Gott sei Dank - für was? - Bruder Christian beim Gottesdienst am Tag des offenen Denkmals,

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1 1 Gott sei Dank - für was? - Bruder Christian beim Gottesdienst am Tag des offenen Denkmals, Begrüßung Liebe Freunde von nah und fern, liebe Gemeinde, liebe Gäste, die uns zum Tag des offenen Denkmals besuchen. Das Thema dieses Gottesdienstes steht schon länger fest und hängt unübersehbar über unserem Altarbereich Gott sei Dank. Diese drei Worte sind das Jahresmotto unseres Jubiläumsjahrs wir Christusträger-Schwestern und -Brüder feiern in diesem Jahr unseren 50. Geburtstag als Gemeinschaft. Gott sei Dank für seine Güte und seine Bewahrung in diesen 50 Jahren. Das haben wir in diesem Jahr oft gebetet und bei der Festwoche im Juli bei vielen Veranstaltungen durchbuchstabiert. Wir werden auch weiterhin beten Gott sei Dank, obwohl wir heute auch einen Trauergottesdienst feiern müssen. Gerade mal vor fünf Tagen erreichte uns die Nachricht, dass unser Bruder Siegbert in den Bergen Afghanistans einem Gewaltverbrechen zum Opfer gefallen ist. Die näheren Umstände sind uns unbekannt. Vor gut drei Wochen kehrten Br. Siegbert und ein Freund von einem gemeinsamen Ausflug nicht zurück. Seit diesem Tag erlebten wir Wochen des Bangens und Hoffens und Wartens und jetzt eine Zeit des Schmerzes und der Trauer. Ich bitte Sie: Helfen Sie uns, indem Sie uns nicht nach Bruder Siegbert und nach unserem Schmerz fragen. Ihre Anteilnahme, Ihre Mails und Anrufe, Ihre Briefe und Karten tun uns gut, aber wir brauchen Zeit für unsere Trauer. Ganz bewusst haben wir entschieden, unser Haus trotzdem zum Tag des offenen Denkmals zu öffnen und Sie hierher einzuladen, weil wir Sie mithineinnehmen wollen in die 50 Jahre Geschichte unserer Gemeinschaft und in die 900 Jahre Geschichte dieses Klosters. Das Thema des Gottesdienst haben wir jetzt bewusst ergänzt: Gott sei Dank für was denn eigentlich? Der Altar vorne rechts in unserer Klosterkirche ist den Frankenaposteln gewidmet, die auch einem Gewaltverbrechen zum Opfer gefallen sind. Dort liegt heute eine kurze Information zu Bruder Siegbert aus. Dort ist heute ein Ort, wo wir innerlich Abschied von ihm nehmen können. Ein Ort der Trauer, aber vielleicht auch ein Ort des Dankes für Siegberts reiches Leben und für die Anregungen, die er vielen von uns gegeben hat. Mit Schmerzen im Herzen können wir sagen: Gott sei Dank für diesen besonderen Menschen. Und von diesem Ort aus können auch unsere Gebete um Frieden aufsteigen, nicht zuletzt unser Gebet um Frieden für das leidende afghanische Volk. Danke für Ihr Verständnis und Ihr Mitgefühl.

