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3 Sachsen-Anhalt Auf dem Weg zur Inklusion

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5 INHALT Seite 07 Seite 08 Seite 10 Seite 12 Seite 15 Seite 18 Seite 24 Seite 26 Seite 28 Seite 30 Seite 34 Seite 36 Seite 39 Seite 44 Seite 48 Seite 55 Seite 56 Vorwort Einleitung Personennahverkehr barrierefrei Barrierefreies Spiele-Magazin Halberstadt Gemeinsamer Unterricht Projekte der Dorferneuerung Zugang zu Kultur in Leichter Sprache Inklusion im Museum Teilhabe im Sport Tourismus für Alle Informationen über die Landespolitik barrierefrei Gleichberechtigte Teilhabe am politischen Leben Von der Förderschule in den Beruf Von der Werkstatt auf den allgemeinen Arbeitsmarkt Inklusion im Arbeitsleben Impressum Quellennachweis 5

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7 VORWORT Ziel der Landesregierung ist es, dass alle Menschen aktiv am gesellschaftlichen Leben teilhaben können. Ein zentrales Instrument zur Verwirklichung der Teilhabe in Sachsen-Anhalt ist der Landesaktionsplan zur Umsetzung der UN-Behindertenrechtskonvention, der zu Beginn des Jahres 2013 von der Landesregierung auf den Weg gebracht worden ist. Teilhabe für alle bedeutet, Dinge für alle Menschen nutzbar zu machen für Alt und Jung, für Mann und Frau, für Menschen mit und ohne Handicap. Notwendig sind also mehr Berührungspunkte zu dem, was alle brauchen und machen. Der Weg führt letztlich heraus aus einer Welt der Sondersysteme. Je besser es uns gelingt, Teilhabe für alle Menschen zur Normalität werden zu lassen, umso weniger spezielle Schutzräume und Unterstützungsprogramme benötigen wir. Aber keine Angst. Wir gehen nicht den zweiten Schritt vor dem ersten. Ziel ist eine gelingende Inklusion also gleichberechtigte Teilhabe. Alles, was dafür notwendig ist, wollen wir auch anbieten. Wir sind auf dem Weg. Wir wissen aber auch, dass Norbert Bischoff Erfolge nicht immer von heut auf morgen sichtbar werden, und dass es auch Rückschläge geben kann. Schlüssel zum Erfolg ist, dass wir Barrieren in den Köpfen abbauen, alte Denkmuster aufbrechen. Dabei wird schnell klar: Beeinträchtigungen sind Teil menschlicher Vielfalt, Behinderungen das Ergebnis von Barrieren in der gestalteten Umwelt und in den Köpfen der Menschen. Die vorliegende Broschüre stellt gelungene Beispiele für Teilhabe vor. Ich danke allen, die daran Anteil haben. Und ich will Mut machen, mehr Teilhabe zu wagen. In der Vielfalt der Gesellschaft liegt eine große Chance. Nutzen wir sie. Unterschrift Norbert Bischoff Norbert Bischoff Minister für Arbeit und Soziales 7

8 EINLEITUNG Die Generalversammlung der Vereinten Nationen hat mit einer Resolution am 13. Dezember 2006 das Übereinkommen der Vereinten Nationen über die Rechte von Menschen mit Behinderungen (UN- BRK) in Kraft gesetzt. Die UN-BRK verp ichtet die rati zierenden Staaten, den vollen und gleichberechtigten Genuss aller Menschenrechte und Grundfreiheiten durch alle Menschen mit Behinderungen zu fördern, zu schützen und zu gewährleisten und die Achtung der ihnen innewohnenden Würde zu fördern. Mit dem deutschen Zustimmungsgesetz zur Konvention hat die Behindertenrechtskonvention den Status eines Gesetzes erhalten. Somit sind die Bestimmungen des Übereinkommens seit dem 26. März 2009 geltendes Recht und wichtige Leitlinie für die Behindertenpolitik. Die Behindertenrechtskonvention dient dem Schutz der Rechte von Menschen, die langfristige körperliche, seelische, geistige oder Sinnesbeeinträchtigungen haben, welche sie in Wechselwirkung mit verschiedenen Barrieren an der vollen, wirksamen und gleichberechtigten Teilhabe an der Gesellschaft hindern können (Art. 1 UN- BRK). Sie sieht in dem Recht auf Teilhabe am Leben in der Gesellschaft ein universelles Menschenrecht. Sie verp ichtet die Vertragsstaaten, die erforderlichen Maßnahmen zu ergreifen, um allen Menschen einen Zugang zum vollen und gleichberechtigten Genuss aller Menschenrechte und Grundfreiheiten zu eröffnen und Benachteiligungen zu verhindern und zu beseitigen. Bedingung für die Verwirklichung dieses Rechts ist die Herstellung der Barrierefreiheit in allen Lebensbereichen. Das Konzept der Barrierefreiheit, der universellen Gestaltung aller Teilhabeangebote, umfasst mehr als den Verweis auf Hindernisse der physischen Umwelt wie Gebäude oder Transportmittel. Barrieren sind ebenso einstellungsbedingte und rechtliche Hürden, Verhalten und Gep ogenheiten oder mangelndes Bewusstsein. Die rati zierenden Staaten sind verp ichtet, angemessene Vorkehrungen zu treffen, um Diskriminierungen zu verhindern und selbstbestimmte individuelle gleichberechtigte Teilhabe zu gewährleisten. Wenn Ein- 8

