3 Bedingte Wahrscheinlichkeit, Unabhängigkeit von Ereignissen

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1 3 Bedingte Wahrscheinlichkeit, Unabhängigkeit von Ereignissen 3.1 Einführung Bsp. 19 (3-maliges Werfen einer Münze) Menge der Elementarereignisse: Ω {zzz,zzw,zwz,wzz,zww,wzw,wwz,www}. Ω N Wir definieren zwei Ereignisse: A: Das Wappen fällt genau einmal, d.h.: A {zzw,zwz,wzz}. 95 W.Kössler, Humboldt-Universität zu Berlin

2 P(A) n(a) N 3 8. B: Die Anzahl der Wappenwürfe ist ungerade,d.h.: B {zzw,zwz,wzz,www}. P(B) n(b) N Wir nehmen jetzt an, das Ereignis B sei bereits eingetreten. Wie groß ist die Wahrscheinlichkeit, daß unter dieser Bedingung das Ereignis A eintritt? Offenbar A B. Bei diesem Experiment ist die Menge der Elementarereignisse die Menge B. Damit gilt N 4. Folglich erhalten wir: P(A, falls B bereits eingetreten ist) P(A/B) W.Kössler, Humboldt-Universität zu Berlin

3 Def. 9 Es seien A,B E zwei zufällige Ereignisse und es gelte P(B) > 0. Dann wird P(A/B) P(A B) P(B). als bedingte Wahrscheinlichkeit von A unter der Bedingung B bezeichnet. Bem.: Oft wird auch die folgende Bezeichnung verwendet: P B (A) : P(A/B). 97 W.Kössler, Humboldt-Universität zu Berlin

4 Bem.: Wir unterscheiden folgende Fälle: 1. A B: Dann gilt: P(A/B) P(A B) P(B) 2. A B: Dann gilt: P(A/B) P(A B) P(B) P(B) P(B) 1. P(A) P(B). 3. A B (teilweise Überschneidung): Dann gilt: P(A/B) P(A B) P(B). Def. 10 Zwei Ereignisse A, B E heißen unabhängig, wenn gilt: P(A/B) P(A). 98 W.Kössler, Humboldt-Universität zu Berlin

5 Bem.: Für zwei unabhängige Ereignisse gilt: P(A B) P(A) P(B). 99 W.Kössler, Humboldt-Universität zu Berlin

6 Bsp. 20 (Skatblatt) Skatspiel mit 32 Karten. Daraus wird eine Karte gezogen. (N Ω 32). Wir betrachten die beiden folgenden zufälligen Ereignisse: A: Ziehen eines Königs. B: Ziehen einer Herzkarte. P(A) n(a) N P(B) n(b) N Sind diese beiden Ereignisse voneinander unabhängig? 100 W.Kössler, Humboldt-Universität zu Berlin

7 Offenbar P(B) > 0. Es sei eine Herzkarte gezogen worden (Ereignis B also eingetreten). Wahrscheinlichkeit, daß dann der Herzkönig gezogen wurde: P(A/B) P(A B) P(B) P(A). Folglich sind nach Definition 10 die Ereignisse A und B voneinander unabhängig. 101 W.Kössler, Humboldt-Universität zu Berlin

8 Satz 4 Es seien A, B E zwei Ereignisse, wobei P(B) > 0 gelte. Dann genügt die bedingte Wahrscheinlichkeit P B den KOLMOGOROFF Axiomen. D.h. das Tripel (Ω, E,P B ) ist ein Wahrscheinlichkeitsraum. Beweis: Wir zeigen stellvertretend Axiom 2. Es gilt: P B (Ω) P(Ω/B) P(Ω B) P(B) P(B) P(B) 1 Die anderen beiden Axiome (vgl. Definition 6) sind ebenfalls erfüllt. 102 W.Kössler, Humboldt-Universität zu Berlin

9 Satz 5 Es seien A, B, C E drei Ereignisse. Dann gilt: Beweis: Es gilt: P B (A/C) P(A/B C). P B (A/C) P B(A C) P B (C) P(A C/B) P(C/B) P(A B C) P(B) P(B) P(B C) P(A B C) P(B C) P(A/B C) 103 W.Kössler, Humboldt-Universität zu Berlin

10 Lemma 6 Es seien A,B E zwei unabhängige Ereignisse. Dann sind die Ereignisse A und B ebenfalls unabhängig. Gleiches gilt für die Ereignisse A und B sowie für A und B. Beweis: Wir zeigen die Aussage am Beispiel der Ereignisse 104 W.Kössler, Humboldt-Universität zu Berlin

