Die Auswirkungen einer Flat Tax eine Simulation mit Zürcher Steuerdaten

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1 1...statistik. info...statistik. info...statistik. info...statistik. info...statistik. info...statistik. info...statistik.info... statistik.info 2/2008 Josef Perrez Die Auswirkungen einer Flat Tax eine Simulation mit Zürcher Steuerdaten Zusammenfassung Mit einer Flat Tax kann das Steuersystem stark vereinfacht werden. Einzelne Kantone planen Reformen, die in diese Richtung gehen, oder haben solche bereits eingeführt. Unsere Analyse einer Stichprobe von Steuerdaten ermöglicht es abzuschätzen, wie die Steuerpflichtigen im Kanton Zürich von einem Wechsel zu einer Flat Tax betroffen würden. Dies hängt wesentlich von der Höhe des Einheitssteuersatzes und des Einheitsabzuges einer Flat Tax ab. Eine Flat Tax mit einem hohen Einheitssteuersatz und einem hohen Einheitsabzug entlastet mehrheitlich Steuerpflichtige mit einem tiefen Einkommen. Ein tiefer Einheitssteuersatz kombiniert mit einem tiefen Einheitsabzug begünstigt mehrheitlich die hohen Einkommen. Ob ein Haushalt von einem Systemwechsel profitiert, hängt auch wesentlich von den Abzügen ab, die er heute geltend machen kann. 1. Einleitung Das Steuersystem der Schweiz ist komplex. Davon betroffen sind einerseits die Steuerpflichtigen beim Ausfüllen der Steuererklärung. Andererseits müssen beträchtliche staatliche Ressourcen zur Verarbeitung dieser Information eingesetzt werden. Zudem ist es oft schwierig abzuschätzen, wie sich die verschiedenen Bausteine des Systems gemeinsam auf die Erreichung der fiskal und sozialpolitischen Ziele auswirken. Die Flat Tax ist ein alternatives Steuermodell, das sich durch seine Einfachheit stark vom heutigen System unterscheidet. Die Vereinfachung des Steuersystems ist ein Ziel verschiedener politischer Vorstösse 1. Dabei wird oft die Flat Tax ins Spiel gebracht als Modell, dem sich die Praxis mehr oder weniger stark annähern sollte. Der Zusammenhang zwischen Reformvorschlägen des Steuersystems und dem Wirtschaftswachstum wurde in kürzlich erschienenen Studien untersucht 2. Diese Arbeit analysiert die Verteilungswirkung einer Flat Tax, indem sie deren Einführung im Kanton Zürich simuliert. Ein Vergleich mit dem heutigen System zeigt, welche Einkommensklassen bei einem Systemwechsel stärker und welche weniger stark belastet würden. Diesbezüglich spielt die genaue Ausgestaltung der Flat Tax eine zentrale Rolle. Je nachdem, wie hoch der Einheitssteuersatz einer Flat Tax und wie hoch ein allfälliger Abzug angesetzt sind, profitieren eher die tiefen oder eher die hohen Einkommen. 2. Datengrundlage Unsere Berechnungen basieren auf der Auswertung der Steuerdaten von etwa einem Fünftel der Steuerpflichtigen im Kanton Zürich (ca. 150'000 Steuerpflichtige) aus dem Jahr Es handelt sich dabei um eine Stichprobe, die aufgrund ihrer Grösse und Repräsentativität genaue 1 Siehe z.b. Steuern mehr als ein Wahlkampfthema, Neue Zürcher Zeitung, 8. September Keuschnigg, Christian, 2006, Ein zukunfts und wachstumsorientiertes Steuersystem für die Schweiz, Universität St. Gallen, St. Gallen; Keuschnigg, Christian, Martin Dietz, 2007, A Growth Oriented Dual Income Tax, International Tax and Public Finance, vol. 14(2), pp

