Leistungsdruck im Tennis

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1 Leistungsdruck im Tennis Einflüsse von Eltern und Trainer Tina Markutt, 6d Coach: Gery Ochsner Dezember 2004 Evangelische Mittelschule Schiers

2 Vorwort Ich spiele nun schon seit fast zehn Jahren aktiv Tennis und habe bis heute die Freude daran nicht verloren. Von meinen Eltern lernte ich, dass es bloss ein Spiel ist, dass Siege schön, aber nicht Bedingung sind und Niederlagen akzeptiert werden und ich daraus lernen kann. Doch schon früh musste ich feststellen, dass es meinen Kolleginnen ganz anders erging. Seit kurzem bin ich auch als Turnierleiterin von Juniorenturnieren tätig. Dort erlebe ich, wie die Kinder von ihren Eltern unter enormen Druck gesetzt werden. Vor ihrem Match müssen die Kinder die Anweisungen der Eltern genauestens befolgen. Dann wird ihnen noch einmal eingeredet, was sie auf dem Platz zu tun haben. Schliesslich wird jede ihrer Handlungen und Bewegungen auf dem Platz beobachtet oder sogar aufgeschrieben. Nach dem Match werden sie, ob Sieg oder Niederlage, stark kritisiert. Szenen, in denen die Eltern die Nerven verlieren und die Kinder zu weinen beginnen, sind an diesen Turnieren keine Seltenheit. Immer wieder muss ich feststellen, wie viele Kolleginnen, die als Talente galten, im Alter von etwa sechzehn Jahren das Tennis ganz an den Nagel hängen. All diese Vorkommnisse gaben mir Anlass dazu, mir die Umstände dieses Phänomens genauer anzuschauen. Ich habe diese Arbeit für alle Interessierten geschrieben. Vor allem aber erhoffe ich mir von Betroffenen und allen, die sich mit Tennis auseinandersetzen, die Einsicht, dass nicht Resultate und Klassierungen für das Leben eines Kindes entscheidend sind, sondern dass es Freude am Sport hat. Das ist oft der bessere Weg zum Ziel. Ich möchte hierbei noch meinen herzlichsten Dank an alle aussprechen, die mir bei meiner Arbeit behilflich waren. Dies ist ganz speziell mein Coach, Herr Gery Ochsner, der mir immer zur Beratung zur Seite stand. Ausserdem danke ich Simone Bachmann, die sich dazu bereit erklärt hat, die Aufgabe der Beisitzerin zu übernehmen. Weiter möchte ich all meinen Interviewpartnern und denen, die mir Material zur Verfügung stellten, danken. Insbesondere sind das Pascal Schwarb, Sidonia Wolfinger, Nina Nittinger und die vier Tennisspieler des Sportgymnasiums Davos. Als letztes möchte ich noch meiner Familie danken, die mich während meiner ganzen Arbeit unterstützt hat. Vielen Dank! Klosters, Dezember 2004 Tina Markutt 2

3 Inhaltsverzeichnis Vorwort...2 Einleitung Vorzeitiges Scheitern Gründe für ein Burn-out/Drop-out Allgemeine Gründe Tennisspezifische Gründe Leistungsentwicklung Interpretation der Grafik Grundlagentraining Aufbautraining Aufbautraining Anschlusstraining Hochleistungstraining Welche Rolle spielen Eltern im Zusammenhang mit Stress? Ängstlichkeit Weshalb dieser grosse Druck gerade im Tennis? Auffassung von N. Fessler Auffassung von E. Loehr Begleiterscheinungen Lösungen Wie können Eltern diesen Druck vermeiden? Was braucht es, um erfolgreich zu werden? Erfolgsintelligenz von R.J. Sternberg Was ist ein Talent? Talentsichtung Schule und Tennis Entwicklung der Matchanzahl von den Top-20 der Schweizer Junioren Dreiecksverhältnis Eltern Trainer Kind Die individuellen Aufgaben Konfliktpotenzial Leitfrage Wie viel Druck ist nötig? Stehen Bündner Junioren unter Leistungsdruck? Diskussion Zusammenfassung...33 Literaturverzeichnis...34 Anhang

4 Einleitung Der Weg zum Top-Tennisspieler ist lang und beschwerlich. An die Spitze schafft es nur etwa einer von tausend Jugendlichen. Das ist oft Kind und Eltern nicht bewusst und es werden zu hohe Ziele gesetzt. Kaum jemand spielt, um eine Freizeitbeschäftigung zu haben, oder um nur regional gut zu werden. Es ist ganz klar, dass so ein enormer Druck entsteht, den sich die Spieler z.t. selber aufzwängen, oft aber auch ganz stark, aus verschiedensten Gründen, von den Eltern ausströmt. Dadurch, dass die Kinder ständig diesem Druck ausgesetzt sind, können mentale und physische Blockaden entstehen, ein Ausgebranntsein, auch Burn-out genannt. Aus diesem Loch wieder herauszufinden, ist extrem schwer, und viele schaffen es nicht mehr zurück in den Leistungssport, erleben ein so genanntes Drop-out. Für mich stellt sich deshalb die Leitfrage: Gäbe es mehr Topspieler, wenn Jugendliche nicht von Eltern und Trainern unter Druck gesetzt würden, oder braucht es eine so grosse Drop-out Rate, damit einige dank diesem Druck an die Spitze gelangen? Um eine mögliche Antwort darauf zu finden, untersuche ich in meiner Arbeit die Gründe für das Entstehen eines Burn-outs und eines Drop-outs spezifisch in der Sportart Tennis. Dabei versuche ich zu zeigen, welche Rolle die Eltern im Zusammenhang mit Stress spielen und weshalb es diesen grossen Druck gerade im Tennis gibt. Weiter zeige ich mögliche Lösungsansätze, wie die Eltern einen solchen Druck vermeiden können. In einem weiteren Teil behandle ich die Frage, was es braucht um erfolgreich zu werden. Die Feldarbeit nutze ich vorwiegend, um mich über diese Themen genauer zu informieren und um herauszufinden, ob bei den jungen Spielern in der Schweiz auch Leistungsdruck vorhanden ist. 4

