Psychiatrie Erfahrungen und Arbeit

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1 Psychiatrie Erfahrungen und Arbeit - Die Gesundheitskasse Steigende psychische Erkrankungen gibt es wirksame Instrumente zur Problemlösung? Augsburg, Die Gesundheitskasse

2 Psychische Erkrankungen Der Job wird zum Psychotrip Eine weltweite Epidemie Therapeut verzweifelt gesucht 1 1

3 Krankheitsbedingte Fehlzeiten (Arbeitsunfähigkeit) auf Grund psychischer Erkrankungen Zahlreiche Veröffentlichungen berichten über deutlichen Anstieg psychiatrisch begründeter AU-Tage in den vergangenen Jahren Der Anstieg beträgt im Zeitraum etwa 60 % In Diskussion: Zunahme durch nachlassende Stigmatisierung, Sensibilisierung der Öffentlichkeit oder aber auch reale Zunahme wegen veränderter Arbeits- und Lebensbedingungen? Häufigste Diagnosen: Depression / Anpassungsstörung Höchster Anteil psychisch Erkrankter in der Gruppe der arbeitslosen Erwerbsfähigen Nach Einschätzung der WHO wird die Depression im Jahr 2020 den zweiten und im Jahr 2030 den ersten Platz einnehmen (Industriestaaten) 2 2

4 Fälle der Arbeitsunfähigkeit nach Krankheitsarten - AOK-Bund 140,0 130,0 120,0 110,0 100,0 Psyche Herz/Kreislauf Atemwege Verdauung Muskel/Skelett Verletzungen 90,0 80,0 70,

5 Tage der Arbeitsunfähigkeit nach Krankheitsarten AOK Bund 180,0 160,0 140,0 120,0 100,0 Psyche Herz/Kreislauf Atemwege Verdauung Muskel/Skelett Verletzungen 80,0 60,

6 Psychische Erkrankungen Laufende Arbeitsunfähigkeitsfälle der AOK Bayern 5 5

7 Ursachen für langdauernde Arbeitsunfähigkeit aufgrund psychischer Erkrankungen psychische Störungen werden zu spät erkannt unzureichend therapiert schlechte Versorgungsstrukturen im ambulanten Bereich fehlende Netzarbeit lange Wartezeiten (~2 Monate) für diagnostisches Erstgespräch und Therapiebeginn (~5 Monate) geringe Anzahl an Therapieplätzen bei Psychotherapien Angebot an psychotherapeutisch qualifizierten Hausärzten besonders mangelhaft depressiv Erkrankte häufig nur hausärztlich medikamentös behandelt insbesondere Menschen aus ländlichen Regionen sozial schwächeren Strukturen und mit höherem Lebensalter sind von Unterversorgung mit psychiatrisch-psychotherapeutischen Versorgungssegment betroffen 6 6

8 Problemwandel bei Patienten im Laufe der Arbeitsunfähigkeit nach ca. 6 Monaten Arbeitsunfähigkeit ist nach wissenschaftlicher Erkenntnis meist die akute Phase der Erkrankung abgeklungen, die subakute Phase tritt ein ( - 12 Monate) danach setzt die Chronifizierung ein ab 6-monatiger AU treten die medizinischen Probleme in den Hintergrund und die sozialen /psychosozialen Probleme, innere Migration nehmen zu (Gefahr Abrutschen in ALG II hoch) Motivation der Patienten zur Compliance und zur Überwindung der Arbeitsunfähigkeit wird schwieriger Motivation zur Lebensperspektivänderung bei chronifizierter Erkrankung ist nur mit Einschränkungen umsetzbar, z. B. Arbeitsplatzwechsel, Kündigung des Beschäftigungsverhältnisses, Lernbereitschaft und Neustart in anderen Beruf Lebensarbeitszeit bis zur Altersrente muss ins Blickfeld rücken, je länger krankgeschrieben, um so weniger Chancen auf dem Arbeitsmarkt Grundsatz/Recht_Rudolf Renner 7 7

