3.1 Dauerhafter Hochdruck versus temporärer. 3.1 Dauerhafter Hochdruck versus temporärer Hochdruck

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1 3.1 Dauerhafter Hochdruck versus temporärer Dauerhafter Hochdruck versus temporärer Hochdruck A Grundsätzlich muss zwischen den dauerhaften und den temporären Blutdrucksteigerungen unterschieden werden (Tab. 3.1)! Hinweis: Die Messung eines erhöhten Blutdrucks in der Praxis oder Klinik bedeutet noch keinen zuverlässigen Nachweis dafür, dass tatsächlich eine manifeste Hypertonie vorliegt. Die so genannte Praxishypertonie betrifft immerhin ca. 25% der vermeintlichen Hypertoniker. Aber auch ein als normal klassifizierter Blutdruck in der Praxis garantiert nicht, dass keine typischen hypertensiven Organschäden vorliegen, die durch eine Hypertonie außerhalb der Praxis verursacht sind (= Praxisnormotonie). Letzte Sicherheit bringt in unklaren Situationen nur die ambulante Blutdruck-Langzeitmessung (ABDM) unter Alltagsbedingungen, die zu einer neuen Charakterisierung und zur sicheren Klassifikation verschiedener Blutdrucktypen geführt hat.! Merke: Die ABDM ist heute der Goldstandard zur Erfassung einer Hypertonie. Zu Details hierzu s. S. 49. A Bei Kombination der ABDM mit der Gelegenheitsblutdruckmessung (GBDM, S. 44) in der Praxis bzw. Klinik in einer zufälligen Stichprobe, ergeben sich prinzipiell 4 verschiedene Möglichkeiten (Abb. 3.1): Wird in der GBDM ein normaler Blutdruck (< 140/90 mmhg) gemessen und liegen die Werte für die ABDM im Normbereich (Tagesmittelwert < 135/85 mmhg), liegt mit Sicherheit keine Hypertonie vor (= Normotonie). Sind die Blutdruckwerte in beiden Messverfahren erhöht (GBDM > 140/90 mmhg, ABDM > 135/85 mmhg), liegt eine manifeste Hypertonie (S. 10) vor. Sind die Blutdruckwerte bei der GBDM in der Praxis bzw. Klinik erhöht (> 140/90 mmhg), aber in der ABDM normal (Tagesmittel- Tabelle 3.1 Dauerhafte versus temporäre Hypertonietypen dauerhafte Hypertonie temporäre Hypertonie manifeste Hypertonie (S. 10) Praxishypertonie (S. 19) Isolierte systolische Hypertonie (ISH, Praxisnormotonie (S. 23) S. 11) Belastungshypertonie (S. 27, 60) Isolierte diastolische Hypertonie (IDH, weitere (S. 29) S. 16)

2 10 erhöht (>140/90mmHg) Praxishypertonie Manifeste Hypertonie GBDM normal (<140/90mmHg) Normotonie Praxisnormotonie normal ABDM (<135/85mmHg) erhöht (>135/85mmHg) Abb. 3.1 Blutdrucktypen nach Gelegenheits- und Langzeitblutdruckmessung wert < 135/85 mmhg), handelt es sich um eine Praxishypertonie (S. 19). Sind die Blutdruckwerte bei der GBDM in der Praxis bzw. Klinik normal (< 140/90 mmhg), aber in der ABDM erhöht (Tagesmittelwert > 135/85 mmhg), spricht man von einer Praxisnormotonie (S. 23). Manifeste Hypertonie A Definition: Als manifeste Hypertonie wird ein Blutdruck mit Werten von > 140 mmhg systolisch und/oder > 90 mmhg diastolisch bezeichnet. Abhängig von der Höhe des Blutdrucks erfolgt eine Einteilung in verschiedene Schweregrade (S. 5).! Hinweis: Die isolierte systolische Hypertonie (ISH) ist ein eigenständiger Hochdrucktyp und wird daher gesondert besprochen (S. 11). A Diagnostik: Eine manifeste Hypertonie liegt wahrscheinlich vor, wenn in der Klinik oder Praxis wiederholt (mindestens zweimal) zu verschiedenen Zeitpunkten eindeutig erhöhte Blutdruckwerte (s. o.) in der GBDM (S. 44) gemessen wurden. Sind zusätzlich die vom Patienten selbst gemessenen Werte erhöht (Normwerte für die Selbstmessung: < 135/85 mmhg), steigt die