5 1. Vorzeitiges Scheitern Das Spitzentennis und vor allem das Weltspitzentennis täuscht uns eine Glitzerwelt vor, die viele Eltern, Trainer und Funktionäre falsch einschätzen, da sie die Realität nicht kennen. Ruhm, Popularität und enorme Geldeinnahmen gehören zwar zu jedem Spitzenstar, doch es gibt auch Tausende von Möchtegernstars, die ewig nur die niedrigrangigen Turniere und Qualifikationen spielen müssen und sich vergebens um einen Platz im Tennishimmel bemühen. Gründe dafür können einerseits eine fragwürdige Einstellung und fehlende mentale Härte, schlechte äussere Voraussetzungen und ungünstige sportliche Umweltbedingungen sein. Dafür ist es sehr schwer die richtige Medizin zu finden. Anderseits kann es auch an einer mangelnden Grundausbildung liegen. Dies dürfte allerdings mit dem heutigen Fachwissen gar nicht erst vorkommen. Trotzdem ist die Erfolglosigkeit unzähliger junger Talente praktisch in allen typischen Tennisnationen keine Ausnahme, sondern eine bittere Realität. Die wenigen, die es geschafft haben, dürfen uns nicht blenden. Die permanente Erfolglosigkeit ist dabei nicht das einzige Problem. Schlimmer ist die grosse Anzahl von jungen, erfolgreichen Spielern, die aus verschiedenen Gründen früher oder später über ein so genanntes Burn-out (psychische und physische Überforderung bzw. Ausgebranntsein ) zum Drop-out (Ausstieg aus dem Leistungssport) geraten und somit dem Hochleistungstennis verloren gehen. Danach ein Comeback zu starten ist sehr schwer und bisher auch noch fast niemandem gelungen. Es gab viele Aussteiger aus dem Tennissport, die durch ihre frühzeitigen Erfolge und grossen Perspektiven berühmt geworden sind. Weltweit gibt es aber Tausende von Talenten, die der Tennissport verloren hat und die nicht einmal Zeit hatten weltweit berühmt zu werden, weil sie vorher ausgebrannt waren. Durch den frühen Einstieg in den Leistungssport hatten diese eine unzureichende physische, mentale und technische Aufbauzeit. Drei bis vier Jahre später kommt bei fast allen das Aus! 5

6 2. Gründe für ein Burn-out / Drop-out Hochleistungstennis kann höchstens ca. 10 Jahre betrieben werden. Die individuelle Höchstleistung im Tennis erreichen Männer erst im Alter von etwa Jahren. Deshalb würde es reichen, wenn ein Spieler frühestens ab dem 16./17. Lebensjahr in den Hochleistungssport einsteigt. Bei den Frauen fängt diese Phase zwei is drei Jahre früher an. Vorher sollten nicht die Erfolge zählen, sondern vor allem das Mitmachen und die Freude am Sport. Auch wenn dies beachtet wird, gibt es noch einige andere Gründe für ein Burn-out mit anschliessendem Drop-out. 2.1 Allgemein verständliche Gründe sind beispielsweise: Nicht ausreichendes Talent Dem Hochleistungsstress nicht gewachsen sein Priorität für Berufsausbildung/Studium Priorität auf andere Sportart 2.2 Daneben sind vor allem zwei Gründe entscheidend: Physische Überbelastung: ein Jugendlicher spielt aufgrund seines enormen Talents und seiner rein technischen Fähigkeiten in einer Liga, für die er physisch noch gar nicht ausgerüstet ist. Die Folgen sind: zunehmende, physische Überbelastung, sich häufende Verletzungen, Trainings- und Turnierunterbrechungen, immer mehr Missmut und Misserfolge bis zum physischen Zusammenbruch. Psychische Überbelastung: durch eigene Erwartungen und Erwartungen der beteiligten Umwelt (Eltern, Trainer, Freunde ) gerät ein Jugendlicher unter enormen psychischen Stress, dem er noch lange nicht gewachsen ist. Ein Kind ist kein kleiner und ein Junior ist kein mittelgrosser Erwachsener. Ein Kind ist ein Kind und ein Junior ist ein Junior mit all den biologischen Unterschieden und unterschiedlichen physischen und psychischen Voraussetzungen. Einem siebzehnjährigen jungen Menschen mutet man z.b. eine Führungsposition der Wirtschaft nie zu. Im Tennissport jedoch erwartet man von einem Sportler in diesem Alter, dass er physisch, psychisch und technisch auf der Höhe der Erwachsenen und in allen Belangen von ausgereiften Spitzenspielern sein muss (Grosser/Schönborn, 2001: S.16f). 6

