Frage 1: Wie lässt sich der Gegenstandsbereich der Industriesoziologie charakterisieren?

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1 Frage 1: Wie lässt sich der Gegenstandsbereich der Industriesoziologie charakterisieren? Soziologie soll heißen: eine Wissenschaft, welche soziales Handeln deutend verstehen und dadurch in seinem Ablauf und in seinen Wirkungen ursächlich erklären will (Max Weber). Industriesoziologie (IS) Abgrenzung von anderen Teildisziplinen der Soziologie - Arbeitssoziologie - Wirtschaftssoziologie Sie ist keine Soziologie der Industrie - erfasst werden auch Dienstleistung und Verwaltung betrachtet wird ein Ausschnitt sozialen Handelns * Soziales Handeln aber soll ein solches Handeln heißen, welches seinem von dem oder den Handelnden gemeinten Sinn nach auf das Verhalten anderer bezogen wird und daran in seinem Ablauf orientiert ist (Max Weber).

2 Im Fokus steht die Entwicklung von Erwerbsarbeit im Kontext technisch-organisatorischer Veränderungen in Unternehmen als sozialer Prozess. Fragestellungen, d.h. IS fragt nach: - den Organisationsstrukturen und den Formen des Technikeinsatzes im Arbeitsprozess - den Bestimmungsgründen und Verlaufsformen des Wandels von Arbeitsprozessen - den sozialen Folgen für die Beschäftigten Im Wechsel mit gesellschaftlichen Rahmenbedingungen wird weiterhin gefragt nach: - den gesellschaftlichen Einflüssen auf die Entwicklung des Arbeitsprozesses und umgekehrt - den Konsequenzen der Entwicklung des Arbeitsprozesses für den Wandel der Gesellschaft insgesamt Analyse von Arbeitsprozessen in Industrie, Dienstleistung und Verwaltung im Kontext gesellschaftlichen Wandels

3 Konzeptioneller Rahmen Abstimmung und Koordination beim Handeln eigensinniger Akteure Einbettung des zweckorientierten ökonomischen Handelns (sozio-ökonomische Ordnung) Wechselbeziehung zwischen Ordnung und Handeln der Akteure Analyse wirtschaftlicher Prozesse in einer soziologischen Perspektive Analyse kapitalistischer Entwicklung Es geht um die Anwendung soziologischer Analyseperspektiven auf ökonomische Tatbestände.

4 Frage 2: Als eine soziologische Grundfrage wird die nach der Konstitution sozialer Ordnungen angesehen. Um welches Problem geht es dabei? Wirtschaftliche Prozesse: Handeln verschiedener Akteure mit unterschiedlichen Interessen und Ressourcen (eigensinnige Akteure) wirft Probleme auf Lösungsansätze: Aufeinander abgestimmtes Verhalten (Koordination) - In wirtschaftlicher Sichtweise wichtig und notwendig Wiederkehrende Handlungsmuster sozialen Handelns - Erleichtern und vereinfachen Situationen - Lösung von Koordinationsproblemen - Schaffung von Verbindlichkeiten und Absprachen (Regeln, Normierungen, Übereinkünfte) Soziale Ordnung Beispiel dafür: Wochenmarkt

5 Zentrales Ziel ist also, dass ein geregeltes, kalkulierbares, konfliktfreies und im ökonomischen Sinn effizientes Handeln zustande kommt, welches auch dauerhaft bestehen kann. Soziale Ordnung = Grundfrage der soziologischen Analyse der Gesellschaft, denn Gesellschaft ist auch eine wenn auch sehr große soziale Ordnung.

6 Frage 3: Welcher soziale Zusammenhang wird mit dem Begriff der Koordination bezeichnet? Hintergrund: Unterschiedliche Interessen und Machtasymmetrien der Akteure (kaufen verkaufen) Handlungsprobleme (Koordinationsprobleme): Ungewissheit, Komplexität, Risiken, Dilemmata, Opportunismus, Konflikte, Macht- und Informationsasymmetrien Handlungssituation ist wenig kalkulierbar wie wird sie kalkulierbar? Konstitution einer kalkulierbaren Handlungssituation (= Koordination) mittels sozialer Bedingungen Soziale Bedingungen: o Normen, Werte o Regeln, Gesetze o Traditionen o Routinen o Institutionen, etc. Einbettung sozialen Handelns Beispiel: Tarifverhandlungen: Grundkonflikt von Arbeit Kapital

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