150 Jahre Kreisverband Selb

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1 6 Zeitschrift des Bezirksverbandes Oberfranken im Bayerischen Lehrer- und Lehrerinnenverband 48. Jahrgang Dezember Jahre Kreisverband Selb Ältester BLLV-Kreisverband in Oberfranken feiert Foto: Gerald Lippert Modernes Lernen beim Lehrertag Was kann Schule (wirklich) leisten? LehrplanPlus ein Plus an Bildung? Bayern vorn beim GS-Ländervergleich

2 Angemerkt Stress in der Grundschule? Deutscher Kinderschutzbund (DKSB) veröffentlicht beachtenswerte Studie Eine Studie vom PROSOZ-Institut für Sozialforschung", in Auftrag gegeben vom Deutschen Kinderschutzbund, erregte in den vergangenen Tagen die Aufmerksamkeit der Presse. Keine Zeitung, die sich dieser Meldung verschloss: Stress schon in der Grundschule! Wir könnten uns jetzt ganz beruhigt zurücklehnen und feststellen: Welcher Grundschullehrer weiß das nicht? Aber ganz so einfach wollen wir es uns denn doch nicht machen. Bereits bei Veröffentlichung der Ergebnisse des Ländervergleichs 2011 im Primarbereich durch das Institut für Qualitätsentwicklung im Bildungswesen in Berlin machten wir als BLLV deutlich, dass auf der einen Seite durch die hervorragende Arbeit unserer Grundschullehrkräfte gute Leistungen in der Grundschule möglich sind, dass andererseits aber diese Ergebnisse auch ihren Preis haben. Aus Sicht unseres Präsidenten, Klaus Wenzel, sollte deshalb die Veröffentlichung dieser Studie auch dazu genutzt werden, über die Arbeitsbedingungen der Lehrkräfte sowie die Lern- und Lebensbedingungen der Grundschüler nachzudenken: Es ist der Öffentlichkeit zu wenig bekannt, dass viele Grundschullehrkräfte einer Dauerbelastung ausgesetzt sind, die oft nicht mehr erträglich ist, zu große Klassen, eine immense Spreizung bezüglich des Verhaltens und der Leistungen der Kinder sowie steigende Erwartungen seitens vieler Eltern erschwerten die Arbeit. Dazu kommt, gerade bei den engagierten Lehrern, eine große Unzufriedenheit, weil sie nicht alle Schüler so fördern können, wie sie es gerne wollten. Das führt schließlich dazu, dass gerade die Schwächsten auf der Strecke bleiben. Diese Ausgrenzung hat leider auch die aktuelle Studie bestätigt. Wenzel monierte, dass die Studie den wachsenden Übertrittsdruck, der an Grundschulen herrsche, unberücksichtigt lasse. Er wirkt sich auf das Verhalten vieler Kinder aus, bremst ihre Lern- und Leistungsbereitschaft und macht viele krank. So gut das Abschneiden beim Ländervergleich auch ist, der Preis, den Kinder, Eltern und Lehrer dafür zahlen müssen, ist hoch. Wenzel forderte das Kultusministerium auf, umgehend Veränderungen einzuleiten, die den absurden Druck abbauen helfen. Bislang hat keine einzige Maßnahme etwas dazu beigetragen, die Not zu lindern. Er sei nicht glücklich - und niemand könne dies sein - dass Kinder an den bayerischen Grundschulen einem enormen Lern- und Leistungsdruck ausgesetzt seien, sagte Wenzel. Dieser Druck führe dazu, dass viele Kinder unter Stresssymptomen wie Übelkeit, Bauchweh, Kopfschmerzen, Konzentrationsproblemen oder Schlafstörungen leiden würden, weil sie sich überfordert fühlten. Kindliche Bedürfnisse können im Schulalltag dritter und vierter Grundschulklassen kaum eine Rolle spielen. Im Mittelpunkt stünden Leistungsnachweise und der Erwerb von Berechtigungen. Und eine weitere Schlussfolgerung ist für uns interessant: Wir als BLLV sind davon überzeugt, dass trotz aller Widrigkeiten die Grundschule die beste Schule ist, die wir haben. Die Kinder profitieren in hohem Maß vom Engagement der Lehrkräfte, von der Heterogenität und den innovativen Lernmethoden. Und wir stellen deshalb immer wieder die Frage, warum eine solch erfolgreiche Schulform nach vier Schuljahren einfach beendet wird. Es ist paradox, dass Schülerinnen und Schüler die Grundschule nur vier Jahre besuchen, um Weihnachten hält das Jahr zusammen Uns würden viele sinnliche Erlebnisse fehlen: Kerzen anzünden, über den Weihnachtsmarkt bummeln, duftenden Glühwein trinken oder Lebkuchen und Plätzchen naschen. Viele Menschen, die wir mögen am Ende sogar die eigene Verwandtschaft würden wir kaum mehr treffen, wenn es Weihnachten nicht gäbe. Nicht einmal mehr die jährliche Weihnachtskarte in Zeiten der elektronischen Post fast völlig aus der Mode gekommen an Freunde und Bekannte würden wir mehr schreiben. Mir jedenfalls würde ein Jahr ohne Weihnachten nicht gefallen. Wir wären alle ein Stück einsamer und damit ärmer. Liebe Leserinnen und Leser, diese Gedanken kommen als Einladung, die Festtage richtig zu genießen. Vor allem mit den Menschen, die Ihnen besonders viel bedeuten. Der BLLV Oberfranken und die Redaktion der fränkischen schule wünschen Ihnen eine schöne Weihnachtszeit und alles Gute für dann auf eine weiterführende Schule zu wechseln, wo sich die Situation schlagartig verändert und Leistungen deutlich unter internationale Vergleichsmaßstäbe fallen. Wir plädieren als BLLV deshalb seit Jahren für eine Veränderung der Schulstruktur, die allen Kindern und Eltern, die es wünschen, eine längere gemeinsame Schulzeit ermöglicht. Und hier sind wir wieder bei der Studie des Kinderschutzbundes. Die repräsentative Umfrage unter 5000 Kindern zwischen sieben und neun Jahren ergab, dass die Schule für die Kinder fast bundesweit der meistgenannte Stressfaktor ist. Je näher man auf den Übertritt zusteuert, desto stärker der Stress. Und so ist es auch zu erklären, dass Kinder in der dritten Klasse doppelt so häufig den Erfolgsdruck als Stress empfinden als noch die Kinder der zweiten Jahrgangsstufe. Warum nur fast bundesweit? Berlin mit einer sechsjährigen Grundschulzeit und verbreiterter schulübergreifender Schulanfangsphase war das einzige Land, in dem Schule nicht der häufigste Stressfaktor für die Kinder war, sondern erst an dritter Stelle hinter Ärger und Streit sowie Familie rangierte. Eine längere gemeinsame Schulzeit? Wir werden weiter dafür kämpfen, damit Kinder auch in Bayern stressfrei lernen können. Peter Bauer, Bezirksvorsitzender Zum Titelbild: Das war schon etwas ganz Besonderes: Genau zum Welt-Lehrer-Tag (5. Oktober) feierte der Kreisverband Selb mit einem Festakt sein 150-jähriges Jubiläum. Er ist damit der älteste Kreisverband im BLLV Oberfranken. Vorsitzender Heinz Ziegler plädierte in seiner Ansprache dafür, Kinder wieder Kinder sein zu lassen und in dieser schnelllebigen Zeit vor allem im Bereich der schulischen Bildung mehr Ruhe einkehren zu lassen. Die Festrede hielt BLLV-Präsident Klaus Wenzel. Beim Jubiläum des KV Selb feierten mit: von links Kreisvorsitzender Heinz Ziegler, Ehrenkreisvorsitzender Walter Schubert, BLLV-Bezirksvorsitzender Peter Bauer, Landrat Dr. Karl Döhler (Landkreis Wunsiedel), Oberbürgermeister Wolfgang Kreil (Selb) und BLLV-Präsident Klaus Wenzel. Bericht auf S. 3. Gerald Lippert 2 fs 6/2012

3 Passender hätte der Termin nicht sein können: Genau am Welt-Lehrer-Tag feierte der KV Selb sein 150-jähriges Bestehen in den Räumen der Musikschule Selb im Rosenthal-Theater mit einem Festakt, an dem zahlreiche Ehrengäste und Mitglieder teilnahmen. Der KV Selb ist der älteste Kreisverband des BLLV Oberfranken. Der Lehrer von heute steht in einem Spannungsfeld zwischen Schülern, Eltern und der Schulaufsicht mit all ihren Anforderungen, die nicht geringer geworden sind, verdeutlichte Kreisvorsitzender Heinz Ziegler bei der Eröffnung der Veranstaltung. Zudem bestätigten Schulpsychologen, dass Grundschüler heute zwei bis drei Jahre benötigen, um sich an das Regelsystem Schule zu gewöhnen. Mit weiteren Zitaten und Aussagen plädierte Ziegler dafür, Kinder wieder Kinder bleiben zu lassen und in der schnelllebigen Zeit vor allem im Bereich der schulischen Bildung mehr Ruhe einkehren zu lassen. Begriffe wie Demut, Respekt vor anderen Menschen und Disziplin sollten verstärkt ihre Position in den Schulen finden. Disziplin sollte aber nicht mit Gewalt eingefordert werden, so Ziegler weiter, sondern sie müsse voraussetzbar sein. Gerade in der heutigen Zeit ist es wichtig, dass ein Lehrer einen starken Verband hinter sich weiß, der ihm den Rücken freihält, der seine Interessen vertritt, und falls nötig auch einmal für ihn streitet, aber auch das Wohl der Schulkinder mit im Vordergrund sieht, schloss Ziegler. BLLV-Präsident Klaus Wenzel hielt die Festrede zum Thema Bildung ist Menschenrecht : 150 Jahre BLLV auf Landesebene und 150 Jahre BLLV in Selb, das erfüllt uns mit Stolz und Selbstbewusstsein. Nach der großen Feier im Sommer in Regensburg mit rund 3000 Mitgliedern folge nun das Jubiläum in Selb. Stolz könne man deshalb sein, weil fs 6/2012 der BLLV mit über Mitgliedern die größte Berufsorganisation von Pädagogen in Bayern sei, in der Lehrerinnen und Lehrer aller Schularten, aber auch Erzieherinnen organisiert sind. Feiern bedeutet Rückblick zu halten und zugleich den Blick nach vorne zu wagen. Der BLLV kämpfte und kämpft nach wie vor für eine starke Lehrerschaft. Dieser Kampf besteht immer aus politischer Einmischung, aus dem Aufzeigen sinnvoller Alternativen und aus der professionellen Auseinandersetzung mit dem Bildungsauftrag. Wenzel erinnerte an die früher geringe gesellschaftliche Anerkennung des Lehrerberufs, die mit kirchlicher Schulaufsicht und starker Kontrolle verbunden war. Heute werde der Status der Lehrer nach Rückschritten wieder mehr anerkannt. Es gelte aber noch immer die gleiche Bedeutung der Lehrer aller Schularten und Schulstufen bewusst zu machen. Schon vor 150 Jahren hieß das Motto: Alle Lehrer sind Lehrer! Stolz sei der BLLV auf seine politische Unabhängigkeit, da er sich ausschließlich über Mitgliedsbeiträge finanziere. Das mache es der Politik manchmal schwer, vernünftig mit dem Verband umzugehen. Als bildungspolitische Kraft erkennt der BLLV frühzeitig gesellschaftliche Veränderungen. Bereits vor 30 Jahren habe er auf das Thema Inklusion hingewiesen, das allerdings nicht zum Nulltarif umzusetzen sei, bemängelte Wenzel. Wir haben eine klare Vision von einer Schule, in der junge Menschen gern und gut lernen. Das gelingt nur mit intensiver und individueller Förderung der Kinder. Um dies voranzutreiben bleiben wir mit allen Parteien im Gespräch. 150 Jahre BLLV Vision von einer guten Schule KV Selb feierte 150-jähriges Bestehen mit einem Festakt in der Musikschule BLLV-Präsident Klaus Wenzel Zahlreiche Ehrengäste fanden sich zum Jubiläum des KV Selb ein: vordere Reihe von links Winfried Wedekind (BLLV-Ehrenbezirksvorsitzender), Andrea Veit (2. Bürgermeisterin Schönwald), Oberbürgermeister Wolfgang Kreil, Landrat Dr. Karl Döhler, BLLV-Präsident Klaus Wenzel, Peter Bauer (BLLV- Bezirksvorsitzender), Kreisvorsitzender Heinz Ziegler und Walter Schubert (Kreisverbands-Ehrenvorsitzender). Seit seiner Gründung kämpft der Verband für die beste Bildung aller Kinder unabhängig vom sozialen Status der Eltern oder der regionalen Herkunft, denn Bildung sei ein Menschenrecht. Falsch sei es, dass Kinder nach der vierten Klasse aussortiert und somit auch ausgegrenzt werden. Schule ist die einzige Einrichtung, in die alle Kinder gehen. Sie muss über das Wissen hinaus das soziale Miteinander stärken. Der BLLV fordert deshalb eine längere gemeinsame Schulzeit ohne Druck, Angst und Stress. Ebenso müsse eine regionale Schulentwicklung mit dem Erhalt der Haupt- und Mittelschulen möglich sein, führte Wenzel aus. Der BLLV wird seine Hausaufgaben machen und auch künftig schulpolitisch kämpferisch nach vorne schauen und sich für Lehrer und Schüler gleichermaßen stark machen. Grußwortredner Die Grußwortredner gratulierten dem KV Selb zu seinem spektakulären Verbandsjubiläum, wie es Landrat Dr. Karl Döhler formulierte. Zu den klaren Aussagen von Ziegler ergänzte er, dass Respekt für ihn viele Inhalte umfasse. Wenn ich Respekt gegenüber Menschen, Tieren oder der Umwelt zeige, bin ich auch diszipliniert und tolerant. Deshalb sei der Bereich Bildung auch das Spiegelbild unserer Gesellschaft. Der BLLV sei wichtig, um dort mitzudiskutieren, wo Bildungspolitik entschieden wird. Der neue Ländervergleich der Grundschulen bestätige, dass wir uns auf unsere bayerischen Lehrer verlassen können. 3

