Den Drehtüreffekt in der Jugendhilfe stoppen: Die Otmar-Alt-Gruppe für sexuell übergriffige Jungen

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1 42 I InterdiSziplinäre Fachzeitschrift I Jahrgang 13 I Heft 2 i 2010 Hans Scholten Jörg Lachnitt Jugendhilfezentrum Raphaelshaus, Dormagen Joachim Klein Michael Macsenaere Institut für Kinder- und Jugendhilfe, Mainz Den Drehtüreffekt in der Jugendhilfe stoppen: Die Otmar-Alt-Gruppe für sexuell übergriffige Jungen Stopping the "revolving doof effect U in youth care: The Otmar Alt Group for sexually transgressive boys Zusammenfassung Sexuell übergriffige Jungen durchlaufen in der Regel mehrere Hilfen zur Erziehung ohne hinreichenden Erfolg. Die Otmar-Alt-Gruppe in Dormagen verfolgt das Ziel, diesen Drehtüre,ffekt zu durchbrechen. Das intensiv-pädagogische Konzept basiert auf folgenden Essentials: ethische Orientierung, Falltreue, Tagesstrukturierung, Erlebnispädagogik, Tierpädagogik/-therapie, personelle und materielle Wertschätzung, gruppeninterne Beschulung, Familienarbeit sowie systematische Qualitätsentwicklung und Begleitforschung. Eine mehrjährige Evaluation belegt der Otmar-Alt-Gruppe gegenüber zwei Kontrollgruppen eine signifikant höhere Effektivität: Im Hilfeverlauf gelingen die Reduzierung von Defiziten und der Aufbau von Ressourcen signifikant besser. Die aktive Kooperation der Klientel erweist sich ebenso wie Tierpädagogik und -therapie als ergebnisrelevanter Einflussfaktor. Schlüsselwörter Heimerziehung, Intensivpädagogik, sexueller Missbrauch, Effektivität Abstract Sexually transgressive boys usually go through several educational assistance measures without sufficient success. The Otmar Alt Group in Dormagen aims to break this "revolving door effed". The intensive educational concept is based on the following essentials: ethical orientation, loyalty case, struduring of daily routine, event pedagogics, animal pedagogics/therapy, appreciation of persons and material, internal group schooling, family related work and systematic quality development and accompanying research. Evaluation over several years demonstrates that the Otmar Alt Group has achieved a significantly higher effediveness compared to two control groups: In the course of assistance, reduction of deficits and development of resources succeed significantly better. The adive cooperation of the clients as weil as animal education and therapy turn out to be a result influencing fador. Key words Education in residential care, intensive educational concept, sexually transgressive boys, effectiveness " Deutsche Gesellschaft für Prävention und Intervention!Wj bei Kindesmisshandlung und -vernachlässigung

2 Den Drehtüreffekl in der Jugendhiife stoppen: Die Olfnar-All-Gruppe für sexuell übergriffige Jungen I 43 Jugendhilfe :~~:::us~~~ mit sexuell übergriffigen jungen Menschen. So durchläuft diese Klientel in der Regel mehrere Hilfen ohne einen hinreichenden Erfolg. Daher drängt sich die Frage auf, ob es auch für diese Klientel erfolgversprechende Modelle einer gelingenden Jugendhilfe gibt, und vor allem, wie diese geartet sind. Der vorliegende Beitrag stellt zu Beginn die Arbeitsweise einer stationären Gruppe für sexuell übergriffige Jungen in Dormagen vor. Im zweiten Teil des Beitrags werden die wichtigsten Ergebnisse einer dreijährigen Evaluation dieser Gruppe vorgestellt. Sie belegen dem untersuchten intensivpädagogischen Konzept ausgeprägte Erfolge und zeigen zentrale wirkmächtige Faktoren auf. Kick-oft-Gruppen im Raphaelshaus Das Raphaelshaus in Dormagen hat über 250 betreute Kinder und Jugendliche und knapp 200 Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen, die sich auf Jugendhilfe, Schule, Handwerk, Hauswirtschaft und Verwaltung verteilen. Das pädagogische Dienstleistungsprogramm umfasst 14 stationäre Gruppen, 7 teilstationäre Gruppen, also die Tagesgruppen, die sehr regional sind, damit die Kooperation mit den Familien gelingt, 30 Erziehungsstellen, die Kinder aus der Jugendhilfe dann in die Familien nehmen, flexible Verselbstständigung für Jugendliche bis hin ins Erwachsenenalter, und ein Kriseninterventionsprogramm für Familien in Krisensituationen (FAM = FamilienAktivierungs Management). Eine Förderschule für soziale und emotionale Entwicklung ist ebenfalls auf dem Gelände'. Die Einrichtung hat eine ausgeprägte, aber unaufdringliche Präsenz ihrer christlichen Orientierung. Im Mittelpunkt steht der Mensch, auch der Mensch, der Täter geworden ist. Die Tat wird 1 Der Träger des Raphaelshauses ist die Katholische Stiftung für Erziehungshilfe Köln mit insgesamt vier Einrichtungen: Bernardshof Mayen I Hermann-Josef-Haus I Kall-Urft Maria im Tann Aachen I Raphaelshaus Dormagen Während der Träger weitgehend unbekannt ist, sind die vier autonomen Einrichtungen innerhalb der Jugendhilfe regional und überregional bekannt. Der Träger betreut insgesamt über 900 Kinder. Jugendliche und junge Erwachsene und deren Familien und verfügt hierzu über 600 Fachkräfte in Jugendhilfe (ambulant, teilstationär, stationär. flexibel), Förderschulen, Handwerk, Hauswirtschaft und Verwaltung. verurteilt, aber der jugendliche Täter soll in der zeitlich befristeten Begleitung Treue, Beständigkeit und ein hohes Maß an Engagement für seine Person erleben. Alle Konsequenzen innerhalb des Regelwerks der Gruppe sind auf ihre ethische Glaubwürdigkeit dauernd zu überprüfen. Die Kinderrechts-Charta der UNESCO, das Grundgesetz und die einschlägigen Richtlinien der Aufsichtsbehörden sind dabei Vorgaben, nach denen sich pädagogische Methoden auszurichten haben. Jung und Alt werden innerhalb der Personalpflege durch einen Seelsorger spirituell betreut, auf dem privaten Weg (wenn gewünscht) und in der Religionspädagogik mit Rat und Tat unterstützt. Um auf Anfragen zur Aufnahme besonders schwieriger Klientel antworten zu können und Antworten auf schwierigste Kinder und Jugendliche in den eigenen Gruppen zu finden, entstand 2001 die erste Kick-off-Gruppe - die Kurt-Hahn Gruppe - des Raphaelshauses. Die pädagogische Konzeption war eine Rezeptur aus über 25 Jahren Jugendhilfeerfahrung des Einrichtungsleiters mit dem Wissen um besondere Wirkfaktoren im Bereich der Arbeit mit kriminellen Jungen. Alle Jungen der Kurt-Hahn-Gruppe 2 haben Vorerfahrungen im Bereich Diebstahl, Körperverletzung, Raub usw. Das Aufnahmealter liegt bis zum 14, Lebensjahr. Von Anfang an wurde diese Gruppe evalviert, damit die hypothetischen Wirkfaktoren auch überprüft werden konnten. Die Ergebnisse machten Mut zur Eröffnung einer zweiten Kickoff-Gruppe. Die Otmar-Alt-Gruppe 3, benannt nach dem zeitgenössischen Künstler Otmar Alt, ging 2004 an den Start. Zielgruppe sind sexuell übergriffige Jungen mit Täterprofil, die zum Teil eigene Opfererfahrung haben. Auch hier ist das Aufnahmealter auf maximal 14 Jahre begrenzt (vgl. Stoppel, 2007). Zurzeit plant das Raphaelshaus eine weitere Kickoff-Gruppe. Sie soll straffällige Jungen im Bereich Diebstahl, Körperverletzung und Raub vor oder nach der Verurteilung durch das Jugendgericht aufnehmen. Die Verlaufsdauer soll 18 Monate 2 Kurt Hahn (1BB6-1974) gilt als Begründer der Erlebnistherapie/Erlebnispädagogik. 3 Otmar Alt ist ein bekannter zeitgenössischer Künstler, der mit dem Raphaelshaus befreundet ist und die Gruppe mit seiner lebens- und farbenfrohen Kunst ausgestaltet hat. Gemeinsam stark für den Kinderschutzl