7 2.3 Leistungsentwicklung In der folgenden Abbildung ist die Leistungsentwicklung von Jugendlichen ersichtlich, welche zwei verschiedene Aufbauwege verfolgten: Rote Linie: falsch, obwohl üblich Grüne Linie: richtig, obwohl selten Leistung Individuelle Leistungsgrenze Alter Aufbautraining 1+2 Anschlusstraining Hochleistungstraining falsch, obwohl üblich Grundlagentraining Aufbautraining 1 Aufbautraining 2 Anschlusstraining Hochleistungstraining richtig, obwohl selten (Grosser/Schönborn, 2001: S. 131) Die Trainingsarten sind stark vom Alter abhängig. Genauer zeigen das die folgenden Erklärungen zu den verschiedenen Trainingsarten, wie sie richtig eingehalten werden sollten, um ein Burn-out zu vermeiden: Interpretation der Grafik: Rot: Kinder, die vom 6./7. Lebensjahr an nur Tennis spielen, erzielen frühzeitig Turniererfolge, da sie bereits gewisse Grundtechniken erlernt haben und sicher spielen können. Mit 14 Jahren beginnen sie dann bereits mit dem Hochleistungstraining, sofern sie nach einer eventuellen Leistungsstagnation noch Lust zum Spielen haben. Mit 20 Jahren haben sie ihre individuelle Höchstleistung erreicht. Grün: Diese Kinder haben sich für den richtigen und langsam aufbauenden Weg entschieden. Sie haben zwar an den ersten Turnieren keine grossen Erfolge, werden aber 7

8 später ihre körperlichen und technischen Vorteile ausnutzen können. Ihr Einstieg in den Hochleistungssport erfolgt erst ab dem 20. Lebensjahr und ihre individuelle Höchstleistung erreichen sie zwischen dem 24. und 26. Lebensjahr Grundlagentraining (6 10jährige): In diesem Altersabschnitt haben die Kinder eine hohe Lernfähigkeit. Koordinative Fähigkeiten, wie auch Reaktions- und Frequenzschnelligkeit sind stark ausgeprägt. Jedoch sind ihre Konzentrationsfähigkeiten über einen längeren Zeitraum sowie leistungsbestimmende Kraftfähigkeiten noch eingeschränkt. Deshalb werden in diesem Trainingsabschnitt vor allem die Tennisgrundtechniken, Reaktions- und Frequenzschnelligkeit, Motorik und Koordination geschult. Dies sollte aber nur ein Teil des Trainings sein. Nebenbei sollten auch Wahrnehmungs- und Antizipationsfähigkeiten sowie das Gleichgewicht, die Beinarbeit und das Ballgefühl geschult werden. In dieser Phase sollten keine Meisterschaften stattfinden, die die Kinder unter Erfolgszwang und Stress setzen. Auf keinen Fall dürfen Turniere mit K.O.-System gespielt werden. Die Kinder sollen Spass an der Auseinandersetzung mit einem Gegner haben, durch das Spielen motiviert werden, erste taktische Grundlagen erlernen und den mentalen Bereich stärken. Die Eltern dürfen ihre Kinder nicht unter Stress setzen; die Resultate sollen nüchtern und vor allem immer positiv beurteilt werden. Der Spieler muss wissen, dass er auch verlieren darf. Die Matchzahl liegt bei höchstens Matches pro Jahr. Die Anzahl Siege und Niederlagen sollten ausgeglichen sein Aufbautraining 1 (9 13jährige) In diesem Training wird eine hohe Qualität der Grundtechniken angestrebt, denn Fehler, die in diesem Abschnitt gemacht werden, können später kaum mehr ausgeglichen werden. Bis zum 12. Lebensjahr sollten alle Schlagtechniken im Matchgeschehen dem Alter entsprechend einsetzbar sein. Der tennisspezifische Anteil schiebt sich nun langsam in den Vordergrund. Die Tennistechnikentwicklung ist zwar wichtig, soll aber trotzdem nur einen Teil einnehmen. In diesem Alter sollen die Kinder Matches pro Jahr spielen. Jedoch dürfen sie nicht mit zu vielen Turnieren überhäuft oder mit zu schwierigen Turnieren konfrontiert werden. Der Spieler soll immer Chancen auf einige Siege haben. Trainer, Eltern und Funktionäre orientieren sich häufig zu stark auf den Erfolg. Erfolge in diesem Alter sind zwar schön, aber 8