4 Schul- und Bildungspolitik Selbs Oberbürgermeister Wolfgang Kreil betonte: Was man in der Bildungspolitik wirklich braucht, sind nicht besondere Organisationsformen in vorgegebenen Takten, wie bei der Inklusion, sondern viel Zeit für die Kinder. Danach können die jungen Menschen alleine ihren Weg weiter gehen und ihren Platz in der Gesellschaft finden. Derzeit seien die Voraussetzungen für einen Ausbildungsplatz auch für Schüler der Regelschulen deutlich besser geworden. Als Sachaufwandsträger statte die Stadt Selb ihre Schulen bestens aus. Ergänzend zum Landrat überreichte er dem KV Selb auch ein Gastkuvert. BLLV-Bezirksvorsitzender Peter Bauer dankte den Vorstandsmitgliedern in Selb für ihre engagierte Arbeit und für die Ausrichtung der Jubiläumsfeier. Der KV Selb ist der älteste in Oberfranken und vieles in der Geschichte des BLLV habe sich bei der Gründung auf den Raum Fichtelgebirge konzentriert. Neben Veit Sittig aus Kirchenlamitz, einem der oberfränkischen Verbandsgründer, habe damals Georg Hubert aus Selb die Junglehrerorganisation (ABJ) des BLLV ins Leben gerufen. Leider stelle sich das große Problem, dass seit Jahren die jungen Lehrer von Oberfranken nahezu vollständig in Oberbayern ihren Dienst antreten müssen und so bei uns das Durchschnittsalter in den Lehrerkollegien immer höher ist. Nach erheblichen Protesten des BLLV und der ABJ konnten in diesem Schuljahr wenigstens die Junglehrer mit Kindern bleiben. Musikalisch flott mit Jazzeinlagen umrahmt wurde der Festakt von Igor Rattassep (Piano) und Bernd Schricker (Saxophon) von der Musikschule Selb. 150 Jahre KV Selb Ausführlich und sehr detailliert blickte Walter Schubert, Ehrenvorsitzender des KV Selb, beim Festakt auf die Geschichte des örtlichen Lehrervereins zurück. Er listete dabei auch die Vorsitzenden der letzten Jahrzehnte auf: Gründung die Herren Höchstädter, Wirth und Kolb 1957 bis 1977 Wilhelm Bäßler 1977 bis 1986 Peter Kania 1986 bis 2008 Walter Schubert Seit 2008 Heinz Ziegler Heinz Ziegler dankte der Stadt Selb für die Überlassung der Räumlichkeiten und Carina Benning, Leiterin der Musikschule Selb, für ihre tatkräftige Mithilfe bei der Ausgestaltung der Feier. Text / Fotos: Gerald Lippert 150 Jahre BLLV 150 Jahre für Lehrer und Schüler Bezirksausschuss des BLLV Oberfranken tagte in Baiersdorf Bei der glanzvollen Jubiläumsveranstaltung unseres Verbandes in Regensburg blickte man auf eine lange Erfolgsgeschichte zurück. Ohne den BLLV und sein stetes Mahnen an die Politik würde im Schulbereich noch vieles im Argen liegen. Dafür gab es auch beim Festakt Lob und Anerkennung vom Kultusminister. Es gibt aber aus unserer Sicht immer noch genügend Baustellen. Wir grenzen auch 150 Jahre nach Gründung des BLLV in unseren Schulen immer noch aus, wir stecken noch immer in Schachteln, meinte Bezirksvorsitzender Peter Bauer bei der Bezirksausschusssitzung des BLLV Oberfranken. Wir seien zudem immer noch weit von den Idealvorstellungen unseres Gründervaters Karl Heiß entfernt. Auch in Zukunft wird für den BLLV gelten: Wenn eine Schule oder ein Schulsystem Kinder sozial ausgrenzt, stehen wir dagegen auf. Und unsere Perspektive: Bildung muss die Gesellschaft zusammenführen, muss zu gegenseitigem Respekt führen, muss Heterogenität als Chance begreifen und dafür sorgen, dass sich neben wichtigen Kompetenzen wertvolle Einstellungen und Haltungen entwickeln. Diese Werte bestimmen unsere Politik. (aus der Festrede des Präsidenten Klaus Wenzel) Im Verlauf des Sommers gab es viel Aufregung an den Schulen, weil die Lehrerstunden nicht ausreichten. Das Kultusministerium hatte einfach die Prognosen für die Zahl der Mittelschüler zu niedrig angesetzt, um die Mittelschule als Erfolgsmodell verkaufen zu können. Ein Beamter im Ministerium hatte wohl die Propaganda der Politik geglaubt und berechnete die Lehrerstunden entsprechend gering. In einigen Schulamtsbereichen konnte nicht einmal das Soll der verpflichtenden Stundentafel abgedeckt werden, schließlich wurde durch unseren Protest nachgebessert. Der Vorsitzende zeigte sich enttäuscht, wie hier die Politik mit Lehrern und Schulleitern umgehe, welche die Vorgaben umsetzen oder besser gesagt ausbaden müssen. Bereits beim letzten Doppelhaushalt hatte BLLV-Präsident Klaus Wenzel moniert, dass die in der Koalitionsvereinbarung zugesicherte demografische Rendite im Haushaltsplan nicht korrekt umgesetzt wurde. Das Kultusministerium kritisierte damals heftigst den BLLV-Präsidenten und warf dem BLLV vor, Zahlen zu manipulieren. Zu Unrecht, wie sich herausstellte! Im Entwurf zum Doppelhaushalt 2013/14 erfolgte nun das gleiche Spiel: Zahlreiche Lehrerstellen sind im Haushaltsentwurf nicht aufzufinden. BLLV-Präsident Klaus Wenzel verfasste einen Brief an den Kultusminister mit der Bitte um Aufklärung. Eine Antwort von Dr. Ludwig Spaenle ließ lange auf sich warten. Am 26. Oktober bedankte sich der Minister für die Anfrage. Drei Seiten lang wurde viel geschrieben und vorgerechnet, für uns als BLLV jedoch keine befriedigende Erklärung abgegeben. Es wurde lediglich eingeräumt, dass 371 Stellen im Jahr 2014 eingezogen werden! Der BLLV hat sich daraufhin zu einem offenen Brief an den Kultusminister entschlossen. Dieser wird nun im Internet bereitgestellt und jeder könne mit seiner Unterschrift die Aktion unterstützen. Der Minister solle merken: Wir Lehrer lassen uns diese Hütchenspiele nicht gefallen, so der Bezirksvorsitzende. Wir wollen ehrliche Politik machen und eine Basis schaffen, auf der man gut unterrichten kann, damit Schülerinnen und Schüler sich wohl fühlen und Lehrkräfte zufrieden ihre Arbeit machen können, betonte Peter Bauer. Entsprechend der wegfallenden Praxisgebühr wird bei den Beamten der Eigenbehalt bei Arztrechnungen wegfallen, informierte Brigitte Lange, Referentin für Dienstrecht und Besoldung. Als Beauftragter für die Pensionisten berichtete Winfried Wedekind, dass 2013 der Pensionistentag in Lichtenfels stattfinden soll. Als Botschafter der Kinderhilfe wies Winfried Wedekind auf die letzte Bayerische Schule hin mit Berichten über das Kinderhaus Casadeni in Ayacucho / Peru, das von der BLLV-Kinderhilfe getragen wird. Gerade Fördermitgliedschaften stellen neben Spenden eine kontinuierliche Basis dar. Unterstützt wird Wedekind in Oberfranken durch Ingrid Krauß als weitere Botschafterin der Kinderhilfe. Auch in diesem Jahr hatten sich viele Kolleginnen und Kollegen zum Lehrertag angemeldet. Vormittags waren viele Workshops mehr als ausgebucht, für die Nachmittagsveranstaltungen hätten wir uns jedoch noch mehr Teilnehmer erhofft, erläuterte Henrik Schödel, Referent für Berufswissenschaft. Es werde daher überlegt, die Nachmittagsrunde wegfallen zu lassen und dafür mehr Veranstaltungen am Vormittag anzubieten. Für das kommende Jahr am 19. Oktober 2013 ist Dr. Armin Krenz vom Institut für angewandte Psychologie und Pädagogik (IFAP) in Kiel mit dem Thema Die sieben Säulen der Erziehung als Hauptreferent angedacht. Rainer Glissnik 4 fs 6/2012

5 Unsere Kinder- und Jugendzeitschriften... weil die Themen aus dem täglichen Leben aufgegriffen werden, modern und dennoch kindgerecht sind, sie sprechen stets die Kinder an. Becky Prosch GS Bad Rodach TR Forscher der amerikanischen Carnegie-Mellon-Universität in Pittsburgh konnten Tnachweisen, dass intensive Leseförderung bei acht- bis zehnjährigen Kindern nicht nur deren Lesefähigkeit, sondern auch den Datenaustausch zwischen verschiedenen Gehirnbereichen deutlich Overbesserte. Das kam auch anderen kognitiven Leistungen zugute! Der BLLV sieht das als eine Bestätigung für sein über zehnjähriges Engagement für das FLOH-Lesefitness-Training! Klaus Wenzel, Präsident des BLLV A A O G Die vom BLLV in vier (!) altersgemäßen Ausgaben herausgegebene Schul-Jugendzeitschrift FLOHKISTE/floh! ist die älteste noch erscheinende Jugendzeitschrift der Welt. Wir sind stolz darauf, dass es unseren Kolleginnen Rund Kollegen an den Schulen vor Ort durch ihre Lese-Empfehlung an die Eltern gelungen ist, unser pädagogisches Produkt präsent zu erhalten! Wir müssen für unsere Kinder- und Jugendzeitschriften auch weiter im Einsatz bleiben: Gerade jetzt, wo Hirnforscher darauf hinweisen, dass Gedrucktes besser im Gedächtnis bleibt, als an Bildschirmen Wahrgenommenes. Gisela Jahreiß, BLLV-Kreisvorsitzende Coburg-Land Warum ich Schülerinnen und Schülern und deren Eltern FLOHKISTE oder floh! zum Bezug empfehle?... weil die Zeitschrift frei von Werbung ist und weil den Schülern, ihrer Jahrgangsstufe gerecht, viel Lesestoff angeboten wird. Weil den Eltern in der Beilage wertvolle Tipps gegeben Gwerden. Petra Knoch GS Bad Rodach SVerraten Sie uns, was Sie den Eltern sagen? 089/

6 Schul- und Bildungspolitik Bildung und Erziehung Was kann die Schule (wirklich) leisten? Wenn jemand von der Uni kommt, erwarten Sie, dass die Theorie im Vordergrund steht. Um es gleich vorweg zu sagen: Sie haben recht. Jedoch: Nichts ist praktischer als eine gute Theorie, so Prof. Dr. Günther Schorch anlässlich seines Referats vor dem BLLV-Bezirksausschuss in Baiersdorf. Bildung und Erziehung sind die zentralen Begriffe, um die es sich beim Arbeiten von Lehrern mit Schülern dreht. Doch wer spricht da nicht alles mit und hat doch so wenig Ahnung. Angefangen bei allerorts veranstalteten Quizshows, die sich den Anschein geben Bildung zum Thema zu haben, bis hin zu Eltern, die ihre angeblichen Fachkenntnisse aus der eigenen Schulzeit ableiten. Professor Schorch grenzt in seinem Vortrag deutlich ab: Berufspädagogen brauchen im Gegensatz dazu ein zeitgemäßes, theoriebezogenes Anwendungswissen, Profiwissen unterscheidet sich via Fachsprache vom Alltagswissen. Was ist aber Bildung, wann ist ein Mensch gebildet? Die Bildungswissenschaft spricht in der Regel von einem gebildeten Menschen, wenn dieser einerseits umfangreiche Kenntnisse und Fähigkeiten besitzt (Wissensebene), das Gelernte wirklicht versteht und entsprechende Einsicht zeigt (Haltungsebene) und letztendlich ein Selbstwertgefühl und (moralische) Urteilskraft besitzt, abwägend reflektiert und sozialverantwortlich handeln kann, so Prof. Schorch. Wichtig bei dieser Betrachtung ist der Aspekt, dass Bildung stets intransitiv ist, dass Bildung stets Selbstbildung ist. Das heißt, so der Wissenschaftler, dass Bildung zwar durch Erziehung, Unterricht und Ausbildung gestützt werden kann, jedoch vom Einzelnen selbst aufgebaut werden muss. Somit kommt man an die Grenzen der schulischen Bildung: Bildung kann nicht erzwungen werden. Das Fazit des Referenten lautet: Wir Pädagogen können allenfalls zwischen Bildungszielen des Lehrplans und den Bildungsvoraussetzungen der Schüler vermitteln. Mit der Frage ans Plenum, ob Lehrer in der Schule auch erziehen, eröffnete sich ein weiteres großes pädagogisches Feld innerhalb des täglichen Arbeitens von Lehrkräften in Schulen: der Erziehungsbegriff. Zunächst muss festgestellt werden, dass Erziehung im Gegensatz zum Vorgang Bildung ein transitiver Prozess ist, das heißt, jemand wird erzogen. Der Erzieher versucht beim zu Erziehenden eine Verhaltensveränderung herbei zu führen. Ziel dabei sind die Selbstständigkeit und Mündigkeit, aber auch die Aspekte Fürsorge, Gegenwirken und Unterstützen spielen eine tragende Rolle. Ein wichtiges Bestimmungsmerkmal ist nun, dass sich der Erziehungserfolg nur im realen Handlungsfeld erweisen kann, daraus ergibt sich auch die Grenze des erziehenden Unterrichts: Schule kann nur für Schule und in der Schule erziehen! Schorch formuliert die Gefahr für Schule, zum Sündenbock der Gesellschaft in Erziehungsfragen gemacht zu werden, deutlich: Lässt sich Schule erst einmal auf eine allgemeine Erziehungsverantwortung im Gesellschaftssystem ein, ist bei Fehlverhalten von Kindern und Jugendlichen schnell ein Schuldiger gefunden! Die Schule trägt selbstverständlich Erziehungsverantwortung im eigenen Handlungsfeld, denn die Eltern geben ihre Kinder für eine bestimmte Zeit in die Obhut der Schule. Die Schule muss und kann im und für ihr eigenes Schulleben erziehen: Im Schulhaus, bei schulischen Veranstaltungen, Ausflügen oder Schullandheimaufenthalten. Schule hat somit die Pflicht, sozusagen für Ordnung im eigenen Stall zu sorgen! Und hier gibt es für die Schule genügend und schwierige Erziehungsaufgaben im eigenen Bereich: Umweltbewusstes Verhalten, Einüben sozialer und demokratischer Verhaltensweisen oder Anwendung von Konfliktstrategien, um nur einige Beispiele zu nennen. In diesem Sinne müssen Normen akzeptiert und Grenzen gesetzt werden. Vor allem aber soll schulische Erziehung Selbsterziehung fördern: Die Kinder erfahren von Anfang an, dass sie für ihr Lernen selbst zuständig und verantwortlich sind. Hier kann eine nachhaltige Lernkultur in Gang gesetzt werden, die Lebenschancen eröffnet. Wir können dann hoffen, dass Erziehungserfolge im Mikrokosmos des Schullebens auch auf außerschulische Verhaltensweisen ausstrahlen. Garantieren können wir dies allerdings nicht, so Schorch. Wer sich tiefgreifender auf das weite Feld Bildung und Erziehung begeben will, dem sei das Studienbuch Grundschulpädagogik (UTB, Bad Heilbrunn 2007) von Prof. Dr. Günther Schorch ans Herz gelegt. Zusammengestellt von Brigitte Klauer nach Skript Prof. Schorch Professor Dr. Günther Schorch (Universität Bayreuth) sprach bei der Bezirksausschusssitzung des BLLV Oberfranken über Bildung und Erziehung Was kann Schule (wirklich) leisten? Foto: Rainer Glissnik Wichtige Telefonnummer Tim ruft bei der Auskunft an Geben Sie mir doch bitte die Telefonnummer vom Christkind. Dann brauche ich nicht erst einen Wunschzettel zu schreiben! Kompliment für Bayerns Grundschullehrkräfte Die Ergebnisse des Ländervergleichs 2011 im Primarbereich, die das Institut für Qualitätsentwicklung im Bildungswesen vorgestellt hat, wertete BLLV-Präsident Klaus Wenzel als großes Kompliment für Bayerns Grundschullehrkräfte. An den Grundschulen wird hervorragende Arbeit geleistet, die Lehrkräfte zeichnen sich durch Methodenvielfalt und pädagogisch integrative Arbeit aus. Übersehen werden sollte aber nicht, dass viele von ihnen dabei täglich an ihre persönliche Grenze gehen, denn besonders unterstützt werden sie nicht. Das vorherrschende Thema an Bayerns Grundschulen sei auch in diesem Schuljahr der Personalmangel bei gleichzeitig steigenden Anforderungen. Darüber dürfe das gute Ergebnis nicht hinweg täuschen. Der BLLV fordert daher, für jede Klasse eine zusätzliche pädagogische Fachkraft zur Verfügung zu stellen. Mit den Ergebnissen des Ländervergleiches werde erneut die Frage nach dem Sinn der frühen Auslese in Deutschland aufgeworfen. Es ist geradezu paradox, dass Schülerinnen und Schüler die Grundschule nur vier Jahre lang besuchen, um dann auf eine weiterführende Schule zu wechseln, wo sich die Situation schlagartig ändert und Leistungen deutlich unter internationale Vergleichsmaßstäbe fallen, sagte Wenzel. Trotz aller Widerstände plädiert der BLLV deshalb seit Jahren für Veränderungen in der Schulstruktur, die allen Kindern und Eltern, die es wünschen, eine längere gemeinsame Schulzeit ermöglichen. Wir haben schon viele konstruktive Vorschläge dazu gemacht. Es wird höchste Zeit, auch in Bayern über Veränderungen nachzudenken. fs 6 fs 6/2012

