Der erste Tag BGI 568. BG-Information. Leitfaden für Unternehmer und Unternehmerinnen als Organisationshilfe und zur Unterweisung von Neulingen

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1 568 BGI 568 BG-Information Der erste Tag Leitfaden für Unternehmer und Unternehmerinnen als Organisationshilfe und zur Unterweisung von Neulingen Ausgabe: 2005

2 Impressum Herausgeber Berufsgenossenschaft Holz und Metall Wilhelm-Theodor-Römheld Straße Mainz Telefon: Fax: Internet: Servicehotline bei Fragen zum Arbeitsschutz: Medien Online: Hinweis: Das Schriftenwerk aller gewerblichen Berufsgenossenschaften wird derzeit neu strukturiert und thematisch den verschiedenen Fachbereichen der Deutschen Gesetzlichen Unfallversicherung (DGUV) zugeordnet. Damit liegt die redaktionelle Verantwortung für die vorliegende Schrift nicht mehr in den Händen der BGHM. Vor diesem Hintergrund ist diese Fassung der BGI 568 nur ein Nachdruck mit inhaltlichem Stand von 2005, mit dem wir die Übergangszeit der großen Nachfrage wegen überbrücken. Die aktuellen Sicherheits- und Gesundheitsschutzkennzeichen nach ISO 7010 und ASR A1.3 sowie die seit 2010 geltenden Gefahrstoffsymbole nach GHS (Globally Harmonized System of Classification and Labelling of Chemicals) finden Sie im Internet z. B. unter folgenden Links: Eine entgeltliche Veräußerung oder eine andere gewerbliche Nutzung bedarf der schriftlichen Einwilligung der BGHM. Ausgabe: 2005 Druck: Oktober 2014

3 Der erste Tag Leitfaden für Unternehmer und Unternehmerinnen als Organisationshilfe und zur Unterweisung von Neulingen BGI 568

4 Inhaltsverzeichnis Vorwort Auswahl neuer Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen Organisationsleitfaden für den Ersten Tag Patenschaft für den Neuling Tipps für eine erfolgreiche Unterweisung Organisations-und Unterweisungs-Checklisten Betriebsorganisation Gefährdungsbeurteilung Erste Hilfe Brand- und Explosionsschutz Sicherheitskennzeichen Flucht-, Rettungs- und Verkehrswege Arbeiten an Maschinen Verhalten bei Arbeitsunfällen und Störungen Gefahrstoffe Ordnung und Sauberkeit Stolper-, Rutsch- und Sturzunfälle Heben und Tragen Persönliche Schutzausrüstungen (PSA) Lärm- und Gehörschutz Hautschutz Sicher zur Arbeit und zurück Hinweise für den Neuling zum Arbeitsschutz Hinweise für den Neuling zur Verkehrssicherheit Unterweisungsnachweis neuer Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen...26 Abbildungsverzeichnis

5 Vorwort Erinnern Sie sich noch an Ihren ersten Arbeitstag? Wahrscheinlich hat er Stress pur bedeutet. Genauso geht es auch Ihrem Neuling an seinem ersten Arbeitstag gleichgültig, ob es eine Praktikantin oder ein Auszubildender, eine gestandene Arbeitnehmerin, ein gestandener Arbeitnehmer oder ein Leiharbeiter ist, der/die neu in Ihrem Unternehmen anfängt. Selbst langjährige Beschäftigte, die eine neue Aufgabe wahrnehmen, empfinden häufig diese besondere Stresssituation. Und diese Stresssituation führt dazu, dass Neulinge ein vielfach höheres Unfallrisiko aufweisen als Ihre anderen Beschäftigten. Jeden zweiten Unfall erleiden Beschäftigte, die noch kein halbes Jahr im Unternehmen beschäftigt sind bzw. diese Tätigkeit ausführen. Für Ihr Unternehmen kann dies bedeuten, dass die neuen Beschäftigten, kaum dass sie da sind, gleich wieder ausfallen. Und neben den Kosten und dem zusätzlichen Organisationsaufwand haben Sie dann den Stress. Lassen Sie es nicht so weit kommen! Für Ihr Unternehmen haben diese Bemühungen gleich mehrere Vorteile: stärkere Identifizierung mit Ihrem Unternehmen schnelle Orientierung für den Neuling hohe Motivierung für die neue Aufgabe Verringerung der Fehlzeiten Erfüllung Ihrer Fürsorgepflicht Zusammengefasst: Zufriedene Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen, hohe Produktivität und eine gerichtsfeste Organisation. Diese Broschüre kann Ihnen Tipps und Hilfestellungen geben, wie Sie Ihren Neuling möglichst stressfrei integrieren können. Der modulare Aufbau ermöglicht dabei, die für Ihr Unternehmen wichtigen Aspekte praxisnah anzuwenden. Aber sehen Sie selbst und erkennen Sie die Chance, die sich für den Erfolg Ihres Unternehmens bietet. Was können Sie tun? Helfen Sie Ihrem Neuling, den Stress abzubauen! Schaffen Sie eine Atmosphäre, die neuen Beschäftigten signalisiert, dass sie willkommen sind! Durch eine gute Organisation des ersten Tages und der folgenden Wochen erreichen Sie, dass Neulinge von Anfang an richtig betreut werden. 5

