Es gilt das gesprochene Wort 1

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1 1 Rede des Bürgermeisters Steffen Mues zur 9. Einbürgerungsfeier der Universitätsstadt Siegen , Ratssaal, 18 Uhr Liebe neue deutsche Staatsbürgerinnen und Staatsbürger, meine sehr geehrten Damen und Herren, liebe Gäste, ich freue mich außerordentlich, Sie hier im historischen Ratssaal begrüßen zu dürfen. Neue Bürger ist dabei leicht missverständliche formuliert, denn einige von Ihnen leben schon eine lange Zeit in Deutschland bzw. Siegen, manche schon viele viele Jahre. Dennoch haben Sie sich im letzten Jahr dazu entschlossen, ihr Leben hier bei uns auch formal zu besiegeln, indem Sie die deutsche Staatsbürgerschaft angenommen haben. Dieser Schritt ist kein einfacher. Ich habe nie vor einer solchen Entscheidung gestanden, aber ich habe schon viele Unterhaltungen geführt, in denen mir berichtet wurde, dass vor dem Schritt der Einbürgerung ein langer Weg liegt. Ein Weg, auf dem man sich damit auseinandersetzt, was man will, wie man sich seine Zukunft, sein Leben vorstellt und welche Bedeutung diese Einbürgerung schlussendlich hat. Es ist also eine Entscheidung des Herzens und des Verstandes. Und es ist eine Entscheidung, die viel Willen erfordert, denn das Absolvieren der Tests und das Erlernen der Sprache sind Grundvoraussetzung für die deutsche Staatsbürgerschaft. Aber was bedeutet es denn eigentlich, Bürger zu sein, bzw. Staatsbürger der Bundesrepublik Deutschland?! Im europäischen Mittelalter waren Bürger im Sinne der Ständeordnung Bewohner einer befestigten, zum Beispiel mit Mauern umschlossenen Stadt mit eigenem Stadtrecht. Bürger haben sich damit vom einfachen Einwohner durch besondere Bürgerrechte, das heißt Privilegien und Besitz unterschieden. Lebte man in einem Land, war man also nicht gleich ein Bürger. Das änderte sich mit der Unabhängigkeitserklärung der Vereinigten Staaten von Amerika, der Französischen Revolution und der Anerkennung der allgemeinen Menschen- und Bürgerrechte und es begann das klassische Zeitalter des Bürgertums. Das war vor etwa 220 Jahren im 18. Jahrhundert.

2 2 Erst seit etwa 100 Jahren gelten in großen Teilen der Welt die gleichen Rechte auch für Frauen seit 1918 hier bei uns in Deutschland. Liebe Gäste, das war ein kurzer knapper Ausflug in die Geschichte des Bürgertums mit dem ich Ihnen verdeutlichen wollte, dass die Privilegien, die wir heute genießen, keine Selbstverständlichkeit sind, sondern über viele Jahrhunderte hart erkämpft und erstritten wurden. Sie, liebe Gäste, sind nun formell und mit Brief, Siegel und Personalausweis Staatbürger der Bundesrepublik Deutschland und besitzen damit die bürgerlichen Ehrenrechte. Die Einbürgerung bedeutet nämlich weitaus mehr als eine Urkunde und den deutschen Personalausweis zu erhalten. Sie ist auch ein Bekenntnis zu Deutschland als neuer Heimat und zu den Werten, den Rechten und den Pflichten, die mit dem Leben hier verbunden sind. Es ist also ein wichtiger Lebenseinschnitt oder vielmehr der Beginn eines neuen Abschnitts. Diese Feier ist daher Ausdruck unserer Anerkennung, und sie soll Ihre Entscheidung würdigen und Sie in angemessenem Rahmen in Siegen ganz herzlich willkommen heißen! Ich begrüße daher auch ganz herzlich Ihre Familien, die Sie heute begleiten. 174 Menschen aus allen Teilen dieser Welt haben, wie Sie, im letzten Jahr hier bei uns die deutsche Staatsbürgerschaft erlangt. Ihre Herkunftsländer sind mit Ruanda, Kuba, Usbekistan, Thailand, dem Kongo, Serbien, Syrien, Spanien, Marokko oder Polen, um nur einige zu nennen, so verschieden wie die Gründe, die Sie einst nach Deutschland und zu uns nach Siegen geführt haben. Einige von Ihnen mussten aus ihrer Heimat fliehen, andere kamen zum Studium oder wegen einer beruflichen Chance nach Deutschland und wieder andere sind ihrem deutschen Ehepartner, also dem Herzen, gefolgt. Was Sie aber alle gemeinsam haben, ist der Wunsch bei uns ein neues Zuhause und eine neue Heimat zu finden mit allem was dazugehört.