7 Der neue LehrplanPlus ist in Vorbereitung. Der Grundschullehrplan soll im Schuljahr 2014/15 in Jahrgangsstufe 1 und 2, im Schuljahr 2015/16 in Jahrgangsstufe 3 und 4 in Kraft gesetzt werden. In der Realschule, der Mittelschule und im Gymnasium findet die Inkraftsetzung im Schuljahr 2016/17 in den Jahrgangsstufen 5 und 6 statt. Drei wesentliche Ziele verfolgt dieser neue LehrplanPlus : 1. Die Kompetenzorientierung, 2. das LIS (das Lehrplan-Informations- System) und 3. das Management der Übergänge. Simone Fleischmann, Leiterin der Abteilung Berufswissenschaft im BLLV, informierte bei der Klausurtagung in Baiersdorf durchaus auch kritisch über die Entwicklung des neuen Lehrplans. Man kann Schule nicht durch einen Lehrplan ändern unterstrich Simone Fleischmann. Lernen sei ein kommunikativer Prozess. Wer Kinder zu kompetenten, starken und selbstbewussten Persönlichkeiten erziehen wolle müsse in Beziehungen denken und in Beziehungsfähigkeit investieren. Keiner dürfe als Verlierer zurückgelassen werden. Im Siegerland Bayern gebe es viele systembedingte Verlierer, stellte Simone Fleischmann fest. Zu welchem Preis erzielten unsere Kinder die guten Ergebnisse bei PISA und Co? Nichtbayerische Schüler könnten bei dieser Art von Aufgabenstellung gar nicht zu optimalen Ergebnissen kommen, weil dort bei der Leistungserhebung längst andere Schwerpunkte gesetzt werden, weg von reiner Reproduktion von Wissen hin zu reflektierten Lerninhalten. In vielen Ländern ist Kompetenzorientierung Grundlage der Lehrpläne, demnächst vielleicht auch in Bayern. Frage sei, ob der neue LehrplanPlus Lernziele und Lernformate zulasse, die entsprechende Kompetenzen vermitteln. Aufgabe von Simone Fleischmann in der Lehrplankommission ist nicht die Entwicklung der Fachlehrpläne. Ihr Ziel ist es, die pädagogischen Prinzipien des BLLV zum Wohl der Lehrkräfte und Schüler in das Konzept mit einzubringen. Entscheidend ist es hierbei, dass der Leistungsbegriff neu definiert werde. Schul- und Bildungspolitik LehrplanPlus - wirklich ein Plus an Bildung und Erziehung? Der BLLV unterstütze prinzipiell das Lehrplaninformationssystem LIS, eine Internetplattform für Lehrer. Gute Aufgaben, prima Lernarrangements und vertieftes Material zu den einzelnen Kompetenzbereichen sollen hier eingestellt werden. Es wird zu beobachten sein, ob dieses System wirklich eine Bereicherung für uns Lehrerinnen und Lehrer sein wird. Die Nutzerfreundlichkeit muss im Vordergrund stehen wie auch die Kommunikationsmöglichkeit zwischen den Nutzern. Wenn es überall in Sonntagsreden ums Fördern geht, müsse sich dies auch im Lehrplan niederschlagen. Andere Unterrichtsformate erfordern aber auch Innovationen in der Lehrerbildung. Kinder können im 21. Jahrhundert nicht von Lehrern auf einem Ausbildungsstand des 20. Jahrhunderts in einem Bildungssystem des 19. Jahrhunderts unterrichtet werden, so die Referentin. In einer globalisierten Welt müssen die Übergänge neu gestaltet werden. Grundlage für alle Lehrpläne in der Bundesrepublik müssen deshalb die KMK-Bildungsstandards sein. Text / Foto: Rainer Glissnik Die Kaffeekanne Mami, weißt du schon, was du dir zu Weihnachten wünschst? Darüber habe ich mir noch keine Gedanken gemacht. Da ist noch einige Zeit bis dahin. Wieso wünscht du dir nicht eine schöne Kaffeekanne? Aber ich habe doch eine. Du hattest, Mami, du hattest! Der neue LehrplanPlus steht vor der Tür, aber bringt er auch wirklich ein Plus an Bildung? Simone Fleischmann, Leiterin der Abteilung Berufswissenschaft im BLLV, informierte bei der Klausurtagung in Baiersdorf kritisch über die Entwicklung des neuen Lehrplans. Zu sehen sind, von links, Bezirksvorsitzender Peter Bauer, Simone Fleischmann, ABJ-Bezirksvorsitzender Max Lachner und stellvertretende BLLV-Bezirksvorsitzende Gisela Jahreiß. Beispielaufgaben Hier einige Aufgaben-Beispiele aus dem Grundschul-Ländervergleichs-Test: Deutsch, Orthografie : Leserbrief Finde die Fehler in Roberts Leserbrief! Schreibe die Wörter richtig auf! Hallo, ich heiße Robert und finde eure Zeitung interesant. Besonders den Artickel über Tiger. Auch über die Heuschreken habe ich schon was gelesen. Die können in ein paar Minuten alles abfressen. Das ist schlim, aber warum machen die das? Darüber köntet ihr mal was schreiben. Eurer Robert. Mathematik, Zahlen und Operationen : Ute hat die Ziffernkärtchen: 1; 2; 3; 4; 5; 6; 7; 8; 9. Sie legt damit vierstellige Zahlen. Sie darf für jede Aufgabe jede Ziffernkarte nur einmal verwenden. a) Wie heißt die kleinste Zahl, die sie legen kann? b) Wie heißt die größte Zahl, die sie legen kann? c) Ute soll die Zahl legen, die am nächsten bei 5000 liegt. Anja sagt: Leg die Zahl Ute meint, dies sei nicht richtig. Welche Zahl liegt am nächsten bei 5000? fs 6/2012 7

8 Lehrertag Lehrertag bietet Dialog zwischen Theorie und Praxis 800 Teilnehmer bei der Lehrerfortbildung: Entschleunigung in der Schule Was ist modernes Lernern? Diese Frage ist nicht einfach zu beantworten, aber die vielen Workshops würden darauf Antworten geben, meinte BLLV-Bezirksvorsitzender Peter Bauer beim 30. Oberfränkischen Lehrertag in Bayreuth, der unter dem Leitmotto Modernes Lernen stand. Als Lehrer sei man verpflichtet, Altbewährtes aber auch Neues kritisch zu hinterfragen, betonte Henrik Schödel als Organisator des Lehrertags. Sein besonderer Dank galt Rektor Werner Lutz von der Bayreuther Albert-Schweitzer- Schule, in der seit 30 Jahren der Lehrertag stattfand. Erstmals halfen Schüler der 9. Klasse der Albert-Schweitzer-Schule beim Aufbau. Ein besonderer Willkommensgruß galt Landtagsabgeordnetem Dr. Christian Rabenstein (SPD), der bei jedem Lehrertag dabei war sowie Professor Dr. Günther Schorch und Professor Dr. Ludwig Haag, zahlreichen Schulräten und Seminarleitern. Weitere Grüße galten Walter Engelhardt (MdL a.d.), Regierungspräsident Wilhelm Wenning und der stark vertretenen Schulabteilung sowie den Ehrenmitgliedern Winfried Wedekind, Andreas Neuner, Horst Scherer, Ernst Horn und Ingrid Krauß. Schödel dankte allen Mitarbeitern des BLLV-Bezirksvorstandes, an der Spitze Geschäftsführer Walter Achtziger für die umfangreichen Vorbereitungsarbeiten zum Lehrertag. Der aktuelle Bildungsbericht mit Ländervergleich habe ein Ergebnis erbracht, das gerade für Lehrer sehr wichtig sei, freute sich Henrik Schödel. Die bayerischen Grundschullehrer schnitten hervorragend ab! Die Lehrer bringen viel Engagement, Eigeninitiative und Herzblut mit. Es sei ein sehr anstrengender Beruf mit enorm hohen Belastungen. Das Selektionsverhalten sei besonders schwierig. Der Förderauftrag für jedes Kind werde in den Jahrgangsstufen 3 und 4 schwierig. Gerade die Zeit des Übertritts sei eine erhebliche Belastung. Ehrengäste, Veranstalter und Teilnehmer waren vom Angebot des 30. Oberfränkischen Lehrertags begeistert. Methodenvielfalt sei eine große Hilfe, bedinge zugleich einen enormen Arbeitsaufwand. Bayreuth ist die Heimat des Lehrertages, freute sich Bayreuths Oberbürgermeisterin Brigitte Merk-Erbe. Es sei toll, dass sich so viele Lehrerinnen und Lehrer in ihrer Freizeit fortbilden. Das Thema des Übergangs von Kindergarten zur Grundschule sei in Bayreuth gut verankert. Eine individuelle Förderung für Schüler mit Behinderungen werde an zwei Grundschulen angeboten. Kooperationsklassen seien weitere Bestandteile. Die Bayreuther Mittelschulen starteten mit dem Schulversuch 9 plus 2. Regierungspräsident Wilhelm Wenning bekräftigte, dass sich seit dem Beginn des Lehrertags unter der Organisationsleitung von Horst Lochner viel entwickelt habe. Begonnen mit einer halbtägigen Veranstaltung sollte oberfränkischen Lehrerinnen und Lehrern eine zusätzliche Fortbildung angeboten werden. Bald dauerte der Lehrertag länger, die Angebote füllten ein ganzes Schulhaus. Jedoch das Ziel sei gleich geblieben: den aktiven Dialog zwischen Theorie und Praxis zu ermöglichen. Schule, Seminar, Institut und Uni rückten näher zusammen. Modernes Lernen an Schulen versuche auf der Basis aktueller Wissensstände auf die Herausforderungen unserer Zeit eine pädagogische, psychologische und bildungsorientierte Antwort zu geben, so Wenning. Dabei gebe es viele Antworten. Wie könnten Kinder in einer Zeit der Reizüberflutung und facebookveröffentlichten Welt lernen? Begriffe wie Entschleunigung und Slow drängen derzeit als Gegenbewegung in unser Bewusstsein. Warum nicht auch Slow- School? Zunächst gehe es sicher um geistigen Stoffwechsel, den wir beim Lernen aufnehmen. Die Realität: Der Wissensstoff werde nach der Prüfung umgehend entsorgt oft Fast-School. Anders bei Slow : Dies könnte eine Schule der musevollen Mühe werden, wo man sich entspannt und ohne Zeitdruck anstrengt. Dazu gehörten natürlich auch Wiederholen und Auswendiglernen Routine. Kreativität und Können erwachsen aus Routine. Wer ein Gespür für eine Sprache entwickeln wolle müsse auch Wörter büffeln. Dies erfordere Zeit und Muse. Modernes Lernen müsse geprägt sein von Einfühlungsvermögen und individuellem Engagement. Nur so könne Schule ein tragfähiges Fundament mitgeben, schloss der Regierungspräsident. Rainer Glissnik Lehrer sind erst Helfer und Förderer, dann Prüfer und Zensor Prof. Dr. Werner Sacher hielt Hauptreferat beim Lehrertag in Bayreuth In der Schule solle es um die Förderung aller Schüler gehen, nicht nur der besonders Begabten oder Auffälligen, erläuterte Professor Dr. Werner Sacher im Hauptreferat beim 30. Oberfränkischen Lehrertag. Eine PISA-Begleitstudie zeigte, dass Schulerfolg weitaus stärker auf Einflüsse der Familie gründe als auf Schule, Unterricht und Lehrkräfte. In Familien schlummere ein Potential, das man endlich aktivieren müsste. Im Augenblick scheint der Nerv der Zeit getroffen zu sein mit dem Thema Leistungsbeurteilung zwischen Selektionsund Förderauftrag. In Südtirol und der Schweiz sowie in Österreich sei er zu diesem Thema gefragt. Es scheine, dass hier große Not entstehe. Die Eintrittskarte in das Beschäftigungssystem ist teurer geworden. Mittlerweile gebe es geradezu bildungspanische Eltern. Es sei ein gordischer Knoten, den die Politik schnürte. Könne eine Leistungsbeurteilung gleichzeitig Grundlage von Förderung und Auslese sein? Können Lehrkräfte zugleich Berater und Helfer ebenso wie Richter und Henker sein? Schnell erlebten Schüler die Doppelrolle ihrer Lehrer und es entstehe Misstrauen. Es gebe zwei Arten von Selektion: Eine Personenselektion, also die Auswahl für Weiter auf S. 10! 8 fs 6/2012

9 Lehrertag Bei Dr. Günther Heil wurde der Zahlenraum bis Neun mit den Einerzwergen verständlich nahegebracht. Das Duo Milena Strootmann und Lotte Krüger begeisterte mit einem einfühlsamen Harfenspiel. Lehrertag 2012 Ein Leben zwischen Koran und Spice Girls stellte Gönül Kilisli in ihrer Fortbildung dar. Immer wieder ein Besuchermagnet die große Ausstellung der Lehrmittelverlage. Schulhund Jule eroberte schnell die Herzen der Seminarteilnehmer. Die Teilnehmer am Lehrertag verfolgten die einzelnen Seminare nicht nur aufmerksam, sondern wurden wie beim Konzentrationsprogramm für die ganze Klasse von Rüdiger Kohl (links) auch aktiv in den Verlauf mit eingebunden. Lehrertag-Fotos: Rainer Glissnik (6), Gerald Lippert (1) fs 6/2012 9

