Bibliotheken strategisch steuern

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1 Bibliotheken strategisch steuern Projekte, Konzepte, Perspektiven Herausgegeben von Andreas Mittrowann, Meinhard Motzko und Petra Hauke Mit einem Geleitwort von Gudrun Heute-Bluhm Oberbürgermeisterin der Stadt Lörrach Präsidentin des Deutschen Bibliotheksverbandes e.v. dbv 2011 BOCK + HERCHEN Verlag Bad Honnef

2 Anmerkung: Entsprechend der europäischen Grammatiktradition ist in dieser Veröffentlichung die Verwendung eines grammatischen Geschlechts (Genus) grundsätzlich nicht mit dem biologischen Geschlecht (Sexus) gleichzusetzen. So schließt z. B. das generische Masculinum Nutzer sowohl männliche als auch weibliche Personen ein. Aus stilistischen und ästhetischen Gründen wurde i. d. R. nach Rücksprache mit den Autoren auf eine konsequente Doppelnennung (Nutzer und Nutzerinnen bzw. NutzerInnen, Nutzer/innen) verzichtet. Die zitierten Internetquellen wurden zuletzt am aufgerufen. Diese Veröffentlichung unterliegt einer Creative Commons Licence: Die Beiträge sind frei zugänglich im Internet: ISBN BOCK + HERCHEN Verlag, Bad Honnef Printed in Germany

3 Inhalt Inhaltsverzeichnis... 3 Grußwort Wenn ich was zu sagen hätte... GUDRUN HEUTE-BLUHM... 7 Einleitung Oder: Wir haben doch das Internet!? PETRA HAUKE Strategische Bibliotheksarbeit wozu? Anmerkungen einer Kommunalpolitikerin JOHANNA RUMSCHÖTTEL Bibliothekskonzepte in Dänemark Ein vorsichtiger Blick von/nach außen NIS-EDWIN LIST-PETERSEN Herausforderungen für die Zukunftsrolle der Öffentlichen Bibliotheken ANDREAS MITTROWANN Inhalte einer Bibliothekskonzeption MEINHARD MOTZKO Konzeptionelle Bibliotheksentwicklung als Kerngeschäft einer Landesfachstelle Das Beispiel der Landesfachstelle für das öffentliche Bibliothekswesen in Bayern UTE PALMER-HORN Praxisbeispiele aus dem Projekt Bibliothekskonzeption Bayern: Stadtbücherei Traunstein Schwerpunkt: Mit Zielvorgaben und Konzepten überzeugen ANETTE HAGENAU, URSULA LAY Hessen: Stadtbibliothek Dietzenbach Schwerpunkt: Interkulturelle Bibliotheksarbeit BETTINA KUSE Nordrhein-Westfalen: Stadtbibliothek Emsdetten Schwerpunkt: Zielvereinbarungen STEPHAN SCHWERING, GEORG MOENIKES... 85

4 4 Inhalt Nordrhein-Westfalen: Stadtbibliothek Euskirchen Schwerpunkt: Synergieeffekte durch Zusammenarbeit auf Kreisebene BRUNHILDE WEBER, UWE FRIEDL Rheinland-Pfalz: Stadtbibliothek Pirmasens Schwerpunkt: Die Bibliothek als Aushängeschild der Stadt ULRIKE WEIL Rheinland-Pfalz: Stadtbibliothek Neustadt/Weinstraße Schwerpunkt: Konsequent Kinder und Jugendlich e im Fokus ULRIKE SCHWARTZ, MARC WEIGEL Thüringen: Ernst-Abbe-Bücherei Jena Schwerpunkt: Feste Verankerung in der Kultur- und Bildungslandschaft ANNETTE KASPER Sachsen: Stadtbibliothek Pirna Schwerpunkt: Die Bibliothek als Wirtschaftsunternehmen GABY LANGMANN Schleswig-Holstein: Stadtbücherei Kappeln Schwerpunkt: Ein Träger drei Finanzierer: Ein Büchereiprofil als Leitschnur und Imagevermittler SABINE HAASE-HENKEL Öffentliche Bibliotheken in kirchlicher und/oder kirchlich/kommunaler Trägerschaft Konzepte auch für Öffentliche Bibliotheken kirchlicher Träger! Fachstelle Kirchliches Büchereiwesen im Erzbistum Freiburg LOTHAR GANTER Übergreifendes Entwicklungskonzept für Öffentliche Bibliotheken in Stadt und Landkreis Bamberg aus Fachstellensicht Sankt Michaelsbund, Landesverband Bayern e.v. MICHAEL SANETRA Wissenschaftliche Bibliotheken Können Wissenschaftliche Bibliotheken strategisch gesteuert werden? Ausschlaggebend: Strategie und Management des Trägers RAFAEL BALL

5 Inhalt 5 Anhang Bibliotheken, die an Projekten zur Entwicklung von Bibliothekskonzeptionen teilgenommen haben Autoren und Herausgeber Weiterführende Informationen und Kontakte

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7 Wenn ich was zu sagen hätte... GUDRUN HEUTE-BLUHM Oberbürgermeisterin der Stadt Lörrach Präsidentin des Deutschen Bibliotheksverbandes e.v. dbv... würde ich als erstes fragen, wozu eine Bibliothek eine Konzeption braucht. Wenn wir vielleicht noch die Mittel für die Erarbeitung der Konzeption aufbringen, haben wir ganz sicher kein Geld für die Umsetzung einer kostspieligen Strategie. Hat der Bürger nicht mehr davon, wenn man die knappen Ressourcen für die Anschaffung neuer Medien oder die Verlängerung der Öffnungszeiten verwendet? So könnte die Frage eines virtuellen Stadtrats lauten. Gerade weil ich als Oberbürgermeisterin der Stadt Lörrach etwas zu sagen habe, kann ich nicht verleugnen, dass mir seit Übernahme der Aufgabe als Präsidentin des Deutschen Bibliotheksverbandes e.v. solche Zweifel nicht mehr selbstverständlich sind. Und aus diesem Grund unterstützte ich den Vorschlag unserer Lörracher Stadtbibliothek, einen Bibliotheksentwicklungsplan zu erstellen. Dieser wurde im Wintersemester 2009/2010 von Studenten des Masterstudiengangs Bibliotheks- und Informationsmanagement der Hochschule der Medien in Stuttgart erarbeitet. Die Kommunalpolitik gerade in Klein- und Mittelstädten ist es nicht gewohnt, Strategien zu entwerfen und konsequent zu verfolgen. Dies liegt wohl weniger an den Zyklen der Wahlperioden als vielmehr an der Neigung der Gemeinderäte, in Einzelfällen zu denken. Traditionell rekrutiert sich das kommunale Ehrenamt aus dem Kreis derjenigen, die für ihre Stadt einen