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10 PERSONENNAHVERKEHR BARRIEREFREI Der Bahnknoten Merseburg Die Herstellung von Zugänglichkeit ist eine zentrale Anforderung, die sich aus Artikel 9 der UN-Behindertenrechtskonvention ableitet. Zur Verwirklichung der Ziele einer unabhängigen Lebensführung und der vollen Teilhabe in allen Lebensbereichen werden die Vertragsstaaten über diesen Artikel verp ichtet, Maß-nahmen zu treffen, die Menschen mit Behinderungen den gleichberechtigten Zugang zur physischen Umwelt, zu Transportmitteln, Information und Kommunikation und zu anderen Einrichtungen und Diensten ermöglichen. In ihrer Mobilität beeinträchtigte Menschen, zu denen neben Menschen mit Behinderungen auch Menschen mit Kinderwagen oder schwerem Reisegepäck und Ältere gehören, sollen gleichberechtigt am öffentlichen Leben teilhaben können. Dazu gehört auch der barrierefreie Ein- und Umstieg in verschiedene Verkehrsmittel. Ein besonders gelungenes Beispiel für die Herstellung von Barrierefreiheit in Sachsen-Anhalt ist der Bahnhof Merseburg, der nach umfassenden Umgestaltungsmaßnahmen den Belangen mobilitätsbeeinträchtigter Menschen weitreichend entspricht. Merseburg ist ein wichtiger Bahnknoten im Landesnetz Sachsen-Anhalts. Ab Dezember 2015 wird eine neue Regionalexpresslinie, auf der moderne, bis zu 160 Kilometer in der Stunde schnelle und klimatisierte Elektrotriebwagen eingesetzt werden, in Ergänzung zur heutigen Regionalbahnlinie die Anbindung an die Fernverkehrsknoten Halle und Erfurt sicherstellen. Bereits 2011 wurde der Zentrale Omnibusbahnhof in Merseburg zu einer funktionalen und modernen Anlage umgebaut, die den Umstieg zwischen Bus und Eisenbahn deutlich verbessert. Durch Sonderbordsteine ist ein barrierefreier Einstieg in die Busse möglich. Die dynamischen Fahrgastinformationsanzeiger verfügen über Lautsprechermodule, die bei Bedarf den angezeigten Text akustisch ausgeben. Die Einstiegshöhe der neuen Fahrzeuge und die Bahnsteighöhen der im Jahr 2013 erneuerten Bahnsteigkanten sind aufeinander abgestimmt, um das 10

11 Ein- und Aussteigen auch für mobilitätseingeschränkte Reisende zu erleichtern. Zu der modernen Ausstattung des Bahnhofs Merseburg gehören neben Wetterschutz und Sitzgelegenheiten auch Fahrgastinformationsanlagen wie Informationsstelen und dynamische Schriftanzeiger. Diese informieren regelmäßig über gegebenenfalls auftretende Verspätungen und erreichbare Anschlüsse. Die Informationsstele besitzt einen Rufknopf in Rollstuhlfahrerhöhe. Darüber hinaus wurden die Bahnsteige mit einem taktilen und kontrastreichen Blindenleitsystem als Leiteinrichtung für blinde und sehschwache Menschen ausgestattet. Der Bahnsteigtunnel wurde Richtung Westen verlängert. Wie auch bei anderen umfassenden Baumaßnahmen an Zugangsstellen des Personennahverkehrs im Land Sachsen-Anhalt sind die Bahnsteigzugänge durch Aufzüge, Blindenleitstreifen, taktile Bänder vor den obersten und untersten Stufen der Treppen und doppelte Handläufe barrierefrei gestaltet worden. Finanziert werden die Umbauten von Bahnhöfen im gemeinsamen Bahnhof Merseburg Bahnhofsprogramm des Landes Sachsen-Anhalt und der DB Station&Service AG als Betreiberin der Personenbahnhöfe. Dabei ießen Regionalisierungsmittel des Landes, Bundesmittel und Eigenmittel der DB AG in die Projekte. Die Förderung und Betreuung des Programms erfolgt durch die landeseigene NASA GmbH. 11

