Bürgerforum Guter Darm; schlechter Darm Wie sieht s aus?! Dr. med. Max Kaplan Präsident der Bayerischen Landesärztekammer (BLÄK)

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1 Grußwort Bürgerforum Guter Darm; schlechter Darm Wie sieht s aus?! Dr. med. Max Kaplan Präsident der Bayerischen Landesärztekammer (BLÄK) am 15. Juli 2011 im PresseClub Nürnberg Es gilt das gesprochene Wort!

2 Sehr geehrte Damen und Herren, liebe Kolleginnen und Kollegen, zum Bürgerforum für Patienten, Angehörige und Interessierte Guter Darm; schlechter Darm Wie sieht s aus?! hier im Presseclub Nürnberg heiße ich Sie im Namen der Bayerischen Landesärztekammer (BLÄK), die dieses Bürgerforum im Rahmen des Bayerischen Fortbildungskongresses veranstaltet, herzlich willkommen. Ich freue mich, dass das Thema ein so hohes Echo hervorruft. Anrede Bauchschmerzen und Verdauungsbeschwerden können vielfältige Ursachen haben. Sie können, wie häufig befürchtet, ein Indiz für eine lebensbedrohliche Erkrankung sein, aber sie können auch eher eine harmlose Ursache haben und trotzdem das Gesundheitsempfinden und die Alltagsaktivität stark einschränken. Wir müssen deshalb die Beschwerden ernstnehmen und eine Vielzahl organischer, aber auch psychischer und psychiatrischer Ursachen akuter und chronischer Bauchschmerzen berücksichtigen. Die Mehrzahl der Beschwerden sind glücklicherweise funktioneller Natur, d.h. sie sind nicht auf organische Ursachen zurückzuführen. Diese müssen wir bei der Diagnostik zunächst berücksichtigen. Deshalb ist eine sorgfältige Erhebung der Krankengeschichte so wichtig, damit die Untersuchung dem Krankheitsbild entsprechend durchgeführt werden kann. Die Darmspiegelung steht hier nicht am Anfang sondern am Ende. So manche belastende Therapie kann aufgrund einer sorgfältigen Diagnos- Seite 2 von 6

3 tik vermieden werden. 1 Anrede Vielleicht sind Sie hier zum Presseclub Nürnberg gekommen, weil Sie selber oder Ihr Hausarzt die Vermutung hat, dass Ihre Beschwerden, z.b. Durchfall, Bauchschmerzen, Übelkeit, Schweißausbrüche, ja auch Gewichtsverlust, die Ursache in einer schweren Erkrankung, wie einer chronisch entzündlichen Darmerkrankung oder gar einem Darmkrebs haben können. Zunächst darf ich hier Entwarnung geben. Denn funktionelle Erkrankungen, Verdauungsstörungen aufgrund einer schlechten Mahlzeit oder eine Darmgrippe sind die häufigsten Ursachen. Dennoch dürfen wir die ernsthaften Erkrankungen nicht übersehen. Chronisch-entzündliche Darmerkrankungen sind bekannt als Morbus Crohn und Colitis ulcerosa. Bei beiden Erkrankungen liegt eine chronische Darmentzündung vor, deren Beginn meistens im Jugend- oder im jungen Erwachsenenalter liegt. Der Krankheitsverlauf und die Schwere der Erkrankung können sehr unterschiedlich sein und verlaufen häufig in Schüben. Die medikamentöse Behandlung richtet sich nach dem jeweiligen Schweregrad und dienen dazu, die Entzündungsaktivität zu verringern, Rückfälle zu vermeiden und dadurch die Lebensqualität der überwiegend jungen Patienten zu verbessern. Eine Heilung ist meist nicht möglich. 1 Dtsch Arztebl Int 2011; 108(17): Seite 3 von 6

4 Bezüglich der Diagnostik stehen uns heute viele Untersuchungsmethoden zur Verfügung, die für eine sichere Diagnosestellung nötig sind. Dazu zählen zunächst die körperliche Untersuchung, ergänzende Laboruntersuchungen, Röntgenuntersuchungen, Ultraschalluntersuchungen (Sonographie) und letztendlich die Darmspiegelung (Koloskopie). Meistens müssen wir auf alle Untersuchungsmethoden zurückgreifen, denn oft werden Morbus Crohn oder Colitis erst nach einer längeren Suche nach möglichen Krankheiten festgestellt. Für die Behandlung dieses chronischen Krankheitsbildes ist eine intensive Einbindung und Mitarbeit des Patienten notwendig, da das Krankheitsbild auch von der psychischen Verfassung des Patienten und von seinem privaten und beruflichen Umfeld mit geprägt wird. Die chronisch-entzündlichen Darmerkrankungen erhöhen jedoch auch das Risiko an Darmkrebs zu erkranken, während Verdauungsprobleme wie Verstopfung und Durchfall oder das Reizdarmsyndrom mit Krämpfen keine Risikofaktoren darstellen, aber Frühzeichen eines Darmkrebs sein können. Deshalb müssen wir unseren Körper genau beobachten und rechtzeitig die Ärztin oder den Arzt aufsuchen. Der Darmkrebs ist eine der häufigsten Krebserkrankungen in den westlichen Ländern. Neben den Lebens- und Ernährungsgewohnheiten sind es insbesondere genetische, also erbliche Faktoren, die zur Entstehung von Darmkrebs beitragen. Eine familiäre Vorbelastung bedeutet immer ein erhöh- Seite 4 von 6

5 tes Risiko für diese heimtückische Erkrankung. Durch frühzeitige Prävention und Risikoabklärung können Sie das Risiko an Darmkrebs zu erkranken, ausschließen. Anrede Um Darmkrebs so früh wie möglich zu erkennen, sollten Frauen und Männer spätestens ab dem Alter von 50 zur Früherkennung gehen. Bei familiäre Belastung durchaus schon mit 30 Jahren. Diese Früherkennungsuntersuchung umfasst: Anamnese Körperliche Untersuchung mit Darmaustastung, Stuhluntersuchungen (Okkultbluttest) und Darmspiegelung (Koloskopie) ab 55 Jahren. Im Detail wird Ihnen dies meine Kollegin, Frau Vizepräsidentin Dr. Heidemarie Lux, kurz ausführen. Soviel von meiner Seite. Bedenken Sie, an Darmkrebs muss heute niemand mehr sterben, wenn er rechtzeitig entdeckt wird. Gestatten Sie mir noch einen Hinweis: Anlässlich unseres heutigen Bürgerforums steht von bis Uhr das von der Felix Burda Stiftung 2, der ich hiermit außerordentlich danke, entwickelte Modell Faszination Darm 2 burda stiftung.de/portal/index.php Seite 5 von 6

6 Europas größtes Darmmodell hier auf dem Gewerbemuseumsplatz zur Verfügung. Alle Teilnehmer sind herzlich zur Besichtigung eingeladen. Ihnen wünsche ich jetzt ein interessantes Forum! Danke für Ihre Aufmerksamkeit! Seite 6 von 6

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