8 8 Gudrun Heute-Bluhm Beitrag leisten wollen, die sich als Vertreter der Bürger verstehen und die weniger durch eine konsequente politische Zielsetzung motiviert sind. So hat es sich gezeigt, dass die meisten Lokale-Agenda-Prozesse eher projekt- als zielorientiert ablaufen, wenn sie von Bürgergruppen gesteuert werden. Bei der Lokalen Agenda handelt es sich um ein zukunftsweisendes Handlungsprogramm, das zahlreiche Städte und Gemeinden mit ihren Bürgerinnen und Bürgern entwickelten und regelmäßig überarbeiten. Generell geht in Zeiten äußerster Haushaltsdisziplin der Trend eindeutig dahin, die knappen Mittel für das Tagesgeschäft einzusetzen und einen langfristigen Blick auf künftige Aufgaben als nicht finanzierbar anzusehen. Gefordert: Der langfristige Blick auf künftige Aufgaben In Lörrach haben wir vor mehr als zehn Jahren gemeinsam mit der Bürgerschaft das erste Leitbild für die Stadt entwickelt und seitdem kontinuierlich fortgeschrieben. Impulse aus diesem Leitbild führten dazu, dass wir zunächst die Zertifizierung mit dem Schweizer Label Energiestadt 1 verwirklichen konnten und inzwischen den European Energy Award 2 in Gold erreicht haben. Dieser Auszeichnung geht ein komplexes Verfahren voraus, in dessen Rahmen die Klimaschutzaktivitäten einer Kommune erfasst, bewertet, geplant, gesteuert und regelmäßig überprüft werden. Solche Erfolge sind nur möglich, weil wir unsere Energiepolitik permanent einem konsequent überwachten Strategieprozess unterwerfen. Warum also nicht für die Stadtbibliothek eine neue Konzeption entwickeln? Inzwischen müssen wir unseren Gemeinderat nicht mehr in jedem Einzelfall überzeugen. Die Stadträtinnen und Stadträte werden in die Entwicklung der großen Leitlinien ebenso einbezogen wie Bürgergruppen und die fachkundigen Mitglieder der Verwaltung. Es hat sich bewährt, wenn alle miteinander sich die Zeit nehmen, über die Zukunft nachzudenken. Ein sinnvolles Vorgehen berücksichtigt dabei immer, dass die Moderation aus der örtlichen Verwaltung heraus erfolgt. Die Partner vor Ort müssen gemeinsam über neue Ziele diskutieren und diese dann beschließen. Es darf nicht der Eindruck entstehen, ein externer Gutachter spreche Empfehlungen aus, und diese würden dann umgesetzt. Nach diesem Muster erarbeiteten die Masterstudenten unter der Leitung von Prof. Cornelia Vonhof den Bibliotheksentwicklungsplan für die Lörracher Stadtbibliothek gemeinsam mit dem örtlichen Bibliotheksteam und stellten 1 2

9 Wenn ich was zu sagen hätte... 9 anschließend die Ergebnisse im Kulturausschuss der Stadt Lörrach zur Diskussion. Von der Umfeld- und Zielgruppenanalyse über eine Untersuchung der Arbeitsprozesse bis hin zu praktischen Zukunftsperspektiven beleuchtet die Konzeption alle wichtigen Aspekte, um die Lörracher Stadtbibliothek auf veränderte gesellschaftliche Bedingungen vorzubereiten. Der Kulturausschuss begrüßte die vorgeschlagene Bibliothekskonzeption einmütig. Empfehlungen wie eine Personalstelle, die vor allem Schulkontakten gewidmet ist, wurden bereits realisiert. Andere wie ein Internetportal für Schulen stehen kurz vor der Umsetzung. Fünf Faktoren Fünf Faktoren trugen in Lörrach dazu bei und können sicherlich in anderen Städten dazu beitragen dass ein solcher strategischer Meinungsbildungsprozess aufgenommen wird: 1. Wir berichten regelmäßig über die Bibliothek und ihre Projekte. Es hat sich gezeigt, dass eine städtische Einrichtung, sei es die Bibliothek, die Wirtschaftsförderung oder die Wohnungsbaugesellschaft, umso besser bedacht wird, je häufiger sie sich im Gemeinderat mit ihren Aufgaben vorstellt. Hier gilt die alte Einsicht: Man liebt nur, was man kennt. 2. Die Bibliothek muss selbst zu einer ehrlichen Bestandsaufnahme bereit sein. Unsere Ausschussmitglieder waren besonders angetan von der Offenheit der Stadtbibliothek, ihre Problemfelder zu benennen. Als Mittel einer transparenten und über einige Jahre ablesbaren Leistungsübersicht eignet sich der Bibliotheksvergleich BIX (Bibliotheksindex). 3 Mit diesem Instrument können sich Bibliotheken nicht nur messen und voneinander lernen. Sie können anhand der Ergebnislinien auch auf Defizite aufmerksam machen, auf andere erfolgreiche Kommunen verweisen und konkrete Unterschiede aufzeigen. Insoweit lässt sich der BIX auch als Lobby-Instrument einsetzen. 3. Der Einstieg in den Strategieprozess sollte zunächst kostengünstig sein. Studentische Projekte sind daher besonders geeignet. Daneben hat sich bei uns wie schon erwähnt gezeigt, dass die aktive Mitarbeit der Verwaltung in den 3

10 10 Gudrun Heute-Bluhm Bereichen Moderation und Prozesssteuerung oft besser ankommt als die Besetzung dieser Aufgaben mit Externen. 4. Die Bibliotheksstrategie sollte sich in die allgemeinen Leitziele der Stadt einfügen und sich an den Schwerpunkten orientieren, die der Gemeinderat für seine Arbeit festgelegt hat. Besonders leicht und einladend ist es natürlich, wenn der Gemeinderat wie bei uns einmütig den Bereich Bildung zum Schwerpunktthema der Stadtpolitik erklärt hat. So ist in Lörrach eine Bildungspartnerschaft mit den Schulen ein großes, aber durchaus erreichbares Ziel. Eine Bibliotheksstrategie sollte also durchaus kühn in die Zukunft zeigen, dabei aber gleichzeitig das in der jeweiligen Kommune finanziell Machbare im Auge haben. 5. Die Bibliothek muss sich starke Partner suchen. Wir haben seit zehn Jahren einen äußerst aktiven Freundeskreis. Den Mitgliedern geht es weniger um die aktive Mitarbeit in der täglichen Bibliotheksarbeit. Sie organisieren Veranstaltungen und Benefizaktivitäten. Zudem wirkt der Freundeskreis in den Gemeinderat hinein als bürgerschaftliche Lobby. So setzte die Vorsitzende des Freundeskreises seinerzeit die Verlängerung der Öffnungszeiten gegen den aus finanziellen Erwägungen heraus kleinmütigen Vorschlag der Verwaltung durch. Fazit Zurück zur Bibliothekskonzeption: Einmal verabschiedet, darf diese nicht in einer Schublade verschwinden. Sie muss jährlich fortgeschrieben und überprüft werden. Die einzelnen Vorhaben der Folgejahre sollten ausdrücklich aus der Konzeption entwickelt und ihm Hinblick darauf begründet werden. Ferner ist das Feedback der Nutzer aktiv einzubeziehen. Gerade Bibliotheken, die unter den Kultureinrichtungen die höchsten Besucherzahlen aufweisen, haben viele Möglichkeiten, auf das Wissen und die Meinungen ihrer Nutzer zuzugreifen. Ob direkte Befragungen, Feedback-Boxen oder Wunschkarten die Bibliotheksnutzer sind nach unseren Erfahrungen gern bereit, mit ihren Vorschlägen an der Weiterentwicklung mitzuwirken. Auch die zuständigen Beschlussgremien des Gemeinderates müssen regelmäßig in die Arbeit der Bibliothek eingebunden werden, um die weitere Umsetzung zu ermöglichen. Ein Strategieprozess ist, wenn man ihn einmal begonnen hat, nie wirklich zu Ende. Er hat nur Erfolg, wenn er auch in den Folgejahren gelebt und vermittelt wird. Er muss ein gemeinsames Projekt von Bibliothek, Gemeinderat, Bürgerschaft und Stadtoberhaupt werden. Dann hat er eine Chance.

