Auswertung qualitativer Interviews

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1 Auswertung qualitativer Interviews

2 Problem: umfangreiche Texte in eine Form zu bringen, die als Erzählung, als Leseangebot für den Leser dienen können Texte müssen eingedickt werden, sie müssen im Rahmen eines Kommunikationsprozesses verstanden und sie müssen in einer lesergerechten Form aufbereitet werden Es sind eine Reihe von Problemen zu lösen, welche im weitesten Sinne mit der komplexen Rolle von Sprache in der Kommunikation zu tun haben

3 Auswertungsverfahren Kodierung: Offenes, thematisches und theoretisches Kodieren Typisierung Interpretation

4 Kodierungsverfahren Allgemein: Entwicklung von Ordnungskategorien für Texte Übersetzung von Teilen der Interviews in Kodier-Texte, d.h. Verkürzung und Verallgemeinerung des Gesagten.

5 Offenes Kodieren Erfolgt zeilen, satz- oder abschnittsweise; den jeweiligen Textteilen werden Verallgemeinerungen zugeordnet. W-Fragen des offenen Kodierens (Flick 1995, S. 200 f.): Was wird angesprochen? Wer? Welche Personen sind beteiligt? Wie interagieren die Personen? Wie wird über die Dinge gesprochen? Welche Aspekte werden (nicht) genannt? Wann? Wie lange? Wo? Kontext der Situation, des Phänomens, über das gesprochen wird. Warum? Wozu? Welche Beweggründe und Zwecke werden angegeben oder lassen sich vermuten? Womit? Welche Strategien werden eingesetzt?

6 Thematisches Kodieren Vorbemerkung: Im Folgenden ist die Interpretation qualitativer Daten mit Hilfe des thematischen Kodierens nach Flick (1995) dargestellt. Es bestehen große Ähnlichkeiten zum Vorgehen bei der qualitativen Inhaltsanalyse nach Mayring (2000). Vorgehen in drei Schritten: 1. Einzelfallanalyse und Erstellung von Kurzbeschreibungen jedes Falls. 2. Fein- oder Tiefenanalyse der einzelnen Fälle: spezifische, fallbezogene Darstellung der Auseinandersetzung mit dem Gegenstand der Untersuchung 3. Fall- und Gruppenvergleich: Herausarbeiten von Gemeinsamkeiten und Unterschieden zwischen Fällen und Untersuchungsgruppen.

7 1. Einzelfallanalyse Erstellung einer Kurzbeschreibung jedes Falls. Eine solche Einzelfallanalyse enthält eine für das Interview typische Aussage, eine knappe Darstellung der Person in Hinblick auf die Fragestellung und die zentralen Themen, die sie im Interview hinsichtlich des Untersuchungsgegenstandes angesprochen hat (Flick 1995, zitiert nach Reuber/Pfaffenbach 2005, S. 164).

8 2. Fein-/Tiefenanalyse Suche nach Sinnzusammenhängen zwischen einzelnen Äußerungen; Entwicklung eines Kategoriensystems für jeden einzelnen Fall, das auf die nachfolgenden Interviews angewendet wird und bei Bedarf entsprechend modifiziert wird. Feinanalyse: Detaillierte Interpretation einzelner Textpassagen anhand der folgenden Fragen (Flick 1995, S. 208): Bedingungen: Warum hat der Befragte dies getan/gesagt? Was ist der Hintergrund des Handelns? Wie war der Verlauf? Interaktion zwischen den Handelnden: Wer handelte? Was geschah? Strategien und Taktiken: Welche Umgangsweisen spiegeln sich in den Aussagen? Wurden bestimmte Handlungen vermieden oder an die spezifische Situation angepasst? Konsequenzen: Welche Folgen und Resultate des Handelns sind erkennbar?

9 3. Fall- und Gruppenvergleich Ziel: Herausarbeiten von Gemeinsamkeiten und Unterschieden zwischen einzelnen Befragten. Die abschließenden Verallgemeinerungen basieren auf diesen Fall- und Gruppenvergleichen. In diesem letzten Schritt können Typen entwickelt werden, unter die sich die einzelnen Fälle subsumieren lassen.

10 Die Konstruktion von Typen Zusammenfassung von Einzelfällen anhand bestimmter Merkmale. Forderung: Die einzelnen Fälle, die in den Typen repräsentiert werden sollen sich innerhalb eines Typus möglichst wenig unterscheiden (interne Homogenität) aber zwischen einzelnen Typen möglichst start unterscheiden (externe Heterogenität). Die einzelnen Typen können durch typische Zitate (Explikationsmaterial) repräsentiert werden. Vgl. Reuber/Pfaffenbach 2005, S. 171

11 Interpretation: Sozialwissenschaftlichhermeneutische Paraphrase Gegenstand: einzelne Interviewpassagen Ziel: Hineindenken in einen fremden Zusammenhang, in den Sinn, den Menschen der Welt zuschreiben und ihre Wirklichkeiten. Durchführung: Mehrere Interpreten entwickeln Interpretationen einzelnen Textsequenzen und stellen diese den anderen Interpreten vor. Dabei sollen spezifisches Vorverständnis und Kontextwissen berücksichtigt werden. Durch gegenseitiges Nachfragen und Revision der Erklärungsmuster soll eine plausible Interpretation erreicht werden. (Im Idealfall sollen die Interpretation mit den Interviewpartnern diskutiert werden um sicherzustellen, dass diese richtig verstanden wurden. )

12 Computergestützte Kodierung (Maxqda2) Vorsicht: Computerprogramme zur Auswertung qualitativer Daten unterstützen nur die Organisation der Daten. Sie übernehmen keine eigenständigen Analyseschritte, wie etwa Programme zur Auswertung statistischer Daten (SAS, SPSS). Nützlich sind solche Programme für Die Markierung von Textbestandteilen und die Kennzeichnung mit einer Kodierung; Das Zusammenstellen aller Zitate pro Kodierung; Das Zurückverfolgen ausgewählter Zitate in ihren Kontext Suchen von zentralen Begriffen in den Interviewtexten.

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