10 Lehrertag Bildungsgänge oder die Auswahl für geeignete Lehr- und Lernmethoden sowie Unterrichtsmedien. Förderung sei aber auch Bedingungsselektion. Man versuche dem Schüler Bedingungen zu organisieren, die ihn optimal fördern. Während eines Bildungsganges müsse eine Personenselektion immer mit einer Bedingungsselektion verbunden sein. Es dürfe nicht nur Aussortieren und Abschieben in neue Umgebung sein, sondern es müsse deutlich sein dass die anderen Bedingungen optimal seien. Alles andere wäre inhuman!, so Prof. Sacher. Auch eine negative Personenselektion am Ende eines Bildungsgangs sei nicht per se inhuman. Es könnten dadurch auch einige Jahre Umwege und manche dramatischen Erlebnisse erspart werden. Wer sollte denn sonst selektieren wenn nicht die Schule? Die Schule könne eine Langzeitbeobachtung einfließen lassen. Förderung brauche eine solide Diagnose, die Stärken und Schwächen deutlich mache. Auch die traditionelle Diagnose und Beurteilung habe durchaus ein Förderpotential, das ausgeschöpft werden sollte. Dies bedeute, Gütekritierien einzuhalten, die jede Messung erfüllen müsse: Objektivität unabhängig von der Person der Lehrkraft. Diese objektiven, klaren Regelungen sollten den Schülern offen gelegt werden. Prof. Dr. Werner Sacher Validität (Gültigkeit) meine das Ausmaß, in welchem tatsächlich erhoben und beurteilt wird, was erhoben und beurteilt werden soll. Was beurteilt und geprüft wird müsse tatsächlich im Unterricht gelernt worden sein. Schüler müssten mitbekommen, dass genau das geprüft wird, was im Unterricht bearbeitet wurde, so der Referent. Reliabilität (Zuverlässigkeit/Genauigkeit) überall wo gemessen wird passierten Messfehler. Wir unterlägen hier in der Schule viel zu sehr einer Illusion bei der Genauigkeit unserer Noten. Die könne bis zu einer Note nach oben oder unten gehen. Dabei werde über Hundertstel und Tausendstel bei den Noten gerechnet. Es sei gar nicht möglich, so genau zu benoten wie dies eigentlich erforderlich wäre. Bei der Notengebung sollten mehr pädagogische Belange einfließen. Kürzlich war Professor Dr. Werner Sacher in Südtirol. Er nutzte dies, um einen Weinlehrpfad zu begehen. Dort war von einer Erziehung der Rebe die Rede. Als Erziehungswissenschaftler fragte er sich, was so etwas mit Erziehung zu tun haben sollte. Erziehung heiße für die Winzer, der Rebe ein Gerüst anzubieten, sei verbunden mit schneiden und anbinden. Aber egal wie: wachsen müsse die Rebe selbst. Den Trieb nach oben müsse sie selber haben. Dies sei ein schönes Gleichnis für Förderung. Sachlich-fachliche Anforderungen (Lernziele) seien Maßstab als kriteriale Bezugsnorm. Es könne nach sachlichen Kriterien beurteilt werden. Es könne aber auch nach der Lage zum Gruppendurchschnitt beurteilt werden besser oder schlechter als der Durchschnitt. Gut könne auch heißen, wer besser geworden ist oder schlechter. Was arbeitet aber am besten der Förderung zu?, fragte Professor Sacher. Die Beurteilung zum Gruppendurchschnitt sei fatal und treibe Konkurrenzverhalten hinein. Selbst wenn die ganze Klasse besser geworden ist bleibe man auf seinem Platz. Die individuelle Norm, die Lernfortschritte aufzeigt, erscheine auf den ersten Blick sympathisch. Sie brauche die sachliche Bezugsnorm der Lernziele. Letztlich sollte die kriteriale Bezugsnorm zugrunde gelegt werden. Der Schüler müsse sich daraufhin orientieren können. Wenn wir wollten, dass diese Beurteilungsraster auch lernwirksam werden in den Köpfen der Schüler sind dann dürften diese keinesfalls zu komplex und vielfältig sein. Wie viele Handlungsziele könne jemand gleichzeitig im Kopf haben? Es müssten jeweils Schwerpunkte gesetzt werden. Zielführend sei eine Orientierung an Mindestkompetenzen. Viele Lehrer überlegten sich sogar besondere Aufgaben die Einserbremsen -, damit es nicht zu viele Einser gibt. Dies stürze andere in wirklich schlechte Noten hinein. Wo ziehe ich die Grenze zwischen den Noten 4 und der 5 sei dagegen die richtige Erstüberlegung, denn zwischen ausreichend und mangelhaft drohten existentiell gefährliche Konsequenzen. Was ist die Mindestkompetenz, die ein Schüler erworben haben muss, um erfolgreich weiterarbeiten zu können? Von hier aus könnten die anderen Notenstufen unterteilt werden. So werde diese Mindestkompetenz erhoben. Es gebe aber zusätzliche förderdiagnostische Maßnahmen. Diese sollten alle nicht zu Benotungszwecken herangezogen werden. Um dies zu tun müsse mehr gesehen werden, auch die Prozesse, nicht nur die Ergebnisse: Alles was Lernprozesse der Schüler beeinflussen könnte. Voraussetzung sei ein diagnosesensibler Unterricht, um mehr in den Blick zu bekommen. Im Frontalunterricht sei dies nicht möglich. Immer wieder Chancen habe man als Lehrer, wo viel beobachtet werden könne. Man sollte versuchen selbst eine experimentelle Einstellung zu entwickeln, dann auch bei den Schülern. Diagnose heiße einfach, Schüler auszuprobieren. Es müsse eine Vielfalt an Unterrichtsmethoden im Repertoire sein. Es bedürfe gestaffelter Anforderungen anstelle eines Orientierens am Klassendurchschnitt. Streng müssten Lernsituationen und Bewertungssituationen getrennt werden. So könne eine neue Lernkultur entstehen, in der Fehler zu Lernchancen werden. Förderung setze auch die Öffnung der Schüler voraus. Schüler öffneten sich, wenn sie sich gefahrlos fühlen. Förderdiagnose dürfe deshalb nie Grundlage von Bewertung werden. Ein Angebot offener Lernarrangements sei sinnvoll. Wenn ein Schüler mit sich experimentieren soll müsse ihm freigestellt sein, ob er es allein macht, mit Partner oder Gruppe und mit verschiedenen Medien. Finde es selbst heraus. Dies dürfe aber nicht zu oberflächlich bleiben. Die Schüler dürften dabei nicht allein gelassen werden. Sie sollten auch Zusammenhänge in ihrem eigenen Lernen erkennen. Kommunikative Diagnose sei wichtig. Schüler könnten sich gegenseitig beurteilen nicht benoten. Es gehe um Dokumentation und Präsentation von Lernen und Leisten. Dies sei Basis für Kommunikation und Austausch. Schüler nehmen viel von ihren gleichaltrigen Lernpartnern an. Ein Lehrer sei am Anfang Helfer und Förderer, am Ende stärker Prüfer und Zensor. Dies könne den Schülern klar gemacht werden, dass ein Lehrer Helfer ist auf dem Weg, um am Ende bei der Prüfung ein gutes Ergebnis zu erbringen. Natürlich gebe es Schüler, für die schulischer Erfolg weit hinten stehe. Anderen gehe eine Förderung zu nahe an ihre Persönlichkeit gerade in der Pubertät. Es sind nicht alle Schüler förderbereit, erläuterte Professor Sacher. Text / Foto: Rainer Glissnik Professor Dr. Werner Sacher Professor Dr. Werner Sacher ist seit April 2008 im Ruhestand, aber nach wie vor in Deutschland, Schweiz, Österreich und Südtirol als Referent sehr gefragt. Er wirkte beispielsweise an den Universitäten Linz, Erlangen-Nürnberg, Kiel und vor allem viele Jahre an der Universität Bamberg. Vor seiner Promotion im Jahr 1974 sammelte er viele praktische Erfahrungen im Schuldienst. 10 fs 6/2012

11 Lehrertag Schullandheimaufenthalt leicht gemacht! Das war unser Thema am 30. Oberfränkischen Lehrertag in Bayreuth. Den persönlichen Kontakt zum Schullandheimwerk Oberfranken nutzten auch dieses Jahr viele Lehrkräfte. Vor allem erkundigten sich Lehrer/innen und Referendare nach Möglichkeiten zur Gestaltung eines Aufenthaltes oder staunten einfach nur über die gelungenen Modernisierungen, welche in unseren Schullandheimen Steinbach am Wald, Weißenstadt oder Pottenstein stattfanden und zum Teil noch stattfinden. Lehrer, Eltern sogar Großeltern schwärmten davon, wie begeistert ihre Kinder/Enkelkinder unsere Schullandheime erlebten. Die Schüler lobten unser liebes und nettes Personal sowie das reichliche gute Essen. Besonders fasziniert waren sie von den vielen Erlebnissen während der Aufenthalte. Sehr gefreut haben wir uns, dass viele Lehrer/innen großes Interesse an einem Aufenthalt im Schullandheim haben, trotz der Herausforderungen die ein Aufenthalt der Lehrkraft abverlangt. Manch einer äußerte sich aber auch so: Mit meiner jetzigen Klasse kann ich unmöglich fahren!, Nein, mit diesen Schülern fahre ich nicht! oder Meine sind noch zu klein, ich habe eine erste oder zweite Klasse! Hier können wir die Lehrkräfte unterstützen, z. B. durch individuell abgestimmte Angebote. In diesem Zusammenhang möchten wir auch darauf hinweisen, dass unsere Schullandheime in Weißenstadt und Pottenstein behindertenfreundlich ausgestattet sind. Das war wohl schon das vorgezogene Weihnachtsgeschenk für Herrn Kultusminister Spaenle. Im Vergleich sind Bayerns Grundschüler die Besten im Lesen, Rechnen und überhaupt. Welch ein Triumph der kultusministeriellen bayerischen Politik. Wurde er doch schon von Herrn Ministerpräsidenten Seehofer dafür etwas schräg angeschaut. Aber dann kam das Ergebnis. Bayern brilliert vor allen anderen Bundesländern. Bayerns Grundschüler sind die Besten! Woher kommt dieses Ergebnis? Liegt es am Schulsystem? Ist es der Verdienst der ministeriellen Administration? Ist es der Verdienst der Schulbehörden in der Verwaltung der einzelnen Regierungsbezirke? Sind die Staatlichen Schulämter so stark, dass sie diesen Erfolg erzielten? Laut Untersuchungen wird in Bayern zuerst das gefördert, was oben ansteht. Oder oberbayrisch: Wer ko, der ko! Die soziale Auslese steht oben an. Alles andere muss dann mitgezogen werden. Das Schullandheimwerk Oberfranken bietet deshalb auch kürzere 3-tägige Buchungen an, von Montag bis Mittwoch oder von Mittwoch bis Freitag. Wir sind speziell für fordernde Schüler eines jeden Alters eingerichtet und unterstützen die Lehrkräfte gerne bei den Vorbereitungen, wie z.b. mit einem Wochenplan. In professionell begleiteten Projekten und Aktionen kann den Schülern das Rüstzeug für mehr Selbstbewusstsein, Teamgeist und die Bereitschaft zur Übernahme von Verantwortung vermittelt werden. Gemeinsam wohnen auf Zeit im naturnahen Raum, außerhalb der gewohnten Umgebung zielt direkt auf die Verbesserung der sozialen und emotionalen Kompetenzen der Schüler ab. Ein Schullandheimaufenthalt bereitet den Schülern große Freude und gibt den Lehrern die Gelegenheit, ihre Schüler auch aus einer anderen Perspektive kennen zu lernen, was meistens zu einer vorteilhaften Veränderung in der Lehrer-Schüler- Beziehung führt. Unsere Broschüre für den Schullandheimaufenthalt enthält detaillierte Informationen, wie Kontaktdaten, Planungshilfen, Aktionen & Projekte, Umgebungsbeschreibungen und Preise sowie alle notwendigen Formularvorlagen. Weitere Fragen werden von der Geschäftsstelle Bayreuth telefonisch unter 0921/58858 oder per gerne beantwortet. Um bei der Buchung Ihrer Termine freie Schöne Weihnachten - in der Bildung Dazu hat man halt seine Wichtel im Schuldienst. Doch wer hat eigentlich für diese weihnachtliche Überraschung für das Kultusministerium und Herrn Kultusminister Spaenle gesorgt? Sind es nicht alle Grundschullehrer-Wichtel, die unermüdlich für ihre Schüler da sind? Die stets versuchen, dass im Unterricht vermittelt wird, was erforderlich ist? Wenn auch nur noch der gerade erforderliche Grundunterricht abgedeckt werden kann, dann ist es doch eine überaus auszeichnungswürdige Grundhaltung der bayerischen Grundschullehrer, dass Bayern zu diesem bundesweit besten Ergebnis gekommen ist! Auch in der Werkstatt vom Weihnachtsmann konnte es nur rechtzeitig zur Bescherung kommen, da alle Wichtel immer zur Erfüllung der Aufträge arbeiteten. Herzlichen Dank liebe Wichtel, dass ihr so treu und arbeitsintensiv mitgewirkt habt. Der SWO-Stand am Lehrertag: von links Herr Stäudel (Heimleitung in Steinbach), Herr Lorenz (Leitung Hörprojekt), Herr Hertel (Heimleitung in Pottenstein). Auswahl zu haben, empfiehlt es sich die Reservierungen sehr frühzeitig zu tätigen. Besonders die Monate Juni, Juli, September und Oktober sind immer gefragt und schnell belegt. Der tagesaktuelle Belegungskalender kann auf der Homepage jederzeit eingesehen werden. Sandra Böhner Weihnachtswunsch Die Großmutter sagt zur Enkelin: Du darfst dir zu Weihnachten von mir ein schönes Buch wünschen! Prima, dann wünsche ich mir dein Sparbuch. Glosse Es bleibt die Frage, welche Weihnachtsüberraschung für 2013 für die Grundschulwichtel im bayerischen Weihnachtsland angedacht wird. Liebe Kolleginnen und Kollegen, Weihnachtsüberraschungen können auch vielleicht später im Jahr erfolgen. Waren manche der Überraschungen nicht immer positiv, dann könnten sich doch in der Werkstatt endlich gute durchdachte Aussichten herausbilden und für die Wichtel umgesetzt werden. Ich wünsche allen eine geruhsame und gesegnete Weihnachtszeit, viel Kraft und Gesundheit im Jahr 2013, und eine Belohnung für die erfolgreiche Erhebung im Jahre Ihr Kollege Harald Sieber fs 6/

