Im Gedenken an alt Ständerätin Helen Leumann

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1 Im Gedenken an alt Ständerätin Helen Leumann So wie uns Helen von diesem Bild entgegen lacht, so haben wir sie gekannt. So ist sie uns begegnet und so haben wir sie geschätzt. Lebensfreude und Optimismus sind ihr ins Gesicht geschrieben. Wo sie aufgetreten ist, hat sie diese Stimmung auf die Menschen übertragen. Mit dieser positiven Haltung hat sich Helen für unseren Kanton, für alle Luzernerinnen und Luzerner eingesetzt. Helen war die Tochter eines Krawattenfabrikanten aus dem Kanton Zürich. Sie verfügte über eine solide kaufmännische Ausbildung und sie war dank mehreren Auslandaufenthalten sehr sprachgewandt. Ihre Herkunft und der langjährige Einsatz im elterlichen KMU-Betrieb haben sie geprägt. Helen wollte etwas bewegen und ihre Erfahrungen einbringen. Sie war eine Frau der Tat. Ihre politische Laufbahn hat sie in der Schulpflege Sempach gestartet. So konnte sie die Schule ihrer Tochter Karin und der beiden Söhne Stefan und Adrian mitprägen. Das Interesse und ihr Engagement für Bildungsfragen haben sich später wie ein roter Faden durch ihr politisches Leben gezogen. Die zweite Station ihrer politischen Laufbahn war der Grosse Rat. Sie hat 1983 kandidiert und die Wahl auf Anhieb geschafft. Sie war 12 Jahre lang ein aktives Mitglied des Kantonsparlamentes. Seite 1

2 Helen hat sich vom Moment an, wo sie in die kantonale Politik eingetreten ist, auch für die Parteiarbeit zur Verfügung gestellt. Sie fehlte kaum an einer Geschäftsleitungssitzung und sie stand der Partei von als Vizepräsidentin zur Verfügung. Es war ihr Markenzeichen, dass sie immer auf Ausgleich bedacht war. Wenn die Wogen einmal hoch gegangen sind, hat sie die Ruhe bewahrt und mitgeholfen, die Situation zu beruhigen. Sie hat die Parteiarbeit wie selbstverständlich geleistet. Und während all der Jahre hat sie unsere Partei immer auch finanziell grosszügig unterstützt. Als erste liberale Luzernerin wurde Helen Leumann 1995 in den Ständerat gewählt. Ihre Gefühle hat sie nach der Wahl so beschrieben: "Es ist fast wie beim Heiraten, hin und hergerissen zwischen Freude und Stolz, Respekt und Bedenken." Ihrem Charakter entsprechend hat sie auch im Ständerat lösungsorientiert politisiert. Es ging ihr immer um die Sache. Sie stand klar zu den liberalen Grundsätzen. Aber sie hat die Geschäfte nie nur mit der Brille der eigenen Partei gesehen und beurteilt. Das haben die Wählerinnen und Wähler über alle Parteigrenzen hinweg gespürt. So wurde sie 2007 im ersten Wahlgang mit einem ausgezeichneten Resultat wieder gewählt. Über diese grosse Anerkennung hat sie sich herzhaft gefreut. Helen Leumann war keine politische Grabenkämpferin. Sie hat mir einmal gesagt: "Georges, für die Arena bin ich nicht geeignet". Die zunehmende Verhärtung in der politischen Auseinandersetzung hat sie mit Besorgnis verfolgt. Was sie dazu geschrieben hat, tönt wie ein politisches Vermächtnis: "Bei allem, was wir tun ist mir wichtig, dass wir das Vertrauen des Volkes nicht verlieren. Ohne Vertrauen läuft die Politik Gefahr, unkontrollierbar aus dem Ruder zu Seite 2