2 2 Rückschlüsse auf die gesamte Bevölkerung des Kantons zulässt. Die Daten sind insbesondere wegen ihres hohen Detaillierungsgrades interessant. Sie enthalten neben dem steuerbaren Einkommen der Steuerpflichtigen auch ihr Reineinkommen. Die im Fall einer Flat Tax zu bezahlenden Steuern berechnen sich auf Basis des Reineinkommens. Somit kann die Steuerbelastung durch eine Flat Tax für die einzelnen Steuerpflichtigen bestimmt werden, ebenso wie die Verteilung der Steuerbelastung über die Bevölkerung. Diese Information bildet die Basis für einen Vergleich der Flat Tax mit dem heutigen System. 3. Das steuerbare Einkommen als heutige Berechnungsgrundlage Bei der Berechnung der Einkommenssteuer im heutigen Steuersystem spielt das steuerbare Einkommen, also das um die Abzüge reduzierte Reineinkommen, eine zentrale Rolle. Die zu bezahlenden Steuern entsprechen einem Prozentanteil des steuerbaren Einkommens, wobei dieser Prozentanteil mit zunehmendem Reineinkommen ansteigt (Progression). Dabei spielt auch eine Rolle, welcher Tarif ob der Grund oder der Verheiratetentarif angewendet wird. Ist der Tarif einmal festgelegt, besteht eine direkte Beziehung zwischen dem steuerbaren Einkommen und der Steuerrechnung. Unter dem Begriff Steuerbelastung verstehen wir den Anteil der Steuern am Einkommen. Die Steuerbelastung kann als Funktion des steuerbaren Einkommens dargestellt werden. Die Beziehung zwischen den bezahlten Steuern und dem Reineinkommen ist dagegen viel weniger klar. Dabei ist eigentlich diese Beziehung von grundsätzlichem Interesse, wenn man abschätzen möchte, wie viele Steuern jemand mit einem bestimmten Einkommen zahlt oder wie progressiv eine Steuer ist. Auch für die Berechnung einer Flat Tax ist das Reineinkommen die entscheidende Grösse, denn die Vielfalt an heute möglichen Abzügen würde mit einer Flat Tax wegfallen. Aus diesem Grund untersucht diese Studie den Zusammenhang zwischen der Steuerbelastung und dem Reineinkommen. Dieser Ansatz ermöglicht einen Vergleich des heutigen Steuersystems mit verschiedenen Varianten einer Flat Tax. 4. Starke Variation der Steuerbelastung wegen den Abzügen Die hier verwendete Definition der Steuerbelastung setzt die zu bezahlenden Steuern in Bezug zum Reineinkommen. Die Steuerbelastung ist also der Prozentanteil der bezahlten Steuern am Reineinkommen. Da heute ein Teil der Steuerpflichtigen zum Grundtarif besteuert wird und der andere Teil zum Verheiratetentarif 3, muss unsere Analyse zwischen diesen beiden Fällen differenzieren. Wir illustrieren unsere Aussagen jeweils anhand von zwei Grundtypen von Steuerpflichtigen: von alleinstehenden Personen ohne Kinder und von verheirateten Paaren mit zwei Kindern. Grafik 1 illustriert das heutige Steuersystem basierend auf repräsentativen Daten aus dem Jahr Die beiden Teilgrafiken zeigen den Zusammenhang zwischen dem Reineinkommen und der Steuerbelastung, die linke Teilgrafik für Alleinstehende ohne Kinder, die rechte für Verheiratete mit zwei Kindern. Die prozentuale Steuerbelastung variiert zwischen Null und etwa 12.5% und sie nimmt mit dem Reineinkommen tendenziell zu. Da der heute höchste Steuersatz 13% beträgt, muss die maximale Steuerbelastung etwas darunter liegen, denn das steuerbare Einkommen wird nur ab einer bestimmten Schwelle zum höchsten Steuersatz besteuert. Zudem können alle Steuerpflichtigen Abzüge geltend machen. Die Abzüge bestimmen zu einem wichtigen Teil, wie hoch die Steuerbelastung ausfällt. Grafik 1 zeigt, dass es innerhalb einer Klasse von Steuerpflichtigen mit einem ähnlich hohen Reineinkommen grosse Unterschiede hinsichtlich der Steuerbelastung gibt. Dies führt z.b. dazu, dass einzelne Steuerpflichtige in der drittuntersten Einkommensklasse der Alleinstehenden ohne 3 Alleinstehende mit Kindern werden zum Verheiratetentarif besteuert.

