The NewsLine. Die EZB darf der Eurozone nicht die falsche Medizin verordnen ECONOMIC RESEARCH

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1 } MAKROÖKONOMIE FINANZMÄRKTE WIRTSCHAFTSPOLITIK BRANCHEN EZB Die EZB darf der Eurozone nicht die falsche Medizin verordnen Dr. Michael Heise Fon Allianz SE englische Publikationen unter: Wird die Europäische Zentralbank auf ihrer Sitzung am Donnerstag neue Maßnahmen zur Reflation der Eurozone ergreifen? Der erneute starke Fall der Inflationsrate, auf nunmehr 0.5%, würde darauf hinweisen. Schon seit Monaten verlangen viele Ökonomen und Kommentatoren insbesondere aus Großbritannien und den USA dass die EZB den amerikanischen und britischen Notenbanken folgt und endlich ein Programm der quantitativen Lockerung (Quantitative Easing/QE) auflegt. Durch großangelegte Anleihenkäufe solle die EZB die schwächelnde europäische Wirtschaft wiederbeleben und einer drohenden Deflationsspirale Einhalt gebieten. Bislang stand die EZB der QE-Frage ablehnend gegenüber. Aber in den letzten Tagen wurde sie selbst von als konservativ geltenden Mitgliedern der EZB- Führung offen diskutiert. Dennoch bleibt es unwahrscheinlich, dass die EZB anfängt, im großen Stil Anleihen aufzukaufen. Und das ist auch richtig so. Erstens besteht derzeit keine Gefahr eines anhaltenden Preisrückgangs in der Eurozone. Die derzeit sehr niedrigen Preissteigerungsraten sind auf verschiedene Faktoren zurückzuführen, die allesamt mit der EZB Politik wenig zu tun haben. Die Preise für Öl und andere Rohstoffe sind gesunken. Die Löhne fallen in Südeuropa, was sich dort in niedrigeren Erzeugerpreisen widerspiegelt. Das

2 Seite 2 von 5 ist genau die richtige Entwicklung, um die internationale Wettbewerbsfähigkeit dieser Länder wiederherzustellen. Es ist nicht so, dass die Europäer sich weigern würden zu konsumieren, wie es manche behaupten: die Sparquoten sind stabil und in einigen Ländern fallen sie sogar. Aber was passiert, fragen die Verfechter der QE, wenn Inflationserwartungen zurückgehen, weil die Menschen einfach nicht mehr an die Fähigkeit der EZB glauben, die Inflation im positiven Bereich zu halten? Permanent niedrige Inflationserwartungen würden wiederum auf Löhne und Preise drücken. Die Deflationsspirale wäre vorprogrammiert. In der Tat sind die Inflationserwartungen deutlich zurückgegangen. Der Hauptgrund dafür ist der Rückgang der tatsächlichen Preissteigerungsraten aus den oben genannten Gründen. Das ist eine völlig normale Entwicklung: Inflationserwartungen und Inflationsraten bewegen sich eigentlich immer parallel nach unten wie auch nach oben. In den Jahren 2011 und 2012, zum Beispiel, haben die Rohstoffpreise die Inflation hochschnellen lassen und die Inflationserwartungen gleich mit. Weder Preise noch Erwartungen blieben hoch. Es ist wichtig, dass die EZB den Menschen und Märkten in Europa zu verstehen gibt, dass ihr Inflationsziel von unter, aber nahe an 2% - mittelfristig gilt, so dass kurzfristige Abweichungen nicht zur hektischen Reaktionen führen sollten. Die Verfechter von QE verweisen auch auf die rückläufige Kreditvergabe im Euroraum. Ohne Kredite und Investitionen ist es wahrscheinlicher, dass die europäische Wirtschaft in Zukunft doch noch in die Deflation abrutscht. Mit der Kreditversorgung sieht es tatsächlich nicht gut aus. Es ist aber fraglich, ob EZB-Anleihekäufe die Finanzierung der Realwirtschaft stärken könnten. Zum einen ist die Kreditschwäche eine natürliche Reaktion auf den vorhergehenden kreditfinanzierten Boom. In einigen europäischen Länder sind Haushalte und Firmen nach wir vor überschuldet. Dementsprechend ist die Nachfrage nach neuen Darlehen verhalten. Zum anderen stellt die EZB den Banken der Eurozone derzeit quasi unbegrenzte Liquidität zur Verfügung. Die schwache Kreditvergabe ist daher weniger eine Folge von Liquiditätsengpässen sondern e- her ein Zeichen der Kapitalknappheit im Bankensektor. Die Banken müssen die notleidenden Kredite in ihren Bilanzen erstmal abschreiben, um Platz für neues und profitables Kreditgeschäft zu schaffen. Schließlich argumentieren die Freunde einer weiteren Lockerung, dass QE längerfristige Anleiherenditen auf einem niedrigen und investitionsfreundlichen Niveau halten würde. Das war natürlich das Ziel der US-Notenbank Fed beim Kauf von Unternehmensanleihen und hypothekarisch gesicherten Wertpapieren. Aber wäre es denn eine gute Idee wenn die EZB jetzt damit begönne,