6 1. Auswahl neuer Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen Bitte beantworten Sie die folgenden Fragen. Sie können sowohl Ihnen als auch dem Neuling helfen, keine bösen Überraschungen zu erleben. Bevor Sie mit der Auswahl neuer Beschäftigter beginnen, sollten Sie zuvor die Aufgaben und die hierfür erforderliche Qualifikation genau ermitteln. Des Weiteren ist noch zu klären, ob medizinische Voraussetzungen an die Tätigkeiten gebunden sind (z. B. das Tragen von Atemschutz). Bedenken Sie aber auch, dass nicht nur durch die Tätigkeiten Anforderungen an den Neuling gestellt werden, sondern auch durch das betriebliche Umfeld und die Kolleginnen und Kollegen. Die Klärung der fachlichen, medizinischen und menschlichen Ansprüche ist die Basis für die richtige Auswahl der neuen Beschäftigten und eine erfolgreiche und langjährige Zusammenarbeit. Die fachliche Eignung eines/einer neuen Beschäftigten kann anhand von Zeugnissen und Referenzen bewertet werden. Sie sollten aber ebenso wie die zwischenmenschliche Ebene im persönlichen Vorstellungsgespräch geprüft und vertieft werden. Die medizinische Eignung kann letztlich nur durch eine Untersuchung durch einen Betriebsarzt/eine Betriebsärztin oder durch den Arbeitsmediziner/die Arbeitsmedizinerin festgestellt werden. Fragenkatalog: Sind die Aufgaben des Neulings bekannt? Sind alle fachlichen und medizinischen Anforderungen für die Erfüllung der Aufgaben ermittelt? Erfüllt der Neuling die Qualifikation für seine neuen Aufgaben? Welche Qualifikation/Schulung muss der Neuling noch erhalten? Bestehen keine gesundheitlichen Bedenken? Passt der Neuling in das betriebliche Umfeld und zu den anderen Beschäftigten? 6

7 2. Organisationsleitfaden für den Ersten Tag Eine erfolgreiche und unfallfreie Zusammenarbeit hängt auch von einem guten Start ab. Die folgenden Punkte helfen Ihnen, dass der Neuling sich in Ihrem Betrieb willkommen fühlt. So bauen Sie auf beiden Seiten Stress ab! 1. Vorbereitung des Ersten Tages Anschreiben zur Erfassung der Sozialdaten sowie der Körpermaße (Arbeitskleidung, persönliche Schutzausrüstungen (PSA) usw.) Fahrplan für die Integration in den neuen Betrieb zusenden Einarbeitungs- oder Ausbildungsplan erstellen Paten auswählen und benennen Beschaffung von Arbeitskleidung, PSA, Spind, Stempelkarte, Arbeitsplatz, Arbeitsmittel usw. arbeitsmedizinische Vorsorgeuntersuchung planen Kollegen/ggf. Betriebsrat über den Neuling informieren/ sie vorbereiten sich selbst Zeit für den Ersten Tag reservieren 3. Betriebsrundgang Sozialräume Arbeitsplatz und Gesamt-Betrieb bzw. Arbeitsplatzumfeld Kontakt zu Vorgesetzten, Sicherheitsbeauftragten und Ersthelfern herstellen Flucht- und Rettungswege, Feuerlöscher Erste-Hilfe-Material/Unfallmeldung 4. Allgemeine Arbeitsschutz-Unterweisungen 5. Arbeitsplatzspezifische Arbeitsschutz-Unterweisungen 6. Kontrolle/Rücksprache nach z. B. einer Woche der Betriebszugehörigkeit Angebot für Hilfe bzw. Rückfragen aussprechen Kontrolle der erfolgreichen Integration Rücksprache mit dem Paten/der Patin Tipps für eine erfolgreiche Unterweisung sowie Checklisten zu allgemeinen Arbeitsschutzthemen finden Sie ebenfalls in dieser Broschüre. 2. Begrüßung im neuen Unternehmen ruhige, entspannte Atmosphäre schaffen geplanten Ablauf für die Integration (z. B. erste Woche) besprechen wichtige Ansprechpartner (Vorgesetzte, Personalabteilung, Betriebsrat, Paten usw.) und die (direkten) Kollegen und Kolleginnen vorstellen 7

8 3. Patenschaft für den Neuling 3. Umsetzung der Patenschaft Paten und Neuling bekannt machen gegenseitige Akzeptanz fördern Angebot für Hilfe und bei Rückfragen sowohl an die Paten als auch die Neulinge aussprechen 4. Rückmeldung der Paten an die Unternehmer/Vorgesetzten Bitte beachten Sie, dass Neulinge nicht nur die Unterstützung durch die Paten benötigt. Der gesamte Betrieb und alle Beschäftigten sind für Neulinge mittverantwortlich. Vergessen Sie dabei bitte nicht Ihre eigene Vorbildfunktion. Das Einfinden des Neulings in Ihrem Betrieb wird durch persönliche Kontakte und Ansprechpartner und -partnerinnen erleichtert. Hierbei haben sich Patenschaften zwischen dem Neuling und einem/einer in Ihrem Betrieb erfahrenen Beschäftigten bewährt. Übrigens: Auch die Paten benötigt vielleicht Ihre Unterstützung. Neulinge im Betrieb (T004) BG ETEM Die folgenden Punkte helfen Ihnen, dass eine Patenschaft auch in Ihrem Betrieb ein Erfolg wird. 1. Auswahl der Paten Eignung der Paten Vorbildfunktion im Arbeitsschutz fachliche Qualifikation menschliche Eignung zwischenmenschliche Beziehung zum Neuling Patenschaft als Auszeichnung für die Paten hervorheben 2. Unterweisung der Paten Sensibilisierung der Paten für die Stresssituation des Neulings Schulung/Unterweisung der Paten zur Erfüllung ihrer Aufgaben Aufgaben der Paten(ggf. mit Checkliste) definieren, z. B. Betriebsrundgang Erstunterweisung regelmäßiger Erfahrungsaustausch mit dem Neuling Aus- und Fortbildung Rückmeldung an die Vorgesetzten Festlegung des zeitlichen Rahmens für die Patenschaft Pflichtenübertragung auf die Paten/Verantwortung Patenschaft im Betrieb bekannt geben Unterweisung und Beauftragung der Paten dokumentieren Erfahrung schafft Sicherheit 8