11 Einleitung oder: Wir haben doch das Internet!? Warum eigentlich? Wir haben doch das Internet und googeln uns alle Informationen zusammen, die wir brauchen. Unseren Kindern kaufen wir die Bücher, und außerdem spielen die Kids sowieso am liebsten am Computer. 1 Ja: Warum eigentlich noch Bibliotheken? So fragt sich wohl auch mancher Stadt- oder Gemeindeobere, wenn er sich seinen schmalen Stadtsäckel besieht und überlegt, wo die Prioritäten zu setzen sind und wo eingespart werden könnte. Spätestens dann gilt es für Bibliotheken, mit einer überzeugenden Strategie aufzutreten und mit einer fundierten Bibliothekskonzeption ihrem jeweiligen Träger deutlich zu machen, dass die in manchen Köpfen noch immer herumspukende Leihbücherei der 1950/60er Jahre längst der Vergangenheit angehört und was und wieviel die Öffentliche Bibliothek von heute tatsächlich für die Stadt, die Gemeinde, die Kommune leistet, welches ihre Zielgruppen sind, wo die Schwerpunkte ihrer Arbeit liegen. Aber nicht nur nach außen wirkt eine strategische Bibliothekskonzeption auch für die eigene Arbeit, für eine fruchtbare Arbeit im Team, für ein überzeugendes Auftreten gegenüber Sponsoren und Freundeskreisen, für die Identifikation der Bibliotheksnutzer mit ihrer Bibliothek ist es wichtig, dass die Bibliothek ein Gesicht, ein Profil zeigt, dass sie ihre natürlich immer viel zu begrenzten Ressourcen bündelt und gezielt einsetzt, ggf. auch unter Verzicht darauf, alle und jeden bedienen und zufriedenstellen zu wollen. Zum Thema Strategische Bibliotheksplanung führt die ekz gemeinsam mit dem Trainer Meinhard Motzko und in Kooperation mit den jeweiligen Landesfachstellen seit einigen Jahren das Projekt Bibliothekskonzeptionen in mehreren Bundesländern durch. Ziel ist es, gemeinsam mit Bibliotheken einen Masterplan für die weitere, lokale Entwicklung zu erstellen. 220 Bibliotheken haben bisher an diesem Projekt teilgenommen. Daraus erwuchs der Wunsch eines Buchprojektes, um die gemachten Erfahrungen an andere Bibliotheken weitergeben zu können. Mit der vorliegenden Publikation soll diesem Wunsch entsprochen werden gute Gründe für Bibliotheken. Hrsg. von der BID Bibliothek & Information Deutschland. Berlin /file/2_21 GUTE GRUENDE_endg_ pdf.

12 12 Petra Hauke Die Herausgeber freuen sich sehr, dass sie mit Gudrun Heute-Bluhm, der Oberbürgermeisterin der Stadt Lörrach und Präsidentin des Deutschen Bibliotheksverbandes eine nicht nur herausragende, sondern auch erfahrene Fürsprecherin für das Geleitwort gewinnen konnten. ( Wenn ich was zu sagen hätte... ). Aber auch die Anmerkungen der auch als Bibliothekarin erfahrenen Kommunalpolitikerin Johanna Rumschöttel Strategische Bibliotheksarbeit wozu? enthalten viele wertvolle Argumente, mit der ggf. die eigenen Kommunalpolitiker überzeugt werden können, ein Seminar zur Bibliotheksstrategie zu befürworten. Aus dem bibliothekarischen Vorzeigeland Dänemark auf dessen im Jahre 1920 erlassenes und zuletzt im Jahre 2000 novelliertes Bibliotheksgesetz wir neidvoll blicken, während in Deutschland die allgemeine Literaturversorgung noch immer zu den sogenannten freiwilligen Aufgaben der Kommunen gehört verrät uns Nils-Edwin List-Petersen eines der Geheimnisse der erfolgreichen dänischen Bibliotheksarbeit: Der Kunde ist König und wird in die Analyse von Bedarf und Zielorientierung einbezogen, Benchmarking ist die Regel, und zusätzliche staatliche Förderungen sind an Zielvereinbarungsverträge gebunden. Andreas Mittrowann sieht große Herausforderungen für die Zukunftsrolle der Öffentlichen Bibliotheken und plädiert einerseits für Veränderungen als Motor für den notwendigen Wandel in Bibliotheken, andererseits muss eine formulierte Bibliothekskonzeption mit Geduld und Kontinuität zu den verschiedenen Zielgruppen im Umfeld der Bibliothek transportiert werden. Meinhard Motzko stellt in seinem Beitrag die Inhalte einer Bibliothekskonzeption zusammen und berichtet von seinen Erfahrungen bei der Umsetzung solcher Konzepte. Ganz lapidar stellt er fest: Und jetzt können Ressourcenforderungen zum ersten Mal mit Leistungsversprechen verbunden werden.... Das überzeugt nämlich und wird oft auch honoriert: Wer klarmachen kann, was beim Ressourceneinsatz herauskommt, der bekommt diese Ressourcen auch eher. Am Beispiel der Landesfachstelle für das öffentliche Bibliothekswesen in Bayern unterstreicht Ute Palmer, dass die Konzeptionelle Bibliotheksentwicklung als Kerngeschäft einer Landesfachstelle zu sehen ist und dass sie in diesem Kontext mit Beratung, Bereitstellung statistischer Angaben, Vermittlung von Kontakten und auch Gesprächen mit den Entscheidungsträgern behilflich sein kann. Es folgen Praxisbeispiele aus dem Projekt Bibliothekskonzeptionen aus den Ländern Bayern, Hessen, Nordrhein-Westfalen, Rheinland-Pfalz, Thüringen, Sachsen und Schleswig-Holstein. Die Berichte aus den einzelnen Öffentlichen Bibliotheken verfolgen unterschiedliche Schwerpunkte wie