11 A und B. Es gilt: P(A B) P(A/B) P(B) P(A \ (A B)) (Folgerung 2.1)) 1 P(B) P(A) P(A B) (Folgerung 2.3b)) 1 P(B) P(A) P(A)P(B) 1 P(B) P(A)(1 P(B)) 1 P(B) P(A) Diese beiden Ereignisse sind folglich unabhängig. 105 W.Kössler, Humboldt-Universität zu Berlin

12 Zusammenfassend gilt P(A/B) P(A) P(A/B) P(A) P(A/B) P(A) P(A/B) P(A) 106 W.Kössler, Humboldt-Universität zu Berlin

13 3.2 Satz der Totalen Wahrscheinlichkeit Def. 11 Es sei (Ω, E, P) ein Wahrscheinlichkeitsraum. Eine Folge von Ereignissen {A n } n1 (A n E, n N) heißt vollständig (oder ausschöpfend), falls folgende Bedingungen erfüllt sind: 1. A n Ω; n1 2. A i A j, für alle i j. 107 W.Kössler, Humboldt-Universität zu Berlin

14 Satz 7 Es sei A 1,A 2,... eine vollständige Folge von Ereignissen. Weiterhin sei B ein beliebiges Ereignis und es gelte P(A i ) 0 für alle i. Dann gilt: P(B) i1 P(B A i )P(A i ). Dieser Ausdruck heißt Formel der totalen Wahrscheinlichkeit. 108 W.Kössler, Humboldt-Universität zu Berlin

15 Beweis: Aus B B ( i1 A i) i1 (B A i) folgt (da die (B A i ) ebenfalls unvereinbar sind): ( ) P(B) P (B A i ) i1 P(B A i ) i1 P(B A i )P(A i ) i1 109 W.Kössler, Humboldt-Universität zu Berlin

16 Bsp. 21 (Binärkanal) Bei der Übertragung auf einem binären kanal kommen die Zeichen 0 und 1 im Verhältnis 3:4 vor. Ein 0 wird mit Wkt. von 0.2 fehlerhaft übertragen Ein 1 wird mit Wkt. von 0.3 fehlerhaft übertragen ges.: Wkt. für eine fehlerhafte Übertragung Wkt., dass ein 0 empfangen wird. Ereignisse: S 0 : 0 wird gesendet, P(S 0 ) 3 7 S 1 : 1 wird gesendet, P(S 1 ) 4 7 E 0 : 0 wird empfangen E 1 : 1 wird empfangen 110 W.Kössler, Humboldt-Universität zu Berlin

17 P(E 1 S 0 ) 0.2, P(E 0 S 1 ) 0.3 F : Ereignis, das ein Übertragungsfehler vorliegt P(F) P(E 1,S 0 ) + P(E 0,S 1 ) P(E 1 S 0 ) P(S 0 ) + P(E 0 S 1 ) P(S 1 ) P(E 0 ) P(E 0 S 0 ) P(S 0 ) + P(E 0 S 1 ) P(S 1 ) W.Kössler, Humboldt-Universität zu Berlin

18 3.3 Satz von Bayes Gegeben: P(A i ) und P(A/A i ), (i N). Gesucht: P(A i /A). Unter Benutzung der Definition der bedingte Wahrscheinlichkeit und der Formel für die totale Wahrscheinlichkeit erhalten wir: 112 W.Kössler, Humboldt-Universität zu Berlin

19 P(A i /A) P(A i A) P(A) P(A i) P(A/A i ) P(A) P(A i ) P(A/A i ) (P(A/A j ) P(A j )) j1 (Formel der totalen Wkt) Der Ausdruck P(A i /A) P(A i) P(A/A i ) (P(A/A j ) P(A j )) j1 heißt Formel von BAYES (bzw. Theorem von BAYES). 113 W.Kössler, Humboldt-Universität zu Berlin

20 Bsp. 22 (Binärkanal, Fortsetzung) P(S 0 E 0 ) P(S 1 E 1 ) P(E 0 S 0 )P(S 0 ) P(E 0 S 0 )P(S 0 ) + P(E 0 S 1 )P(S 1 ) P(E 1 S 1 )P(S 1 ) P(E 1 S 0 )P(S 0 ) + P(E 1 S 1 )P(S 1 ) W.Kössler, Humboldt-Universität zu Berlin

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