3 44 I Interdisziplinäre Fachzeitschrift I Jahrgang 13 I Heft 2 I 2010 nicht unterschreiten. Das Aufnahmealter soll sich zwischen 15 und maximal 17 Jahren bewegen. Abb. 1: Otmar-Alt-Gruppe zu Besuch im Atelier des Namenspatrons und Paten Otmar Alt Eckpunkte der Kick-off-Gruppen Ethische Orientierung und "Falltreue" Anstelle eines geschlossenen Gruppensettings wird erfolgreich versucht. eine maximale Bindungskraft zu schaffen, die Entweichungen minimiert. Das Thema Entweichung ist in beiden Gruppen kein dominierendes Merkmal (vgl. Stoppel,2007). Die Einrichtung verpflichtet sich selbst zurifalltreue bei Aufnahme der Jungen in die Kick-off Gruppe. Das heißt, während des geplanten zweijährigen Aufenthaltes erfolgt keine Entlassung der Jungen von Seiten der Einrichtung, unabhängig davon, welche Krisen und Konflikte durchlebt werden müssen. Diese Selbstverpflichtung ist mittlerweile ausgedehnt worden auf die Schnittstelle der Überleitung der Jungen nach zwei Jahren. Findet sich keine sinnvolle und bessere Alternative, übernimmt die Einrichtung die Verantwortung für die Weiterführung der Jugendhilfe nach zwei Jahren Aufenthalt in den Kick-off-Gruppen. Struktur im Alltag, indoor und outdoor Das Herzstück der Gruppenpädagogik 1 ist ein pädagogisch durchgeplanter Tagesverlauf von Aufstehzeit bis Zu bettgehzeit. Es gibt fast keine 1 Unbestritten sind gruppentherapeutische Konzepte das Mittel der Wahl bezüglich der Behandlung Jugendlicher mit sexuell grenzverlelzendem Verhallen. Vgl. auch Bullens & van Wijk (2002), Gruber (1999, 2002). Minute im Tagesablauf, die nicht pädagogisch geplant ist und deren Planungsinhalte nicht transparent und einsichtig sind, Innerhalb des Tages erfolgt eine dreimalige Reflexion des Verhaltens nach verschiedenen Kategorien, die nach Selbst- und Fremdreflexion in einer Benotung von 1 bis 6 münden. Die Note 3 =befriedigend kennzeichnet normales Verhalten, ohne besonderes positives Engagement und ohne besondere Defizite. Für die einzelnen Wochen gibt es ausgehandelte und reflektierte Wochenziele. Die Benotungen der Reflexionen und die Erreichung oder Nichterreichung des Wochenziels münden in einen Stufenplan, der einmal in der Woche besprochen wird. Der Stufenplan hat acht Stufen und eine Minusstufe. Jede höhere Stufe ist mit einem Plus an Privilegien und eigenverantwortlicher Zeit und Tagesplanung verbunden. Bei Abstiegen entfallen diese Privilegien und müssen erneut "verdient" werden. Pro Woche geht es jeweils nur maximal eine Stufe nach oben oder eine Stufe nach unten, bzw. es erfolgt ein Verbleib auf derselben Stufe. Die Stufenentscheidung ist jeweils eine Teamentscheidung, die sich an den Benotungsverläufen der Reflexionen orientiert. Somit sind willkürliche Einzelentscheidungen ausgeschlossen. Die stufenabhängige Erweiterung oder Verringerung der Privilegien bzw. persönlichen Freiheiten setzt sich nicht nur in der Gruppe, sondern auch in den Outdoor-Situationen fort. Auch unterwegs werden die Reflexionen durchgeführt, ganz gleich ob mit dem Fahrrad oder mit dem Rucksack auf Tour, die verschiedenen Pflichten und die daraus resultierenden Rechte gelten auch für die erlebnispädagogischen Exkursionen. Einziges Zugeständnis an die besonderen Anstrengungen der erlebnispädagogischen Exkursionen ist die RedUZierung auf zwei Reflexionseinheiten am Tag. Damit stellen die Kick-off-Gruppen die ansonsten gewohnte Gruppenpädagogik von Jugendhilfe "auf den Kopf". Dort wird man mit allen Rechten und Privilegien am Anfang aufgenommen, und nach einer kurzen, positiv orientierten Gastsituation gibt es in der Regel die Sanktionen, welche aufgrund des auffälligen Verhaltens dann die Privilegien (z. B. altersadäquater und reifeadäquater Ausgang) mehr und mehr einschränken. In den " Deutsche Gesellschaft für Prävention und Intervention ~ bel Klndesml5shandlunl( und -vernachlässigung

4 Den Drehtüreffekt in der Jugendhilfe stoppen: Die Otmar Alt-Gruppe für sexuell übergriffige Jungen I 45 Kick-off-Gruppen werden von Anfang an "klare Verhältnisse" geschaffen, indem man bei "Stufe Null" anfängt und sich von dort weiterentwickeln kann. Erlebnispädagogik Innerhalb ausgehandelter Budgets bestimmt die Gruppe ihre Settings, die für die Gruppenpädagogik besonders wirkungsvoll sind. Unabhängig von der Wetterlage und der Jahreszeit können diese Settings indoor oder outdoor ausgesucht werden. Dabei sind 100 Tage outdoor im Jahr obligatorisch. Während der Exkursionen sind die Pflichten der Jungen, z. B. die Schulpflicht, nicht ausgesetzt. Auch unterwegs wird das Schulprogramm absolviert. Ebenso ist die Berichts- und Dokumentationspflicht der Pädagogen nicht suspendiert, sondern wird mit den technischen Hilfsmitteln über das Internet an das Raphaelshaus geleistet. Die erlebnispädagogischen Exkursionen im Jahresverlauf geben den Jungen Gelegenheit, bei einfachsten Lebensverhältnissen und in ausgesuchten Landschaften mit einfachen, aber wirkungsvollen Mitteln den Tag zu gestalten. Beispiel: Auf Fahrradtouren weiß man in der Regel morgens beim Start nicht, wo man abends sein Zelt aufschlagen kann. Wir vermeiden bezahlte Unterkünfte und gehen nur höchstens einmal in der Woche auf Zeltplätze, um Großreinemachen durchzuführen. Auf diesen Fahrten lernen die Jungen durchzuhalten, gemeinsam als Gruppe ein liel zu erreichen und mit einfachen Hilfsmitteln das Leben zu bewältigen. Abends bei Zielerreichung wird dann ieweils in Zweierteams gekocht, die Fahrräder werden gewartet, der Tag mit einer Reflexion und einer Abendrunde beschlossen, und dann geht es in den Schlafsack ins Igluzelt. Es ist augenscheinlich, dass diese Pädagogik auch besondere Pädagogen erfordert. 100 km am Tag auf dem Fahrrad, bei gleichzeitiger Garantie einer reflektierten und engagierten Intensivpädagogik, und die Bescheidenheit, mit einfachen Lebensverhältnissen auszukommen, zeichnen diese iungen Fachkräfte in den Gruppenteams aus. Abb. 2: Mit dem Fahrrad unterwegs Tierpädagogik und -therapie Wenn die Erlebnispädagogik die "abenteuerliche" und herausfordernde Komponente innerhalb der pädagogischen Umgebung ist, vertritt die Tierpädagogik (vgl. Scholten & Scholten, 2008) die "zärtliche" Seite. Sie dient der Selbsterfahrung und dem Aufbau von Selbstwertgefühl. Sie er- möglicht unverdächtige Zärtlichkeit zu einem Geschöpf bei Kindern und Jugendlichen, die mit Menschen in der Regel sehr schlechte Erfahrungen gemacht haben. Die Verantwortung für das Lebewesen und die Arbeit im Stall mit den Pferden, Kamelen, Lamas, Ponys, dem Esel und dem Muli lässt Einfühlungsvermögen nachreifen. Damit ist ein erster Schritt für empathisches Verhalten gegenüber Menschen getan. Tierpädagogik lehrt Verantwortung für Geschöpf und Schöpfung, für sensiblen Umgang mit Natur und den Umgang mit unterschiedlichen Charaktereigenschaften der Tiere (vgl. Olbricht & Otterstedt, 2003). Wenn die Jungen lernen, mit den Tieren gut und einfühlsam umzugehen, haben sie - unabhängig von den Gruppenkrisen und der schlechten Laune aus der Schule - jeden Tag beim Tier eine neue Chance, die völlig unbelastet ist. Ein Tier" liest keine Akten", ist nicht nachtragend und nimmt jeden Menschen so an, wie er ist. In der Otmar-Alt-Gruppe ist Arbeit und Mithilfe im Stall täglich vorgesehen. Hinzu kommt Reitpädagogik im Einzel- und Gruppensetting, 14-tägige Wanderungen mit Lamas und Kamelen und die jährliche einwöchige Exkursion mit Packtieren. In die Tier- und Zirkuspädagogik sind außerdem noch zwei Hunde einbezogen. Gemeinsam s1ajk für den Kinde"chul2!

5 46 I Interdisziplinäre Fachzeitschrift I Jahrgang 13 I Heft 2 I 2010 Dabei verstehen wir Ästhetik und Chic als mitheilende Komponenten in einem Gesamtsetting. Die Investition in Ästhetik hat sich bis heute gut ausgezahlt. Im Raphaelshaus allgemein, aber insbesondere in den Kick-off-Gruppen gibt es so gut wie keinen Vandalismus. Selbst die Original bilder von Otmar Alt und anderen Künstlern werden geachtet. Bis heute ist kein Schaden entstanden. Die eigenen Budgets sorgen für gruppeninterne Gestaltungsräume für das Team. Dadurch wachsen die Identifikation mit Gruppe und Einrichtung und die Wertschätzung für die Möglichkeiten, die von Seiten der Einrichtung zur Verfügung gestellt werden. Abb. 3: Tierpädagogik in der Otmar-Alt-Gruppe Personelle Wertschätzung In den Kick-off-Gruppen arbeiten qualifizierte Fachkräfte mit hoher beruflicher und menschlicher Kompetenz. Dahinter steht der Anspruch, dass nicht nur Fachleute als pädagogisches Angebot zur Verfügung stehen, sondern Menschen, die man als Vorbilder bezeichnen kann. Das 1: 1-Verhältnis zwischen pädagogischen Fachkräften und anvertrauten Jungen plus der Lehrerin oder dem Lehrer für den Unterricht garantiert eine gute und individuell orientierte Pädagogik, sowohl im Indoor- als auch im Outdoorsetting. Alle Fachkräfte zeichnen sich' durch Mehrfachqualifikationen über die sozialpädagogische Ausbildung hinaus aus, In der Regel sind dies handlungsorientierte Zusatzqualifikationen im Bereich Erlebnis-/Tierpädagogik, Übungsleiter im Sport und IT-Kenntnisse. In der Auseinandersetzung mit hochkomplizierten Jungen sind kontinuierliches Coaching und Supervision sowie ein breites Programm interner und externer Weiterbildung für die Gruppenteams obligatorisch. Gruppeninterne Schule Die alte Zwergschule im Dorf steht Modell für die Schulklasse im Gruppengebäude. Die Lehrerin bzw. der Lehrer muss schul- und klassenübergreifenden Unterricht gewährleisten. Es gilt das Klassenlehrerprinzip unter Ausschluss von mehrmaligem Lehrerwechsel. Der Lehrer gehört zum sozialpädagogischen Team, und innerhalb der Schule/dem Schulunterricht gelten dieselben Regeln wie innerhalb der Gruppe. Die Schulpflicht wird auch in den erlebnispädagogischen Outdoorsituationen weitergeführt. Dafür hat sie eine exklusive Medienausstattung, die modernen Unterricht an jedem Punkt in Europa ermöglicht. Familienarbeit Von Anfang an wird ein großer Wert auf die Familienarbeit gelegt. Die Fachkräfte treten zu den gewachsenen Beziehungen zwischen Kind und Elternhaus nicht in Rivalität und Konkurrenz. Das Familiensystem wird nach den Möglichkeiten, die Materielle Wertschätzung Die Pädagogik bestimmt die Architektur und Aufteilung des Gruppengebäudes. Die Wertschätzung gegenüber der Zielgruppe, aber auch gegenüber den in der Gruppe arbeitenden Fachkräften wird durch eine exklusive und geschmackvolle Ausstattung mit allen erforderlichen Materialien, Werkzeugen und Möbeln gewährleistet. Abb. 4: Familienarbeit n De.u~che G~sellschaft für Prävention und Intervention ~ bel Klndesmtsshandlung und ~vemachlässigung

