Mobbing. Eine Form der Kommunikationsstörung

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1 Mobbing Eine Form der Kommunikationsstörung

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3 Mobbing- Bilder sagen mehr als Worte Das grundsätzliche Problem: Wer möchte schon in der Rolle des Außenseiters sein? Deswegen erfordert es Zivilcourage, einem Gemoppten gegen eine Gruppe beizustehen, auch als Chef! 3

4 Schaden durch Mobbing 98,7 % der Befragten negative Auswirkungen: Demotivation, Misstrauen, Nervosität, Verunsicherung sozialer Rückzug, Krankheit, Kündigung, Erwerbsunfähigkeit 43,9 % der Befragten erkrankten in Folge des Mobbings davon fast 50 % > 6 Wochen 10 % der Suizide sollen auf Mobbing zurückgehen Kosten für die Betriebe pro einzelnem Mobbingfall: Gesamtschaden für die deutsche Wirtschaft: ca. 15 bis 50 Mrd. / Jahr 4

5 Begriffsklärung to mob (engl.) = anpöbeln, angreifen Begriff seit den 1970er Jahren: Konrad Lorenz- bei Tieren Heinemann (1972) Mobbing, Gruppengewalt bei Kindern Heinz Leymann (1993): Begründer der Mobbingforschung 5

6 Begriffsklärung Sehr viele Definitionen in Literatur. Nach Leymann: Mobbing = negative kommunikative Handlungen, die gegen eine Peson gerichtet sind von einem oder mehreren ausgehen sehr oft und über einen längeren Zeitraum hinaus vorkommen damit die Beziehung zwischen Täter und Opfer kennzeichnen 6

7 Begriffsklärung Oder allgemein: Mobbing liegt nur dann vor, wenn objektiv jmd. regelmäßig über eine best. Zeit (mind. ½ J.) in einem gewissen Kausalzusammenhang zermürbend-negativ behandelt wird und subjektiv die Absicht besteht, jmd. zu zermürben oder dies zuzulassen rechtswidrig gehandelt wird, im Sinne des Arbeits-, Ziviloder Strafrechts- als sanktionierbare Handlung Ausnahmen bestätigen die Regel- Urteil LAG Thüringen (siehe Struck & Fleissener S ) 7

8 Begriffsklärung Rechtlich erlaubtes Verhalten " Sozial adäquates Verhalten " Verletzung des allg. Persönlichkeitsrechts, der Gesundheit und der Ehre durch " Anfeindung Schikane Diskriminierung Erst die letzten beiden Stufen sind als rechtlich relevantes Mobbing zu bezeichnen 8

9 Wo wird gemobbt? 9

10 Wer wird gemobbt und wer mobbt? In BRD 2002: ca. 2,7 % gemobbte Arbeitnehmer, entspricht europäischem Durchschnitt Besonders hohes Risiko Beschäftigte in sozialen Berufen: Sozialarbeiter, Erzieher, Altenpfleger Etwas > 50 % mobben ausschließlich Vorgesetzte oder sind daran beteiligt Frauen haben ein um 75 % höheres Mobbing-Risiko Frauen mobben vor allem Frauen, Männer vor allem Männer Am stärksten betroffen: Altersgruppen < 25 Jahre, > 55 Jahre und älter 10

11 Warum wird überhaupt gemobbt? Viele Vermutungen, vor allem: Kein Phänomen der Arbeitswelt, sondern: humanitäres Wertebewusstsein der Gesellschaft nimmt ab, daraus folgt u.a. Mobbing In Zeiten hoher Arbeitslosigkeit nimmt Mobbing zu, weil der Ausweg versperrt ist, den Arbeitsplatz zu wechseln So werden wegen fehlender Bereitschaft oder Fähigkeit, Konflikte zu bewältigen, Konflikte durch Mobbing ausgetragen 11

