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1 ,QWHUQHWVXFKW 0HGLHQHUHLJQLVRGHUQHXDUWLJHV6W UXQJVELOG" Ralf Ott & Christiane Eichenberg Psychologisches Institut der Uni Bonn Abteilung Klinische und Angewandte Psychologie Römerstr Bonn 9RUWUDJSUlVHQWLHUWDXIGHU7DJXQJGHVUHJLRQDOHQ$UEHLWVNUHLVHV6 GGHXWVFKODQGGHV )DFKYHUEDQGHV*O FNVVSLHOVXFKW3V\FKRVRPDWLVFKH)DFKNOLQLN0 QFKZLHV 'H]HPEHU 1

2 hehueolfn 1. Geschichte des Internets 2. Entstehung eines neuen Störungsbildes Ein Gag, kein Kraeplin Erste Studien Erste Umschreibungen Fallbeispiel 3. Perspektiven Aktuelle Situation Differenzierte Betrachtung Klinische Perspektive 2

3 *HVFKLFKWHGHV,QWHUQHWV 1958: Sputnik-Schock: Gründung der Advanced Research Projects Agency (ARPA) 1969: ARPA-Net geht in Betrieb 70er und 80er: Internet als Wissenschaftsnetz, langsame Verbreitung 1991: WWW A Seitdem: Explosion der Nutzerzahlen, Massenmedium Aktuell: Nutzer in der BRD (GfK, August 1999) $ *UDSKLVFKH2EHUIOlFKHGLHGLH+DQGKDEXQJ XPHLQ9LHOIDFKHVHUOHLFKWHUW 3

4 (LQ*DJ EJ Dr. Ivan Goldberg: Glosse über Internetsucht Kollegen und Journalisten greifen diesen Begriff bald auf Dr. Kimberly Young: Erste Fallbeschreibungen, erste Fragebogen, erstes Buch, erste Online-Therapie für Internetsucht Synonyme: Net Addiction, Online Addiction, Internet Addiction Disorder (IAD), Pathological Internet Use (PIU), Cyberdisorder, Pathologischer Internetgebrauch(PIG) Vielzahl dramatischer Medienberichte Mit zeitlicher Verzögerung auch in D Kimberley S. Young, Caught in the Net, Suchtgefahr Internet, Kösel Verlag, München

5 (UVWH6WXGLHQ Was hatte Dr. Young gemacht? Online Fragebogen mit Mischung aus Suchtrelevanten Items Internetrelevanten Items Allerdings... Ergebnisse (N= 500, Studenten) zeigten Suchtsymptome im weiteren Sinne: Kontrollverlust gedankliche Beschäftigung soziale Beeinträchtigung Haben Sie schon einmal eine reale Aktivität ausfallen lassen weil Sie online waren? [ ] Verheimlichen Sie Ihre Online Aktivität vor Freunden und Bekannten? [ ] Denken Sie im realen Leben an Ihre Online Aktivität? [ ] Wie lange sind Sie durchschnittlich online? Wie lange schlafen Sie durchschnittlich? h h Deutschsprachige Studien: Rauterberg, Zimmerl 5

6 (UVWH8PVFKUHLEXQJHQ Was resultierte hieraus? Erste Versuche einer Typologien (Young) Cybersexual addiction: pornograpische Darstellungen Cyber-relationship addiction: virtuelle Beziehungen, Chat Net Compulsions: Auktionen, e-shopping Information overload: sinnloses surfen Computer addiction: spielen und programmieren Kritik Suchtbegriff, theoretische Diskussion Pathologisierung des Internets als neues Kommunikationmedium Döring, Studie: Netzuser sind sozial genauso aktiv wie Nicht-User Turkle: Internet als neues Massenmedium, daß den Bereich sozialer Erfahrungen erheblich erweitert, gerade auch in Hinblick auf die eigene Identität $OOHUGLQJV 6

