Eine Themapredigt am Anfang der Schulferien

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1 1 Reisebüro Sehnsucht Eine Themapredigt am Anfang der Schulferien Es ist kaum auszuschöpfen, was das Stichwort Urlaub bei uns auslösen kann. Was da an Träumen, Wünschen, aber auch an Ängsten alles wach wird. Wenn man Umfragen glauben darf haben. Wellness- Angebote Konjunktur. Andere wollen was Exotisches erleben. Sie fliegen in ferne Länder und wollen die Wunder der Natur mit eigenen Augen sehen: Ein Mal am Grand Canyon stehen Sie wollen andere Menschen kennen lernen. Und es hat schon was Erhebendes, wenn man Jahrtausende alten Kulturen begegnet und sich als Teil der Menschheitskette sieht, oder einen Sonnenaufgang erlebt an einem Ort, wo man ganz still wird vor solcher Pracht und Erhabenheit. Viele Väter und Mütter sind sehr eingespannt im Beruf. Da bleibt kaum Zeit für das Miteinander. Im Urlaub soll es anders sein. Da will man nachholen und es gut miteinander haben. Und - oft gelingt es ja - Vielleicht nicht gleich, vielleicht erst nach einem Streit. Man muss sich eben erst finden.

2 Ja und dann ist Urlaub für viele, die allein sind - aus welchem Grund auch immer - eine neue Chance, auf Begegnungen, auf Bekanntschaften, Freundschaften und mehr. Aber auch spirituelle Sehnsüchte werden wach. Manche suchen die Stille im Kloster. Andere melden sich bei den kirchlichen Freizeitangeboten an. Und was gar nicht so selten vorkommt: Leute, die sonst nicht in die Kirche gehen, wagen es mal wieder. Haben Sie jetzt ordentlich Lust auf Urlaub bekommen? Ich hoffe schon! Und wahrscheinlich eben deshalb, weil Urlaub eine Chiffre ist für gelingendes Leben, für Glück und die Chance auf positive Veränderung. Ja, Reisebüro Sehnsucht ist keine Übertreibung. Menschen buchen sich Reiseziele und hoffen, dass sich in veränderten Kulissen um sie herum auch sie selbst sich verändern, dass sich die anderen ändern und sogar die Welt, und sie ein Stückchen Paradies erleben. Und nun möchte ich diese Sehnsucht nicht verwässern, sondern sie bestätigen! Denn genau das möchte Gott für Sie! Jesus Christus sagt es in Johannes 10, Vers 10 so: Ich bin gekommen, um ihnen das Leben zu geben, Leben im Überfluss. Aber da ist nun ein Unterschied: Im Reisebüro buchen wir Ziele und Unterkünfte. Wir erfüllen uns äußere Wünsche und gestalten dabei wie ich vorhin sagte - die Kulissen für unser Leben neu. Aber es ist keinesfalls sicher, dass wir damit glücklich werden. Denn mit der Erfüllung von Wünschen ist es so eine Sache. Ein Wunsch - kaum erfüllt, gebiert augenblicklich neue, sagt schon Wilhelm Busch. So bringt die Erfüllung von Wünschen nur kurzes Glück und dann stehen neue auf. Einer, der es wissen muss, der in einem reichen Elternhaus aufgewachsen ist und sich alle Wünsche erfüllen konnte, Augustin, ist 2

