GRUNDBEGRIFFE DER SOZIOLOGIE. Markus Paulus. Radboud University Nijmegen DIPL.-PSYCH. (UNIV.), M.A.

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2 V, EXKURS: DIE THEORETISCHE PERSPEKTIVE DES SYMBOLISCHEN INTERAKTIONISMUS

3 1, GRUNDLAGEN Kritik: Normen und Werte existieren nicht abstrakt und unproblematisch Müssen spezifiziert und interpretiert werden Sind interpretationsabhängig Keine objektiven Bedingungen Leben in interpretierter Welt Qualitative Sozialforschung

4 1, GRUNDLAGEN Symbolischer Interaktionismus Ausgangspunkt: Situation interpersonalen Handelns Interaktionismus: Mensch existiert immer schon in interaktiven Zusammenhängen Symbolisch: symbolvermitteltes Handeln, beruht auf Sprache, Gesten

5 1, GRUNDLAGEN Philosophische Hintergrundannahme Menschen als primär handelndes Wesen Suchend und problemlösend Zuvor häufig: Mensch als primär denkendes Wesen Vgl. Descartes: res cogitans, cogito ergo sum Bewusstsein, Denken, Geist in Bedeutung für Handeln zu verstehen Basisannahme: interpersonales Handeln als Ausgangspunkt

6 2, SOZIALE INTERAKTION ALS ZEICHENTHEORIE 1, natürliche Zeichen: Sinnesreize, die instinktive Reaktionen auslösen 2, Konversation durch Gesten: Direkte (instinktive/erlernte) Beziehung Stimulus und Reaktion, lösen bestimmte Reaktion aus Bsp. Kampf zwischen zwei Hunden Bedeuten nicht das gleiche für beide Parteien Gebärdensprache : Anfangselement einer Reaktion dient als Anzeichen für komplette Bewegung 2b, vokale Gesten Auch vom Kommunizierenden wahrgenommen Bsp. Warnschrei von Vögeln Rufen beim gleiche Reaktion hervor

7 2, SOZIALE INTERAKTION ALS ZEICHENTHEORIE 3, Symbole: wenn Sinn einer Situation auf Begriff gebracht Symbol: Teile der Erfahrung, die auf andere Teile der Erfahrung verweisen Bringen Sinn zum Ausdruck, Interpretation Frage: wie wird gleicher Sinn sichergestellt? Signifikante Symbole: gleiche Vorstellung über Bedeutung bei beiden Partnern? Verhalten wird antizipierbar/kalkulierbar Anpassung der eigenen Handlung Symbole: sozial definiert, daher kulturabhängig Gilt für beide Parteien: Prozess wechselseitiger Rollenübernahme Verschränkung der Perspektiven Kommunikative Verständigung (=Anzeige Handlungsabsichten) über Gründe und Ziele des Handelns Denken: inneres Sprechen und Durchspielen einer Handlung

8 3, SOZIALISATIONSTHEORETISCHE ÜBERLEGUNGEN 1, Rollenspiel ( play ) taking the role of the other Kind schlüpft in Rollen signifikanter Anderer Denkt, handelt von ihrem Standpunkt aus Verschränkt partikulare Verhaltenserwartungen miteinander: erkennt eigene Rollen ihnen gegenüber Erste Selbstbilder 2, Spiele ( games ) Mehrere Handelnde, verschiedene Rollen Perspektiven vieler anderer zugleich: abstrakte Regeln Generalisierter Anderer: Summe aller Perspektiven in bestimmtem Handlungszusammenhang, Prinzip der Handlungssituation Allgemeine Vorstellung, wie zu handeln ist (entspricht gesell. Normen und Werten, die in einer Situation relevant) Soziale Integration & soziale Kontrolle Quelle: Abels, 2009,82ff, 200ff

9 3, SOZIALISATIONSTHEORETISCHE ÜBERLEGUNGEN Ziel der Sozialisation: Integration in einen organisierten Verhaltensprozess Perspektive auf Normen und Werte Determinieren nicht soziales Handeln Entstehen in sozialem Handeln Sind Ergebnis von Interpretations- und Aushandelungsprozessen Nie absolut gleich, Verschiebungen in jeder neuen Situation Kommunikation als Basis Quelle: Abels, 2009,82ff, 200ff

10 4, SOZIALES HANDELN Annahmen über den Charakter menschlicher Handlungsfähigkeit und Kommunikation 1, Menschen handeln Dingen gegenüber aufgrund der Bedeutung, die sie für sie besitzen 2, Bedeutung abgeleitet aus sozialer Interaktion mit Mitmenschen 3, Bedeutungen in interpretativem Prozess gehandhabt und abgeändert

11 5, IDENTITÄT Ursprung des Selbstbewusstseins Übernahme der Perspektive: mögliche Reaktion des Anderen auf mein beabsichtigtes Handeln Wird sich seiner selbst bewusst Objekt eigener Wahrnehmung

12 5, IDENTITÄT I (impulsives Ich) vorsozial, unbewusst nie vollständig sozialisierbar neues, schöpferisches me (reflektiertes Ich) Summer der sozialen Bilder Bilder typischer Situationen Konstruktion Nie festgefügt, in Bewegung, da Vielzahl der Perspektiven Differenz zwischen I und me self /Identität aus Differenz entwickelt sich reflexives Bewusstsein konsistentes Verhalten: Synthetisierug zu einheitlichem Selbstbild self als dieses einheitliche Selbstbild ist nie fest, wird immer neu entworfen

13 6, KONSEQUENZEN Soziale Interaktion als Prozess, der menschliches Verhalten formt, nicht nur Mittel individueller Planung Soziale Interaktion als fortlaufende ggs. Interpretation des Verhaltens und der Situation Keine klar vorgegebenen Ziele und Nutzenkalküle Keine Eindeutigkeite normativer Vorgaben Kontingenz des Handelns: Häufig keine klaren Ziele, Handlungsverläufe entwickeln sich in komplizierten Prozessen Selbst entsteht in und durch Handlungen: wahrgenommene Reaktionen der Mitmenschen Selbst nicht stabil: durch Interaktion mit Anderen ständig definiert und ggf. redefiniert. Selbst als Prozess, keine stabile Struktur: ständige Strukturierungsleistung Problematische Ansicht, dass Wertekonsens Basis einer Gesellschaft. Vielmehr Geflechte verschiedener Lebens- und Erfahrungswelten, die ineinander greifen Gesellschaft: Handlungsprozess, nicht Struktur oder System Quelle: Joas & Knöbl, 2004, 183ff

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