6 Den Drehtüreffekt in der Jugendhilfe stoppen: Die Otmar-Alt-Gruppe fur sexuell ubergriffige Jungen I 47 es aufgrund seiner eigenen Ressourcen hat, gefördert und angeleitet. Wenn sich herausstellt, dass in der Familie Täter sind, wird das Jugendamt in seine Richtlinienkompetenz bezüglich der Konsequenzen gerufen. Familienbesuche in der Gruppe sind in einem geplanten Rhythmus möglich und gewünscht. Die Heimfahrten zur Familie sind stufenabhängig. Neben den regelmäßigen Familiengesprächen und den Hilfeplangesprächen mit dem Jugendamt gibt es Elterntrainingskurse bzw. Elternwochenenden, in denen deliktorientiert am System Familie gearbeitet wird. Diese themenzentrierten Familienwochenenden, die zum Teil auch außerhalb der Einrichtung stattfinden, erfreuen sich einer großen Nachfrage und Beliebtheit. Begleitforschung In beiden Kick-oft-Gruppen ist Begleitforschung selbstverständlich. Die initiierte Evaluation macht Aussagen zur Struktur-, Prozess- und Ergebnisqualität. Sie ermöglicht Vergleiche zwischen dem Einzelfall, der Gesamtgruppe, der Einrichtung und der bundesweiten Gesamtstichprobe. Sie dokumentiert Ressourcen, soziale Belastungsfaktoren und Defizite der Jungen in den Kick-oft-Gruppen. Auf der Basis von Anamnese und prospektiver Diagnostik liefert sie Daten zum Erfolg der Hilfe bzw. signalisiert drohende Misserfolge im Erziehungsprozess. Die Begleitforschung trifft Aussagen für die Erziehungsplanung und für das Hilfeplanverfahren. Neben den wichtigen Hilfestellungen, die von der Begleitforschung ausgehen, ist sie ein Garant für kontinuierliche Qualitätsentwicklung auf der Grundlage der gelieferten Daten. Qualitätsmanagement und Markentreue Qualitätsmanagement in der Praxis heißt: Wir sind heute besser als wir gestern waren, und wir wollen morgen besser sein als heute. Das bedeutet zu überprüfen: Wo gibt es Fehler im Prozess, im Arbeitsablauf, wo kann nachgebessert werden? Markentreue heißt, eine bestimmte Sache mit unverwechselbaren Qualitätsmerkmalen mit einer Marke zu versehen. 1 1 Name, Logo und die pädagogischen Eckpfeiler der "Kick-oft-Gruppe" durch einen Patentanwalt beim Bundesamt für Patente und Markenrechte unter dem AZ: /41 und AZ /geführt. Pädagogisch-therapeutische Ansätze in der Otmar-Alt-Gruppe Die sieben Jungen in der Otmar-Alt-Gruppe sind Jugendliche mit positiven Anteilen und häufig tief versteckten Talenten. Sie sind durch ihre Lebensgeschichte wesentlich geprägt. Dieser Umstand ist als Tatsache anzuerkennen und auch für die gesamte Arbeit fachlich von hoher Relevanz. Ursachen und Auslöser für das sexuell übergriffige Verhalten der Jungen finden sich in den teils hoch belasteten Lebensverläufen. Geprägt durch Gewalt- und Deprivationserfahrungen und zum Teil traumatische Erlebnisse, ließen diese Biografien wenig Raum für das Erleben von Wertschätzung, positiv geprägten Bindungen und Urvertrauen. Die Arbeit besteht dabei aber nicht aus der Suche nach Entschuldigungen für die Tat, sondern aus der Suche nach Erklärungen für die Verhaltensmuster, die zur Tat geführt haben. Um diese routinierten Verhaltensmuster zu durchbrechen, ist es notwendig, das Verhalten zu erklären, zu bearbeiten und letztendlich zu normierten Verhaltensweisen zu modifizieren. Die unterschiedlichen Aufträge und Ziele, die sich durch diesen grundsätzlichen Ansatz ableiten, werden gemeinhin von unterschiedlichen Professionen, d. h. von unterschiedlichen, meist auch räumlich voneinander getrennten Helfersystemen behandelt. Zum Beispiet kümmern sich externe Therapeuten um psychische oder systemrelevante Defizite, Pädagogen um den notwendigen Normierungsprozess des Sozialverhaltens, andere Systeme um die Ressourcenförderung im sportlichen, musischen Bereich usw. Durch die multiprofessionellen Ausbildungen der einzelnen Mitarbeiter der Gruppe ist dieses am gleichen Ort und durch die bekannten Beziehungspartner möglich. Der Vorteil liegt darin, dass die Jungen die eigenen negativen und positiven Anteile vor Augen geführt bekommen und diese als sich gegenseitig beeinflussende Faktoren verstehen lernen. Im Klartext kann dies bedeuten: Auch das sympathische, sportliche Supertalent ist in Gefahr, erneut auftällig zu werden, wenn es ausschließlich dieses Talent in den Fokus stellt und seine Negativanteile abspaltet und nicht als Gefahr anerkennt und bearbeitet. Umgekehrt gilt aber auch: Der Jugendliche, der sich lediglich Gemeinsam s!<lrk fijr den KindeCichutzl

7 48 I Interdisziplinäre Fachzeitschrift I Jahrgang 13 I Heft 2 I 2010 durch seine Negativanteile definiert, wird keine Chance zur Veränderung sehen, wenn seine positiven Anteile und Talente nicht gesehen und aus diesem Grunde auch nicht gefördert werden. Das Konzept bietet durch die Gleichwertigkeit von Therapie, Pädagogik und Ressourcenförderung demnach die Möglichkeit, sehr individuell auf die Persönlichkeitsmerkmale eines jeden Jungen in einem stabilen Umfeldsystem einzugehen. Dieser multimodale Ansatz wird auch von Klaus Machlitt (2004, S. schreibt: 13) empfohlen, wenn er "Mittlerweile ist es unbestritten, dass eine reine Sexualtherapie den Problemen sexuell grenzverletzender Jugendlicher nicht gerecht wird und eine ausschließliche Zentrierung auf das sexuell deviante Symptom als weitgehend wirkungslos anzusehen ist." Und weiter: "Gefordert sind also multimodale Konzepte, in denen nicht nur Intervention zur Verhaltensänderung, sondern ebenso Impulse zur Persönlichkeitsentwicklung und sozialen Integration enthalten sind." Haltungen und Grundsätze Haltungen zu den Jungen und Grundsätze der Arbeit werden den Jungen in der Gruppe transparent vermittelt. Damit bleibt die Verantwortung für das eigene Verhalten bei den Jungen, di~ sich damit entscheiden müssen, die Rahmenbedlhgungen und Haltungen der Gruppe zu akzeptieren oder ggf. mit den Folgen zu leben, wenn sie diese nicht akzeptieren. Damit tritt die Rolle der Pädagogen als Erwartungsträger in den Hintergrund. Vielmehr liegt die Aufgabe in der durchgängigen Verhaltensspiegelung. Die grundsätzlich wertschätzende und respektierende Haltung gegenüber den Jungen drückt sich allein schon dadurch aus, dass nicht ausschließlich über sie, sondern insbesondere mit ihnen gesprochen wird. So verbleibt eine Haltung nicht auf einer kommunikativen Metaebene, sondern wird hörbar, erfahrbar und spürbar: "Auch wenn du missbraucht hast, schätzen wir dich als Menschen mit positiven Anteilen. Wir sind davon überzeugt, dass du mehr kannst, als du denkst, und wir werden dir dieses auch beweisen. Wir sind aber auch konsequent bei ;eder Regelüberschreitung, weil Regeln das Miteinander erleichtern und erst möglich machen und dir Sicherheit geben sollen. Wenn du Probleme hast oder Dinge aus deiner Vergangenheit erzählen willst, sind wir für dich da und hören zu. Wir werden ;eden kleinen Fortschritt sehen und loben. Aber vergiss nie: Für dein Handeln in der Vergangenheit, ;etzt und in der Zukunft bist nur du verantwortlich." (Leitsätze der Otmar-Alt Gruppe) Um zu verstehen, mit welchen Thematiken sich die Fachleute in der Otmar-Alt-Gruppe professionell auseinandersetzen müssen, ist es wichtig, den sexuellen Übergriff nicht als isoliertes Persönlichkeitsmerkmal oder Verhalten zu sehen. Ingrid Dietz (2006) führt in ihrem "Modell der sexuellen Delinquenzentwicklung im Jugendalter" die verschiedenen Erklärungsansätze in ihrer Komplexität zusammen. Ausgehend von verschiedenen Faktoren, wie dem Herkunftssystem. erlebten Traumata, Kompetenzen, psychischen Störungen, grundlegendem Beziehungsverhalten, bis hin zu genetischen Faktoren, Medieneinfluss und sozioäkonomischem Status, bewirken diese eine Labilisierung des Jugendlichen. Sind die eigenen, gesunden Kompensationsmöglichkeiten des Jugendlichen nicht ausreichend, kann es zu delinquenten Handlungen kommen (vgl. Wolff Dietz, 2007, Jugendliche Sexualstraftäter. 7. Kapitel. S. 162 f.) Die beschriebene Komplexität des Themas wird deutlich, wenn wir unsere bisherigen Erfahrungen mit unseren Jugendlichen zusammenfassen. Die jungen Menschen in der Gruppe sind Täter 1, die unter 14 Jahre alt und sexuell übergriffig sind. ~ Sie sind "aufgefallen", erwischt worden, zum Tell angezeigt und aus ihrer Sicht verraten worden. ~ Sie waren offen oder verdeckt aggressiv und machtbegierig. ~ Sie streben auf kompensatorische Art nach Bedürfnisbefriedigung und haben dabei leidende Opfer hinterlassen, die meist aus ihrem nahen Umfeld stammen. 1 Es bleibt lemuhalten, dass es den typischen Täter nicht gibt. Es werden in der Fachliteratur ve~hiedene Tätertypologien diskutiert. Vgl. z. B. dazu: Typologie nach O'Brien &. Bera (1986) oder nach Volk (1991). " Deutsche Gesellschaft tür Prävention und IntelVention ~ bei Kindesmisshandlung und -vernachlässigung