12 BARRIEREFREIES SPIELE-MAGAZIN HALBERSTADT Kinder erwecken ein Denkmal zum Leben Barrierefreiheit dient nicht nur Menschen mit ständigen Beeinträchtigungen, sondern auch jungen Familien mit Kinderwagen und anderen Menschen mit temporären Behinderungen. Das Spiele-Magazin in Halberstadt ist ein wesentlicher Bestandteil des Vorhabens der barrierefreien Erschließung der Halberstädter Weststadt. Zentrale Projekte dafür sind neben dem Spiele-Magazin eine barrierefreie Bushaltestelle mit Leitsystem zum Spiele-Magazin, Bordsteinabsenkungen und ein Einkaufszentrum, das unter Berücksichtigung der Barrierefreiheit geplant wird. Die Halberstädter Wohnungsgesellschaft mbh hat im Februar 2011 ein Magazingebäude in Halberstadt erworben. Nach der erfolgreichen Sicherung erfolgten der Aus- und Umbau zu einem Indoor-Spielplatz, dem HaWoGe-Spiele-Magazin, in dem alle Kinder und Jugendlichen gleichermaßen gemeinsam spielen können. Eingangshalle des Spiele-Magazins Die Außenanlagen und das Gebäude selbst wurden barrierefrei gestaltet. Planungsgrundlage für das Gebäude bildet die DIN Das Gebäude ist über den Eingangsbereich barrierefrei zugänglich. Der Zugang ist ebenerdig und es sind keine Stufen vorhanden. Schranken und Absperrungen im Eingangsbereich wurden so ausgebildet, dass sie von Rollstuhlfahrerinnen und -fahrern nutzbar sind. Sinnesbeeinträchtigte Menschen werden in Brailleschrift bzw. mit ertastbaren Modellen über das Angebot informiert. Die Gastronomie und der 12

13 Trampolinbereich sind vom Eingang ebenerdig erreichbar. Die höherliegenden Bereiche des Gebäudes werden mit einem Aufzug erschlossen, der mit Tableau mit tastbarer Schrift, Brailleschrift und Sprachansage ausgerüstet ist. Die Treppen im Gebäude haben ausschließlich gerade, beidseitige Handläufe. Die Stufen erhielten Markierungen und Stufenbeleuchtungen. Die Türen sind mit farbigem Licht zur kontrastreichen Gestaltung umrandet worden. Darüber hinaus wurden die Brandschutztüren, die in Verkehrswegen liegen, mit mechanischen Antrieben ausgestattet, damit sie auch im Gefahrenfall problemlos genutzt werden können. Die drei Treppenhäuser sind farblich unterschiedlich gestaltet. Auf jeder Etage wurden barrierefreie Sanitäranlagen geschaffen, die aus allen Bereichen für beeinträchtigte Personen erreichbar sind. Alle Gebäudebereiche und Spielthemen werden durch taktile Orientierungshilfen erklärt. Zudem existieren Kommunika- Mädchen spielt mit Luftballons tionshilfen, die wichtige Informationen in Großschrift und in der Hörvariante für blinde, seh- oder/und hörbeeinträchtigte Menschen zugänglich machen. Auf allen drei Etagen gibt es verschiedene Spielmöglichkeiten für alle Kinder und Jugendlichen. So wurden beispielsweise im Trampolinbereich ein Rollstuhlfahrerkarussell sowie ein Rollstuhlfahrer- 13

14 trampolin eingebaut, rechts und links daneben be nden sich Boxen zur Aufbewahrung z.b. von Hörgeräten. Der multimediale Bereich in der Teenie- Zone kann von Kindern und Jugendlichen mit verschiedenen Handicaps genutzt werden. Die Spielgeräte können auch durch Gesten gesteuert werden und sind für Menschen mit Sehbehinderungen mit hellen LED-Points ausgerüstet. Neben dem Spielen sind Kindergeburtstage ein wichtiges Thema in Indoor-Spielplätzen. Deshalb wird es im Spiele- Magazin zwei Geburtstagszimmer geben. Perspektivisch sind weitere thematische Geburtstagszimmer geplant, davon mindestens drei Zimmer, die den spezi schen Bedürfnissen von Kindern mit Mobilitäts-, Hör- und Sehbeeinträchtigung gerecht werden. Alle Geburtstagszimmerbereiche sind als rollstuhlgerechte Zimmer geplant. Dennoch steht der Inklusionsgedanke auch bei der Gestaltung dieser Zimmer im Vordergrund: Alle Kinder feiern miteinander Geburtstag! Das Projekt HaWoGe-Spiele-Magazin wurde auf verschiedenen Veranstaltungen dem Indoor-Spielplatz der Halberstädter Wohnungsgesellschaft Rolli-Club, der Integrativen Kita Sputnik, dem Cecilienstift (Bereich Behindertenhilfe), dem Internationalen Bildungs- und Sozialwerk e.v. Langenstein und dem Landesbildungszentrum für Hörgeschädigte vorgestellt. Deren Hinweise und Vorschläge wurden und werden bei der Planung und Gestaltung des Spiele-Magazins berücksichtigt. 14