9 unwichtig und schon gar nicht richtungsweisend. Eine Niederlage ist ein notwendiger und normaler Schritt für die weitere Entwicklung Aufbautraining 2 (11 15jährige) Diese Stufe ist die erste kritische Etappe. Durch die körperlichen und psychischen Veränderungen der Pubertät kann es zu Rückschlägen, zu mentalen und körperlichen sowie zu anderen individuellen Problemen kommen. Dieses Phänomen muss daher als ganz normal angeschaut werden und darf keine Bestrafung zur Folge haben. Auch in dieser Phase sind Turniere noch reine Leistungsüberprüfer. Sie bestätigen die Trainingsmethoden und inhalte und geben evt. Anlass zu Änderungen. Turniere sollten nach dem sogenannten Drittelprinzip gespielt werden. D.h. die Spieler sollen grundsätzlich 1/3 aller Matches gegen Schwächere, 1/3 gegen Gleichwertige und 1/3 gegen stärkere Gegner spielen. Gegen Schwächere müssen sie beweisen, dass sie tatsächlich fähig sind, diese Spieler auf Distanz zu halten. Hierbei lernen sie, ihre Position zu verteidigen, die Angst vor dem Versagen zu bewältigen, den Gegner nicht zu unterschätzen und Selbstvertrauen aufzubauen. Gegen gleich starke Gegner müssen sie lernen zu fighten, eventuelle Rückstände aufzuholen, niemals aufzugeben, schwankende Matchform zu akzeptieren, erfolglose Taktiken zu verändern, ungünstige äussere Umstände zu bewältigen und vieles mehr. Gegen stärkere Gegner können sie frei aufspielen, über sich hinauswachsen, nicht erwartete Leistungsfähigkeiten entdecken, neue Taktiken oder Schlaganwendungen, Schlaggeschwindigkeiten oder Schlageinsatzvariationen ausprobieren. Mit diesem Drittelprinzip (zwei Siege und erst dann eine eventuelle Niederlage) kann man z.b. im Profitennis bis in die Top 20 kommen (Grosser/Schönborn, 2001: S. 100). Die stärksten Junioren und Juniorinnen können vereinzelt an internationalen Turnieren teilnehmen, damit sie sich bereits auf den psychischen Druck, der bei internationalen Turnieren herrscht, gewöhnen und andere Gegner, Spielarten und stile kennen lernen. Es sollten ca. 60 Matches pro Jahr gespielt werden Anschlusstraining (14 18jährige) Diese Stufe ist die wichtigste Etappe für die spätere Leistungsentwicklung. Die Jugendlichen können immer stärker und vielfältiger belastet werden. Zum ersten Mal spielen die Turnierresultate eine wichtige Rolle und eine häufige Teilnahme an Turnieren, ca. 70 Matches pro Jahr, ist notwendig. Erfolge bei Turnieren sind nun ein gewisses Kriterium und eine Vorbedingung für eine erfolgreiche Karriere. Trotzdem sind sie noch lange keine Garantie für Spitzenerfolge. 9

10 Zwischen dem ca. 15. und 17. Lebensjahr verstärkt sich bei den meisten erfolgreichen Mädchen die Tendenz zum Wechsel in das Profilager. Das Problem dabei ist, dass die meisten Juniorinnen zwar spielstärkenmässig schon durchaus mithalten können, körperlich und psychisch aber noch lange nicht der harten Profitour gewachsen sind. Deswegen bleiben so viele auf der Strecke (Gross/Schönborn, 2001: S. 105). Eine vorzeitige Teilnahme eines unreifen Spielers bei den Aktiven nur unter der Prämisse, Erfahrungen zu sammeln oder frühzeitig einige Punkte auf den Weltranglisten zu bekommen, hat in der Regel einen negativen Effekt, der durch anhaltende Erfolglosigkeit, Frust, Angst vor Versagen, Verlust an Selbstvertrauen und Perspektivlosigkeit auf die Dauer immer weiter verstärkt wird, bis es zum Burn-out und gegebenenfalls zum Drop-out kommt (Grosser/Schönborn, 2001: S. 109) Hochleistungstraining (16 19jährige) Biologisch ist nun die körperliche Reife von Erwachsenen erreicht. Der Wechsel vom Junioren- ins Erwachsenentennis beginnt. Doch dieser wird meist unterschätzt. Erfolge in der Jugend lassen sich nicht automatisch bei den Erwachsenen fortsetzen, denn zwischen dem Junioren- und dem Erwachsenentennis besteht ein grosser Unterschied. Es fehlen Erfahrungen mit den neuen Gegnern, mit der ganzen Atmosphäre, den veränderten Umständen, dem enormen Leistungsdruck, den weiten Reisen und mit fehlenden Trainingspartnern. Diese neuen Gegebenheiten müssen zuerst akzeptiert werden. Auch muss man damit umgehen können, dass man lange Zeit durch den harten Weg der Qualifikation gehen muss, welcher eine perfekte Kondition, mentale Stärke und ernorme Widerstands- und Willenskraft erfordert. Ausserdem gibt es auf der Tour finanzielle Probleme. In den Qualifikationen kann man noch kein grosses Geld verdienen und somit ist das ganze Unternehmen vorerst ein Minusgeschäft. Wenn keine Sponsoren zur Verfügung stehen, ist der Anfang recht schwer, denn Flüge, Hotels und Verpflegung bei Turnieren weltweit kosten eine enorme Summe Geld. Es sollten ca Matches im Jahr gespielt werden. 10