3 3 Kinder (Median des Reineinkommens ca Franken) mehr belastet werden als einzelne Steuerpflichtige in der zweithöchsten Einkommensklasse (Median des Reineinkommens ca Franken). In der höchsten Einkommensklasse wie auch in der untersten gibt es Haushalte mit einer Steuerbelastung von 0%. Diese bezahlen offensichtlich keine Steuern. Die Möglichkeiten, Abzüge vorzunehmen, hangen teilweise mit der Natur der Erwerbstätigkeit (angestellt versus selbständig erwerbend) und den Nebeneinkommen (bspw. aus Immobilien) zusammen. Dies ist ein wichtiger Grund dafür, dass die Streuung der Steuerbelastung bei den hohen Reineinkommen zunimmt. Grafik 1: Steuerbelastung (in Prozent des Reineinkommens) und Reineinkommen Verteilung der Steuerbelastung Alleinstehend, 0 Kinder Einkommensklassen Verteilung der Steuerbelastung Verheiratet, 2 Kinder Einkommensklassen Lesehilfe zur Grafik 1. Die Gesamtheit der Steuerpflichtigen ist in 20 Einkommensklassen aufgeteilt, und zwar so, dass die Reineinkommen von Klasse zu Klasse zunehmen und dass jede Klasse 5% der Haushalte umfasst. Diese Einkommensklassen sogenannte 5%Einkommensquantile sind auf der horizontalen Achse aufgetragen. Entlang der vertikalen Achse ist für jede Einkommensklasse dargestellt, wie sich die Steuerbelastung (bezahlte Steuern als Prozent des Reineinkommens) innerhalb der jeweiligen Klasse verteilt: Der Querstrich im Zentrum markiert den Median, die Box darum herum zeigt, in welchem Bereich die inneren 50% der Verteilung liegen, die gestrichelte vertikale Linie gibt den Bereich an, in dem weitere 45% der Beobachtungen liegen. Je grösser die Box und je länger die gestrichelte Linie also sind, desto grösser ist die Streuung innerhalb einer Einkommensklasse. Einkommensklassen: Klasse 1: bis CHF Reineinkommen im Jahr, Klasse 2: über 6'000 bis 15'000, Klasse 3: bis 23'000, Klasse 4: bis , Klasse 5: bis 37'000, Klasse 6: bis , Klasse 7: bis 48'000, Klasse 8: bis 53'000, Klasse 9: bis 58'000, Klasse 10: bis 63'000, Klasse 11: bis 68'000, Klasse 12: bis 74'000, Klasse 13: bis 81'000, Klasse 14: bis 89'000, Klasse 15: bis 98'000, Klasse 16: bis 109'000, Klasse 17: bis 124'000, Klasse 18: bis 147'000, Klasse 19: bis 192'000, Klasse 20: über 192'000. Die Feststellung, dass die Steuerbelastung innerhalb gegebener Einkommensklassen wegen den Abzügen stark variiert, gilt ebenso sehr für Verheiratete mit zwei Kindern 4, die zum Verheiratetentarif besteuert werden 5. Im Vergleich zu den Alleinstehenden ist ihre 4 Als Haushalte mit Kindern werden hier Steuerpflichtige bezeichnet, die Kinderabzüge geltend machen können. Dies ist im Normalfall möglich, solange die Kinder weniger als achtzehn Jahre alt oder noch in Ausbildung sind. 5 Auch eine Darstellung für die Verheirateten ohne Kinder vermittelt ein ähnliches Bild. In dieser Gruppe sind die höchsten Einkommen zu finden. Zu diesen Haushalten zählen auch verheiratete Eltern, deren Kinder ausgezogen sind.

