Stark sein, um wieder stark zu werden Impulse für einen Neubeginn der Freien Demokratischen Partei

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1 Stark sein, um wieder stark zu werden Impulse für einen Neubeginn der Freien Demokratischen Partei von Marcel Hafke (MdL NRW), Kai Abruszat (MdL NRW), Henning Höne (MdL NRW) September 2013

2 1 Stark sein, um wieder stark zu werden Jede Krise ist eine Chance zum Neuanfang. Die Krise der FDP dauert aber schon zu lange lange wurden die Chancen nicht genutzt, nun hat die Krise ihren Höhepunkt erreicht. Sie wird erst beendet werden können, wenn die Stärke der Lösung die Stärke der Krise übersteigt. Anders gesagt: Mit oberflächlichen Korrekturen kommen wir nicht weit genug. Nach dem katastrophalen Start in der vergangenen Legislaturperiode, vielen Fehlern und strategischen Schwächen hatte sich die FDP ein Stück weit konsolidiert. Trotzdem ist die FDP vier Jahre lang nicht aus einem Abwärtsstrudel herausgekommen weder mit der alten, noch mit der damals neuen Führung. Die Krise der FDP wurde eher geschlichtet, denn gelöst. Wir haben an Symptomen gearbeitet, nicht an Ursachen. Stark werden wir so nicht sein. Um wieder stark zu werden, müssen wir erst stark sein. Wir brauchen eine ehrliche Analyse, eine mutige Ausrichtung und die Bereitschaft, endlich anzupacken. Keine geliehene Stärke Die FDP kann nur stark sein, wenn sie aus sich selbst heraus stark ist. Die Liberalen müssen selbstbewusst und eigenständig sein. Durch den erzwungenen Rückzug von der Bühne des Bundestags ist diese Eigenständigkeit, die schon in der Vergangenheit hätte gelebt werden müssen, nun immerhin leichter möglich: Die Frage von Koalitionen und Partnern stellt sich absehbar nicht. Unser Neuanfang drängt dafür umso mehr. Nichtsdestotrotz: Für die nächsten Wahlen, bei denen wir wieder stark werden wollen, müssen wir uns jetzt schon klarwerden, wohin wir gehen und was nicht geht. Funktionsargumente tragen auf Dauer nicht. Natürlich spielen Koalitionsüberlegungen eine Rolle bei der Ausrichtung des Wahlkampfs und bei der Wahlentscheidung der Wählerinnen und Wähler. Aber das steht am Ende der Kette: Erst kommt die Überzeugung, dann kommt das Programm, danach die Wahl und erst zum Schluss eine mögliche Koalition. Wir sind kein Anhängsel einer anderen Partei, und wir dürfen uns auch nicht so verkaufen. Jeder kämpft für sich allein muss wieder wirklich gelebt werden. FDP wählen, damit jemand Kanzler bleibt ist eine beispiellose Selbsterniedrigung. Wer sich klein macht, wird klein bleiben. Die FDP steht für viele großartige inhaltliche Alleinstellungsmerkmale ein/e Kanzler/in einer anderen Partei gehört sicher nicht dazu. Wir haben ein gutes Programm, damit können und müssen wir selbstbewusst auftreten. Tun wir es! Und auch wenn das Trugbild von den Leihstimmen nur medial und für die politische Konkurrenz erfunden wurde wir dürfen den Eindruck nicht noch bestärken. Absprachen mit anderen Parteien zur Aufteilung von Erst- und Zweitstimmen sind mutlos, widersprechen dem liberalen Selbstbewusstsein und bevormunden und täuschen die Wählerinnen und Wähler. Lassen wir das! Stärken wir doch lieber unsere vielen (ehrenamtlichen) Kandidatinnen und Kandidaten vor Ort,

3 2 die sich mit viel Engagement in den Wahlkampf mit den Großen begeben. Damit verdienen wir uns auch Erststimmen, um die wir selbstbewusst werben sollten. Liberales Vollprogramm Die FDP kämpft mit Vorurteilen, die sie selbst zu lange durch falsche Kommunikation bedient hat. Dazu gehört das Bild einer Ein-Themen- und Klientel-Partei. Tatsache ist: Wir haben ein Vollprogramm! Es wird Zeit, damit auch zu werben. Wir sind nicht zuletzt weil die politischen Mitbewerber dort schwach sind Motor in der Wirtschaftspolitik, Korrektiv in der Haushalts- und Steuerpolitik, Schutzwall bei den Bürgerrechten. Aber wir sind auch in anderen Politikfeldern kompetent. Und diese Politikfelder sind ebenfalls relevant. Wir haben ein programmatisches Vollsortiment, das wir als solches auch den Bürgerinnen und Bürgern offensiv anbieten sollten. Wir haben gute Familien-, Bildungs-, Sozialpolitiker, die engagiert in ihren Themenfeldern für gute liberale Ideen stehen. Wir müssen weiter stark sein in unseren Kernthemen. Wenn wir uns aber darauf beschränken und sogar mehr nur auf Einzelaspekte wie einstmals Steuersenkungen dann werden wir tatsächlich zur Klientelpartei. Unser Anspruch muss aber ein anderer sein: Programmatisch sind wir Volkspartei. Positives Sendungsbewusstsein Eine selbstbewusste, eigenständige und programmatisch breit aufgestellte Partei hat auch ein positives Sendungsbewusstsein. In der Kommunikation müssen wir besser werden. Wir müssen die Menschen erreichen und dazu braucht es einen neuen Sprachstil: Weniger elitär und technisch, mehr getragen von liberaler Leidenschaft und einer zugänglicheren Sprache, abseits von populistischen Verkürzungen. Eine intellektuelle Basis, ein philosophischer Unterbau ist gut und wichtig. Er hält eine Partei zusammen, wenn alle sich unter der liberalen Idee, die nichts von ihrer Strahlkraft verloren hat, versammeln können. Genauso richtig sind einfache, prägnante Botschaften. Wir müssen aber vor allem nach dem Mittelweg suchen: Eine zugängliche Sprache, die liberale Botschaften transportiert, ohne sie zu stark zu verkürzen. Unsere Botschaften müssen mutig sein, nicht nur inhaltlich besser als die Konkurrenz, sondern auch besser formuliert, im Zweifel auch gegen einen vermeintlichen Mainstream, aber ohne radikalisierende Übertreibungen. Mit unserem Vollprogramm können wir die ganze liberale Geschichte erzählen oder viele kleinere, die sich zu einem Gesamtbild fügen. Dieses Gesamtbild muss ein liberaler Markenkern sein, den wir wieder stärker herausarbeiten müssen. Unsere Kernkompetenzen, eingebettet in ein thematisches Gesamttableau, müssen verbunden und aufgewertet werden durch einen klaren Kurs und eine neue Glaubwürdigkeit. Wahlen werden nicht (nur) in den kurzen Wochen des Wahlkampfs gewonnen: Vertrauenskapital bildet sich langfristig aus. Wir müssen verstärkt um diese langfristigen Werte kämpfen. Wir dürfen uns nicht auf die verkürzte Sicht nutzenmaximierender Stimmabgaben verlassen. Stattdessen muss das Werben mit einer liberalen Grundhaltung, einem Lebensgefühl, das wir ansprechen,