11 2.4 Welche Rolle spielen Eltern im Zusammenhang mit Stress ihrer Kinder? Eltern können ihre Kinder auf den Weg zum Erfolg im Tennis führen, wenn sie im Kind in einem frühen Entwicklungsstadium Interesse und Enthusiasmus für das Tennis wecken. In einer Untersuchung von Glenn und Chander Sahota, hat sich herausgestellt, dass Eltern, die mit ihren Kindern am Anfang eine Menge Zeit beim Tennis und beim Ballschlagen oder mit kleinen Spielen verbringen und so mit den Kindern Spass haben, die besten Voraussetzungen für Höchstleistungen schaffen. Indem sie Zeit investieren und selber Spass haben, regen Vater und Mutter die Kinder an und verstärken ihre Motivation erheblich. Die Eltern erwecken in den Kindern den Willen, etwas zu leisten. Wenn eine fröhliche und freudige Atmosphäre entsteht, wirkt das besonders motivierend. Wenn das Feuer erst mal entflammt ist, dann sollten die Eltern eine etwas distanziertere Rolle spielen. Wenn sie zu sehr in der Nähe bleiben, dann beginnen sie, die Flamme zu ersticken. Die Motivation sollte in dieser zweiten Phase von Kameraden und Trainern und natürlich aus dem Innern des Kindes selbst kommen. Die Rolle der Eltern ist es jetzt, das Kind aus der Entfernung zu unterstützen. Manche Kinder sind sehr stressempfindlich beim Tennis. Solche hochängstlichen Kinder haben die geringste Chance, Höchstleistungen zu erbringen. Sie werden oft schon im Jugendtennis Opfer unserer wettkampforientierten Welt. In der Regel wird ein Kind, das hochängstlich ist, weniger Spass am Wettkampf haben, im Wettkampf weniger erfolgreich sein Ängstlichkeit Wer im Tennis nach oben kommen will, muss seine Ängstlichkeit möglichst gering halten. Natürlich spielen Eltern die wesentliche Rolle bei der Entwicklung von Ängstlichkeitsmerkmalen. Aus diesem Grund sollten Eltern überprüfen, ob das, was sie tun, die Tendenz zur Ängstlichkeit begünstigt. Mit Hilfe der Forschung konnten vier elterliche Verhaltensweisen identifiziert werden, die mit dem Erwerb von hochgradiger Ängstlichkeit eng verknüpft sind. Eltern, die auf den Einsatz von Angst, Bestrafung oder Liebesentzug bauen, vergrössern die Wahrscheinlichkeit, dass ihre Kinder das Merkmal hochgradiger Ängstlichkeit entwickeln. Je intensiver ein Kind bestraft wird, um so eher wird sich hochgradige Ängstlichkeit entwickeln. Inkonsequentes elterliches Verhalten lassen das Kind unsicher und ängstlich in bestimmten Situationen werden. Ein Beispiel: Vor dem Match sagen sie ihrem Kind, dass Bemühen und Einstellung das Allerwichtigste sind. Aber dann 11

12 verhalten sie sich während des Matches und hinterher so, dass deutlich wird, dass Gewinnen doch entscheidend ist. Einschränkende elterliche Massnahmen beschneiden das Kind in seinen Möglichkeiten, mit neuen und anderen Situationen fertig zu werden. Fürs Tennis bedeutet das, je länger die Liste von Dingen ist, die das Kind nicht tun soll (es soll nicht mit dieser oder jener Person spielen oder nicht in jenem Club trainieren oder an jenem Turnier nicht teilnehmen usw.), umso mehr wird Ängstlichkeit zum Problem. Bei weiteren Untersuchungen wurde festgestellt, dass Eltern von hochgradig ängstlichen Kindern mit grösserer Wahrscheinlichkeit Belohnung oder Lob zurückhielten, wenn die Kinder gute Leistungen brachten, Spannung oder Beunruhigung eher negativ äusserten, weniger dazu tendierten, positive Emotionen oder Enthusiasmus zu zeigen und auf Äusserungen der Verunsicherung einzugehen. Zweifellos haben Eltern grossen Einfluss auf zukünftige Erfolge oder Misserfolge ihres Kindes. 12

13 2.5 Weshalb dieser grosse Druck gerade im Tennis? Ein grosses Gefahrenpotential für das Scheitern einer Sportkarriere stammt im Tennis aus der Beziehung zwischen Eltern und Kind. Wie die Tabelle zeigt, sind familiäre Probleme im Tennis ein signifikant häufigeres Motiv für einen Ausstieg aus dem Leistungssportbereich als in anderen Sportarten. Daran gedacht, mit dem Leistungssport aufzuhören? Wenn ja, Gründe? Sportart Misserfolge Verletzungen Konflikte mit dem Trainer familiäre Probleme schulische/ berufliche Probleme nein ja Basketball 51,4 48,6 8,4 8,4 22,2 0,0 5,6 11,1 44,3 Faustball 23,0 77,0 10,5 3,5 17,5 3,5 5,3 15,8 43,9 Fechten 45,2 54,8 23,5 5,3 20,8 7,8 15,7 28,6 8,3 Fussball 50,0 50,0 12,0 12,0 13,2 5,2 14,4 13,2 30,0 Handball 61,0 39,0 7,4 9,7 24,4 7,4 12,3 17,2 21,6 Hockey 57,4 42,6 7,5 7,5 24,9 2,6 7,5 12,4 37,6 Judo 17,9 82,1 14,1 11,9 3,3 5,5 16,3 13,0 35,9 Kanu 28,3 71,7 13,9 9,3 13,9 4,6 9,3 20,9 28,1 Karate 53,5 46,5 15,1 10,1 15,1 4,9 10,1 20,0 24,7 Leichtathletik 35,1 64,9 13,9 19,4 19,4 2,8 6,9 20,8 16,8 Radrennsport 23,2 76,8 14,3 9,5 7,9 1,6 11,1 23,8 31,8 Ringen 30,2 69,8 4,4 6,0 9,0 7,4 10,5 16,5 46,2 Rudern 13,2 86,8 7,6 6,6 17,4 2,2 8,6 19,6 38,0 Schiessen 20,0 80,0 20,3 1,3 7,1 2,4 16,6 15,5 36,8 Schwimmen 34,6 65,4 19,0 9,0 15,7 4,9 8,3 20,6 22,5 Ski Alpin 20,8 79,2 10,5 10,5 10,5 5,3 26,3 15,8 21,1 SN-Biathlon 52,6 47,4 22,2 11,2 0,0 0,0 11,2 22,2 33,2 SN-Kombination 24,0 76,0 26,3 10,5 5,3 0,0 15,8 21,1 21,0 SN-Langlauf 31,5 68,5 21,6 0,0 2,8 8,2 2,8 27,0 37,6 SN-Sprung 29,6 70,4 15,8 10,5 10,5 5,3 0,0 5,3 52,6 Tanzsport 26,9 73,1 10,3 1,0 4,1 5,1 9,2 18,3 52,0 Tennis 56,0 44,0 27,3 18,2 0,0 18,2 0,0 9,1 27,2 Tischtennis 35,1 64,9 8,3 12,5 12,5 4,2 12,5 20,8 29,2 Triathlon 38,1 61,9 15,3 7,8 7,8 0,0 7,8 38,5 22,8 Volleyball 31,9 68,1 11,3 5,6 17,8 8,1 16,9 19,9 27,4 Gesamt 35,3 64,7 13,1 8,0 12,8 4,6 11,1 17,3 33,1 Zeitknappheit Sonstiges Tabelle Ausstieggedanken und möglliche Ausstiegsgründe modifiziert nach Fessler, Frommknecht, Kaiser, Renna, Schorer, Binder; In Förderung des leistungssportlichen Nachwuchses (1999/2000, 148) 13