4 4 Steuerbelastung generell etwas tiefer. Dies hängt mit den unterschiedlichen Tarifen und den Kinderabzügen zusammen. 5. Unterschiedliche Varianten einer Flat Tax entsprechen Die bisherige Analyse bezog sich auf das heutige Steuersystem. Als zweiter Schritt soll nun der Zusammenhang zwischen der Steuerbelastung und dem Reineinkommen der Steuerpflichtigen im alternativen System einer Flat Tax untersucht werden. Dafür sind keine empirischen Daten notwendig. Als Flat Tax bzw. Flat Rate Tax wird ein System bezeichnet, welches das gesamte steuerbare Einkommen unabhängig von seiner Höhe zu einem Einheitssatz besteuert. Ausgehend von diesem Kerngedanken gibt es verschiedene Vorstellungen, wie eine Flat Tax konkret aussehen sollte. Sie werden aber alle von der Überzeugung geleitet, dass ein gutes Steuersystem sehr einfach ausgestaltet ist. Nach diesem Leitgedanken gibt es neben dem Reineinkommen nur ganz wenige Faktoren (Tarife, Steuersätze, Abzugsmöglichkeiten), die die Steuerrechnung bestimmen sollten. Das Grundmodell einer Flat Tax definiert sich durch einen für alle Steuerpflichtigen geltenden Einheitssteuersatz und einen Einheitsabzug. Unsere Simulationen gehen von diesem Grundmodell aus. Zudem werden Individuen und nicht Haushalte besteuert. Dies ist im Zusammenhang mit einem Einheitsabzug sinnvoller als die Besteuerung von Haushalten 6. Das Grundmodell unterscheidet sich teilweise von den Revisionen des Steuersystems, die in einigen Schweizer Kantonen angestrebt werden und sich an der Flat Tax orientieren. So bleibt die Vorlage des Kantons Obwalden beispielsweise bei der Unterscheidung zwischen einem Grund und Verheiratetentarif. Dies mag damit zusammenhängen, dass es der eidgenössischen Praxis entspricht. Auch die Abzugsmöglichkeiten bleiben weitgehend bestehen. Offenbar ist es politisch eher machbar, einen einheitlichen Steuersatz einzuführen, als die Vielfalt der Abzüge zu reduzieren. 6. unterschiedlichen Verteilungen der Steuerlast Grafik 2 stellt die Steuerbelastung für zwei unterschiedliche Varianten einer Flat Tax dar. Beide Varianten generieren den gleichen Steuerertrag von 2.4 Mia. Franken wie das heutige Steuersystem im Jahr Alle in dieser Studie untersuchten Varianten einer Flat Tax generieren diesen Steuerertrag. Uns interessiert, wie sich unterschiedliche Varianten einer Flat Tax auf die Verteilung der Steuerlast unter den Steuerpflichtigen auswirken. Um diesen Zusammenhang zu isolieren, machen wir die Annahme der Budgetneutralität 7. Die untersuchten Varianten einer Flat Tax erfüllen daher die Bedingung, dass der Steuerausfall infolge der Entlastung gewisser Einkommensklassen durch Mehreinnahmen kompensiert wird, indem andere Einkommensklassen stärker belastet werden. Die schwarze Kurve in Grafik 2 zeigt den prozentualen Steueranteil am Reineinkommen bei einer Flat Tax mit einem Steuersatz von 5% und einem Einheitsabzug von Franken. Die braune Kurve zeigt den prozentualen Steueranteil am Reineinkommen bei einem Steuersatz von 11.5% und einem Einheitsabzug von Franken. Auf der horizontalen Achse der Grafik ist das Reineinkommen bis zum Betrag von 200'000 Franken aufgetragen 8. Nur 4.5% der Steuerpflichtigen verdienen mehr. Ihre Steuerbelastung wird in der Grafik nicht dargestellt 9. Obwohl der Steuersatz der Flat Tax konstant ist, nimmt die Steuerbelastung mit steigendem 6 Da es nur einen einzigen Steuersatz gibt, käme es auf das gleiche heraus zu sagen, dass in Haushalten mit zwei Erwachsenen ein doppelt so hoher Abzug vorgenommen werden darf. 7 Die konkrete Ausgestaltung einer Flat Tax kann natürlich auch mit dem Ziel vorgenommen werden, den Staat zu entlasten oder zu belasten. Zudem kann angestrebt werden, verschiedene fiskalpolitische Ziele gleichzeitig zu erreichen. 8 Gleiche Intervalle auf der Achse entsprechen also gleichen Einkommensunterschieden. In den übrigen Grafiken mit den Einkommensquantilen ist dies nicht der Fall. 9 Sie nähert sich desto mehr dem jeweiligen Einheitstarif, je höher das Einkommen ist.