9 4. Tipps für eine erfolgreiche Unterweisung Form der Unterweisung*) ( moderierte Kurzunterweisung ) in für die Beschäftigten verständlicher Form im Gespräch oder Diskussion mit den Beschäftigten Beschäftigte aktivieren, um einen größeren Erfolg zu erzielen Informationsfülle beschränken Unterweisungen sind wichtige Bausteine des Arbeits- und Gesundheitsschutzes. Im Gespräch zwischen Vorgesetzten und Beschäftigten sollen Informationen vermittelt und ein sicherheits- und gesundheitsgerechtes Verhalten gefördert werden. Denn nur Beschäftigte, ob Neulinge oder erfahrene Kollegen und Kolleginnen, die über die Gefahren ihrer Tätigkeit informiert sind und die notwendigen Schutzmaßnahmen akzeptiert haben, sind Basis für den Erfolg Ihres Unternehmens. Und zugleich sind Sie als Unternehmer bzw. Vorgesetzte Ihrer zentralen Verantwortung der Fürsorgepflicht nachgekommen. Ablauf der Unterweisung*) 1. Unterweisung gut vorbereiten 2. Grundsatzfragen: Welche Gefahren bestehen? Wie kann man sich schützen? 3. Sicherheitseinrichtungen erläutern 4. Beschäftigte verpflichten 5. Einhaltung des Arbeits- und Gesundheitsschutzes kontrollieren Ihre Beschäftigten sind keine Kinder mehr und wollen gerade bei einer Unterweisung auch nicht so behandelt werden. Nutzen Sie den gegenseitigen Erfahrungsaustausch und die gemeinsame Diskussion, denn so werden Sie eine hohe Akzeptanz und Nachhaltigkeit erreichen. Man nennt das eine moderierte Kurzunterweisung (wie vorgenannt) und die Erfolge in den Betrieben bestätigen diese Methode. Verantwortlich Arbeitgeber/Arbeitgeberin Durchführung Vorgesetzte (wie Unternehmer/in, Abteilungsleiter/in, Meister/in ) Unterweisungsanlässe Erstunterweisung von Neulingen anlassbezogene Unterweisung wiederkehrende Unterweisung Uhrzeit/Zeitpunkt für Unterweisung*) am Arbeitsplatz Ausbildungs-/Besprechungsraum Pausenraum Meisterbüro Dokumentation bei einigen Themen verpflichtend (z. B. Umgang mit Gefahrstoffen) grundsätzlich empfehlenswert Thema/Inhalt, Zeitpunkt, Teilnehmer (ggf. mit Unterschrift) Unterweisung - Bestandteil des betrieblichen Arbeitsschutzes (BGI 527), Top Info (DVD-D 635) *) Empfehlungen, nicht rechtsverbindlich 9

10 5. Organisations-und Unterweisungs-Checklisten 5.1 Betriebsorganisation Arbeitsschutz stellt sich in Ihrem Betrieb nicht von allein ein, diesen zu organisieren gehört zu Ihrer Verantwortung als Unternehmer bzw. als Vorgesetzte. Hierbei sind u. a. zu beachten: Sicherheitsorganisation/Arbeitsschutzmanagement sicherheitstechnische und arbeitsmedizinische Betreuung Pflichtenübertragung auf die Vorgesetzten Gefährdungsbeurteilung Gefahrstoffverzeichnis Betriebsanweisung und Unterweisung Notfallpläne und erste Hilfe Hinweise hierzu finden Sie in den verschiedenen Checklisten dieser Broschüre. Kennt der Neuling die innerbetriebliche Aufgabenverteilung und sind ihm seine direkten betrieblichen Vorgesetzten vorgestellt worden? Kennt der Neuling den/die für seinen Arbeitsbereich zuständigen Sicherheitsbeauftragte(n)? Ist dem Neuling ausreichend klar, welches Verhalten im Arbeitsschutz von ihm erwartet wird? Kennt der Neuling die betrieblichen Notfallpläne? Ist der Neuling aufgefordert worden, beobachtete Fehler (z. B. Störungen, Mängel im Arbeitsschutz, Beinaheunfälle usw.) mitzuteilen, da sie als Chance für Verbesserungen angesehen werden? Sind bei der Einführung des Neulings die Sicherheitsfachkraft, der Betriebsarzt/die Betriebsärztin und ggf. der Betriebsrat einbezogen worden? Sind die arbeitsmedizinischen Vorsorgeuntersuchungen durchgeführt worden? Übertragung von Unternehmerpflichten (BGI 508) Arbeitsschutz im Handwerksbetrieb (BGI 741) Fünf Bausteine für einen gut organisierten Betrieb (BGI 5124) Niedersächsischer Fragebogen zur Arbeitsschutzorganisation in Klein- und Mittelbetrieben (Niedersächsische Gewerbeaufsicht) 5.2 Gefährdungsbeurteilung Im Folgenden finden Sie weitere Aspekte, die für die Einarbeitung des Neulings wichtig sind: Sind dem Neuling die Unternehmensziele, auch in Bezug auf den Arbeitsschutz, bekannt? Ist dem Neuling deutlich geworden, dass sicherheitsgerechtes und gesundheitsbewusstes Arbeiten zum Erfolg des Betriebes beitragen? Die eigenverantwortliche Gestaltung des Arbeitsschutzes für Ihr Unternehmen gehört zu Ihren zentralen Pflichten als Arbeitgeber. Diesen Gestaltungsspielraum müssen Sie durch die Beurteilung der Arbeitsbedingungen (Gefährdungsbeurteilung) ausfüllen. Werden die Arbeitsbedingungen in Ihrem Unternehmen systematisch beurteilt und dabei alle Arbeitsplätze und Tätigkeiten berücksichtigt? Werden die Gefährdungen und Belastungen arbeitsplatzbzw. tätigkeitsbezogen ermittelt und dabei auch die besondere Situation von Neulingen berücksichtigt? Ziehen Sie Fachleute zur Ermittlung bestimmter Gefährdungen und Belastungen hinzu? Benutzen Sie zur Beurteilung der Arbeitsbedingungen eine Arbeitsbereichsanalyse/ein Gefahrstoffkataster? Verwenden Sie geeignete Bewertungskriterien, um die mit den ermittelten Gefährdungen verbundenen Gesundheitsrisiken der bei Ihnen Beschäftigten zu beurteilen? Wird Ihre Gefährdungsbeurteilung auch bei Änderungen des Arbeitsverfahrens und bei Anschaffung neuer Maschinen aktualisiert? Werden nach Unfällen bzw. Beinaheunfällen die Ursachen ermittelt und ggf. Ihre Gefährdungsbeurteilung überar- 10