14 2.5.1 Auffassung von N. Fessler Konkret hat dies aus Sicht von Fessler zwei Ursachen. Zum einen setzt der Tennissport zur Zeit sehr hohe Anforderungen an die Eltern. Tennis ist eine enorm teure Sportart. Platzmiete, Trainerkosten, Sportmaterial und Reisekosten ergeben zusammengerechnet eine Summe, die nur von wohlhabenden Eltern übernommen werden kann. An Turnieren benötigt jedes Kind einen eigenen Fahrdienst, da Turnierpläne und Standorte meist keine Anreise in Gruppen oder mit öffentlichen Verkehrsmitteln zulassen. Dies führt dazu, dass Eltern z.t. unbewusst oder gezwungenermassen ein Überengagement für ihre Kinder entwickeln. Durch die Tatsache, dass die Eltern ihre Kinder zu sehr unterstützen, kann ein Erwartungsdruck entstehen. Folgende negative Auswirkungen wurden in verschiedenen Studien belegt. Mc Elroy, Donnely, Smith und Udry sagen: Wahrgenommener elterlicher Druck kann das Selbstwertgefühl von Athleten beinträchtigen, Stress und Schuldgefühle hervorrufen sowie Burn-out begünstigen. Zum anderen kann durch den Klassierungsdruck, K.O.-Turniermodus und nur auf Klassierungspunkte beruhende Kadersysteme die Auffassung entstehen, dass nur noch der Erfolg allein das Mass aller Dinge ist. In einigen Fällen führt dieser falsche Ehrgeiz sogar so weit, dass Eltern ihre Kinder nach oder während schlechten Spielen anschreien oder sogar ohrfeigen, Weil das teuer bezahlte Tennistraining nicht zum unmittelbaren Erfolg führt. Auch Trainer sind von solch falschem Ehrgeiz betroffen, indem das Kind einfach zu einem anderen Trainer geschickt wird. Dies ist für den Trainer meist weniger schlimm als für das Kind, welches dadurch nie einen auf langfristige Zusammenarbeit beruhenden Trainingsprozess erlebt Aufassung von J.E. Loehr James E. Loehr erklärt sich die Frage so: Tennis ist eine Individualsportart. Individualsportarten erzeugen im Allgemeinen für die Teilnehmer mehr Druck als Mannschaftssportarten. Es gibt keine Auswechselspieler und keine Auszeiten. Niemand kann ihre Position solange einnehmen, bis sie sich wieder gefangen haben. Es darf nicht betreut oder beraten werden. Ausser bei Mannschaftsspielen, wie Davis Cup, Federation Cup oder Interclub kann Ihnen niemand helfen. Sie sind wirklich allein. Sie schaffen es oder auch nicht ganz in eigener Verantwortung. In den meisten Fällen müssen die Spieler ihre eigenen Schiedsrichter sein. Ihr Gegner entscheidet, ob der Ball gut oder aus ist. Sie können den Ball im wichtigsten Moment des Matches deutlich ins Feld spielen und trotzdem den Gegner Aus sagen hören; und Sie haben in der Tat keine Chance, 14