5 5 Reineinkommen ab einem bestimmten Schwellenwert zu. Dies hängt wie im nächsten Abschnitt erläutert wird mit dem Abzug zusammen. Ein Vergleich der beiden Kurven in Grafik 2 illustriert den Einfluss des Abzugs und des Einheitssatzes auf die Steuerbelastung. Der Abzug verschiebt das minimale Reineinkommen, für das überhaupt Steuern bezahlt werden müssen, nach rechts. Steuerpflichtige mit einem Reineinkommen, das unter diesem Schwellenwert liegt, haben eine Steuerbelastung von 0%. Ab diesem Schwellenwert steigt die Steuerbelastung mit dem Reineinkommen an, zuerst stärker, dann weniger stark, und nähert sich bei den sehr hohen Reineinkommen dem Grafik 2: Prozentuale Steuerbelastung bei verschiedenen Varianten einer Flat Tax Schwarze Kurve: Steuersatz 5%, Einheitsabzug 15'000 Franken Braune Kurve: Steuersatz 11.5%, Einheitsabzug 50'000 Franken Einheitssatz an. Bereits mit den beiden Parametern Einheitssatz und Abzug ist es also möglich, eine progressive Wirkung zu erzeugen. Der Vergleich der beiden Grafiken illustriert, dass ein Steuerpflichtiger sehr unterschiedlich belastet wird, je nachdem, wie hoch der Einheitsabzug und der Steuersatz festgelegt werden. Im Grundmodell der Flat Tax ist die Steuerbelastung eine Funktion des Reineinkommens. Da alle Steuerpflichtigen den gleichen konstanten Abzug vornehmen, gibt es keine Streuung der Belastung wie im heutigen System. Dies äussert sich im unterschiedlichen Erscheinungsbild der Grafiken 1 und 2. Im Fall der Flat Tax (Grafik 2) kann die Steuerbelastung mit einer Kurve dargestellt werden.

6 6 7. Vergleich der Flat Tax mit dem heutigen Steuersystem Als dritter Schritt unserer Analyse vergleichen wir nun verschiedene Varianten einer Flat Tax mit dem heutigen Steuersystem. Dabei steht die Frage im Zentrum, wie sich ein Systemwechsel auf die einzelnen Einkommensklassen auswirken würde. Welche Reineinkommen profitieren, welche verlieren? Das hängt von der genauen Ausgestaltung der Flat Tax ab, d.h. von der Höhe des Einheitsabzugs und des Steuersatzes. Wie die folgenden Beispiele zeigen, ist der heute angewendete Steuertarif ein weiterer den Vergleich beeinflussender Faktor. Zum Vorgehen: In der Grafik 1 wurde die Steuerbelastung im heutigen Steuersystem dargestellt; in der Grafik 2 im Fall einer Flat Tax. Alternativ hätten die von den Steuerpflichtigen zu bezahlenden Steuern also Frankenbeträge im heutigen System und im Fall einer Flat Tax dargestellt werden können. Die sich daraus ergebende Differenz entspricht dem Mehr bzw. Minderbetrag an zu bezahlenden Steuern bei einem Wechsel zur Flat Tax. Er ist unterschiedlich hoch, je nach Reineinkommen. Im Folgenden werden die beiden in Grafik 2 dargestellten Varianten einer Flat Tax plus eine dritte mit einem Kinderabzug