11 Organisations-und Unterweisungs-Checklisten beitet, um zielgerichtete Schutzmaßnahmen festlegen zu können? Fordern Sie Ihre Beschäftigten auf, sich bei der Ermittlung der Gefährdungen und Belastungen an ihrem Arbeitsplatz aktiv zu beteiligen? Führen Sie anhand der Gefährdungsbeurteilung eine Risikoabschätzung durch, um Prioritäten bei der Einführung von Schutzmaßnahmen festlegen zu können? Wie und von wem werden in Ihrem Unternehmen die erforderlichen Schutzmaßnahmen festgelegt? Wer sorgt für die Umsetzung und Einführung der festgelegten Schutzmaßnahmen und wer prüft die Wirksamkeit und Akzeptanz der eingeführten Maßnahmen? Haben Sie Ihre Gefährdungsbeurteilung dokumentiert? Für die Erstellung der Gefährdungsbeurteilung sollten Sie auf die Fachkompetenz Ihrer Fachkraft für Arbeitssicherheit, Ih- res Betriebsarztes/ihrer Betriebsärztin sowie ggf. auf Sachverständige zurückgreifen. Wenn Sie generelle Fragen zur Gefährdungsbeurteilung haben, können Sie auch die zuständige Aufsichtsperson Ihrer Berufsgenossenschaft ansprechen. Internetauftritt der BGHM Webcode 213 und Webcode Erste Hilfe Auch in einem gut organisierten Betrieb und trotz sicherheitsgerechten Verhaltens der Beschäftigten können Unfälle nicht vollständig verhindert werden. Deshalb ist es erforderlich, Ihren Betrieb auf den Notfall vorzubereiten. Das müssen Unternehmer wissen: Stehen Ersthelfer und -helferinnen in ausreichender Anzahl (und in jeder Schicht) zur Verfügung? Ist sichergestellt, dass das Erste-Hilfe-Training für alle Ersthelfer und -helferinnen in Abständen von zwei Jahren wiederholt wird? Wissen Sie, dass die Berufsgenossenschaft die Kursgebühren für die Erste-Hilfe-Ausbildung übernimmt? 11

12 Organisations-und Unterweisungs-Checklisten Beachten Sie, dass die für den Führerschein vorgeschriebenen Sofortmaßnahmen am Unfallort als betriebliche Ersthelfer-Ausbildung in keinem Falle ausreichend sind? Werden alle Beschäftigten mindestens jährlich über das richtige Verhalten bei Arbeitsunfällen unterwiesen? Wird das Verbandmaterial regelmäßig auf Vollständigkeit geprüft, ggf. erneuert und sind erforderlichenfalls Augenspülflaschen und Löschdecken vorhanden? Wird bei Arbeiten außerhalb des Betriebes ein vollständig ausgestatteter Verbandkasten mitgeführt? Ist für Ihren Betrieb ein Alarmplan vorhanden und allen Beschäftigten bekannt gegeben? Sind die Beschäftigten darüber informiert, dass sie jeden Unfall unverzüglich zu melden haben? Ist eine Erste-Hilfe-Tafel ausgehängt und sind die betriebsspezifischen Angaben ergänzt? Werden Unfälle im Verbandbuch dokumentiert und die Aufzeichnungen mindestens fünf Jahre aufbewahrt Das müssen die Beschäftigten wissen: Ist allen Beschäftigten bekannt, dass in Notfällen jeder zur ersten Hilfe verpflichtet ist? Ist allen Beschäftigten bewusst, dass erste Hilfe eine sofortige Nothilfe ist, von der maßgeblich der weitere Heilungsverlauf abhängt? Ist allen bekannt, wie die Rettungskette und der Alarmplan funktionieren, welche Sofortmaßnahmen am Unfallort einzuleiten sind und wo sich das Erste-Hilfe-Material befindet? Kennen alle Beschäftigten den nächsten Durchgangsarzt und wissen, welche Bedeutung dieser hat? Wissen die Beschäftigten, warum jede auch noch so kleine Verletzung in das Verbandbuch eingetragen werden soll? Die Erste-Hilfe-Kette ist nur so stark, wie ihr schwächstes Glied. Sorgen Sie dafür, dass sie nicht schon in Ihrem Betrieb reißt, bevor die Rettungsdienste eintreffen. Erste Hilfe im Betrieb (BGI 509), Plakat Erste Hilfe (BGI 510-1), Handbuch zur Ersten Hilfe (BGI 829) 5.4 Brand- und Explosionsschutz Brandschutz Sind die im Betrieb verwendeten Feuerlöscher für die jeweiligen brennbaren Stoffe geeignet? Ist die Anzahl an Feuerlöschern für die einzelnen Arbeitsbereiche ausreichend und sind diese geprüft? Sind die Feuerlöscher und erforderlichenfalls Löschdecken schnell und leicht erreichbar und sind die Aufbewahrungsorte gekennzeichnet? Befinden sich die Feuerlöscheinrichtungen in einem ordnungsgemäßen Zustand und wurde die Handhabung von den Beschäftigten geübt? Sind die feuer- und explosionsgefährdeten Bereiche deutlich und dauerhaft gekennzeichnet (auch die Zugänge)? Wird regelmäßig überprüft, ob brennbare Stoffe durch weniger gefährliche ersetzt werden können? Werden nur die unmittelbar für den Arbeitsprozess notwendigen Mengen leicht brennbarer Stoffe an den Arbeitsplätzen bereitgehalten und werden sie in dafür geeigneten und verschlossenen Behältern aufbewahrt? 12