12 Vermischtes Treffen mit der Schulabteilung Veranstaltungstipp Lernlust statt Schulfrust Im Gespräch mit der Schulabteilung der Regierung von Oberfranken wurde sehr offen über verschiedene Fragestellungen gesprochen. BLLV-Bezirksvorsitzender Peter Bauer sprach dabei Themenbereiche an wie die Situation der oberfränkischen Grund- und Mittelschulen im Schuljahr 2012/13, das Problem der Budgedierung bei Schulen mit Kleinklassen, die Inklusion und die Verschickung kompletter Prüfungsjahrgänge nach Oberbayern. Das Bild zeigt, von links, BLLV-Bezirksvorsitzenden Peter Bauer, Abteilungsdirektor Dr. Klemens M. Brosig und stellvertretende BLLV-Bezirksvorsitzende Gisela Jahreiß. Foto: Rainer Glissnik Nachruf für Max Steigner Im Sommer verstarb der langjährige Leiter des Staatsinstituts für die Ausbildung von Fachlehrern in Bayreuth, Studiendirektor Max Steigner. Er war seit 1965 in der Fachlehrerausbildung tätig. Zuerst als Dozent für den Werkbereich an der Ausbildungsstätte Bamberg, dann als Seminarleiter für Fachlehrer m/t, danach wurde er zum Leiter des Staatsinstituts in Bamberg berufen. Nach der Verlegung des Instituts nach Bayreuth leitete er dieses bis zu seiner Pensionierung In seiner mehr als zwanzigjährigen Amtszeit als Leiter hat er eine Reihe von wegweisenden Veränderungen für die Fachlehrer initiiert. Maßgeblich beteiligt war er an der Erstellung von Lehrplänen und Handreichungen für das Fach Werken / Technisches Zeichnen, sowie an der Zulassungs- und Ausbildungsordnung für die Fachlehrerausbildungsstätten und Staatsinstitute. Ihm gelang es auch die ehemals private Ausbildung in Maschinenschreiben und Stenografie in die staatliche Fachlehrausbildung Bayreuth zu überführen. Er war es auch, der unermüdlich die Institutionalisierung der Ausbildungsstätten und Institute forderte, was mit der Aufnahme in das BayEuG dann auch gelang. Lernlust statt Schulfrust Wie wir unsere Kinder neu begeistern lautet der Titel einer Veranstaltung mit Prof. Dr. Dr. Gerald Hüther, Margret Rasfeld und Schülern der Evangelischen Schule Berlin Mitte, die am 25. Januar 2013 voraussichtlich im Audimax der Universität Bayreuth stattfindet. Beginn ist um 20:00 Uhr, Einlass ab 19:00 Uhr. Veranstalter sind die Initiativen Schule im Aufbruch und Bildungsstifter. Zielgruppe dieser Veranstalter sind Schulleiter, Lehrer, Eltern und Schüler. Wie sieht Lernen im 21. Jahrhundert aus? Eine globalisierte Welt, ihre hohe Veränderungsdynamik, die steigende Komplexität und Informationsflut fordern ein neues Verständnis von Lernen und Bildung. Gleichzeitig wird deutlich: Höhere Anforderungen, mehr Druck und Lernstoff, neue Bildungsstandards, vorgeschriebener Kompetenzerwerb und noch mehr Wettbewerb führen nicht zu den notwendigen Veränderungen. Wir brauchen einen neuen Bildungsbegriff. Ist eine gute Note wirklich gleichbedeutend mit Erfolg? Bedeutet Lernen äußeren Erwartungen entsprechen, sich anpassen, Pflicht erfüllen, falsche Antworten vermeiden und still sein, wenn man etwas nicht versteht? In vielen Klassenzimmern herrschen Angst, Stress und Gleichgültigkeit. Schüler und Lehrer fühlen sich den Anforderungen, sich in immer kürzerer Zeit immer mehr Wissen aneignen zu sollen, nicht gewachsen. Mehr noch: Sie sehen keinen Sinn darin, sich in kürzester Zeit Wörter und Zahlen zu merken, deren Bedeutung sie nicht begreifen. Nicht für die Schule, sondern für das Leben soll gelernt werden. Damit dies gelingt, müssen Schulen zu Orten werden, an denen Kinder und Jugendliche ihre Entdeckerfreude, ihre Gestaltungslust, ihre Kreativität und Offenheit nicht mehr verlieren, sondern vertiefend erfahren und entfalten können. Die Initiativen Schule im Aufbruch und Bildungsstifter haben es sich zur Aufgabe gemacht, all jene zu unterstützen und zu ermutigen, die sich nach Veränderung sehnen. Sie werden unterstützt von Lehrern und Bildungsforschern, Schülern, Eltern, Prominenten und Verantwortlichen aus der Wirtschaft. Ein Unterstützer und engagierter Vertreter dieser Initiativen ist der ehemalige Landtagsabgeordnete Walter Engelhardt. Diese Veranstaltung findet im Rahmen einer Roadshow in neun deutschen Städten statt, wobei Bayreuth die einzige in Bayern ist. Gezeigt wird, wie Unterricht heute anders organisiert werden kann. Unter anderem werden die Schülerinnen und Schüler der Evangelischen Schule Berlin Mitte von ihren Erfahrungen berichten und warum sie jeden Morgen begeistert in die Schule gehen. fs 1965 war er, der überzeugte BLLVler, Initiator einer Fachgruppe Fachlehrer im BLLV Oberfranken. Er nahm häufig an Vorstandssitzungen der Fachgruppe Fachlehrer teil und unterstützte uns mit Rat und Tat - selbst nach seiner Pensionierung. Max Steigner hat sich immer aktiv und intensiv für seine Studierenden und BLLV- Fachlehrer sowie seine Lehrkräfte am Institut eingesetzt. Dieses einmalige Engagement und seine Erfolge für die Sache der Fachlehrer haben auch in Zukunft Bestand und erinnern uns stets an diese außergewöhnliche Persönlichkeit. Gustl Freymüller Achte auch auf das Kleine in der Welt, das macht das Leben reicher und zufriedener. Carl Hilty 12 fs 6/2012

13 Aktuelles von der Kinderhilfe des BLLV Projekt Kinderhaus und Berufsbildungszentrum kann ausgebaut werden BLLV-Kinderhilfe Nach Abschluss der Rahmenvereinbarung mit STERNSTUNDEN e.v. zum Aufbau eines Berufsbildungsinstituts für bedürftige Jugendliche in Ayacucho (Peru) und der (sehr zeitaufwändigen) Einholung der entsprechenden Genehmigungen (Zulassung eines staatl. anerkannten Berufsbildungszentrums, Baupläne) sowie der Gründung einer gemeinnützigen GmbH können die nächsten Schritte nun angegangen werden. Die offizielle Inbetriebnahme ist für Mai 2013 geplant. Es sollen dann folgende Berufsausbildungen angeboten werden: Einzelhandel und Betriebswirtschaft, Textilarbeit und Informatik. Zwischenzeitlich muss der laufende Betrieb des Kinderhauses ausgelagert werden, da während der Bautätigkeit (Aufstockung) das Haus nicht genutzt werden kann. Denkbar Schulfrühstück Diese ebenfalls mit STERNSTUNDEN e.v. durchgeführte Aktion hat mittlerweile in mehr als 70 Einrichtungen in Bayern (insbesondere in Kitas, Grund- und Mittelschulen sowie Förderzentren) das Schulfrühstück für bedürftige Kinder und Jugendliche gefördert. Auf der Homepage dieses Projekts (www.denkbar.bllv.de) können weitere Einzelheiten abgerufen werden. Laufende Arbeit im Kinderhaus CASADENI in Ayacucho Die BLLV-Kinderhilfe unterstützt seit 1995 das Kinderhaus. Seit 2003 übernimmt sie die laufenden Kosten von rund im Jahr. Zur Sicherung dieser Finanzierung werden insbesondere verlässliche Dauerspenden benötigt (Fördermitgliedschaft!). Im Rahmen der offenen Kinderund Jugendarbeit werden angeboten: Hausaufgabenbetreuung, regelmäßige Workshops im Nähen, Musik, Tanz und Bäckerei, Elterninformationsnachmittage zu Hygiene, Selbstversorgung, Kindererziehung und Prävention von Kindsmissbrauch, psychologische Betreuung von Kindern mit Verhaltensstörungen, Workshops zu Kinderrechten. Es werden derzeit ca. 180 Kinder und Jugendliche betreut. Besonders eindrucksvoll dabei ist, dass ehemals in CASADENI betreute Kinder nach erfolgreicher Ausbildung mittlerweile als junge Erwachsene dort mithelfen. Spenden bei Veranstaltungen des BLLV Oberfranken Sammlungen für die Kinderhilfe bei der diesjährigen Bezirksdelegiertenversammlung in Bamberg und beim Lehrertag in Bayreuth erbrachten über 700 für die Projekte der BLLV-Kinderhilfe. Bezirksvorsitzender Peter Bauer übergab beim Lehrertag eine gut gefüllte Spendenbox an den Kinderhilfsbotschafter für Oberfranken, Winfried Wedekind (rechts im Bild). Bauer und Wedekind warben erneut dafür, eine Fördermitgliedschaft bei der Kinderhilfe zu vereinbaren, die regelmäßige Spendeneinnahmen sicherstellt. Näheres und Antragsformulare dazu unter Ingrid Krauß, frühere 2. Bezirksvorsitzende und Ehrenmitglied des BLLV Oberfranken, wird künftig als weitere Botschafterin der BLLV-Kinderhilfe in Oberfranken zusammen mit Winfried Wedekind tätig sein. Alle erhoffen sich gute Ergebnisse bei der diesjährigen Spendenaktion. Ein entsprechender Aufruf erfolgte bereits in der aktuellen Ausgabe der Bayerischen Schule. Spenden können auf das Konto der BLLV- Kinderhilfe e.v., Konto-Nr bei der Sparkasse München (BLZ ) überwiesen werden. Weitere Bilder und Berichte zur Arbeit der BLLV-Kinderhilfe sind aktuell in der Bayerischen Schule 6/2012 oder im Internet (www.bllv.de/initiativen) zu finden. Winfried Wedekind Redensarten - kurz erklärt In dieser Serie der fränkischen schule möchten wir Ihnen gängige Redewendungen näher bringen. Es wird erklärt, Etwas ausbaden müssen umgangssprachlich: die Folgen von etwas, was meist ein anderer verschuldet hat, tragen müssen: Die Wendung bezieht sich wahrscheinlich darauf, dass früher im öffentlichen Bad der letzte Badegast das von mehreren Badenden bereits benutzte Badewasser ausgießen woher sie kommen und was sie bedeuten. Viel Spaß beim Lesen! und die Wanne reinigen musste. In der übertragenen Bedeutung ist die Wendung seit Ende des 16. Jahrhunderts belegt. Quelle: DUDEN Redensarten, Bibliographisches Institut, Mannheim Bitte beachten Sie den Redaktionsschluss: 31. Jan fs 6/

14 ABJ Oberfranken Nachwuchs in der ABJ herzlich willkommen Im November fand das traditionelle Baiersdorfer Seminar der ABJ Oberfranken in Baiersdorf (Burgkunstadt) statt. Zu diesem hatte die ABJ eingeladen, auch um Interesse an einer aktiven Mitarbeit in der Arbeitsgemeinschaft Bayerischer Junglehrer (ABJ) zu wecken. Viele junge Kollegen und auch einige Lehramtsstudentinnen nahmen das attraktive Angebot wahr und besuchten diese zweitägige Veranstaltung. Nach dem gemütlichen Ankommen begrüßte der Vorstand der ABJ Oberfranken die Teilnehmer. Der erste Vortrag behandelte den LehrplanPlus. Dabei wurde unter anderem hinterfragt, ob dieser auch ein Plus an Bildung bedeutet. Danach begann das zweiteilige Seminar Bei Stimme bleiben. Gehalten wurde es von Florian Falkenberg. Er gab Informationen über Körperhaltung und -spannung. Wo ist was los? Veranstaltungen der BLLV-Kreisverbände und der ABJ Oberfranken ABJ Oberfranken Rettungsschwimmschein in Bronze (Veranstaltung in 4 Teilen) , 16-17:30 Uhr: Organisation, Einführung, Theorie , Uhr: Praktischer Teil, Übung , 15 17:30 Uhr: Praxisteil Erste Hilfe Herz-Lungen-Wiederbelebung , Uhr: Prüfung Theorie und Praxis BLLV-Studentengruppe Bamberg , 20:00 Uhr: Stammtisch (Büro) : Infoveranstaltung Konzept der BLLV-FG Gymnasium , 20:00 Uhr: Stammtisch (Büro) , 20:00 Uhr: Abschlussstammtisch Bitte Termine frühzeitig an: fränkische schule, Redaktion, Postfach 135, Schönwald Mit Hilfe von manchmal sehr lustig anzusehenden Körperübungen entspannten die Kursteilnehmer ihren Körper. Anschließend wurde gemeinsam analysiert, ob man eher ein Brust- oder ein Bauchatmer ist. Viele stellten fest, dass sie noch nicht der jeweiligen Situation angepasste richtige Atmung verwenden. Beim Abendessen bot sich Gelegenheit zu einem Austausch mit Vertretern des BLLV Oberfranken, die zur gleichen Zeit ihre Sitzung in Baiersdorf abhielten. Peter Bauer begrüßte alle Teilnehmer. Nach dem reichhaltigen Essen fanden sich die Jüngeren zum zweiten Teil der Stimmbildung ein. Dank der vielfältigen Informationen und Übungen wurden den Teilnehmern viele praktische Tipps an die Hand gegeben, sich noch lange eine kraftvolle Stimme zu erhalten. In einem gemütlichen informellen Teil klang der Abend gemeinsam aus. Am folgenden Morgen traf man sich zum Workshop Unterricht 2.0 Wikis, Blogs, Moodle. Nach dem Aufbau der mitgebrachten Laptops stellte sich Frau Weber von der Digitalen Schule vor. Die Digitale Schule Bayern ist eine Internetplattform, die frei zugängliches Unterrichtsmaterial für Lehrer zur Verfügung stellt. Ziel der Plattform ist es nach eigener Aussage Lehrer noch mehr miteinander zu vernetzen und digitale Materialien für den Unterricht und das Lernen zur Verfügung zu stellen, sowie das Lernen mit digitalen Medien zu fördern. Nach einer kurzen Einweisung in die Datenschutzbestimmungen des Kultusministeriums wurden die Kursteilnehmer über die verschiedenen Funktionen von Moodle informiert. Auch die Möglichkeit, dass Schüler Blogs verwenden könnten, um sich mit einem gut strukturierten Lebenslauf zu bewerben, wurde angesprochen. Auf großes Interesse stieß die Einführung in das DSB-Wiki der Digitalen Schule Bayern, das Frau Weber administriert. Um die Bedürfnisse und Wünsche der Lehramtsanwärterinnen und Lehramtsanwärter der Grund- und Mittelschulseminare Oberfrankens mehr in die Gestaltung der Angebote mit einzubeziehen, trafen sich Seminarsprecher und Vertreter der ABJ Oberfranken im Fässla Brau Bamberg zu einer gemütlichen Brotzeit. Valentina Severin und Max Lachner von der ABJ Oberfranken begrüßten die teilweise weit angereisten Gäste und dankten für ihr zahlreiches Erscheinen und ihren Einsatz. Nach einer kurzen Rückschau auf bereits stattgefundene Seminare und einen Ausblick auf das weitere Wie Lehrer Bei Stimme bleiben können, demonstrierte Florian Falkenberg mit vielfältigen Übungen. Dort finden alle Lehrer frei zugängliche Materialien, die von anderen Lehrern umsonst ins Netz gestellt wurden. Zum Beispiel findet man Memories mit Lerninhalten, Kreuzworträtsel etc. Das besondere an diesen Materialien ist, dass jeder Schüler eine andere Version auf seinem Bildschirm angezeigt bekommt und somit nicht von seinem Nachbarn abschauen kann. Gemeinsam lernten alle Teilnehmer das System zu nutzen und selbst neue Materialien einzustellen. Leider ließ sich in der abschließenden Feedback-Runde feststellen, dass die meisten Schulen immer noch zu wenig mit Computern oder anderem technischen Equipment ausgestattet sind. Aber selbst an gut ausgestatteten Schulen werden die neuen Medien nur genutzt, wenn auch eine gute und kontinuierliche Weiterbildung des Kollegiums stattfindet. Mit vielen neuen Ideen im Kopf ging es dann zum gemeinsamen Mittagessen. Gestärkt blickte man noch einmal auf die Arbeit des letzten Jahres zurück und freute sich, dass das Interesse der teilnehmenden Junglehrer an diesem Seminarangebot der ABJ Oberfranken so groß war. Silke Schür An Guudn! - Seminarsprecherbrotzeit der ABJ Angebot, wurden Anregungen und Vorschläge der Seminarsprecher zu Tagungsorten und Fortbildungsangeboten aufgenommen. Während und nach der zünftigen Brotzeit kam es zum informellen Austausch über den Seminaralltag. Besonders Prüfungsstress und die Ungewissheit, was nach der Ausbildung kommen mag, lagen den Lehramtsanwärtern auf dem Herzen. Diese Art des Kontaktes mit dem Verband empfanden alle Anwesenden als fruchtbar und gewinnbringend. Für das nächste Jahr ist deshalb wieder ein Treffen geplant. 14 fs 6/2012