3 Seite 3 von 5 die Renditen zu drücken und die Vermögenspreise zu unterstützen? Die Staatsanleihen der Euro-Staaten auch jene der hochverschuldeten und schwächeren Mitglieder haben sich bereits deutlich erholt. Wenn die EZB sie jetzt zu solch hohen Preisen kaufte, würde sie dabei nicht nur das Geld der europäischen Steuerzahler aufs Spiel setzen; sie könnte auch ihre eigene Stellung als unabhängige, nicht-fiskalische Institution schwächen. Wenn die EZB stattdessen Unternehmensanleihen kaufte die auch bereits im Wert sehr gestiegen sind würde sie dadurch Kreditrisiken in ihre Bilanz aufnehmen, die schließlich und endlich doch wieder beim europäischen Steuerzahler landen würden. Während der Nutzen solcher Anleihekäufe unsicher bleibt, würden sie den eventuellen Ausstieg aus der expansiven Geldpolitik weiter erschweren. Wenn die Inflation dann wieder steigt, könnte die EZB zu Notverkäufen der Wertpapiere in einen fallenden Markt gezwungen werde. Diese würden nicht nur zu Bewertungsverlusten führen, sondern auch die Renditen noch weiter hoch treiben. Was sollte die EZB also tun? Sie sollte sich nicht genötigt sehen, ein Allheilmittel anzubieten gegen einen höchstwahrscheinlich vorübergehenden und außerdem notwendigen Rückgang der Inflation. Sie sollte weiterhin reichlich Liquidität zur Verfügung stellen, um Europas Banken zu unterstützen, die sich immer noch mit einem kaum funktionierenden Geldmarkt konfrontiert sehen. Aber während die stärkeren Banken das von der EZB ausgeliehene Geld bereits zurückzahlen, hängen die schwächeren immer noch vollständig am EZB-Tropf. Daher muss die EZB den Druck auf die Banken erhöhen, ihre Bilanzen zu bereinigen und nicht-wettbewerbsfähige und überschuldete Unternehmen nicht länger künstlich am Leben zu erhalten. Die bevorstehenden Bankenbilanzprüfungen und Stress Tests werden sicherlich einen Beitrag dazu leisten. Die EZB könnte diese Bilanzbereinigung beschleunigen, indem sie die mittelfristige Linie ihrer Geldpolitik klar vorgibt. In einem neuen Akt der Forward Guidance sollte sie ankündigen, dass die Zeiten der quasi unbegrenzten und kostenlosen Liquidität begrenzt sind. Eine solche Ankündigung würde helfen, die Geldmärkte wieder zu aktivieren und sie würde den Druck auf die Banken erhöhen, die notleidenden Unternehmenskredite abzuschreiben. Denn die Lektion, die wir aus dem japanischen verlorenen Jahrzehnt lernen sollte ist ja diese: die Notenbank darf nicht mittel- oder langfristig die Geldmärkte ersetzen und somit die Banken und Unternehmen von Niedrigstzinsen abhängig machen.