13 Organisations-und Unterweisungs-Checklisten Explosionsschutz Werden im Unternehmen brennbare Stoffe verarbeitet (Beispiele: Lagern, Fördern, Um- und Abfüllen brennbarer Stoffe; Reinigen und Entfetten mit Lösemitteln; Verarbeiten lösemittelhaltiger Lacke, Pulverlackieren)? Können diese brennbaren Stoffe durch ausreichende Verteilung in der Luft ein explosionsfähiges Gemisch bilden? Kann die Menge des explosionsfähigen Gemisches zu Schäden führen bzw. gefährlich werden (Grenze ca. 10 l Gemisch)? Bei Vorhandensein eines gefährlichen explosionsfähigen Gemisches müssen (für bestehende Anlagen bis spätestens Ende 2005) ein Explosionsschutzdokument angefertigt und die entsprechenden Schutzmaßnahmen getroffen werden. Brand- und Explosionsschutz sind nicht nur für Leben und Gesundheit Ihrer Beschäftigten unverzichtbar, sondern auch für die Existenz Ihres Betriebes. Die Unterweisung der Beschäftigten sollte deshalb auf die Ver- und Gebote eingehen, die Regeln für den Brandfall vermitteln und Brandschutzübungen beinhalten. Sicherlich ist auch Ihre örtliche Feuerwehr gerne bereit, Sie hierbei zu unterstützen. Explosionsschutz-Regeln (EX-RL) (BGR 104), Ausrüstung von Arbeitsstätten mit Feuerlöschern (BGR 133), Lackierer (BGI 557), Arbeitssicherheit durch vorbeugenden Brandschutz (BGI 560), Brandschutz (BGI 597-9), Elektrostatisches Beschichten für flüssige Beschichtungsstoffe (BGI 764) 13

14 Organisations-und Unterweisungs-Checklisten 5.5 Sicherheitskennzeichen Nicht alle Gefahren können durch technische und organisatorische Arbeitsschutzmaßnahmen vermieden werden. Um das Restrisiko weiter zu reduzieren, werden Sicherheitskennzeichen eingesetzt, um so vor latenten Gefährdungen zu warnen oder plötzlich auftretende Gefahrensituationen zu entschärfen. Führen Sie systematische Gefährdungs- und Belastungsanalysen durch, um festzulegen, wo welche Kennzeichnung erforderlich ist? Werden die Beschäftigten über die Bedeutung der Sicherheits- und Gesundheitsschutzkennzeichnung in ihrem Arbeitsbereich unterwiesen? Wie stellen Sie sicher, dass die Beschäftigten die Bedeutung der Kennzeichnung verstanden haben und diese von ihnen beachtet wird? Wie wird sichergestellt, dass die Beschäftigten die Bedeutung der genormten Handzeichen kennen und deren Anwendung beherrschen? Welche Maßnahmen ergreifen Sie, wenn Beschäftigte die Gebote, Warnungen und Verbote nicht beachten? Berücksichtigen Sie bei der Auswahl der Sicherheitskennzeichnung auch das eingeschränkte Hör- oder Sehvermögen einzelner Beschäftigter durch ergänzende oder alternative Kennzeichnungsarten? Erfolgen schriftliche Angaben auf Kennzeichnungen auch in der Sprache ausländischer Beschäftigter? Werden zur Regelung des innerbetrieblichen Verkehrs nur Verkehrszeichen des öffentlichen Straßenverkehrs verwendet? Wie werden die Risiken an unübersichtlichen Stellen und sonstigen Gefahrstellen an Verkehrswegen durch Sicherheitszeichen minimiert? Wird regelmäßig geprüft, ob die Sicherheits- und Gesundheitsschutzkennzeichnung nicht beschädigt und noch gut erkennbar ist? Wie stellen Sie sicher, dass nicht mehr gültige oder in der Zwischenzeit unzweckmäßig gewordene Kennzeichnungen rechtzeitig entfernt werden? Wird darauf geachtet, dass alle Behälter für Gefahrstoffe auch nach dem Umfüllen für die innerbetriebliche Verwendung deutlich gekennzeichnet sind? Sicherheitskennzeichen können die primären Maßnahmen des Arbeits- und Gesundheitsschutzes nur ergänzen. Unerlässlich sind regelmäßige Unterweisungen Ihrer Beschäftigten insbesondere der Neulinge, um so die Beachtung und sachgerechte Umsetzung der Kennzeichnung sicherzustellen. Sicherheits- und Gesundheitsschutzkennzeichnung (Technische Regeln für Arbeitsstätten ASR A1.3) 5.6 Flucht-, Rettungs- und Verkehrswege Die Zahl der Arbeitsunfälle an Maschinen nimmt seit vielen Jahren kontinuierlich ab. Leider trifft dieses nicht so auf die Unfälle zu, die durch das Gehen oder gar Flüchten auf den betrieblichen Wegen verursacht werden. 14

15 Organisations-und Unterweisungs-Checklisten Sind Rettungs- und Fluchtwege in ausreichender Zahl vorhanden, gekennzeichnet und werden diese stets freigehalten? Werden die Zugänge zu Feuerlöschern, Erste-Hilfe-Einrichtungen, elektrischen Verteilern und Schaltschränken freigehalten? Lassen sich die Notausgänge von innen jederzeit ungehindert schnell öffnen und schlagen die Türen in Fluchtrichtung auf? Sind die Trittflächen von Treppen rutschhemmend gestaltet und werden die Beschäftigten darauf hingewiesen, beim Treppensteigen den Handlauf zu benutzen? Wird der Zustand der betrieblichen Verkehrs-, Rettungsund Fluchtwege regelmäßig überprüft? Ist der Winterdienst organisiert? Bei diesem Thema liegt es auf der Hand: Vor allem neue Beschäftigte müssen über die Lage der Flucht- und Rettungswege sowie die nächstgelegenen Notausgänge unterwiesen werden. Verkehrswege (Technische Regeln für Arbeitsstätten ASR A1.8) Fluchtwege und Notausgänge (Technische Regeln für Arbeitsstätten ASR A2.3) 5.7 Arbeiten an Maschinen Maschinen wurden in den letzten Jahrzehnten immer sicherer. Dennoch müssen die Beschäftigten, bevor sie das erste Mal damit arbeiten, unterwiesen werden, welche Restgefahren vorhanden sind und wie sie sich durch richtiges Verhalten schützen müssen. Haben Sie zu den Maschinen und den damit verbundenen Tätigkeiten Gefährdungsbeurteilungen durchgeführt? Wird aus den sicherheitsrelevanten Informationen der Bedienungsanleitung eine Betriebsanweisung erstellt? Ist erforderlichenfalls ein Flucht- und Rettungsplan erstellt und ausgehängt worden? Gibt es genügend und richtig dimensionierte Verkehrswege? Sind die Verkehrswege frei von Bodenunebenheiten? Sind Arbeitsplätze und Lagerflächen von Verkehrswegen deutlich abgegrenzt und ggf. durch Bodenmarkierungen gekennzeichnet? Sind die Beschäftigten angewiesen, Verkehrsflächen nicht als Lagerflächen zu benutzen? Wird die Gefährdung von Fußgängern durch Fahrzeuge verhindert? Wird auf besondere Gefahren durch die entsprechende Kennzeichnung hingewiesen und sind an unübersichtlichen Stellen zusätzliche Sicherungsmaßnahmen vorhanden (z. B. Verkehrsspiegel)? Sind alle Wege in Gebäuden und im Freien ausreichend beleuchtet? Sind Wege mit Absturzgefahr durch Geländer, Leitplanken u. Ä. gesichert? 15