15 Studentengruppen Das größte Wahrzeichen der Stadt Hof, die neue Freiheitshalle, wurde Ende September im Rahmen der Oberfranken-Ausstellung (Foto) eröffnet. Mit rund 36 Millionen Euro Bausumme wurde sie zwar erheblich teuerer als anfänglich geplant, die multifunktionale, architektonisch hervorragend gelungene Anlage (anderswo heißen sie Arena) wurde damit dann aber zur größten und schönsten Veranstaltungshalle der Region. Das Große Haus bietet für Konzerte und Großveranstaltungen bestuhlt 3000 Menschen, unbestuhlt 6000 Menschen Platz. Die Hofer Freiheitshalle ist bereits das dritte Veranstaltungszentrum mit diesem Namen an dieser Stelle. Am 4. Mai 1945, vier Tage vor Ende des Zweiten Weltkriegs, wurde die ehemalige Adolf-Hitler- Halle von den Stadt-Oberen in Freiheitshalle umbenannt entstand hier die zweite Freiheitshalle, die in den Tagen der fs 6/2012 Für den Unterricht Ingrid Preedy, Ulrike Spiegelhalter Fundgrube Englisch 192 S., ISBN , 19,95 Cornelsen Verlag, Berlin In einem völlig neuen Gewand präsentieren sich die Praxishilfen aus der Reihe Fundgrube. Dieser Band für den Englischunterricht ab der 5. Klasse bietet rund 200 erprobte Unterrichtsideen, die nach Kompetenzbereichen sortiert sind. Die einzelnen Kapitel beinhalten: Warming-up activities, Language games and puzzles, Reading, Speaking, Listening, Writing, Mediation und Grammar. Zu jedem Bereich gibt es klare Übersichten zu Lernzielen, Vorkenntnissen, Vorbereitung, Sozialform und Kompetenzen. Als zusätzliches Materialangebot sind viele Kopiervorlagen zu finden. Die Kopiervorlagen können über einen Webcode, der jeweils bei der Übung angegeben ist, auch aus dem Internet als pdf-datei heruntergeladen werden. Mit diesen vielfältigen Unterrichtsideen steht einer abwechslungsreichen Gestaltung nichts mehr im Wege. Gerald Lippert Impressionen Botschaftsflüchtlinge und des Mauerfalls 1989 ihrem Namen alle Ehre machte. Bis 2009 lockte die Halle mit etwa 250 Veranstaltungen rund Bescher jährlich an. Zahlreiche Großveranstaltungen und TV-Sendungen wie Wetten, dass?, Verstehen Sie Spaß? oder Willkommen bei Carmen Nebel machten den Namen der Halle deutschlandweit bekannt. Nach Abschluss der Sanierungsarbeiten, aus denen fast ein Neubau wurde, erfolgte die Einweihung des imposanten Großprojekts, dessen Dachkonstruktion nachts blau leuchtet. Vor der Freiheitshalle zieht der Freiheitstrompeter, ein Kunstwerk von Otmar Alt, die Blicke der Besucher auf sich. Text: Gerald Lippert / Foto: Werner Prell Andrea Beetz Hunde im Schulalltag 158 S., ISBN , 24,90 Ernst Reinhardt Verlag, München Beim diesjährigen Lehrertag des BLLV Oberfranken in Bayreuth zeigte Schulhund Jule sein Können und die anwesenden Seminarteilnehmer hatten ihn sofort in ihr Herz geschlossen. Auch in immer mehr Schulen sind Schulhunde anzutreffen. Doch warum ist es sinnvoll, einen Hund mit in die Schule zu nehmen? Wie sieht der ideale Schulhund aus und worauf sollten Lehrer und Pädagogen besonders achten? Dieses Buch beantwortet diese und weitere Fragen vor dem Hintergrund eines soliden wissenschaftlichen Grundlagenwissens. So wird etwa ein Erklärungsmodell geliefert, warum der Einsatz von Hunden in der Schulen positive Wirkungen auf Bildungsprozesse haben kann. Mit Informationen zur Ausbildung von Hund und Hundeführer, zu rechtlichen Grundlagen oder zum Einsatz in den verschiedenen Schularten wird das Buch zu einem umfassenden Grundlagenwerk für alle, die Hunde an der Schule einsetzen möchten. Es gibt einen Überblick über die Praxis und beinhaltet wissenschaftliche und rechtliche Grundlagen des Einsatzes von Schulhunden. Gerald Lippert Runder Tisch in Bamberg Ich möchte euch ganz herzlich begrüßen..., versucht Wera Woldag, Vorsitzende der Studentengruppe Bamberg, in die Runde zu werfen. Dies stellt sich jedoch als gar nicht so einfach heraus, da die Gespräche zwischen Studentenreferenten und Mitgliedern der Studentengruppen Bamberg und Bayreuth, des Bezirks- und Kreisverbandes, vertreten durch Peter Bauer und Eric Schnee, sowie des Vorsitzenden der ABJ Oberfranken, Max Lachner, schon vor Eröffnung des Runden Tisches so angeregt sind, dass Wera sich erst einmal Gehör verschaffen muss. Aber dann kann der offizielle Teil beginnen. Nach der Begrüßung und einer kurzen Vorstellungsrunde legt Ulla Adam, Vorsitzende der Landesstudentengruppe, die Ziele des Konzepts Runder Tisch dar: der Austausch zwischen verschiedenen Gruppierungen des BLLV sowohl auf Bezirks- als auch auf Landesebene soll verbessert und vor allem die konkrete Zusammenarbeit verstärkt werden. Nach aufschlussreichen Gesprächen freuen sich alle Beteiligten darüber, konkrete Ergebnisse erzielt zu haben. Von finanzieller Unterstützung, u.a. für die Umgestaltung des Büros der SG Bamberg, über gemeinsames Auftreten und Präsentieren des Verbandes an der Universität bis hin zur Planung von gemeinsamen Veranstaltungen und einer Vernetzung der jeweiligen Veranstaltungsprogramme reichen die Ergebnisse des Abends und dieser soll kein einmaliges Zusammentreffen bleiben. Vielmehr wird schon im Januar ein zweiter Runder Tisch stattfinden, bei dem die erfreulichen Resultate noch weiter ausgebaut werden können. Jugend ohne Begeisterung wäre wie Alter ohne Erfahrung. Carl Zuckmayer BLLV-Akademie: Das neue Seminar-Jahresprogramm 2013 ist da! Auch schulhausinterne Fortbildungen ( SchiLF ) sind wieder möglich. Mehr Infos dazu unter 15

16 Recht Internetmobbing bzw. Cybermobbing Liebe Leserinnen und Leser der fränkischen schule! Während Mobbing vor dem virtuellen Zeitalter nur in der Schule oder am Arbeitsplatz betrieben wurde, verlagern die Täter ihre Attacken heutzutage häufig ins Internet. Wie können Opfer rechtlich gegen Diffamierungen vorgehen? Rechtliche Grauzone Auf rechtlicher Ebene stellt Cyber-Mobbing noch immer eine Grauzone dar. In Deutschland können Cyber-Mobber zur Rechenschaft gezogen werden, sofern ihre Identität bekannt ist. Auch hierzulande greift noch kein konkretes, auf Boshaftigkeiten im Internet zugeschnittenes Gesetz, doch jede gezielt eingesetzte Online-Demütigung verletzt bereits Art.1 Abs.1 GG: Die Würde des Menschen ist unantastbar. Des Weiteren ist es möglich, strafrechtlich gegen die Täter vorzugehen. Die Strafbestände der) 185 (Beleidigung, 186 (Üble Nachrede) und 187 (Verleumdung) StGB machen Cyber- Mobbing zu einem Delikt, das bei Erwachsenen mit Haftstrafen von bis zu fünf Jahren geahndet werden kann. Dass Schülerinnen und Schüler, aber auch Lehrkräfte im schulischen Umfeld beleidigt, verfolgt, belästigt oder bedroht werden, ist kein unbekanntes Phänomen. Das systematische Schikanieren von Personen, um sie aus ihrer sozialen Umgebung zu vertreiben, wird als Mobbing bezeichnet. Während im normalen Schulalltag die Täterin oder der Täter meist bekannt sind, bleiben die Täter in der virtuellen Welt oftmals anonym und können ihr Opfer rund um die Uhr via Internet oder Handy verfolgen. Um gegen Mobbing vorgehen zu können, muss eine Rechtsverletzung vorliegen. Mobbing selbst ist kein Straftatbestand, aber einzelne Tatbestände wie Nötigung, Drohung, Erpressung oder Körperverletzung stellen strafbare Handlungen dar. Wird Mobbing mit Hilfe elektronischer Kommunikationsmittel ausgeübt, so spricht man von Cyber-Mobbing. Zu unterscheiden ist das öffentliche und das geschlossene Mobbing. Die unerlaubte Veröffentlichung von Personenfotos verstößt gegen die Persönlichkeitsrechte und ist dem öffentlichen Mobbing zuzuordnen. Bei fortlaufender Beleidigung und Verfolgung per (geschlossenes Mobbing) kann unter Umständen das sogenannte Anti-Stalking- Gesetz wirksam werden. Die Rechtsdurchsetzung ist abhängig von der Strafmündigkeit der Täterin beziehungsweise des Täters. Die wiederum orientiert sich am Alter und ist ausschlaggebend für die Feststellung, ob überhaupt eine Straffähigkeit vorliegt oder das Jugend- beziehungsweise das allgemeine Strafrecht zu Anwendung kommt. Zu unterscheiden sind Antragdelikte, bei denen der Strafantrag Voraussetzung für die Strafverfolgung ist, und Offizialdelikte, die von Amts wegen verfolgt werden. Rechtliche Grundlagen im Einzelnen Mobbing bezeichnet das Schikanieren anderer Menschen, um sie auszugrenzen Was ist Cyber-Mobbing? Cyber-Mobbing bezeichnet das Schikanieren anderer Menschen - meist über einen längeren Zeitraum - mithilfe elektronischer Kommunikationsmittel wie Internet, Chatrooms, Instant Messaging oder auch Mobiltelefon. Der Begriff Mobbing leitet sich aus dem Englischen ab und bedeutet angreifen, anpöbeln, schikanieren, über jemanden herfallen. Im Duden wird Mobben wie folgt definiert: Mobben ist das ständige Schikanieren von Arbeitskolleginnen und -kollegen, mit der Absicht, sie vom Arbeitsplatz zu vertreiben. Diese Handlung lässt sich aber auch auf alle anderen sozialen Gemeinschaften, wie beispielsweise auf die Schule, übertragen. Dabei herrscht ein kräftemäßiges Ungleichgewicht zwischen dem Mobber als Täter und dem Gemobbten als Opfer. Im schulischen Zusammenhang wird auch von Bullying und entsprechend vom Bully (Täter) und Victim (Opfer) gesprochen. Mobbing kann direkt durch tätlichen Angriff erfolgen (beispielsweise durch schlagen, stoßen, bespucken, einsperren, bedrohen), oder indirekt durch Ausgrenzung und Manipulation (Gerüchte verbreiten, ignorieren). Zu unterscheiden ist auch das öffentliche Mobbing, bei dem der Mobber sich mit Informationen über das Opfer an die Öffentlichkeit wendet und beispielsweise Gerüchte in einem Netzwerk verbreitet oder dem geschlossenen Mobbing ohne Beteiligung der Öffentlichkeit beispielsweise per . Voraussetzung für eine strafbare Handlung ist das Vorliegen einer Rechtsverletzung. Cyber-Mobbing ist gesetzlich noch nicht direkt als Straftatbestand normiert. Allerdings stellen einzelne Tatbestände wie Nötigung, Drohung oder Erpressung strafbare Handlungen dar. Im Folgenden sind eine Reihe von Straftaten und ihre strafrechtlichen Konsequenzen aufgeführt, die auch in der Cyberwelt anzutreffen sind. Beleidigung 185 StGB Im Rechtswesen wird die Beleidigung allgemein als Ehrabschneidung bezeichnet und meint damit die Verletzung der persönlichen Ehre eines Menschen. Bei der Feststellung, ob objektiv eine Beleidigung vorliegt, wird nicht alleine der Wortlaut der Äußerung berücksichtigt, sondern auch die Begleitumstände und der Gesamtzusammenhang. So kann die Bezeichnung als Depp unter Freunden spaßig gemeint sein, im Wortgefecht zwischen Lehrer und Schüler könnte die Äußerung strafbar sein. Auch eine Geste wie beispielsweise der erhobene Mittelfinger kann als Beleidigung gewertet werden. Die Beleidigung wird mit einer Geldstrafe oder einer Freiheitsstrafe bis zu einem Jahr oder im Zusammenhang mit einer Tätlichkeit bis zu zwei Jahren geahndet. Üble Nachrede 186 StGB Die üble Nachrede ist eine Form der Beleidigung, die im Unterschied zu dieser nicht gegenüber der anvisierten Person geäußert wird, sondern gegenüber einer oder mehreren dritten Person(en). Wenn beispielsweise Schüler Karl aufgrund eines Gerüchts im Internet verbreitet, dass seine Mitschülerin Anna stielt, dann wird Anna in der öffentlichen Meinung herabgewürdigt. Die nichtbewiesene Behauptung stellt zunächst eine üble Nachrede dar. Stellt sich allerdings vor Gericht heraus, dass die Behauptung zutreffend ist, dann entfällt die Strafbarkeit. Die üble Nachrede wird mit einer Geldstrafe oder einer Freiheitsstrafe bis zu einem Jahr sanktioniert. Verleumdung 187 StGB Auch die Verleumdung ist eine Form der Beleidigung, die nicht gegenüber der anvisierten Person, sondern gegenüber einer oder mehreren dritten Person(en) geäußert wird. Im Unterschied zur üblen Nachrede ist der Täterin oder dem Täter die Unwahrheit der ehrverletzenden Tatsachenbehauptung bekannt. Das wirkt sich auch auf das Strafmaß aus. Die Verleumdung wird mit einer Geldstrafe oder einer Freiheitsstrafe bis zu zwei Jahren bestraft. Um eine Verleumdung handelt es sich beispielsweise, wenn eine Schülerin im Netz die unwahre Behauptung verbreitet, der Sportlehrer hätte sie während des Unterrichts sexuelle belästigt. Nötigung 240 StGB Unter Nötigung versteht das Gesetz die rechtswidrige Ausübung von Gewalt oder Gewaltandrohung, um einen Menschen zu einer Handlung zu zwingen oder ihn dazu zu bewegen, etwas zu erdulden oder zu unterlassen. Bei der sexuellen Nötigung 177 StGB hat die Gewaltausübung oder - androhung einen sexuellen Hintergrund. Die Nötigung ist eine Straftat, die mit einer Geldstrafe oder einer Freiheitsstrafe bis zu drei Jahren und in besonders schweren Fällen bis zu fünf Jahren bestraft wird. Selbst der Versuch einer Nötigung ist strafbar. Bedrohung 241 StGB Die Bedrohung eines Menschen oder einer ihm nahestehenden Person mit der Androhung eines Verbrechens wird mit einer Freiheitsstrafe bis zu einem Jahr bestraft. Es reicht bereits aus, wenn die Bedrohung vorgetäuscht wird. 16 fs 6/2012