untersucht. Wie bereits gezeigt wurde, gibt es im heutigen System wegen den Abzügen eine starke Streuung der Steuerbelastung bzw. der bezahlten Steuern innerhalb der einzelnen Einkommensklassen. Somit wird sich ein Wechsel zur Flat Tax für die einzelnen Steuerpflichtigen innerhalb einer Einkommensklasse sehr unterschiedlich auswirken. Steuerpflichtige, die heute von sehr hohen Abzügen profitieren, werden beim Systemwechsel tendenziell verlieren. Solche, die heute nur tiefe Abzüge geltend machen, werden tendenziell gewinnen. Die Höhe der Abzüge spielt neben dem Reineinkommen also eine entscheidende Rolle dafür, wie jemand vom Systemwechsel betroffen wird. Die Veränderung der Steuerrechnung, mit der Steuerpflichtige einer gegebenen Einkommensklasse bei einem Wechsel zur Flat Tax rechnen müssen, weist darum eine starke Streuung auf. In den folgenden Grafiken wird diese so dargestellt, indem für jede Einkommensklasse der Median angegeben wird sowie das zwischen dem 25% und dem 75%Qantil liegende Intervall Eine Flat Tax mit tiefem Einheitssatz und tiefem Einheitsabzug entlastet hohe Einkommen Eine Flat Tax mit einem relativ tiefen Einheitssteuersatz von 5% und einem relativ tiefen Einheitsabzug von 15'000 Franken würde vor allem die hohen Reineinkommen entlasten. Dies ist auf der ersten Zeile der Grafik 3 dargestellt, und zwar für Alleinstehende ohne Kinder (links) sowie für Verheiratete mit zwei Kindern (rechts). Ein positiver Wert bedeutet, dass ein Steuerpflichtiger der entsprechenden Einkommensklasse nach der Einführung der Flat Tax mehr Steuern bezahlen müsste als heute. Wie die Balken im Diagramm veranschaulichen, ist die Streuung des Effekts innerhalb der einzelnen Einkommensklassen stark. Die Position des Medians zeigt aber, ob die Mehrheit profitieren oder verlieren würde. Es zeigt sich, dass zwei Drittel der Alleinstehenden ohne Kinder, die weniger gut verdienen, im Fall der Flat Tax mehrheitlich mehr Steuern bezahlen müssten als heute. Bei der Differenz handelt es sich allerdings um relativ kleine Beträge von durchschnittlich ca. 150 Franken. Der Drittel der Steuerpflichtigen mit den höchsten Reineinkommen würde grösstenteils entlastet, und zwar zunehmend stärker mit steigendem Reineinkommen, die meisten der obersten 5 Prozent um mehrere tausend Franken. Unter den Verheirateten mit zwei Kindern würden nur die am besten verdienenden 5 Prozent mehrheitlich von einem Wechsel profitieren. Ein Wechsel zur Flat Tax wirkt sich auf Steuerpflichitge mit Kindern tendenziell schlechter aus als auf Steuerpflichtige ohne Kinder. Dies ist so, weil Eltern von nicht erwachsenen Kindern im Gegen 10 D.h. der Bereich, in dem 50% der Steuerpflichtigen (der jeweiligen Einkommensklasse) liegen und dessen Zentrum der Median bildet.