15 GEMEINSAMER UNTERRICHT Ein wesentlicher Baustein inklusiver Bildungsangebote an den allgemeinbildenden Schulen in Sachsen-Anhalt Artikel 24 der Behindertenrechtskonvention verp ichtet die Vertragsstaaten zur Gestaltung eines inklusiven Bildungssystems, das Menschen mit Behinderungen Wissen um die menschlichen Möglichkeiten, Würde und Selbstwertgefühl sowie die Achtung vor den Menschenrechten, den Grundfreiheiten und der menschlichen Vielfalt vermittelt. Das Bildungssystem soll Menschen mit Behinderungen dazu befähigen, ihre Persönlichkeit, ihre Begabungen und ihre Kreativität sowie ihre geistigen und körperlichen Fähigkeiten voll zur Entfaltung zu bringen. Dafür müssen die rati zierenden Staaten sicherstellen, dass niemand vom Bildungssystem ausgeschlossen wird und dass Menschen mit Behinderungen gleichberechtigt mit anderen in der Gemeinschaft, in der sie leben, Zugang zu einem integrativen, hochwertigen und unentgeltlichen Unterricht an Grundschulen und weiterführenden Schulen haben. Die Verwirklichung dieses Rechts verlangt die Implementierung geeigneter Maßnahmen, zu denen unter anderem der gemeinsame Unterricht zählt. Im Jahr 2001 wurde die sonderpädagogische Förderung im gemeinsamen Unterricht explizit in das Schulgesetz des Landes aufgenommen. Seither hat sich dieser in Sachsen-Anhalt kontinuierlich weiterentwickelt. Einen deutlichen Anstieg erfuhr der gemeinsame Unterricht 2005 nach der Implementierung regionaler Förderzentren im Land. Einen weiteren Ausbau dieser Form der sonderpädagogischen Förderung brachte die Einrichtung des Mobilen Sonderpädagogischen Diagnostischen Dienstes, der die Eltern über die Formen der Förderung insgesamt informiert und bei der Entscheidung durch Beratung unterstützt. Gemeinsamer Unterricht ndet zunehmend Akzeptanz als Ort der sonderpädagogischen Förderung. Im Jahr 2013 wurde ein Landeskonzept zum weiteren Ausbau des gemeinsamen Unterrichts verabschiedet. Dieses enthält zahlreiche Maßnahmen zur 15

16 Verbesserung der Unterrichtsangebote und zur Quali zierung der Lehrkräfte. Im Rahmen einer Maßnahme können sich Schulen als Schulen mit inklusivem Schulpro l zerti zieren lassen. Diese Zerti zierung haben zum Schuljahr 2013/14 sechs weiterführende Schulen und 19 Grundschulen erfolgreich beantragt. Zum Schuljahr 2014/15 kamen zwei weitere Grundschulen hinzu. Ziel ist neben der Würdigung der vorangegangenen Schulentwicklung die Weiterentwicklung des Schulpro ls, der Ausbau und die Quali zierung des gemeinsamen Unterrichts an der Mädchen schreibt in Schulheft Schule bei mehr Eigenverantwortung. Die Schulen sollen nach einer mehrjährigen Konzeptentwicklung die Gelegenheit haben, sich für ein Gütesiegel Inklusiv arbeitende Schule Sachsen-Anhalt zu bewerben. Voraussetzung waren umfangreiche Erfahrungen im gemeinsamen Unterricht, die aktive Auseinandersetzung des Gesamtkollegiums mit dem Thema, die feste Einbettung des gemeinsamen Lernens im Schulprogramm sowie die Unterstützung des Schulträgers bei der weiteren Entwicklung dieses pädagogischen Schwerpunktes. Mit der Zerti zierung erhalten die Schulen eine über mehrere Jahre verlässliche Ausstattung mit sonderpädagogischer Kompetenz (Person und Umfang an Lehrer/innenwochenstunden), ohne jährliche neue Antragstellung. Damit werden die Förderschullehrkräfte Mitglied im Team der Pädagoginnen und Pädagogen und tragen wesentlich zur Entwicklung der schulischen Arbeit bei. Die zerti zierten Schulen wurden und werden durch das Kultusministerium inhaltlich eng begleitet. Unterstützend nden in 16