3 laufen. Mit Sorge beobachte ich, dass einzelne Gruppierungen so tun, als ob sie allein das Volk vertreten würden. Wer aber so denkt ist verblendet." Ihr politischer Einsatz im Ständerat war sehr breit gefächert. Im Verlaufe der 16jährigen Tätigkeit war sie Präsidentin der Geschäftsprüfungskommission und der Geschäftsprüfungsdelegation. In diesen beiden Gremien geht es darum, die Oberaufsicht des Parlaments über Bundesrat und Verwaltung wahrzunehmen. Hier war es ihr wichtig, genau hinzuschauen, Mängel festzustellen und entsprechende Korrekturen zu fordern und diese durchzusetzen. Diese Aufgabe entsprach ihrem Naturell und sie hat sie mit grossem Erfolg erfüllt. Helen war auch Mitglied der Kommission für Wirtschaft und Abgaben, der Kommission für Wissenschaft, Bildung und Kultur, der Sicherheitspolitischen Kommission und auch der Kommission für Umwelt, Raumplanung und Energie. Sie hat ihre Kenntnisse und Erfahrungen, die sie im elterlichen und später im familieneigenen Betrieb Collano gesammelt hat, im Interesse der Wirtschaft und insbesondere der KMU-Unternehmungen erfolgreich in ihre Ratstätigkeit eingebracht. Eine gesunde Wirtschaft als Basis für Wohlstand und politische Stabilität war ihr ein Herzensanliegen. Als Ausschussmitglied beim Schweizerischen Arbeitgeberverband hat sie sich immer auch für die Sicherung der Sozialwerke eingesetzt. Als Präsidentin des Verwaltungsrates der Centralschweizerischen Kraftwerke und als Präsidentin des Energieforums Schweiz hat sie sich auch für Energiefragen interessiert. Es ging Helen Leumann nie darum, politische Erfolge für sich allein in Anspruch zu nehmen. Sie liebte die Teamarbeit. Ihren Beitrag zum Erfolg hat sie nicht an die grosse Glocke gehängt. Aber bei der Schaffung der Universität Luzern hat Seite 3

4 sie unbestritten eine wichtige Rolle gespielt. Helen gründete 1997 den Verein Freunde der Universität Luzern und war während 10 Jahren deren Präsidentin. Mit ihren vielfältigen Kontakten in Politik und Wirtschaft und mit ihrem grossen Einsatz bei den Volksabstimmungen, hat sie wesentlich dazu beigetragen, dass die Universität Luzern gegründet und aufgebaut werden konnte. Als Anerkennung ihrer grossen Verdienste wurde ihr der Titel als Ehrensenatorin verliehen. Darauf war sie berechtigt stolz. Der Name Helen Leumann bleibt auf immer mit der Universität Luzern verbunden. Eine sichtbare Erinnerung ist der von ihr gestiftete Trinkbrunnen in der Mensa des Universitätsgebäudes. Helen Leumann war eine starke und gleichzeitig eine feinfühlige Persönlichkeit, die den Bezug zur Basis nie verloren hat. Wo sie aufgetreten ist, hat sie Freude, Begeisterung und Optimismus verbreitet. Sie hat die Anliegen und Sorgen ernst genommen und sie hat alles unternommen, um in schwierigen Situationen zu helfen - sowohl im Familienunternehmen Collano als auch in ihrem öffentlichen und privaten Wirken. Zusätzlich zur Politik hat Helen Leumann sich in verschiedenen sozialen und kulturellen Organisationen engagiert und diese auch finanziell grosszügig unterstützt. Die Reihe ist lang. Ich zähle nur einige auf, um die Breite ihres Wirkens zu zeigen: Pro Senectute Schweiz, Pestalozzi-Stiftung, Agrovision Burgrain, Verkehrshaus der Schweiz, Lucerne Festival, Luzerner Sinfonie Orchester und KKL. Besondere Erwähnung verdient auch ihr Einsatz als Verwaltungsrätin des Paraplegikerzentrums Nottwil. Es war ihr wichtig im direkten Kontakt zu behinderten Menschen zu stehen. Sie sagte einmal: "Hier geht es um Menschen und Schicksale und es ist mehr Einfühlungsvermögen gefordert als bei einer politischen Debatte." Seite 4

5 Vor vier Jahren wurde Helen selber vom Schicksal hart getroffen. Sie hat die heimtückische Krankheit, mit der sie damals konfrontiert worden ist, angenommen. Aber es hat sie sehr beschäftigt, dass sie nach und nach ihre Selbstbestimmung verloren hat und auf fremde Hilfe angewiesen war. Nun hat Helen diese Welt verlassen. Sie ist am Silvestertag im Kreise ihrer Familie friedlich eingeschlafen. Sie ist sich bis zuletzt treu geblieben. Es war ihr Wunsch, ohne Aufsehen und ohne Trauerfeier von uns zu gehen. Wir sind traurig, aber stärker als die Trauer ist das Gefühl einer grossen Dankbarkeit. Helen, du hast uns deine Kraft, deinen Optimismus und deine Zeit geschenkt. Deine Begeisterungsfähigkeit, deine Grossherzigkeit und auch deine Grosszügigkeit bleiben lebendig in unserer Erinnerung. Wir verneigen uns vor deiner Leistung für die Schweiz, für unseren Kanton Luzern, für unsere Partei und für all die Organisationen, in denen du mitgewirkt hast. Wir danken dir, deinem Ehemann Gerry und deinen Kindern, die deinen Einsatz ermöglicht haben, von ganzem Herzen für alles. Liebe Helen, ruhe im Frieden. Georges Theiler, Ständerat, Luzern Luzern, 27. Januar 2015 Seite 5

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