Gesundheitsförderung im Alter

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1 Gesundheitsförderung im Alter Gesundheitsförderung ein neues Handlungsfeld für die Pflege? Monika Wild

2 Ausgangssituation Der Großteil der älteren Menschen führt ein unabhängiges und selbständiges Leben Ca Pflegegeldbezieher (rd. 86,5 % sind über 70 Jahre alt) lt. Mikrozensus Menschen hilfs- und pflegebedürftig Ca Pflegegeldbezieher leben zu Hause 2

3 Eine der Kernfragen in der Gesundheitsförderung: Wie erreichen wir die Zielgruppe? Ältere Menschen, mit einem sich reduzierenden sozialen Umfeld und zunehmender Beeinträchtigung in der Mobilität Setting: zu Hause Häusliche Pflege und Betreuung ist eine der wenigen Dienste die regelmäßig ins Zuhause kommen und akzeptiert sind 3

4 Pflege als Schlüsselprofession in der Versorgung chronisch kranker und/oder pflegebedürftiger Menschen Aufgrund der Nähe zu Patienten und ihren Bezugspersonen wird der Pflege als Schlüsselprofession gesehen Pflege kann diesen Erwartungen nur gerecht werden: wenn Prävention, Gesundheitsförderung, Rehabilitation, Case Management, Anleitung, Information, Beratung, Hilfe bei der Alltagsbewältigung von Menschen mit chronischer Erkrankung zukünftig einen höheren Stellenwert einnehmen Ressourcenorientierung / GF und sicherung bei eingeschränkter Gesundheit, wird zu einer zunehmend wichtigeren Aufgabe für Pflegende 4

5 Grundannahmen des Family Nursing Gesundheit betrifft alle Familienmitglieder Gesundheit und Krankheit sind Familienereignisse Die Familie beeinflusst den Prozess und die Ergebnisse der Gesundheits- und Pflegeversorgung Das Gesundheitsverhalten, -einstellungen, -entscheidungen werden von der Familie stark beeinflusst 5

6 Die Notwendigkeit einer familienorientierten Pflege Gesundheit und Krankheit sind kontextspezifische Phänomene Die Familie ist als soziale Einheit von kontextueller Bedeutung Krankheitserleben ist geteiltes Erleben Kranksein verändert die Bedürfnisse, die der Kranke an die Familie hat, dies kann zu neuen Bedürfnissen der Familie führen Schnepp

7 Die Notwendigkeit einer familienorientierten Pflege Hilfegesuch und Antwort werden bei Krankheit in der Familie formuliert Bereitstellung familialer Hilfen Lifecourse, Wesen der Erkrankung, soziale, kulturelle Phänomene und der Versorgungskontext als beeinflussende Faktoren Schnepp

8 WHO Family Health Nurse Family Health Nurse kann: dem einzelnen Menschen und ganzen Familien helfen, mit Krankheit und chronischer Behinderung fertig zu werden und in Stresssituationen zurechtzukommen, indem sie einen großen Teil ihrer Arbeitszeit im Zuhause der Patienten und mit deren Familien verbringt. Diese Pflegefachkräfte können sinnvolle Ratschläge zu Fragen der Lebensweise und verhaltensbedingten Risikofaktoren erteilen und den Familien in gesundheitlichen Anliegen zur Seite stehen. Sie können die gesundheitlichen Probleme schon im Frühstadium erkennen und damit gewährleisten, dass sie auch frühzeitig behandelt werden. Mit ihrem gesundheitswissenschaftlichen und sozialwissenschaftlichen Ausbildungshintergrund und ihrer Kenntnis anderer für Sozialfragen zuständiger Stellen können sie die Auswirkungen sozioökonomischer Faktoren auf die Gesundheit einer Familie erkennen und die Familie an die richtige Stelle überweisen. Durch häusliche Pflege können sie eine frühere Entlassung aus dem Krankenhaus erleichtern, sie können als Verbindungsglied zwischen Familie und Hausarzt dienen und an die Stelle des Arztes treten, wenn eindeutig eher pflegerische Sachkenntnis gefordert ist. Gesundheit 21: Das Rahmenkonzept Gesundheit für alle für die Europäische Region der WHO. Kopenhagen, WHO-Regionalbüro für Europa, 1999, S (Europäische Schriftenreihe Gesundheit für alle, Nr. 6). 8

9 Die Familiengesundheitspflege 9

10 Drei zentrale Aspekte des Family Health Nurse - Konzeptes Verlagerung des Pflegeansatzes auf eine höhere Systemebene Förderung der Gesundheit aller Beteiligten Schwerpunkt liegt bei der Pflege und Betreuung in der häuslichen Umgebung 10

11 Verlagerung des Pflegeansatzes Derzeit Family Health Nurse Tätigkeitsorientierung Patient als Pflegeempfänger Angehörige als Randfiguren Interaktionsorientierung Patient als Ko-Produzent Angehörige als Adressaten der Pflege Pflege von Einzelpersonen Pflege des Bezugsystems 11

12 Verschiedene Ansätze der Familienpflege Ebene 1: Der Klient wird im Kontext der Familie wahrgenommen. Ebene 2: Der Pflegende bezieht einen oder mehrere Familienmitglieder in den Betreuungsprozess ein. Ebene 3: Der Schwerpunkt der Pflegenden liegt hier auf der Familie als dynamische, interagierende Einheit. Die Familie ist das Ziel des pflegerischen Assessment und der Interventionen. Quelle: Bozett in Susanne Kean (2001) 12