9 Psychische Belastungen in der Arbeitswelt Erfahrungen aus dem betrieblichen Gesundheitsmanagement u.a. Zeit- und Leistungsdruck Verschiedene Arbeiten gleichzeitig erledigen (Multitasking) Ständige Erreichbarkeit Veränderungsprozesse (Rationalisierungen) Höhere Verantwortung (Zielvereinbarungen) Schlechtes Betriebsklima Erhöhte Anforderungen durch die moderne Informationsund Medienwelt Leben gegen den Biorhythmus (z. B. Nachtarbeit) Bewegungsmangel, körperliche Belastungen Belastende Umgebungsbedingungen Unausgewogene Ernährung 8 8

10 Arbeit heißt dazugehören Arbeit ist für die psychische Stabilität jedes Menschen von zentraler Bedeutung Bei Verlust des Arbeitsplatzes verlieren insbesondere psychisch kranke Menschen ihre materielle Sicherheit / finanzielle Probleme ihren strukturierten Tagesrhythmus wichtige Sozialkontakte (soziale Isolation) ihre Autonomie ihr Vertrauen in die eigene Leistungsfähigkeit 9 9

11 Lange psychisch krank: Der finanzielle Abstieg - Beispiel Lange psychisch krank, ledig Verdienst: mtl. Brutto Netto Krankenversicherung darf Versicherte auffordern, einen Reha-Antrag zu stellen, wenn Erwerbsfähigkeit gefährdet ist Erwerbsminderungsrente 42 % psychisch bedingt = Versicherte Ø 49 Jahre Rente Ø 600 Ausgabe jährlich ca. 20 Mrd. für Frührenten Lohnfortzahlung mtl Krankengeld mtl Antrag auf Reha-Leistung Reha-Gutachten: Reha hat keine positive Erfolgsprognose automatisch: Umwandlung in Rentenantrag Jeder zweite Antrag auf Frühverrentung wird abgelehnt max. 6Wochen Vorerkrankungen werden angerechnet max. 78 Wochen Rentenversicherung kann Reha-Antrag ablehnen, wenn vorher keine ausreichende Krankenbehandlung stattgefunden hat ALG II (Hartz IV) erwerbsfähig: mindestens 3 Std./ Tag, jede Arbeit zumutbar 37 % psychisch krank = 1,6 Mio. Menschen Regelsatz 399 (Einkommen und Vermögen werden angerechnet) 10 10

12 Problemlösungen!? Verträge der Krankenkassen mit Hausärzten, Fachärzten und Psychotherapeuten zur Verbesserung der Versorgung von Patienten mit Burnout und Depressionen Präventionsbemühungen der Arbeitgeber (z.b. die Gefährdungsbeurteilung bei psychischen Erkrankungen) sollen ausgebaut werden Intensivere Unterstützung des betrieblichen Gesundheitsmanagements durch die Krankenkassen geplant Absicht des Gesetzgebers: Strukturierte Behandlungsprogramme werden weiterentwickelt; Rückenleiden und Depressionen im Fokus Bereitstellung von zusätzlichen Mitteln für die Stärkung der Gesundheitsförderung und Prävention soll erfolgen Entwurf eines Präventionsgesetzes liegt vor 11 11

13 Modellprojekt der Bundesagentur für Arbeit und der GKV Ziel: Gesundheit und Leistungsfähigkeit von ALG I/II Empfängerinnen und Empfängern zu fördern Dazu Vereinbarung zur Zusammenarbeit zum Thema Arbeitslosigkeit und Gesundheit geschlossen Erprobung, wie Arbeits- und Gesundheitsförderung sinnvoll verzahnt werden kann Einbezug weiterer Akteure (z.b. kommunale Einrichtungen) Die BA schafft den Rahmen, den Präventionsgedanken und die Gesundheitsorientierung als integrale Bestandteile in ihre Beratungs- und Vermittlungsprozesse aufzunehmen Die GKV entwickelt den Rahmen für eine erleichterte Inanspruchnahme von gesundheitsfördernden Maßnahmen für diesen Personenkreis Vertragsentwurf liegt in der als Projektpartner bereits vor Aufsicht muss noch zustimmen 12 12

14 Vielen Dank für Ihre Aufmerksamkeit 13 13

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