7 (LQ)DOOEHLVSLHO Im Erstgespräch stellte sich ein Mann vor. Ende 30, verheiratet, Kinder. Ihm ist fristlos gekündigt worden, weil ihm nachgewiesen wurde, daß er bis zu 80% seiner Arbeit in Chats verbrachte. Zunächst sei dies niemandem aufgefallen. Im Nachhinein aber sei ihm bekannt geworden, daß sich nach einigen Wochen Kollegen beschwert hätten, v.a. wegen seiner Unkonzentriertheit. Der Pat besitzt privat keinen Computer. Seine Netzaktivitäten während der Berufs-Zeit führten zu enormen Überstunden (ca. 180 in 6 Monaten), er habe sich kaum noch um seine Familie gekümmert, sei nur noch zum Schlafen nach Hause gekommen. Manche Freunde hätten sich abgewandt, er selbst habe auch keine Lust mehr gehabt zu sozialen Aktivitäten, habe sich "regelrecht davor gescheut". An den Wochenenden sei er nervös und gereizt gewesen, habe dem Montag-Morgen "entgegengefiebert". Quelle: Gocht, PM 7

8 $NWXHOOH6LWXDWLRQ Immer mehr Betroffene suchen wegen Problemen, die im Zusammenhang mit dem Internetgebrauch stehen Rat Erster deutscher Selbsthilfeverein Wissenschaftliche Diskussion etwas entpolemisiert, erste größerangelegte Studien, um nosologische Informationen zu gewinnen und die Diskussion überhaupt erst einmal auf eine empirische Basis zu stellen DSM-V: Aufnahme sog. Cyber-Disorders wird diskutiert HSO, Hilfe zur Selbsthilfe für Onlinesüchtige Projekt Internetsucht (Hahn & Jerusalem, Berlin) internetsucht.de 8

9 9HUVXFKHLQHUHWZDV GLIIHUHQ]LHUWHUHQ%HWUDFKWXQJ Einige Phänomene werden häufig beschrieben B Progressivität: Kontrollverlust, Nichtaufhörenkönnen Nichtbeachten negativer Konsequenzen: materiell, sozial Gefühl des Inbesitzgenommenseins: ständige gedankliche Beschäftigung, Wahrnehmung des Internets [sic!] als allgemeinen Problemlöser Scham: Onlineaktivitäten erzeugen moralisches Dilemma Selbstwertproblematik: Erleben von emotionalen Grunderfahrungen und Selbstwertsteigerung, die im realen Leben nicht möglich sind % EHVFKULHEHQDQKDQGYRQ7KHRULHQXQG 0RGHOOYRUVWHOOXQJHQDXVGHP%HUHLFK6XFKWXQGVSH]LHOO *O FNVVSLHOVXFKW Rosenthal (1989) - chasing Orford (1985) Oerter (1993) 9

10 .OLQLVFKH3HUVSHNWLYHQ Würde ich mir - als zweiten Punkt neben der eventuellen Nähe zur Spielsucht - als Diskussionspunkt wünschen. ;o) 10

11 /LWHUDWXU Psychologie und Internet, allgemein Batinic, B. (Hrsg.) (1999). Internet für Psychologen (2. Aufl.). Göttingen: Hogrefe Krüger, T. & Funke, J. (Hrsg.) (1998). Psychologie im Internet. Weinheim Beltz. Kommunikation und Identität im Internet Döring, N. (1999). Sozialpsychologie des Internets. Göttingen: Hogrefe. Turkle, Sherry (1999). Leben im Netz. Identität in Zeiten des Internet. Reinbek: Rowohlt. Zimmermann, T. & Laszig, P. (1998). Über die Konstruktion von Identität. Körper und Sexualität im Internet. Familiendynamik, 23, Internetsucht Eichenberg, C. & Ott, R. (1999, September). Suchtmaschine - Internetabhängigkeit: Massenphänomen oder Erfindung der Medien. c't, 19/99, Seemann, O. et al. (1999). Internet-Abhängigkeit. Münchener Medizinische Wochenschrift, Young, K.S. (1999). Caught in the Net, Suchtgefahr Internet. München: Kösel. Klinisch-psychologische Aspekte Eichenberg, C. & Ott, R. (1999). Informationen über Psychische Störungen im Internet: Wissenschaftliches, Selbsthilfe und Berichte Betroffener. Psychomed, 11, Laszig, P. (1997). Netzwerken: Psychoanalytische Ressourcen im WWW. Psyche, 51, Ott, R. (1998a). Klinische Psychologie und Psychotherapie im Internet - Ein Wegweiser durch das WWW. Psychomed, 10, Ott, R. & Dohrenbusch, R. (im Druck). Internetadressen aus Forschung und Praxis für Psychotherapeuten. Psychotherapeut. Spielberg, R. & Ott, R. (1999). Psychotherapie und Beratung im Netz: Was geht, was geht nicht? Psychomed, 11,

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