der diskriminierenden Person ist ɀɀ wollen wir unsere Ruhe haben, weil wir schlecht drauf sind oder gerade nicht die Welt retten wollen

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1 Arbeitsblatt 11 Zivilcourage: Was tun bei Diskriminierung? Zivilcourage bedeutet, offen unaufgefordert seine Meinung über ungerechte Verhältnisse zu vertreten und gegen Diskriminierungen einzuschreiten, um damit anderen zu helfen. Sich für andere einzusetzen und Mut zu zeigen, fällt nicht immer leicht, weil der Erfolg oft unsicher ist und man eigene Nachteile riskiert. Dabei geht es gar nicht um Heldentaten: Man muss die Situation und seine eigenen Möglichkeiten gut einschätzen können. Ebenso wichtig ist es, Unterstützung zu organisieren: Wer sich mit anderen gemeinsam gegen Diskriminierung wehrt, hat eine lautere Stimme! Warum greifen so wenig Leute ein? Es gibt unterschiedliche Hürden, die dazu führen, dass Diskriminierung gar nicht wahrgenommen oder einfach hingenommen wird. Oft ist es nicht leicht zu erkennen oder einzuschätzen: ɀɀ dass ein Verhalten für die eine Seite nicht lustig, sondern verletzend ist ɀɀ ob es sich um eine Diskriminierung handelt oder ob es andere Gründe gibt ɀɀ ob die betroffene Person sich allein helfen kann oder ob es nötig ist einzu- greifen ɀɀ ob ein oder mehrere»zuschauerinnen«verantwortung übernehmen müssen ɀɀ wie geholfen werden kann, ob Sie sich selbst einbringen oder z. B. die Polizei rufen sollen. Oft suchen wir aber auch Entschuldigungen, um nicht eingreifen zu müssen, zum Beispiel ɀɀ wird der diskriminierten Person oft viel zu viel zugetraut ɀɀ denkt man, an der Situation sowieso nichts ändern zu können ɀɀ hofft man, dass andere handeln ɀɀ ist man einfach froh, nicht selber diskriminiert zu werden ɀɀ hat man Angst vor Nachteilen, weil man selber abhängig von der Meinung der diskriminierenden Person ist ɀɀ wollen wir unsere Ruhe haben, weil wir schlecht drauf sind oder gerade nicht die Welt retten wollen Diskriminierung die zu Stirn bieten lohnt sich! Es ist nicht immer leicht, sich zu motivieren und das Richtige zu tun, wenn man Zeuge oder Zeugin einer bedrohlichen oder diskriminierenden Situation wird Gar nichts zu tun, ist aber noch schlimmer. Bleibt man passiv, ist die Gefahr groß, dass sich bald jeder nur um sich selbst kümmert. Stellen Sie sich mal vor, Sie werden aus heiterem Himmel von jemandem angepöbelt, beleidigt und rumgeschubst und keiner kommt Ihnen zu Hilfe. Zivilcourage lohnt sich. Vielleicht ist es auch manchmal nötig, etwas zu tun, womit nicht jeder in der Klasse oder Clique einverstanden ist. Wer schon einmal den Mund aufgemacht hat oder 1

2 eingeschritten ist, weiß das. Es ist gar nicht so schwer und das Gefühl, etwas unternommen zu haben, ist richtig gut. Zivilcourage kann man üben. Außerdem können Sie Zivilcourage üben: spielen Sie mit FreundInnen oder MitschülerInnen eine diskriminierende Situation nach und versuchen Sie anhand der folgenden Tipps zu reagieren. Dannach können Sie Ihr Verhalten und Ihre Gefühle diskutieren. Beim nächsten Mal werden Sie sich garantiert sicherer fühlen! Handlungstipps für Zivilcourage ɀɀ Suchen Sie Unterstützung von anderen. Am besten»zuschauerinnen«direkt ansprechen:»du mit dem Kapuzenpulli, steh auf und hilf mir!«ɀɀ Mischen Sie sich in die Situation ein und entschärfen Sie diese, sofern das noch möglich ist. ɀɀ Versuchen Sie beruhigend und entspannt zu wirken. Suchen Sie das Gespräch mit der diskriminierenden Person. Versuchen Sie mit deutlicher fester Stimme zu sprechen, achten Sie auf einen sicheren Blick und selbstbewusste Körpersprache und vermeiden Sie schnelle Bewegungen. ɀɀ Fragen Sie nach, wo das Problem liegt. ɀɀ Falls eine Diskriminierung vorliegt: Ergreifen Sie Partei für die betroffene Person! Signalisieren Sie dem Opfer Ihre Solidarität, zum Beispiel in dem Sie Blickkontakt aufbauen. ɀɀ Argumentieren Sie sachlich! Flehen und Unterwürfigkeit ermutigen den Angreifer nur. Vermeiden Sie Drohungen, Beleidigungen und Moralpredigten, damit stoßen Sie nur auf Abwehr oder spitzen die Situation zu! ɀɀ Versuchen Sie, stattdessen das Verhalten zu kritisieren, ohne die diskrimi- nierende Person persönlich anzugreifen. Formulieren Sie in»ich-sätzen«, zum Beispiel:»Ich finde das unmöglich, was gerade hier passiert!«ɀɀ Es kann sinnvoll sein, die diskriminierende Person zu siezen und nicht zu duzen. Außenstehende wissen dann sofort, dass es sich nicht um eine kleine Streitigkeit unter Freunden handelt. Obak fotolia.com Handeln ohne Worte Manchmal ist es schon gut, eine bestehende Situation zu boykottieren. Zum Beispiel sich abzuwenden und nicht mitzulachen, wenn verletzende Witze erzählt werden, oder aber einfach den Raum zu verlassen, wenn jemand eine/n Mitschüler/in diskriminiert. Teilen Sie aber unbedingt mit, warum Sie den Raum verlassen. Wenn Gewalt im Spiel ist Natürlich gibt es auch Situationen, in denen es schlauer ist, nicht spontan einzugreifen. Wenn Sie das Gefühl haben, Sie oder die betroffene Person sind in Gefahr, ist es wichtig, einen kühlen Kopf zu behalten und sich nicht zusätzlichen Gefahren auszusetzen. 2

