Das Trauma der Liebe. Hospitalhof Stuttgart 23. Juli Prof. Dr. Franz Ruppert 1

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1 Das Trauma der Liebe Hospitalhof Stuttgart 23. Juli Prof. Dr. Franz Ruppert 1

2 Was ist Liebe? Ausdruck des Bedürfnisses nach Sicherheit, Zuwendung, Geborgenheit, Nähe, Vertrauen Ausdruck der Fähigkeit, einer anderen Person Zuwendung zu geben und sich auf deren Liebesbedürfnisse einzustellen Prof. Dr. Franz Ruppert 2

3 Liebes-Bedürfnisse genährt werden gewärmt werden Körperkontakt haben gehalten werden gesehen werden verstanden werden unterstützt werden zusammengehören willkommen sein (c) Prof. Dr. Franz Ruppert 3

4 Ein Jungtier ist in der Natur ohne seine Mutter, eventuell auch seinen Vater dem sicheren Tod ausgeliefert. Daher hat der Kontakt mit seinen Eltern oberste Priorität. Gleiches gilt auch für Menschenkinder Prof. Dr. Franz Ruppert 4

5 Was die Psyche eines Menschen am meisten prägt. ist seine Bindungs/ Liebesbeziehung mit seiner Mutter Prof. Dr. Franz Ruppert 5

6 Jedes Kind ist mit seiner Mutter psychisch doppelt verbunden passiv: die psychischen Qualitäten der Mutter prägen sich in die psychische Grundstruktur des Kindes ein aktiv: das Kind hält sich an der Mutter fest und versucht, deren Bedürfnisse zu befriedigen Die Bindungsliebe eines Kindes zu seiner Mutter ist eine der stärksten psychischen Kräfte Prof. Dr. Franz Ruppert 6

7 Die Bedeutung des Vaters für die Entwicklung der Psyche eines Kindes Ein Kind liebt auch seinen Vater. Die Beziehung zum Vater eröffnet dem Kind eine zweiten Zugang zur Welt. Sie hilft dem Kind, sich aus der engen Bindungsbeziehung mit seiner Mutter zu lösen. Um selbständig zu werden, braucht ein Kind auch eine sichere Vater-Bindung Prof. Dr. Franz Ruppert 7

8 Wie kommt es zu einer gesunden psychischen Entwicklung? Kindliche Liebesbedürfnisse nach Wärme, Schutz, Halt, Liebe und Zugehörigkeit werden von der Mutter und vom Vater befriedigt. Bestreben nach Eigenständigkeit des Kindes und sich Lösen aus der Abhängigkeit wird von beiden Eltern unterstützt Prof. Dr. Franz Ruppert 8

9 Autonomiebedürfnisse Selbst wahrnehmen, fühlen, denken Eigenständig sein In sich selbst Halt finden Etwas selbst machen Unabhängig sein Frei sein Selbst entscheiden Prof. Dr. Franz Ruppert 9

10 Liebe ist die Fähigkeit Eigennutz mit fremden Nutzen sinnvoll zu verbinden Prof. Dr. Franz Ruppert 10

11 Elternliebe bedeutet einem Kind seine Liebesbedürfnisse altersadäquat zu erfüllen und ihm die Entwicklung seiner Autonomie zu altersadäquat zu ermöglichen Voraussetzung dafür ist: die eigenen Liebesbedürfnisse der Eltern wurden befriedigt und sie konnten als Kinder selbst erfahren, was gesunde Liebe ist Prof. Dr. Franz Ruppert 11

12 Liebe ist die Kunst, liebevolle Emotionen in liebevolles Verhalten zu verwandeln, ohne sich dabei selbst aufgeben zu müssen. (Jesper Juul 2013, S. 76) Prof. Dr. Franz Ruppert 12

13 Ein Trauma der Liebe ist die Unmöglichkeit, in einer Bindungsbeziehung von der geliebten Person die Liebe des zu bekommen, von der man abhängig ist Prof. Dr. Franz Ruppert 13

14 Traumatisierung der Sexualität Traumatisierung durch Gewalt Traumatisierung der Liebe Prof. Dr. Franz Ruppert 14

15 Fakten, die auf ein Trauma der Liebe schließen lassen Das Kind ist ungewollt Abtreibungsversuch Wenig Körperkontakt und Nähe für das Kind Frühe Fremdbetreuung des Säuglings und Kleinkinds Vernachlässigung des Kindes Gewalt gegen das Kind Sexueller Missbrauch Prof. Dr. Franz Ruppert 15

16 Die Bindungsbeziehung zu seiner Mutter und zu seinem Vater kann für ein Kind zu einer traumatisierenden Erfahrung werden, v.a. wenn seine Eltern traumatisiert sind Prof. Dr. Franz Ruppert 16

17 Traumatisierte Eltern können sein Emotional nicht erreichbar Übergriffig Emotional schwer belastet Unberechenbar Emotional bedürftig Gewalttätig Sie sind psychisch gespalten Prof. Dr. Franz Ruppert 17