13 Einleitung oder: Wir haben doch das Internet!? 13 Interkulturelle Bibliotheksarbeit (Stadtbibliothek Dietzenbach), Zielvereinbarungen (Stadtbibliothek Emsdetten), Bibliothek als Aushängeschild der Stadt (Stadtbibliothek Pirmasens), Die Bibliothek als Wirtschaftsunternehmen (Stadtbibliothek Pirna) etc., z. T. kommentiert von einem Kulturdezernenten (Marc Weigel, Neustadt a. d. Weinstraße:... die Aufbruchstimmung, die ein solches Konzept auslöst... ), einer Kulturreferentin (Ursula Lay, Traunstein, Besonders gut gefallen hat mir... ) oder eines Bürgermeisters (Uwe Friedl, Euskirchen, Die Bibliotheken fungieren in ihrer Kommune als Problemlöser für bildungsferne Schichten ). Doch auch Öffentliche Bibliotheken in kirchlicher oder kirchlich/kommunaler Trägerschaft gleich welcher Größe, Trägerschaft, ob mit hauptamtlicher oder neben/-ehrenamtlicher Leitung brauchen klar kommunizierbare Konzepte und Strategien immerhin sind, betont Lothar Ganter, Leiter der Fachstelle Kirchliches Büchereiwesen im Erzbistum Freiburg, zwei Drittel der Öffentlichen Büchereien in Deutschland mit neben- oder ehrenamtlicher Leitung... in der Trägerschaft der evangelischen und katholischen Kirche. Mit hohem bürgerschaftlichem Engagement tragen diese Einrichtungen zur allgemeinen Literaturversorgung bei. Der Autor empfiehlt, bei sog. gemischter Trägerschaft (zum Beispiel zwischen zwei kirchlichen Trägern oder zwischen kommunalem und kirchlichem Träger) einen paritätisch besetzten Beirat der beiden Partner einzurichten, in dem nicht nur die Finanzen, sondern auch die Interessen der Träger diskutiert und als Vorgabe für die Büchereien formuliert werden. Unter der Federführung des Sankt Michaelsbundes ist in Stadt und Landkreis Bamberg ein trägerübergreifendes Bibliothekskonzept erarbeitet worden, das vorhandene bibliothekarische Ressourcen nutzt und die Errichtung neuer Büchereien forciert, wobei die Schwerpunkte bei der Leseförderung und der Zusammenarbeit mit Schulen liegen. In Bezug auf die künftige Planung stellt Michael Sanetra jedoch auch kritische Fragen zur Debatte: Wie können oder wollen die Büchereien mit dem gegenwärtigen Kundenschwerpunkt Kinder auf die Herausforderungen des demografischen Wandels reagieren? Oder auch: Müssen die kleinen Büchereien fit für Web 2.0 und die Teilhabe an den social media gemacht werden? Last but not least stellt sich Rafael Ball der Frage Können Wissenschaftliche Bibliotheken strategisch gesteuert werden? Schließlich unterscheiden sie sich prinzipiell und unter organisatorischen Aspekten nicht von Öffentlichen Bibliotheken. Und: Eine Organisation strategisch zu steuern bedeutet ja nichts anderes, als ein Management nach objektiv messbaren Zielen zu organisieren und umzusetzen. Insofern lässt sich jede Wissenschaftliche Bibliothek prinzipiell strategisch steuern.... Die entscheidende Frage allerdings ist die Art der Steuerung der jeweiligen Trägereinrichtung. Handelt es sich dabei jedoch

14 14 Petra Hauke um eine Behörden-Universität, so funktioniert sie nach kameralistischem Prinzip wesentlicher Maßstab ist die Einhaltung von Regeln und Vorschriften. Fragen nach Effektivität und Effizienz, nach Service, Quality- Level oder einem return on investment werden hier nicht gestellt und Antworten darauf vergeblich gesucht. Unternehmensorientierte Universitäten dagegen, wie z. B. die an Zahl zunehmenden Privatuniversitäten, folgen einer anderen Führungsphilosophie und werden über definierte strategische Ziele gesteuert und mit ihnen die ihnen zugehörigen Wissenschaftlichen Bibliotheken. Ball fordert von den einschlägigen Ausbildungs- und Studieneinrichtungen umfassend und professionell betriebswirtschaftliches und unternehmensorientiertes Denken und setzt für die Zukunft auf junge Bibliothekare mit einem offenen Verständnis für output-orientiertes Denken und mit ausgeprägter Nutzerorientierung. Den Beiträgen folgt eine Zusammenstellung der Bibliotheken, die in den Jahren seit 2001 an den Projekten zur Entwicklung von Bibliothekskonzeptionen teilgenommen haben eine stattliche Liste, die allerdings in Anbetracht einer Zahl von 1964 hauptamtlich geleiteten Öffentlichen Bibliotheken in der Bundesrepublik Deutschland 2 (denen noch die große Zahl von ehren- bzw. nebenamtlich geführten Bibliotheken hinzuzudenken ist) in Zukunft noch stark ausbaufähig sein dürfte. Für weiterführende Informationen und Kontakte sind am Schluss des Bandes Bezugsadressen für auf CD erhältliche Dokumentationen von Konzepten und Ansprechpartner für weitere Projekte genannt. Das Buch wendet sich an alle Bibliothekare, die zwar auch nicht konzeptionslos arbeiten, allerdings haben nur die wenigsten ihre konzeptionellen Grundlagen formuliert bzw. als Auftragsgrundlage vom Träger beschließen lassen. (M. Motzko) Das Buch wendet sich an die Träger von Öffentlichen, aber auch von Wissenschaftlichen Bibliotheken und von Bibliotheken in kirchlicher und/oder kirchlich/kommunaler Trägerschaft. Sie alle mögen daraus Anregungen schöpfen, die Notwendigkeit und den Vorteil deutlich formulierter Strategiekonzepte erkennen und daraus Gewinn ziehen. Petra Hauke Juni Jahrbuch der Öffentlichen Bibliotheken, Ausg. 2010/11. Bad Honnef, 2010.

15 Strategische Bibliotheksarbeit wozu? Anmerkungen einer Kommunalpolitikerin VON JOHANNA RUMSCHÖTTEL Das Bild der Bibliothek als Verleihstation von Büchern ist noch weit verbreitet. Bibliotheken übernehmen aber längst wichtige gesellschaftliche und soziale Funktionen und verfügen über große Potentiale, um bei der Problemlösung kommunalpolitischer Fragen einen wertvollen Beitrag zu leisten. Es ist überlebenswichtige Aufgabe der Bibliotheken, mit strategischen Bibliothekskonzepten auf sich aufmerksam zu machen und sich als unentbehrlichen Dienstleister im Rahmen der Kommunalpolitik zu positionieren. Überall dort, wo es Bibliotheken gibt, werden diese in aller Regel als selbstverständlicher Teil der kulturellen Daseins- und Zukunftsvorsorge verstanden. Man muss über sie nicht viel reden oder nachdenken. Sie gehören ganz einfach dazu. Aber ist es bei einer Bibliothek nicht wie bei der Gesundheit des Menschen? Was man an ihr hat, bemerkt man meist erst dann, wenn sie plötzlich nicht mehr da ist, oder wenn scheinbar überraschend als selbstverständlich angesehene Funktionen ausfallen. Jetzt erst wird klar, dass man viel früher etwas hätte tun müssen. Bibliotheken sind nicht nur Einrichtungen der Zukunftsvorsorge, sie bedürfen selbst der permanenten Pflege, um zukunftsfähig bleiben zu können. Strategische Bibliotheksarbeit heißt, rechtzeitig die richtigen Weichen zu stellen. Nur was sich ändert, hat Bestand. Natürlich sind Bibliotheken nicht der Dreh- und Angelpunkt der modernen Gesellschaft, sie sind keine Heilsbringer oder umfassenden Problemlöser. Aber sie übernehmen wichtige, ja unverzichtbare Funktionen in unseren Gemeinwesen ein Potential, das von den politischen Verantwortungsträgern oft verkannt, zumindest jedoch zu wenig genutzt wird. Es ist daher auch nicht verwunderlich, dass die Bibliotheken in Deutschland bis heute zwar im Rahmen der kommunalen Kulturförderung mit verfassungsrechtlichem Auftrag, jedoch größtenteils ohne verbindliche gesetzliche Rechtsgrundlage arbeiten. Selbst in den Ländern Thüringen, Sachsen-Anhalt und Hessen, in denen es mittlerweile Bibliotheksgesetze gibt, werden Bibliotheken bestenfalls als Bildungseinrichtungen festgeschrieben. Ein wichtiger Schritt in die richtige Richtung, dennoch fehlt den Bibliotheken auch hier noch immer der Status einer kommunalen Pflichtaufgabe. Der Abhängigkeit von der