16 Organisations-und Unterweisungs-Checklisten Sind die Beschäftigten darüber unterwiesen, dass Alkohol oder Drogen sowie Übermüdung das Unfallrisiko deutlich erhöhen? Achten Sie und die Vorgesetzten darauf, dass Ihre Beschäftigten geeignete Arbeitskleidung tragen und dass das Tragen von Schmuck und Armbanduhren an vielen Arbeitsplätzen verboten ist? Handwerker (BGI 547) Jugendliche (BGI 624) 5.8 Verhalten bei Arbeitsunfällen und Störungen Achten Sie auf die bestimmungsgemäße Verwendung der Maschine? Hat jedes kraftbetriebene Arbeitsmittel eine Hauptbefehlseinrichtung und ist die Zuordnung eindeutig erkennbar? Verfügen die Hauptbefehlseinrichtungen nur über eine Ein-Aus-Stellung und können sie gegen unbefugtes Betätigen gesichert werden? Hat jedes kraftbetriebene Arbeitsmittel eigene Befehlseinrichtungen zum Ingang- und Stillsetzen? Sind Befehlseinrichtungen eindeutig und unverwechselbar gekennzeichnet? Sind Befehlseinrichtungen vom Bedienplatz aus leicht und gefahrlos erreichbar und möglichst im Handbereich der Bedienperson angebracht? Verfügen kraftbetriebene Arbeitsmittel über Not-Befehlseinrichtungen, mit denen Gefahr bringende Bewegungen stillgesetzt werden können? Sind Not-Befehlseinrichtungen als roter Pilztaster mit darunter liegender gelber Kontrastfarbe ausgeführt und so ausgebildet, dass nach ihrer Betätigung das Arbeitsmittel erst nach Entriegeln der Not-Befehlseinrichtung wieder eingeschaltet werden kann? Sind alle Beschäftigten darüber unterrichtet, dass sie die Befehlseinrichtungen eines Arbeitsmittels nur betätigen dürfen, wenn sie hierzu befugt sind? Sind alle, insbesondere neue Beschäftigte, unterwiesen worden, bevor sie eine Maschine bedienen? Wissen Ihre Beschäftigten, dass sie Fehler an Maschinen grundsätzlich nicht selbst reparieren bzw. instand setzen, sondern sofort ihrem Vorgesetzten melden sollen? Die Routine birgt auch ihre Gefahren, doch meistens bekommt man sie in den Griff. Schwieriger ist das beim richtigen Verhalten bei Arbeitsunfällen und Störungen. Dann zeigt es sich, wie gut Ihr Betrieb organisiert ist und wie erfolgreich Ihre Beschäftigten unterwiesen worden sind. Werden die Beschäftigten regelmäßig, mindestens einmal jährlich, über ihr richtiges Verhalten bei Arbeitsunfällen und Störungen im Arbeitsablauf unterwiesen, um im Bedarfsfall den einwandfreien Ablauf der Rettungskette sicherzustellen? Ist sichergestellt, dass alle Beschäftigten wissen, wo und wie ein Notruf abgesetzt wird? Sind ausgebildete Ersthelfer in ausreichender Anzahl in jeder Schicht vorhanden, auch zu Urlaubszeiten und an Wochenenden oder Feiertagen? 16