7 7 Grafik 3: Mehr / Minderbetrag an zu bezahlenden Steuern bei einer Flat Tax gegenüber heute Alleinstehend, 0 Kinder, tiefer Steuersatz Alleinstehend, 0 Kinder, hoher Steuersatz Alleinstehend, 0 Kinder, Kinderabzug Einkommensklassen Verheiratet, 2 Kinder, tiefer Steuersatz Verheiratet, 2 Kinder, hoher Steuersatz Verheiratet, 2 Kinder, Kinderabzug Einkommensklassen Lesehilfe zur Grafik 3. Die Gesamtheit der Steuerpflichtigen ist in 20 Einkommensklassen aufgeteilt, und zwar so, dass die Reineinkommen von Klasse zu Klasse zunehmen und dass jede Klasse 5% der Haushalte umfasst. Diese Einkommensklassen sogenannte 5%Einkommensquantile sind auf der horizontalen Achse abgetragen. Entlang der vertikalen Achse ist für jede Einkommensklasse dargestellt, wie sich der Mehr bzw. Minderbetrag an zu bezahlenden Steuern bei einer Flat Tax innerhalb der jeweiligen Klasse verteilt: Der Querstrich im Zentrum markiert den Median, die Box darum herum zeigt, in welchem Bereich die inneren 50% der Verteilung liegen. Einkommensklassen: siehe Grafik 1, Seite 3.

8 8 satz zu heute nicht mehr höhere Abzüge vornehmen könnten als Steuerpflichtige ohne Kinder Eine Flat Tax mit hohem Einheitssatz und hohem Einheitsabzug entlastet tiefe Einkommen Eine Flat Tax mit einem Einheitsabzug von 50'000 Franken und einem Steuersatz von 11.5% würde die mittleren Reineinkommen entlasten, während die hohen Reineinkommen mehr Steuern bezahlen müssten als heute. Die zweite Zeile der Grafik 3 illustriert diesen Zusammenhang für Alleinstehende ohne Kinder (linkes) sowie für Verheiratete mit zwei Kindern (rechts). Die 60 Prozent der Alleinstehenden ohne Kinder im unteren Einkommensbereich würden von einem Wechsel zur Flat Tax mehrheitlich profitieren. Für sie würde der Gewinn dank demhöheren Abzug überwiegen gegenüber der Mehrbelastung durch den angestiegenen Steuersatz. Für die höheren Reineinkommen wäre es gerade umgekehrt. Sie würden mit dem Systemwechsel grösstenteils verlieren. Die rechte Teilgrafik, die sich auf Verheiratete mit zwei Kindern bezieht, ist gleich zu interpretieren. In diesen Haushalten leben mehrheitlich zwei Elternteile. Sie können aufgrund der Individualbesteuerung im System der Flat Tax von zwei Einheitsabzüge profitieren. Darum verschiebt sich das Einkommensniveau, ab dem dieser Gewinn von der höheren Belastung durch den hohen Steuersatz kompensiert wird, gegen rechts. Der Steuersatz liegt mit 11.5% immer noch unter den Sätzen, die heute auf die zwei höchsten Einkommenstranchen angewendet werden. Dieser positive Effekt der Flat Tax fällt aber nur bei einzelnen Spitzeneinkommen innerhalb der höchsten Einkommensklasse ins Gewicht. Im heutigen System können die Spitzeneinkommen oft auch sehr hohe Abzüge geltend machen. Diese Steuerpflichtigen fahren trotz dem maximalen Steuersatz von 13% heute besser als im System der Flat Tax mit einem Einheitssatz von 11.5%. 10. Kombination einer Flat Tax mit Kinderabzügen Eine Flat Tax kann mit Kinderabzügen kombiniert werden. Werden diese genug hoch angesetzt, können Steuerpflichtige mit Kindern gegenüber dem heutigen Steuersystem besonders entlastet werden. Die dritte Zeile der Grafik 3 illustriert dies am Beispiel des Wechsels zu einer Flat Tax mit einem Kinderabzug von 12'000 Franken pro Kind. Der Steuersatz beträgt 6% und der Abzug pro (erwachsene) Person 22'000 Franken. Die grosse Mehrheit unter den Verheirateten mit zwei Kindern würde von diesem Wechsel profitieren, insbesondere die Mehrheit der Steuerpflichtigen mit einem tiefen und mittleren Reineinkommen (rechte Teilgrafik). Für die Steuerpflichtigen