16 16 Johanna Rumschöttel Leistungsfähigkeit der Sitzkommunen bzw. der Prioritätensetzung amtierender Kommunalpolitiker ist damit kein Einhalt geboten. Die Fachverbände dürfen also nicht müde werden, auf die Bedeutung, die Unverzichtbarkeit der Bibliotheken hinzuweisen und zugleich auf eine gesicherte gesetzliche Verankerung zu drängen. Doch sie bedürfen hierzu der Unterstützung der Kommunalpolitik, sie brauchen die Unterstützung der Basis: der Bibliotheken. Nur wenn es den Bibliotheken gelingt, die kommunalen Entscheidungsträger von der Wichtigkeit der Einrichtung Bibliothek zu überzeugen, haben sie eine Chance auf breite Unterstützung durch die Politik. Je stärker sie jedoch von Sparmaßnahmen betroffen sind, desto schwieriger wird es für die Bibliotheken, ihre Aufgaben auch adäquat auszufüllen und ihre Bedeutung in den Vordergrund zu stellen. 1 Die Bibliotheken müssen sich also mit ihrer Überzeugungsarbeit beeilen. Dies gelingt am besten durch Profilbildung, durch strategische, mit der Kommunalpolitik abzustimmende Bibliothekskonzepte. Die Bibliotheken müssen den Entscheidungsträgern beweisen, dass sie eine wichtige Stütze bei der Lösung kommunaler Probleme sind, dass sie wertvolle Dienstleister für Kommunalpolitik und Gesellschaft sind. Im Folgenden sollen exemplarisch drei mögliche Problem- und Handlungsfelder dargestellt werden. Themenfeld Bildung Die Assoziation von Bildung und Bibliothek ist naheliegend. Dass Bibliotheken aber weitaus mehr zu bieten haben, als Literatur zur Verfügung zu stellen, ist dem Kommunalpolitiker oft nicht bewusst. Nicht umsonst wird in der Fachwelt auch mit Nachdruck betont, dass die Festschreibung der Bibliothek als Bildungseinrichtung in den bisher verabschiedeten Bibliotheksgesetzen der maßgebliche Fortschritt ist. Lesefähigkeit und die Fähigkeit, das Gelesene auch zu verstehen, sind die Grundvoraussetzungen für den Erwerb von Bildung, für schulischen und beruflichen Erfolg. Was die Lesefähigkeit von Kindern im Grundschulalter und auch darüber hinaus angeht, so ist unsere Gesellschaft äußerst heterogen auf- 1 Laut einer Umfrage des Deutschen Bibliotheksverbandes waren 2010 fast 59 % aller befragten kommunalen Bibliotheken von Haushaltskonsolidierungsmaßnahmen betroffen. 10 % haben darüber hinaus bereits dauerhaft Personalkapazitäten eingebüßt, für ein Viertel aller Bibliotheken galt eine Wiederbesetzungssperre. Siehe Deutscher Bibliotheksverband e. V. (2010): Ergebnis der dbv-befragung zur Finanzlage der Öffentlichen Bibliotheken in Deutschland.

17 Strategische Bibliotheksarbeit wozu? 17 gestellt. Kinder aus Familien, in denen wenig gelesen wird oder deren Eltern diese Fähigkeit selbst nicht oder nur in geringem Maße besitzen, tun sich wesentlich schwerer in der Schule als Kinder, bei denen Lesen zum Alltag gehört, die noch dazu gerne lesen. Das belegt auch eine Studie der Stiftung Lesen aus dem Jahr Bibliotheken übernehmen hier wichtige Funktionen. Sie verfügen über das Handwerkszeug, Kinder schon früh für das Lesen zu begeistern. Erzieher und Lehrer haben oft nicht die Zeit, diese Rolle zu übernehmen. Aber nicht nur die Fähigkeit zu lesen ist ein Schlüssel zum Erfolg, Medienkompetenz bzw. das Wissen über Strategien zum Informationserwerb sind nicht weniger bedeutsam. Keine Frage: Das Internet hat die Verfügbarkeit von Informationen nicht nur nahezu ins Unendliche potenziert, sondern auch erleichtert. Doch längst nicht jeder verfügt heute über einen eigenen Zugang zum World Wide Web 3 und schon gar nicht über die Fähigkeit, zielgerichtet zu recherchieren und brauchbare Informationen von unbrauchbaren zu unterscheiden. Bibliotheken haben diese Kompetenz. Bibliothekare verfügen darüber hinaus auch über das Wissen um Lizenzen und Urheberrechte. Bereits lange vor der Causa zu Guttenberg wurde in der Fachwelt über die Rolle der (Wissenschaftlichen) Bibliotheken bei der Identifizierung von Plagiaten in wissenschaftlichen Veröffentlichungen diskutiert. Von der Kompetenz der Bibliotheken wird vom Hochschulbetrieb hier noch viel zu wenig Gebrauch gemacht. Dies könnte sich jetzt ändern. Doch zurück zu den Öffentlichen Bibliotheken. Bislang war nur von der für einen Kommunalpolitiker eher schwer fassbaren Rolle der Bibliotheken als Vermittler von Lese- und Medienkompetenz die Rede. Konkreter lässt sich der Nutzen der Bibliothek zum Beispiel im Zusammenhang mit dem Ganztagsschulbetrieb darstellen, der die Sachaufwandsträger vor große finanzielle Herausforderungen stellt. Das von den Ministerien zur Verfügung gestellte Personal reicht zur Abdeckung aller Betreuungsstunden längst nicht aus, die Kommunen gehen daher Kooperationen mit Volkshochschulen, Musikschulen, Jugendringen oder Sportvereinen ein. Warum aber denkt kaum jemand an die Bibliotheken? Als kommunale Einrichtungen könnten sie hier eine wesentlich größere Rolle spielen. Es ist also an den Bibliotheken, sich ins Gespräch zu bringen. 2 Hildebrandt, L. (2010). Bildungspartner Bibliothek. Startvorteile für lesefreudige Schüler. BuB, Forum Bibliothek und Information 62 (1), S Laut dem von der D21 herausgegebenen (N)ONLINER Atlas 2010 sind 24,2 % der Deutschen ab 14 Jahre sogenannte Offliner. Siehe: D21 (2010). (N)ONLINER Atlas 2010, S. 10.

18 18 Johanna Rumschöttel Auch die Kooperation mit Schulbibliotheken, die häufig immer noch ein Stiefkind des Schulbetriebes sind, ist ein wertvolles Handlungsfeld, das aber glücklicherweise schon in den Köpfen der bayerischen Landespolitik angekommen ist. Sichtbarer Ausdruck dafür ist das Gütesiegel Bibliotheken Partner der Schulen 4, das das Bayerische Staatsministerium für Unterricht und Kultus gemeinsam mit dem Staatsministerium für Wissenschaft, Forschung und Kunst seit 2006 an Öffentliche und Wissenschaftliche Bibliotheken vergibt. Themenfeld Soziales Mehr als 200 Millionen Besuche jährlich zählen Deutschlands Bibliotheken. Das sind mehr als alle Museen, Theater, Konzertsäle oder Kinos, sogar mehr als die Fußballbundesliga Zuschauer hat. 5 Dieser Tatsache sind sich nur wenige Kommunalpolitiker bewusst, obwohl die Bibliothek Teil ihrer Verwaltung ist. In vielen Köpfen herrscht auch heute noch das überkommene Bild der Bibliothek als Verleihstation von Büchern vor. Das ist nicht nur bedenklich für die Einrichtung Bibliothek, sondern sollte die Alarmglocken läuten lassen. Man denke nur an die tatsächlich reinen Verleihstationen von Videos, an die Videotheken in den 1980er Jahren sie sind heute fast von der Bildfläche verschwunden. Es sind aber nur die Bibliotheken selbst, die dem entgegenwirken können, die ihre Kompetenz und den Mehrwert der Einrichtung gegenüber der Verleihstation von Medien vermitteln können. Marketing und Imagepflege beim eigenen Arbeitgeber? Das mutet vielleicht seltsam an, ist aber heute nahezu unerlässlich. Bibliotheken übernehmen zahlreiche gesellschaftliche, soziale Funktionen. Ihre Bedeutung als öffentlicher Ort, als Treffpunkt, Freizeit- oder auch Lernort, an dem nicht konsumiert werden muss 6, nimmt auch vor dem Hintergrund steigender Armut immer weiter zu. Bücher zu kaufen, ist für viele alles andere als selbstverständlich, auch hat längst nicht jeder einen eigenen Internetzugang. Das gilt für Kinder, Jugendliche und Erwachsene im erwerbsfähigen Alter, das gilt aber auch für die immer größer werdende Zahl an Senioren. Im Zuge des rasant fortschreitenden demographischen Wandels für den Land Deutscher Bibliotheksverband e. V. (dbv) (2010). Bericht zur Lage der Bibliotheken 2010, S. /DBV/publikationen/Bericht_zur_Lage_der_Bibliotheken_2010.pdf. 6 Ebd., S. 4.