3 zu einem anderen Ergebnis gekommen. Er bekennt: Unser Herz ist unruhig, bis es Ruhe findet in Dir, o Gott. Das ist der Kontrapunkt, zum Reisebüro Sehnsucht, den ich heute setzen möchte. Denn ich bin überzeugt, dass letztlich Glück nicht in den äußeren Dingen zu finden ist, auch nicht in den Schönen. Wir müssen sie ja irgendwann wieder hergeben. Aber Glück ist zu finden in der Beziehung zu Gott. Denn das, was diese Beziehung bietet, verändert unser Leben von innen her. Sie überspielt den Mangel in unserem Leben nicht nur für ein paar Tage. Im Gegenteil: Gott deckt ihn auf, aber so, dass wir nicht beschämt, sondern getröstet werden. Und wenn er unser Leben berührt, bringt er neue Kräfte und Möglichkeiten hinein, die das Leben für uns und für andere schön machen. Wie soll das zugehen, fragen Sie? Mein Beispiel ist heute die einzige biblische Geschichte von einem Urlauber, die ich kenne. Das ist allerdings ein sehr vornehmer Urlauber, der Finanzminister der Königin Kandake von Äthiopien. Die Apostelgeschichte erzählt, dass er sich auf den weiten Weg nach Jerusalem gemacht hat. Viel wissen wir nicht von ihm, nur dass er sehr angesehen, reich und ein Eunuch war. Und das ist der Hinweis, dass alles seinen Preis hat. Er musste sich kastrieren, das heißt: sich als Mann verstümmeln lassen, wenn er Minister werden wollte. Alles weitere können wir uns denken. Manchmal haben ihn die hohe Stellung und das Geld entschädigt für den Schmerz, aber nicht immer. Ich nehme an, dass er ganz schön zu kämpfen hatte mit dem Gedanken und der Wirklichkeit, dass er kein rechter Mann mehr war. Und an das spöttische Grinsen der Anderen hinter seinem Rücken, konnte er sich auch nicht gewöhnen. 3

4 Und ich glaube gerade darum ist er nach Jerusalem gereist! Er hat eine Kompensation gesucht für diesen Schmerz. Wenn er schon kein rechter Mann mehr war, wollte er doch wenigstens den Vorzug haben und zu dem Gott gehören, dessen Ruhm bis nach Äthiopien gedrungen war. Aber der Versuch schlug fehl. Denn was er nicht wusste ist die Tatsache, dass Verschnittene wie er im Tempel gar keinen Zutritt hatten. Seine weite Reise war umsonst. Es blieb nichts übrig, als enttäuscht umzukehren. Und als Andenken und aus Neugierde hat er dann eine teure Schriftrolle gekauft. Die konnte der gebildete Mann zwar lesen, aber er verstand nicht, wovon die Rede war. Und dann kam doch noch alles anders. Ein Engel Gottes ist dem christlichen Missionar Philippus erschienen und hat ihn an die Verbindungsstrasse nach Jerusalem geschickt. Der sah den Reisenden kommen und wusste mit einem Mal, was los war. Verstehst du auch, was du da liest? rief er ihm zu. Und so wurde Philippus der Bote Gottes für diesen Menschen. Und konnte ihm von Jesus erzählen, auf den gerade das Jesajabuch so deutlich hinweist. Philippus konnte ihm sagen: Reisender, Du bist, wie du bist - aber Gott hat dein Leben berührt. Schau, du bist ihm Wert, dass Engel und Menschen in Bewegung kommen um deinetwillen. Staune darüber und lerne Dein Leben neu sehen. Da spürte der Reisende die Nähe und die Liebe Gottes. Und wenn er auch keine Kinder zeugen konnte und keine Familie haben, so war sein Leben doch nicht sinnlos. Gott hat sich zu ihm gestellt, gerade zu ihm, dem Eunuchen. Und wisst Ihr, wie die Geschichte endet? Er lässt sich taufen und von Freude erfüllt setzte er seine Reise fort! Etwas Neues ist in sein Leben gekommen: Dass Gott freundlich auf ihn sieht, und er nun nicht mehr allein ist. Er 4

5 hat gefunden, was er suchte. Freude für sein Leben in der Gemeinschaft mit Gott. Und es war so erfüllend, dass er vielen davon erzählt hat. Eine der ältesten Kirchen ist daraus entstanden, die koptische Kirche in Afrika. Nun wir müssen nicht gleich Missionar werden. Aber was der Reisende erlebt hat, soll auch uns Lust machen. Nicht nur Lust auf Urlaub, sondern Lust auf Begegnung mit Gott. Das ist, was unserem Leben auf Dauer die Freude bringt, die wir sonst gerne mit Urlaub verbinden. Gott möchte auch ihr Leben berühren. Darum hat er Jesus in die Welt gesandt und darum setzt er hier Engel und Menschen in Bewegung. Öffnen Sie ihr Herz für ihn! Amen Pastor Reiner Stahl 5

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