8 Den Drehtüreffekt in der Jugendhilfe stoppen: Die Otmar-Alt Gruppe für sexuell übergriffige Jungen I 49 ~ Sie sind aber auch Kinder, die zu Tätern wurden und sich zum Teil früh auffällig verhalten haben. ~ Sie tragen unbehandelte Traumata mit sich herum, die häufig genug im familiären Umfeld ihren Ursprung finden. ~ Sie sind häufig Opfer eigens erlebter körperlicher, sexueller oder psychischer Gewalt und haben schwierigste Sozialisationsprozesse hinter sich. ~ Sie sehnen sich nach Sicherheit, Aufmerksamkeit und positiven Bindungen 2 und können keines dieser Bedürfnisse auf adäquate Weise einfordern. Abb. 5: Therapiewochenende ielsetzungen und Methodik der Evaluation Die Arbeit der neu gegründeten Otmar-Alt Gruppe sollte mit Hilfe der wissenschaftlichen Begleitforschung des Instituts für Kinder- und Jugendhilfe (IKJ) in Mainz evaluiert und in ihrer pädagogischen Konzeption optimiert werden 3. Folgende zentrale Zielsetzungen wurden verfolgt: 1. Strukturen und Prozesse der Gruppe sowie die sich im Hilfeverlauf ergebenden Effekte sollten mit Hilfe wissenschaftlicher Methoden umfassend dokumentiert werden. 2. Durch eine detaillierte Erfassung der Gruppenstruktur sowie der einzelfallbezogenen 2 Bindungstheoretische Aspekte bieten einen grundlegenden Erklärungsansalz zu auffälligem Verhalten, insbesondere auch bei sexuell grenzverletzendem Verhalten. Vgl. Bowlby (1980), Ainsworth (1978), Wolff-Dielz (2007). 3 Das Evaluationsprojekt wurde mit Mitteln der Stiftung Aktion Mensch finanziell gefördert. Pädagogik sollte die Möglichkeit geschaffen werden, diese zu den dokumentierten Effekten in Bezug zu setzen und so Aussagen zu spezifischen Wirkfaktoren der neuen Gruppe zu gewinnen. 3. Durch die Erforschung der Wirkungen und der Wirkfaktoren im Rahmen der Evaluation sollte unmittelbar Einfluss auf die Optimierung der Konzeption und der pädagogischen Methoden der Gruppe genommen werden. Grundsätzlich sollten die Ergebnisse der Evaluation sowohl eine empirisch fundierte Basis für den Optimierungsprozess im Rahmen des einrichtungsinternen Qualitätsmanagements liefern als auch die fachliche Argumentation gegenüber einrichtungsexternen Partnern, wie z. B. (Landes-) Jugendämtern, unterstützen. Insbesondere sollte überprüft werden, inwieweit die Otmar-Alt-Gruppe als geeignetes pädagogisches Modell in der Kinder- und Jugendhilfe gelten kann. Das Forschungsvorhaben war auf einen Zeitraum von drei Jahren angelegt und wurde in Form eines quasiexperimentellen Untersuchungsdesigns (vgl. Bortz, 2006) durchgeführt. Dazu wurden die Jugendlichen der Otmar-Alt-Gruppe mit zwei Kontrollgruppen aus anderen stationären Kinderund Jugendhilfeeinrichtungen verglichen, die hinsichtlich verschiedener Merkmale parallelisiert wurden: 1. eine Gruppe von Kindern und Jugendlichen, die ebenfalls sexuelle Auffälligkeiten aufweisen (im Folgenden kurz: SAJ); 2. eine Gruppe von Kindern und Jugendlichen, die in ihrer allgemeinen Ausgangslage (Ressourcen, Defizite, Jugendhilfevorerfahrung ete.) mit den Jugendlichen der Otmar-Alt Gruppe weitgehend übereinstimmen (im Folgenden kurz: MP). Der Stichprobenumfang der Otmar-Alt-Gruppe lag bei n = 19, wobei zum Zeitpunkt der Beendigung des Evaluationsprojekts sieben Hilfen noch andauerten, sodass Informationen über zwölf vollständig abgeschlossene Hilfeverläufe analysiert werden konnten. Beide Kontrollgruppen wurden aus dem bestehenden Datenpool der Evaluationsstudie erzieherischer Hilfen EVAS (vgl. Macsenaere & Knab, 2004) generiert. Gemeinsam stark für den Kinderschutzl

9 50 I Interdisziplinäre Fachzeitschrift I Jahrgang 13 I Heft 2 I 2010 Für die erste Vergleichsstichprobe (SAJ) wurden hieraus insgesamt 28 Jugendliche ausgewählt, die neben dem Vorliegen vergleichbarer sexueller Auffälligkeiten auch in Alter und Geschlecht identische Werte wie die Jugendlichen der Otmar-Alt Gruppe aufwiesen. Um für die zweite Kontrollgruppe eine möglichst hohe Übereinstimmung zur Experimentalgruppe zu erreichen, wurde der EVAS-Datenpool im Sinne des" matched sampling" -Verfahrens (vgl. Bortz, 2006) hinsichtlich der folgenden zentralen Personenmerkmale gefiltert: -+ Alter -+ Geschlecht -+ Jugendhilfevorerfahrung -+ Ressourcenlage bei Hilfebeginn -+ Defizitlage bei Hilfebeginn Es wurden diejenigen Matching-Partner selektiert und zur zweiten Kontrollgruppe (MP) zusammengefasst, die in allen Merkmalen eine weitestgehende Übereinstimmung zu jeweils einem Jugendlichen der OAG-Stichprobe aufwiesen. Dadurch ergab sich für diese Gruppe eine Stichprobengröße von 46 Jugendlichen. In der ersten Projektphase wurde das Erhebungs instrumentarium zur Sammlung aller notwendigen Informationen zusammengestellt bzw. neu entwi ckelt, das aus den folgenden Einzelinstrumenten bestand: -+ EVAS-Erhebungsbögen für stationäre Kinder und Jugendhilfemaßnahmen nach spezifische Dokumentationsbögen zur differenzierten Erfassung sexueller Auffälligkeiten der Jugendlichen vor und während des Hilfeverlaufs sowie der Entwicklung der Jugendlichen innerhalb des gruppeninternen Verstärkersystems (Therapie- und Sozialstufenplan) -+ spezifische Dokumentationsbögen zur Erfassung der Reflexionsbeurteilungen in den mehrmals täglich stattfindenden gruppeninternen Gesprächsrunden -+ spezifische Dokumentationsbögen zur Erfassung der Entwicklung der Jugendlichen im Rahmen der pädagogisch orientierten Arbeit mit den Tieren des Raphaelshauses -+ Testfragebögen FEPAA (Lukesch, 2005) zur Untersuchung der empathischen Entwicklung der Jugendlichen Die mit diesem Instrumentarium dokumentierten Daten wurden prospektiv im Längsschnitt der zu untersuchenden Hilfeverläufe erhoben, um eine möglichst valide Datenbasis zu erreichen. Zur Optimierung der Datenqualität wurde ein "externes Datencontrolling" durchgeführt, in dessen Rahmen Mitarbeiter des Instituts für Kinder- und Jugendhilfe in der Otmar-Alt-Gruppe jeweils zu Beginn und bei Abschluss einer Hilfemaßnahme zusätzliche Daten erhoben, um ein unabhängiges Bild der jeweiligen Situation des Jugendlichen zu erhalten. Hierbei kamen die folgenden Instrumente zum Einsatz: -+ Kinder-DIPS (Unnewehr et al., 1998) zur Untersuchung vorliegender psychischer Störungen -+ diagnostische Interviewleitfäden zur Befragung von Jugendlichen und Gruppenleitung zur Erfassung vorliegender Ressou rcen/sch utzfaktoren Die mit Hilfe dieser Instrumente sowie einer begleitenden Aktenanalyse gesammelten Informationen wurden im Rahmen der statistischen Datenauswertung zur Überprüfung der Qualität der mit den anderen Instrumenten gesammelten Daten verwendet, um einer eventuellen Verzerrung der Untersuchungsergebnisse aufgrund von mangelnder Objektivität bei Angaben bzw. Einschätzungen durch die Einrichtungsmitarbeiter entgegenwirken zu können. Im Rahmen der Projektlaufzeit wurde zweimal eine statistische Auswertung der jeweils bis Auswertungsbeginn erhobenen Daten durchgeführt: Im Zeitraum Februar/März 2008 erfolgte eine Zwischenauswertung, deren Ergebnisse einrichtungsintern vorgestellt und diskutiert wurden, um zeitnah erste Implikationen für die Weiterentwicklung der gruppenpädagogischen Konzeption abzuleiten. Ab Januar 2009 erfolgte dann die Abschlussauswertung, deren zentrale Ergebnisse im Folgenden dargestellt sind. n Deutsche Gesellschaft für Prävenijon und Inlervenijon ~ bei Kindesmisshandlung und vernachlässigung