3 3.1 Dauerhafter Hochdruck versus temporärer 11 Wahrscheinlichkeit einer manifesten Hypertonie. Dies gilt v. a. dann, wenn bereits typische hypertensive Organschäden (S. 32) vorliegen und/oder der Blutdruck unter Belastung erhöht ist.! Hinweis: Die Gelegenheitsblutdruckmessung (GBDM, S. 44) ist häufig nicht repräsentativ für das Blutdruckverhalten unter Alltagsbedingungen und führt daher häufig zu einer Über- oder Unterschätzung des wahren Blutdruckniveaus. Letzte Sicherheit bringt nur die ABDM (S. 49). Mit ihr kann innerhalb eines Tages eindeutig geklärt werden, ob eine manifeste Hypertonie vorliegt. A Folgeerkrankungen und Komplikationen der manifesten Hypertonie: Siehe Kapitel Komplikationen und Folgeerkrankungen, S Isolierte systolische Hypertonie (ISH) A Definition: Als isolierte systolische Hypertonie (ISH) wird ein Blutdruck von systolisch > 140mmHg und diastolisch < 90mmHg bezeichnet (S. 5). A Die ISH ist die klassische Form der Hypertonie bei älteren Patienten und bei Typ-2-Diabetikern (! Hinweis: Bei älteren Typ-2-Diabetiker (> 55 Jahre) findet man in > 50% eine Hypertonie, die typischerweise überwiegend systolisch ausgeprägt ist). Die ISH entwickelt sich nicht zwangsläufig aus den früheren Hypertonieformen, sondern betrifft ein eigenes Patientenkollektiv ( ältere Patienten) mit einem anderen Pathomechanismus der Hypertonieentstehung. Der systolische Blutdruck kann bis > 180 mmhg ansteigen (= schwere Hypertonie, Grad 3), der diastolische Blutdruck bleibt aber definitionsgemäß immer < 90 mmhg. Typisch für die ISH ist daher der große Pulsdruck (= Blutdruckamplitude = Differenz zwischen systolischem und diastolischem Wert)!! Merke: Die ISH ist eine eigenständige Hypertonieform im höheren Alter, und nicht das späte Stadium einer früheren diastolischen Hypertonie. A Epidemiologie: Der systolische Blutdruck steigt kontinuierlich mit zunehmendem Lebensalter an. Daher ist die Prävalenz des ISH im höheren Lebensalter deutlich höher als in jüngeren Jahren (Abb. 3.4). 65% der Patienten mit ISH sind Frauen.! Merke: Die ISH ist die häufigste Hypertonieform im höheren Lebensalter. In einem Alter von > 65 Jahren findet sich bei jedem zweiten eine ISH! A Diagnostik: Für das Screening reicht die GBDM (S. 44), eine genauere Blutdruckerfassung gelingt mit der ABDM (S. 49).

4 12 A Weitere typische Befunde bei älteren (> 70 Jahre) Patienten mit ISH im Vergleich zu jüngeren Hypertonikern: Signifikant erniedrigte Herzfrequenz am Tag (75/min).! Beachte: Jüngere Patienten haben eine durchschnittliche Herzfrequenz von 82 85/min am Tag. Die nächtliche Blutdrucksenkung ist mit 7% (systolisch) bzw. 12% (diastolisch) signifikant geringer als bei jüngeren Patienten (10 13% systolisch bzw % diastolisch). Die nächtliche Absenkung der Herzfrequenz ist bei den älteren Hypertonikern im Vergleich zu den jüngeren Patienten signifikant vermindert. Erniedrigtes Herzminutenvolumen im Vergleich zu jüngerenpatienten. Der Pulsdruck ist in den Altersgruppen bis 60 Jahre am Tag höher als in der Nacht. Bei den > 70-jährigen Patienten ist der Pulsdruck hingegen in der Nacht höher. A Pathophysiologie: Die systolische Blutdruckerhöhungentstehtüberwiegend als Folge des Alterungsprozesses der Gefäße. Die Entwicklung einer Arteriosklerose führt zu Versteifung und nachlassender Windkesselfunktion der Gefäße. Normalerweise wird die Pulswelle im elastischen Gefäß durch die Windkesselfunktion abgefedert und verlangsamt. Bei mangelnder Windkesselfunktion kommt es zur Beschleunigung der Pulswelle und zu einer Störung der elastischen Reflektion von der Arterienwand mit einer konsekutiven Erhöhung des Pulsdruckes (Abb. 3.2). Dementsprechend stellen sich die Pulsdruckkurven altersabhängig unterschiedlich dar (Abb. 3.3).! Beachte: Es ist im Einzelfall nicht immer abzugrenzen, ob die ISH die Folge des Alterungsprozesses oder die Folge einer seit langem bestehenden Hypertonie mit sekundärem Gefäßschaden ist, da sich arterielle Steifigkeit und arterielle Hypertonie gegenseitig beeinflussen.! Hinweis: Bei lange bestehendem Diabetes (Typ-2) ist die zunehmende Mediasklerose der führende pathophysiologische Faktor, der zu einem überproportionalen Anstieg des systolischen Blutdrucks führt. A Die wichtigsten pathophysiologischen Faktoren, die zu einer ISH führen, sind: Gestörte Endothelfunktion. Verminderte Gefäßcompliance. Renaler Funktionsverlust. Gestörte Barorezeptorenfunktion.

5 3.1 Dauerhafter Hochdruck versus temporärer 13 Abb. 3.2 a: Windkesselfunktion der Aorta, Ausbreitung und Reflektion der Pulswelle b: Verlust der Windkesselfunktion im Alter

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