17 Organisations-und Unterweisungs-Checklisten Ist sichergestellt, dass Aushänge über die erste Hilfe mit den Angaben über Notruf, Ersthelfer, Erste-HilfeMaterial, Durchgangsärzte und zugelassene Krankenhäuser auf dem aktuellen Stand sind? Ist der Betriebsarzt in die Notfallorganisation bzw. die Organisation der Rettungskette mit eingebunden worden? Ist sichergestellt, dass die Beschäftigten jeden Unfall ihren Vorgesetzten melden und ein Eintrag in das Verbandbuch erfolgt? Ist sichergestellt, dass jeder Ihrer Beschäftigten weiß, dass bei schweren Unfällen Gewerbeaufsicht und Berufsgenossenschaft telefonisch informiert werden und bis zum Eintreffen von Polizei, Gewerbeaufsicht oder Berufsgenossenschaft die Unfallstelle abgesichert und nicht verändert wird? Wissen Ihre Beschäftigten, dass Sie in der Regel Störungen an Maschinen oder Anlagen nicht selbst beheben sollen, sondern ihre Vorgesetzten bzw. die Instandhaltung zu informieren sind? Melden Ihre Beschäftigten Störungen und Beinaheunfälle, damit Sie wertvolle Informationen zur Verbesserung Ihres betrieblichen Arbeitsschutzes erhalten? Neue Beschäftigte versuchen häufig, sich schnell vor den Vorgesetzten und Kollegen zu profilieren. Aus diesem Grund übernehmen sie leicht Aufgaben, für die sie nicht ausreichend ausgebildet sind. Insbesondere Notfallsituationen, wie Unfälle und Störungen, werden durch diesen Übereifer durch zusätzliche Gefahrenmomente weiter verschärft. Grundsätze der Prävention (BGV A 1) Instandhalter (BGI 577) 5.9 Gefahrstoffe Ohne den Einsatz von Gefahrstoffen sind die meisten Fertigungsverfahren im Metallbereich nicht möglich. Umso wichtiger ist der richtige Umgang mit diesen Stoffen, zumal ihnen die Gefährdung häufig kaum anzusehen ist. Gibt es gekennzeichnete Gefahrstoffe in Ihrem Betrieb (Gefahrensymbol, Hinweise auf besondere Gefahren/ R-Sätze, Sicherheitsratschläge/ S-Sätze)? Werden Verfahren im Betrieb eingesetzt, bei denen Gefahrstoffe neu entstehen (z. B. Kühlschmierstoffemulsionen, VA-Schweißrauche)? Werden gefährliche Abfälle (z. B. Filterstaub aus VA- Schweißrauch-Absauganlagen) korrekt gehandhabt (Einstufung, Kennzeichnung, Verpackung)? Sind die Sicherheitsdatenblätter in aktueller Fassung verfügbar? Liegt ein Verzeichnis dieser Gefahrstoffe in schriftlicher Form vor? Sind alle Verpackungen, auch innerbetriebliche Behältnisse nach dem Umfüllen, vollständig gekennzeichnet? Wurde eine Gefährdungsbeurteilung (z. B. in Form einer Arbeitsbereichsanalyse) durchgeführt und dokumentiert? Wurde geprüft, ob durch andere Fertigungsverfahren Gefahrstoffe vermieden oder weniger gefährliche Stoffe eingesetzt werden können? Sind für alle Gefahrstoffe Betriebsanweisungen am Arbeitsplatz vorhanden? Werden auf der Grundlage der Betriebsanweisungen Unterweisungen durchgeführt und diese auch dokumentiert (mit Unterschrift und mindestens zwei Jahre aufbewahrt)? Werden an den Arbeitsplätzen nur so große Mengen der Gefahrstoffe gelagert, wie für den Tagesbedarf erforderlich sind? Werden bei nicht nachgewiesener sicherer Einhaltung von Grenzwerten Vorsorgeuntersuchungen der Beschäftigten durchgeführt und dokumentiert? Werden die Grundregeln der Hygiene beim Umgang mit Gefahrstoffen berücksichtigt? Der richtige Umgang mit Gefahrstoffen oder auch die Wahl ungefährlicher Verfahren erfordert hohes Fachwissen. Bei Bedarf sollten Sie z. B. auf die Unterstützung der Gefahrstoffhersteller, Ihres Betriebsarztes und Ihrer Fachkraft für Arbeitssicherheit zurückgreifen. Aber auch Ihre Berufsgenossenschaft steht Ihnen ebenfalls mit praxisnahem Rat zur Seite und kann Gefahrstoffmessungen in Ihrem Betrieb durchführen. 17

18 Organisations-und Unterweisungs-Checklisten Internetauftritt der BGHM Webcode 226 und Webcode Ordnung und Sauberkeit Ordnung und Sauberkeit sind ein wichtiger Bestandteil des Arbeits- und Gesundheitsschutzes. Sicher, wo gehobelt wird, da fallen Späne, doch dürfen darunter weder die Qualität der Arbeit noch die Sicherheit leiden. Und letztlich wird auch der Eindruck Ihrer Kunden von den Verhältnissen an den Arbeitsplätzen mitbestimmt, häufig nicht zum Positiven. Aufgaben des Unternehmers Sind die Verkehrswege und Arbeits- bzw. Lagerbereiche ausreichend bemessen (ggf. auch gekennzeichnet)? Sind die Flucht- und Rettungswege deutlich erkennbar und dauerhaft gekennzeichnet und werden sie auch ständig freigehalten? Sind die Zugänge zu Notfalleinrichtungen, wie Feuerlöschern, Erste-Hilfe-Einrichtungen sowie Elektroverteilungen und Schaltkästen, sicher freigehalten und sind deren Standorte gekennzeichnet? Werden Beleuchtungskörper, Signaleinrichtungen, Durchsichtöffnungen, Fenster usw. stets sauber gehalten und auftretende Schäden sofort beseitigt? Sind die Durchsichtöffnungen an Türen, Toren usw. nicht verkratzt oder blind? Überprüfen die Vorgesetzten die zur Ordnung und Sauberkeit angeordneten Maßnahmen? Aufgaben Ihrer Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen Sind den Beschäftigten die Bereiche bekannt, für deren Sauberkeit sie zuständig sind? Halten Ihre Beschäftigten die Entsorgungswege zum getrennten Sammeln von Abfällen ein? Wird angeliefertes Material so schnell wie möglich an die Lagerplätze weitergeleitet? Sind die Führer von Flurförderzeugen und Kranen angewiesen, Verkehrswege - auch kurzzeitig - nicht mit Material zu verstellen? Beachten die Beschäftigten die Hygienevorschriften, z. B. beim Umgang mit Gefahrstoffen? Benutzen Ihre Beschäftigten in den Pausen die dafür vorgesehenen Sozialräume? Wird stark verschmutzte sowie ölige oder fettige Arbeitskleidung sofort gewechselt? Dies bedeutet für Sie als Unternehmer, das betriebliche Umfeld so zu gestalten und zu organisieren, dass Ordnung und Sauberkeit gehalten werden können. Und natürlich sind auch Ihre Beschäftigten mit in der Pflicht, ihren Arbeitsbereich entsprechend zu bewahren. Grundsätze der Prävention (BGV A 1) 18