17 regelmäßigen Abständen gemeinsame thematische Veranstaltungen statt, die Gelegenheit zum fachlichen Austausch und zur Auseinandersetzung mit vergleichbaren Herausforderungen bieten. Eine entsprechende Veranstaltung war das Fachgespräch an der Grundschule Altenweddingen aus Anlass des einjährigen Wirkens zerti zierter Grundschulen im Juli 2014, an dem sich die Schulleitungen und Lehrkräfte, Elternvertreter und Vertreter der Schulträger beteiligten. Im Mittelpunkt standen Fragen nach dem bislang Erreichten und nach zukünftigen Schwerpunktsetzungen. Neben Präsentationen der Grundschule Altenweddingen und der Grundschule Ludwig- Uhland Genthin diente das Gespräch insbesondere Vertreterinnen und Vertretern der Schulträger dem fachlichen Austausch. Nicht nur die zerti zierten Schulen erhalten für die Weiterentwicklung des gemeinsamen Unterrichts Möglichkeiten des Erfahrungsaustausches sowie der Fort- und Weiterbil- Gemeinsamer Unterricht dung. Das Landesinstitut für Schulqualität und Lehrerbildung bietet unter anderem stark nachgefragte, einjährige Fortbildungskurse an, in denen sich Grund- und Förderschullehrkräfte sowie Sekundarschul- und Fördeschullehrkräfte gemeinsam mit Fragen der individuellen und sonderpädagogischen Förderung im Schulalltag befassen, um alle Schülerinnen und Schüler zur wirklichen Teilhabe an einer freien Gesellschaft zu befähigen. 17

18 PROJEKTE DER DORFERNEUERUNG Gleichberechtigte Teilhabe am kulturellen Leben im ländlichen Raum Mit der Rati zierung der Behindertenrechtskonvention haben sich die Vertragsstaaten verp ichtet, über geeignete Maßnahmen die umfassende gesellschaftliche Teilhabe von Menschen mit Behinderungen zu gewährleisten. Dazu gehört auch, dass sie Zugang zu Orten kultureller Darbietungen oder Dienstleistungen erhalten, der es ihnen ermöglicht, ihr kreatives, künstlerisches und intellektuelles Potenzial zu entfalten und zu nutzen, nicht nur für sich selbst, sondern auch zur Bereicherung der Gesellschaft. Um Menschen mit Mobilitätseinschränkungen gleichberechtigt am kulturellen und gesellschaftlichen Leben auf dem Land teilhaben zu lassen, wurde bei der Errichtung der Gemeindezentren und Dorfgemeinschaftshäuser besonderer Wert auf die barrierefreie Erreichbarkeit und Zugänglichkeit dieser Gebäude und ihre vielseitige Nutzbarkeit gelegt. Mit diesen Vorhaben wurden Orte der kulturellen und sozialen Begegnung aller Generationen geschaffen und der Veränderung des gemeinschaftlichen Lebens auf dem Lande Rechnung getragen. Der Neubau eines Dorfgemeinschaftshauses im Ortsteil Hermsdorf, Gemeinde Hohe Börde Im Rahmen der Umgestaltung des historisch gewachsenen Ortskerns wurde von der Gemeinde Hohe Börde in Hermsdorf ein Mehr-Generationen- Haus errichtet. Mit dem Neubau des zweigeschossigen Gebäudes in traditioneller Bauweise und einer Satteldachkonstruktion mit Ziegeldeckung wurde der Grundstein für ein Dorfzentrum gelegt. Es wurde im Sinne des universellen Designs behinderten- und altengerecht ausgestaltet. Die Idee der seit mehreren Jahren in diesem Bördedorf praktizierten Mehr-Generationen-Arbeit hat damit eine moderne bauliche Hülle bekommen, die von allen Generationen rege genutzt wird. Hier sind ein großer, in zwei Säle teilbarer Mehrzweckraum, ein Küchentrakt, ein behindertengerechter Sanitärtrakt und ein Kunstatelier entstanden. Elementarer Bestandteil des Konzepts Mehr-Generationen-Haus ist 18