10 Den Drehtüreffekt in der Jugendhilfe stoppen: Die Otmar-Alt-Gruppe für sexuell übergriffige Jungen I 51 Untersuchungsergebnisse 12 JugendhiItekarriereindex (Mittelwert) Ausgangssituation Die Jugendlichen der Otmar-Alt-Gruppe sind zu Beginn der Hilfe im Schnitt 13,0 Jahre alt, wobei das Aufnahmealter zwischen 11,8 und 14,4 Jahren streut. Das Sorgerecht liegt in knapp der Hälfte der untersuchten Fälle bei beiden Elternteilen (47 %), in rund 40 % bei der leiblichen Mutter alleine und in 12 % der Fälle bei einem Vormund. 76 % aller in die Untersuchung aufgenommenen Jugendlichen haben im Vorfeld der Aufnahme in die Otmar-Alt-Gruppe einen Aufenthalt in einer Psychiatrie hinter sich. 53 % waren stationär in einer Jugendhilfeeinrichtung untergebracht, und in 41 % aller Fälle fand eine Sozialpädagogische Familienhilfe statt. Jeder Jugendliche hat zu diesem Zeitpunkt bereits mindestens eine, im Schnitt sogar mehr als zwei unterschiedliche Jugendhilfemaßnahmen durchlaufen, ohne dass am Ende dieser Maßnahmen eine stabile Lösung der vorliegenden Problematik erreicht werden konnte. Im Rahmen der statistischen Datenanalyse wurden Quantitäten und Qualitäten dieser Vorerfahrungen zum sogenannten Jugendhilfekarriereindex 1 zusammengefasst, mit dessen Hilfe unmittelbare Gruppenvergleiche ermöglicht wurden. Dieser Index liegt bei den Jugendlichen der Otmar-Alt-Gruppe im Schnitt um mehr als 40 % über dem in der Vergleichsgruppe sexuell auffälliger Jugendlicher SAJ (s. Abbildung 6). Dieser statistisch signifikante Mittelwertsunterschied (F = P =.025) zeigt deutlich größere df;1 ', (negative) Vorerfahrungen im Zusammenhang mit pädagogisch-therapeutischen Jugendhilfeangeboten bei den Jugendlichen in der Otmar-Alt Gruppe, die bei der individuellen Ausgestaltung der Hilfemaßnahmen durch die Gruppenpädagogen Berücksichtigung finden muss, um die aktuelle Hilfe erfolgreich gestalten zu können '-- Abb. 6: Vergleich des Jugendhilfekarriereindex zwischen OAG und SAJ 7,0 SAJ Neben der sexuellen Auffälligkeit liegen bei den Jugendlichen in der Otmar-Alt-Gruppe im Schnitt fast zwölf verschiedene weitere Problemlagen vor. Am häufigsten zeigen sich dabei externalisierende Problemlagen, wie z. B. dissoziale bzw. aggressive Verhaltensweisen (63 % bzw. 56 %) sowie Aufmerksamkeits- und Konzentrationsdefizite in Kombination mit hyperaktivem Verhalten (50 %). Gleichzeitig sind aber auch bei mehr als 40 % aller ur1t~rsuchten Jugendlichen eher internalisierende Symptome, wie z. B. soziale Unsicherheiten und Rückzugsverhalten in sozialen Situationen. erkennbar (s. Abbildung 7). 1 Der Jugendhilfekarriereindex errechnet sich aus der Anzahl der vorangegangenen Hilfen und deren.. Intensität'. Je höher der Wert ausfällt, desto mehr und umso höherschwelligere Hilfen liegen vor. Gemeinsam stark tor den Kinderschutzl

11 52 I Interdisziplinäre Fachzeitschrift I Jahrgang 13 I 'Heft 2 I 2010 dissoziales Verhalten aggressives Verhalten ~~~~~::~:::~~= 62,5 Aufm.defizit/lmpulsivität/mot. Unruhe soziale Unsicherheit ~~~~~!~~~~~ schul. Leistungsschwäche Auffälligkeiten im Essverhalten mang./undiff. Bindungsverhalten liiili~~r~j Selbstverletzung/-beschädigung depressive Verstimmung Delinquenz o 20 % 40 % 60 % 80% Abb. 7: Komorbiditäten der OAG-Jugendlichen bei Hilfebeginn Es liegt bei den Jugendlichen also zu Hilfebeginn zumeist eine sehr komplexe Problematik mit zahlreichen und sehr unterschiedlichen Symptomen vor, was besondere Anforderungen an die pädagogisch-thera peutische Arbeit der Gruppenmitarbeiter stellt. Neben dieser hohen Problembelastung weisen die Jugendlichen der Otmar-Alt-Gruppe zudem eine vergleichsweise gering ausgeprägte Ressourcenlage auf. In allen untersuchten Ressourcenbereichen liegen die ermittelten Werte (zum Teil weit) unterhalb des altersgemäß "normalen" Entwicklungsstan des 1 (s. Abbildung 8). Soziale Integration ~;~==::=~:;:~:!..: Soziale Attraktivität ~3!! ;;;~~ Sozial-komm. Fähigkeit Besondere Fähigkeit/Leistung ~~;=:::====~... Interessen/Freizeitbeschäftigung ~~:::=::::::::::::~~ Überzeugungen/Bew.strategien ~~===: Selbstkonzept/Selbstsicherheit ~=====:;:...-. Autonomie/Selbstständigkeit ~==;:::::::====:::;- --a Funktion i. d. Familie Körperliche Gesundheit 1' e=:=:====-...: _ Abb. 8: Ressourcen der OAG-Jugendlichen bei Hilfebeginn Ressourcenskala + 1 Die Beurteilung der Ressourcen erfolgte über eine 7 stuftge Ratingskala, bei der der Wert,,6" für einen altersgemäß durchschniltjichen Entwicklungsstand steht. Dieser ist in Abbildung 8 durch die vertikale schwarze Linie gekennzeichnet. n Deutsche Gesellschaft für Prävention und intervention ~ bei Kindesmisshandlung und -vernachlässigung

12 Den OrehtüreHekt in der Jugendhilfe stoppen: Die Otmar-Alt-Gruppe für sexuell übergriffige Jungen I 53 Prozessqualität Mit 23,4 Monaten liegt die durchschnittliche Dauer der untersuchten Hilfen in der Otmar Alt-Gruppe statistisch signifikant über der in der Vergleichsgruppe MP (0 = 15,3 Monate T =41 df = 2,858, P =.007) sowie tendenziell über der Hilfedauer in der Gruppe SAJ (0 = 15,5 Monate - T =29 df = 1,466, P =.153). Insbesondere aufgrund der zuvor beschriebenen negativen Vorerfahrungen durch erfolglos durchgeführte Jugendhilfemaßnahmen erhalten diese relativ lange Verweildauer in der Otmar-Alt-Gruppe und die damit verbundene personelle wie räumliche Kontinuität im unmittelbaren persönlichen Umfeld der Jugendlichen besondere Bedeutung. Die dadurch entstehende Möglichkeit zu einer längeren pädagogischen bzw. therapeutischen Arbeit mit den Jugendlichen stellt vor dem Hintergrund des im Bereich der Jugendhilfe nachgewiesenen Zusammenhangs zwischen Hilfedauer und Hilfeerfolg (IKJ, 2003; Schmidt et al., 2003) prinzipiell einen günstigen Begleitumstand für eine erfolgreiche Hilfedurchführung in der Gruppe dar. Die längere Hilfedauer in der Otmar-Alt-Gruppe erklärt sich u. a. aus der konzeptionell verankerten Falltreue, die von Seiten des Raphaelshauses den Jugendlichen gegenüber ausgesprochen wird (vgl. Kapitel Ethische Orientierung). Diese Falltreue hat u. a. zum Ergebnis, dass keine einzige der im Rahmen der Evaluation untersuchten Maßnahmen auf Initiative der Gruppen-Pädagogen bzw. der Einrichtung hin abgebrochen wurde. Unplanmäßige bzw. vorzeitige Beendigungen von Hilfemaßnahmen gingen immer auf die Initiative einrichtungsexterner Hilfebeteiligter (Sorgeberechtigte, Jugendamt) zurück. Demzufolge ergibt sich für die Otmar-Alt-Gruppe insgesamt ein für stationäre Jugendhilfemaßnahmen vergleichsweise niedriger Anteil abgebrochener Hilfen (vgl. IKJ, 2009), der statistisch signifikant unter dem in der Vergleichsgruppe MP (X Z df =1 = 6,408, P =.011) liegt und auch tendenziell niedriger ausfällt als in der Vergleichsgruppe SAJ (X 2 =1 = 3,213, df : 1 P =.073) (s. Abbildung 9) ,0 % 40 42,1 % 20 28,9% o OAG SAJ MP abgebrochen planmäßig Abb. 9: Gruppenvergleich der Anteile planmäßig beendeter bzw. abgebrochener Hilfemaßnahmen Gemeinsam slark für den Kinderschutzl

