Akute Trauer bei Kindern und Jugendlichen

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1 Akute Trauer bei Kindern und Jugendlichen Reaktionen und Bewältigungsstrategien Mag a.petra Sansone, MAS Entwicklung des Todeskonzepts (Wass, 1984) 1 Lebens- Abschnitt Vorherrschendes Todeskonzept (Übersetzung Sansone, 2006) Kleinkind Kein Todeskonzept 2 Vorschulalter Kein Verständnis der Irreversibilität des Todes 3 Mittlere bis späte Kindheit 4 Pubertät, Jugendalter Tod ist irreversibel, beginnendes Verständnis für die Unvermeidbarkeit Verständnis für Irreversibilität, Universalität und Unvermeidbarkeit des Todes Kinder < 2 Jahre Ab etwa 7-8 Monaten haben Kinder schon stabile Bindungen zu bestimmten Personen aufgebaut. Sie suchen aktiv nach einem verschwundenen Elternteil, weinen und sind verzweifelt. Sie zeigen also normales Trauerverhalten, können aber noch nicht verstehen, dass die verstorbene Person nicht mehr wiederkommt. 3 1

2 Vorschulkind (2-7 Jahre) Denkt magisch. Das Kind denkt der Tod ist wie ein Schlaf. Ein Kind in diesem Alter begreift die Endgültigkeit des Todes nicht. Denkt, dass einige Körperfunktionen weitergehen. 4 Schulkind (7-11 Jahre) Begreift schon, dass der Tod endgültig ist. Es begreift nicht, dass der Tod auch frühzeitig eintreten kann oder dass er ihm selbst auch passieren könnte (Allgemeingültigkeit). Schulkinder glauben, dass der Tod nur den Alten und Schwachen passiert und dass man, wenn man nur schnell genug laufen kann, dem Tod entkommt. Es hat Angst, dass es selbst oder andere aus der Familie sterben könnten-es macht sich Gedanken über Todesursachen 5 Kind > Jahre Beginnt zu begreifen, dass der Tod endgültig ist (Endgültigkeit). Dass der Tod jedem Menschen zustoßen wird. Und dass auch junge Menschen sterben können (Allgemeingültigkeit). Ein Kind ab 11 Jahren kann die konkreten Elemente des Todes verstehen, z.b. dass die Körperfunktionen nicht mehr länger in Kraft sind. Es macht sich Gedanken über die Unvermeidbarkeit (dass man manchmal nichts dagegen tun kann,dass jemand stirbt und über die Unvorhersehbarkeit (dass man den Tod nicht vorhersehen kann) 6 2

3 Besonderheiten kindlicher Trauerreaktionen I (Webb, 2005) Nicht ausgereifte kognitive Entwicklung nicht ausgereifte Entwicklung des Todeskonzepts Können nur begrenzt emotionalen Schmerz ertragen Besonderheiten kindlicher Trauerreaktionen II (Webb, 2005) Können nur eingeschränkt Emotionen beschreiben Wollen sich nicht von ihren Peers unterscheiden Können ihre Gefühle im Spiel ausdrücken Risikogruppen (Fox, 1995) Kinder die selber an lebensbedrohlicher Krankheit leiden K. mit bekannten Verhaltensausfälligkeiten Entwicklungsretardierte K. mit Verständnisschwierigkeiten K., die wie eingefroren in Reaktionen hängen bleiben (während die meisten anderen zu Alltag zurück) 3

4 Wie spricht man mit Kindern über den Tod? Sich von den Fragen der Kinder leiten lassen! Bsp Haifa Nur die Fragen beantworten, die das Kind selbst stellt. Bsp Barbara Polster 10 Wie spricht man Kindern über den Tod? Das Kind niemals konfrontieren. Die Fragen des Kindes ehrlich und sofort beantworten. Das Kind darüber beruhigen, dass es einen sicheren Platz in der Familie behalten wird. Kontinuierliche Zuwendung und Unterstützung. 11 Die Reaktion der Kinder ist abhängig von individuellen Verhaltensstilen Alter Entwicklungsstand 12 4

5 Akutreaktionen 2-7J. Verunsicherung dominiert (Situation, Reaktion der Erwachsenen) Ohne adäquate Intervention können Ängste resultieren Erstarrung, Verlegenheit, Scham, Paradox: Freude, keine o verzögerte Reaktion Nähe der Bezugsperson notwendiges Bedürfnis (Aufklärung über Reaktionen!) Spiel als Ablenkung u/o nachspielen Akutreaktionen 8-11J. Sandwichposition der Entwicklung Überwältigung (verbessertes Situationsverständnis und Antizipationsfähigkeit), Trauer Überforderung durch Beschützerrolle (Sorge um Erwachsene, Mitleid mit Erwachsenen) (Massives) Sprechen zur Regulierung Bezugspersonen zur Verantwortungsübernahme ermuntern Akutreaktionen 12-16J. Verschlossenheit und Rückzug Ausdruck der Reife Ausdruck des Unglaubens bzgl Erwachsenen Aggression gegenüber dem Umfeld, Wut auf Verstorbenen Aufnahme des von Betreuungspersonen Gesagten Aufklärung und Ermunterung der Bezugspersonen 5