13 Das familiäre System 13

14 Stufe 1 familiärer Pflege 14

15 Stufe 2: familiärer Pflege 15

16 Stufe 3 familiärer Pflege 16

17 Förderung der Gesundheit Ressourcenorientierung bei der direkten Pflege Stärkung der Selbst- und Bewältigungskompetenz Gesundheitsförderung für weitere Zielgruppen Integration im Pflegeprozess und laufenden Pflegehandlungen Pflegebezogene Patientenedukation: im Rahmen chronischer Erkrankungen wie Diabetes mellitus, Asthma etc. Prävention von Pflegebedürftigkeit Beratung/Anleitung für pflegende Angehörige, Gedächtnistraining Bewegungsprogramme Pensionsvorbereitung,

18 Dies bedeutet für die Pflege: Integration von Gesundheitsförderung in die direkte Patientenpflege und betreuung bzw. Erweiterung des Handlungsfeldes durch präventive Hausbesuche Erweiterung des Tätigkeitsbereiches: - GF-Programme für Gesunde - Interventionen an/mit Gruppen 18

19 Pflege und Betreuung in der häuslichen Umgebung Verstärkter Einsatz von Pflegekräften in der häuslichen Pflege Übernahme von Case und Care Managementaufgaben Unterstützungsmöglichkeiten für pflegende Angehörige Identifizierung des Bedarfes an Pflege und Betreuung für eine Region bzw. für eine bestimmte Zielgruppe 19

20 Umsetzung der Familiengesundheitspflege Curriculum: Interprofessionell und organisationsübergreifende Arbeitsgruppe Kooperation mit: Drei Lehrgänge Einsatzfelder, Kompetenzen und Qualifikationen 20

21 Ausbildungssystematik Lehrgang 1: Case- und Care- Management im Kontext familiärer Pflege 30 ECTS Lehrgang 2: Public Health im Pflegewesen: mit Schwerpunkt Gesundheitsförderung 30 ECTS Lehrgang 3: Familiengesundheitspflege (Variante 1 bzw. Variante 2) 30 bzw. 60 ECTS 21

22 Case- und Caremanagement im familiären Kontext Schwerpunktkompetenzen: Information, Anleitung und Beratung für pflegende Angehörige Gestaltung individueller Pflegearrangements Sicherung der Betreuungskontinuität Case- und Caremanagement Einsatzfelder: Mobile Pflege und Betreuung Niedergelassene Ärzte Beratungsstellen bei Gesundheits- und Sozialeinreichtungen Krankenhäusern (Entlassungsmanagement) Stationäre Pflegeeinrichtungen (Angehörigenarbeit) 22

23 Case- und Caremanagement im familiären Kontext Lernfelder: Familie als System 1 (ECTS 3) Assessment (ECTS 3) Sozialkommunikative Kompetenz (ECTS 5) Konzepte und Methoden des Case- und Caremanagements (ECTS 7) Ressourcenmanagement (ECTS 2) Qualitätsmanagement (ECTS 2) Bewältigungsstrategien (ECTS 2) Wissenschaft und Forschung (ECTS 3) Praktikum und Abschlussarbeit (ECTS 3) 23

24 Public Health im Pflegewesen mit Schwerpunkt Gesundheitsförderung Schwerpunktkompetenzen: Ressourcenorientierung / Stärkung der Selbst- und Bewältigungskompetenzen Gesundheitsförderungsprojekte Bevölkerungssichtweise Gesundheitsbildung und Gesundheitserziehung von Kindern und Jugendlichen Einsatzfelder: Direkte Pflege und Betreuung unabhängig vom Ort der Leistungserbringung Entwicklung und Durchführung von Gesundheitsförderungsprojekten in verschiedenen Settings Öffentliches Gesundheitswesen z. B. an Gemeinden Schulen Beratungsstellen bei Gesundheits- und Sozialeinrichtungen 24

25 Public Health im Pflegewesen mit Schwerpunkt Gesundheitsförderung Lernfelder: Public Health Konzepte (ECTS 4) Gesetzliches, wissenschaftliches und administratives Umfeld von Public Health (ECTS 3) Human- und Sozialwissenschaften in Public Health (ECTS 4) Gesundheitsbedarfsermittlung / Epidemiologie (ECTS 3) Gesundheitsförderung und Gesundheitserziehung (ECTS 3) Pflege und Public Health (ECTS 3) Kolloquium (ECTS 7) Praktikum (ECTS 3) 25

26 Familiengesundheitspflege Schwerpunktkompetenzen: Die Familie wird als systemische Einheit gesehen, und mit dieser Einheit wird gearbeitet. Assessment Methoden und Tools Interventionen Methoden und Tools Einsatzfelder: Familienpflege als eigene Leistung in der häuslichen Pflege und Betreuung Beratungsstellen Krankenhäuser (zur Beratung und Begleitung von Familien in schwierigen Lebenssituationen) Stationäre Langzeitpflegeeinrichtungen Niedergelassene Ärzte 26

27 Familiengesundheitspflege Lernfelder: Familie als System II (ECTS 3) Lebensphasen und muster (ECTS 2) Phasen und Methoden der Familiengesundheitspflege (ECTS 6) Funktion und Rollenverständnis der Familiengesundheitsschwester/-pfleger/Hebamme (ECTS 3) Arbeit mit Gemeinschaften und spezifischen Bevölkerungsgruppen (ECTS 6) Wissenschaft und Forschung (ECTS 5) Praktikum (5 ECTS) Master of Science: 30 ECTS 27

28 Unsere Forderungen an die Politik lauten: Verankerung der FGP in den Strukturstandards der Länder Anerkennung der FGP als Sonderausbildung Verankerung der Ausbildung auf universitärer Ebene Förderung der Ausbildungskosten Anstellung von FGP bei Gemeinden sowie Gesundheits- und Sozialeinrichtungen Finanzielle Abgeltung der mit der FGP verbundenen Tätigkeiten 28

29 Herzlichen Dank für Ihre Aufmerksamkeit!

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