13 54 I Interdisziplinäre Fachzeitschrift I Jahrgang 13 I Heft 2 I 2010 Über die durch die Einrichtung konzeptionell vorgegebene Falltreue hinaus ist diese geringe Abbruchquote aber auch ein Zeichen für eine im Hilfeverlauf gelingende Kooperation zwischen Jugendlichen und Gruppenmitarbeitern. Diese funktioniert in der Otmar-Alt-Gruppe statistisch signifikant besser als in der Kontrollgruppe SAJ (F df =1 =13/062, P =.001) und tendenziell besser als in der Kontrollgruppe MP (F =1 df = 2,296, P =.131). Da die Kooperation zwischen Jugendlichen und pädagogischen Fachkräften in Jugendhilfeeinrichtungen ein wichtiger Einflussfaktor für den Erfolg von Jugendhilfemaßnahmen ist (vgl. Schmidt et al., 2003; Klein et al., 2003), stellt diese gute Zusammenarbeit innerhalb der Otmar-Alt-Gruppe eine wichtige Grundlage für einen erfolgreichen Hilfeverlauf dar. Ergebnisqualität Die Untersuchung der Ergebnisqualität der Hilfen in der Otmar-Alt-Gruppe erfolgte im Wesentlichen über Veränderungsmessungen von zu verschiedenen Erhebungszeitpunkten erfassten Ressourcen und Defiziten der Kinder und Jugendlichen sowie über den Erreichungsgrad kindbezogener Hilfe(plan)ziele. Zur ersten übergreifenden Analyse der Effektivität der Hilfen wurde im Rahmen der statistischen Auswertung ein globaler Effektindex 1 gebildet, in dem die einzelnen Effektmaße zu einem Gesamteffektwert verrechnet wurden. Bei der Analyse dieses Effektindexes zeigte sich für die Otmar-Alt-Gruppe im Vergleich zu beiden Kontrollgruppen im Durchschnitt ein deutlich höherer Gesamteffekt der Hilfen (Fdf=2 = 3,714, P =.029) (s. Abbildung 10). 25 Effektindex (Mittelwert) ,5 5 o L--... SAJ Abb. 10: Gruppenvergleich der Gesamteffekte anhand des Effektindex 1 Der Effektindex ist eine Maßzahl für die im Zuge der Hilfen insgesamt erzielten Wirkungen. Er berücksichtigt die Veranderungen von Defiziten und Ressourcen sowie die kindbezogene Zielerreichung und kann Werte von.. -50" bis.. +50" annehmen...0" steht für keine Effekte. Positive Werte auf dem Effektindex können als Verbesserungen. negative als Verschlechterungen eingestuft werden..,., Deutsche Gesellschaft für Prävention und.intervention WJ h",j KinrlesmisshandlunR: und ~vernachlässlgung

14 Den DrehtüreHekt in der Jugendhilfe stoppen: Die Otmar Alt-Gruppe für sexuell übergriffige Jungen I 55 Dieser weit überdurchschnittliche Gesamteffekt setzt sich zusammen aus einer Vielzahl positiver Entwicklungen in verschiedenen Untersuchungsbereichen. So sind z. B. bei Ressourcen und Schutzfaktoren der Jugendlichen in der Gtmar Alt-Gruppe, die über den gesamten Hilfeverlauf hinweg erfasst und analysiert wurden, durchgängig Verbesserungen in Form von Ressourcenzuwächsen zu verzeichnen (s. Abbildung 11). Diese Zuwächse fallen zum Teil deutlich und statistisch nachweisbar höher aus als in den untersuchten Vergleichsgruppen: Im Bereich Soziale Integration findet ein signifikant stärkerer Ressourcenaufbau statt als in beiden Kontrollgruppen (GAG - SAJ: F df =1 =14,507, P =.001; GAG - MP: Fdf=1 = 7,055, P =.011). Bei Interessen und Freizeitbeschäftigungen sowie im Bereich Funktion in der Gruppe, also in der Fähigkeit, Normen und Regeln der Gruppe zu respektieren und zu einem positiven Zusammenleben beizutragen, konnten signifikant größere Verbesserungen erreicht werden als in der Vergleichsgruppe SAJ (F df =1 = 5,073, P =.032 bzw. F df =1 = 7,196, P =.012) und tendenziell größere als in der Vergleichsgruppe MP (F d f=1 = 2,641, P =.110 bzw. F d f=1 = 2,415, P =.126). Selbstkonzept bzw. Selbstsicherheit konnten tendenziell stärker aufgebaut werden als in beiden Vergleichsgruppen (GAG - SAJ: F df =1 = 2,905, P =.106; GAG - MP: F df =1 = 2,960, P =.092). Auch in der Globalbeurteilung der psychosozialen AnpassungsfähigkeW ergibt sich im Durchschnitt aller untersuchten Hilfemaßnahmen eine nachweisbare Verbesserung (F df =1 = 4,054, P =.064), die u. a. auch tendenziell höher ausfällt als in der Vergleichsgruppe MP (F df =1 = 3,856, P =.055). Soziale Integration '=~I~~~=I +0,6 Soziale Attraktivität _ +0,5 Sozial-komm. Fähigkeit +0,6 Besondere Fähigkeit/Leistung +0,4 Interessen/Freizeitbeschäftigung +0,5 Überzeugungen/Bew.strategien +0,6 Selbstkonzept/Selbstsicherheit +0,8 Autonomie/Selbstständigkeit +0,6 Funktion i. d. Familie +0,4 Körperliche Gesundheit +0,4 Beginn 2 Ressourcenskala Änderung Abb. 11; Ressourcenänderungen der GAG-Jugendlichen zwischen Aufnahme und Abschluss 2 Die Globalbeurteilung der psychosozialen Anpassungsfähigkeit ist Bestandteil des Multiaxialen Klassifikationsschemas für psychische Störungen des Kindes- und Jugendalters nach ICD-10 der WHO (vgl. Remschmidt et al ) und erfasst den individuellen Betreuungsbedarf von Kindern und Jugendlichen aufgrund von Beeinträchtigungen in den unterschiedlichen erfassten Ressourcenbereichen. Gemeinsam stark für den Kinderschutzl

15 56 I Interdisziplinäre Fachzeitschrift I Jahrgang 13 I Heft 2 I 2010 Aus diesen einzelnen positiven Entwicklungen heraus ergibt sich bei Gesamtbetrachtung des Ressourcenbereichs der Jugendlichen in der Otmar-Alt-Gruppe eine sehr positive Ressourcengesamtentwicklunt, die statistisch signifikant besser ausfällt als in beiden Kontrollgruppen (OAG - SAJ: F df =1 = 7,035, P =.012; OAG - MP: F =1 = 4,317, P =.043) (s. Abbildung 12). df 80 _ 60 61,8 + x Q) ~ c 'e 40 Q) l:! ~ o Ul Ul Q) IX 20 I ~ _.._-----::;;..,-.,-,:::.- 37,4-36,2 36, ,9 44,2 Aufnahme Abschluss Abb. 12: Gruppenvergleich der Ressourcenentwicklung OAG MP - - SAJ Neben den vorliegenden Ressourcen und Schutzfaktoren wurde im Rahmen der Evaluation auch die ~. Entwicklung der Defizite der Jugendlichen detailliert erfasst und analysiert. Die Zahl vorliegender Problemlagen der Jugendlichen in der Otmar-Alt-Gruppe konnte von Beginn bis Abschluss der untersuchten Hilfemaßnahmen im Durchschnitt mehr als halbiert und damit wesentlich stärker reduziert werden als in beiden Vergleichsgruppen (OAG - SAJ: F f=1 d = 9,286, P =.005; OAG - MP: F df =1 = 12,087, P =.001). Auch beim Schweregrad der Gesamtbelastung der Jugendlichen durch psychische Störungen bzw. Problemlagen zeigte sich in der Otmar-Alt-Gruppe über den gesamten Hilfeverlauf hinweg ein deutlich stärkerer Abbau als in den Gruppen MP (F =1 df = 6,784, P =.012) bzw. SAJ (F df =1 = 3,786, p=.061). Bei Gesamtbetrachtung aller erfassten Teilaspekte im Bereich vorliegender Defizite der Jugendlichen sind in der Otmar-Alt-Gruppe signifikant höhere Effekte nachweisbar als in beiden Vergleichsgruppen (OAG SAJ: F =1 df = 4,997, P =.032; OAG - MP: F =1 df = 5,883, P =.019)2 (s. Abbildung 13). 1 Die Gesamtentwicklung im Bereich vorliegender Ressourcen und Schutzfaktoren wurde im Rahmen der statistischen Auswertung über den sogenannten Ressourcenindex abgebildet. Dieser Ressourcenindex ist eine allgemeine Maßzahl für die Ressourcenlage. Er kann Werte zwischen 0 und 100 annehmen und wird aus den 10 Ressourcenskaien sowie der Globalbeurteilung der psychosozialen Anpassung berechnet. Ansteigende Indexwerte sind positiv zu beurteilen. 2 Die Gesamtentwicklung im Bereich vorliegender Defizite wurde im Rahmen der statistischen Auswertung über den sogenannten Defizitindex abgebildet. Dieser Defizitindex ist eine allgemeine Maßzahl für die Problemlagen. Er kann Werte zwischen 0 und 100 annehmen und wird aus Symptom- u. Diagnoselage sowie dem Schweregrad der Gesamtauffälligkeit abgeleitet. Sinkende Indexwerte sind positiv zu beurteilen. " Deutsche Gesellschaft für Prävention u~dlntervention ~ bei Kindesmisshandlung und -vemachlassigung