6 Emotionaler Ausdruck Verunsicherung durch mangelndes Verständnis Überwältigung durch besseres Situationsverständnis Überforderung durch Antizipation der Beschützerrolle / verstärkte Fähigkeit zur Empathie Rückzug wegen Unglaube, dass Erwachsene sie verstehen und ihnen helfen können Copingstrategien Spiel als Copingstrategie Sprechen als Regulierungsmechanismus Sprechen über Gefühle als Copingstrategie Vermehrte Nutzung intrapsychischer Copingstrategien Rückzug durch verstärkte Fähigkeit zum unabhängigen Coping Aktive Erinnerungsarbeit Was Kindern hilft Alltagsroutinen geben Kindern Sicherheit Kinder brauchen Abstand Kinder brauchen mehr Zuwendung Kinder brauchen Handlungsmöglichkeiten Kinder wollen Fragen stellen Kinder brauchen Hilfe bei Abschied und Erinnerung Kinder brauchen Grenzen 18 6

7 Eltern und Bezugspersonen Können sicheren Rahmen bieten Jüngere Kinder spiegeln häufig Verhalten und Ängste der Eltern wider Oft in ihrer Trauer so gefangen, dass sie nicht den Bedürfnissen der Kinder gerecht werden können Interventionen für Eltern und Bezugspersonen Elterliches Verständnis für die Reaktionen der Kinder und Jugendlichen generieren Information und Aufklärung über mögliche Reaktionen der Kinder und den Umgang damit Sensibilisierung für alarmierende Zeichen Wahrnehmung der elterlichen Aufgabe als Modell zu dienen Interventionen für Eltern und Bezugspersonen (Be-)Stärkung der Bezugsperson Ermuntern, Unterstützungsangebote der Umgebung anzunehmen Auseinandersetzung mit den elterlichen Bedürfnissen 7

8 Grundregeln für Bezugspersonen Helfen Sie dem Kind den Tod zu begreifen. Erleichtern Sie das Abschiednehmen (eine Botschaft in den Sarg legen etc.). Sprechen Sie ihre eigenen und die Gefühle des Kindes an und normalisieren sie diese. 22 Grundregeln für Bezugspersonen Lassen Sie das Kind am Begräbnis und allen anderen Familienritualen teilnehmen, wenn es dies wünscht. Sorgen Sie für adäquate Begleitung. Zwingen Sie das Kind zu nichts! Geben Sie Erinnerungshilfen (z.b. Erinnerungsbox) 23 Traueraufgaben Die Realität des Verlustes akzeptieren Den Schmerz und andere emotionale Aspekte des Verlusts erfahren Anpassung an die Umgebung, in der der Verstorbene fehlt für den Verstorbenen im emotionalen Leben einen Platz finden, der es erlaubt sich gut an ihn/sie zu erinnern 8

9 Umgang mit trauernden Kindern und Jugendlichen I (Perry 1995) Haben Sie keine Angst davor, über das traumatische Ereignis zu sprechen. Seien Sie ehrlich, offen und klar. Bereiten Sie sich darauf vor, immer wieder das Selbe zu besprechen. Passen Sie Ihre Sprache und Erklärungen an das Alter der Heranwachsenden an. Bleiben Sie bezüglich der Todesursache bei der Wahrheit. Umgang mit trauernden Kindern und Jugendlichen II (Perry 1995) Bei überlebenden Kindern treten häufig Schuldgefühle auf. Versuchen Sie zwischen Trauerreaktion und Trauerarbeit zu unterscheiden. Trauerreaktionen sind normal anhaltende Trauerreaktionen können pathologisch sein. Setzen Sie sich mit dem Thema, das das Kind anspricht, auseinander. Umgang mit trauernden Kindern und Jugendlichen III (Perry 1995) Versuchen Sie verfügbar, umsorgend und vorhersehbar in Ihrem Verhalten zu sein, und bieten Sie einen sicheren Rahmen. Informieren Sie das soziale Umfeld des Kindes über den Trauerfall. Rechnen Sie mit ungewöhnlichen sensorischen Erlebnissen und Erfahrungen. Sorgen Sie für Ihr eigenes Wohlbefinden und greifen Sie auf vorhandene Ressourcen zu. 9

10 Mag a.petra Sansone, MAS Schulpsychologin des ÖZPGS Klin- u. Gesundheitspsychologin Notfallpsychologin ÖVS-Supervisorin Österreichisches Rotes Kreuz Bezirksrettungskommando Innsbruck Stadt, FGG7 Fachlicher Hintergrunddienst, Landesverband Tirol 10

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