mit den tiefsten Reineinkommen bleibt die Situation allerdings gleich. Dies ist so, weil sie heute keine Steuern bezahlen. Das Reineinkommen, ab dem Steuern bezahlt werden müssen, ist für Haushalte, die zum Verheiratetentarif besteuert werden, höher als für Alleinstehende. Steuerpflichtige mit einem tieferen Reineinkommen können nicht weiter entlastete werden ausser mit den Instrumenten einer negativen Steuer oder eines garantierten Grundeinkommens. Darum verlaufen die Mediane bei den tiefen Reineinkommen im Fall der Verheirateten länger entlang der NullLinie, bevor sie negativ werden. Die Kombination einer Flat Tax mit einem Kinderabzug erlaubt nicht nur eine Differenzierung zwischen Steuerpflichtigen mit und solchen ohne Kindern. Zusätzlich ermöglicht sie, bestimmte Einkommensbereiche gezielter zu belasten oder zu entlasten als im Grundmodell der Flat Tax. Dies ist ersichtlich, wenn in der Grafik 3 die dritte Zeile mit den ersten zwei verglichen wird. In den Teilgrafiken der ersten zwei Zeilen gibt es einen Einkommensbereich, in dem die Steuerpflichtigen im Vergleich zu heute mehrheitlich stärker belastet werden, und einen Bereich, in dem sie mehrheitlich entlastet werden. In den Darstellungen der dritten Zeile verlaufen die Mediane und die Balken dagegen gewellt. In einem mittleren Einkommensbereich der für 11 Die im Abschnitt 10 beschriebene Variante der Flat Tax ermöglicht Kinderabzüge.

9 9 Steuerpflichtige mit Kindern allerdings schon deutlich rechts liegt werden die Steuerpflichtigen mehrheitlich stärker belastet. In den untersten und obersten Einkommensbereichen werden die Steuerpflichtigen mehrheitlich entlastet. Die Kinderabzüge als zusätzliche Kategorie von Abzügen ermöglichen also auch, die Auswirkungen eines Wechsels zu Flat Tax auf die einzelnen Einkommensklassen differenzierter zu gestalten. 11. Schlussfolgerungen Die heutige Belastung der Steuerpflichtigen durch die Einkommenssteuer im Kanton Zürich hängt hauptsächlich vom Reineinkommen und von den Abzügen ab. Infolge unterschiedlich hoher Abzüge variiert die Steuerbelastung auch bei gegebenem Reineinkommen stark. Eine Flat Tax mit einem Einheitsabzug und möglicherweise einem Kinderabzug stellt gegenüber dem heutigen System eine radikale Vereinfachung dar. Wie die Steuerpflichtigen von einem Wechsel zu solch einer Flat Tax betroffen würden, wird hauptsächlich durch die Höhe des Einheitssteuersatzes und des Einheitsabzugs der Flat Tax bestimmt. Grundsätzlich ist beides möglich, dass die tieferen oder dass die höheren Reineinkommen von einem Wechsel profitieren. Dies gilt auch dann, wenn eine Flat Tax den gleichen Steuerertrag generieren soll wie das heutige Steuersystem. Welche Einkommensklassen mit einer Flat Tax besser und welche schlechter fahren würden, hängt also nicht vom Steuermodell der Flat Tax an und für sich ab, sondern vom Steuersatz und dem Einheitsabzug, die eine Flat Tax definieren. Sind sie hoch angesetzt, profitieren die tiefen Reineinkommen, sind sie tief angesetzt, profitieren die hohen. Wie ein einzelner Steuerpflichtiger von einem Systemwechsel betroffen würde, wird zudem von der Höhe der Abzüge bestimmt, die er heute vornehmen kann. Da hier eine starke Streuung existiert, wird es für ein gegebenes Reineinkommen meistens Steuerpflichtige geben, die vom Systemwechsel profitieren, wie auch solche, die verlieren. Auskünfte zur vorliegenden Publikation: Dr. Josef Perrez Telefon , Abdruck mit Quellenangabe erlaubt. Statistisches Amt des Kantons Zürich Bleicherweg Zürich Telefon:

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