19 Organisations-und Unterweisungs-Checklisten 5.11 Stolper-, Rutsch- und Sturzunfälle Mit mehr als 20 % der meldepflichtigen Arbeitsunfälle der gewerblichen Wirtschaft in Deutschland stellen die Stolper-, Rutsch- und Sturzunfälle (SRS-Unfälle) einen Schwerpunkt und somit die häufigste Unfallursache dar. Bei den Unfällen, die mit einer lebenslangen Rente entschädigt werden, ist der Anteil sogar noch höher. Grund genug, dass auch Sie sich mit den SRS-Unfällen in Ihrem Betrieb befassen. Sind Verkehrswege und Arbeitsbereiche in Ihrem gesamten Betrieb überall eben und ohne Stolperstellen? Achten Sie und die Vorgesetzten darauf, dass gelagertes Material nicht in Verkehrswege hineinragt? Werden Kabel und Schläuche (z. B. von Schweißgeräten) so verlegt, dass keine Stolperstellen entstehen? Werden unvermeidbare Bodenunebenheiten deutlich gekennzeichnet? Ist organisiert, dass Fußböden sauber gehalten und insbesondere Rutschgefahren sofort beseitigt werden? Wird Ihren Beschäftigten in betriebsbedingt rutschigen Bereichen (z. B. Feucht- und Nassbereichen) rutschhemmendes Schuhwerk zur Verfügung gestellt und sind geeignete rutschhemmende Bodenbeläge verlegt? Ist Ihren Beschäftigten bekannt, dass Stolpern, Rutschen und Stürzen die häufigsten Unfallursachen darstellen? Beachten Ihre Beschäftigten, nur geeignetes Schuhwerk zu tragen? Ist bekannt, dass durch das Tragen von Schuhen mit hohem Schaft das Fußgelenk stabilisiert und die Umknickgefahr reduziert wird? Halten Ihre Beschäftigten überall im Betrieb Ordnung und Sauberkeit ein? Werden Ihre Beschäftigten darauf hingewiesen, beim Treppensteigen den Handlauf zu benutzen? Wird darauf geachtet, dass vor allem auf Treppen keine Gegenstände getragen werden, welche die Sicht einschränken? Wird regelmäßig geprüft, ob die Beleuchtungsstärke auf Verkehrswegen noch den Anforderungen entspricht? Ist sichergestellt, dass im Winter vereiste bzw. verschneite Betriebswege bereits zu Arbeitsbeginn geräumt sind? Stolpern Rutschen Stürzen kann man überall, nicht nur im Betrieb oder auf dem Weg dorthin. Also, auch im privaten Bereich oder in der Freizeit sollten Ihre Beschäftigten die obigen Hinweise beachten und immer mit offenen Augen durchs Leben gehen. Sicherer Auftritt (www.sicherer-auftritt.de) 19

20 Organisations-und Unterweisungs-Checklisten 5.12 Heben und Tragen Rückenschmerzen gelten mittlerweile als Volkskrankheit. Die Ursachen hierfür sind vielfältig und liegen neben den individuellen Gründen sowohl im betrieblichen als auch im privaten Umfeld. Doch mit ein paar einfachen Tipps können Sie und Ihre Beschäftigten eine Menge für ihre Gesundheit tun. Ist Ihre innerbetriebliche Logistik so weit optimiert, dass überflüssige Transportvorgänge vermieden sind? Ist Ihren Beschäftigten die mögliche Gesundheitsgefährdung der Wirbelsäule durch falsches Heben und Tragen von Lasten bewusst? Sind Ihre Beschäftigten über das richtige und sichere Handhaben der zu transportierenden Lasten unterrichtet und wurde dieses auch praktisch eingeübt? Sind die Lastgewichte so niedrig, dass sie manuell ohne Gesundheitsgefährdung gehandhabt werden können? Sind Transportaufgaben auf Jugendliche, Schwangere oder leistungsgeminderte Personen abgestimmt? Ist die Häufigkeit der regelmäßigen manuellen Handhabung von schweren Lasten angemessen niedrig? Wird der Transport sehr schwerer und unhandlicher Lasten von mehreren Personen durchgeführt? Ist die Last gut zu greifen? Kann die Last nahe am Körper aufgenommen, gehalten, transportiert und wieder abgesetzt werden? Ist genügend Bewegungsfreiheit am Arbeitsplatz vorhanden, damit die Last aus der Hocke mit geradem Rumpf gehoben und das Verdrehen des Rumpfes vermieden werden kann? Werden einseitige Belastungen (seitliche Rumpfneigung) durch unsymmetrische Lastverteilung vermieden? Ist eine gute Standsicherheit gegeben? Sind manuelle Transporte auf kurze Entfernungen beschränkt und kann bei langen Transportwegen die Last zwischendurch abgesetzt werden? Sind die Transportwege breit genug und frei von Hindernissen, damit die Last ohne Behinderung transportiert werden kann? Kann die Last ohne Werkzeuge oder Handschuhe gehandhabt werden? Stehen Hebe-und Transportmittel in ausreichender Anzahl zur Verfügung? Sind die Beschäftigten auf Verletzungsgefahren beim Handtransport hingewiesen worden? Stehen persönliche Schutzausrüstungen (Schutzschuhe, Schutzhandschuhe, Schutzhelme usw.) zur Verfügung? Werden die persönlichen Schutzausrüstungen verwendet und wird deren Benutzung überwacht? Beachten Sie bitte: Der sicherste Transport ist der, der gar nicht stattfindet. Und rechnen Sie bitte auch mit dem Übereifer Ihrer neuen Beschäftigten. Heben und Tragen (BGI ), 5.13 Persönliche Schutzausrüstungen (PSA) Maßnahmen des Arbeits- und Gesundheitsschutzes sind hierarchisch aufgebaut. Sind Gefährdungen nicht zu vermeiden, müssen zunächst technische und organisatorische Maßnahmen gewählt werden, bevor persönliche Schutzausrüstungen (PSA) ggf. ergänzend zum Einsatz kommen. Und auch hierbei ist dann eine Menge zu beachten. Haben Sie vor dem Einsatz von PSA alle Möglichkeiten zur Beseitigung bestehender Gefahren geprüft und ausgeschöpft? Wird bei der Beschaffung von PSA besonders auf gute Schutzwirkung und geringe Behinderung bei der Arbeit geachtet? Achten Sie bei der Auswahl auf niedriges Gewicht, Tragekomfort, Akzeptanz, Hautverträglichkeit, Reinigungsmöglichkeit und geringen Verschleiß? Werden möglichst formschöne, modern aussehende PSA beschafft, da diese eher benutzt werden? Beziehen Sie Ihre Beschäftigten bei der Auswahl und Erprobung von PSA mit ein? Informieren Sie Ihre Beschäftigten vor dem Einsatz von PSA ausführlich über deren richtige Benutzung und deren Schutzwirkung? Sind alle Bereiche, in denen PSA vorgeschrieben sind, durch entsprechende Gebotszeichen gekennzeichnet? Ist der problemlose und einfache Austausch bzw. die Neubeschaffung von PSA organisiert? Halten Sie Ihre Beschäftigten an, Verbesserungsvorschläge bei der Auswahl von PSA zu melden? 20

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