4 3 unser alltägliches Ziel sein abseits von Wahlterminen. Substanzielle Glaubwürdigkeit ist auch das beste Mittel, um die Scheinwerfer der Öffentlichkeit von der 5- Prozent-Hürden- und Überlebens-Frage hin auf die Inhalte zu lenken. Nicht Wird die FDP es schaffen?, sondern Was wird die FDP schaffen? muss wieder die entscheidende Frage sein. Die FDP im Wiederaufbau Wir befinden uns nicht in den Tagen nach der Niederlage wir befinden uns in Woche eins des Wiederaufbaus. Es mangelt nicht an Überzeugung, Leidenschaft und dem Willen, die Partei neu aufzustellen und zu neuer Stärke zu führen. Wir müssen diesen Willen zum Neuanfang, den wir an der liberalen Basis erleben, stärken und nutzen. Der FDP steht eine schwere Zeit bevor, die wir gemeinsam nur dann überstehen und zu einem guten Ende führen können, wenn wir die wichtigste Ressource pflegen, die wir haben: Unsere Mitglieder, unsere Basis. Gleichzeitig muss aber auch klar sein: Es gibt kein Weiter so nirgends! Wir brauchen auch personell einen umfassenden Neuanfang. Auf einem Sonderparteitag muss ein neuer Bundesvorstand gewählt werden. Wir brauchen ein neues, frisches, mutiges Team. Die Bereitschaft von Christian Lindner, als Bundesvorsitzender zu kandidieren, begrüßen wir sehr. Er ist die richtige Persönlichkeit, um den Neuanfang nach innen zu begleiten und nach außen der FDP auch weiter bundesweit Gehör zu verschaffen. An seine Seite müssen wir weitere Personen stellen, die die Breite der Partei repräsentieren, eine Funktions- und Kommunikationsfähigkeit in der Fläche sicherstellen und die Partei mit innovativen Ideen inspirieren. Gefragt sind Frauen und Männer mit eigenständigem Kopf, Leidenschaft für die Sache und Mut zu neuen Wegen. Wir müssen die in der Vergangenheit mitunter ohne Effekt beschworene zentrale Stellung der Basis mit Leben füllen. Wir können nicht (mehr) zulassen, dass die kommunale Basis Beteiligung und Relevanz nur als Floskel erlebt die Beteiligung muss nun gelebt werden. Wir müssen unsere Mitglieder stärker und effizienter einbinden und ihre Erfahrung, ihr Fachwissen, ihr lokalen Vernetzungen als dringend notwendig anerkennen. Parteitage ohne Rederecht für alle Mitglieder und schlafende Fachausschüsse können wir uns nicht mehr leisten. In der außerparlamentarischen Opposition müssen wir das vorhandene Fachwissen bündeln und institutionell absichern. Die Bundesfachausschüsse und ihre Sprecher sind beispielhaft ein Kompetenzzentrum, das gestärkt werden muss.

5 4 Eine starke FDP stellt ihre Überzeugung und ihr Programm an erste Stelle ist stolz auf ihr liberales Vollprogramm verkürzt sich nicht selbst auf wenige Kernthemen geht eigenständig und selbstbewusst in Wahlen stellt sich nicht als Anhängsel einer anderen Partei dar verzichtet auf Absprachen zur Aufteilung von Erst- und Zweitstimmen wirbt mit guten Kandidaten auch offensiv um Erststimmen bindet die Mitglieder aktiv ein und nutzt deren Fachwissen und Erfahrung hat ein positives Sendungsbewusstsein kämpft gegen den Eindruck einer Ein-Themen- und Klientel-Partei erreicht die Menschen mit einer zugänglichen Sprache wirbt mit neuer Glaubwürdigkeit und einem liberalen Markenkern stellt sich personell breit und vielfältig auf. kann nur aus eigener Kraft, mit Mut und Optimismus stark sein und stark bleiben Für eine starke FDP Marcel Hafke (MdL NRW) Kai Abruszat (MdL NRW) Henning Höne (MdL NRW)

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