Mal ehrlich was können wir wirklich?

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1 Mal ehrlich was können wir wirklich? Abschlussvortrag der Fachtagung zur Leistungsfähigkeit ambulanter Erziehungshilfen Siegen Prof. Dr. Werner Freigang Hochschule Neubrandenburg

2 Ehrlich Was wir können (sollten) was wir tatsächlich tun (können) Güte und Zuverlässigkeit der Informationsquellen

3 Klappt ja zum größten Teil alles, wie gesagt, es geht nur darum, diesmal krieg ich keinen Hortplatz mehr für mein Kind, ist auch ne Schweinerei, ne? Krieg ich keinen Hortplatz, das macht Frau M. dann. Das kann ich allein wirklich nicht, weil sie hat ja die bessere connection und mit Bedarfsprüfung, da kennt sie sich einfach besser aus. Also das ist schon ganz hilfreich, aber ansonsten der Rest... Ich weiß auch nicht, ich weiß bis heute noch nicht, bin ich ganz ehrlich, was ne Familienhilfe sein soll.

4 Professionalität (was wir können sollten) Fallverstehen

5 Verzicht auf Fallverstehen Sie machen die Schublade auf, holen ihr Gelerntes heraus, und wenden das, was sie 30 Jahre lang gelernt haben aber wirklich auch auf alle Personen an. Also es ist nicht, dass, sie dir zuhören, dass sie wirklich auf deine Situation eingehen, sondern dass sie wirklich ihre Paragraphen abarbeiten. Und von daher, wie gesagt, ich würde auch am liebsten komplett abbrechen, wenn ich wüsste, man kann mir nicht ans Bein pinkeln deswegen. Weil, in der Form, habe ich es nicht gewollt. (Int. 1)

6 Ich möchte nicht, dass man mich hinstellt als wäre ich eine 14jährige, kleine Dumme von um der Ecke, die nicht weiß, wie man ein Kind badet, die nicht weiß, was Einkaufen ist, die nicht weiß, dass ein Kind im Winter einen Anorak anzuziehen hat und keinen Minirock. Das sind alles so Sachen, damit kann ich arbeiten, das weiß ich alles alleine. Und wenn ich sage, ich möchte Umgang oder Hilfe im Umgang mit meinen Kindern, natürlich, dass sie gucken, und dass sie mal sagen, weil ich habe ne ganz komische Art. Ich bin nicht aggressiv, aber ich habe natürlich durch die Kindheit eine Art, ich schlage nicht, ich werde lauter. Und da merke ich aber, dass es einem Kind auch nicht gut tut. (Int 1)

7 Professionalität Fallverstehen Arrangieren von Ressourcen

8 Arrangieren von Ressourcen Genau, so in Eigenregie. Und ich werd das mal darüber probieren, dass man zumindest so ein zwei drei Leute zum Erzählen hat. Hab heute damit angefangen, hatte eine vom Ausflug, die hat, die wird auch von Frau M. betreut zum Beispiel. Die ist auch sehr zufrieden, aber bei ihr ist die Hilfe auch angebracht, weil die ist sehr lustlos und so. Die muss angetrieben werden und mich muss man eher so ein bisschen dämpfen und ja Zeit einteilen, und na mal gucken, nicht den zweiten Schritt vorm ersten gemacht. Und mit der hab ich heute zusammen Mittag gegessen, Kinder haben zusammen gespielt und das funktioniert. Und daran, wie gesagt, wie beim ersten Gespräch, ohne Scheiß, merkst du eigentlich immer nur, dir geht s gar nicht so dreckig. Andern geht s viel dreckiger, ja das gemein, aber daran zieh ich mich dann wie immer hoch. (Int 2)

