Medieninformation Nr. 18 lang/2015

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1 Medieninformation Nr. 18 lang/2015 Seite 1 Herr Ober, bitte einen Tänzer! Aus dem Leben eines Eintänzers Dienstag, den 26. Mai 2015, Belacqua Theater Wasserburg, Uhr Auf Anregung des Dichters Klabund schrieb Samuel (Billie) Wilder im Januar 1927 für die BZ am Mittag eine Artikelserie über seine Erlebnisse als Eintänzer. Ihm verdanken wir ein kleines, feines und vergnügliches Stück Kulturgeschichte, das die Atmosphäre des Berliner Nachtlebens der späten 1920er Jahre lapidar und mit präzisem Blick für die alltäglichen Details einzufangen versteht. Der Schauspieler Sebastian Hofmüller und das Ensemble des Kleinen Tanztee-Syndikats lassen den Text einen Abend lang lebendig werden. Eintritt 15,00 Die Aufführung findet im Rahmen der Sonderausstellung Veronika, der Lenz ist da! Zur Unterhaltungskultur der 20er und 30er Jahre statt, die noch bis zum 21. Juni 2015 im zu sehen ist. BELACQUA.theater wasserburg Salzburger Str Wasserburg a. Inn Telefon: +49 (0)8071/ Telefax: +49 (0)8071/ Hintergrund In den 20er Jahren regiert die Tanzlust die Weimarer Republik: die strengen Moralvorschriften des Kaiserreichs sind gefallen, der Jazz beflügelt die neue deutsche Tanzmusik, verrückte Schlager werden geträllert und die Neue Frau geht jetzt in kurzen Kleidern mit der besten Freundin alleine aus. Viele aus dem Krieg heimgekehrte junge

2 Männer, die nichts an Besitz oder praktischer Ausbildung mitbringen, finden nicht den Weg in die Berufswelt. Ehemalige Offiziere, mittellose Glücksritter und arme Schauspieler, die tanzen können und Manieren haben, werden oft von größeren Hotels und Tanzsälen angestellt, um mit alleinstehenden Frauen zu tanzen. Seite 2 Berlin Billy Wilder ist pleite. Gerade ist er als junger ambitionierter Journalist in Berlin angekommen, doch die Karriere lässt noch auf sich warten. Dem späteren Hollywood- Regisseur und mehrfachen Oscarpreisträger geht es schlecht: Der Magen ist leer, die Hemdmanschetten sind gewendet, die Mietrückstände groß, die letzten Pfennige reichen für gerade mal vier Zigaretten. Die Rettung läuft ihm unvermittelt auf dem Potsdamer Platz über den Weg. In Person des international erfahrenen Gesellschaftstänzers Roberts. Dessen gediegener Lebensstil und prall gefüllte Brieftasche geben den Ausschlag. Der erst zwanzigjährige Wilder ist gut gewachsen, versteht sich auf gesellschaftliche Umgangsformen und besitzt einen Smoking (der allerdings aus dem Pfandhaus geholt werden muss). B.W. wird Eintänzer. Und gibt sich sofort leichtsinnigen Tagträumen hin: Die große Welt wird um mich sein. Im Tanzsaal sitzen schlankbeinige Frauen an kleinen Tischen, Mokka schlürfend. Sie setzen die Tasse ab und werden mich durch ihr goldgerändertes Stielglas mustern. Die Karminlippen zu einem süßen, unbefriedigten Lächeln verzogen. Auf meinem Scheitel werden die Blicke eifersüchtiger Gatten und geschniegelter Freunde brennen. Weinrotes Licht fließt ins Parkett. Die Spanier auf dem Podium quetschen einen Tango Argentino aus ihren Akkordeons und singen in fremden Akzenten. Ich werde mit einer Frau von exotischer Schönheit tanzen. Weiße gepuderte Arme liegen eng um meinen Nacken, "Narcisse noir" quillt aus ihrem Haar... Tatsächlich erweist sich die neue Tätigkeit, obwohl nur für zwei Monate ausgeübt, als schwere Schufterei. Unter höchster körperlicher Anstrengung wollen selbst Mauerblümchen gepflückt sein.