19 ein barrierefreier Zugang, der über eine Rollrampe von der Straße auf den Schulhof und damit direkt zum schwellenfreien Haupteingang gegeben ist. Im Eingangsbereich be ndet sich neben der offenen Treppenanlage ein Aufzug, der in die obere Etage führt. Bewusst ist als Standort der alte Dorfkern gewählt worden, weil hier viele ältere Dorfbewohnerinnen und Dorfbewohner zu Hause sind. Sämtliche Zugänge im Gebäude sind frei von Türschwellen. vielseitigen und traditionsbewussten Vereinslebens im Ort. Das Dorfgemeinschaftshaus dient der Umsetzung des Integrierten Ländlichen Entwicklungskonzeptes der Region Magdeburg im Leitprojekt Leben und Arbeiten Gemeinde Hohe Börde Es ist Teil der Neuen Dorfmitte Hermsdorf, die im alten Dorfkern auch die Schule, die Kindertagesstätte, den Hort, den Jugendclub und die nahe gelegene Hermsdorfer Kulturkirche umfasst. Zudem erleichtern senkrecht verlaufende, langläu ge Türklinken Menschen mit körperlichen Beeinträchtigungen den Zugang zu den Räumlichkeiten. Im Mittelpunkt des Mehr-Generationen-Hauses steht der Offene Treff als Begegnungsraum. Hinzu kommen Räumlichkeiten für Senioren, der Jugendraum als täglicher Treffpunkt der Jugendlichen zur gemeinsamen Freizeitgestaltung und die Kreativwerkstatt für alle Hobbybastler sowie für die Kinder der Grundschule. Das täglich geöffnete Haus ist zentraler Kommunikationspunkt und zudem Zentrum des Kinder spielen Fußball auf dem Schulhof 19

20 Der Umbau und die Sanierung eines ehemaligen landwirtschaftlichen Gebäudes zum Gemeindezentrum in Rogätz Durch Um- und Ausbau einer ehemaligen Maschinen- und Traktorenstation in Verbindung mit dem Neubau einer Sporthalle hat die Gemeinde Rogätz, Mitglied der Verbandsgemeinde Elbe-Heide, ein Gemeindezentrum geschaffen. In dem Gebäude besteht die Möglichkeit, Freizeitsport sowie Feste und Veranstaltungen durchzuführen. Zudem dient das Zentrum dem Vereinsleben. einen gastronomischen Bereich, einen barrierefreien Sanitärtrakt, eine Bowlingbahn und einen Kraftraum für die ortsansässigen Kanutinnen und Kanuten. Die Räumlichkeiten stehen sowohl allen sportbegeisterten Bürgerinnen und Bürgern als auch den Kindern der benachbarten Kindertagesstätte zur Verfügung. Der Zugang zum Gebäude erfolgt über eine Rampe. Der Glasverbinder zwischen Altbau und Sporthalle Im Hinblick auf die Barrierefreiheit wurde hier ein Gebäudekomplex geschaffen, der allen Menschen die Teilhabe an kulturellen und gesellschaftlichen Ereignissen ermöglicht. Nach der kompletten Sanierung des Altbaus, die mit Mitteln aus dem Europäischen Landwirtschaftsfonds für die Entwicklung des länd-lichen Raum gefördert worden ist, beherbergt das Gebäude unter anderem einen Vereinsraum, Gemeindezentrum Rogätz 20

21 ist ebenfalls barrierefrei. Die behindertengerechte Toilettenanlage ist bei Feierlichkeiten des Dorfes wie zum Beispiel dem Weihnachtsmarkt auch der Öffentlichkeit zugänglich. Der Bau der Zweifeld-Sporthalle wurde durch das Ministerium für Inneres und Sport gefördert und wird durch den ortsansässigen Sportverein genutzt. In der Sporthalle führt zusätzlich zu den Treppen ein Lift von den Besucherrängen hinunter auf den Sportboden. Der Lift kann ohne fremde Hilfe bedient werden, so dass Menschen mit körperlichen Beeinträchtigungen sich selbstständig in der Halle bewegen können. Harmonisch ergänzen sich der alte Backsteinbau und die moderne Sporthalle. Beide werten das Gebäudeensemble um den Marktplatz mit Klutturm, Kirche und Kindergarten deutlich auf. Auch dieses Vorhaben ist Teil der Prioritätenliste zur Um-setzung der Entwicklungsstrategie und dient der Umsetzung des Integrierten Ländlichen Entwicklungskonzeptes der Region Magdeburg. Haus der Vereine Reinstedt Der Umbau einer ehemaligen Grundschule zum Haus der Vereine im Ortsteil Reinstedt, Stadt Falkenstein/Harz Das seit langem ungenutzte Gebäude der ehemaligen Grundschule in Reinstedt wurde seit dem Jahr 2011 umfangreich saniert und umgebaut. Die Innenräume mussten entkernt, Fußböden, Decke und Wände neu gebaut werden. Zudem war es erforder- 21