19 Strategische Bibliotheksarbeit wozu? 19 kreis München etwa prognostiziert man im Jahr 2029 einen Anstieg der über 60jährigen um beinahe 44 Prozent, der über 80jährigen sogar um 128 Prozent gilt es auch für die Bibliotheken, ihr Angebot für ältere und alte Menschen zu überprüfen und in Abstimmung mit der Kommunalpolitik weiter auszubauen. Die Teilhabe an der Gesellschaft ist in diesem Zusammenhang ein wichtiges Aufgabenfeld der kommunalen Seniorenpolitik. Ohne starke Partner wird sie jedoch einer zunehmenden Vereinsamung kaum effektiv entgegenwirken können eine Chance für die Bibliothek als Dienstleister der Kommune. Gesellschaftliche Teilhabe ist aber nicht nur ein Handlungsfeld in der Seniorenpolitik, es ist ganz besonders auch eine Aufgabe der Integrationspolitik. Nach Erhebungen der Stiftung Lesen machen Menschen mit Migrationshintergrund deutschlandweit gut 20 Prozent der Bibliotheksnutzer aus. Beachtenswert ist dabei insbesondere, dass in dieser Gruppe das Durchschnittsalter mit 27,2 Jahren deutlich unter dem der Bibliothekskunden ohne Migrationshintergrund mit 42,3 Jahren liegt. 7 Hier zeigen die Bemühungen der Bibliotheken also Wirkung, die Zahlen führen aber auch vor Augen, dass auf diesem Gebiet noch großes Handlungspotential vorhanden ist. Das Vorhalten von Medien zum Erlernen der deutschen Sprache, von fremd- und zweisprachigen Medien können dabei nur Teile eines Konzeptes sein. Niederschwellige Angebote auf verschiedenen Ebenen erleichtern zum Beispiel den Erstkontakt zur Bibliothek, das gilt jedoch für bildungsferne Bürgerinnen und Bürger mit und ohne Migrationshintergrund gleichermaßen Der Bildungsarmut kann man hier ebenso entgegensteuern wie mangelnden sozialen Kontakten. Die Bedeutung von Bibliotheken als Kultur- und Freizeitorte, als weiche Standortfaktoren in diesem Sinne, wird von der Kommunalpolitik am ehesten erkannt. Weitaus seltener dagegen werden Bibliotheken in einem wirtschaftlichen Kontext gesehen. Themenfeld Wirtschaft Bibliotheken sind nicht zu unterschätzende Frequenzbringer für den Einzelhandel und die Belebung der Innenstädte und Ortszentren. Nicht selten verbinden Bibliothekskunden den Bibliotheksbesuch mit einem Einkauf. Nach einer Befragung aus dem Jahr 2005 war das in Baden-Württemberg sogar bei jedem zweiten Nutzer der Fall. 8 Umso wichtiger ist es, dass Bibliotheken in zentraler Lage situiert sind. Veranstaltungskooperationen mit dem örtlichen Buchhan- 7 Ebd., S Siehe u. a. Blim, J. (2005). Der Besucher Das unbekannte Wesen. Gutes Zeugnis für Baden-Württembergs Bibliotheken.

20 20 Johanna Rumschöttel del, mit der Gastronomie oder mit Spezialitätenläden können für diese darüber hinaus ein Instrument zur Kundenbindung sein. In jedem Fall heben Bibliotheken die Attraktivität der Stadt- und Ortszentren, nicht nur durch ihr Angebot, oft auch durch ihre architektonische Gestaltung. In Bibliotheken zu investieren, heißt damit auch, den örtlichen Einzelhandel zu fördern. Doch sieht es mit Investitionen in die deutschen Bibliotheken vergleichsweise düster aus. Während in Finnland im Jahr ,55 Euro und in den USA umgerechnet rund 27 Euro pro Kopf für Bibliotheken ausgegeben wurden, so waren es in Deutschland gerade einmal 8,21 Euro. 9 Dieser Vergleich sagt viel darüber aus, welcher Stellenwert den Bibliotheken in Deutschland beigemessen wird. Darauf zu warten, dass die Politik das (Dienstleistungs-)Potential der Bibliotheken selbst erkennt, hieße an ein Wunder zu glauben. Es ist also an den Bibliotheken, der Politik das Angebot zu machen. Dies funktioniert jedoch nicht, wenn man nur im Stillen gute Arbeit leistet. Erfolg versprechend ist nur offensive Eigenwerbung, und diese muss auf fundierter Profilbildung beruhen. Die Erarbeitung strategischer Bibliothekskonzepte muss demnach ganz oben auf der Tageordnung der Bibliotheken stehen. Dabei gilt es, auch (volks-) wirtschaftliche Betrachtungen anzustellen und der Kommunalpolitik die Angst zu nehmen, dass die Inanspruchnahme des Dienstleisters Bibliothek zu einer horrenden Kostensteigerung führt. Dafür muss dem Bibliothekar das nötige Werkzeug an die Hand gegeben werden. In der Ausbildung muss daher auch verstärkt auf solche Aspekte wert gelegt werden. Nur so kann das Überleben des Berufsstandes, das Überleben der Bibliotheken gesichert werden. Schließlich noch ein Hinweis auf die Bedeutung von Kooperationen nicht nur mit anderen Bildungseinrichtungen, sondern auch mit anderen Bibliotheken zur Bestandserweiterung, zur Bestandsergänzung, zur Angebotsvernetzung. Um mit den Worten von Joseph Beuys zu sprechen: Die Zukunft, die wir wollen, muss erfunden werden, sonst bekommen wir eine, die wir nicht wollen. Auch für die Bibliotheken heißt es daher, strategisch zu denken und lokal zu handeln. 9 Deutscher Bibliotheksverband e.v. (dbv) (2010): Bericht zur Lage der Bibliotheken 2010 (S. 4), /DBV/publikationen/Bericht_zur_Lage_der_Bibliotheken_2010.pdf.