3 ɀɀ Ein Versuch, die/den Täter/in zu überwältigen, lohnt sich im Normalfall wenig. Eine körperliche Auseinandersetzung ist nur zu empfehlen, wenn Sie in der Überzahl sind und keine Waffen im Spiel sind. ɀɀ Ermutigen und mobilisieren Sie umstehende Personen ɀɀ Beobachten Sie das Geschehen aufmerksam und versuchen Sie, sich Merk- male der/des Täters/in einzuprägen, ohne direkt selbst einzugreifen. Ihre Aussage kann helfen, den/die Täter/in zu fassen. Schreiben Sie so schnell wie möglich nach dem Vorfall auf, was Sie gesehen haben. Stellen Sie sich als Zeuge/Zeugin zur Verfügung. ɀɀ Bei einem telefonischen Notruf, z. B. bei der Polizei, müssen Sie folgende Punkte beachten: Was ist wo passiert? Von wo aus rufen Sie an? Wie viele Personen sind beteiligt? Ist jemand verletzt? ɀɀ Geben Sie gegebenenfalls seelische Unterstützung und leisten Sie Erste Hilfe. Was tun, wenn Sie sich selbst diskriminiert fühlen? ɀɀ Schreiben Sie möglichst bald alles auf, was mit dem Vorfall zusammen- hängt: ɀɀ Wann und wo geschah es? ɀɀ Wie kam es dazu? ɀɀ Was haben Sie zu diesem Zeitpunkt gemacht? ɀɀ Was genau wurde mit Ihnen gemacht? ɀɀ Wer war alles dabei/hat etwas mitbekommen? ɀɀ Wenn Sie sich stark genug fühlen, sollten Sie die Person, die Sie diskrimi- niert, darauf ansprechen. ɀɀ Wenn das nichts nützt, wenden Sie sich an Lehrer/innen, Ausbilder/innen, die Schulleitung oder eine andere Vertrauensperson. ɀɀ Suchen Sie jemandem, der Sie unterstützen kann, z. B. Freund/innen oder andere Vertrauenspersonen. ɀɀ Sie können sich auch an eine Beratungsstelle wenden. Oft geht das auch anonym. Wichtig ist: Trauen Sie sich und kontaktieren Sie jemanden! Was können Sie immer tun? ɀɀ In Ihrer Schule Projekttage zum Thema Diskriminierung anregen! ɀɀ Eine Infostunde zu einem Thema organisieren, was Sie besonders interes- siert: z. B. die Situation von Flüchtlingen in Ihrem Ort oder von Schwulen und Lesben in Deutschland. ɀɀ Öfters mal den Mund aufmachen, wenn Leute abwertend über»minder- heiten«reden. ɀɀ Mit Freundinnen und Freunden und Ihrer Familie reden. Erfahrungen, wie sich Diskriminierung anfühlt und was man dagegen machen kann, ähneln sich oft. ɀɀ Herausfinden, ob in Ihrer Gegend Leute gegen Diskriminierung kämpfen. Sie können diese besuchen oder an die Schule einladen. 3

4 Anregungen für Rechercheaufträge: Wohin kann man sich in Ihrem Umfeld wenden, ɀɀ wenn man selber diskriminiert wird? ɀɀ wenn man ein Training zu Zivilcourage machen will? ɀɀ wenn man mehr wissen will über schwule und lesbische Lebensweisen? ɀɀ wenn man mehr wissen will über Rassismus und Antisemitismus? ɀɀ wenn man mehr wissen will über das Leben und die Rechte von Menschen mit Behinderungen? ɀɀ wenn man mehr wissen will über Schwangerschaft, Verhütung, sexuelle Belästigung und Gewalt? Mehr zu Diskriminierung und Zivilcourage:»Blöde Anmache? Nicht mit mir!«, Broschüre des ADB Köln, herausgegeben von der Antidiskriminierungsstelle Brandenburg 2007, download: und 4

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