2 2 Predigt Epheser 5, Achtet nun sorgfältig darauf, wie ihr euer Leben führt: nicht als Toren, sondern als Weise! 16 Kauft die Zeit aus, denn die Tage sind böse. 17 Seid also nicht unverständig, sondern begreift, was der Wille des Herrn ist. 18 Und berauscht euch nicht mit Wein - das bringt nur Unheil -, sondern lasst euch erfüllen vom Geist: 19 Lasst in eurer Mitte Psalmen ertönen, Hymnen und geistliche Lieder, singt und musiziert dem Herrn aus vollem Herzen, 20 und dankt unserem Gott und Vater allezeit für alle Dinge im Namen unseres Herrn Jesus Christus. Jeder Text den wir hören, jedes Wort das wir sprechen können verschieden verstanden werden. Es gibt immer verschiedene Lesarten. Auch das Thema unseres Gottesdienstes: Gott sei Dank für was? kann verschieden gelesen werden: Für was soll ich mich überhaupt anstrengen? es ist doch eh alles umsonst. Für was soll ich Gott danken? bringt doch eh nichts. Diese eher frustrierte Lesart ist mir fremd. Ich will Ihnen heute Morgen zwei andere Lesarten vorstellen, eine einfache und eine schwierige. Zunächst die einfache: Für was alles kann ich Gott dankbar sein? Für was will ich Gott danken? Das ist eine simple Frage, aber sie kann große Auswirkungen in meinem Leben haben. Mein geistlicher Begleiter gab mir als Empfehlung: Schreibe eine Zeit lang jeden Tag drei Dinge auf, für die du dankbar sein kannst. Eine einfache Übung, aber eine mit einer großen Wirkung. Ich lade Sie alle herzlich dazu ein, diese Übung auch einmal auszuprobieren. Schreiben Sie ein Jahr lang jeden Abend drei Dinge auf, für die Sie dankbar sind. Diese Übung kann unser Leben aufhellen. Für was alles kann ich dankbar sein? Welche Dinge fallen Ihnen jetzt spontan ein? Wofür sind sie dankbar? Zunächst das Gute, wahrscheinlich. Hoffentlich. Das Wetter. Das gute Essen. Unsere Lebensqualität. Menschen, die uns wertvoll sind. Sie haben sicher viele solcher und ähnlicher Dinge im Kopf, für die Sie Gott von Herzen danken können. Tun Sie es, danken Sie ihm, notieren sie sich, wofür Sie ihm dankbar sind.

3 3 Aber was ist mit dem anderen, dem Schlechten oder gar Bösen. Gibt es für die schweren Dinge auch eine eigene Lesart? Können wir Gott von Herzen danken für das weniger Schöne? Der biblische Hiob ist ja für seine Klagen berühmt, aber er hat auch Gott gedankt und gelobt, zumindest in Kapitel 1: Der HERR hat's gegeben, der HERR hat's genommen; der Name des HERRN sei gelobt! Wie Hiob auch das Schwere aus Gottes Hand nehmen, das ist keine Anfängerübung. Das ist eine Herausforderung für uns, das müssen wir lernen, einüben. Paulus will mit seinen Worten an die Epheser auch uns anspornen, uns in diese Richtung auszustrecken. Er gibt uns dazu diese guten Ratschläge mit auf den Weg: Achtet darauf, wie ihr euer Leben führt und kauft die Zeit aus, lasst euch erfüllen vom Geist, singt und musiziert dem Herrn aus vollem Herzen, und dankt unserem Gott und Vater allezeit für alle Dinge im Namen unseres Herrn Jesus Christus. Sagt Gott allezeit Danke für alle Dinge. Welchen Sinn macht diese Art von Dankbarkeit? Wir Christusträger haben bei den Themen unserer Festwoche Begriffspaare dem Gott sei Dank zugeordnet, die sich ergänzen oder gar widersprechen: Gott sei Dank... aufbrechen und durchhalten. Gott sei Dank... fragen und vertrauen. Gott sei Dank... hinfallen und aufstehen. Ein Begriff, ein Aspekt alleine reicht nicht aus, wenn ich für das Ganze danken will. Ich muss lernen zu sagen: Lieber Gott, ich danke dir nicht nur für die Rosinen, sondern für den ganzen Kuchen. Vater, ich danke dir für mein ganzes Leben, mit allem was dazugehört, meine Stärken und meine Schwächen. Vater im Himmel, ich danke dir für Regen und Sonne, für die Polaritäten des Lebens, für blau, grün, rot, für das Leben in seiner Vielfalt und auch für die Grautöne zwischen Schwarz und Weiß, die Zwischentöne.

