahmebereitschaft unseres Herzens. Je geübter die Gruppe im Schweigen ist, desto länger kann es andauern. Die Dauer des gemeinsamen Schweigens wird zu Beginn dieses Schrittes allen Anwesenden angekündigt. Gottes Wort willkommen heißen Hören Schweigen Beten Im Alltag Antwort geben 4. Selbst Echo sein für Gottes Wort Jede und jeder wiederholt Worte oder Sätze, die sie/ihn berührt haben. Die Teilnehmerinnen und Teilnehmer machen ihre Beiträge nicht davon abhängig, ob schon jemand anderes das Gleiche gesagt hat. Wenn ein Wort oder Satz viele in der Gruppe berührt hat, dann soll er auch mehrfach zu hören sein.

5 36 Bibel Bibelteilen 5. Gottes Wort seine Wirkung nach innen In einer Austauschrunde sagt jede/r, welche Gedanken oder Gefühle der Text ausgelöst hat. Bewertungen gehören nicht in dieses Gespräch; besser oder schlechter sind hier keine hilfreichen Kategorien. 6. Gottes Wort seine Wirkung nach außen Es folgt eine zweite Austauschrunde, die durch einen Liedruf von der ersten abgegrenzt werden kann, z.b. Herr, erwecke deine Kirche, und fange bei mir an. Dabei überlegt jede/r Einzelne oder die Gruppe gemeinsam, welchen Impuls der Text für das konkrete Tun oder auch Lassen geben kann. 7. Für Gottes Wort danken Mit einem gemeinsam gesprochenen Vaterunser oder Lobpreis Ehre sei dem Vater dankt die Gruppe für Gottes Gegenwart im Wort. Tipp: Nutzen Sie unser kostenloses Medium Bibelteilen. Text: Ingelore Engbrocks

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