3 Billie Wilder tanzt auch mit der Frau des Dichters Klabund, der beim Tanztee lieber über seinen Büchern sitzen bleibt und fordert Wilder auf: Schreiben Sie Ihre Memoiren eines Eintänzers. Das Einzige, was uns heute an der Literatur noch interessiert, ist der Rohstoff, aus dem sie gemacht wird. Das Leben, die Wirklichkeit, die Realität. Das Motto des Vitalismus lautet: "Alles Lebendige ist nur ein Gleichnis". Damit ist der junge Reporter wieder im Geschäft! Seite 3 Billy Wilder Weltberühmt wurde Wilder in Hollywood als Regisseur von Filmen wie "Manche mögen s heiß" und "Sunset Boulevard". Geboren als Samuel Wilder am 22. Juni 1906 in Sucha, Galizien flieht er mit seiner Familie während des Ersten Weltkriegs nach Wien. Hier wird er in jungen Jahren Reporter für die Boulevardzeitung Die Stunde. Als diese wegen Erpressung in einen Skandal gerät, entschließt er sich für eine andere Zeitung in Berlin zu arbeiten. Die ersten schwierigen Jahre hält er sich als Eintänzer und Ghostwriter für bekannte Drehbuchautoren über Wasser flieht der Jude Billie Wilder über Paris in die USA, wo er seinem Namen in Billy ändert und seine Hollywood Karriere beginnt. Wilder wirkte stilbildend für Filmkomödie und -drama und erreichte als Regisseur und Drehbuchautor sowohl von Komödien wie Manche mögen s heiß und Das Mädchen Irma la Douce als auch von dramatischen Filmen wie Das verlorene Wochenende, Sunset Boulevard (Boulevard der Dämmerung) oder Zeugin der Anklage zeitlose Bedeutung. Sein Werk umfasst mehr als sechzig Filme, die in über fünfzig Jahren entstanden. Er wurde als Autor, Produzent und Regisseur einundzwanzig Mal für einen Oscar nominiert und sechs Mal ausgezeichnet. Allein bei der Oscarverleihung 1961 wurde er als Produzent, Drehbuchautor und Regisseur des Films Das Appartement dreifach ausgezeichnet, was bisher nur sieben Regisseuren gelungen ist.

4 Das kleine Tanztee-Syndikat Das kleine Tanztee-Syndikat ist eine Formation Münchner Musiker aus dem bekannten Ballhausorchester La Rose Rouge, die in der kleinstmöglichen Besetzung von Violine, Violoncello und Klavier plus verschiedener Erweiterungsmöglichkeiten die große Variabilität in der Möglichkeit von Programmschwerpunkten schätzen. Das kleine Tanztee-Syndikat lässt die galante Tradition der Salonmusik wieder aufleben. Mit Walzerfolgen, Wiener-Liedern, ungarischer Csárdás, Salonpiecen verschiedenster Provenienz und Tanzschlagern der 20er/30er Jahre entsteht so eine Atmosphäre zwischen Kaffeehausmusik und 5-Uhr-Tanztee, stilsicher interpretiert mit Spielwitz, Virtuosität und Freude an der Kultur von Unterhaltungsmusik einer vergangenen Epoche. Seite 4 Bei den zahlreichen Auftritten zu den unterschiedlichsten Gelegenheiten (Firmenfeiern von Bertelsmann, Microsoft, Bayerische Landesbank, Argenta, gesellschaftliche Anlässe wie z.b. in der Berliner Vertretung des bayerischen Staates im Bund oder konzertante Auftritte wie z.b. beim Tollwood-Festival u.v.m.) bewies das kleine Tanztee-Syndikat sein hohes musikalisches Können. Mehr: Sebastian Hofmüller Direkt nach Abschluss der Schauspielschule erhielt Hofmüller ein dreijähriges Engagement an der Schauburg in München bis 2009 war er Ensemblemitglied am Tiroler Landestheater Innsbruck. Seit 2009 lebt er als freier Schauspieler in Gauting bei München und war seither u.a. Gast am Theater Regensburg, Kleines Theater Kammerspiele Landshut und Stadttheater Fürth. Die letzten drei Jahre war er zusätzlich mit Hörspielen auf Tournee und trat als Leser auf. Bekannt ist er dem Publikum auch aus Film und Fernsehen. So hat er unter anderem Auftritte in "Die Rosenheim Cops" und "Soko Kitzbühel" u.a. Zuletzt stand er mit Birgit Minichmayr für den Film "Madame Nobel" sowie mit Annette Frier und Martin Brambach für den Film "Weihnachstmänner" vor der Kamera. Mehr:

5 Abbildungen: Das kleine Tanztee-Syndikat Sebastian Hofmüller Schöner Gigolo, Lied und Tango, Musik: Leonello Casucci, Text: Julius Brammer Verlag: Wiener Bohême-Verlag, Wien, 1929, Sammlung Walter Erpf Seite 5

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