Menschen mit geistiger und mehrfacher Behinderung in der ärztlichen Praxis: Normalität und Besonderheit in Diagnostik und Behandlung

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1 Menschen mit geistiger und mehrfacher Behinderung in der ärztlichen Praxis: Normalität und Besonderheit in Diagnostik und Behandlung Jeanne Nicklas-Faust Ambulante gesundheitliche Versorgung 24. Juni 2006 in Mainz

2 Gliederung Begriffsbestimmungen Versorgungsstruktur Symptome Verhaltensauffälligkeiten und Krankheiten Häufige Erkrankungen Gesundheitssorge

3 Begriffsbestimmung Gesundheit Krankheit Andere Auspr ägung Schädigung Behinderung Begleiterkrankung Förderung,Verhinderung von Folgekrankheiten

4 Versorgungsstruktur Heimarzt Fachkliniken sozialpädiatrisches Zentrum Therapien öffentliches Gesundheitswesen Mensch mit geistiger Behinderung Facharzt Hausarzt Krankenhaus Fachklinik Facharzt Hilfsmittelvers +Lähmung +Sinnesbehinderung +Epilepsie +psychiatr. Erkrankungen Fachklinik Facharzt Therapie

5 Medizinische Versorgungsbereiche Förderung Behinderungsassoziierte Erkrankungen/ Gesundheitsprobleme Chronische Krankheiten Akute Erkrankungen Medizinische Notfälle Vorsorgemaßnahmen

6 Erschwerter Zugang zum Gesundheitssystem Keine eigene Initiative für den Arztbesuch Erschwerte Kommunikation Erschwerter Zugang zu Praxen Anamnese- und Untersuchung oft schwierig und langwierig, da verschiedene Personen beteiligt: Betreuer aus Wohnstätte oder Werkstatt, gesetzliche Betreuer, verschiedene Ärzte

7 Probleme bei der Diagnosestellung Atypische Symptome Mangelnde Kommunikationsmöglichkeiten Duldende Haltung Andere Krankheitshäufigkeiten besonders ausgeprägt bei schwerer, mehrfacher Behinderung und chronischem Verlauf

8 Untypische Krankheitszeichen Verhaltensänderungen Gefühlsäußerungen Änderung der Aktivität, Lebensgewohnheiten Mangelndes Gedeihen Verminderte Nahrungsaufnahme

9 Ursachen für untypisches Verhalten Lebensphasen, z.b. Pubertät, Alter Geänderte Lebensbedingungen (Sichtweise!) Beziehungsprobleme Medikamentennebenwirkungen

10 Zuweisende Personen und Diagnosen Zuweisende Person Beobachtung Aktuelle Diagnose Diagnose nach 2 Jahren Pflegekraft Lethargisch Trümmerfraktur des Beines Geheilt Lehrer Schreien, Beißen en Harnwegsinfekt Chronischer Harnwegsinfekt Lehrer Kopf gegen die Wand schlagen, aggressiv Mittelohrentzündung, ndung, Verletzung des Penis Chronische Otitis Arzt Nahrungsverweigerung Hydrocephalus PEG-Sonde Lehrer Kopf gegen die Wand schlagen, aggressiv Darmverschlingung Geheilt Pflegekraft Agressives Verhalten Harnwegsinfekt Chronischer Harnwegsinfekt, Psychose Lehrer Nahrungsverweigerung Med.überdosierung Geheilt

11 Grunddiagnose und Verlauf der Auffälligkeiten nach Diagnose 9 Menschen im Alter von Jahren mit schwerer geistiger Behinderung, größtenteils auch Lähmungen, 3 mit Epilepsie Besserung der Verhaltensauffälligkeiten bei 7 von 9 Menschen mit geistiger Behinderung, 1 gleichbleibend,, 1 verschlechtert

12 Behandlungsbedürftige Erkrankungen Type of problem n % of total problems Mean no. per person Major problems Minor problems Previously diagnosed Not previously diagnosed Adequately managed Not adequately managed Specialist care needed Specialist care not needed

13 Erkrankungsmuster (in %) Erkrankung Studie (n = 202) Kontrolle (n=807) Zahn 86 Augen (inkl. Blindheit) 68.0 (4.4) (0.2) ***(26.526) Stoffwechsel 57.0 Neurologisch (inkl. Epilepsie) 53.0 (29.0) (1) **( ) Haut (inkl. Akne) 96.0 (3.5) (1.3) *(4.834) HNO (inkl. Taubheit) 40.0 (25.0) (2.2) *****(133.50) Orthopädisch 25.0 Endokrin (inkl. Schilddrüse) 29.0 (12.0) (0.1) *****(92.426) Herz-Kreislauf 24.0 Psychiatrisch (inkl. Psychose) 24.0 (9.0) (0.2) *****(62.407) Gastrointestinal 17.0 Hämatologisch 12.0 Iatrogen 11.0 Nieren 11.0 Atemwege (inkl. Asthma) 10.0 (2.5) (7.4) *(6.594)

14 Häufige Begleiterkrankungen I Neurologische Erkrankungen: Anfallsleiden, Lähmungen, Demenz Psychiatrische Erkrankungen: Depressionen, Angsterkrankungen

15 Häufige Begleiterkrankungen II HNO ärztliche Erkrankungen: Entzündungen, Hörprobleme Augenärztliche Erkrankungen: Entzündungen, Sehprobleme (grauer Star)

16 Hörfähigkeit Gut Gut Eingeschränkt Taub Gering eingeschränkt Eingeschränkt Taub

17 Sehfähigkeit Normal Eingeschränkt Blind Normal grauer Star Glaukom Andere Erkr.

18 Häufige Begleiterkrankungen III Herzerkrankungen: Angeborene Herzfehler, Herzinsuffizienz Lungenerkrankungen: Aspiration, Entzündungen Magen-Darmerkrankungen: Refluxösophagitis,, Obstipation bis zum Darmverschluss, Hepatitis Stoffwechselerkrankungen: Hypothyreose,, Diabetes mellitus

19 Häufige Begleiterkrankungen IV Hauterkrankungen: Pilzerkrankungen, Akne Krankheiten des Bewegungsapparates: Kontrakturen,, Osteoporose Iatrogen: Medikamentenneben- bzw. wechselwirkungen

20 Schwierigkeiten in der Therapie Medikamentöse Therapie: Compliance meist sehr gut Häufig Wechselwirkungen bei Mehrfachtherapie Häufigere NW z.b: : psychiatrische bei Antiepileptika Mitwirkung durch Verhaltensänderung: Bei schwieriger Verständigung und/oder Krankheitseinsicht oft vermindert Therapie über längere Zeit: Keine Nennung von Besonderheiten, keine Initiative zur Therapieüberprüfung

21 Gesundheitssorge für Menschen mit geistiger Behinderung Wissen um Besonderheiten Beobachtung, Ersatz der Eigenbeobachtung z.b. in festgelegten Abständen durch Bezugserzieher

22 Gesundheitssorge für Menschen mit geistiger Behinderung Aufdeckende ärztliche Betreuung Zusätzliche Untersuchungen an spezielle Risiken angepasst, Seh- Und Hörtests (Gesundheitspass) Impfungen und Krebsvorsorge Gesundheitsberatung, Unfallverhütung

23 Herzlichen Dank für Ihre Aufmerksamkeit!

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