17 Das Vermögen eines Menschen kann durch Erpressung geschädigt werden: Erpressung 253 StGB Der Tatbestand der Erpressung ist erfüllt, wenn der Erpresser versucht, sich durch Gewalt oder Androhung von Gewalt zu bereichern. Im Unterschied zur Nötigung ist die Erpressung mit Bereicherungsabsichten oder Vermögensschädigung verbunden. Die Straftat wird mit einer Geldstrafe oder einer Freiheitsstrafe bis zu fünf Jahren geahndet. Auch der Versuch der Erpressung ist strafbar. Verletzung der Vertraulichkeit des Wortes 201 StGB Mit einer Geldstrafe oder einer Freiheitsstrafe bis zu drei Jahren kann eine Person bestraft werden, die die Rechte eines Menschen am eigenen Wort in der Weise verletzt, dass sie beispielsweise unerlaubt Tonaufnahmen macht oder unerlaubt hergestellte Tonaufnahmen verwendet oder sie anderen zugänglich macht. Geschützt wird das nicht-öffentlich, das heißt, das nicht über einen kleineren, durch persönliche oder sachliche Beziehungen abgegrenzten Personenkreis hinaus wahrnehmbare Wort. Dazu zählt beispielsweise auch der Unterricht vor einer Klasse. Strafbar ist demnach beispielsweise die Tonbandaufnahme durch einen Schüler, der das Referat eines Lehrers im Unterricht aufnimmt. Ebenso verboten ist die Veröffentlichung des Tonbands im Internet. Dabei ist bereits der Versuch strafbar. Verletzung des höchstpersönlichen Lebensbereichs durch Bildaufnahmen 201a StGB Verletzung des Briefgeheimnisses 202 StGB Wer sich unerlaubt Kenntnisse vom Inhalt eines Briefs oder Schriftstücks verschafft, wird mit einer Geldstrafe oder einer Freiheitsstrafe bis zu einem Jahr bestraft. Eine Verletzung des Briefgeheimnisses durch unbefugtes Lesen von s ist von 202 StGB allerdings nicht erfasst. Es fehlt ein Verweis auf 11 Abs. 3 StGB, der Schriftstücke und Daten gleichstellt. Denkbar ist eine Strafbarkeit nach 202a StGB wegen Ausspähens von Daten. Danach ist es erforderlich, dass die Daten gegen unberechtigten Zugang besonders gesichert sind. Die Strafbarkeit ist gegeben, wenn eine verschlüsselte unberechtigterweise gelesen wird. Eine Person, die sich unbefugten Zugang zu gesicherten Daten oder Daten, die nicht für sie bestimmt sind, beschafft, kann mit einer Geldstrafe oder mit einer Freiheitsstrafe bis zu drei Jahren bestraft werden. Gewaltdarstellungen 131 StGB Von einer Gewaltdarstellung spricht das Gesetz, wenn die Darstellung eine Gewaltverherrlichung oder Gewaltverharmlosung ausdrückt oder das Grausame oder Unmenschliche des Vorgangs in einer die Menschenwürde verletzenden Weise dargestellt wird. Darunter fallen auch Gewaltvideos auf Schülerhandys. Strafbar ist die Verbreitung, öffentliche Ausstellung und Zugänglichmachung, vor allem gegenüber Personen unter 18 Jahren, sowie das Herstellen, Liefern, Vorrätig halten und Anbieten solcher Darstellungen. Geahndet wird die Straftat mit einer Geldstrafe oder einer Freiheitsstrafe bis zu einem Jahr. Strafantrag Die strafrechtliche Verfolgung einer Tat setzt in der Regel einen Strafantrag voraus. Die gesetzlichen Normen finden sich in 77 ff. StGB und 158 StPO. Zu unterscheiden sind Antragsdelikte, die einen Strafantrag für die Strafverfolgung voraussetzen und Offizialdelikte, die stets von Amts wegen verfolgt werden, und zwar ohne Rücksicht auf den Willen des Verletzten Fazit Präventive Maßnahmen vor Strafantrag Der direkte Eingriff einer Lehrkraft bei einer strafbaren Handlung durch eine Schülerin oder einen Schüler, die oder der mit Cyber-Mobbing im Zusammenhang steht, kann vor allem aufgrund des allgemeinen Persönlichkeitsrechts beschränkt sein. So darf eine Lehrkraft selbst bei einem begründeten Verdacht, dass sich beispielsweise gewaltverherrlichende Inhalte auf einem Schülerhandy befinden, keine eigenmächtige Kontrolle an dem Handy durchführen. Die Einsichtnahme in den Bildspeicher ist nur mit Einverständnis der Schülerin oder des Schülers beziehungsweise mit dem der Erziehungsberechtigten möglich. Eine Untersuchung des Handys bei Tatverdacht und Gefahr in Verzug ist nur durch die Polizei (auch ohne richterlichen Beschluss) zulässig. Die polizeiliche Untersuchung kann durch eine Strafanzeige von Seiten der Schule ausgelöst werden. Eine Strafanzeige kann tiefgreifende Konsequenzen für die Täterin oder den Täter mit sich bringen. Daher sollten der strafrechtlichen Verfolgung grundsätzlich präventive schulische Disziplinarmaßnahmen oder zivilrechtliche Maßnahmen, wie beispielweise die Geltendmachung eines Beseitigungsanspruchs ( 1004, 823 Abs. 1 BGB analog), vorangehen. Als präventive Maßnahmen eignen sich vor allem verbindliche Verhaltensregeln in der Schulordnung und das Schaffen einer Kultur des respektvollen Umgangs. Der juristische Werkzeugkasten des Zivilrechts 1) Informelle Aufforderung durch das Opfer Mitunter kann es ausreichen, den Bully selbst per , Brief oder im Gespräch aufzufordern, sein Verhalten zu ändern und weiteres Bullying zu unterlassen. Man sollte auf jeden Fall eine Frist Recht setzen, innerhalb derer die beleidigenden Äußerungen auf der Webseite oder im Sozialen Netzwerk zu löschen sind bzw. sonstige Rechtsverletzungen zu beenden sind. 2) Abmahnung Fruchtet das nicht oder ist die Angelegenheit zu ernst, kann eine förmlichere Variante einer solchen Aufforderung geboten sein, die sogenannte Abmahnung. Eine Abmahnung ist so etwas wie eine letzte Warnung an den Cyberbully, dass er ein bestimmtes Verhalten unterlassen soll. Sie ist letztlich ein formeller Brief an den Cyberbully, in dem klipp und klar geschrieben steht, um welches Verhalten es genau geht und dass es aufzuhören hat. Die Abmahnung sollte immer Fristen enthalten, innerhalb derer die Forderung zu erfüllen ist. Auch ist eine Abmahnung immer mit der Aufforderung verbunden, eine rechtsverbindliche Erklärung abzugeben, das Verhalten zu unterlassen (die sogenannte Unterlassungserklärung ). Kommt man auch mit der Abmahnung nicht weiter, sieht das Zivilrecht zwei Möglichkeiten vor, die Hilfe eines Richters in Anspruch zu nehmen. Helfen Sie mit! Chancengerechtigkeit und Lebensglück für alle Kinder! Das BLLV-Kinderhaus Casadeni gibt seit 1995 den ärmsten Kindern in Ayacucho (Peru) ein Zuhause. Diese Kinder sind für jede finanzielle Hilfe dankbar. Unterstützen Sie unsere Arbeit im Kinderhaus durch Ihre Spende als Fördermitglied, indem Sie monatlich eine festen Betrag (ab 10 ) spenden durch eine einmalige Spende Stadtsparkasse München BLLV-Kinderhilfe Konto: BLZ: Wir versichern Ihnen, dass wir mit Ihren Spenden äußerst sorgsam umgehen. fs 6/

18 Recht 3) Die Unterlassungsklage Möglich ist einerseits eine zivilrechtliche Klage, die beim zuständigen Gericht erhoben werden kann. Die Unterlassungsklage dient dazu, den Bully vom Gericht verurteilen zu lassen, die in der Abmahnung aufgestellten Forderungen (sofern er der Abmahnung nicht nachgekommen ist) zu erfüllen. Gibt das Gericht der Klage statt und wird das Urteil rechtskräftig, drohen dem Rechtsverletzer empfindliche Folgen, wenn er sein Verhalten nicht ändert. 4) Die einstweilige Verfügung Die eben genannten Umstände gelten im Wesentlichen genauso für das vierte zivilrechtliche Mittel, die sogenannte einstweilige Verfügung. Hierbei handelt es sich um eine Art Schnellverfahren, das für eilige Notfälle gedacht ist. Einstweilige Verfügungen können deshalb nur innerhalb einer bestimmten Zeit (bei manchen Gerichten vier Wochen, bei anderen bis zu drei Monaten) bei Gericht beantragt werden, nachdem man von der Rechtsverletzung erfahren hat. Die einstweilige Verfügung hat im Vergleich zur zivilrechtlichen Klage erhebliche Vorteile: Sie kann innerhalb von wenigen Wochen durchgesetzt werden und die Sache beenden. Klageverfahren dauern dagegen mitunter ein Jahr oder sogar länger. In Fällen, in denen eine Bully-Attacke über das Netz für das Opfer so drastische Folgen hat, dass schnell Abhilfe geschaffen werden soll, ist die einstweilige Verfügung daher das richtige Mittel. Auch ihr sollte in der Regel eine Abmahnung vorausgehen, denn ansonsten kann es passieren, dass das Opfer einen Teil der Gerichtskosten tragen muss, auch wenn es den Rechtsstreit am Ende Ihr Winfried Kneissl gewinnt. Hintergrund dieser Regel ist, dass dem Rechtsverletzer Gelegenheit gegeben werden soll, die Sache außergerichtlich aus der Welt zu schaffen, auch und vor allem, um eine kostenintensive Auseinandersetzung vor Gericht zu vermeiden. Ich wünsche Ihnen und Ihren Schülern, dass Sie vor Internet und Cybermobbing verschont bleiben Benutzte Quellen: StGB Strafgesetzbuch Weihnachtsmann hat Husten Was bringt dir denn der Weihnachtsmann?, möchte die Oma von Felix wissen. Nichts, er ist erkältet! Wie bitte? Papi hat gestern gesagt: Dieses Jahr wird dir der Weihnachtsmann etwas husten. Es gibt nur eins, was auf Dauer teurer ist als Bildung: Keine Bildung. John F. Kennedy Für den Unterricht Nikolaus Kirstein 99 Tipps Lehrergesundheit erhalten 144 S., ISBN , 15,50 Cornelsen Schulverlage, Berlin Studien bestätigen wiederholt, dass die psychischen und körperlichen Belastungen im Lehrerberuf enorm hoch sind. Deshalb müssen viele Lehrkräfte früher aus dem Schuldienst ausscheiden. Aber muss der Schulalltag unweigerlich zum Burn-out führen? Und ist der Raubbau an der eigenen Energie Voraussetzung für eine gute Arbeit als Lehrer? Dieses Buch weist nach, dass das Wohlbefinden und die Freude am Beruf den Unterricht besser machen und das Lernen unterstützen. Anregungen zeigen, dass es für jede Belastung im Lehreralltag auch eine Entlastungsstrategie gibt. Aber wie halte ich Stunden, die mich stärken? Wie sorgt bereits die Unterrichtsvorbereitung für Vorfreude? Wie kann ich die Bürokratie reduzieren? Der Ratgeber basiert dabei auf der Annahme, dass pädagogischer Idealismus stets mit umsetzbaren Methoden arbeiten sollte. Zudem gehört zu einem ausgeglichenen Lehrerleben viel Selbstreflexion. Ein Abschnitt des Bandes widmet sich daher den eigenen Grundeinstellungen und gibt Denkanstöße mit auf den Weg. Jedem Pädagogen sollte auch klar sein, dass nicht alle Schwierigkeiten lösbar sind, denn nicht mit jeder Klasse ist produktive Arbeit möglich, nicht mit allen Eltern und Schülern gibt es ein konstruktives Miteinander. Tipps unter dem Motto Mensch ärgere dich nicht wollen dazu beitragen, mit dieser Realität umzugehen. Und sollte es wieder einmal zu verbalen Angriffen kommen, helfen einige schlagfertige Antworten, um jeden Nörgler zum Schweigen zu bringen. Gerald Lippert Kinder im Internet lernen sich zu schützen! Mein Kind ist noch zu klein, um im Netz zu surfen, denken noch viele verantwortungsbewusste Eltern. Doch das ist Stoff für Streit in der Familie. Alle anderen in der Klasse dürfen schon ins Internet. Die treffen sich alle in Digiposi. Nur ich nicht!, beschwert sich Alessa zornig bei ihren Eltern, Ihr seid so gemein! Was tun? Wir wollten unser Kind ja nicht zum Außenseiter machen, erklärt ein Elternteil beim Elternsprechtag an der Schule. Die Mutter einer Achtjährigen meint dazu: Wir haben uns bisher nicht so um das Thema gekümmert. Da weiß man nicht so recht, worauf man sich einlässt und was man beachten muss, damit das Kind im Netz wirklich auf der sicheren Seite bleibt. Ich habe gehört, dass Pädophile sehr aktiv im Netz unterwegs sind. Deshalb hat sie kürzlich an einem der Sicher-Stark-Webinare Kinderschutz im Internet - aber richtig! teilgenommen. Die Experten der Sicher-Stark-Organisation haben sich in den letzten Jahren intensiv mit dem Thema Kinder und Internetsicherheit beschäftigt. Die gewonnenen Erkenntnisse vermittelt Ralf Schmitz, der führende Experte in der Gewaltprävention an Grundschulen, auch in seiner Video- DVD-Serie. Zwei DVDs bieten Grundinformationen und Gewusst-wie? -Anleitungen für Eltern und eine DVD richtet sich speziell an Kinder im Grundschulalter. Diese erfahren von den Puppen Felix und Lara, wie sie sich vor den Gefahren des Internets schützen und trotzdem viel Spaß haben. Was es alles über clevere Passwörter, eine sichere Handhabung der Privatsphäre, Kinderseiten, Kinderbrowser, Chats, Tauschbörsen und Co zu wissen und zu beachten gibt, können sich Eltern und Kinder auf den DVDs nicht nur ansehen, sondern die einzelnen Kapitel mit einfachen Schritt-für-Schritt-Anweisungen schnell in die Tat umsetzen. Auch was man gegen die bösen Onkels genau unternehmen kann und wie man diese erkennt, wird ausführlich erklärt. Die DVDs sind einzeln oder als Paket unter erhältlich. Wer es gern noch interaktiver hat und individuelle Fragen stellen möchte, bucht eins der Webinare oder eine persönliche Schulung ebenfalls im Sicher-Stark-Shop. Die Sicher-Stark-Initiative steht für eine der führenden Non-Profit-Organisationen auf dem Gebiet der Gewaltprävention, für moderne zielgerichtete Kommunikation und hochkarätige Experten. In Deutschland ist das Sicher-Stark-Team eine feste Größe wenn es um anspruchsvolle Veranstaltungen zum Kinderschutz geht. fs 18 fs 6/2012