22 lich, eine neue Heizanlage zu installieren und die Elektroanlage zu erneuern. Beim Neubau der Sanitäranlagen wurden behindertengerechte Toiletten eingerichtet. Für den notwendigen barrierefreien Zugang zu den Sanitäranlagen wurde im Gebäude eine Rampe hergestellt. Im Außenbereich ist der Zugang zum Ge-bäude für Rollstuhlfahrerinnen und -fahrer, Rollatorbenutzerinnen und -benutzer und mit Kinderwagen ebenfalls über eine Rampe barrierefrei möglich. Im Mai 2014 wurde das Gebäude als Haus der Vereine und zur Nutzung als Kulturzentrum des Ortes feierlich eröffnet. Das Gebäude ist zwischenzeitlich zum Mittelpunkt des Vereinslebens und Treffpunkt der Seniorinnen und Senioren Reinstedts geworden. Die Vereine, aber auch Gesangs- und Sportgruppen, die bisher in unterschiedlichen Räumlichkeiten im Ort zusammengekommen sind, nutzen jetzt das barrierefrei umgebaute, historische Gebäude für ihre Aktivitäten, das mit seiner Frei äche zusätzlich Raum für Veranstaltungen und Dorffeste bietet. Gelungene Beispiele zur Schaffung von Barrierefreiheit, die entsprechend der Richtlinie über die Gewährung von Zuwendungen zur Förderung der regionalen ländlichen Entwicklung in Sachsen- Anhalt die Vorhaben der Dorferneuerung und -entwicklung zum Gegenstand der Förderung haben, sind darüber hinaus: - Der Umbau einer leerstehenden Kaufhalle zu altersgerechten Wohnungen und einer Begegnungsstätte in Wasserleben - Der Umbau eines Mehrfamilienhauses mit einer barrierefreien Wohnung in Pabsdorf - Die Errichtung einer barrierefreien Toilettenanlage am Parkplatz Staumauer Rappbodetalsperre - Der Einbau einer Winterkirche mit behindertengerechten Toiletten in Königshütte und - Der Neubau eines Dorfgemeinschaftshauses in Wilsleben/Stadt Aschersleben 22

23 Die Realisierung vorgenannter Beispiele und vieler weiterer Maßnahmen war insbesondere durch das Engagement der im Netzwerk Leader in Sachsen- Anhalt arbeitenden Lokalen Aktionsgruppen des Landes möglich. Das Netzwerk wird vom Ministerium für Landwirtschaft und Umwelt koordiniert, während die Förderung der Projekte über die jeweils zuständigen Ämter für Landwirtschaft, Flurneuordnung und Forsten erfolgte. Dorfgemeinschaftshaus Wilsleben 23

24 ZUGANG ZU KULTUR IN LEICHTER SPRACHE Der Museumsführer Sachsen-Anhalt im Internet Die P icht der Staaten, für Menschen mit Behinderungen den Zugang zu kulturellem Material in zugänglichen Formaten sicherzustellen, die in Artikel 30 der Konvention xiert ist, bezieht sich auch auf Museen. Die Museumslandschaft Sachsen-Anhalts wird über die Homepage des Museumsverbandes unter im Internet präsentiert. Sie informiert über Ausstellungen und Angebote der Museen Sachsen-Anhalts. Ein wesentlicher Bestandteil sind kurze Beschreibungen zu einzelnen Museen im Sinne eines Museumsführers. Die herkömmlichen Museumsbeschreibungen enthalten häu g Begriffe, komprimierte komplexe Sachverhalte und Satzkonstruktionen, die schwer verständlich sind. Auch die Art der Gestaltung der Texte erschwert oft die Lesbarkeit. Um allen Menschen den Zugang zur Museumswelt Sachsen-Anhalts zu ermöglichen, hat sich im Jahr 2011 der Verband im Rahmen der Neugestaltung des Interneauftritts dafür entschieden, die Texte zu den ständigen Ausstellungen der Museen zusätzlich in Leichte Sprache zu übertragen. Im Jahr 2012 konnte das Vorhaben dank freundlicher Unterstützung durch das Land Sachsen-Anhalt umgesetzt werden. Hierzu wurde jede einzelne der 180 Museumsbeschreibungen von einer sachkundigen Redakteurin auf die wichtigsten Informationen zu den Inhalten der Museen reduziert und nach den Regeln der Leichten Sprache formuliert. Grundlage bildete Das neue Wörterbuch für Leichte Sprache, heraus-gegeben von Mensch zuerst Netzwerk People First Deutschland e.v.. Jeder Textentwurf ist anschließend von einer Referenzgruppe auf Verständnis gegengelesen worden. Erst wenn diese den Text in Leichter Sprache akzeptierte, wurde er freigegeben und auf der jeweiligen Seite des Museums auf der Homepage des Museumsverbandes eingestellt. Auf der Eingangsseite der Homepage ndet sich das Zeichen für Leichte Sprache mit einem Navigationshinweis zur Auf ndbarkeit der 24