3 3 Ich freue mich, dass Sie sich so entschieden haben, denn wir sehen Deutschland als ein weltoffenes, tolerantes, seine Vielfalt schätzendes Land, ja, wir sehen Zuwanderung und Einbürgerung als Bereicherung. Und das tun wir auch mit Blick auf ein Thema, das uns seit letztem Jahr sehr beschäftigt: die Flüchtlingsaufnahme. Hier war und ist es als Stadt unser erklärtes Ziel, alles, was wir können zu tun, um den Menschen, die zu uns kommen und hier Zuflucht suchen, ihren Auftenhalt so gut wie möglich zu gestalten. Denn wir wollen den Menschen, die ihre Heimat verloren haben, zeigen, dass sie hier bei uns willkommen sind. ich habe es bereits erwähnt, viele von Ihnen leben schon seit vielen Jahren in Siegen und prägen und bereichern bereits das Bild und das soziale Leben unserer Krönchenstadt. Mit dem deutschen Pass haben Sie sich nun ganz bewusst nicht nur zu einem Land bekannt, sondern auch ausdrücklich zu unseren Grundwerten, unserer Verfassung und unserer Demokratie. Demokratie ist dabei nicht nur ein politischer Begriff, er ist eine Staatsform, die von der Mitgestaltung seiner Bürgerinnen und Bürger lebt. Nutzen Sie die Möglichkeiten, die Ihnen geboten werden, um unser Zusammenleben, unsere Demokratie mitzugestalten. Bringen Sie sich ein in unsere Stadt! Sie können eine wichtige Rolle übernehmen: Mit Ihren Kompetenzen, sowohl interkulturell als auch sprachlich, und mit Ihren persönlichen Erfahrungen und Lebensgeschichten können Sie den Menschen, die bei uns Asyl suchen, wertvolle Unterstützung sein. Sie wissen, wie es ist, in ein fremdes Land zu kommen. Sie kennen die Sorgen und Ängste, die Probleme, mit denen anfangs zu kämpfen ist, aber Sie haben sicher auch erfahren, was in dieser Situation hilfreich sein kann.

4 4 Wenn Sie einen Beitrag leisten möchten, dann zögern Sie nicht Kontakt aufzunehmen am besten direkt mit unserem Integrationsbeauftragten, Herrn Torsten Büker, der ebenfalls heute Abend hier ist und sich über ihr Engagement freut. Nicht nur in der Person unseres Integrationsbeauftragten haben wir als Stadt Siegen immer ein offenes Ohr für Sie, für Ihre Anliegen, Ideen oder Fragen. Auch ich als Bürgermeister oder die Vertreter aus Politik und Verwaltung der Stadt Siegen sind für Sie da. Viele von ihnen sind heute zu dieser Feier gekommen, um mit Ihnen gemeinsam Ihre Einbürgerung zu feiern. An dieser Stelle möchte ich auch Sie herzlich begrüßen: Die Politik ist vertreten durch: Frau Angelika Flohren für die SPD, Von Seiten der Verwaltung möchte ich unseren Stadtkämmerer Herrn Wolfgang Cavelius und Herrn Herbert Keßler als Fachbereichsleiter begrüßen. Von der Ausländerabteilung nehmen heute Frau Erika Nothacker, Herr Steffen Weiskirch sowie Frau Christine Kölsch und Frau Jessica Rademacher teil. Ich denke, viele von Ihnen werden vor allem die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter bereits kennen. all diese Personen stehen Ihnen jederzeit gerne für Gespräche zur Verfügung. Eine erste Gelegenheit ergibt sich vielleicht gleich im Anschluss, denn wie wir in der Einladung zur heutigen Feier bereits angekündigt haben, möchten wir Sie noch zu einem kleinen Empfang einladen. Ich hoffe Sie nutzen diese Gelegenheit, um miteinander und mit uns ins Gespräch zu kommen und sich auszutauschen. Zunächst hören wir ein Musikstück eines Ensembles unserer städtischen Fritz-Busch-Musikschule, das die heutige Feier freundlicherweise unterstützt; auch beim Einzug haben wir die Mädchen schon gehört. Vielen Dank an Dalila Niksic, Lina Maria Müller und Viola Balaj.

5 5 Im Anschluss, sozusagen als letzten symbolischen Akt auf Ihrem Weg zur Deutschen Staatsbürgerschaft, werden Sie dann von Frau Kölsch und von mir ein Exemplar des Grundgesetzes erhalten. Symbolisch und eine schöne Erinnerung soll auch der Eintrag in unser Gästebuch sein. So können wir noch nach Jahren sehen, wer heute hier war. Im Anschluss machen wir dann ein gemeinsames Gruppenfoto, bevor noch Einzelaufnahmen gemacht werden können. Steffen Mues Bürgermeister

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