19 Aus den Kreisverbänden KV Gefrees 210 Jahre im BLLV Der KV Gefrees zeichnete im Rahmen des traditionellen Rehessens im Gasthof zum Kornbachtal fünf Mitglieder aus, die seit vielen Jahren dem BLLV die Treue gehalten haben. Kreisvorsitzender Erwin Tischer freute sich, dass viele Mitglieder der Einladung gefolgt waren und auch Bezirksvorsitzender Peter Bauer den Weg nach Kornbach gefunden hatte, um den Jubilaren für ihr langjähriges Engagement die Ehre zu erweisen und Urkunden und Ehrenbriefe zu überreichen. Edeltraud Gahn gehört 25 Jahre dem BLLV an. Sie unterrichtet seit Jahren in Gefrees meist in der 7. bis 9. Jahrgangsstufe, hat sich voll und ganz der Musik verschrieben und als Sängerin und Gitarristin unter dem Motto Sing mer a weng in Oberfranken einen Namen gemacht. Sie rezensierte auch eine Zeit lang Bücher. Dann plaudert sie aus dem Nähkästchen und erklärte, dass sie zunächst von der GEW geworben wurde und erst vor 25 Jahren zum BLLV übergetreten sei. Vor 40 Jahren trat Günther Pfaffenberger dem Verband bei und unterrichtete von 1978 bis zu seiner Pensionierung 2011 in der Jahrgangsstufen 1 und 2 in Gefrees, wurde aber oft in Religion oder Sport in der Hauptschule eingesetzt. Lehrreiche Jahre verbrachte er vor seiner Versetzung nach Gefrees an der Sprachheilschule in Bayreuth, in die Kinder aufgenommen werden, die zum Zeitpunkt der Einschulung wegen Sprachauffälligkeiten den Besuch einer Regelschule als unmöglich erscheinen lassen. Für 50-jährige Treue erhielt Christa Herrmann den Ehrenbrief überreicht. Sie wurde nach zwei Wanderjahren 1967 nach Gefrees versetzt und war bis zu ihrem Ausscheiden 2007 meist in den Klassen 1 und 2 bzw. 3 und 4 eingesetzt. Nicht vermissen möchte sie die einjährige Abordnung an die damalige Sonderschule in Münchberg, da ihr von den Schülern Dankbarkeit entgegengebracht wurde, wenn sie sich für sie einsetzte. Im BLLV war sie einige Jahre Lesebeauftragte und engagiert sich seit ihrer Pensionierung vor allem für die Kirche. Lothar Böhm ist seit 55 Jahren Mitglied im BLLV und erzählt in seiner ihm eigenen Art über die damaligen Eintrittsmodalitäten: In einer Vorlesung im Jahr 1957 erschien ein BLLV-Mann, klärte uns über die Mitgliedsvorteile auf, legte einen Pack Eintrittsformulare aus und alle 57 Studenten unterschrieben. Lothar Böhm legte eine einmalige Karriere bis zum Abteilungsleiter an der Regierung von Oberfranken hin und wurde fs 6/2012 Ehrungen beim KV Gefrees: hinten von links Andreas Götschel, Günther Paffenberger, Erwin Tischer, Lothar Böhm, Peter Bauer und vorne von links Christa Herrmann und Edeltraud Gahn. wegen vielerlei ehrenamtlichen Engagements u. a. als Stadtrat und Landessynodaler mit dem Bundesverdienstkreuz ausgezeichnet. Im KV Gefrees war er von Schriftführer und anschließend bis 1983 Vorsitzender. Besonders hoch anrechnen muss man ihm, dass er sich trotz seiner gehobenen Position immer für die Lehrer einsetzte. 2. Vorsitzender Andreas Götschel überreichte Erwin Tischer für 40 Jahre BLLV- Zugehörigkeit eine Urkunde und bedankte sich bei ihm, dass er seit 1983 den KV Gefrees führt. Peter Bauer wies auf die schleichende Verschlechterung der Unterrichtssituation an den Schulen hin. Die mobile Reserve KV Selb Ehrungen im Jubiläumsjahr Der KV Selb ehrte beim Festakt zum 150- jährigen Bestehen (Bericht auf S. 3) acht Mitglieder für ihre langjährige Treue sowie engagierte Mitarbeit. Die Auszeichnung mit einer Urkunde und einem persönlichen Geschenk nahm BLLV-Bezirksvorsitzender Peter Bauer vor. Besonders würdigte er die Verdienste von KV-Ehrenvorsitzendem Walter Schubert und KV- Vorsitzendem Heinz Ziegler. Im Bild von besteht nur auf dem Papier, Unterrichtsausfälle drohen und das Kultusministerium scheint Stellen streichen zu wollen. Gegen diese Tendenz wandte sich der BLLV in einem offenen Brief an Kultusminister Dr. Ludwig Spaenle zum Erhalt der Stellen. Durch die Unterschrift möglichst vieler Kollegen soll der drohenden Stellenstreichung durch das Kultusministerium entgegengewirkt werden. Walter Herrmann Wahre Jugend ist eine Eigenschaft, die sich nur mit den Jahren erwerben lässt. Jean Cocteau links Kreisvorsitzender Heinz Ziegler (40 Jahre), Kreisverbands-Ehrenvorsitzender Walter Schubert (50), Hella Popp (55), BLLV-Bezirksvorsitzender Peter Bauer, Eva Tröger (55) und BLLV-Präsident Klaus Wenzel. Nicht persönlich anwesend sein konnten Franziska Pikhart (65), Ingeborg Bäßler (65), Edeltraut Reichel (60) und Inge Holm (40). Text / Foto: Gerald Lippert 19

20 Aus den Kreisverbänden KV Forchheim, KV Ebermannstadt Grundschule vor Ort zu erhalten ist wichtig Die Zukunft der Bildung aus Sicht der Freien Wähler war Leitthema einer gemeinsamen Diskussionsveranstaltung der BLLV-Kreisverbände Forchheim und Ebermannstadt in Kirchehrenbach. Dazu war Landtagsabgeordneter Thorsten Glauber als Referent und Gesprächspartner eingeladen. Wenn wir Kinder des 21. Jahrhunderts von Lehrern mit einem Ausbildungsstand des 20. Jahrhunderts in einem Schulsystem unterrichten lassen, das im 19. Jahrhundert konzipiert wurde und sich seitdem nur graduell verändert hat, dann kann das so nicht funktionieren, an Hand dieses Zitates des Bildungsforschers Andreas Schleicher zeigte KV-Vorsitzende Petra Fiedler die Probleme in Bayerns Bildungssystem auf. Als Beispiele nannte sie Mängel in der Unterrichtsversorgung an Bayerns Schulen obwohl Tausende gut ausgebildeter Junglehrer/innen nicht angestellt wurden, Überlastung bei Eltern, Schülern und Lehrern aufgrund von steigendem Auslesedruck und überfrachteten Lehrplänen, Probleme bei Individualisierung und Inklusion von Behinderten durch fehlendes zusätzliches Fachpersonal, zu erwartende Schulschließungen durch die demografische Entwicklung und fehlende zukunftsorientierte Konzepte zur Erhaltung der wohnortnahen Schulen. MdL Thorsten Glauber erläuterte in seinem Statement die Bildungspolitik der Freien Wähler: Als elementaren Bestandteil und wichtiger als Breitbandanschluss bezeichnete er die Grundschule vor Ort. Als unabdingbare Antwort auf die Verschiedenheit der bayerischen Landschaften sieht er den Weg zu mehr regionaler Bildungsentwicklung, d.h. mehr Bildungsverantwortung vor Ort und die Zulassung anderer Schulmodelle, die in die Region passen. REIF steht bei den Freien Wählern als Programm für regionale Entwicklung mit individueller Förderung. Die demografische Entwicklung mit dem Rückgang der Schülerzahlen, insbesondere im ländlichen Raum, führe kurz- und mittelfristig zur Schließung zahlreicher wohnortnaher Schulen. Als Ausweg sieht Glauber die Abkehr von der in der CSU zementierten Dreigliedrigkeit und das Schulsystem auf dem Weg in die Zweigliedrigkeit. Als weiteren wichtigen Punkt nannte er die Abschaffung der Studiengebühren durch das Volksbegehren der Freien Wähler. In der regen Diskussion mit den zahlreich anwesenden Zuhörern wurde von den Lehrern eine längere gemeinsame Schulzeit vor Ort gefordert. Dies könnte den enorm gestiegenen Übertrittsdruck auf die Grundschulen verringern, der in viel zu vielen Fällen zu Stresssymptomen, Versagensängsten und psychischen Störungen führt. Mehr Zeit für einen neuen Lernbegriff, Kompetenzerwerb, Motivation, individuelle Förderung, soziales Lernen könnten an Stelle von Leistungsmessungen und Notendurchschnitten in den Mittelpunkt rücken und auch den Erhalt der wohnortnahen Schulen ermöglichen. Die Inklusion behinderter Schüler wurde ebenfalls heftig diskutiert mit dem Ergebnis, dass sie nur mit ausreichendem Fachpersonal - woran es noch bei weitem fehlt - erfolgreich sein kann. Johannes Schmitt KV Hof-Stadt Schuhe aus dem Frankenwald Der Kreisausschuss Hof im Bayerischen Beamtenbund (BBB) hatte zu einer Werksbesichtigung bei der Schuhfabrik JOMOS in Selbitz geladen und Vorsitzender Karl-Heinz Marko konnte dazu gut zwanzig Interessierte begrüßen. Der Eigentümer Werner Mohr stellte eingangs fest, dass es die früher bedeutende deutsche Schuhindustrie kaum mehr gibt, denn die Schuhproduktion ist nach wie vor mit viel Handarbeit verbunden und diese ist in Deutschland zu teuer. Während deshalb viele deutsche Schuhhersteller ihre Produktion komplett ins günstige Ausland verlegt haben, wählte die Firma JOMOS (JOhann MOhr Selbitz) einen Mittelweg. Seit über 20 Jahren werden die Schäfte in Brasilien (Provinz Santa Catarina) und seit Neuestem auch in Indien genäht. Die Entwicklung, die Herstellung der Prototypen und die Montage sowie das Anschäumen der Sohle finden in Selbitz statt. So kann sich JOMOS in der Mitte des vom deutschen Verbraucher bevorzugten Preissegments zwischen 50 und 100 Euro halten. Wurden früher in der Firma nur Herrenschuhe gefertigt, so gibt es inzwischen auch Damenschuhe. Insgesamt produzieren gut 70 Beschäftigte etwas 2500 bis 3000 Paar Schuhe am Tag. Damit gehört die Firma zu den ganz großen in Deutschland produzierenden Schuhherstellern. (Marktführer Rieker lässt täglich Paar produzieren, allerdings in Vietnam.) Neue Schuhmodelle werden in Selbitz entworfen, die bis zu 40 Einzelteile zu Prototypen zusammengenäht und wenn das Ergebnis stimmt, werden die Daten per Internet zu den Partnerfirmen nach Brasilien oder Indien gesandt. Dass diese Auslagerung sinnvoll ist, zeigt die für das Nähen benötigte Arbeitszeit von ca. anderthalb Stunden. Außerdem fehlen in Deutschland inzwischen auch die Zulieferer für die Schuhindustrie weitestgehend. Per Luftfracht kommen die Schäfte nach Deutschland, werden über den Leisten gezogen, mit der Brandsohle verbunden und dann schäumt eine Maschine die Sohle aus Polyurethan auf. Zuletzt erhält der Schuh noch sein Innenleben, eine Einlegesohle, die immer mehr einem Fußbettsystem gleicht. Vom Auflegen auf Reich sind nur die, die wahre Freunde haben. Thomas Fuller den Leisten bis zum fertigen Schuh dauern die Arbeitsschritte in Selbitz etwa neun Minuten. Nach der Einführung konnten die Teilnehmer die Arbeiten im Betrieb verfolgen. Interessant war dabei die Aussage von Herrn Mohr, dass kein einziger gelernter Schuhmacher im Betrieb arbeitet, wohl aber jeder Beschäftigte eine Berufsausbildung abgeschlossen hat. Mit Ungelernten habe man dagegen schlechte Erfahrungen gemacht. Die Maschinen im Betrieb stammen zum Teil aus Italien, wo es noch mehr Schuhhersteller gibt, zum Teil sind es auch an die speziellen Bedürfnisse angepasste Maschinen aus Deutschland. Die fertigen Schuhe werden geprüft, verpackt und warten dann mit anderen Paaren auf die Auslieferung an einen der 3000 Kunden. Zudem gibt es im Werksgebäude noch einen Fabrikverkauf. Wie üblich folgte auf die Betriebsbesichtigung noch ein Einkehrschwung, bei dem die gewonnenen Eindrücke im Gespräch vertieft werden konnten. Werner Prell 20 fs 6/2012

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