16 Den Drehtüreffekt in der Jugendhilfe stoppen: Die Otmar-Alt-Gruppe für sexuell übergriffige Jungen I 5' I _ _.-~.. 72,0 _ ,3 ~,_._ _.~~ + ~ 40. " c :;:; 'N ;;: IV o, 20 l Aufnahme 54,5 Abschluss 39,0 ~ OAG MP Abb. 13: Gruppenvergleich der Defizitentwicklung - - SAJ Die spezifische Analyse der sozial-emotionalen Entwicklung der Jugendlichen im Rahmen der StalI arbeit mit den Tieren des Raphaelshauses ergibt überwiegend positive Resultate 3 (s. Abbildung 14): Die durchschnittliche Kontaktaufnahmefähigkeit der Jugendlichen zu den Tieren ist am Ende des Untersuchungszeitraums statistisch signifikant höher als zu Beginn (F =1 df = 13,350, P =.004) und auch der Beziehungsaufbau zu den Tieren und das Eingehen auf die Bedürfnisse der Tiere gelingen tendenziell besser (F df =1 = 3,162, P =.109 bzw. F =1 df = 2,042, P =,067), 6 5 4,7 4,9,;4,9 5,0 4,3 + 4 t QI ;: 1i :t: 'E 3 c ] QI Vl 2,6 3,6 2 Beginn Ende Kontakt Beziehung Eingehen auf Körperkontakt aufnahme zu einem Bedürfnisse zum Tier zum Tier Tier des Tieres Abb. 14: Entwicklung der Jugendlichen im Rahmen der Arbeit mit den Tieren 3 Die Beurteilung in den einzelnen Untersuchungsbereichen enolgte mit Hilfe einer 6-stungen Ratingskala mit einem Skalenbereich zwischen,,1 =sehr schlecht" und,,6 =sehr gut", Gemeinsam stark für den Kinderschutzl

17 58 I Interdisziplinäre Fachzeitschrift I Jahrgang 13 I Heft 2 I 2010 Darüber hinaus ist auf Basis der im Rahmen der tierpädagogischen Arbeit erhobenen Daten erkennbar, dass die Arbeit mit den Tieren nicht nur mittel- oder langfristige Auswirkungen auf die sozial-emotionale Entwicklung der Jugendlichen hat, sondern dass sich auch kurzfristig Einflüsse auf die emotionale Verfassung der Jugendlichen ergeben. Die hierzu von den Jugendlichen selbst mit Hilfe eines "Stimmungsbarometers" abgegebenen Einschätzungen fallen im Schnitt am Ende der durchgeführten Einheiten signifikant besser aus als zu Beginn (F =1 df =35,727, P =.000). Die Arbeit mit den Tieren führt demnach offensichtlich unmittelbar zu einer positiven Beeinflussung des emotionalen Befindens der Jugendlichen. Sexuelle Auffälligkeiten Die Jugendlichen der Otmar-Alt-Gruppe haben ihren ersten sexuellen Übergriff durchschnittlich im Alter von 11 Jahren begangen. Zwischen diesem Übergriff und der Aufnahme in der Gruppe lag ein Zeitraum von bis zu 3 Jahren (0 = 1,5 Jahre), in denen die Problematik entweder (zunächst) gar nicht bzw. nicht ausreichend erkannt wurde oder aber nicht erfolgreich bearbeitet werden konnte. Bei knapp der Hälfte aller Jugendlichen (42,9 %) wurden im Rahmen der therapeutischen Arbeit im Verlauf der Hilfe nachträglich noch sexuelle Übergriffe aufgedeckt, die bei Aufnahme in die Gruppe nicht bekannt gewesen waren (s. Abb. 15). Erneute sexuelle Übergriffe im Hilfeverlauf konnten dagegen vollständig verhindert werden, obwohl bei 50 % aller Jugendlichen weiterhin sexuelle Auffälligkeiten, wie z. B. ein deutlich sexuell ausgeprägtes Vokabular oder der häufige Gebrauch sexueller Gesten, sowie bei mehr als einem Viertel aller Jugendlichen abnorme sexuelle Phantasien (z. B. über sexuellen Missbrauch oder sexuell geprägte Gewaltakte) festgestellt wurden. sex. Übergriffe im Dok.zeitraum sex. Auffälligkeiten im Dok.zeitraum abnorme sex. Phantasien im Dok.zeitraum sex. Übergriffe vor Aufnahme nachträglich aufgedeckt sex. Auffälligkeiten vor Aufnahme nachträglich aufgedeckt abnorme sex. Phantasien vor Aufnahme nachträglich aufgedeckt Nein Abb. 15: Sexuelle Auffälligkeiten der Jugendlichen im Hilfeverlauf " Deutsche Gesellschaft für Prävention undintervention ~ bei Kindesmisshandiung und -vernachlässigung

18 Den OrehlOreffekt in der Jugendhilfe stoppen: Die Otmar-Alt-Gruppe für sexuell Obergrifflge Jungen I 59 Die Rückfallwahrscheinlichkeit bei Abschluss der Hilfe in der Otmar-Alt-Gruppe wird von den Fachkräften insgesamt als gering eingeschätzt und ist damit statistisch signifikant niedriger als in der Vergleichsgruppe sexuell auffälliger Jugendlicher (SAJ) (F df =1 = 21,911, P =.000). Viele der Jugendlichen werden im Anschluss noch in einer anderen stationären Gruppe des Raphaelshauses weiter betreut, sodass der Kontakt zu den Gruppenpädagogen der Otmar-Alt-Gruppe noch über einen längeren Zeitraum aufrechterhalten bleibt. Dies bietet sowohl den Jugendlichen als auch den Pädagogen die Möglichkeit. eventuell auftretende Schwierigkeiten zeitnah zu erkennen, zu thematisieren und innerhalb eines vertrauten Settings zu bearbeiten. Dieser schrittweise Übergang aus der intensivpädagogischen Hilfeform über niedrigschwelligere Hilfen zurück in einen "normalen" Lebensalltag hat sich innerhalb des Raphaelshauses bislang bewährt. Inwiefern sich die positiven Prognosen hinsichtlich der Gefahr erneuter sexueller Übergriffe durch die Jugendlichen allerdings langfristig tatsächlich bestätigen, konnte im Rahmen des dreijährigen Evaluationsprojekts nicht hinreichend untersucht werden. Belastbare Aussagen hierzu sind nur über eine langjährige katamnestische Untersuchung über die weitere Entwicklung der Jugendlichen zu gewinnen. Nachhaltigkeit der Projektergebnisse Die Ergebnisse aus Zwischen- und Endauswertung wurden im Raphaelshaus vorgestellt und im Hinblick auf daraus ableitbare Implikationen für die pädagogisch-therapeutische Gruppenarbeit ausführlich diskutiert. Dadurch konnten die Projektergebnisse bereits während des Projektverlaufs unmittelbar für die alltägliche Arbeit mit den Jugendlichen der Otmar-Alt-Gruppe genutzt werden. Nach Abschluss des Projektes werden Teile des Erhebungsinstrumentariums in der Gruppe weiter eingesetzt (z. B. EVAS-Bögen, Reflexionsbewertungsbögen, Dokumentationsbögen für die tierpädagogische Arbeit), sodass eine weitere kontinuierliche Dokumentation und Evaluation gewährleistet werden kann. Darüber hinaus werden alle Jugendlichen, die die Otmar-Alt-Gruppe verlassen und in einer anderen Gruppe des Raphaelshauses weiter betreut werden, mit Hilfe des Qualitätsentwicklungsverfahrens EVAS weiter dokumentiert, wodurch die Möglichkeit einer langfristigen katamnestischen Untersuchung der Entwicklung dieser Jugendlichen nach Abschluss der intensivpädagogischen Hilfeform besteht. Fazit Aus den Ergebnissen der Evaluation lassen sich folgende Kernaussagen generieren: -+ Die Jugendlichen haben bei Aufnahme in die Otmar-Alt-Gruppe i. d. R. bereits einschlägige Vorerfahrungen mit verschiedenen Jugendhilfeeinrichtungen bzw. -maßnahmen gesammelt, ohne dass dadurch die bestehende Problematik ausreichend gelöst werden konnte. Die Otmar-Alt-Gruppe stellt insofern ein spezifisches "Auffangnetz" einer bis dahin gescheiterten Kinder- und Jugendhilfe dar. -+ Die Klientel der Otmar-Alt-Gruppe zeigt ein sehr komplexes Bild unterschiedlicher Auffälligkeiten und Störungen bei gleichzeitig gering ausgeprägten Ressourcen und Schutzfaktoren. -+ Der Aufbau einer gemeinsamen Grundlage für die Zusammenarbeit (und das Zusammenleben) von Jugendlichen und Pädagogen in der Otmar-Alt-Gruppe verläuft weitestgehend erfolgreich. sodass die Kooperation im.hilfeverlauf im Vergleich zu anderen Jugendf hilfemaßnahmen insgesamt sehr viel besser gelingt. -+ Sowohl im Bereich von Ressourcen bzw. Fähigkeiten der Jugendlichen als auch bei Defiziten und Problemlagen ergeben sich weitgehend positive Entwicklungen, die zum Teil erheblich über denen anderer Jugendhilfemaßnahmen mit vergleichbarer Klientel liegen. -+ Im Rahmen der Arbeit mit den Tieren des Raphaelshauses zeigen sich bei den Jugendlichen ebenfalls deutliche positive Entwicklungen im sozial-emotionalen Bereich. Auf der Grundlage der vorliegenden Ergebnisse kann die "Otmar-Alt-Gruppe" als geeignetes pädagogisches Modell für die Kinder- und Jugendhilfe gelten. Die in der Begleitforschung dargestellten Ergebnisse kennzeichnen einen Erfolg, der die lange Vorbereitungsarbeit und den hohen Gemeinsam stark tor den Kinderschutzl