4 4 Dankbarkeit und Trauer. Beides erfüllt uns im Blick auf den Tod von Br. Siegbert. Wir sind hin- und hergerissen zwischen nicht wahrhaben wollen und Annehmen der Realität. Es gibt keinen Platz zum Ausruhen für unsere Gefühle, da bleibt eine Dynamik in unserem Inneren, da bleiben Fragen, Zweifel, Anklagen, Trauer. Das Leben in uns versucht sich neu zu sortieren - und das ist auch gut so. Aber es ist sehr schwer. Gott sei Dank für alles ist dann alles egal? Ist dann alles gleich richtig und wir sind dem blinden Schicksal ausgeliefert? Nein! Gott sei Dank für sein Ja und sein Nein. Ich formuliere es ganz persönlich: Danke Vater, für Dein klares NEIN zu jeder Art von Gewaltverbrechen. Gott, Dir sei Dank für Dein klares NEIN zu jeder Art von Zerstörung von Leben. Wir sollen Gott nicht für Unterdrückung danken, aber vielleicht können wir aus einer Situation wo wir uns unterdrückt fühlen etwas lernen? Ich nehme dankbar das Ganze aus Gottes Hand, aber ER ist nicht verantwortlich für jedes Detail. Gott ist bei allem dabei, aber er segnet nicht alles ab. Ich persönlich glaube, dass in Gott die Gegensätze ihren Ruhepol und ihren Frieden finden. Bei IHM ist die Quelle des Lebens. Und von ihm und durch ihn und zu ihm sind alle Dinge. Ihm sei Ehre in Ewigkeit! (Römer 11,36) Gott sei Dank für den Tod? Sollen wir ihm tatsächlich den Tod danken? Es mag Todesfälle geben wo das möglich ist, wenn einer alt und lebenssatt stirbt. So haben wir es in Erinnerung bei unserem Bruder Uli, an dessen Sterbebett wir beten konnten, der im Kreis der Brüder gestorben ist, heimgegangen zu Jesus, auf den er sich gefreut hat. Aber es gibt auch Todesfälle, für die können wir nicht danken. Da bäumt sich in uns etwas auf, weil der Tod in diesem Fall einfach nicht passt. Wir können Gott aber immer dafür danken, dass der Tod nicht das Letzte ist. Dass wir durch den Tod hindurch in ein neues Leben kommen. Wenn ich die Dinge so betrachte, dass ich all das Gute entdecke, das Gott in mein Leben hineingelegt hat, dann entdecke ich, dass es nicht umsonst ist, wenn ich Gott für alles danke. Ich lerne alles so zu sehen, dass Gott es nicht umsonst geschaffen hat. Das es gut und richtig ist.

5 5 Freilich können die Dinge auf dieser Welt durcheinander kommen, und das kann dann echt übel sein. Wir erinnern uns heute am 11. September daran, wie furchtbar es ist, wenn die Dinge durch den Einfluss von Menschen durcheinander gewirbelt werden, wenn Flugzeuge in Hochhäuser fliegen und Chaos, Vernichtung, Tod und Trauer auslösen. Aber Gott sei Dank haben Chaos und Zerstörung nicht das letzte Wort. Wenn ich die Dinge vom Glauben an Gott her betrachte, dann fangen sie allmählich zu leuchten an. Denn von Gott her hat alles seine sinnvolle Zuordnung, auch der Tod. Und selbst da, wo Menschen gewaltsam zerbrechen und zerstören, was Gott gut gedacht hat, können sie doch nur das Äußere ankratzen, aber das innere Geheimnis des Lebens bleibt bewahrt. So haben wir es vorhin im Evangelium gehört (Matthäus, Kapitel 10). Ein Bibeltext, den Siegbert in den letzten Tagen seines Lebens gelesen und der ihn sicher bewegt hat auf seinem Schreibtisch lag noch die offene Bibel, und dort war zu lesen (Matthäus 10,28-32): Fürchtet euch nicht vor denen, die den Leib töten, doch die Seele nicht töten können. Kauft man nicht zwei Sperlinge für einen Groschen? Dennoch fällt keiner von ihnen auf die Erde ohne euren Vater. Nun aber sind auch eure Haare auf dem Haupt alle gezählt. Darum fürchtet euch nicht; ihr seid besser als viele Sperlinge. Fürchtet euch nicht vor denen, die den Leib töten, doch die Seele nicht töten können. Sondern vertraut dem, der Leib und Seele zusammenhalten kann in alle Ewigkeit. Gott sei Dank! Amen.

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