21 Bibliothekskonzepte in Dänemark Ein vorsichtiger Blick von/nach außen NIS-EDWIN LIST-PETERSEN Dänemark gilt auf dem Gebiet der Öffentlichen Bibliotheken als Vorzeigeland. Der Blick von hier auf die deutsche Bibliothekslandschaft bietet Einsichten in Unterschiede, Möglichkeiten und Strategien, wobei bezüglich der Voraussetzungen der fundamentale Unterschied im Spannungsfeld zwischen freiwilliger Leistung und Pflichtaufgabe zu suchen ist. Empfehlungen für eine zukunftsorientierte Bibliotheksarbeit in Dänemark hat im Jahre 2010 die sog. Carina-Kommission vorgelegt. Einleitung Für viele Kollegen in Deutschland sind die skandinavischen Länder, und hier insbesondere Dänemark, Vorzeigeländer oder gar der bibliothekarische Garten Eden. Nun wird hier im Norden auch nur mit Wasser gekocht, doch die Voraussetzungen für die Arbeit von Bibliotheken unterscheiden sich fundamental von denen in der Bundesrepublik Deutschland und sind daher auch nur schwer zu vergleichen will heißen: die Dänen spielen aus diesem Grunde in einer anderen Liga. Es ist insofern eigentlich unfair, die Situation in Deutschland mit der dänischen zu vergleichen, und lässt man sich dazu hinreißen, wird einem von interessierter Seite häufig das Totschlag-Argument entgegengehalten: Ihr könnt das ja leicht, weil in Eurem Staat nur 5,5 Mio. Einwohner leben. Wenn ich dennoch der Bitte um einen Blick von außen auf die Situation in der Bundesrepublik entspreche, geschieht dieses, weil ich hoffe, damit den deutschen Kollegen ein wenig Rückenwind geben zu können: Rückenwind bei dem Versuch, auch in ihrem Land eine Strategie zu ermöglichen, Bibliotheken zu dem zu entwickeln, was sie in meinem Land sind: Kulturvermittlungs-, Beratungs-, Versammlungs- und Kommunikationsstätten, die von der großen Mehrheit der Bevölkerung als unverzichtbarer Teil ihres Alltags gesehen und genutzt werden.

22 22 Nis-Edwin List-Petersen Faktencheck Einige Fakten zu den Öffentlichen Bibliotheken: Der Etat der dänischen Kommunen für das Öffentliche Bibliothekswesen beträgt im Durchschnitt 57 Euro pro Einwohner und Jahr. 64 % aller Dänen nutzen ihre Öffentliche Bibliothek mindestens einmal im Jahr, 29 % benutzen sie monatlich oder häufiger. Die Zahl der entliehenen Medien liegt im Durchschnitt bei 13,6 Medien pro Einwohner und Jahr. Das Öffentliche Bibliothekswesen erhebt für keine seiner Leistungen Nutzergebühren, lediglich Säumnisgebühren für zu spät abgelieferte oder Erstattungsgebühren für abhanden gekommene Medien. Grundlage der Bibliotheksarbeit ist ein im Jahre 1920 erlassenes und zuletzt im Jahre 2000 novelliertes Bibliotheksgesetz, welches das Vorhalten von Bibliotheken zu einer Pflichtaufgabe der Kommunen macht und die Zuständigkeiten von Staat und Kommunen, bzw. Ortsbibliotheken, Zentralbibliotheken und nationaler Bibliotheksbehörde (Styrelsen for Bibliotek og Medier) klar regelt. Ehrenamtlich geleitete Bibliotheken gibt es in diesem System nicht. Gäbe es im Land der Dichter und Denker ähnliche Voraussetzungen, wäre ein Vergleich angemessener und auch fairer. So bleibt festzustellen, dass dem Öffentlichen Bibliothekswesen in Deutschland weder politisch die gleiche Förderung noch in der breiten Bevölkerung die gleiche Akzeptanz zuteil wird. Die spärlichen Versuche, den Bibliotheken mit Landesbibliotheksgesetzen eine andere Ausgangslage zu verschaffen, scheitern regelmäßig am Unwillen der Politiker, die Öffentlichen Bibliotheken aus der Kategorie freiwillige Leistung in eine Pflichtaufgabe umzuwandeln, weil das bei notleidenden öffentlichen Haushalten nur durch Umverteilung und Änderung von Prioritäten möglich erscheint. Dies ruft zwangsläufig Konflikte an anderen Fronten hervor und kostet damit Wählerstimmen. Entwicklungsfonds für Bibliotheksversuche Wie sieht es nun in Dänemark mit Strategien für die Bibliotheken aus? Im Gegensatz zu Deutschland gibt es in Dänemark die vorgenannte Styrelsen for Bibliotek og Medier, die Nationale Bibliotheksbehörde, in der alle Fäden der

23 Bibliothekskonzepte in Dänemark 23 Bibliotheks- und Medienarbeit zusammenlaufen und von der alle Strategien für diesen Bereich initiiert und koordiniert werden. 1 Nun ist in Dänemark das Konsensprinzip die bevorzugte Entscheidungsvariante, weshalb eine zentralistische Steuerung nicht gleichbedeutend ist mit einem durchgängigen Top-down System. So bietet die Behörde einen Entwicklungsfonds (Udviklingspulje), aus dem eine große Zahl von Bibliotheksversuchen finanziert wird nicht nur an den großen Bibliotheken in Kopenhagen, Århus und Odense, sondern auch in ländlichen Gebieten oder in Kooperationen mehrerer Bibliotheken, für die eine Teilnahme an Projekten sowohl ökonomisch als auch hinsichtlich der Innovationsmöglichkeiten attraktiv ist. Zu den verpflichtenden Voraussetzungen für eine Partizipation an diesen Mitteln gehören vertragliche Vereinbarungen, die sowohl Ziele, das Prozedere, die Dauer als auch Auswertungs- und Qualitätskriterien beinhalten. Vorschläge zur Rolle der Öffentlichen Bibliotheken in der Wissensgesellschaft Durch die 2007 durchgeführte Kommunalreform und die damit einhergehende Reduzierung auf 98 Gemeinden und Städte wurde ein grundlegender Umbau der kommunalen Bibliothekssysteme notwendig, der unter anderem auch die Schließung vieler kleiner Bibliotheken zur Folge hatte. Dies veranlasste die damalige Kulturministerin Carina Christensen 2009, die sog. Carina-Kommission einzusetzen, deren Aufgabe es war, Vorschläge zur Rolle der Öffentlichen Bibliotheken in der Wissensgesellschaft zu erarbeiten. Im Zentrum stand die grundlegende Frage, welche Rolle die Öffentlichen Bibliotheken in der Wissensgesellschaft haben sollen angesichts der Fokussierung der Globalisierungsstrategie auf Ausbildung, lebenslanges Lernen und Integrationskraft in der Gesellschaft. Gleichzeitig sollte die Kommission beurteilen, in welchem Umfang Möglichkeiten bestehen, neue Konzepte für Bibliotheksservices zu etablieren, die dem Bedarf der Bürger nach Information, Ausbildung und kultureller Aktivität bürgernah gerecht werden. Erwartet wurde ebenfalls eine Einschätzung der Möglichkeit, die traditionellen Kernaufgaben, wie Literaturvermittlung, weiter zu entwickeln. Außerdem bestand die Aufgabe in einer Analyse des Bedarfs der Bibliotheken für den weiteren Ausbau der digitalen Infrastruktur, und dies im 1