19 60 I Interdisziplinäre Fachzeitschrift I Jahrgang 13 I Heft 2 I 2010 Aufwand rechtfertigt. Dabei soll nicht verheimlicht werden, dass es auch einer langen Vorbereitungs- und Aufklärungsarbeit in der Einrichtung bedurfte, um das Gesamtsystem Raphaelshaus auf diese Zielgruppe vorzubereiten. Diese war mit mehr Tabus und kritischer Abwehr versehen als zuvor der Start der Kurt-Hahn-Gruppe mit der durch Kriminalität gekennzeichneten Zielgruppe. Dabei kann erinnert werden, dass die Zielgruppe der Otmar-Alt-Gruppe auch immer schon vorher in der Jugendhilfe existierte. Es handelte sich oft um die Jungen in verschiedenen Gruppen der Jugendhilfe, die unauffälliger, angepasster und sozial intelligenter ihren "pädagogischen Weg" gingen. Wenn sie dann durch ihre sexuelle Übergr;ffigkeit auffielen, wurden sie oft in einem Abwehrmechanismus der Organisation, der Pädagogen, der Sorgeberechtigten der anderen Gruppenmitglieder und ggf. des Jugendamtes schnell aus dieser Gruppe herausgenommen. Es kam der verhängnisvolle "Drehtüreffekt" in Gang, der diese Jungen von Einrichtung zu Einrichtung, von Hilfe zu Hilfe weiterreichte. Nicht selten wurde dabei die Auffälligkeit der sexuellen Übergriffigkeit in der Berichterstattung verharmlost, beschönigt oder gar verheimlicht, um überhaupt noch eine Chance zu haben, eine alternative Jugendhilfemaßnahme zu finden. Die Tatsache, dass während des Aufenthaltes in der Otmar-Alt-Gruppe oftmals weitaus mehr zu Tage tritt als anfänglich dokumentiert wurde, ist ein weiterer Hinweis für das Gefährdungspotenzial der Zielgruppe und ihrer Umgebung. Der Mix aus Konsequenz, Wertschätzung und Perspektive, welcher sich in der ersten Kick-off Gruppe erfolgreich bewährte, rechtfertigt heute den Mut, auf diese neue Zielgruppe zuzugehen. Die zielgruppenspezifische Modifikation des Konzeptes ist gelungen. Unverzichtbar sind die pädagogischen Verdich tungen durch die obligatorischen Outdoor-Maß nahmen und die enge Verzahnung des pädago gischen Alltags mit der Tierpädagogik. Ebenso unverzichtbar sind die pädagogisch-therapeutischen Selbsterfahrungsanteile, die an keiner Stelle aber als Entschuldigungsplattform für Tatverhalten hingenommen werden. In der Otmar-Alt-Gruppe findet eine Verzahnung von authentischen moralischen Grundhaltungen und einer zielgerichteten Konfrontation mit dem individuellen Tatverhalten statt. Hilfsweise wird auch beispielhaftes Täter verhalten aus der Geschichte (Gedenkstättenpäd agogik, "Stolpersteine"...) zu empathieorientierter Auseinandersetzung mit Opfern genutzt. Mit dem konzeptionell festgelegten bürgerschaft lichen Engagement, das sich in sozialen Hilfsakti onen äußert, gelingt der Paradigmenwechsel der stigmatisierten" Parias" zu positiv in Erscheinung tretenden Vertretern der jungen Generation in den Augen der Öffentlichkeit. Ein wertvolles Geschenk ist die Solidarität mit prominenten "Paten", welche mit der Präsenz ihres Namens, ihrer Person und ihrer inneren Verbundenheit mit den Jugendlichen der Ot mar-alt-gruppe eine gesellschaftliche Solidari tät zeigen, die das pädagogische Thema aus der "Schmuddelecke" hervorholt. Der letzte Satz dieses Fazits soll aber auch das tief empfundene" Dankeschön" beinhalten, welches den Fachkräften der Gruppe gebührt, die mit gro ßem Enthusiasmus einen schwierigen Weg gegan gen sind und sich in einem hohen Grad mit ihrer Arbeit und den Zielsetzungen identifizieren. Wer das Raphaelshaus kennt, weiß, dass neben der Hauptzielgruppe dieser Danksagung, näm lich den Pädagoginnen und Pädagogen, auch die "vierbeinigen Mitarbeiter" bedacht sind, die treu, brav und vorurteilslos Tag für Tag ihren Dienst verrichten. An letzter Stelle aber gebührt ein "Danke" unse rem Schutzpatron, dem Erzengel Raphael, dessen Name uns immer wieder vor Augen hält, dass menschliches Tun lückenhaft bleiben wird und es den Trost des Namens "Raphaei" gibt. dessen he bräischer Ursprung auf Deutsch übersetzt "Gott hilft" heißt. " Deutsche Gesellschaft für Prävention und Intervention WJ hpj KindesmisshandlunR und -vernachlässigung

20 Den Drehtüreffekt in der Jugendhilfe stoppen: Die Otmar-Alt-Gruppe für sexuell übergriffige Jungen I 61 Literatur Ainsworth, M., Blehar, M. c., Walters, E. & Walls, S. (1978). Patterns of attachment. A psychological study of strange Situation. Hillsdale, NJ:Erlbaum. Bortz, J. (1999). Statistik für Sozialwissenschaftler. 5. Aufl. Berlin: Springer. Bortz, J. (2006). Forschungsmethoden und Evaluation. 4. Auf/. Berlin: Springer. Bowlby, J. (1980). Attachment and loss (Vol.3). New York: Basic Books. Bullens, R. & van Wijk, A. (2002). Hintergrund und Charakteristiken von jugendlichen Sexualstraftätern. In Schmelzle, M. & Knölker, U. (Hrsg.), Therapie unter Zwang? Gruppenbehandlung jugendlicher sexueller Misshandler. Beziehungsarbeit in einem juristischen Rahmen. Lengerich: Pabst Science Publishers. Gruber, T. (1999). Wehret den Anfängen: Ein integratives Konzept zur stationären Behandlung jugendlicher Sexualstraftäter. In Deegener, G. (Hrsg.), Sexuelle und körperliche Gewalt. Therapie jugendlicher und erwachsener Täter. Weinheim: Psychologie Verlags Union. Gruber, T. (2002). Das Viersener Modell zur Therapie mit jugendlichen Sexualstraftätern. In Schmelzle, M., Knölker, U. (Hrsg.), Therapie unter Zwang? Gruppenbehandlung jugendlicher sexueller Misshandler. Beziehungsarbeit in einem juristischen Rahmen. Lengerich: Pabst Science Publishers. IKJ (2003). EVAS Hightlightbericht 2/2002. Mainz: Institut für Kinderund Jugendhilfe. IKJ (2009). EVAS Gesamtbericht Mainz: Institut für Kinder- und Jugendhilfe. Klein, J., Erlacher, M. & Macsenaere, M. (2003). Die Kinderdorf-Effekte Studie. Mainz: Institut für Kinderund Jugendhilfe. Lukeseh, H. (2005). FEPAA - Fragebogen zur Erfassung von Empathieprosozialität, Aggressionsbereitschaft und aggressivem Verhalten. 1. Auflage. Göttingen: Hogrefe. Machlitt, K. (2004). Perspektiven der Behandlung sexuell grenzverletzender Jugendlicher - Überlegungen zu einem integrativen Behandlungskonzept. IKK-Nachrichten, 1-2, Macsenaere, M. & Knab, E. (2004). Evaluationsstudie erzieherischer Hilfen (EVAS) - Eine Einführung. Freiburg: Lambertus. O'Brien, J. O. & Bera, W. (1986). Adolescent sexual offenders: A Descriptive Typology. A Newsletter of the National Family Life Education Network, 1, 1-5. Remschmidt, H., Schmidt, M. & Poustka, F. (2006). Multiaxiales Klassifikationsschema für psychische Störungen des Kindes- und Jugendalters nach ICD-10 der WHO. 5. Auflage. Bern: Huber. Schmidt, M. H., Schneider, K., Hohm, E., Pickartz, A., Macsenaere, M., Petermann, F., Flosdorf, P., Hölz, H. & Knab, E. (2003) (Schriftenreihe des BMFSFJ Band 219). Effekte erzieherischer Hilfen und ihre Hintergründe. Stuttgart: Kohlhammer. Scholten, H. & Scholten, M. Th. (2008). Tierpädagogik im Jugendhilfezentrum Raphaelshaus ( ff.) In E. Knab & R. Fehrenbacher (Hrsg.), Die vernachlässigten Hoffnungsträger. Beiträge zur Kinder- und Jugendhilfe. Freiburg: Lambertus. Stoppel, M. (2007). Pädagogik und Zwang. Minderjährigenrechte & Freiheitsschutz. r Herausgeber Landschaftsverband Rheinland, Dezernat Schulen, Jugend/Landesjugendamt, Abteilung Erzieherische Hilfen. fachthemen/heime/5teauflageposit ionspapier pdf [ J.... Unnewehr, 5., Schneider,S. & Margraf, J. (Hrsg.) (1998). Kinder-DIPS - Diagnostisches Interview bei psychischen Störungen im Kindes- und Jugendalter. 2. Auflage. Berlin: Springer_ Volk, P. (1991). Opfer, Tat und Täter bei der Vergewaltigung. In W. Rotthaus (Hrsg.), Sexuell delinquentes Verhalten Jugendlicher ( ). Dortmund: Verlag modernes Lernen. Wolff-Dietz, I. (2007). Jugendliche Sexualstraftäter. Lengerich: Pabst Science Publishers. Gemeinsam stark für den Kinderschutz!

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