12 Wie und wie häufig wird gemobbt? Nach Meschkutat et al. (2002) 12

13 Warum wird im konkreten Fall gemobbt? Multiple Ursachen: Ursachen im Täter (Neid, Rache, Eifersucht, übermäßiges Karrierestreben, Minderwertigkeitsgefühle, Antipathie...) Ursachen im Opfer (v.a. typische Opferrolle, Unangepasstheit) Ursachen in der Arbeitsorganisation und der betrieblichen Situation (sehr vielfältig- sehr wichtig!!!) MERKE: Täter und Opfer können Kollegen, Vorgesetzte, Mitarbeiter sein, Mobbing gibt es also in jede Richtung! 13

14 Wie kann man Mobbing vorbeugen? Möglichkeiten der Organisation, des Betriebes Konfliktbeauftragte, Mediatoren ausbilden Schulungen zum Thema klare Informationspolitik transparente Entscheidungen hierarchieübergreifende Kommunikation angstfreies Arbeitsklima 14

15 Wie kann man Mobbing vorbeugen? Möglichkeiten der Organisation, des Betriebes Positive Fehlerkultur Systemüberwindung: gegen den Strom schwimmen zulassen zum Mitdenken ermutigen Überlastungssituationen und reaktionen erkennen und darauf reagieren Wehret den Anfängen: whistleblowing 15

16 Wie kann man Mobbing vorbeugen? Als Leitung partizipativen Führungsstil pflegen: Handlungsspielräume lassen, wo möglich direktive Führung/ Kontrolle, wo nötig klar Stellung beziehen- auch beliebte Kollegen können mobben Mediation, Supervision in Betracht ziehen eigenes Verhalten, eigene Sympathien-Antipathien kritisch reflektieren rechtzeitig Gespräche führen, dokumentieren, abmahnen 16

17 Wie kann man Mobbing vorbeugen? Aber Vorsicht: Vorwürfe gegen mobbende MA müssen substantiell sein manchmal trügt der Schein- nicht immer sind die augenscheinlichen Opfer auch solche!!! 17

18 Was kann ein Mobbingopfer tun? Sofort aktiv werden, wenn Sie merken, dass sich etwas zusammenbraut wenn klar ist, wer dahintersteckt: Person ansprechen Unterstellt man Ihnen zu Unrecht Fehler oder Gerüchtesofort richtig stellen Mitstreiter, Vertrauenspersonen einbeziehen Mobbingtagebuch führen: Dokumentation als Nachweis Rechtsbeistand suchen- es gibt spezielle Anwälte Aber auch: kritische Prüfung des eigenen Verhaltens 18

19 Rechtslage- Straftatbestände Beleidigung üble Nachrede Verleumdung sexuelle Belästigung Körperverletzung Nötigung Urkundenfälschung und viele andere möglich Vorsicht, Rechtssprechung äußerst zwiespältig: Urteil LAG Sachsen-Anhalt (siehe Struck & Fleissner S. 123) Literatur dazu: Struck, D. & Fleissner, A. (2005); Kollmer, N. (2003) 19

20 Rechtslage Bei Mobbingvorwürfen, die sich als frei erfunden, bewusst wahrheitswidrig, missbräuchlich oder leichtfertig herausstellen, kann der Tatbestand der vorsätzlichen Beleidigung, übler Nachrede oder Verleumdung erfüllt sein. Ansonsten gilt bei unzutreffenden Mobbingvorwürfen das sog. Benachteiligungsverbot : Beschwerdeführern dürfen keine Nachteile entstehen- sonst wäre jeder schnell mundtot. 20

21 Quellen: Literatur und Internet Arentewicz, G., Fleissner, A. & Struck, D. (2009): Mobbing. Hamburg: Ellert & Richter- Verlag. Kollmer, N. (2003): Mobbing im Arbeitsverhältnis. Heidelberg: Müller-Verlag. Litzke, S. M. & Schuh, H. (2005): Stress, Mobbing und Burn-out am Arbeitsplatz. Heidelberg: Springer-Verlag. Struck, D. & Fleissner, A. (2005): Die 45 Mobbing-Antworten. Ein Leitfaden für Betroffene, Arbeitgeber, Betriebs- und Personalräte sowie Interessenverbände und Berater. Münster: LIT-Verlag Bundesministerium für Arbeit und Soziales. URL Zugriff am

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