24 24 Nis-Edwin List-Petersen Zusammenspiel zwischen digitalen und traditionellen Dienstleistungen sowie der Beschreibung von Modellen zur Vermittlung von digitalem Kulturerbe und urheberrechtsgeschützten digitalen Medien in der Bibliothek. Schließlich ging es um Möglichkeiten zukunftsorientierter, interdisziplinärer neuer Kooperationen, um die Verpflichtung zur Netzwerkbildung und um den Bedarf an Kompetenzentwicklung bei den Mitarbeitern der Bibliotheken. Die Leitung der Kommission hatte der Direktor der nationalen Bibliotheksbehörde, Jens Thorhauge. Ihr gehörten darüber hinaus Vertreter von allen bibliotheksrelevanten zentralen Organisationen Dänemarks an, in denen parallel zur Arbeit der Kommission diskutiert wurde. Das Resultat ihrer Arbeit legte die Kommission im März 2010 in einem Kompendium vor. Es enthält fünf Empfehlungen: 1. Die offene Bibliothek Es sollen laufend neue Konzepte für die physische Bibliothek entwickelt werden. Darüber hinaus sollen die Bibliotheken systematisch Alternativen zu den traditionellen Bibliotheksräumen entwickeln, beispielsweise durch Integration in andere Institutionen und neue flexible Bibliotheksangebote. 2. Inspiration und Lernen Die Bibliotheken sollen ihr Lern- und Inspirationsangebot orientiert am Bedarf der Nutzer systematisch weiterentwickeln und ausbauen. 3. Die Digitale Bibliothek der Dänen Die Kommission empfiehlt die Errichtung der Digitalen Bibliothek der Dänen Danskernes Digitale Bibliotek (DDB) als gemeinschaftliche digitale Vermittlung für die Dänen. Damit wird den Bibliotheken ermöglicht, außerhalb der physischen Bibliotheksräume digitale Medien wie Filme, Spiele, Musik und Literatur anzubieten. Die DDB wird sowohl ein gemeinsames Portal zu den Bibliotheken im Netz bieten als auch dazu beitragen, dass die Bürger der Bibliothek an anderen Stellen des Internets begegnen nämlich dort, wo dieses jeweils relevant erscheint. 4. Kooperationen Die Bibliotheken sollen systematisch verpflichtende Kooperationen vereinbaren und so ein den öffentlichen Sektor, die Wirtschaft und die Zivilgesellschaft übergreifendes, vielfältiges und interdisziplinäres Angebot schaffen.

25 Bibliothekskonzepte in Dänemark Professionelle Weiterentwicklung Die Kommission empfiehlt einen verstärkten Fokus auf Kompetenz- und Organisationsentwicklung in den Bibliotheken sowie eine stärker strategisch und systematisch am Bedarf der Bürger orientierte Auswahl der Angebote der Bibliotheken. Die Empfehlungen der Carina-Kommission, die natürlich mit konkreten Ergänzungen versehen sind, die den Rahmen dieses Beitrages sprengen würden, sind bereits an vielen Orten umgesetzt worden oder in Planung befindlich. In einer großen Zahl der nach der Kommunalreform neu entstandenen Großkommunen übernehmen die Bibliotheken auch Bürgerservicefunktionen, die ursprünglich in den Rathäusern angesiedelt waren. Die Digitale Bibliothek der Dänen ist in Arbeit. Der Kunde ist König und wird in die Analyse von Bedarf und Zielorientierung einbezogen, Benchmarking ist die Regel, und zusätzliche staatliche Förderungen sind an Zielvereinbarungsverträge gebunden. Eine Vielzahl von Bibliotheken auch im ländlichen Raum sind inzwischen an allen Wochentagen von 8 bis 22 Uhr geöffnet, am Wochenende von 8 bis 17 Uhr, wobei die Ausleihe außerhalb der Kernzeiten über Selbstverbuchung und Selbstbedienung erfolgt, Onlineservices haben 24 Stunden geöffnet. Fazit Beim Blick über die inzwischen offene und nicht mehr kontrollierte Grenze nach Süden steht das Öffentliche Bibliothekswesen in Deutschland angesichts der skandinavischen Standards vor großen Herausforderungen. Hindernisse gibt es viele, nicht zuletzt durch den nicht immer innovationsfreundlichen Kulturföderalismus. Andererseits gibt es trotz vielerorts mangelnder politischer Einsicht hoffnungsfrohe Ansätze, nicht zuletzt befördert durch den nachhaltigen Einsatz der bibliothekarischen Kollegen. Dass ich mich über die am dänischen Bibliotheksgesetz orientierte, unlängst im schleswig-holsteinischen Landtag eingebrachte Vorlage eines Landesbibliotheksgesetzes freue, wird niemanden überraschen. Bleibt nur zu hoffen, dass irgendwann einmal der Sprung von der freiwilligen Leistung zur Pflichtaufgabe geschafft wird. Denn hierin liegt meines Erachtens die größte Hürde, nicht in der Qualität und der Innovationsbereitschaft oder -fähigkeit der deutschen Kollegen und ihrer Öffentlichen Bibliotheken. Ein Blick über die in diesem Sinne nach wie vor vorhandene Grenze nach Norden zeigt: Es ist möglich man muss es nur wollen und die Bürger mitnehmen!

26 26 Nis-Edwin List-Petersen Literatur Fakta Udvalget om folkebibliotekerne i vidensamfundet Presse/pressemeddelelser/fakta_-_biblioteksrapport.pdf.

27 Herausforderungen für die Zukunftsrolle der Öffentlichen Bibliotheken ANDREAS MITTROWANN Dieses Kapitel beschreibt die gedankliche Ausgangsbasis, die Grundlagen der Vorgehensweise sowie die Evaluationsergebnisse des Projektes Bibliothekskonzeptionen, das durch Meinhard Motzko vom Praxisinstitut Bremen entwickelt wurde und gemeinsam mit der ekz.bibliotheksservice GmbH sowie den Staatlichen Beratungsstellen für Bibliotheken einzelner Bundesländer in Deutschland durchgeführt wird. Die kontinuierlichen Veränderungen in Gesellschaft, Bildung, Technologie und Wirtschaft werden als Ausgangsbasis für die Notwendigkeit einer strategischen Ausrichtung von Bibliotheksarbeit diskutiert und beschrieben. Einleitung Dieses Buch beschreibt im Kern die Ergebnisse des Projektes Bibliothekskonzeptionen, das durch Meinhard Motzko vom Praxisinstitut Bremen entwickelt wurde und gemeinsam mit der ekz.bibliotheksservice GmbH sowie den Staatlichen Beratungsstellen für Bibliotheken einzelner Bundesländer in Deutschland durchgeführt wird. Darüber hinaus existieren weitere inhaltsgleiche Projekte, die in direkter Kooperation mit anderen Partnern realisiert wurden und werden. 220 Bibliotheken haben bisher an dieser Initiative teilgenommen: Jeweils 15 bis 20 Bibliotheken in einem Bundesland entwickeln dabei in einer Gruppe ihr individuelles Strategiekonzept über einen Zeitraum von rund 18 Monaten. Während dieser Periode finden drei Workshops statt, in denen durch den Trainer Input gegeben wird, Erfahrungen ausgetauscht und Zwischenergebnisse diskutiert werden. Am Ende des Prozesses steht ein schriftliches Konzept, das idealerweise im letzten Workshop in einem Festakt von den beteiligten Bibliotheken an den Bürgermeister übergeben und anschließend im Rat der Gemeinde oder Stadt erörtert und beschlossen werden soll. Im Laufe des Projektes erhielten die Partner aus dem Land Brandenburg den Vorschlag, die Ergebnisse in einer Publikation zu veröffentlichen. Der vorliegende Band stellt die Umsetzung dieser Idee dar und verfolgt das Ziel, die Erkenntnisse und Erfahrungen aus dem Prozess der Strategiebildung mit weiteren Bibliotheken zu teilen. Darüber hinaus erschien es sinnvoll, über den Tellerrand des Projektes hinauszublicken und auch die Erfahrungen aus

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