9 Professionalität Fallverstehen Arrangieren von Ressourcen Ermöglichung von Selbstwirksamkeit

10 Zuschreibung von Erfolg Aber so diese Sachen, wo ich jetzt sage, Essstörung, das Kind pullert nicht mehr ins Bett, beziehungsweise das Kind kackt mir nicht mehr unter die Spielkisten, meine Kinder reden wieder mit mir, meine Kinder sagen mir das auch wirklich dreimal täglich mittlerweile wieder. Das sind Dinge, die hab ich, ja die hab ich alleine gemacht. Ich möchte mal ganz salopp sagen, so hintenrum mit der Hilfe von Frau M., in dem Sinne dann andere Sachen abgenommen hat. Aber so wie ich mir das eigentlich vorgestellt hab, wie ich das gern gehabt hätte, ist es nicht. Aber es geht, wenn man sich clever anstellt, geht s um andere Ecken und Wege auch, also dann muss man halt wirklich das in Kauf nehmen, was die Familienhilfe macht und was sie gut kann und darüber brauchst du dir nachher keine Gedanken machen, das lass die machen und dann machst du einfach das nächste schon. Dann hast du wieder mehr Zeit. (Int. 2)

11 Alltagsorientierung Ja und wie gesagt,. Gott sei Dank bin ich doch einigermaßen clever genug gewesen, um die dann das machen zu lassen und ich mach dann wirklich nur meinen Teil. Und dadurch hab ich dann auch ein bisschen mehr Ruhe reingekriegt, hab dann halt wirklich ein bisschen mehr Zeit für die Kids gehabt, aber ansonsten, so was spezielles

12 Professionalität Fallverstehen Arrangieren von Ressourcen Ermöglichung von Selbstwirksamkeit Alltagsorientierung/ Entdramatisierung Evaluation mit AdressatInnen Helikopterfähigkeit In die Zukunft sehen

13 Professionalität Fallverstehen Arrangieren von Ressourcen Ermöglichung von Selbstwirksamkeit Alltagsorientierung/ Entdramatisierung

14 Evaluation auch missglückter Hilfen Frau A. war wirklich nur darauf hinaus, dass sie dann Kaffee mitgebracht hat und das sie doch immer abgewaschen hat und, also genau das was ich nicht wollte, alles wo ich gesagt hab, das sollte sie bitte nicht machen in meinem Haushalt. Alles das hat sie gemacht und im Nachhinein hat sie einfach nicht verstanden, dass es für mich nicht angebracht war. Das ist wirklich, so wie sie es gemacht hat, ist es wahrscheinlich okay, aber es war nicht okay für mich. Und ich konnte es nicht mehr, für mich war es nachher schon belastend und ich hab nachher echt schon nen dicken Hals gekriegt, wenn ich allein nur den Namen Frau A. gehört hab. Naja und sie fand s nicht so toll, sie wurde dann auch im Gespräch n bisschen lauter, das heißt, sie hat den Ton ein bisschen erhoben. (Int. 2)

15 Baustellen Exklusive Beziehung institutionelles Arrangement (Urlaubsvertretung u. ä) Währung Fachleistungsstunden Können wir in immer weniger Zeit das gleiche leisten? Was ist, wenn keine Ressourcen zugänglich gemacht werden können, weil sie nicht vorhanden sind? (z.b. ambulante Hilfen auf dem Lande)

16 Passung Mir ist auch Frau A. mit dem Alter her, das ist mir völlig Banane, aber wie gesagt, der Hauptkern ist immer wieder: Leute geht auf meine Situation ein! Und.. wenn man sich mit mir befassen würde, wollen wir mal jetzt ehrlich sein, und wenn man konkretisieren könnte, wo ich Hilfe brauche, wenn das Frau K. wüsste, wenn die das schon konkretisieren könnte, dann könnte man mir auch eine anständige Familienhelferin zuteilen. Da muss man nicht einmal in den Topf greifen, die hat grad keine Arbeit, da hast du. Denn die hat gerade neu angefangen, die braucht nen Job, weil mehr war das nicht. (Int. 1)

17 Also jetzt ganz ehrlich worin ich in dieser Tagung bestärkt wurde Der fachliche Blick hilft wichtige Fragen zu stellen und nicht zu vergessen; Respekt vor den Bewältigungsversuchen der AdressatInnen zu haben; schwierige Situationen auszuhalten; für die AdressatInnen nützlich zu sein; Methoden fall- und situationsbezogen auswählen zu können; Parteilichkeit und institutionelle Aufträge in Einklang zu bringen; Misserfolge konstruktiv zu bearbeiten

18 Danke für Ihre Aufmerksamkeit

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