25 Museumstexte in Leichter Sprache. Beim jeweiligen Museum kann der Museumstext in Leichter Sprache abgerufen werden. Der Museumsverband Sachsen- Anhalt e.v. ist die erste öffentliche Museumsberatungsstelle, die sich bemüht, die Museumslandschaft ihres Bundeslandes in Leichter Sprache im Internet zugänglich zu machen. Das Vorhaben bzw. die Vorgehensweise ist auch für Präsentationen einzelner Museen oder Kultureinrichtungen im Internet zu empfehlen. Beispiel aus der Homepage des Museumsverbandes Sachsen-Anhalt e.v. 25

26 INKLUSION IM MUSEUM Fortbildungen für Mitglieder des Museumsverbandes Sachsen-Anhalt e.v. Da mit Unterzeichnung der UN-Konvention über die Rechte von Menschen mit Behinderungen das Thema Inklusion auch für Museen verp ichtend ist, hat der Museumsverband Sachsen-Anhalt e.v. beschlossen, im Jahr 2012 das Thema Inklusion/Barrierefreiheit als Schwerpunkt seiner Fortbildungen zu setzen. Ziel der Fortbildungen sollte sein, die Auseinandersetzung mit folgenden Fragen anzuregen: - Wo behindert das Museum mit physischen aber auch sprachlichen Barrieren? - Wie kann ein angenehmer, sicherer, lehr- und erlebnisreicher Besuch für Menschen mit - Einschränkungen der Bewegung, des Sehens oder Hörens oder des Verstehens ermöglicht werden? - Welche Kooperationsmöglichkeiten können geknüpft werden? Hierzu wurde in Zusammenarbeit mit einer Museumspädagogin eine Fortbildungsreihe ausgearbeitet und angeboten. Ein wesentlicher Aspekt der Fortbildungen ist es, den fachlichen Austausch der Teilnehmerinnen und Teilnehmer untereinander zu ermöglichen. Es zeigte sich, dass einige Museen bereits Angebote für unterschiedliche Behindertengruppen in ihr Programm aufgenommen haben. Sie konnten die Fortbildung mit Berichten aus der Praxis bereichern. Demzufolge ist es empfehlenswert, bei der Erarbeitung eines Programms mit den Betroffenen als Referenzgruppe zusammenzuarbeiten, um den Erfolg des Angebots zu erhöhen. Da Inklusion schon mit der zugänglichen Information zur Barrierefreiheit in einem Museum beginnt, haben im Ergebnis der Fortbildungsreihe einige Museen bereits ihre Angebote zur Barrierefreiheit auf ihrer Internetseite und der Homepage des Museumsverbandes eingestellt. 26

27 Beispiel aus der Homepage des Museumsverbandes Sachsen-Anhalt e.v. 27

28 TEILHABE IM SPORT Kanu-Rennsport wird olympisch Auch im Bereich des Sports rückt das Thema Inklusion zunehmend in den Vordergrund. Neben der Gewährleistung der vollen Teilhabe am kulturellen Leben fordert Artikel 30 der Behindertensrechtskonvention die Vertragsstaaten auf, die Bereitstellung eines geeigneten breiten- und leistungssportlichen Angebots an Anleitung, Training und Ressourcen auf der Grundlage der Gleichberechtigung mit anderen zu fördern. Vereine und ihre Mitglieder unternehmen Bemühungen, Menschen mit Behinderungen die Teilhabe am Sportleben als aktive Sportlerinnen und Sportler und als Vereinsmitglieder zu ermöglichen. Über nanzielle Förderungen werden sie dabei durch das Land Sachsen-Anhalt unterstützt. Parakanuten vom Halleschen Kanu-Club 54 e.v. Für Sportlerinnen und Sportler mit kognitiven Beeinträchtigungen ist Kanusport auf internationaler Ebene seit 2003 eine Disziplin der Special Olympic World Games und in Deutschland seit 2006 der Nationalen Special Olympics. Im Dezember 2010 wurde Parakanuals paralympische Sportart in das of zielle Programm der Spiele 2016 in Rio de Janeiro aufgenommen. Der Hallesche Kanu-Club 54 e.v. ist bundesweit einer der ersten Vereine, der die Sportart Parakanu in sein Vereinsangebot aufgenommen hat. Mit diesem Projekt soll Sportlerinnen 28

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