4 Seite 4 von 5 Die EZB sollte das ma QE nur wieder auf die Tagesordnung setzen falls die Finanzkrise wieder aufflammt oder die Märkte auf Bankenbilanzprüfung und Stresstests überreagieren. Aber vor dem Hintergrund der derzeitigen wirtschaftlichen Erholung, vermutlich bald wieder steigende Inflationsraten und der sehr hohen Risikobereitschaft der Finanzmärkte ist QE keine sinnvolle Option.

5 Seite 5 von 5 Die Einschätzungen stehen wie immer unter den nachfolgend angegebenen Vorbehalten. ÜBER DIE ALLIANZ GRUPPE Die Allianz ist zusammen mit ihren Kunden und Vertriebspartnern eine der stärksten Finanzgemeinschaften. Mehr als 83 Millionen von der Allianz versicherten Privat- und Unternehmenskunden setzen auf Wissen, globale Reichweite, Kapitalkraft und Solidität der Allianz, um finanzielle Chancen zu nutzen, Risiken zu vermeiden und sich abzusichern erwirtschafteten rund Mitarbeiter in über 70 Ländern einen Gesamtumsatz von 110,8 Milliarden Euro und erzielten ein operatives Ergebnis von 10,1 Milliarden Euro. Die Leistungen an Kunden summierten sich auf 93,9 Milliarden Euro. Dieser Geschäftserfolg mit Versicherungs-, Asset Management- und Assistance-Dienstleistungen fußt zunehmend auf dem Kundenbedarf nach krisenfesten Finanzlösungen für die alternde Gesellschaft und die Herausforderungen des Klimawandels. Transparenz und Integrität sind wesentliche Elemente einer nachhaltigen Unternehmensführung der Allianz SE. VORBEHALT BEI ZUKUNFTSAUSSAGEN Soweit wir in diesem Dokument Prognosen oder Erwartungen äußern oder die Zukunft betreffende Aussagen machen, können diese Aussagen mit bekannten und unbekannten Risiken und Ungewissheiten verbunden sein. Die tatsächlichen Ergebnisse und Entwicklungen können daher wesentlich von den geäußerten Erwartungen und Annahmen abweichen. Neben weiteren hier nicht aufgeführten Gründen können sich Abweichungen aufgrund von (i) Veränderungen der allgemeinen wirtschaftlichen Lage und der Wettbewerbssituation, vor allem in Allianz Kerngeschäftsfeldern und -märkten, (ii) Entwicklungen der Finanzmärkte (insbesondere Marktvolatilität, Liquidität und Kreditereignisse), (iii) dem Ausmaß oder der Häufigkeit von Versicherungsfällen (zum Beispiel durch Naturkatastrophen) und der Entwicklung der Schadenskosten, (iv) Sterblichkeits- und Krankheitsraten beziehungsweise -tendenzen, (v) Stornoraten, (vi) insbesondere im Bankbereich, der Ausfallrate von Kreditnehmern, (vii) Änderungen des Zinsniveaus, (viii) Wechselkursen, einschließlich des Euro/US Dollar-Wechselkurses, (ix) Gesetzes- und sonstigen Rechtsänderungen, insbesondere hinsichtlich steuerlicher Regelungen, (x) Akquisitionen, einschließlich anschließender Integrationsmaßnahmen, und Restrukturierungsmaßnahmen, sowie (xi) allgemeinen Wettbewerbsfaktoren ergeben. Terroranschläge und deren Folgen können die Wahrscheinlichkeit und das Ausmaß von Abweichungen erhöhen. KEINE PFLICHT ZUR AKTUALISIERUNG Die Gesellschaft übernimmt keine Verpflichtung, die in dieser Meldung enthaltenen Informationen und Zukunftsaussagen zu aktualisieren, soweit keine gesetzliche Veröffentlichungspflicht besteht.

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