15 wenn Sie den Ballabdruck nicht nachweisen können. All das setzt einen Spieler ungeheuer unter Druck. Sie stehen einem lebendigen Gegner gegenüber. Anders als in vielen Individualsportarten wie Turnen oder Eiskunstlaufen stehen sie in der direkten Auseinandersetzung mit einer anderen Person. Diese Interaktion von Angesicht zu Angesicht erhöht die Druckdynamik enorm. Die Zählweise im Tennis ist so angelegt, dass sie sich nie sicher fühlen können. Sie können sich nicht einen grossen Vorsprung verschaffen und dann darauf warten, dass die Spielzeit abläuft. Es gibt keine Uhr, sie sind jederzeit verletzlich. Die Dauer des Matches und die sich ständig verändernden Bedingungen können einen Spieler erschöpfen. Der Druck, sich über so lange Zeiträume konzentrieren zu müssen, ist ausserordentlich gross. Leichte Veränderungen im Zusammenhang mit Wind, Beleuchtung, Belag, Geräusche und Höhenlage des Spielortes können einen entscheidenden Einfluss auf die Spielbedingungen haben und bedeutsame psychische Barrieren aufbauen. Es gibt keine Möglichkeit, sich zu verstecken. Tennis spielt sich in einer deutlich sichtbaren Arena ab, wo alles, was sie tun und sagen, zur öffentlichen Angelegenheit wird. Wenn etwas schief geht, bekommt das jeder mit. Eltern spielen meist am Anfang der Tenniskarriere junger Spieler eine grosse Rolle. Wegen der komplexen Natur von Tennis und dem erheblichen Aufwand an Zeit und Geld auf dem Wege zum Erfolg, sind Eltern häufig zu stark engagiert. Es gibt kaum Faktoren, die einen fataleren Druck auf Spieler, insbesondere auf junge Spieler ausüben, als der Druck, den Eltern erzeugen. Das Selbstwertgefühl ist überaus wichtig. Um im Tennis herausragende Leistungen zu zeigen, müssen Spieler früh beginnen und einen beträchtlichen Teil ihres Lebens dem Tennis widmen. Tennis wird zum Lebensinhalt. Es wird immer weniger wahrscheinlich, dass sich die Ansicht, es sei ja nur ein Spiel, aufrechterhalten lässt. Selbst unter den besten Bedingungen kann Tennis hart sein. Jeder merkt irgendwann einmal, dass dieses Spiel ihn irgendwie überfordert. Die Belastung, vor allem wenn professionell gespielt wird, kann auch den Stärksten auf die Knie zwingen (E. Loehr, 1991: S. 69f). 15

16 3. Begleiterscheinungen Bei richtiger Vorgehensweise während der gesamten Jugendzeit sollte es eigentlich nicht zu diesen Problemen kommen. Trotzdem sollten den Eltern und vor allem den Trainern die Begleiterscheinungen eines Burn-outs bekannt sein, damit sie bei ersten Anzeichen rechtzeitig gegensteuern und möglicherweise ein Drop-out verhindern können. Folgende Warnzeichen können bei den Betroffenen vorkommen: Hohe allgemeine Empfindlichkeit Ungeduld Unlust Ablehnung Weigerung Frustration Gefühl der Sinnlosigkeit der eigenen Tätigkeit Physische Müdigkeit und Erschöpfung Steigende Anzahl an Verletzungen aufgrund der physischen Überforderung und vermehrt verschiedenartige Infektionen aufgrund des geschwächten Immunsystems Solche Symptome sind in der Regel das letzte Warnsignal. Mit Mahnungen zur Vernunft, grösserer Einsatzbereitschaft, mehr Konzentration, mehr Fleiss zieht man den Spieler nur noch tiefer in den Schlamassel. 16

17 4. Lösungen In einer solchen Situation ist der Spieler nicht mehr positiv zu motivieren. Er ist erschöpft, ausgelaugt und am Ende seiner Kräfte. Dabei hilft nur noch ausspannen, aufhören, abschalten, Urlaub, Regeneration, eventuell Heilung und Wiederherstellung. Das heisst, als erstes muss eine äusserst konsequente Unterbrechung des Tennissportes eintreffen. Kein Training, keine Turniere, völliges Abschalten und das für mindestens 6-8 Wochen. In dieser Zeit soll der Spieler nur das machen, was ihm wirklich Spass macht, was er durch den Sport zu wenig bis gar nicht ausführen konnte. Jeglicher Stress muss vermieden werden. Falls Krankheiten oder Verletzungen aufgetreten sind, sollen diese völlig und restlos auskuriert werden. Nachdem man die Gründe des Burn-outs erkannt hat, sollte eine Aufbauphase von mehreren Wochen stattfinden. Wenn in der alten Art und Weise fortgefahren wird, ist die Gefahr gross, dass dem Spieler wieder dasselbe passiert. Diese Phase entscheidet, ob das endgültige Drop-out zu vermeiden ist oder nicht. Ist der alte Trainer nicht in der Lage, den Trainingsplan zu ändern, empfiehlt es sich, einen neuen Trainer zu suchen. Meistens gehört zu dem Wechsel das gesamte Umfeld. Das heisst, der Trainingsort oder der Club sollte gewechselt, neue Trainingspartner gesucht werden. Hatten auch die Eltern einen schlechten Einfluss, wäre es von Vorteil an einen Ort zu gehen, wo diese sich nicht mehr ins Geschehen einbeziehen können. Ein rigoroser Schritt ist meistens die beste Lösung. Solange richtiger Spass am Tennis vorhanden ist, besteht kaum Gefahr für Burn-out und Drop-out (Grosser/Schönborn, 2001: S. 18) 17