18 Trauma der Liebe bedeutet ein Kind muss die eigenen Gefühle von Angst, Wut, Trauer, Schmerz abspalten, es muss sich selbst aufgeben, um in der Bindungsbeziehung mit seinen Eltern bleiben zu können Prof. Dr. Franz Ruppert 18

19 Prof. Dr. Franz Ruppert 19

20 Spaltungen der psychischen Struktur bei einem Trauma der Liebe Traumatisierte Liebe Überlebens- Anteils-Liebe Gesunde Liebe Prof. Dr. Franz Ruppert 20

21 Merkmale von gesunden Anteilen bei einem Trauma der Liebe Eigene Lebenskraft Eigener Lebenswille Angst, Wut, Trauer, Schmerz können ausgedrückt werden Freude an der Bewegung Freude am Spielen Freude am Lernen Offenheit, Kreativität Prof. Dr. Franz Ruppert 21

22 Merkmale traumatisierter Anteile bei einem Trauma der Liebe Verzweiflung, dass keine Elternliebe spürbar ist Verlassenheits- und Einsamkeitsgefühle Todesängste Unterdrückte Wut Unterdrückte Trauer extremer Rückzug Tendenz zur Selbstaufgabe Prof. Dr. Franz Ruppert 22

23 Merkmale der Überlebensanteile bei einem Trauma der Liebe zähes Ringen um die Liebe der Eltern Idealisierung der Mutter/des Vaters Identifikation mit den Überlebensmechanismen der Eltern die Eltern retten wollen verschmelzen mit den traumatisierten Anteilen der Eltern oder Großeltern verdrängen und leugnen des eigenen Traumas Prof. Dr. Franz Ruppert 23

24 Liebesillusionen Liebe ist für die Ewigkeit Wenn man nur fest genug liebt, wird auch der andere die Liebe erwidern Liebe kann mit Druck und Gewalt erzwungen werden Man kann jemanden durch die eigene Liebe retten Liebe heilt alle Wunden. Fundamentales Missverständnis: Die eigene Liebesbedürftigkeit wird als Liebesfähigkeit dargestellt Prof. Dr. Franz Ruppert 24

25 Folgen eines Traumas der Liebe Leben in einer fremden Identität Eigene Gefühle und die Gefühle von Vater oder Mutter können nicht unterschieden werden Lebenslange symbiotische Verstrickung mit den Eltern Symbiotische Verstrickungen in anderen nahen Beziehungen Feststecken in kindlicher Liebe, die sich selbst verleugnet, aufopfert und überhöht Erhöhtes Risiko für Gewalttrauma und sexuellen Missbrauch Psychische Störungen aller Art (Ängste, Hyperaktivität, Depressionen, Süchte, Psychosen ) Prof. Dr. Franz Ruppert 25

26 Schritte zur Überwindung eines Traumas der Liebe Erkennen und verstehen, dass eine Bindungsbeziehung traumatisierend ist Erkennen, dass diese Beziehung nicht einseitig veränderbar ist Aus der traumatisierenden Beziehung aussteigen wollen Angst, Schmerz, Wut, Trauer wieder fühlen, die in der traumatisierenden Beziehung abgespalten werden müssen Eine gesunde Liebesbeziehung zu sich selbst aufbauen Gesunde Liebesbeziehungen zu anderen aufbauen Prof. Dr. Franz Ruppert 26

27 Integration der Spaltungen bei einem Traumaerfahrung Trauma- Gefühle zulassen Liebes-Illusionen erkennen und aufgeben Sich stabilisieren und neue Freiheiten nutzen Gesunde Anteile stärken Prof. Dr. Franz Ruppert 27

28 Literatur Jesper Juul (2013). Mann und Vater sein. München: Kreuz Verlag. Franz Ruppert (2005). Trauma, Bindung und Familienstellen. Stuttgart: Klett-Cotta Verlag. Franz Ruppert (2007). Seelische Spaltung und innere Heilung. Stuttgart: Klett-Cotta Verlag. Franz Ruppert (2010). Symbiose und Autonomie. Symbiosetrauma und Liebe jenseits von Verstrickungen. Stuttgart: Klett-Cotta Verlag. Franz Ruppert (2012). Trauma, Angst und Liebe. Unterwegs zu gesunder Eigenständigkeit. Wie Aufstellungen dabei helfen. München: Kösel Verlag. Ruppert, F. (2014). Frühes Trauma. Schwangerschaft, Geburt und erste Lebensjahre. Stuttgart: Klett-Cotta Verlag Prof. Dr. Franz Ruppert 28

29 Ankündigung Oktober 2015 in München 3. Internationale Tagung Wer bin Ich und was will Ich? Therapeutisches Arbeiten mit dem Aufstellen des Anliegensatzes Prof. Dr. Franz Ruppert 29

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