18 4.1 Wie können Eltern diesen Stress vermeiden? Versichern Sie sich, dass Ihr Kind Spass am Tennis hat. Verbringen Sie so viel Zeit wie möglich damit, kleine Spielchen miteinander zu machen und lachen Sie dabei und geniessen Sie das Spiel. Wenn Sie noch nicht Tennis gespielt haben, können Sie es lernen, wenn Sie mit Ihrem Kind zusammen Bälle schlagen. Spielen Sie die Bedeutung von Wettkampferfolgen herunter und betonen Sie stattdessen, wie wichtig Spass und Bemühen sind. Seien Sie sensibel für die Reaktionen wie Angst oder Bedrohung bei Ihrem Kind. Wenn Turniere bedrohlich erscheinen, dann verzichten Sie solange darauf, bis Ihr Kind reif dafür ist und selbst teilnehmen möchte. Wenn Sie erst einmal den Grundstein erfolgreich gelegt haben und Ihr Kind stark motiviert ist und gute Fortschritte in der Entwicklung seiner Schläge macht, dann sollten Sie anfangen, sich zurückzuziehen. Benutzen Sie ja nicht Angst und Bestrafung, damit Ihr Kind im Spiel das macht, was Sie für gut halten. Sie sollten, ausser wenn das Kind schummelt oder sonst unfair ist, immer positive Gefühle zeigen. Seien Sie konsequent. Sagen Sie nicht das eine und tun dann das andere. Und lassen Sie nicht Ihre eigenen Bedürfnisse die Entwicklung Ihres Kindes beeinflussen. 18

19 5. Was braucht es, um erfolgreich zu werden? 5.1 Erfolgsintelligenz nach R.J. Sternberg Menschen mit Erfolgsintelligenz 1. motivieren sich selbst 2. lernen ihre Impulse zu kontrollieren 3. wissen, wann sie durchhalten müssen 4. wissen, das Beste aus ihren Fähigkeiten zu machen 5. setzen Gedanken in Taten um 6. sind ergebnisorientiert 7. bringen ihre Aufgaben zu Ende 8. sind initiativ 9. haben keine Angst vor Fehlschlägen 10. schieben nichts auf die lange Bank 11. akzeptieren berechtigte Kritik 12. lehnen Selbstmitleid ab 13. sind unabhängig 14. versuchen persönliche Schwierigkeiten zu überwinden 15. konzentrieren sich auf ihre Ziele 16. kennen den schmalen Grat zwischen Über- und Unterbelastung 17. besitzen die Fähigkeit, auf Belohnung zu warten 18. können den Wald und die Bäume sehen 19. besitzen ein vernünftiges Mass an Selbstvertrauen und glauben an ihre Fähigkeit, ihre Ziele zu erreichen 20. denken analytisch, kreativ und praktisch (http://private.addcom.de/b-treude/emotionalintelligenz.htm; ) Für das Tennis bedeutet das also: 1. Jeder Spieler muss selber fähig sein, sich zu motivieren. Sei es, um zu trainieren, sein Bestes zu geben, oder um ganz bestimmte Ergebnisse in den Turnieren zu erreichen. Niemand anderes, also weder die Eltern noch der Trainer, kann diese Aufgabe übernehmen. 19

20 2. Nerven behalten! Ein schlechter Tag ist nur ein schlechter Tag, Rückstände können aufgeholt werden. Emotionen sind normal und gut, solange sie unter Kontrolle sind. 3. Es ist noch kein Meister vom Himmel gefallen. Oft kann man das im Training gelernte nicht direkt in der Praxis umsetzen. Wer dann aufgibt und alles hinschmeisst, hat kaum eine Chance auf Erfolg. Jedoch muss man auch wissen, wann genug ist. Zeigt der Körper z.b. erste Anzeichen für ein Burn-out, soll auch der Ehrgeizigste merken, dass es zu viel ist. In diesem Moment die Zähne zusammenzubeissen kann fatale Folgen haben. 4. Jeder hat seine ganz individuellen Fähigkeiten. Wenn ein Spieler sehr gut defensiv spielt und sehr viel mehr Fehler mit einem offensiven Spielt macht, dann soll er so spielen, wie er am erfolgreichsten ist. Auch wenn ein offensiveres Spiel von aussen vielleicht besser aussieht. 5. Während einem Match kommt es oft vor, dass man sich Gedanken zur Taktik macht. Doch Gedanken können kein Spiel ändern. Wenn meine Taktik nicht funktioniert und ich mich nicht traue, sie zu wechseln, kann ich nicht mit Erfolg rechnen. 6. Ranglisten und Resultate werden zwar oft überbewertet, doch wer sich gar nicht daran orientiert, kann sich auch keine Ziele setzen. 7. Erfolgreiche Spieler setzen sich Ziele, die sie auf jeden Fall zu Ende bringen. Wenn sie sich für vier Turniere angemeldet haben und die ersten beiden verlieren, spielen sie die letzten trotzdem noch und sagen sie nicht frustriert ab. 8. Erfolglose Spieler machen, was ihnen der Trainer sagt, ohne zu beurteilen, ob es stimmt oder nicht. Die erfolgreichen spüren z.b. im Match selber, was sie bei zu vielen Out-Bällen ändern müssen (z.b. mehr Drall), ohne den Trainer zu fragen. 9. Wer auf den Platz geht und Angst hat, zu verlieren, setzt sich automatisch unter Druck und ist verklemmt. Unter diesen Umständen können keine Leistungen erbracht werden. Nur wer Fehlschläge akzeptiert kann mit seiner ganzen Fähigkeit spielen. 10. Erfolglose Spieler verschieben das Training schon wegen Kleinigkeiten, wie leichtes Unwohlsein oder Stress in der Schule. Wer erfolgreich sein will, weiss sich zu organisieren und verschiebt das Training nicht, wenn er genau weiss, dass er drei mal wöchentlich trainieren muss, um Erfolg zu haben. 11. Kritik hilft, um sich zu verbessern. Oft sieht man viele Fehler selber nicht. Der Trainer ist dazu da, diese mit dem Spieler zu besprechen und sie zu verbessern. Wer Kritik nicht verträgt, kann sich somit auch nicht verbessern. 20

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